Ausgabe 
29.11.1906 Drittes Blatt
 
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als möglich geklärt werden kann. Wie Sie aus der Publikation, die die Firma Wocrmann jedem von Ihnen hat zugehen lassen, er­sehen können, sind die Landungsgebührcn überall wiederholt herab­gesetzt worden, und die Ausführungen der Firma hinsichtlich der Schwierigkeiten, der Verluste und Kosten bei den Landungen sind im wesentlichen richtig wiedergegebcn. Außer mit diesen Ange­legenbeiten hat sich die Kolonialverwaltung in der letzten Seit hauptsächlich mit der Vorbereitung für ein Rcchnungsgesctz besaßt. Die Verwaltung muß anerkennen, daß cs in dem gegenwärtigen Zustande nickt weitergehen kann, daß ein gründlicher Wechsel ein­treten muß und in Zukunft die Rechte dieses hohen Hauses auf eine beschleunigte Vorlegung geprüfter Rechnungen strikter gewahrt werden müssen. (Bravo!) Es muß hier betont werden, daß an den Verzögerungen die Kolonialzentralverwaltung im wesentlichen keine Schuld trifft; das wird hier in allen Einzelheiten bezw. in der Kommission nachgewiescn werden.

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Man kann annehmcu, daß von den Naturschätzen, die sich in Togo, in Kamerun, in Deutsch-Ostafrika vorfinden, überhaupt ir u r h ö ch st e n s 20 P r o z e n t auf Grund der gegenwärtig mög­lichen Transportwege nuschar gemacht werden können. (Hört, Hörti rechts.) Ein sehr großer Teil dieser Produkte kann nicht ver- IveNdet werden, weil der Transport zur Küste, zum Weltmarkt zu teuer ist. (Sehr richtig I rechts.) Ein sehr deutliches Beispiel ist die Station Mumtda am Viktoria Nyassa-See. Der Gesamthandel dieser Station betrug vor drei Jahren 341 000 Mark. Seitdem ist die englische Ilganda-Bähn eröffnet und cs ist bequem, nach Muanda zu Schiff zu kommen. Daher betrug im Jahre 1905 der Ausfuhrhandel von Muanda 2 478 000 Mark. (Hört, hört! rechts.) Hier ist der Beweis erbracht, wie die Eröffnung einer leider nicht deutschen Bahn den Verkehr geschaffen hat. (Sehr rich­tig! rechts.) Dieses Resultat ist auch deshalb so erstaunlich, weil für Südwestafrika beinahe gar keine .Kapitalwerte eingesetzt sind. Eine bescheidene Schätzung stellt den V i c h b e st a n d der He­reros vor dem Ausbruch des Krieges auf 200 000 Stück Groß­vieh fest. Diese 60 Millionen Kapital sind natürlich nicht berück­sichtigt worden, denn erstens existiert es zum großen Teile nicht mehr (Heiterkeit), zweitens kommt es nicht in den Exporthandel. Merkwürdig ist an sämtlichen Feststellungen, daß nur 17 Prozent des gesamten europäischen Kapitals, das dort investiert ist, An­lagen des Deutschen Reichs und des Landfiskus sind, _ und daß 83 Prozent von deutschen Privaten oder Gesellschaften gestellt toer- ben. In der Heimat ist cs eine anerkannte Politik, gegen welche sich eigentlich niemand wendet, daß Eisenbahnen und Verkehrswege einen uronopolistischen Charakter tragen und deshalb Staatsbetriebe sein sollten, und deshalb ist c5 sehr eigenartig, daß man hier das vrivate Kapital so wert vor bem öffentlichen Kavital hat vorgehen lassen und gerade da, wo die wirtschaftliche Betätigung erschwert wird durch die Ungunst des Klimas oder durch ungünstige Produk­tionsverhältnisse, das private Kapital abschreckeu, da wird die Schaffung von Verkehrswegen von Reichs wegen es auch crmög- lichen, die Bilanz günstiger zu gestalten.

