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Dem (Atebener 91n$etqet TDerben nn itfecbfel mit dem kesstschen Landwirt die ftiefjtner Familien, blätter otennal tn der tocrhe beiqelegL fRoiattonSbrud u. Verlag bei Brühl 'lchen Unwerl.-Bucd-u. Stetn- bruderet, fli. Sange. Hebaftton. trpebthow unb Pruderet:
Echot ft ratze ?.
Redaktion 111
Verlag n.Exveb.^Köl Ubreh'e für Teeei dien:
Anzeiger Wiehe«.
15«. Jahrgang
Erstes Blatt
Freitag 28. Dezember IVOS ©eiwflOreUt
Q mimailid) <5 xntrtek
V jährlich Dtk. L20. durch
Abhole- u. Zweigflellea monatlich 6b Pl.; durch biePost 2.—viertel- jät)rL aus|d)L Beslellg.
Annahme von 2ln$etgei für bte Tafle»iiumiiiet bis oormUiagfl 10 llhr. ßetlenpretfl; lokal 12PI* auSwärkS 80 Ptg. verantwortlich tül den polit unb allgem.
Amts- und Anzeigebiatt für den Kreis Gießen MW
KrKannlmallimig.
Betr.: Beurlaubung deS Großh. KreisoeterinärarzteS Knell.
Vom 80. Dezember 1906 bis 1. Januar 1907 ist Großh. KreiSveterinärarzt Knell beurlaubt und wird in Sachen der Fleischbeschau durch Kreistierarzt Dr. Köhler in Gießen vertreten werden; bte Geschäfte deS Großherzog- lichen KreiSveterinäramtS Gießen in dringenden Seuchenfällen führt während dieser Zeit das Großh. KreiSveterinär- amt Grün berg.
Gießen, den 27. Dezember 1906.
Großberzogliches Kreisamt Gießen.
I. 53.: Langermann.
Aie Kandidatur Kcylig nstardt.
Gießen, 28. Dezember.
Von freisinniger Seite wird unS mitgeteilt: Die nationalliberale Parteileitung in Gießen ist seit dem 18. d. Mt«. davon verständigt, daß die s r e i s i n n t g e P a r t e t nicht beabsichtigt, bei Ausstellung eines Kandidaten selbständig vorzuaehen, vielmehr arimdlätzlich eine Einigung mit den Nationalliberalen anstrebt. Sie behielt sich nur vor, falls die Generalversammlung sich mit der Kandidatur beyligenstaedt nickt einverstanden erklären sollte (roaS unwahrscheinlich ist), der nationallideralen Partei einen anderen Kandidaten oor- zuschlagen.
Die Sorge, daß die liberale Einigung in Gießen, die Jahre lang nicht nur in Hessen, sondern in ganz Deutschland als vorbildlich anzusehen war, angesichts der etwa? voreiligen Aufstellung deS Kommerzienrats Heyligenstaedt durch die hiesigen Nationalliberalen ohne vorherige Verhandlungen mit den Freisinnigen in die Brüche gehen werde, Ist dadurch beseitigt. Die Gießener Freisinnigen haben sich einsichtsvoll genug gezeigt, dieses Vorgreifen nicht tragisch zu nehmen und deswegen den liberalen Karren durch eine zweite liberale Kandidatur an den Abgrund zu treiben. Der Vorstand deS hiesigen freisinnigen Vereins erkannte Heyligenstaedl auch als seinen Kandidaten an, und es ist ohne weiteres anzunehmen, daß die Generalversammlung gleichfalls der praktischen Vernunft zum Siege verhelfen und die Kandidatur Heyligenstaedl proklamieren wird.
Der große Moment zeigt also bei un? in Gießen kein kleinliches Geschlecht. Als eine kraftvolle Phalanx steht der Gießener Liberalismus vereint wie ehedem da, bereit, für deS Reiches Ehre und die Erfüllung der nationalen Pflicht energisch und geschlosien einzutreten.
