Jahr mit ber Okkupationskosten, die hoffentlich für di« ganze Zeit reichen, die d"s Deutsche Reich diese Gebiete besitzt, belastet werden kann. Diese Okkupationskosten kommen, wenn ich mich kaufmännisch ausbrücken soll, in die Bilanz und bilden denjenigen Posten, der nachher die Selbstkosten des Reiches für die Kolonien ausweisen soll. Wer sie bilben nie und nimmer einen Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung eines einzigen Tages. ISehr richtig! rechts.) Es ist ober noch ein dritter Grund vorhanden, und den müssen wir auf einem anderen Gebiete suchen. Als im Jahre 1870/71 mit Blut und Eisen das Deutsche Reich zusammengcschweißt wurde, hat es als äußeres Zeichen, daß cs eine Großmacht sein wolle, die ReickSlcmde wieder an sich genommen, und es war jedermann klar, daß diese Reichslande beseht gehalten und verteidigt werden mußten, und cs ist seitdem in den letzten 35 Jahren niemandem eingefallen, eine -technung aufzumachen dahin, ob die Erwerbung der Reichslande wirtschaftlich vorteilhaft gewesen sei, oder wieviel Elsaß- ^othringen dem Deutschen Reiche an Steuern gebracht und wieviel die beiden Armeekorps auf Kriegsfuß, die da sind, erfordern. Wenn Sie tnese Rechnungen aufmachen, bekommen Sie die ungünstigste Rechnung, die Sie überhaupt haben können. Niemand ist das eingefallen. Jeder hat eingesehen, daß, wenn Deutschland eine Großmacht fetn will, es auch die nötige Repräsentation aufbringen muß, und ebenso verhält es sich mit den Kolonien. Die Kolonien sind ein
Zeichen von TeutschlandS Weltmacht
nstd dürfen ebenso wenig aufgegeben werden, als wir ohne unseren Titel auf eine Großmacht zu verlieren, Elsaß-Lothringen aufgeben können. Sie müssen unter allen Umständen gehalten werden, und deshalb gehören die Truppen, die dazu nötig sind, zu denen, die eben für das Ansehen des Deutschen Reiches gehalten werden müssen. Es wird niemand einfallen, die Kosten der stationären Auslandsflotte dem deutschen Handel anzurechnen, obgleich sie hin- ausgesandt wird, um dem deutschen Handel Schuh und Ansehen zu gewähren. Also diese Kosten gehören teils überhaupt nicht in eine Gewinn- und Verlustrechnung, teils nicht in die Kolonialbilanz. Dagegen kann man natürlich nicht davon sprechen, daß die militärischen Kosten auf die Kolonialetats gebracht werden und auch darin verbleiben muffen; denn es ist absolut notwendig, daß derjenige, der die zivile Gewalt ausübt, der Gouverneur, auch die Truppen zur Verfügung hat, um den schwierigen Eingeborenenverhältnissen gegenüber die nötige Macht zu zeigen. Wenn ich nun nach diesen Prämissen auf den Inhalt der zweiten Denkschrift eingehe und mich da besonders zu dem Appendir wende, der die Vertagungsgeschichte von Algier behandelt, so wünsche ich nicht dahin verstanden zu werden, daß ich diese nunmehr zu einem allgemeinen Vergleich mit den deutschen Verhältnissen heranziehen will. Natürlich, alle Vergleiche hinken, unb ein ganz allgemeiner Vergleich zwischen ber großen französischen Mittelmeerkolonie und den kleinen ostafrikanischen Kolonien kann nicht ohne weiteres gezogen werden. (Sehr richtig! links.) Habe i< auch garnicht getan. (Heiterkeit rechts.) Wenn Sie sich nun aber die Grundsätze ansehen, nach denen Frankreich in Algier verfährt, und was es sich an Opfern hat kosten lassen, um dieses Land zu besitzen, so können Sie daraus entnehmen, daß cs keinen Grnnd gibt, in der ganzen Welt wegen unserer deutschen Kolonien kleinmütig zu sein. Frankreich hat an Algier in siebzig Jahren 8300 Millionen Francs gewendet. Es hat eingenommen praeter propter 2 bis 3 Tausend Millionen Francs. Und trotzdem sagt der französische Nationalökonom Leroy-Beaulieu: Algier wird dem Mutterlande langsam zurückerstatten, waS cs kostet. Es ist wichtig, das alles hier festzustellen, damit Sie sehen, daß wir mit unserer kolonialen Entwickelung doch nicht so lveit zurückgeblieben sind, wie es manche annehmen. Wir sind in der zivilen Verwaltung unserer Kolonien heute soweit wie Frankreich mit Algier mit einem siebzigjährigen Dominium. Eine wirkliche Weiterentwickelung der Kolonien und eine vollständige Ausnutzung kann nur möglich sein, wenn
eine gewisse Bewegungsfreiheit,
eine gewisse Möglichkeit, ihre Verwaltungsorgane zu wählen und ihre eigene Verwaltung den lokalen Bedürfnissen anzupassen, geschaffen wird. An einer Longe von 20 000 Km. können diese Kolonien auf die Dauer nicht geführt werden.
