Ausgabe 
28.12.1906 Erstes Blatt
 
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Teruffe Scheidemann und Tenoffe Bebel.

,®ine alberne Lüge ist e8, baß die Sozialdemo­kratie die Landwirte beschimpft."

Genosse Scheidemann in der Reichstagssitzung vom 11. Dezember 1906. MitSehr wahr" stimmten die Sozialdemokraten dem zu.

IL

,E8 gibt keinen egoistischeren, keinen rücksichts­loseren keinen brutaleren und auch keinen bornier­teren Rtenschenschlag als die bauerliche Klasse, gleich­viel welcher Gegend."

Genosie" Bebel auf dem Parteitage in München. Sehr richtig", riefen auch hier die versammelten Genossen.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Dez. Das Kaise rpaar hat das Weih nachtsfest in gewohnter Weise im Familienkreise verbracht. Am zweiten Feiertage wohnte die gesamte Kaiserliche Familie mit den Damen und Herren der Umgebung der Vorstellung im Königl. Schauspielhause bei. Gegeben würde Blumenthals LustspielDaS Glashaus".

Den reichstreuen Bergarbeitern in Nieder­schlesien, die dem Kaiser kürzlich ein Huldigungs-Tele­gramm übersandten, ist ein vom Geh. KabinetlSrat v. Lucanus unterzeichnetes Kaiser!. Danktelegramm zugegangen.

Prinz August Wilhelm von Preußen hat sich heute mit der Prinzessin Alexandra Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg verlobt. Prinz August Wilhelm, der vierte Sohn unseres KalserpaareS, ist am 29. Januar .1887, Prinzessin Alexandra Viktoria am 21. April 1887 geboren. Die Braut ist die zweite Tochter des Herzogs Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein. Ihre älteste Schwester, Prinzessin Viktoria Adelheid, hat sich am 11. Oktober 1905 mit dem Herzog von Sachsen-Koburg- Gotha vermählt. Prinz Adalbert, der vierte Sohn des KalserpaareS, ist noch unvcclobt.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt:

Fürstbischof Kopp begeht heute die 25. Wiederkehr des Tages, an dem er im Dom zu Fulda die Weihe als Bischof em­pfing. Als hingebungsvoller Diener seiner Kirche und treuer Patriot hat Fürstbischof Kopp segensreich vorbildtich gewirkt. DaS Blatt fügt eine Schilderung de- Lebenriau'es von Kopp an und hebt fein Wirken für die Herstellung der Beziehungen zivlichen dem Staate und der katholischen Kirche hervor, sowie Jemen Anteil an den Verhandlungen zur Beseitigimg der Folgen des Kultur­kampfes, sowie bei der Schaffung der entsprechenden Gesetze.

Dem Redakteur Dr. Tyrol wurde der Titel eines Direktors desDeutschen Reichs- und königl. preuß. Staats- anz." mit dem Range der Räte vierter Klaffe verliehen.

Der Fall, daß cm Reichstags-Abgeordneter aus einer Fraktion ausgeschlossen wird, ereignet sich sehr selten. Wie jetzt bekannt wird, wurde der ReichStags- Abg. für den Wahlkreis Pyritz-Saatzig, der anllsemitische frühere PastorKrösell, nach einer Erklärung des Fraktions- Vorsitzenden der wirtschaftlichen Vereinigung, Liebermann von Sonnenberg am Auflösungstage des Reichs- tages aus der Fraktion ausgeschlossen. Er soll im Falle seiner Wiederwahl in die Fraktion nicht wieder aufgenommen werden.

Die nationalliberale Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses brachte eine Interpellation ein, wie sich die Verfügung des Kultusministers vom 4. Men 1906 betreffend die Beschlüsse der Schuloerbände, insbesondere der Stadtgemeinden, auf Erhöhung der Lehrergehälter ver­trage mit den berechtigten Jnteresien der Schuloerbände, ins­besondere der Stadtgememden an der Hebung ihres Standes. Ferner beantragen die Nationalliberalen, einer ander- weitigen Feststellung derWahlbezirke und der Zahl der von ihnen zu wählenden Abgeordneten, erhöhtes Wahlrecht auch bei höherer Bildung und höherem Alter, ein erweitertes Wahlrecht derWähler dritter Klaffe, Beseitigung derindirektenWahlund Ermöglichung einer Vertretung der Minderheiten. Unter den sonstigen An- trägen der Nationalliberalen befindet sich ein solcher aus schleunigste Bereitstellung staatlicher Mittel für Unterbeamte roegen der andauernden Verteuerung der Lebens- mittel, auf Ermäßigung der Eisenbahnpersonen, tarife mit Rücksicht auf die Verteuerung durch die Reichsfahrkartensteuer, auf Regelung der Haftung des Staats für die durch seine Beamten herbeigeführten Schäden und auf allgemeine Einführung einer fachmännischen Schul- aufsicht.