Nachdem durch die Aufstellung deS Frankfurter Mindest- programmS ein äußerlich einigendes Band um die verschiedenen liberalen Fraktionen geschlungen war, hatte der Liberalismus jene taktische Geschlossenheit sich wiedergegeben, die nun einmal die notwendige Grundbedingung seiner Existenz ist. Auf dieser Grundlage war eS dem Liberalismus möglich, alsbald nach der Auflösung des Reichstages seine Anhänger aus den verschiedensten Lagern zu sammeln. Er vermochte es, in der entscheidenden Stunde als eine bedeutsame Macht auf dem Plane zu erscheinen, als eine Partei, deren unantastbarer parlamentarischer Ruf die Gewähr eines Sieges gegen jene Tyrannis bot, die sich in verwerflicher Weise zur SluSbeuterin des deutschen Reichsparlaments aufgeworfen hatte zum schaden der deutschen Nation.
Die erneute Einigkeit der liberalen Parteien gegen Krumm und Köhler ist daS beste Zeugnis für die nationale Besonnenheit und die Charakterstärke der Führer des Gießener entschiedenen Liberalismus, der freisinnigen Volkspartei, in ernster und entscheidungSooller Stunde.
Wieder steht der Gießener Liberalismus geschlossen da, und entschlossen in Reih und Glied, um unter Entrostung des liberalen Banners für Parlamentsreinheit und nationale Pflichterfüllung der großen Masse der Wählerschaft auS allen bürgerlichen Parteien in Stadt und Land als Sturmbock zu dienen. Die Situation ist geklärt. Den Führern der Gießener freisinnigen Volkspartei sei weite Anerkennung nicht versagt. Sie haben sich als gute Patrioten zusammengetan, um die bereits von nationalliberaler Seite proklamierte Kandidatur eines Mannes auS dem Volke, eines echten und rechten VolksmanneS, unseres bisherigen Reichstagsabgeordneten Heyligen staedt, gleich im ersten Wahlgange mit allen Kräften, mit allen Mitteln zu unterstützen. Die nationale Pflicht gebot es, und alle, alle kamen. Und alle werden kommen, kein liberaler Wähler wird ausbleiben, um am Wahltage durch ihre Abstimmung daS Abkommen zu besiegeln.
Mit zuversichtlichem Vertrauen kann die liberale Bürgerschaft von Gießen und dem Gießener Kreise dem Wahltermin, der heute in vier Wochen bereits statt hat, entgegengehen, stolz auf die neue, ober vielmehr die alte, tinzerstör- bare Einigkeit. Die Ration über der Partei! Das gelte heute wie immerdar, hier wie sonst im Reiche, vornehmlich aber auch in dem benachbarten Wahlkreise Lauterbach- AlSfeld-Schotten! Unter diesem Zeichen ist bei rüstiger Maftentfaltung der Sieg wieder wie anno 1903 unser!
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Der Landesausschuß der freisinnigen Partei in Hessen tritt nächsten Sonntag, 30. Dezember, nochmals in Frankfurt zusammen, um erneut Stellung zur Reichstagswahl zu nehmen.
AuS Darmstadt wird uns geschrieben unterm 27. Dez.: In einer beute nachmittag von der nationalliberalen Partei ein- berufenen Bertrauensmännerversammlung des Wahlkreises Darm- stadt-Groß-Gerau wurde der Vorsitzende des nationalliberalen Landesausschusses, Rechtsanwalt Dr. Osann U., einstimmig zum Reichstagökandidaten proklamiert. Der Vorsitzende, Dr. Rehling, sprach zu Beginn der Versammlung daS tiefste Bedauern des Nyrstandes darüber auS, daß die Einigungsverhandlungen ge- scheitert seien. Recktsanwalt Dr. Osann entwickelte darauf m ehu»r 11/2 stündigen Rede seine politische Stellung zu dm hauptsächlichsten Taaesfragen. Dann konstatierte der Vnrsi^ende die einstimmig gebilligte Kandidatur Dr. OsannS. Im Laufe der Diskussion kritisierte Stadt». Wolfs kehl das Ansinnen der Freisinnigen, die Nationalliberalen einer Kandidatur Störet! zu unterwerfen: eine solche hätte den lautesten Widerspriich und Unwillen in b?r eigenen Partei erzeugen müssen, schon deshalb, weil Pfarrer Karell m't keinem W-rt aeaen d'e Abkommandierung seiner Wöhler in das sozialdemokratrsche Lager aufgetreten sei. Die Parteivorsitzenden in Eberftadt. Pfungst-dt und Arbe'laen sprachen ihre Freude über die Wahl Dr. Osanns zum Kandidaten aus und versprachen, mit allen Kräften für ihn eintreten zu wollen. Nach bvffnungsfrohen Worten des Vorsitzenden auf einen Sieg am 25. Januar trennte sich die Versammlung mit einem dreimaliaen föocB auf den Reichstigskandidatm Dr. Osann
Für den Wahlkreis St. Goarshausen-Montabaur haben die Sonaldemokraten Vetters aus Gießen als Kandidaten aufgestellt. ;
Dor den Wahlen.