Eine solche administrative Freistellung hat aber zur Voraus- setzung, daß sie mindestens bei Zivil-Ausgaben und -Einnahmen balanciert, und es ist der Zweck der Darstellung, zu zeigen, Ivo dies der Fall ist, wo dies der Fall sein wird, und wo man wohl etwa damit rechnen kann. Es kann doch nicht davon die Rede sein, daß dieser Zeitpunkt eingetreten ist, wenn das einmal oder zweimal passiert, sondern es muß auch eine gewisse Kontinuität dabei fest- gestellt werden. Dabei bleiben die Kolonien auf daS Mutterland für ihren militärischen Schutz, für die erste Okkupation und auch für den Kredit angewiesen, den sie brauchen, sei cs in barem Geldc, fei cs in Anleihen oder sei es in Zinsgarantien für die Entwickelung der Verkehrswege, der Eisenbahnen und der anderen dahin zu rechnenden Anlagen.
Auf diesem Standpunkte stehen die verbündeten Regierungen, aber ein Plan hat bisher gefehlt. Eine wirtschaftliche Erschließung setzt wirtschastliche kaufmännische Prinzipien voraus. Ein verständiger Kaufmann wird sich nicht in uferlose Sachen einlassen, kein verständiger Kaufmann wird eine Sache an fangen, von der er nicht weiß, wohin sie führt, und von der er nicht mit Sicherheit ooraus- setzen kann, daß sie innerhalb einer Reihe von Jahren an sein Fortkommen nicht mehr Anforderungen stellen wird, als er verständigcr- weise aufzubringen in der Lage ist. Es wird deshalb auch, wenn man
kaufmännische Prinzipien bei der Kolonialverwaltung elnfuhren will, ein solcher Plan für eine längere Reihe von Jähren ausgestellt werden, damit das Deutsche Reich weiß, wohin cs fährt, waS von ihm verlangt wird, und daß es bann plan- und zielmäßig die Sache ausbauen kann. Dies nennt man kaufmännisch ein Jnvestitionsprogramm. Tie Franzosen haben es, die Italiener häben es und die Oesterreicher haben c5 auch. Aus diesem Programm wird sich ergeben, um welche Gesamtbeträge es sich überhaupt handelt, zu welchen Zeiten und in welchen Etappen diese Ausgaben gemacht werden müssen, dann wird sich auch ergeben, je nach der allgemeinen Finanzlage des Reiches, welche Dinge angefangen werden können. Ich stelle gleich fest, daß bei bet Aufstellung dieses Programms und bei der Anforderung der für die Vorarbeiten nötigen Mittel es nicht beabsichtigt ist, dieses Haus weder auf das ganze Programm, noch auf einen einzelnen Teil fe st zulegen. Es wird nur das Notwendige gefordert werden, und zwar nur bann, wenn die Gesamtlage des deutschen Reichshaushalts dieses gestattet. Nach rein wirtschaftlichen Prinzipien freilich kann man dieses Programm nicht aufstellen, e§ muß bedacht werden, welche Bedeutung Verkehrswege auch für die Sicherung einer wirklichen Ruhe in den Schutzgebieten haben und welchen Einfluß sie als Vorbeugungsmittel haben. Die Indianer-Unruhen in den Vereinigten Staaten haben z. B. erst bann unterbrächt werben können, nachbem die betreffenden Reservate von den Eisenbahnen burchgucrt waren,
Man kann nicht leugnen, daß viele verständige Leute sagen, daß ber Aufstand in Sübwestafrika nicht ausgebrocken wäre, toe.ni bort Eisenbahnen in nötigem Umfange bestanden hätten. Man kann das nicht beweisen, aber ich kann und werde Ihnen beweisen, daß ber Mangel einer hinreichenden Organisation, und bazu gehört eben die Eisenbahn, wie die Häfen, wie die Verfügung über die Schifferhrt und andere Dinge, nicht in dem Sinne des Eigentums, sondern im Sinne der Verträge über die Schifffahrt, dem Deutschen Reiche 100 bis 150 Millionen mehr gekostet hat, als wenn diese Sachen ticrftänbigertocifc vorgekehrt worden waren. (Hört, fiörH reckts.) Ich werde Ihnen beloeisen, daß mindestens 75 Mill. Mk. deshalb unnötig ausgegeben worden sind, weil nicht die nötigen Verkehrswege vorhanden waren, unb daß für biefe 75 Millionen Mark alle Eisenbahnen in dem südwest- aftsikawischen Sckittzgebiet hätten gebaut werden können, deren über
