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7.1.1907 Zweites Blatt
 
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Montag 7. Januar 1907

Zweites Blatt

Nr. 5

157. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheffen

dknMächtendle Entsendung von zwei hohen Justizbeamten'gebiet und alles, was mit den fremden Handelsgebieten um

Herrscher statt. Die sehr rege Beteiligung so wird uns heute

cauer, -der Leiter der Flersheirnschen Erziehungsanstalt, in

F. K.

tigsten und Seltensten gezählt hatte.

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Rotationsdruck und Verlag der vrühl'fchen UnwersuälS - Buch- und bleindruckerei. R. Lange, Dießen.

TieGltfctner ZamillenbläUer" werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Derhefstfche tanbölrt" erscheint monaUich einmal.

ersetzlichen. Jetzt trat Herr Auerbach vom Frankfurter Schau­spielhaus an bi& Bahre. Er hat zuerst das Talent des Ver­storbenen in seiner vollen Bedeutung erkannt und gewürdigt und ihn nach allen Kräften gefördert. In wenigen Worten nahm der Tiefergrifsene Abschied von seinem jungen Freunde; er rief ihm nach, daß sie beide sich allezeit verstanden hätten. Zum Schlüsse sprach Herr Meier, der Vorsitzende des Vereins ehemaliger Philanthropiner, bei dessen festlichen Veranstaltungen der junge Künstler häusig mitgewirkt haue. Er widmete dem Verstorbenen im Namen des Vereins warme Worte der Erinnerung und des Dankes. Auch er legte, wie seine Vorredner, einen Kranz am Sarge nieder. Die durchaus würdig verlaufene Feier hinter­ließ bei jedem der Anwesenden das Gefühl, daß hier ein Mensch gestorben war, den man trotz seiner Jugend schon zu den Tüch-

mindestens die, wenn eingerechnet dann also

Redaktion, Expeditiön und Druckerei: Sckml- straße 7. Expedition und Verlag: 61.

Redaktion: 112. Tell-Adra AnzeigerGreßen.

Pfeil leisteten Tüchtiges. Der darauffolgende E y k l o p Euripides wurde auch recht gut gegeben, besonders den Herren Bogelmann, Bauer und Szika, hat weniger angesprochcn.

Die Breslauer Kunftdeputation erließ ein mit 4000

' und hob hervor, daß seine tiefwurzelnde Begabung schon frühe Lehrern wie Kameraden Anerkennung abgenötigt hätte. Nur

Man schreibt uns unterm 6. Jan. aus Frankfurt a. M.: Die gestrige Erstaufführung der Elektra von Sophokles in Wilbrandts guter Bearbeitung fand unter der Regie des Dr. Carl Heine eine ausgezeichnete Wiedergabe. Das Publikum wurde von dem Stück mächtig angezogen und spendete warmen Bei­fall, wobei besonders die glanzvolle Leistung des Fräulein R o t t - mann große Anerkennung sand. Auch die Herren Kirch und

Koloniale Kauko en und Koloniale A.sz phn.