Der Arzt muß zum Kranken kommen, der Gesunde hilft sich von selbst. Während die erste Denkschrift also die wirtschaftliche Grundlage der Kolonien, wie sw heute ijt, festzusetzen bestimmt war, enthält die zweite die Feststellung der administrativen Lage und der Fortschritte, die darin gemacht wor­den sind. Die Grundsätze, nach denen diese Aufstellungen gemacht worden sind, sind gleichfalls in der Denkschrift angcgkcken. Es sind im wesentlichen Tabellen, die zunächst zeigen, daß die Einnahmen alle miteinander in einer sehr schön ebenmäßig ansteigenden Linie fortschreiten. Wenn das hinsichtlich der letzten Jahre anscheinend nicht der Fall ist, so mache ich darauf aufmerksam, daß für 1904 und 1905 nicht die Abrechnungen haben benutzt werden können, sondern die Etatszahlen. Jeder von Ihnen weiß, daß Etatszahlen auf Grund einer Rechnung entstehen und daß sie mit der Wirklich­keit gar nichts zu tun hÄen. Nun ist meine Verwaltung ange­griffen worden deshalb, weil die Schutztruppen hierbei ausgc- schiüden worden sind. Das bedarf einer eingehenden Rechtferti­gung; erstens, wenn mau gern wissen will, was die Zivilverwaltung gebraucht und gekostet hat, darf man die Soldaten nicht hinein- rechnen. Zweitens, die Erwerbung von Kolonien vollzieht sich nicht dadurch, daß kühne patriotische Leute irgendwo eine Anzahl von schwarz-weiß-roten Flaggen aufzieht, sondern dadurch, daß diese Gebiete tatsächlich okkupiert werden. Diese Okkupation soll natür­lich mit den Mitteln der Kultur, mit den Hilfen, die die religiösen Gesellschaften geben, durchgeführt werden, wo es geht. Wo es aber nicht geht, ..iuß militärische Machtentfaltung cintreten. Deswegen können Sie nicht sagen, daß der Etat eines Schutzgebietes für em

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nehmen können, weil das Risiko erheblich ist. Diese Aufgabe ist nun eine der allersckwcrstcn und umfangreichsten der Kolonial- verwaltung. Jeder schritt bedarf der allersorgfältigsten lieber; lcgung und der gründlichsten Vorbereitung, denn jeder Fehler rächt sich schwer und lostet ungezählte Summen. Bei der Berufung in die Kolonialverwaltung habe ich zunächst kaufmännische Prinzipien dadurch anzuwenden, daß

mente und Akten und nach meiner geschäftlichen Erfahrung bilden konnte, hier gebührenden Ausdruck geben würde, auch wenn sie von bisher landläufigen Ansichten abweicht (Beifall rechts), selbst auf die Gefahr hin, daß ich mißverstanden werde. Ick bin mir durchaus meiner Verantwortung bewußt, besonders Denjenigen gegenüber, die mir ihr Vertrauen entgegengebracht haben. Die Denkschriften führen den Nachweis, daß sich das deutsche Kolonialwesen in verständigen Bahnen bewegt, daß in den letzten 20 Jahren sehr erhebliches geschaffen ist und daß die Aussichten für die Zukunft nach jeder Richtung gut sind. Das in den Schutz­gebieten angelegte deutsche Kapital einschließlich der diesen Schutz­gebieten dienenden Schiffahrtsgesellschaften übersteigt bereits, ohne Rücksicht auf ein Adigo die Summe von 370 Millionen. Daran bat der deutsche Reichsfiskus einen Anteil von etwa 60 Millionen, das Privatkapital von 300 Millionen und die Missionen haben 8 Millionen beigesteuert. Das ist eine sehr erkleckliche Summe, die weit über das hinausgeht, was in sehr vielen Kreisen ange­nommen wurde. ......