haupt dieses Land jemals bedürfen wird. sHört, hört! rechts.) Man hat mit den Vorarbeiten immer erst angefangen in dem Augenblick, wenn unmittelbar darauf die Vorlage kommen sollte. Solche Vorarbeiten können nickt früh genug angefangen werden unb ich stehe auf dem Standpunkte, daß sie viel sorgfältiger gemacht werben müssen, als bisher, unb baß bie besten Vorarbeiten die sind, die dazu führen, zu erkennen, daß ein gewünschtes Projekt nicht rentabel ist und die deshalb mit dem Projekt selbst verworfen werden müssen. Dieses Programm kann unb wird erst aufgestellt werden, wenn ich, wie ich hoffe, Gelegenheit gehabt haben werde, die einzelnen Kolonien se lb st zu besuchen, nicht ettoa, weil ick aus meinem verhältnismäßig kurzen Besuch eine große Kolonial- toeisheit mir anzueignen hoffen kann, sondern weil es notwendig ist, an Ort unb Stelle mit allen in Frage lommenben Personen, mit der Regierung, den Soldaten, den Privaten, denjenigen Kontakt zu bekommen, ohne die eine verständige Kolonial-Zentralverwaltung ihre Wünsche nicht durchsetzen kann. Erst wenn man Vertrauen hat zu ber Leitung in Berlin, wenn man lveiß, daß dort noch andere Dinge sind, wie
ein grüner Tisch und ein großes Tintenfaß (Sehr gut!), wirb man in der Lage sein, auch den notwendigen Einfluß auszuüben, dann wird die Einheitlichkeit zwischen Zentralverwaltung unb Kolonien hergestellt sein. Daran hat es i r. ber Vergangenheitfurchtbar gefehlt. (Sehr wahr 1 rechts.)
Die verbündeten Regierungen haben dem Hause nochmals eine Vorlage zugehen lassen, bie bie
Verlängerung der Eisenbahn von Lüdcritzbucht bis zum Endpunkte Keetmannshoop beabsichtigt. Die Umstände, unter denen diese Vorlage im Mai dieses Jahres abgelehnt worden ist, sind viel zu bekannt, als daß ich darauf einzugehen hätte. Die verbündeten Regierungen erlernten gern an, daß durch die seinerzeitige Ablehnung, abgesehen von den jetzt erhöhten Kosten für das Oberbaumaterial, eine sehr wesentliche Einbuße für daS Reich nicht entstanden ist. In den ersten Novembertagen ist der erste Zug über die bisherige Strecke gefahren. Der Baufirma kann die Anerlen- r.ung nicht versagt werden, daß sie unter voller Berücksichtigung der Wünsche des Reichs und ber militärischen unb Zivilautoritäten in Südtvestafrika ihre Verpflichtungen in vollem Umfange erfüllt hat und stellenweise darüber hinausgegang'n ist. Da ba5_ ; amtenpersonal ebenso wie die Arbeiter sich zur Zeit noch auf der Strecke befinden, so würde der Vorbau in der jetzt beantragten Richtung unmittelbar beginnen können, sobald das nottoenbige Material herbei geschafft ist. Es soll nicht vcrschwiegcn werden, baß von militärischer Seite öfter der Wunsch ausgcdrückt worden ist, daß zup Ersparung von Frachtkosten auch vor Zu- jnmmcntritt dieses Hauses zu Saften der Erpebitionskosten. weiter gebaut werden möge. Die verbündeten Regierungen hoben sich hierzu nicht für befugt erachtet, dagegen hat sich auf Anregung der Regierung die Sauf irma Lenz bereit erklärt, bereits jetzt auf eigenes Risiko und eigene K o st c n das für den nächsten Vorbau erforderliche Material nach Liideritzbucht zu legen, ohne daß dem Reiche hieraus irgend welche Verpflichtungen entstehen sollen. sSehr gut! rechts.) Tie Bahn würde auf Grund dieser Disposition