TieNordd. Allg. Ztg.' schreibt zu dem Wahlkampf unter der Ucberschrijl:Koloniale Baukosten*: Der bisherige Abg. Erzberger ließ eine Ueverficht über die Tätigkeit der ZcntrumSfrcrltion in der letzten Legislaturperiode erscheinen. Hinter der scheinbaren Sachlichkeit seiner Darstellung stoßen ivir da auf eine Reihe von tatsächlichen Irrtümern, be­sonders von logischen Schnitzern. So macht Erzberger eine Rechnung auf, nach welcher abzüglich der ostasialischen Expedition das Vaterland für die Kolonien bisher 815 Millionen Mark aufgebracht habe. Es pafsiert ihm nur dabei der Irrtum, daß er die abgelchnten Nachtragsetats für die Expedition mit 29 Millionen, bie noch nicht genehmigte Eisenbahn mit 21 Millionen und die Forderungen für den noch gar nicht verhandellcn Hauptetat für 1907 mit 61 Mill, emstellle, außerdem die Schätzungen für die Untofien der Post- und Telegraphenverwallung von 7 Millionen und die Ausgaben für die Mcrrmeverwaltung mit 20 Millionen. Als ob wir für die Kolonien bisher unfern Flottenetat erhöhten und die Tampfersuboention für die Ostafrika-Lmie, welche doch zum großen Teile für die Entwicklung des deutschen Handels nach Britlsch-Südafclka geschaffen worden sind! Diese Posten machen zusammen 152 Millionen Mark aus. ES blieben also nur 663 Millionen übrig, welche das Reich in 22 Jahren für die Kolonien aufbrachte, in einer Zeit, in welcher sich der nationale Wohlstand in Deutschland mindestens um 30 000 Millionen vermehrte. Zu dieser falschen Rechnung kommt nun aber noch eine zweite ebenso unrichtigeAufstellung. Seinen 850 SöliUionen Ausgaben, die 1907 emschließen, setzt er nämlich den Gc- samthandel von 318 HJliUionen entgegen. Diese Summe rechnet er nur zusammen aus den Jahren 1885 bis 1904

nicht auf 318 Millionen Gesamthandel, sondern auf 528 Millionen. Nur der Handel mit dem deutschen Zoll-

nach Mazedonien an, die nut dem Generalmspekior eine Verbesserung beS Justizwesens studieren sollen.

In Budapest hat am Sonntag eine österr.-ungar. Ministerkonferenz zur Fortsetzung der HandelSoertragS- oerhandlilngen begonnen.

Ter japanische Botschafter in Petersburg, Motono, er­klärte, daß, sobald die während des letzten Krieges zerstörten Bahnstrecken wieder hergestellt sein würben, der Transitverkehr zwischen der Transsibirischen und der Transmandschurischen Bahn aufgenommen werden solle, und daß Rußland zu diesem Behufe ein besonderes Eisenbahnabkommen abschließen werde, welches übrigens bereits ini Friedensvertrage von Portsmouth vorgesehen wurde. Tiefes Abkommen werde auch die guten politischen Beziehungen zwischen Rußland und Japan noch mehr befestigen.

Rußland bietet dasselbe Bild wie bisher. Mord­anschlägen erlagen der Gouverneur von AkmolmSk, General­major von Litmivow, und der Sladlhauptmann von Peters­burg, von der Launitz. In Jekaterinoslaw explodierten ein paar Bomben, durch welche drei Giriere und ein Schutz­mann gelötet wurden. Ein Polizeiofstzier wurde schiver ver- mundet. Dazu kommen Arbeiterrevolten in Lodz, wo sich die Parteien auf baS heftigste bekämpfen. Tie Ruhe der letzten Monate war also nur scheinbar, unb man ist im moskowitlschen Reiche von der Herstellung normaler Zustände noch weit entfernt.

So sieht das neue Jahr die Welt kaum anders, wie baS alte ^sahr sic verlassen hat. Von einer Besserung ber inter­nationalen Weltlage kann nur insoweit gesprochen werden, als zurzeit zivischen den Großmächten ferne besorgnis­erregenden Differenzen bestehen.

Kleines Feuilleton.

DieBeerdigungMaxHerrschers. Am Donners­tag morgen (den 3.) um 10 Uhr fand, wie wir bereits kurz meldeten, auf dem israelitischen Friedhöfe zu Frankfurt a. M. die Beerdigung des so plötzlich verstorbenen Schauspielers Max

