Ausgabe 
29.12.1906 Erstes Blatt
 
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Voraussetzungen diskussionsfähig bezeichnet haben. Der frühere serbische Gesandte am Hofe von St. James, Dr. Lujatovitch, ist der englische Mittelsmann der in Belgrad laut werdenden Wünsche nach einer neuen Thronrcgelung. Die üblen Eskapaden des Kronprinzen von Serbien haben den Wunsch nach geordneten Verhältnissen an Donau und Thein stark verschärft. Die Partei der Unzufriedenen in Serbien weist mit größer werdender Be­rechtigung auf das stetig fallende moralische Ansehen hin, dessen sich die Familie der Karageorgewitsch noch erfreut. Ein engl. Prinz würde, so rechnet man richtig, dem gesunkenen Prestige der serbischen Monarchie erneuten Glanz verleihen und Belgrad in Europa wieder hoffähig machen. Ob freilich die unumgnn- gigen Vorbedingungen zu einem derartigen Thron- und Dynastie­wechsel die friedliche Abdankung König Peters und seiner Söhne und die klare Ordnung der auf die Ermordung König Alexanders bezüglichen Verhältnisse zu erreichen wäre, liegt auf einem anderen und mehr als schwierigem Felde.

Prinz Arthur Frederick Patrick Albert von Connaught ist 24 Jahre alt und steht ä la suite des prcuß. Zietenhusaren- Negiments, dessen Chef fein Vater, der Herzog, ist. Er ist mit Lady Marjorie Manners verlobt.

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Die schwarz-rote Gemeinschaft international!

Man schreibt uns:

k. Die Auslösung des Reichstages läßt eine merkwürdige Tatsache scharf hervortretcn: dieJnternationalität der schwarz^ roten Gemeinschaft. Man sollte meinen, daß der Gegensatz zwischen Sozialdemokratie und Zentrum groß genug wäre, um dieGenossen" aller Länder die zentrumsfeindliche Schwenkung der deutschen Regierung mit freudiger Zustimmung begrüßen zu sehen. Aber davon himmelweit entfernt, zeigt sich dieselbe Sozialdemokratie, welche die französische Regierung wegen ihrer Kircl^enpolitik höchlich belobt, als die feindseligste Gegnerin der deutschen Regierung. Dies gilt nicht nur von der deutschen Sozialdemokratie, nicht nur von der französischen, in deren Namen Jaurös über die deutsche Negierung wegen der Reichs­tagsauflösung herfiel, sondern auch von den italienisch"!, Genossen". Ihr römisches BlattAvanti" gehört zu den Be­wunderern der antiklerikalen Negierungen Frankreichs, den Schritt aber, den die Reickisregierung gegen da- Zentrum tat, tadelt er aufs schärfste. Diese Jnternationalität der schwarz-roten Gemein­schaft ist überaus kennzeichnend.

NeucS aus Rußland.

Im Dorfe ft lau bin bei Warschau erfolgte, als der Bauerwirt Boguta einen dort oufqefundenen, au5 der Stadt in einem Düngerwagen hingebrachten Koffer kaufen wollte, eine furchtbare Explosion. Der Händler und die Tochter des Bauern wurden getötet, dem Wirt beide Beine abgerissen, sein Haus stark beschädigt. Der Kontrolleur der Warschauer Gasanstalten, Staroduboff, wurde in der Vorstadt Ozyste von mehreren Attentätern in seiner Wohnung erschossen.

In Kertsch explodierte in der Synagoge eine Bombe. Bei der hierauf vorgenommenen Untersuchung entdeckte man in der Synagoge eine Geheim dru ckerei. Der Gouverneur beschloß daher, baS Verwaltungspersonal ber Synagoge mit Ausnahme bes Rabbiners abzusetzen, welch letzterer eine Verwarnung erhielt. Die übrigen Mit- glieber würben zu Geldstrafen verurteilt.