im Laufe des Frühjahrs etwa Änibis, 65 Kilometer von Aub, erreichen können, und das wäre besonders mit Rücksicht auf die dort befindlichen reichen und sehr brauchbaren Quellen sehr erlvünscht. Genaue Voranschläge liegen vor von Aub bis Feldschuhhorn, das ist 115 Kilometer von Aub, eine Station, die nach den Dispositionen ettoa ein Jahr nach Verabschiedung beS Gesetzentwurfes erreicht werben konnte. In biefern NacktragS- ctat werden zunächst die Mittel bis Äuibis unb ferner diejenigen für die alsbald zu betoirfeuben Matcrialbestelliingen für die Strecke bis Fclbschnhhorn angefordert. Jin Hauptetat für 1907 wirb bann verlangt werden der Betrag bis Felbschuhhorn, während die Vorarbeiten für die Strecke jorn—Keetmanshoop noch
ausstchen, aber in zwei bis drei Monaten eingegangen fein toerbcu, und dann wird auf dem Wege eines Ergänzungsetats auch dieses Stück der Bahn angefordert werden. Die Gesamtkosten ber Strecke belaufen sich auf 21Ya. Millionen Mark. Der
Stand der Feindseligkeiten im sübwcstafrikaniscken Schutzgebiet ist Ihnen aus ber Denkschrift des großen Generalstabes bekannt. Dcr Hottentotten-', nfstand hat leider bisher noch nicht niedergekämpft werden können. Tie Frage, ob im gegenwärtigen Stadium eine Einstellung der Feindseligkeiten statthaft unb eine weitere Z u r ü ckna h in c von T r u p- p e n möglich sei, haben die verbündeten Regiernngen verneinen müssen. Das Aufgeben kolonialer Kriege haben alle kolonisierenden Nationen zu allen Zeiten bis auf ganz verschwindende Ausnahmen Dermiebcn. (Sehr richtig!) Der Besitz von Kolonien mit farbiger Bevölkerung minderer Kultur beruht nicht auf der Machtentfaltung, die der Weiße zur Zeit ausübt, sondern auf der Autorität, die er den Eingeborenen gegenüber besitzt, auf der Erkenntnis, die den Eingeborenen in Fleisch unb Blut übergegangen sein muß, baß, wie sie von ben Machthabern eine gerechte Behandlung zu erwarten haben, so lange sie friedlich und den Gesetzen entsprechend leben, sie ebenso unerbittlich bestraft werden müssen, wenn sie sich gegen dieses Gesetz, gegen Leben unb Eigentum der Weißen vergehen. Nun ist es natürlich, zu fragen, ob cs richtig wäre, diesen Gesichtspunkt mit aller Strenge gegenüber den wenigen im Felde befindlichen Hottentotten aufrecht zu erhalten. Aber alle farbigen Völker Afrikas stehen in einem gewissen Kontakt. Wir haben bei den Witbois ja die Emissäre der äthiopischen Bewegung gefunden; es kann keinem Zweifel unterliegen, daß ein Akt, der von ben Eingeborenen als ein Versagen an Mut, an Kraft, an Mitteln auf- gefaßt würde, sehr bald in allen übrigen afrikanischen Kolonien Deutschlands bekannt sein würde (Sehr richtig!), daß sich dort bald Treibereien, Unzuträglichkeitcn ergeben und bald Aufstäirde an- schließen würden, und daß, um diese zu dämpfen, sehr viel größere Machtmittel entfaltet werden müssen, als irgendwie notwendig sein könnten, um dieser Hottentotten Herr zu werden. (Sehr richtig!) Dazu kommt als sehr bedeutungsvoll, baß alle kolonisierenden Nationen Europas in Bezug auf ihre Eingeborenenpolitik solidarisch sind. Sie gründen ihre Macht alle auf dieselben Mittel oder auf denselben Mangel an Mitteln unb ersetzen sie durch Autorität. Wenn nun eine Macht wie Deutschland, bie ja doch mit Recht in ber Welt als eine kriegerische Macht gilt, gegenüber ben Hottentotten nachgibt, so ist es natürlich, baß badurch bie Stellung sämtlicher kolonisierenden Nationen in Afrika erschüttert wird. Daß uns das unsere Nachbarn nickt gerade sehr fteundlich bemerken würden, können Sie sich vorstellen.