Auf diesem kündigt der HerrDirektor" das erste Auftreten seines neuengagierien Regisseurs in dem Kadelburg-Schönthan- schen LustspielDie berühmte Frau" an. Dieser eine Titel des Stückes erscheint ihm jedoch nicht ausreichend zu sein, deshalb gibt er jedem einzelnen Akte noch einen ober mehrere Untertitel. Diese lauten: 1. Akt:Moderne Kinder'" oderDie Verlobung durchs Telephon", 2. Akt:Liebe, wie süß bist du" oderZum i Aufs", 3. Akt:Noch eine berühmte Frau". Doch das genügt1 ihm noch lange nicht. Zur weiteren Aufklärung fügt er eine Kritik über die Erstaufführung des Stückes in Marburg bei und schreibt wie folgt:Hochgeehrtes P. T. Publikum, liebet dieses, die ganze gebildete Welt in fieberhafte Spannung bei seinem Erscheinen versetzende Werk wurde nach der ersten Auf­führung in Marburg geschrieben:Gestern wurde die von vielen Seiten als Wagnis bezeichnete AufführungDie berühmte Frau" in unferm Theater zur Wahrheit! Ein großartiges Bild gi­gantischen Geistes, der den Realismus auf seine Fahne geschrie­ben, vielleicht in der richtigen Verfassung, daß die Zukunft aus-, schließlich dieser Richtung angeboren wird angehören muß! lieber den Wert unb bie Bebeutung bes Schönthan-Kadelburg- schcn Werkes toerben wir in einem besonderen Artikel unsere' Ansichten aussprechen, für heute wollen wir den überwältigenden Eindruck konstatieren, welchen das Stück auf das Publikum gemacht:, Tas Theater war voll, die feinsten Kreise unserer Stadt waren' erschienen, unb vor Beginn der Vorstellung herrschte eine un-> nennbare Stimmung, welche uns erfaßt, wenn wir zur Beurtei­lung eines von den angewohnten Lebensanschauungen nach allen Richtungenverurteilten" Problems stehen. Da rauscht der Vorhang in die Höhe, unb vor unseren Augen entrollt sich ber giganiijche Geist bei Dichter, der von Szene zu Szene* Publikum unaufhallsam gefangen nimmt. Unb noch jeüem ,2luf«j iuge durchbraust tut allgemeiner Beifall das Theater."

locr Kaufmann, i, mit umiatiflt. Kami' lOlonialro., iianuianur- v.aidieu. betten!, unto Kontor gleich Wik perU0?wW» liö.od.a-nfö°>-en,mogl sHwje bei bei#. ÄM- tL Angebote unter egenerAnMtt erberen.

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bet schwache Trost bliebe jetzt den Trauernden, daß der Tod des Künstlers wahrhaft schön gewesen wäre, unb sein Bild nun ewig in jugenblidjcr Frisa-e vor uns stände, nicht entstellt durch spätere Leiden unb unausbleibliche Enttäuschungen. Nachdem der 9tebner geendigt hatte, ergriff Herr Bayrharnmer vorn Frankfurter Schauspielhaus das Wort, indem er, wie er sagte, zugleich bie Em­pfindungen seiner Gattin ausdrückte, die von Gießen mit noch mehreren Tarnen zur Beerdigung herbeigeeUt war. Er beklagte lief das jähe Ende seines jungen Kollegen und wies daraus hin, daß sein ungewöhnliches Können unb sein hoher künstlerischer Ernst zu den glänzendsten Hoffnungen berechtigt hätten. Im Namen des gesamten Gießener Theaterpersonals sprach hieraus Direktor Steingoetter. Er knüpfte an die Worte aus der Braut von Messina" an:

In sein stygischeS Boot Raffet der Tod Auch der Jugend blühendes Leben", Worte, die ber Verstorbene noch kurze Zeit vorher gesprochen hatte unb bie nun Schicksalsworte für ihn geworden waren. Er dktoüts neben der schauspielerischen Begabung Herrschers vor allem

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und läßt dabei den Gesamthandel von 210 Millionen Mark der folgenden Jahre, eine Gegenüberstellung überhaupt logisch wäre, werden müsien, außer acht. Lian kommt

dotiertes Preisausschreiben für ein Denkmal, das die Sage vom Glockenguß zu Breslau verherrlicht.