In Lodz wurde ein Arbeiter auf dec Straße er­schossen. In den Arbeiterhäusern der Gesellschaft Heinze! und Kunitzer fand eine Haussuchung statt, wobei 5 0 Per­sonen, darunter auch der Fabrikdirektor und der Haus­verwalter, verhaftet wurden.

In Odessa drangen 8 mit Bomben und Revolvern bewaffnete Anarchisten in die Raeumeder ZeitungRowostni" ein und raubten 6 55 Rubel. Es gelang ihnen, zu entkommen. Zwischen den Stationen Kisiterinka und Raschitschewan wurde in dem nach Rostow gehenden Postzuge der Stationskasseneinnehmer von fünf mit Revolvern bewaffneten Leuten überfallen und beraubt Dank dem günstigen Terrain gelang es den Räubern zu entkommen.

Wie aus Omsk gemeldet wird, ist ber Gouverneur des Gebietes Akmolinsk, Generalmajor Litwinow, in ber Nähe bes RegierungSgebäubes von 2 Unbekannten getötet worden.

Die unter Golubows Leitung in Petersburg tagende Untersuchungskommission beendete die Prüfung der Getreide- lieferungs-Affäre Gurko-Littwall. Das Resultat soll unverzüglich dem Zaren unterbreitet werden, darauf dem Ministerkonseil und schließlich dem ersten Departement des Senates übergeben werden. Die ursprüngliche Verkehrs­summe unterzeichnet vom Departementschef Litwinew be­trug 80 000 Rubel. Später machte Gurko 800 000 Rubel daraus.

Ausland.

Paris, 28. Dez. Senat. Bei ber Beratung des Gesetzentwurfes, betreffenb die Ausübung bes Kultus, behauptet Laseases, ber Gesetzentwurf sei nicht nur für bie Katholiken, sondern für alle wahrhaft Liberalen unannehmbar. Die Katholiken nähmen keine Privilegien für sich in An­spruch, sondern wollten nur ein Gesetz, das ihnen gestatte, Katholiken zu bleiben; er wünsche, daß Frankreich hierin dem Beispiele der Vereinigten Staaten von Amerika, Brasiliens und Deutschlands folge. Nach einer sehr entschiedenen und mit großem Beifall aufqenommcnen Lede des Kultusministers Briand zu Gunsten des Gesetzes tritt der Berichterstatter ßecomte für die Vorlage ein. Die französische Republik dürfe kein Vasall des heiligen Stuhles werden. Die Regierung gewähre den Katholiken mehr als Deutschland den deutschen Katholiken. Trotzdem gestand der heilige Stuhl Frankreich nicht das Meistbegünstigungsrecht zu. Durch die Annahme der Vorlage werde ber Senat ber Regierung bie Waffen in bie Öanb geben, welcher sie gegen eine offene Auflehnung bedürfe. Lamarzelle wendet sich gegen die Vorlage, die den religiösen Grundsätzen widersprechen, und betont, die Katho­liken seien dem Papste Gehorsam schuldig. Redner erhebt Einspruch gegen bie Ausweisung Mgr. Montaaninis, die er für unberechtigt erklärt. Clemenceau sagt, die Berechtigung werde sich bald von selbst Herausstellen. Lamarzelle sagt, bie Haltung bes Klerus zeige, baß bie Regierung den Gehorsam desselben gegenüber dem Papste nicht brechen werde.

Tanger, 28. Dez. Kriegsminister Gebbas begab sich heute nachmittag mit seinem Stabe in feierlichem Zuge nach ber Moschee. Hier wurde ein Schreiben des Sultans ver­lesen, durch welches Raisuli wegen des vielen Schadens

seines Postens enthoben und an seiner Stelle Ghazi Pascha, Gouverneur von Tanger, gleichzeitig zum Gouverneur von Fahs ernannt wird. Wie es heißt, lehnte Raisuli es ab, auf seine AmtSbestignisse als Gouverneur zu verzichten; er rüstet zum Widerstände und sandte seinen Harem in die Berge unter dem Schutze ber Kabylen vom Stamme BeniarioS.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 29. Dezember 1906.