hinausgeht, was :n sehr bielcn Kreisen ange Dabei sind naturgemäß nicht berücksichtigt die englischen Kapitalien, die im Plantagenbau an der Westküste von Afrika angelegt sind, und auch nicht die außerordentlich großen Beträge, die die Inder in unserer Ostafrikanischen Kolonie besitzen. Auch das ist ausgeschlossen, was der Postfiskus an Post- und Tele- graphcnanlagcn dort besitzt, weil die Zahlen in der kurzen Zeit nicht zu erhalten waren, denn wir haben im ganzen noch nicht zwei Monate für diese Denkschrift gehabt. Die sämtlichen Unter­nehmungen sind auf die Rentabilität untersucht worden, nicht etwa eine Durchschnittsrentabilität, derart, daß man aus gutgehenden und minder gutgehenden den Durchschnitt gezogen hat, sondern die Unternehmungen sind jede für sich untersucht und in die Klassen der rentablen, der werdenden und der unrentablen eingeteilt worden. Da hat sich herausgestellt, daß über 250 Millionen Dieses Kapitals in den Kolonien bereits rentabel angelegt sind, und un­gefähr 100 Millionen sich in einer werdenden Rentabilität befinden, d. h. daß die Einnahmen im Verlause mehrerer Jahre eine aus- steigende Richtung gezeigt haben, wie das z. B. bei allen Plan­tagengesellschaften Eintritt und cintreten muß, und daß nur ein verhältnismäßig kleiner Teil unrentabel ist. Dabei sind an die Rentabilität außerordentlich scharfe Kriterien angelegt worden. Man hat sogar unterlassen, solche Zinsen, die die Unternehmungen zu zahlen hatten und zahlen konnten, der Rentabilität zuzuschlagen, obwohl das ganz richtig gewesen wäre, weil es ja auch nur eine Verzinsung des in diesen Unternehmungen steckenden Kapitals dar- gestellt hätte. Am meisten angefochten in den Denkschriften ist der Versuch, den Wert der Anlagen der Eingeborenen festzustellen. Es ist natürlich nicht die Absicht gewesen, urbi et orbi zu verkünden, der Wert des Grund und Bodens und der barauf wachsenden Kulturen in unseren Kolonien sei 616 Millionen und kein Pfennig mehr oder weniger. Es sollte vielmehr, und zwar möglichst Mich in Form einer Summe gezeigt werden, daß bereits heute sehr große Kapitalien der deutschen Nationalwirtschaft dienst­bar sind, daß die Eingeborenenwirtschaft den nationalen und wirt­schaftlichen Bedürfnissen schon große Dienste leistet. Dieses Re­sultat ist ein ziemlich erstaunliches. (Zuruf bei den Soz.) Jawohl, es ist deshalb ein so erstaunliches, weil es erzielt ist, ohne daß die notwendigen Verkehrswege geschaffen sind. (Sehr richtig! rechts.)

des gegenwärtigen nicht des gewesenen, auch nicht des zu­künftigen Standes des deutschen Koloiiialwescns habe aufstellen lassen. Solche Aufstellungen sind der Natur der Sache nach sehr umfangreich, sie verlangen eine sehr genaue Arbeit und ein vor­sichtiges Urteil, die Quellen sind nicht leicht zu erreichen, uni) die Zahlen müssen in vielen Fällen auf ihre Zusammensetzung geprüft werden. lSehr richtig! bei den Soz.) Ich kann Ihnen demnach diese Arbeit jetzt noch nicht in vollem Umfange vorlegen, dem Hause ist zuiiächst eine Denkschrift über die deutschen Kapitalinteressen in den deutschen Schutzgebieten ohne Kiautschou zugcgangen Kiau- tschon deshalb nicht, weil es nicht der Verwaltung der Kolonial- abteiluiig untersteht; ferner eine Denkschrift mit dem Titel:Die finanzielle Entwickelung der deutschen Schutzgebiete ohne Kiau­tschou"; cii'.' weitere Denkschrift über das, was die europäischen ~ i h Eisenbahnbau in Afrika geleistet haben und über die

Jahr 1896 ausführlich ausspricht. (Hört, hört!) AuS dem Vor­gesagten werden Sic es begreiflich finden, daß es z. Z. nicht mög­lich ist, Ihnen eilt vollständig ausgearbeitetes Programm vorzu- lcgen. Es wird Ihnen jedoch recht sein, wenn ich jetzt bereits

einige Leitsätze

ansspreckc, in deren Richtung sich meine Weiterarbeit zu bewegen haben wird. Tas Ziel einer verständigen Kolonialverwaltung muß es fein* die Schaffung von mit dem Vaterlande eng verbunde­nen, administrativ unabhängigen, wirtschaftlich gesunden Kolonien. Hierzu bedarf es einer großen Anzahl von Veränderungen, so der Schaffung einer leistungsfähigen, in guter Tradition erwachsenen, verläßlichen und dem Heimatlande treu ergebenen Beamten- s,ch ast.. Eine solche ist nur erzielbar auf der Basis einer gesetz­lichen Feststellung der Rechte und Pflichten und einer auskömm­lichen Dotierung und Versorgung gegenüber den aus dem Kolonial­dienst erwachsenden Aufgaben, Gefahren und gesundheitlichen Schädigungen. (Sehr richtig!) Eine solche Festlegung ist von diesem hohen Hause wiederholt gewünscht worden. Es haben unter meinem Vorsitz eingehende Besprechungen stattgefunden, wie diese überaus wichtige Frage gelöst werden kann. Ich hoffe, daß die Resultate dieser Beratungen in nicht zu langer Zeit diesem hohen Hause wer­den vorgelegt werden können. Der Gang der Dinge dieser Welt wird nicht durch Einricktungen, sondern durch Personen bestimmt, und eine erfolgreiche koloniale Verwaltung hat zur Voraussetzung, daß für sie die besten Personen gefunden werden. (Lebhafte Zu­stimmung auf allen Seiten des Hauses.) Für den Dienst in unseren Kolonien ist der beste Mann und Charafter gerade gut genug. (Leb­hafte Zustimmung auf allen Seiten.) Eine absolut fleckenlose weiße Weste ist die erste Vorbedingung. (Lebhaftes Bravo! auf allen Seiten.)