Aus Berlin, 27. Dezember, unS geschrieben:
Der bisherige Führer der Freis. Bolksvartei, Dr. Müller- Sagan, ist aus GesundheitSrücksiMen genötigt, aus dem parlamentarischen Leben a u s z u s ch e i d e n. Die Fraktion deS entschiedenen Liberalismus muß sich also schon wieder ein neues Oberhaupt wählen, kaum ein Jahr nach dem Tode Eugen Richters. Merkwürdigerweise steht die Partei jetzt in derselben politischen Frage aus feiten der Regierung, in der Ende Mai d. I. Dr. Müller-Sagan eine der schärfsten Reden gegen die Regierung hielt, speziell gegen den Obersten v. Deimling, der es durch schroffes Hervorkehren der militärischen Autorität mit der Volksvertretung verdarb. Die Partei Richters steht jetzt bei den Wahlen vor der schwersten Probe. Sie darf nicht mehr auf die Unterstützung seitens be5 Zentrums rechnen bei dem Kampf um die Mandate, die sie früher in der Stichwahl errang. Die Zen- trumöhülfe wird diesmal teils den Konservativen, teils den Sozial- demokraten zugute kommen. Es ist sogar fraglich, ob das einzige Mandat, welches die Freis. Volkspartei bei den letzten Wahlen auS eigener Kraft gewann, ihr bei der Hauptwahl am 25. Januar nochmals zusallen wird. Die Unterstützung durch den Regierungsapparat, die der Partei jetzt zuteil wird, ist allerdings nicht zu unterschätzen. Aber bei der ungewöhnlichen politischen Konstellation wird diese Unterstützung schwerlich entscheidend ins Gewicht fallen. Selbst wenn indessen die Wahlen eine Schwächung der bürgerlichen Linken bringen sollten^ so wäre das noch nicht gleichbedeutend mit einer Schwächung des Gesamtliberalismus. Haben doch kaum jemals die Berührungspunkte innerhalb der liberalen Parteien so im Vordergründe gestanden, wie gegenwärtig, und kann es zudem nicht fehlen, daß die jungliberale Bewegung hier ihre vermittelnde Straft betätigt. Als zukünftiger Führer der Freis. Volkspartei gilt Dr. SB i em er, ein Berufspolitiker und Schüler Eugen Richters. Sein Mandat in Nordhausen wird freilich durch die Antisemiten bedroht, für die Stichwahl hat er jedoch bessere Chancen als der Gegenkandidat. Richters alter Wahlkreis dürfte kaum behauptet werden können.
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Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt unter der Ueberschrist „Konfessionelle Schlagworts:
„Gegenüber dem Mißbrauch, der in den Wahlkreisen des Ostens unter der katholischen Bevölkerung mit konfessionellen Schlagworten getrieben wird, fei an die Worte erinnert, die der Kaiser am 9. August 1905 in Gnesen gesprochen hat. Der Kaiser verwies auf seine früheren Aeußerungen in Posen und erklärte feierlich: „Wie damals, so auch heute möckte ich wiederholen, daß ein jeder katholische Pole wisse, daß seine Religion geehrt wird von mir und daß er bei Ausübung derselben in keiner Wesse gestört werden wird, daß er aber Ehrfurcht und Achtung vor den anderen Konfessionen zu bewahren hat, ebenso wie wir vor der seinen." In derselben Rede erwähnte der Kaiser für alle Katholiken, ob polnisch ober deutsch: „Als bei meinem letzten Besuch im Vatikan der greife Leo XIII. von mir Abschied nahm, da faßte er mich mit beiden Händen und gab mir — trotzdem ich protestantisch bin — seinen Segen m'.t folgendem Versprechen: Ich gelobe und verspreche Euer Majestät im Namen aller Katholiken, die Ihre Untertanen sind, sämtlicher Stämme und jedes Standes, daß sie stets treue Untertanen deS deutschen Kaisers und Königs von Preußen fein werden." — Auch dieses Wort des verstorbenen Papstes darf als Mahnung zur loyalen Führung des Wahlkampfes in Erinnerung gerufen werden.