Auf eine Anfrage hat die Eilgut-Abfertigung in Halle a. d. S. mitgeteilt, daß die Versetzung von Fleisch, von frisch geschlachtetem Vieh in den Eilgut-Speztal- tarif sich nur auf frisches Fleisch von Zweihufern beziehe, also von Rindern, Schafen und anderen. Pet dieser Inter- pretation wäre also grade frisches Schweinefleisch, bei dem die Verbilligung besonders notwendig und erwünscht war, von der Tarifvergünstigung ausgeschlossen.

Dem Vernehmen nach steht eine Aenderung des jetzt geführten Infanterie-Gewehr-Modells bevor

Straßburg i. Els., 27. Tez. Der G-w.einde'r°t bewilligte zunächst versuchsweise für die Dauer eines Jahres 5000 Mark zur Begünstigung der Versicherung gegen Arbeltslosigkeit. Alle cm Jahr in Straßburg ansässigen .Arbeiter und JJhtgliebcc eines Berufsoereines erhalten 50°/ Zuschuß zu dem Unterstützungssätze ihrer Arbcilslosenunter- slutzungskaffe tm Höchslbetrage von einer Mark pro Tao ausgenommen im Falle eines Streikes.

Vom polnischen Schulstreik.

Posen, 28. Dezember.

Die streikenden Schulkinder der Stadt wurden Weih, nachten von den katholischen Geistlichen reichlich beschenkt Auch aus der Provinz laufen Nachrichten cm, wonach ver­mögende polnische Gutsbesitzer re. die streikenden Schulkinder ihres Bezirkes au den Feiertagen zu sich luden und m demonstrativer Weise beschenkten und bewirteten.

Gegen den Rechtsanwalt Tr. v. Swinarski in Hohen- salza hat die Staatsanwaltschaft auf Grund des § llo detz Str.-G.-B. em Strafverfahren eingeleitet wegen Beihilfe zur Ueberschreitung des genannten Paragraphen. Tie Staats­anwaltschaft behauptet nach einer polnischen Blätternielüuna daß Dr. Swinarski die Anträge um Erteilung des polnischen Religionsunterrichts verfaßt und verbreitet hat. J

AusLand.

Melilla, 27. Dez. In den Territorialgewässern von Al- hueemas hat sich gestern ein Zwis chenfall ereignet. Das englische Schmuggler sch issR i c a r b o", welches Eier an Bord nahm, empfing das Zollboot, welches die Zollhinter­ziehung verhindern wollte, mit Drohungen und lichtete die Anker. In derselben Nacht wurden einige Schüsse auf die Stadt abge- feuert. Die spanhaien Behördcn t,al>en uie Aus.v^ung per Ein­geborenen, welche bei der Beladung desRicardo" mitgewirkt haben und die Bestrasung der Schuldigen gefordert. Der Zwischen- satt ist damit erledigt.

Tanger, 27. Dez. Der Kriegsminister G e b b a s ist in Tanger eingezogen. und hat den B i e h m a r k r, der bis dahin von den Leuten Raisulis bewacht wurde, besetzen lassen. Raisulis Leute haben sich ohne Widerspruch zurückgezogen. Die marokka­nischen Beamten erklären, daß in wenigen Tagen allesinOrd- n u n g sein werde. Die Spannung unter den Europäern hat seit dem Erscheinen der Reg.ierungstruppen nau-getassen. Die Lage hat sich fraglos gebessert.

u n i» , 21. Dez. Zehn Matrosen und der zweite Offizier euic» d e u ts chen D a m p f e r s, die am letzten Sonn­tag i.n Kaffeehai'se in Sfax in betru.iU.nem Zuimuoe Unfug verübt hatten, wurden heute zu z i^e i T a g e n G e s ä n g n i s unu fünf Franken Geldstrafe verurteilt.