Ich gehe mit drei Worten auf die sogenannten

Kolonialflandale

ein, die der Herr Reichskanzler vor mir berührt hat. Die Angriffe sind im wesentlichen gegen Beamte der Kolcmialabteilung und gegen Offiziere der Schutztruppen gerichtet. Bei der verantwort­lichen Stellung, die die Kolonialbeamten einnehmen, der Ge­fährdung, die durch unsachgemäße Behandlung dem Deutschen Reiche und seinen Finanzen entstehen kann, ist es absolut not­wendig, daß jeder Kolonialbeamte sich der hohen Pflichten seines Amtes in jeder Sekunde bewußt sei. Die Verwaltung wird alle Verfehlungen unnach sichtlich vor das gehörige Forum ziehen. Es wird niemand seiner gerechten Strafe entgehen dürfen, aber ebenso ist das notwendige Korrelat einer solchen Praxis, daß auch diejenigen, weitaus die größte Anzahl bildenden Beamten, welche im Dienst ihres Vater­landes in ungesundem Klima unter schwierigen Eingeborenenver- hältnissen bei nicht übermäßig glänzenden 91 Enumerationen treu ihre Pflicht tun, von Amts wegen gegen unberechtigten und heim­tückischen Angriff geschützt werden (Beifall rechts), ebenso wie schuldige Beamte bestraft werden. Es soll auch eine Praxis der Verwaltung sein, so weit sich die Anschuldigungen als Verleum­dungen oder Ehrenkränkungen Herausstellen, daß die Verwaltung gegen den Verleumder ober Beleidiger ver­geht. (Sehr richtig!* rechts.) Bezüglich der bisher erhobenen An­schuldigungen hat der Reichskanzler auf meinen Antrag eine

Kommission eingesetzt,

bestehend aus zwei preußischen Richtern und einem Staatsanwalt, Bemnten, welche mit der Kolonialverwaltung bisher nichts zu tun gehabt haben. Diese Beamten werden sämtliche Fälle, welche ent­weder in diesem hohen Hause oder in der Presse oder sonstwo vor­gebracht sind, auf das Eingehendste untersuchen, und es wird diesem hohen Hause von den Resultaten dieser Untersuchungen Kenntnis gegeben werden. (Beifall rechts.)

Eine weitere Voraussetzung für die Errichtung selbständiger und leistungsfähiger Kolonien ist die Etablierung derjenigen Basis, auf welcher europäische Kultur fortschreiten kann. Hierzu gehören die außerordentlich schwierigen und verwickelten Fragen des Ein geborenen- Rechts und ber (Singebore# nenbehandlnv g. Vor allen Dingen aber ein gutes Einver­ständnis mit den der Shiltur bienenden, verdienstvollen Missionsgesellschaften und Missionaren, die ja zum Teil Vorläufer der staatlichen Gewalt gewesen sind, und die zum Erwerb unserer Kolonien das ihrige beigetragen haben lieber diese i Gegenstand sich ausführlicher auszulaffeu, wird die Beratung des Etats für das Jahr 1907 Gelegenheit geben. Ferner aber gehört zu diesem Gebiet die Frage der