Man bestelle den Gießener Anzeiger, die größte und verbreitetste Zeitung in Oberhessen und im Lahngebiet.

Bestellungen für das neue Vierteljahr werden bei allen Postanstalten, Zweigstellen, von den Zeitungsträgern und Briefträgern entgegengenommen. Den Postabonnenten em- vfehlen wir, umgehend das Abonnement zu erneuern, damit feine Unterbrechung in der Zustellung statt findet.

** Empfangen wurden am Freitag von S. K. H. dem Großherzog der amerikanische Botschafter Charlemagne Tower aus Berlin und der Botschaftssekretär A. Garret. Im Auftrage seiner Regierung überreichte der Botschafter dem Groß­herzog aus Anlaß der Beteiligung des hessischen Kunstgewerbes an der Weltausstellung in St. Louis 1904 ein kunstvoll her- gestelltes Diplom sowie eine Denkmünze. Beide Herren nahmen sodann an der Frühstückstafel teil.

** Finanzaspirant Frank, zurzeit bei der Hessischen Landeshypothekenbank zu Darmstadt beschäftigt, ist zum Verwalter des Fürstlichen Rentamts Braunfels mit dem Titel Rentmeister" ernannt worden. Mit Frank wird der zweite hessische Finanzaspirant in die Fürstlich Braunfelssche Verwalt­ung übertreten, da auch der seit 1894 dieser Verwaltung ange- hörende Kammersekretär Jockel die Prüfung für die mittleren Stellen im Finanzfach in Hessen bestanden hat.

** Das Abbrennen von Feuerwerk, sowie das Schießen ist auf den Straßen und innerhalb der Hofreiten verboten, worauf mit Rücksicht auf die Silvesternacht be- sonders aufmerksam gemacht sei. Insbesondere wird auch vor dem Werfen von Feuerwerkskörpern auS den Fenster» gewarnt. Tie Händler für Feuerwerksförper seien auf die heutige amtliche Bekanntmachung des Großh. Polizeiamts hingewiesen.

Die Reichstagswählerlisten liegen in ganz Hessen auch morgen (Sonntag) unb am Neujahrstag zur Einsichtnahme der Interessenten offen.

** Für bie Anlagenmusik am Sonntag vormittag H1/? llhr in der Südanlage ist folgendes Programm vor­gesehen: 1. Ouvertüre zuFrau ßuna* von Lincke; 2. Mari- tana-Walzer von Dellinger; 3. Einzug der Gäste ausTann- häuser^ von Wagner; 4. Armeemarsch Nr. 205.

** us dem Bureau des Stadttheaters. Noch- mals sei auf die morgige Räuber- Aufsi'hrung hingewiesen, in der Herr Bruno E i ch g r ü n vom Stavttheater in St. Gallen den Karl Moor spielen wird. Am Mittag geht als Fremden­vorstellung zu ermäßigten Preisen BenedixHochzeitsreise" und der burleske SchwankDe r gemütliche Kommissär" in Szene. Zu der Abendvorstellung am 1. Januar, die die spannende Detektivkomödie Sherlock Holmes bringt, werden schon jetzt Vormerkungen entgegengenommen.