Wie verhält es sich mit dem Schlagwort Marinismus"?

Man schreibt uns:

AlS vor kurzem im Reichstage anläßlich der Anfrage des Abg. Bassermann unsere allgemeine politisaw Luge, unter anderem unser Verhältnis zu England erörtert wurde, ließ die äußerste Linke wieder den alten Vorwurf ertönen, baß die Vermehrung unserer Flotte von England als eine gegen sich gerichtete Drohung angefeljen werde. Demgegenüber seien zrvei Stellen aus Reden englischer Staatsmänner ersten Ranges angeführt, von denen mindestens der eine Lord Balfour der Präsident des letzten konservativem Ministeriums, m dem Rus steht, unserem Vaterlande nicht besonders hold zu sein. Leide Reden wurden bei Besprechung des Abrüstungsantrages des jetzigen liberalen englischen Ministeriums, der aus der Haager Kvnserenz behandelt werden soll, gehalten.

Lord Goschen, irüher wiederholt Minister liberaler Kabinette, mindestens einmal Marineminister, führte aus:

Nicht aus eitler Prahlerei, sondern aus Notwendig­keit vermehre Deutschland und die Vereinigten Staaten ihre Seemacht. Die Haager Kvnserenz wird diese ^Notwendigkeit nicht leugnen. Machen wir doch das Volk nicht weis, daß eine einfache europäische Konferenz genüge, uns zu erlauben, und jeder militärischen Anstrengung zu enthalten. Es ist nickst die Rolle eines ersten Ministers, dem Lande den Glauben an das Hirn- gespinst beibringen zu suchen, daß eine Konferenz in dem Haag die Rüstungen hemmen werde."

Balfour sagte:Ich glaube nicht, daß die in dem englischen Marinebudget ange,e§te Minderausgabe einen Eindruck aus bie Konferenz machen wird. Wie werden Sie Ihre Auf- riastigkeit beweisen? Jiidem Sie sagen: Es ist richtig, daß wir un,cre Militärischen Ausgaben vermindert haben, aber wir haben unser Heer um 50 ,Proz. stärier gemacht. Wir haben unsere Ausgaben sür bie Flotte vermindert, aber unsere Admirale ver- licherii uns, daß selost nach diesen Verminderungen wir immer noch am stärkiten finb. Wie sollen die fremden Diplomaten, die sich nach dem Huag begeben, diese ganze Geschichte glauben. Das ist einsach absurd."

Unser politisches Leben ist so vergiftet, daß in gewissen sehr großen Kreisen die Aussagen unserer Autoritäten siehe Reichs- latzsauslösung entweder als falsch, zurechtgestutzt oder min­destens als zweifelhaft angesehen werden, wenn sie gerade nicht in den Kram passen. Was sagen unsere über Marinistnus schimpfenden Kreise zu diesen Worten zweier englischer Parla­mentarier, denen man nach ihrer ganzen Vergangenheit nicht unterstellen wird, daß sie int Sinne hatten, den Ausbau unserer Flotte in chauvinistischer Weise zu fördern? Sind diese beiden Staatsmänner als englische Patrioten etwa verletzt durch unsere Bestrebungen, unsere Marine den eigenen Bedürfnissen eillsprechenb ausznbauen?

In dem PariserMatin" setzt der französische Chefingenieur der yJiarüie Laubenf auseinander und unterstützt seine Worte durch Schiffe in relativen Größen, daß die englische Flotte 1910 nod) so groß sein wird, als bie Flotten Frankreichs, RußlandÄ und Deutschlands zusammen. Er kommt zu dem Schluß:Es ist uns ulso völlig unmöglich, in dem Haag ein Jnnehalten in unseren Schigsoauten anzunehmen." Ww stehr eS bet uns?

L.

Aus S.aot uuo Luuo.

Sprechstunden der.CL.at.v.i n - i ulyc vor.u., ' .-7^8 Uhr abds.

Gießen, den 28. Dezember 1906.