Zu Beginn dieser Tagung ist der Reichskanzler darüber interpelliert worden, ob denn nicht Deutschland in dem Europäischen Konzert eigentlich aber ellvas stark isoliert dasteht; der Reichskanzler ist in der Lage gewesen, diese Befürchtung für die Gegenwart zu- rückzuweisen, aber es gibt gar keinen suheren Weg, isoliert zu werden, als wenn man sich selbst isolieren und begrenzt in Fragen, wo wichtige Lebensbedingungen europäischer kolonisatorischer tätigteit auf dem Spiele steht. (Sehr richttg!) ES könnte noch erwogen werden, ob nicht an ein zeitweises Zurückziehen der Truppen, z. B. bis die Bahn fertig ist, gedacht werden kann, aber auch dies muß leider bei der Natur der Feinde aus- scheidcn. Diese Hottentotten sind darauf angewiesen, ihre Munitionen, ihren Mundvorrat, ihr Vieh und ihre Pferde zu stehlen, und sie stehlen sie immer bort, wo sie sie kriegen können. (Große Heiterkeit.) Wenn bie Truppen zurückgenommen werden, lucrben sie den Truppen folgen unb in einem bewohnten Lande werden sie diese Sachen nicht bei ben Truppen stehlen, sondern bei ben Farmern, und werden diese wieder totschlagen. (Sehr richtig!) Geht es nach der gewissenhaften Ueberzeugung der verbündeten Regierungen nicht an, ben Kampf zu beenben, so ist auf ber anbern Seite zu erwägen, ob die mit der Fortführung verbundenen großen Opfer vertretbar erscheinen und in Einklang zu bringen sind mit der gesamten wirtschaftlichen Lage des Tcntschen Reiches. Tie verbündeten Regierungen stehen nicht an, zu erklären, daß die Fortdauer dieser Opfer in diesem Sinne nicht vertretbar ist, und
daß eine dauernde Belastung de? Reichs mtt Kosten wie m ven letzten drei Jahren nicht fortgehen kann. Um diese bewert .Gestcytv« punkte, nämlich die Notwendigkeit, cinerseils diesen Krtcg pr** zuführen unb andererseits die Entlastung dcö Reiches, um Diese Gesichtspunkte miteinander zu verbinden, soll gerade bie Jonagc dienen, die wir Ihnen für den Ausbau der Bahn machen. Sowohl der Generalstab, als das Oberkommando berechnen, daß bet den ficqcntoärtig noch im Süden kämpfenden und notwendigen 5000 Mann eine monatliche Mehrausgabe von 2 Millionen acktzigtausend Mark entsteht, eine Mehrausgabe gegenüber derjenigen, toav der Nachschub auf einer Bahn kosten würde, beredmet nach Den Tarifen, wie sie auf der Staatsbahn zwischen Swalopmund und Windhuk in Kraft sind. Der Erpeditionsetat für das Jahr 1906 war auf etwa 1100 Mann aufgestellt. Der Ihnen zugegangene Nacktragsetat beschäftigt sich noch mit 10 000 Mann; für das Jahr 1907 sind 8000 fOlann befördert worden, d. h. es sind bann 6000 Manu gegen den Bestand vom 1. April 1906 zurückgeschickt worden. Sobald bie Dahn nach Keetmanshoop durchgeführt ist, kann man weitere tausend Mann zurückschicken; es bleibt bann nur noch die Hälfte und diese Hälfte wird dann natürlich n'dit bas kosten, Iva» Proportional nach den gegenwärtigen Kosten auf sie cnifancn rcur’e, sondern sie werden sehr viel weniger kosten. Tie verbündeten Negierungen wollen die Massen ber Truppen oernunbern, weil Damit ihre Schnelligkeit unb Beweglichkeit erhöht toirb. Dazu soll Di* Bahn dienen. Die
Zweckmäßigkeit dieses BahnulitcrnchmenS, welche in wenig Monaten aus den Ersparnissen des Transports bie Gesamtanlagen decken wird, ersckeint also erwiesen.