"Fünfziger 1 89 6. Die WeihnachtS- und Schluß feier, verbunden mit der Feier der Geburtstage der im Dezember geborenen Fünfziger, fand am Donnerstag abend unter Teilnahme von 60 Altersgenossen im festlich geschmückten Saal des Hotel Schütz statt. Hell leuchtete der mit 50 Lichtern geschmückte Tannenbaum im Raum und nachdem bie Festgenossen durch den Vorsitzenden A. Tickore begrüßt und die Geburtstagskinder beglückwünscht waren, nahm der Jüngste derselben, Professor I). Eck das Wort zur Festrede. Er gedachte der Erinnerungen, die ein jeder Mensch an seine Jugend hat, und demerkte dabei humorvoll, daß es meistens die dümmsten Streiche seien, bie dem Gebächtnis am festesten anhaften. Begeistert schilderte der Redner die allen gemeinsamen Erinnerungen aus der großen Zeit 1870/71. Er gedachte des Milliardensegens, ber zum Unsegen wurde, und die deutsche Energie und Tatkraft, wie fleißiges Arbeiten und Schaffen unS dann wieder weiter vorangeholfen habe. Infolge ber rapiden Vermehrung unserer Bevölkerung er­wuchs die Sorge um Beschäftigung, um Erwerb, um Brot für die vorhandene, sich fortgesetzt steigernde Kraft der Nation zu schaffen, und so entstand die soziale Frage, über deren Lösung schon so ungemein viel gestritten worden ist. Diese Frage, die im Grunde genommen dahin geht, jedem Menschen )U einem zufriedenen Dasein zu verhelfen. Man möchte be­dauern, daß man schon 50 Jahre alt geworden ist, aber man muß sich auch gleichzeitig darüber freuen, daß man erst dieses Alter erreicht hat und daß es den Fünfzigern noch möglich sein wird, mitzuarbeiten an der Lösung der sozialen Frage. Professor D. Eck sprach bie Hoffnung aus, daß wir es bald erleben möchten, in Deutschland unter lauter zu­friedenen glücklichen Bürgern leben zu können und schloß seine Rede mit einem begeistert aufgenommenen Hoch aus das deutsche Vaterland und seine Bewohner. Oder-Staats- anwalt Theobald gab ein Gedicht von Friedrich v. Truß (Möbius) in hessischer Mundart zum Besten, worauf die Weihnachtsgeschenke durch eine Verlosung zur Verteilung ge­langten. Musik, Gesänge und humorvolle Reden hielten die "Altersgenossen noch lange zusammen. Eine Tombola, bei ber 50 von Teilnehmern ber Feier gestiftete Gewinne zur Ausspielung kamen, brachte einen erheblichen Betrag ein, der für einen Wohltätigkeitszweck Verwendung finden wird. Die Fünfziger von 1906 haben als solche aufgehört zu existieren, an deren Stelle werden 1907 hoffentlich zahlreiche Nach-' folger treten und so die in Gießen eingeführte schöne Sitte der Fünfzigerfeier weiter pflegen.

Brand. Heute morgen 6 Uhr entstand im Dach, 'locf eines Hauses in ber Grün be rg erstraße ein Brand, der aber von den Hausbewohnern und Nachbarn gelöscht werden konnte, ohne weiter um sich zu greifen. Ein Balken, der im Fußboden der Küche unter dem Herd hinzog, hatte sich entzündet und glimmte jedenfalls schon tagelang, ohne öafj es bemerkt wurde. Im Bodengelaß neben ber Küche mar heute früh das Feuer aus dem Fußboden herausge- treten und hatte Nahrung an einem Schließkorb mit Wäsche gesunden. Da alles luftdicht abgeschlossen war, waren die Latten ber Bobengelasse unb Dachsparren stark angekohlt.

Der dicke Schnee auf dem Dach trug zum dichten fiuftab- schluß bei und verhinderte so ein Durchbrechen des Feuers.

" Verletzt. Gestern morgen wurde ein Arbeiter von Lollar mit einer Schußwunde im Leid in die chirurgische Klinik eingeliefert. Ein Kroate hat dem Mann die Ver­letzung am Abend vorher im Streit beigebracht unb ist bann flüchtig geworben.