** Vom Großherzoglichen Hofe. I. K. H. der Großherzog und die Großherzogin werden am Neujahrstage die üblichen Gratulationen im Neuen Palais entgegennehmen. Am 2. Januar, abends 7 Uhr wird im Großherzoglichen Nesidenzschlosse eine Neujahrstafel zu 100 Gedecken stattfinden. Ein Hof ball wird voraus­sichtlich am 9. Januar 1907 im Alten Palais stattfürden.

Landesuniversität. Dem Prioatdozenten des Kirchenrechts bei der hiesigen juristischen Fakultät Landrichter Dr. I. Friedrich wurde bie Venia legendi auf die Rechts- Philosophie ausgedehnt.

Die Reinigung der Fußsteige von Schnee und Eis ist Sache der anliegenden Grundbesitzer, worauf wir unter dem Hmzufügen aufmerksam machen, daß die Polizei auf strengste Einhaltung der in der heutigen Be­kanntmachung diescrhalb mitgeteillen Bestimmungen sehen wird.

** Gießen im Schnee. Seit mehreren Tagen prangt Gießen und die ganze Umgegend, wie das ganze Deutschland, in einem prächtigen weißen Gewände. Wohl seit 10 Jahren war ein so erdebücher andauernder Schneefall nicht zu verzeichnen, wie in den letzten Tagen und es ist zu erwarten, daß der gegenwärtige gelinde Frost dazu beiträgt, in den nächsten Tagen ein ebenso weißes Neujahrsfest feiern zu können, wie es das Weihnachtsseft war. Unter dllsen Umständen kommen Schlitten u..d Schuitick-nhe zu bejonbertn Ehren und seit langer Zeit gab hier meist so lustige Sehlittenpartien, wie am gestrigen dritten Feie,.tag. Ja ben benadjoarten Gebirgsgegenden kommt der hohe Schnee vor allem den Skiläufern zugute. So schreibt man uns j. B. aus dem Vogelsberg: Der S ch n e e s cl> n h s p o r t wird im Vogelsberg seit einigen Jahren fleißig grubt uno in diesem Allnll c ist die Schneeschuhbahn besonders am Hoherodskops vorzüglich. Auch eine F u ß Wanderung durck) den winter- co3 1 ^ogelsoerg i|t zurzeit äußerst lohnend. Auf gebahntem B>ege kann man von Schonen aus über MichelbachBreunges- gant bequem zum Hoherodstvpf gelangen. Die Verpflegung im «?UWU3 -Qulc bcm voherodskopf wird allgemein gelobt. Die u'djaft. den ganzen Winter hindurch offen, sodaß die günstige G.chgenheu geboten ift, auch während des Winters im Klubhaus iU-'n°^lCa^lcri Ä n liegt der Schnee durchschnittlich

JJieier hoch, cm Kreinberg sogar noch wesentlich l-öher. » 111 T|t Schneefall in gewaltigen Massen ein-

gc treten. , Jk r Ä ahn verkehr iricib^t starte Veripatungen, nament- ^wipw.iu'.ne und der Linie St. GaltenMünchen. Ter NachtfchneLi^ug NiaNchenSt. GastenZürich traf am Don­nerstag nvutag in St. Gallen mst ittbenaünbiycr Veripätung ein.

** Sein vierzigjähriges Jubiläum feierte gestern der Kutscher Wilhelm Bonarius bei der Weinhaudlung Gebrüder Schwan. In dieser langen Zeit hat Herr Bonarius seine Obliegenheiten treu und in gewissenhafter Weise erfüllt und sich damit die Anerkennung seiner Prinzipale un hohen Älaß erworben.

* Omnibus-Verkehr. Wegen des eingetretenen Schnees fallen die Fahrten aus, die nicht zu Zügen gehen.

Amnestie. Tas Depeschen-Bureau Herold wußte zu melden, dem Großherzog habe das Weihnachlgsesl zu Be­gnadigungen Veranlassung gegeben. Diese 9lachricht ist in­sofern nicht zutreffend, als em abermaliger allgemeiner Straf­erlaß außer dem gelegentlich dec Geburt des Erbgropherzogs erfolgten, nicht stattgefunden hat, sondern es stch nur um daraus hervorgegangene, bisher noch von der berichtlichen Aeußerung der betreffenden Behörden und der Enticheidung abhängige Einzelfälle handeln kann.