Man kann nun sagen, was wird aber nach dem ^eldzug Werben? Werden nickt bann bie Betriebskosten alle die Vorteile wieder aufzehren? Man kann wohl annehmen, daß Eisenbahnen an und für sich bereits einen gewissen Verkehr zeitigen, und ich nehme an, daß das auch bei dieser Eisenbahn ber Fall sein wird. Id) will bauen sprechen, was ich in anderen Länderen über Die Wirkung erfahren habe, die selbst in ziemlich wilden unb unfruchtbaren Landstrichen durch bie Eisenbahn erzielt worden ist. Als im Jahre 1883 die North Paeifi c-Eiseickahn burckft das Gebiet von Montana durchgestoßen wurde, war dieses Gebiet eine ode, wasserlose Wüste. Es ist eine große Anzahl von Intelligenzen in dieses Land durch bie (rnenbabn hincingewgen worden. Man hat Geld unb Kapital in dieses Land gebracht unb damit Stauwerke und Elevatoren angelegt unb hat in kurzer Zeit ein sehr großes Gerstenprodukt ionsland dort geschaffen, und schließlich sind dort. jene mineralischen Schätze entbeut worden, die heute die zivilisierte Welt von Montana hinsichtlich des Kupferbezuges abhängig machen. (Hört! hort! rechts.) Ob das in Südwestafrika ebenso gelingen kann, das ist sehr fraglich. (Lebhafte Zustimmung bei ben Soz.) Aber daß diese Entwicklung dort nietnals eingetreten wäre, wemi die Bahn nicht gebaut worden wäre, ist noch weniger fraglich. (Zustimmung red)t5.) . ....
Ich muß noch etwaZ eingehen auf die Wahrscheinlichkeit, nut welcher diese Bahn ihren eigenen Verkehr schaffen könnte. Ich habe ein Beispiel gewählt, das Sie alle kontrollieren können: daS ist Die Anatolische Eisenbahn.
Die anatolische Bahn, die von Dr. Siemens geschaffen wurde, hat Kleinasien in einet ränge von 1000 Km. erschlossen. Ter Erfolg biefer Eisenbahn ist gewesen, daß durch sie, bas heißt burdj die Möglichkeit, die Landesprobukte in die Häfen zu bringen und dem Weltmarkt zuzuführen, ganz außerordentliche Wertsteigerungen cingetretcn sind, welche zwischen 83 unb 340 Prozent für die wichtigsten Ansfuhr- vrodiikte variieren. Bei Gelreibe hat bie Wertsteigerung tn Angora seit ber Eröffnung ber Bahn 216 bis 240 Prozent betragen, bei Gerste runb 250 Prozent. Die Rente des Ackerbaues hat sich um 163,4 Prozent erhöht. Der Mehrwert ber Zölle in ben 12 Jahren war 25 660 000 Francs. Diese Zölle sinb Naturalzölle: sie werden eingehoben unter dem Namen der Zehnte; tatsächlich ist es ber achte Teil ber Ernte. Bei Multiplikationen mit S kommen Sic auf einen Mehrwert der Ernte von 200 Millionen in den 12 Jahren, b. h. von 17 Millionen auf das Jahr. Im letzten Jahre war der Mehrwert 17 600 000 Francs. Daß dabei auch der Fiskus gut weggekommen ist, ist ja klar. Die Türken hatten für die Eisenbahn 8000 Francs auf ben Kilometer garantiert. Sie bekommen jetzt durch die- Steigerung ber Naturalabgaben viel mehr heraus. Immerhin ist es ja bei ber Stimmung, bie sich gegenüber ber Eisenbahnvorlage in biesem Hause fleltenb gemacht hatte, Aufgabe der Verwaltung gewesen, einmal von allen Schätzungen über Einnahmen. Rentabilität usw. abzusehen und zu versuchen, eine Basis festzus.ellen, die das Ausmaß des vom Reiche -,ii Leistenden absolut fcstsetzt. Es ist ber Kolonialabteilimg gelungen, die Firma Lenz u. (So. zu der Verpflichtung zu veranlassen, diese Bahn zu basten unter einem ähnlichen Vertrage, tote der letzte Vertrag, unb sie zu packten unb zu betreiben für 10 Jahre auf Grund eines Vertrages, der ähnlich ist, wie der Vertvag für die Packt der Nsambarabahn, d. h. die Firma Lenz u. Co. ist bereit, gegen einen Höckstzusckuß von 550 000 Mark für bas Jahr das Risiko des Betriebes dieser Bahn auf sich zu nehmen. Sollw an diesem Betrage etwas erwart werden, so würde das Reich hieran teilnehmen, d, h. für 10 Jahre kann bie Bahn im Betriebe für daS R7ick niemals mehr kosten, als 514 Millionen. Die ganze Sache wurde 24 Millionen kosten, unb diese werben im Laufe von ganz furier Zeit erspart werden. Das ist gegenüber der Vorlage des Vorjahres ein erheblicher Fortschritt.