** Groben Unfug verübten einige (^hiben^en am Abend des zweiten Feiertages in einem hiesigen Restaurationslokal. Die offenbar ziemlich angeheiterten sechs Herren kamen um 11 Uhr in das Lokal und verursachten dort Lärm. Nach den von uns eingezogenen Erkundigungen warfen sie sich schließlich mit Bier- untersätzen und Gläsern. Der an einem anderen Tisch sitzende Schauspieler Kober wurde dabei getroffen und trug eine ziemlich stark blutende Wunde in ber Nähe der Schläfe davon. Die Verletzung scheint für den davon B^rosi-nen ^freulidpttoeife keine nachteiligen Folgen zu haben, da Herr Kober inzwischen schon wieder aufgetreten ist. Der Vorfall rief bei den zahlreichen Gästen des Lokals begreiflicherweise lebhafte Entrüstung hervor. Die meisten Gäste verließen das Lokal, wodurch dem Wirt ein erheblicher Schaden entstand.

** Größere Weihnachtsgaben hat auch diesmal wieder der frühere Besitzer des Gießener Vraunsteinbergwerkes Herr F er nie durch Vermittelung seines Bevollmächtigten, Di­rektor Pascoe, hier und in mehreren umliegenden Orten an Wohl­tätigkeitsanstalten usw. gespendet. So erhielten bedürftige Berg­mannsfamilien in Watzenborn-Steinberg reiche Gaben. Die Kleinkinderschule in Lützellinden erhielt 100, eine Berg­mannswitwe in Hörnsheim 40 Mk. usw.

O Lollar, 28. Dez. Wegen Verdachts der Brand­stiftung wurde ein hiesiger Einwohner R. verhaftet; er ist verdächtig, bie Hofreite des Landwirts Moos angezündet zu haben.

k HopfmannSfeld, 28. Dez. Der junge Landwirt Eifer hier stürzte bei den Fütterungsarbeiten vom Scheunen- gerült kopfüber in die Tenne. An den Verletzungen starb er.

Offenbach, 28. Dez. Rentner Friedrich Krumm, der in der letzten Sitzung der Stadtverordneten zum unbesoldeten Bei­geordneten gewählt worden, bat, nach derOffenb. Ztg/, gestern der Bürgermeisteret mitgeteilt, daß er aus Gesnndheitsrück- sichten die Wahl nicht a n n e h m e n könne. Es ist also dem­nächst eine neue Beigeordnetenwahl notwendig.

Frankfurt a. M., 28. Dez. Die Wählerlisten zur Neichstaqswahl ergeben für den Wahlkreis Frankfurt (Stadt) rund 84500 Wahlberechtigte gegen 73 232 bei den Wahlen im Jahre 1903 und 61161 im Jahre 1898. Wegen Ueberfullung der hiesigen Irren­anstalt wurden heute früh 34 unheilbar Irre in die Irrenanstalt Weilmünster gebracht.

vcrmisch-es.

* Die neuesten Eisenbahnunfälle. Ein Eisen­bahnzusammenstoß fand in der Nähe von Dundes (England) statt; 13 Personen wurden getötet. Ferner erfolgte zwischen Turin und Alessandria ein Zusammenstoß zweier Personenzüge. Die beiden letzten Wagen des einen Zuges wurden vollständig zertrümmert. Sieben von Urlaub heimkehrende Soldaten wurden schwer verwundet.

* Heftiger Frost und Schneestürme werden aus allen Teilen Frankreichs und Englands, wie der Schweiz mit der gebräuchlichen Hinzufügung von Verwehungen der Straßen und Eisenbahnen, von Ver­unglückungen gemeldet. Selbst in gewissen Bezirken Süd­frankreichs, nicht etwa der Berge, sondern der Ebene, liegt der Schnee über 10 Zentimeter hoch; im Norden und im Zentrum erreicht er oft fast einen Meter. In den Vogesen und im Nord-Departement fanbert Ent­gleisungen und auch direkte Hinderungen des Bahnverkehrs durch die aufgehäuften Schneemassen statt. In England sind an vielen Orten die Telegraphendrähte zerrissen; Mehrere Todesfälle durch Erfrieren wurden ge­meldet ; schwere Stürme wehen an der ganzen Küste. Das Unwetter ist schlimmer als seit vielen Jahren.

