Ausgabe 
6.9.1907 Zweites Blatt
 
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Zur Bekämpfung der Feldmäuse.

Von Tr- H. Rae big er-Halle a. S.

Tie Schäden, welche große Mäuseplagen auf unseren Feldern hervorzurufen vermögen, dürften allgemein bekannt fern- Man soll daher, worauf Tr- Schwinning in der landwirtschaftlichen Wochenschrift für die Provinz Sachsen mit Recht hinwerst, zur Ausrottung der Mause nicht erst schreiten, wenn sie sich ins Ungeheuere vermehrt haben, sondern soll rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen zur Verhütung der Plage ergreifen- Im allge­meinen gebrauchte man bisher nur chemische Gifte (Arsenik, Phosphor, Strychnin enthaltende Präparate usw-). jta diese aber einesteils auch den Haustieren, dein Wilde und sogar dem Menschen gefährlich werden können, andererseits ihre Anwen­dung mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden ist, schließ­lich auch die Kosten des Verfahrens nicht unbeträchtliche smd, so ist man von diesem Verfahren fast ganz abgekommen, um­somehr als ein anderes Verfahren, deut jene Schäden nicht anhaften, mit größtem 'Erfolge seit längerer Zeit zur Anwen­dung gelangt ist- Dieses Verfahren beruht auf der Anwen­dung des Löfflerschen Mäusctyphusbazillus, Bazillus typhi murrum, der also kein chemisches Gift darstellt, sondern lediglich eine ver­heerend verlaufende Seuche unter den Feldmäusen hervorruft-

Empfänglich für den Bazillus sind die weiße und die graue Hausmaus, die WaldinauA, die Mvllmaus oder Wasserratte, so­wie die 'Feldmaus, und zwar ist die Feldmaus am empfäng­lichsten, während die graue Hausmaus der Ansteckung gegenüber etwas widerstandsfähiger ist. Ratten und Brandmäuse erliegen den Bakterien nicht-

Teichert-Wreschen hat vergleichende Fütterungsdersuche an­gestellt, deren Ergebnisse in nebenstehender Tabelle zusammen­gestellt sind-

Tierart und Anzahl

Krankheits­dauer bis zum Tode

Anzahl der gestorbenen Tiere

Prozentsatz der gestorbenen Tiere

d

er Tiere

1

Feldmans

7 Tage

1

100 Proz.

30

Feldmäuse

3-5

10

100

5

3-5

5

100

6

4-8

6

100

8

7-9

7

87,5 ,

1

Hausmans

10

1

100 ,

7

Hansmäiise

7-8

7

100

3

8-10

3

100

1

Brandmaus

bleibt leben

0 v

4

Brandmäuse

bleiben (eben

0

3

y

0

4

*

tt ff

0

Mit diesen Ergebnissen stimmen die Resultate überein,-welche das Bakteriologische Institut der Landwirtschafts kammer in Halle an der Saale bei seinen Versuchen erzielt hat- Tas Institut stellt Mäusetyphuskulturen in Form von Bouillonröhrchen her, die vor der Abgabe sorgfältig auf ihre Wirksamkeit geprüft werden-

Hierbei sind während der letzten Jahre 289 Mäuse (Haus­mäuse, weiße und Feldmäuse) durch Versütterung Löfslerscher Kulturen infiziert worden- Alle Tiere bis auf 3 Hausmäuse und eine tragende weiße Maus waren in einem Zeitraum von 68 Tagen gestorben-

Aber nicht nur Laboratoriumsversuche zeitigten so gute Er­gebnisse, auch aus der Praxis liegen die günstigsten Berichte vor- Professor Kitt-München sagt in einem seiner Werke, nachdem er die Mäuseplage und deren Bekämpfung in Thessalien beschrieben hatte: i