* * Der Turnverein .Gießen hielt seine Weih­nachtsfeier am Älbend des zweiten Feiertages in seiner Tuciihalle bei sehr zahlreichem Besuch von den Slüglicbern und deren Familienangehörigen ab. Das sehr reichhaltige Progrannn bestand aus Konzert und Vortrag von Weih- iiachtüchören durch den Sängecchor des Vereins unter Leitung des Dirigenten Kasten. Em flott gespieltes Weihnachtsmärchen Der Seegcist", das jubelnden Beifall fand und em wirtungs- volles lebendes Welhnachtsbild, bei dem über 30 Personen initwnkten, trug der Wechnachlsstimmung besonders Rechnung. Den Schluß des Unterhaltungsprogramms bildete eine reich ausgestaltete Verlosung und daran anschließend folgte em flotter Tanz. Gestern sand als Nachfeier des schön ver­laufenen Weihnachtsfestes em Ausflug auf den Windhof statt.

-b.- Oden hausen (Rabenau), 27. Dez. Heute nacht V, 3 Uhr wurden bie Einwohner unseres Ortes durch den Rus Feuer auigejcljvecft. Es brannten bie Detonomiegebäube des Rentners Fr. Wegner (jetziger Pächter I. I. Girnhardi). Die l)ie|ige, sowie bie Rachbarieueiwehren von Geilshausen und Rübding- ijauien waren bestrebt bas Feuer aut feinen Herd zu beschranken, was auch gelang. Wäre bie Scheuer, bie an 8 Rachbargebaude grenzt, nicht ein massiver Steinbau gewesen, so hätte bas Feuer ein gröberes Unglück angerichtet. Herr Girnharbt feierte am 2. Feier­tage seine Hochzeit und bas Feuer war wohl lein angenehmes Hoch» zensgeschenk.

S t e i n f u r t (Kr. Lauterbach), 26. Dez. Eine große Festver- sammlung hatte sich am 26. Dezember, nachm. 8 Uhr, am alten Schuthaus eingefuuben, wo ber derzeitige Lehrer AbschiebSworte sprach und der Schulerchor einen Abschiedsocrs sang. Dann ging- nut '1)1 ufit zum siaitlichen Neubau. Em Begrüßungsoers ivuröe gejungen. Pfarrer Kullmann-Altenschlirf betonte in der Weihercde, daß, ivo der rechte Bauherr nicht hilft, bie Bauleute vergebens arbeiten. Tas Holz zum Bau hat bie Gemeinbe bem eignen Wald entnommen. Daran fnüptte Schulrat Andres an, indem er einen schönen Vergleich zog zivischen Schule und Wald. Kreisbauinspektor Hechler sprach allen, bie am Bau mihmrtien, semen Tank aus, besonders dem rührigen Bauleiter, Straßenmeisier Stumpf und überreichte dann dem Kreisrat v. Bechtold den Schlüssel. Letz­terer übergab das Haus seiner Bestimmung. Er schloß mit einem Hoch aus den Protekwr unseres hessischen Schulwesens S. K. H. den Großherzog.

? Burkhards, 27. Dez. Einen Dummenjungen­streich verübten hier drei Burschen, indem sie nachts an das Fenster einer Wohnung klopften, worauf sofort die Hausfrau erschien. Kaum hatte dieselbe das Fenster geöffnet, so flog ihr ein dicker Schneeball vor die Brust, sodaß die Frau ohnmächtig zurück in die Stube fiel. Die Sache wird ein gerichtliches 9lachspiel haben.

d. D u t e n h o f e n , 27. Dez. Am Abend des L WeihnachtS- feiertagcs fand, wie alljährlich, in unserer 5^irche die Weih­nachtsbescherung ber Schüler und Schülerinnen aus den drei Schulklassen, die zurzeit 190 Kinder zählen, statt. Auch in diesem Jahre stiftete die Gemeinbe für bicien Zweck wieder 30 Mark, tou|ür den Kindern Bücher, Stahlfedern, Griffel u. q. m. verabreicht wurden. Das Programm der Feier war sehr reichhaltig und vielseitig; besonoers trug unser Gesangverein unter Leitung feines Dirigenten Schneider aus Münckcholzhausen durch Vortrag einiger Sieber für Männer- und gennfujten Chor viel zur Verschönerung bei. Ein Streichorchester mit Orgelbegleitung, dem die Lehrer und andere Musikkundige von hier und Münch- liolzhausen angehörten, führten Weihnackstsphantasicn von Manns für zwei Violinen mit Orgelbegleitung auf. Eine ebenso würdige Feier sand am Abend des zweiten Feiertages in unserem Vereins- Hause statt. Hier brannte der Meihnachtsbaum der Sonntags­schule. Die herrlichen Lieder, die der Sängerchor der ev. Ge- setlschast unter Leitung seines Dirigenten Pfeffer meisterhaft zum Vortrag brachte, trugen viel zur Verschönerung des Festes bei.