Unfreiwilliger Theater Humor Tie Poesie des wandernden Thespiskarrens unb Die Riesenphantasie i^rft Unternehmer Schmier endirektorcn nennt ber Polls mund

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gesetzt ist, wird einfach aus der Rechnung gestrichen. Wenn Erzberger mit dem deutschen Handel so verfahren würde, also etwa allen Export nach dem Uebersee und allen Import von der Uebersee striche, dann würden seine Ziffern gerade die Hälfte des tatsächlichen deutschen Handels ergeben. Seine ganze Rechnung hinkt aber. Denn wenn man dasselbe Rezept auf 1906 anwenden würde, würde sich ergeben, daß die 19 Millionen Zuschüsse im Ordinarium und die 110 Mill. Kosten der Expedition den 70 Millionen Handel gegenüber- gestellt iverden können, und wenn bie Expedition nach Süd­west abgewickelt sein wird, wird man vielleicht 20 Millionen Ausgaben 80 und 90 Millionen Handel gegenübcrslellen müsien, und da wäre nach der Rechnting Erzbergers ein über­aus glänzendes Bild geschaffen. Wir geben dieses Bild aber ohne weiteres preis, weil die ganze rechnerische Ope­ration Erzbergers unsinnig ist. Will man den ReichSzuschuß und den Kolonialhandel überhaupt in Beziehling setzen, so könnte es höchstens in der Weise geschehen, daß man die Zuschüsse als ein in die Kolonien gestecktes Kapital und den Handelsgewinn als eine Verzinsung darstellte. Dann käme man etwa zu folgendem Ergebnis: Die Zuschüsie zu den Kolonien, sagen wir 30 Millionen, 10 Prozent Nutzen auf 89 Millionen, und den Handel mit 8 Millionen, das ergäbe immer noch 26 Prozent Verzinsung für die deutsche Nationalwirtschaft, was doch keine schlechte Sache wäre. Aber, wie gesagt, der ganze Gedankengang ist unrichtig. Wollen ivir ein Bild gebrauchen, so müssen wir uns die Ausgaben für Kolonien als Baukosten für ein Haus vorstellen. So lange gebaut wird, ist keine Verzinsung erwartbar. Ebenso wie ein Haus, brauchen unsere Kolonien lange Zeit für ihren Aufbau. In den für sie abgegebenen Millionen stecken große Summen für werdende ReichSunternehmungen, bie noch im Bau sind, also noch nicht rentieren können, und bei alledem ist im Auge zu behalten, daß Deutschland, welches seiner Fläche nach die drittgrößte Kolonialmacht der Welt ist, selbst unter Einrechnung der Kriegslasten, für bie nationale Wirt­schaft bisher verhältnismäßig bessere Resultate erzielt hat als irgenb ein anderes Land.

DieNordd. Allgem. Zkg.^ schreibt ferner unter der UeberschristZweierlei Maß':