Verschiedenen Ortes wurde alsdann irrt kleinen und großen das Lösslersche Tilgungsverfahren weiter in Probe gezogen- Die Berichte hierüber äußern sich fast ausnahmslos höchst günstig und empfehlend- Wo der Erfolg rticht ganz nach Wunsch aus- siel, da waren zumeist Fehler in der Behandlung unterlaufen, indem z- B. die Kulturen dem Verderben durch Sonnenlicht, Austrocknen oder Hitze ausgesetzt wurden, oder das Mittel nicht gegen Feldmäuse, sondern gegen Ratten, Maulwürfe, Hamster, für deren Tötung es nicht geeignet ist, versucht worden war-"

Tas Auslegen der Kulturen geschieht in der Weise, daß eine Aufschwemmung derselben in Kochsalzlösung (1 Kaffeelöffel voll Kochsalz auf i Liter ab gekocht en Wassers) oder in abgekochter Magermilch, welche die Mäuse besonders gern aufnehmen, her­gestellt wird- Mau schneidet sodann Brotstückcheu von etwa 2 Zentimeter Seitenlänge und wirft sie in die Flüssigkeit- ES eignet sich dazu besonders Weißbrot, aber nur altbackenes, weil sich dasselbe am besten mit der Flüssigkeit vollsaugt- Tie infi­zierten Weißbrvtstückchen werden alsdann in die Mäuselöcher ge­worfen oder in Mieten, Scheunen usw- ausgelegt. Es müssen natürlich um so mehr Brotstückchen ausgelegt werden, je mehr Mäuse vorhanden sind- Im allgemeinen wird jedoch ein Kültur- röhrchen für Vi Hektar oder 1 Morgen Landes ausreichen. Tie Wirkung tritt bereits acht bis 14 Tage nach dem Auslegen des Infektionsmaterials in die Erscheinung- Tas Sterben unter den Mäusen vollzieht sich deshalb so verheerend, tveil die verendeten

Die Kaninchenzucht.

Bon M- Krug, Berlin.

Nachdruck verboten.

Neuerdings scheint man an der Kleintierzucht und besonders an einem früher gar nicht beachteten Zweige derselben, der Kaninchenzucht, ein lebhaftes Interesse zu uehineu- Immer? neue Kaninchenzuchtvereirte eutstehen, die dann aufs eifrigste bestrebt sind, ihre TeviseKaninchenfleisch muß Volksnahrung! werden" zur Wahrheit werden zu lassen- Man kann ihren Be­strebungen nur besten Erfolg wünschen; steht doch das Kaninchen fleisch an Nährwert dem besten Ochsensleisch gleich, übertrifft aber z- B. das Schiveinesleisch an Bekömmlichkeit und Leichtver­daulichkeit bei weitem- Leider hegt man in Deutschland dem Kaninchenfleisch gegenüber noch immer ein durch nichts gerecht­fertigtes Vorurteil- In anderen Ländern dagegen wird es schon lange hochgeschätzt, in Frankreich z- B. werden jährlich für mehrere Millionen Mark Kaninchen verzehrt; es gilt dort als Leckerbissen- Richtig zubereitet ist es auch in der Tat von vor­züglichem Geschmack- Es kann denn auch die Haltung und Züch­tung oon Kaninchen nut empfohlen werden; man verschafft sich dadurch, trenn man sich etwas Mühe gibt, eine kleine Neben- einnahme, zum mindesten kann man sich aber öfter einen billigen und dabei äußerst nährhaften Braten leisten-

Wer Kaninchenzucht betreiben will, dem ist zu raten, nicht - auss Geratewohl zu züchten, sondern rationell und nach be­stimmten Grundsätzen- Vor allem muß man an die Wahl einer geeigneten Rasse denken- Es gibt bereits eine solch stattliche Anzahl von Kaninchenrassen und jährlich werden zu den alten noch so viel neue Rassen herausgezüchtet, daß die Entscheidung,, welcher Rasse man den Vorzug geben soll, ziemlich schwer fällt- Allgemein kann man die verschiedenen Rassen in Sport- und Nutz­rassen einteilen- Sportrassen finb z. B. die englischen Widder, Holländer, Russen, englische Lchecken 2c- Ten Uebergang zu den Nutzrasseii bilden Silberkaninchen, Japaner usw- Als aus- gesprvchne Nutzrassen kommen dann in Betracht: belgische,loth­ringische und Wiener Riefenkaninchen, ferner das belgische Hasen- kaninchen, das Normandiner Kaninchen n- a. Früher kannte man in Deutschland fast nur das gewöhnliche Hauskaninchen, auch Stallhase usw- genannt. Ta es aber nur ein geringes Gewicht er­reicht es wird selten über drei Kilo schwer, so ist es als Deutliches Schlachtkaninchen nicht anzusehen und zur Neinzucht wenig zu empfehlen, höchstens kommt es für Kreuzungen mit schweren Rassen in Betracht- Wir empfehlen in erster Linie die