Ich halte es für festgestellt, baß es unrichtig ist, daß der deutsche Kolonialbesitz nicht die Elemente in füfi trägt für eine fruchtbringende, unserer Nation für ihre Aufwendungen entschädigende Entwicklung. Das beweisen bie bereits jetzt erzielten Ergebnisse unter Berücksichtigung der untotberlegten Behauptung, daß die
Naturschätze der Kolonie zum größten Teil erst angeschnitten sind. Es ist unrickttg, daß das deutsche .Kapital bei seinen Kolonien versagt habe. Es muß natürlich eine ausgiebigere Betätigung verlangt und auch mög< l'cht werden. ?lber wenn man jemandem einen Vorwurf machen kann, so muß man ihn der Kolonialzcntralvcrwaltung macken, daß sie es an den nötigen Plänen unb an ber nötigen Führerschaft Babe fehlen lassen. Es ist auck unrickttg, daß bie Kolonien für, ihre Zivilvortoaltung auf bie Tauer sehr großer Zuschüsse bedürfen. Tie Zivilverwaltung der Kolonien deckt sick zum großen Teil bereits selbst, wie rmcfoctoicien ist und wie jeder, ber die HaushaltS- übcrnckten freundlichst studieren will, sich selbst nachrechnen kann. Es ist richtig, daß
ein Programm ausgestellt werden muß, toclcke? mit einiger Sicherheit die Lasten, bie bem Reiche aus der Entwicklung ber Kolonien erwachsen, auf eine Reibe von 10 Jahren begrenzt und cs ermöglicht, die Dinge nach ihrer relativen Wichtigkeit bann vorzunehmen, wenn es an ber Zeil ist und wenn die Reicksfinanzen es gestatten. Aber neben diesen Gesichtspunkten sind dock auch noch ethische Gesichtspunkte von sehr großer Tragweite zu berücksickttgcn. Es ziemt sich auck hier, einen Kranz niedcrrulcgen an dem Monument, welches das deutsche Volk in seinem Herzen ben
tapsern Farmern und Kriegern setzen muß, die für die Ehre des Vaterlandes auf den Ruf ihre? Kaisers ihre Heimstätten gegen grausame unb heimtückische Feinde verteidigt haben unb ihr Blut unb Leben gelassen haben. (Bravo! rechts.) Deutschland ist in Europa von mächtigen unb befreundeten Nachbarn umgeben unb hat keinerlei Neigung zu territorialer Ausdehnung. Aber Drutscklanb ist bas Land, in welchem die Volkskraft infolge ber großen Vermehrung des Volkes am stärksten aufschäumt. ES ist deshalb eine wichtige Sache, daß wir einen Kolonialbesitz haben, in dem ein Teil unserer Jugend Gelegenheit hat, für seinen Umernehmimgsgeist eine freie Betätigung zu finden. So bedauerlich die Kriege in Afrika sind, sie haben wenigstens das Gute, baß sie eine Anzahl von Männern und Charakteren erziehen, die einen weiteren Gesichtskreis gewinnen. (Lebhafter Beifall rechts, Unruhe bei den Sozialdemokraten.)
Tas wird unserem Volke in seiner ganzen Breite zu Gute kommen (Beifall rechts), unb toirb Leute erziehen, die den Güuche»