Soziatdemokraleu und Zentrumsleute wetteifern in Flugschriften und in Wahlreden darin, gegen die kolomallreund-, liehen Parteien durch bie Erzeugung einer Gänsehaut Stimm­ung zu machen. Nach wie vor wird der alte Klatsch über) Grausamkeiten unserer Beamten breitgetreten, mögen die Geschichten noch so alt oder noch so unwahr sern. Ta auch | eine Zentrumsbroschüre über die Tätigkeit der ZentrumSsrakiion die von Roer en im Reichstag oorgebrachten Schauergeschichten wiederholt, so erinnern wir an folgendes: Eine große Reihe der Roerenschen Anschuldigungen sind absolut unbewiesen. Seme sämtlichen Behauptungen wegen Kersting stellen sich als u n iv a h r heraus. Seme Anschuldigungen gegen Schmidt wieder­holte Roeren trotz wiederholter Aufforderung in der Leffentlichkeit, wo er durch seine Immunität Nicht gedeckt wäre, nicht und gab somit Schmidt nicht bie Möglichkeit, sich zu rehabilitieren. Was die Prügelstrafe betrifft, so erklärte övr jtolonialdirektov mehrmals, daß die Schwarzen so behandelt werben müssen, wie es der Würbe der deutschen Nation, sowie unserem Gerechtigkeits­gefühl eiitsprache. Lhne Strafen kommen wir in den Kolonien natür­lich nicht aus; das deutsche Reich muß in den Kolonien nicht bloß die Kultur verbreiten, sondern auch regieren, den Schutzbefohlenen Rcspekr ernfloßen unb den deutichen Ansieblern Sicherheit ge­währen, man kann ben Eingeborenen nur solche Strafen zu- bitneren, welche für sie von Wirkung sinb. Hier müssen eben Politik unb Menschlichkeit soweit als möglich vereinigt werben. Roeren zeigte dem Reichstag einen Knüppel vor, mit bem Ein­geborene geschlagen worden sein sollen. Mit dem Knüppel steht es wahrscheimick) ebenso wie der Patrone, bie der Sozialdemokrat: Bernstein nach den Breslauer Krawallen dem Reichstag zeigte, und die bei näherem Zusehen sich als nicht abgeschvssen heraus- stellte. Warum erzählt man denn aber nicht von tatsächlich erwiesenen Grausamkeiten, die von Eingebore­nen gegen die Weißen begangen worden sind? Wie sie unsere Krieger aufs scheußlichste mißhandel­ten, sie bei lebendigem Leibe verstümmelten, den Halbtoten das Genick umdrehten, weißen Frauen in viehischster Weise Gewalt antaten, unschul^ big en Kinbern den Kopf am Türpfosten zerschmet- 1 e r t e n?_________________________________ I

politijcbc Wochenschau.

In das Chaos der Wahlbewegung hat auch der Kanzlerbrief keine Ordnung gebracht. Noch immer schießen in den Wahlbezirken neue bürgerliche Kandidaten auf. Em zielbewußteS Vorgehen zeigen die wenigsten Parteien. Wahrscheinlich wird die Hauptschlacht fast allenthalben, im Reiche wie bei uns in Gießen und wie überhaupt in Hesien, nut einer kolossalen Stimmenzersplinerung enden und eine Menge von Stichwahlen notwendig sein. Bemerkenswert ist es, daß man just in jenem Lager, wo Fürst Bülow die festesten An- Hänger feiner Politik vermuten muß, nämlich im reaktionären, herzlich wenig Lust zeigt, für die Wahlparole des Kanzlers durch dick und dünn zu gehen und eS vorzieht, zufammen mit dem Zentrum Nationalliberale, Freisinn und Sozial- demokratie zu bekämpfen. DieKreuzztg.* hat sich offen ge- nug in diesem Sinne geäußert, und es war ja auch eine andere Stellungnahme von den Reaktionären nicht zu er­warten. Wie Fürst Bülow daran denken kann, die konser­vativen und liberalen Elemente zu einer Mehrheit unter einen Hut zu bringen, das bleibt sein Staatsgeheimnis. Harden fragt sehr richtig in seiner Zukunft:

Die Roiijeroauoen waren jahrelang des ZentnimS BundeS- f cnofien waren« gestern noch: und sollen heule die Pariei be- negen, Die sie für ihre Agrarpolitik nicht entbehren können? Unter einem Banner mit Denen marschieren, die ihnen Brotwuckier, Fleischwucher, Lchnapswucher u. a. vorwerfen? Etwa im Reichs­tag kosen und im Xlanbiag Kugeln wechseln? Nur, weil eine Re­gierung, die unter vier Augen von Allen unbarmherzig öeruvieilt wird, zur «Znstrmg ihres Lebens eine neue Mehrheit wünscht?