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In K 0 burg stellten die Nationalliberalen Rechtsanwalt Bassermann -Mannheim als Reichstagsrandidaten auf. Basser- mann hat die Kandidatur angenommen.
Von einem Wahlduell wird aus Plauen i. V. berichtet. Dort kam es in einer Versammlung der Nationalliberalen bei der Erörterung der Reichstagskandidaturfrage zu einem heftigen Redegefecht zwischen dem Vorsitzenden des Bezirks Vogtland des Alldeutschen Verbandes, Rechtsanwalt Dr. P e tz 0 l d , der die Kandidatur des Generalleutnants v. Siebert befürwortet, und dem Chefredakteur der „Neuen Vogtl. Ztg." Arno Günther. Bei dem Redegefecht soll Dr. Günther die Tätigkeit des Rechtsanwalts in Sachen der nationalliberalen Neickstagskandidatur als „G e - baren" bezeichnet und damit eine Beleidigung (?) ausgesprochen haben. Durch seinen Kartellträger ließ Rechtsanwalt Dr. Petzold dem Chefredakteur Dr. Günther eine s chw ere Duellforderung auf Pistolen zugehen. Der letztere hat diese Forderung abgelehnt und recht fertigt sich in einer Erklärung über die Angelegenheit in seiner Zeitung.
Zur Unterwerfung der Aondklzrvaris.
Bei dec Wiedergabe der Meldung über die Unterwerfung der Bondelzwarts erinnert die .Köln. Ztg." an die von dem
Vertreter deS GenerafstabS Oberstleutnant Kubl bereits am 7. Dezember in der Budgetkommifsion deS Reichstags abgegebenen Erklärungen, daß die Reichsregierung ihrerseits sehr rasch eine Harfe Verminderung der in Deutsch- Südwestafrika stehenden Truppenzahl eintreten lassen werde, sobald die militärische Lage dieS erlaube. Oberstleutnant Kuhl führte in dieser Rede auS:
Ueber den Verlauf krieoerifcker Ereianisfe kann man nicht prophezeien, doch ist die begründete Aussicht vorhanden, daß das vom Oberst Deimling eingefcklageue Verfahren Ettolg haben wird. Tie Summe der kleinen Erfolge w'rd voraussichtlich bald zu einem glücklichen Ende führen unb den Feind mürbe machen. Sobald die Kriegslage es gestattet, wirb die Truppe fofort oerminbert. Niemand hat Int er ehe daran, daß ein Mann mehr im Felde steht, als irpenbrote nötig ist, am allerwenigsten bet Generalstab. Aber eine plötzliche bedeutende Herabsetzung der Truppenstärke, die von hier aus zu einem bestimmten Zeitpunkte verfügt würde, könnte nnler Umständen den Verlust dcS FeldzugeS und damit den Verlust der Kolonie herbeiiuhren. Eine Verminderung kann daher unbe- dmat erst uack Maßgabe der Kriegslage verfugt werden. Es ist begründete Aussicht vorhanden, daß dies tn nicht zu ferner Zeit stattfiuden wird.
Ein ZcntrumSblatt dagegen, die »Köln. VolkSztg.*, hat auS dem Ereignis die Nutzanwendung gezogen, die neuen lüdwestasrikansschen Meldungen seien ein schlagender Beweis für die Richtigkeit der Haltung deS Zentrum« in Sachen deS Nachtragsetats. Dieselbe Folgerung wird die Sozialdemokratie zur Rechtfertigung ihrer Haltung ziehen. Indessen weder das Zentrum noch die äußerste Linke konnten in den entscheidenden Dezembertagen wissen oder vorauSsehen, daß die BondelzwartS sich unterwerfen würden. Es wird daran erinnert, daß der Zentrumsführer Dr. Spahn selbst mit der Möglichkeit rechnete, daß man die Schutztruppe für Süd- westafrika trotz etwaiger Annahme deS ZentrumSantragS, später wieder verstärken müsse. Daraus geht klar genug hervor, daß daS Zentrum nut für den Augenblick seinen Antrag auf Herabsetzung der Truppenzahl durchbringen wollte, auS alter Gewohnheit, die Entschließungen deS Reichstag« nach seiner maßgebenden — unb lange genug auch von der Regierung al« maßgebend anerkannten — Auffassung zu beeinflussen.