Tiere von den gesunden angefressen werden, und auf diese Weise jede tote Maus eine neue Quelle der Ansteckung bildet-

Geheimrat Prof- Dr. Loeffler-Greifswald äußerte sich im ver­gangenen Jahre in den Mitteilungen der deutschen Land Wirtschaf ts- gesellschast zu derselben Frage und sagt wörtlich:

Tie Verwendung des Mäusetyphusbazillus zdr Bekämpfung der Mäuseplage hat sich, seitdem ich ihn vor 14 Jahren in die Praxis eingeführt, jahraus, jahrein bewährt und in allen Kultur- länirern eine stetig wachsende Verbreitung geftinden- Um mit dem Bazillus eine gute Wirkung zu erzielen, bedarf es vor allem gut wirksamer, frischer Kulturen." Er weist ferner darauf hin, daß jetzt von den verschiedenartigsten Stellen Külturen unter der BezeichnungLöfflerscher Mäusebazillus" abgegeben werden, daß aber eine Gewähr einerseits für die Wirksamkeit dieser Kul­turen für Mäuse und andererseits für ihre Unschädlichkeit für den Menschen und für andere Tiere als Mäuse nicht geboten werden kann-Mein Mäusetyphusbazillus", fäfrrt Löffler fort, tuft nur bei Mäusen eine tödliche Krankheit hervor, für den Menschen und für Tiere anderer Spezies ist er unschädlich, wie durch die ausgedehnteste Wirkung des Bazillusl in der Praxis erwiesen ist." . ,, v

Es wird sich daher empfehlen, nur solche Kulturen anzuwenden, welche in wissenschaftlichen Instituten hergestellt und auf ihre Wirksamkeit geprüft sind- .

Von den vielen anderen zur Vernichtung der Maufe empfoblenen Mitteln hat sich eigentlich nur der Schwefelkohlenstoff bewährt, welcher in geringer Menge in den unterirdischen Bau gebracht wird, wo er durch die Entwickelung seiner Gase diy Tiere bald betäubt und tötet- Gegenüber dem Mäusetyphusbazillus hat er aber doch mancherlei Nachteile, zu denen nicht zum minderten sein teurer Preis und die große Feuergefährlichkeit gefrören-, größter Nachteil liegt jedoch darin, daß er lediglich die in den ausgegofsenen Löchern befindlichen Tiere tötet, also nur eine be> schränkte Wirkung zu entfalten vermag- Ebenso verhält es sich mit den sog- Mäusetabletten, deren wirksamer Bestandteil dev Schwefelkohlenstoff ist- Die Tabletten bestehen nur aus kreis­förmigen Fließpapierblättchen, die vermittels eines chirchge- schlagenen Nagels zusammengehalten werden und mit Schwefel­kohlenstoff befeuchtet sind- Trotzdem beträgt z. B. der Preis! für 1000 Stück Briestsche Mäusetabletten 25 'Mark-

Aus obigen Ausfüchmngen geht hervor, daß bei der Ver­nichtung der Feldmäuse den Löfflerschen Mäusetyphusbazillm? tregen ihrer Billigkeit, Ungefährlichkeit, ifrrer bei fachgemäßer Züch­tung stets zuverlässigen Wirkung und der bequemen Verwende barkeit ohne Zweifel vor allen anderen Mitteln der Vorzug zu geben ist- ______________