* Kleine Tageschronik. Aus Hillesheim in ber Eifel wirb gemeldet, baß sich dort dieser Tage seit dem Jahre 1888 wieder der erste Wolf gezeigt hat. Es wurde Jagd aufi ihn gemacht. Tie unheimlichen Gäste verirren sich nur in harten Wintern ab und zu vereinzelt in die Gebirgstäler der Eifel unb Vogesen, sonst sind sie seit längerer Zeit schon dort ausgerottet. ; In dem Torfe B r e m a n bei Essen e r s ch o s s e n D i e b c , die bei dem Wirt Stratmann einen Einbruch verübt hatten, diesen, als er durch das Geräusch erwachte. Sie sind entkommen. Fn Berlin wurde eine Frau Schmidt mit der Petroleumlampe in der Hand plötzlich von Krämpfen befallen. Sie stürzte be­sinnungslos zu Boden, die Lampe kam zur Explosion und das Petroleum ergoß sich über die Kleidung der Frau, welche in wenigen Sekunden in hellen Flammen stand. Frau Schmidt wurde in saft hoffnungslosen Zustande dem Krankenhaus zu­geführt. Ein Projekt, Venedig durch eine Brücke mit dem Festlandc zu verbinden, bildet zurzeit den Gegenstand von Er­wägungen int Gemeinderat. In der Bevölkerung Venedigs macht sich eine starke Strömung gegen die Ausführung dieses Planes bemerkbar, da man der Meinung ist, daß die Schönheiten Venedigs hierdurch beeinträchtigt würden. Man hat eine Protestversammlung einberufen.

«sterichtssaal.

Posen, 29. Dez. Vor dem Oberkriegsgericht des 5. Armee­korps stand der Leutnant Wilhelm L. vom 7. Königs- Ereiiadierregiment in Liegnitz, der vor einiger Zeit vom hiesigen Kriegsgericht wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt und Berübung widernatürlicher Handlungen in acht Fällen zu e i n e m I a h r Gefängnis verurteilt worden war. Das Oberkriegsgericht bestätigte das erste Erkenntnis.

V e r l i n . 29. Dez. Ein 28 Jahre alter L e h r e r in Deutich- Wvmcrsdorf stand unter der Anklage, sich gegen eine Anzahl seiner Schüler vergangen zu haben, vor der 4. Strafkammer des Land­gerichts 3. Vor der Verhaftung hatte sich der Angeklagte die Pulsadern ausgeschnitten. Der Gerichtshof nahm an, haß der Angeklagte bei den ihm zur Last gelegten Straftaten! in einer krankhaften Störung der Geiststätigkeit gehandelt habe. Auf Grund des § 51 erkannte die Strafkammer auf Freisprechung,

gastfrei nnd Oerkchr, Volkswirtschaft.

. 0 u,d er Berliner Börse. Bei fester Grundtendenz war

das tvescba't sehr gering. Nüssen verkehrten noch immer in sehr guter Haltung. Koblenwerte werden von rheinischen Kavitalislen vegelnt. Hiergegen waren Elsenattien leicht abgeschiväebt. Mülheimer -oenuverk wurden verlangt, da das ganz unsichere Gerücht von einer Angliederung an Gelsentirchen noch immer umgeht. Später rauröe oie Haltung sehr referoirt und Amerikaner avgeschwächt. Geld anl kurze Termine war lehr q sucht.

Giessener Wetterdienst.

A Do.ans-ichtlichc Witterung für Hessen am Sonntag dem o0- -r ezember: Al eist trüb. Leichte Schneefälle. Fortdauer des mäßigen Frostes. Veränderliche Winde.