Daß ein Teil deS afrikanischen Erfolges jetzt erreicht wurde, kann sehr wohl mit der Auslosung des Reichstages insofern Zusammenhängen, als die Auflösung den Aufständischen die Gewißheit brachte, daß Deutschland gewillt sei, den Aufruhr vollständig niederzuwerfen. Von Kennern Afrikas kann man die Versicherung hören, daß es zum Aufstand im Süden der Kolonie überhaupt nicht gekommen wäre, hätte sich nicht bei den eingeborenen Führern der Glaube festgesetzt, Deutschland „könne" den Versuch eines Entscheidungskampfes nicht durchführen. Nichts liegt näher, als die Möglichkeit, daß dieser. Glaube gerade durch die Auflösung des Reichstages beseitigt wurde.
Die „Voff. Ztg." bemerkt zutreffend: Die Nichtigkeit der Annahme des freisinnigen Antrags und des Pachtrags- etats kann durch solche Ereignisse (Unterwerfung der Bondelzwarts) nicht in Frage gestellt, die Verkehrtheit der Abstimmung des Zentrums und der Sozialdemokratie nicht widerlegt werden. Dagegen macht sich das „Berl. Tagbl." einigermaßen die Zentrumsauffassung nt eigen, indem es schreibt, es sei völlig ausgeschlossen, daß das Oberkommando in Südwestafrika nicht schon seit längerer Zeit über die Stimmungen und Absichten der Bondelszwart unterrichtet war. Das wird unseres Erachtens schwer zu beweisen sein, daß die Regierung auf die günstige Wendung hoffen konnte. Und Hoffnung ist keine Gewißheit. Zu bedauern bleibt, daß das Ergebnis nicht um 14 Tage früher eintrat. Dann allerdings konnte die Reichstags- auflösung erspart werden.
Die Bondelzwarts hatten seit November 1905 sich nicht bloß aller Verfolgungen zu entziehen gewußt, sondern auch den Unseren vielfach schweren Abbruch getan. In letzter Zeit bildete die Bande Johannes Christians den Kern der Aufständigen und gerade sie war das größte Hindernis für einen schnellen und befriedigenden Abschluß der kriegerischen Operationen.____________________________
politifebe Tagerscharr.
Japanische Umtriebe gegen Nord-Amerika.
Sonderbare Kunde kommt auS New-Pork. Dortigen Blättern wird auS Havana gemeldet, daß die Japaner eine Insurrektion auf Kuba, den Philippinen unb Havaii oorbereiten, um die nordamerikanische Oberherrschaft zu erschüttern. Eine amtliche Bestätigung liegt bisher nicht vor, und wir glauben nicht daran, daß ein Zusammenstoß zwischen Nord-Amerika unb dem Reich des Mikado in der nächsten Zeit erfolgen wird, weil die Japaner sich von den Folgen ihreß Krieges mit Rußland finanziell und militärisch noch nicht ganz erholt haben. Ihre Menfchenverluste auf den
mandschurischen Schlachtfeldern konnten sie noch nicht ersetzen durch ein gleichwertiges Soldatenmaterial, das sie erst wieder heranbilden müssen. Dann werden sie sicher nic/t eher losschlagen, bevor sie nicht ihre Flotte durch die Teil noch im Bau begriffenen Mammuth- und Schlachtschiffe unb Riesenpanzerkreuzer ergänzt haben. Aber sie treff, n Vorkehrungen. Die starke autijapanische Partei im Washingtoner Kongreß wirb die Nachricht sicher zum Vorwande nehmen, um auf eine weitere Steigerung der Norbamerikanischen Kriegsrüstungen hinzuarbeiteu. So ballt sich denn in Ost- Asien ein neues, schweres Ungewitter zufanunen.