Daß der Kanzler sich seine RegierungSzukunst so vorstellt, daß ihm sich zwei Möglichkeiten einer parlamentarischen Mehr- heilSbildung eröffnen, eine in Verbindung mit den nationalen Elementen des Zentrums und die andere mit den hoffentlich in starker Zahl in ben Reichstag gelangenden liberalen Ab­geordneten, ist sehr zu beachten. Rian sieht, daß Fürst Bülow nicht gesonnen ist, die Brücken gänzlich hinter sich abzubrechen. Immerhin ist aber jetzt die Möglichkeit gegeben, auf den RegierungSkurS von liberaler Seite emzuwirken. Ter Wert einer solchen Möglichkeit darf nicht unterschätzt werden. An dem Volke ist eS, durch sein Votum, durch seine liberale Stimmabgabe diese Möglichkeit zur Wirklichkeit zu machen. Dazu ist es in erster Linie nötig, daß der Liberalismus ber sozialdemokratischen Fraktion eine Anzahl von Mandaten ent­reißt. Wenn auch die bozialdemokratie mit liberalen Argu­menten operiert und sich dem Volke gegenüber im liberalen Mantel präsentiert, so stand sie und steht sie doch taktisch aus Seiten dec Reakiion, sie war eS, die dadurch dem Zentrum zu seiner Suprematie verholfen hat. In unsereni Wahlkreise steht der Kampf gegen die Sozialdemokratie und das anti­semitische Agranecium im Vordergründe. Jeder Sozial­demokrat im Reichstage ist taktisch em Förderer der Zentrums- Herrschaft und jeder Agrarier em Erhöher der LebenSmittelpreise in Stadt und Land.

In 9)1 arotfo folgte auf die Absetzung RaisukiS als Gouverneur die Besetzung von Tanger durch bie marokk. RegierungStruppen. Raisuli leistete Widerstand, Ben GabbaS aber, der marokkan. Kriegsminister, eröffnete am 6. d. MtS. nut seinen Linientruppen baS Feuer gegen bie Festung Rai- suliS und Raisuli sah sich in größter Gefahr, ist aber boch in unbekannter Richtung in bas Gebirge entwichen. 9)lan vermutet, daß er sich in ben Felsen beS GebirgSkammeS ver­borgen hält; seine Verluste sinb noch unbekannt. Gelingt dem Kriegsminister GedbaS, ben Räuberhauptmann gefangen zu nehmen, so liegt für bie französisch-spanische Escabre kein Grund vor, Truppen zu landen. Andernfalls aber ist ein sofortiges Eingreifen der beiden Mächte mit Bestimmtheit zu erwarten, und bann wird ber Marokko-Rummel wohl von neuem loSgehen. Der Aufenthalt bes franz. KriegSministerS Picquart in Tunis wird nicht ohne Zusammenhang mit ben marokkanischen Ereignissen gewesen sein.

Das türkische Minlsterium bes Auswärtigen zeigte

c u, welche ün Kochen "beit geioanbi sind, y ln bS Häusern.

Lonnensir.8 ies iViflDdicn gciudji __ Musiadl 8, erfahrenes Mädchen Hausarbeit nefufit chnuLt.LelierSweM

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UuilUSnitl- Slw^ geschrieben bewies, baß der jugendliche Künstler auch in wei- ücren Kreisen eine hohe Achtung und Liebe genossen hatte. Vor der kranzgeschmückten Bahre sprach als Erster Pros. Dr., Kra -

welcher der Verstorbene ausgewachsen war. Er rühmte die strenge fltffle . Pflichttreue und zielbewußte Energie seines ehemaligen Schülers

......................

seine liebenswürdige Bescheidenheit, bie ihm die Herzen und neid- diese Braven find selbst unferm nüchternen Jahrhundert er»' lose Achtung aller Kollegen, auch der älteren, erworben hatte. Den halten geblieben. Einen Beweis hierfür gibt der Theaterzettel \ Verlust, der ihn betroffen, nannte er für seine Bühne einen un- einer kleinen westpreußischen Stadt, der uns im Original vorliegt.

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