lüinft unö Wissenschaft.

Alfred Messel und das Kaiserpaar. Infolge des Besuches, melden das Kaiserpaar vor nicht langer Zell dem neuerbauten Rudolf Virchow-Krankenhaus abftattete, wandte sich, so schreibt die9iorbb. Allg. Ztg.", bie Kaiserin, welcher ebenso wie ihrem hohen Getnahl bie bauliche Anlage und Einrichtung bieses Diustertrankenhauses in hohem Grade gefielen, an den Schöpfer des Werkes, den Stabtbaurat Ludwig Hoffmann, mit dem Ersuchen, für das zu schaffende Institut für Säug, lingsernährung in Charlottenburg Pläne zu entwerfen. Baurat Hoffmann wies auf seine Verpflichtung als städtischer Beamter hm, die ihm jede andere Beschäftigung verbiete; er glaube aber, daß er mit Hülfe des Architekten Messel in der Lage sein würde, bie Entwürfe vorzubereiten. Dieser Vorschlag wurde angenommen, und so werden zurzeit die Entwürfe für das wissenschaftliche Institut, für dessen Zustandekommen die Kaiserin bie lebhafteste Teilnahme hegt, bearbeitet. Dieser Auftrag gab wohl den Anlaß zu der irrtümlichen Meldung von der Er­nennung des Architekten Messel zum Hofbaumeister. Es scheint also wirklich, als ob sich beim Kaiser in Kunstdingen eine kleine Revolution vollzogen hatte. Die Hoffmantt-Mefiel-Episvde ist übrigens ein schönes Beispiel nechloscr Mnstlerkoliegialität.

AnStudienfahrten na chklajsischenStätten der K u n st " , urjprüngltd) nur für Archäologen, Kunsthistoriker, Mehrer, Architekten bestimmt, sollen sich im Jahre 1907 auch andere Beruisklassen, soweit Plätze verfügbar, beteiligen dürfen. Außer Reifen nach Italien, Venedig, Florenz, Neapel, Pompeji, Capri, Amalfi und Nordafrika, Tunis, Chartago, dasairllamsche Pompeji", Timgad, Sahara und ihre Oasen, Algier, kommen noch Fahrten nach Aegypten, sowie nach Griechenland, nach Palästina und Syrien zur Ausführung. Hervorgehoben sei, daß dieje Studien- iahrten feine gefchäutichen Unternehmungen sind, wie dies nicht nur der sehr billige Gesamtpreis, sondern vor allein die Rückzahlung der sich bei einer größern als der, Der Berechnung zu Grunde liegenden Teilnehmerzahl ergebenden Ersparuiße bewegt. Jme- rcf|enten teilt Dr. phil. O. Haffner in Freiburg i. B. näheres nut

* K I e i n e T a g e s ch r o u ». I Beim Spielen mit einem Revolver erschoß, wie dieBrest. Ztg." meldet, auf Schloß RotHkirch der 18jähnge Alajoratsherr Ewertn Freiherr von Roih- kirch iNi Schlafzimmer seinen Jagdgast, ehemaligen Aiil- schüler Der Ritler-Aladeuue, Viktor von Hemz aus Liegmtz und verübte dann Selbstmord. Auf einem dicht mit Passagieren bcjcgieu Wiener Stadlbahuzuge platzte zwischen den Stationen Hutiendori und Schönbrunn das Rohr der Luftdruckbremse. Ter "okomotivführer uuD der Heizer wurden schwer verletzt. Da die Bremse versagte, konnte der Zug er|t in Aiodtmg zum Hallen ge­bracht werden. Die Passagiere kamen nut dem Schrecken davon.