wirtschaftlichen Selbständigkeit,

zu deren Erzielung sowohl der Staat als das Priva'kapital das ihrige beizutragen haben. Eine wirtschaftliche Selbständigkeit von Kolonien muß sich gründen auf deren eigenen Einnahmen. (Bei­fall rechts und in der Mitte.) Diese Einnahmen können neben denjenigen, die au5 werdenden Anlagen des Staates bezw. des Kolonialfiskus geschehen, nur entstehen durch die Begünstigung privater wirtschaftlicher Tätigkeit, sei es von Personen, sei es von Gesellschaften, welche den Boden und bie Naturschätze der Kolonie in sachgemäße Bewirtschaftung nehmen, und darauf Produkte er­zeugen, löcldic die deutsche Nationalwirtschaft vom Auslande unab­hängiger gestalten und die Lebenshaltung der arbeitenden Klassen erleichtern. Wenn es demnach die Ausgabe der Staatsverivaltung ist, die Entstehung und erste Entwickelung, dieser privatrechtlichen Unternehmungen nach Kräften zu fördern und zu erleichtern, so muß das Reich andererseits von vornherein Vorkehrungen dagegen treffen, daß schon von Anfang an die Möglichkeit angemessener fiskalischer Leistung nicht ausgeschlossen ist, denn nur aus solchen fiskalischen Leistungen in Form von Zöllen und Steuern kann das Substrat der wirrschaftlichen Selbständigkeit gelvonnen lverden. Gerade nach dieser Richtung hin ist in der Vergangenheit manches verfehlt wordep. Manches kann allerdings noch verbessert werden, aber der Gesichtspunkt muß im Auge behalten werden, daß die Grundlage, auf der sich wirtschaftliche Gebilde aufbauen, Ge­schenke, Konzessionen von feiten des Reiches sind, und daß das Privatkapital nur die Befruchtung dieser Grenzen übernimmt. Auf dieser Basis und einer gesunden Erkenntnis, was das Privatkapital an Renten, an Einkunft notwendig hat, werden sich die privatwirt­schaftlichen und die fiskalischen Interessen die Hand reichen. Zu diesem Abschnitt gehört die

Beschaffung von Berkehrsivegen,

lvelche daS Privatkapital nicht oder noch nicht hat in die Hand

tauschen zu sollen. Ich habe eS m der Hoffnung getan, daß cs meinem ehrlichen und festen Willen gelingen wird,

klare und saubere Zustände

zu schaffen und richtige wirtschaftliche Grundsätze einzuführen, sowie in ber Erwartung, baß durch eine strikte Wahrung der Rechte dieses Hauses und, soweit möglich, auch durch die Erfüllung feiner Wünsche, es mir gelingen würde, mir für meine Arbeit die Unterstützung ber Vertretung des deutschen Volkes zu sickern, ohne welche diese Arbeit natürlich vergeblich bleiben muß. Ich will dabei nicht verhehlen, das; mich auch die Aufgabe gereizt hat, einen Kolonialbesitz in der fünffachen Größe deS Deutschen Reiches für das deutsche Volk miterobern zu helfen, den Versuch zu machen, die vielen Opfer, die unser Volk gebracht hat, durch entsprechende Erfolge wieder wett zu machen, und die

Freude am Kolonialbesitz tu heben und zu stärken.

Selbstverständlich mußte meine Ausgabe zunächst in eingehen­dem Studium der Beschlüsse und Verhandlungen dieses Hauses aus den letzten Jahren bestehen. Daneben lag mir eine große Anzahl admnnstrativer Maßnahmen ob, welche die Arbeitsfähigkeit der Abteilung kräftigen und zum Teil sogar erst wieder Herstellen sollen. Dazu kommt, daß die Aufgaben der Kolonialverwaltung an die Person chres Leiters bei der gegenwärtigen Organisation Lnforderungen stellen, denen ein einzelner Mann unmöglich ge- tvachsen sein kann, ganz abgesehen von der schweren Verantwor­tung, die diesem Leiter auch noch obliegt als Vertreter des Reichs- LmzlerS in den Geschäften des Oberkommandos während eines Krieges. Die Verwaltung hat sich deshalb bei mir mehr ober weniger darauf beschränken müssen, von einem Tag zum andern zu leben und sich den täglich an sie herantretenden Aufgaben zu widmen. Zu einer zielvollen, über den Tag hinausgehenden atuninistrativen ober legislatorischen Tätigkeit habe ich der Natur der Sache nach bisher nicht kommen können. Immerhin habe ich vielfache Anregungen für die unmittelbare Behandlung der Ge­schäfte der Kolonialabteilung aus den Verhandlungen dieses hohen HauseS in der letzten Tagung schöpftn können. Die damals ge­faßten Resolutionen find sämtlich in der Arbeit, und soweit daraus bisher etwas hat erfolgen können, werden die Resultate hier mit­geteilt werden.

Zunächst und hauptsächlich hat mich diejenige Resolution bc- schäftrgt, welche verlangte, daß die Reichsregrerung alle diejenigen sogenannten

Monopolverträge

losen möge, welche über ein Jahr himms laufen, sei cs zwangmaßig, sei eS auf dem Wege der Verhandlung. Ich kann darüber das Fol­gende mitteilen: Der Vertrag mit der Firma v. Tippe ls- rirch u. C o. ist gelöst. (Beifall links.) Das Reich leistet dieser Firma keinerlei Entschädigung. Die sämtlichen bisher ent­standenen Differenzen sind derart geordnet, daß die Firma noch eine Zahlung an das Reich zu leisten hat. Die Aufträge, welche bereits erteilt worden sind, sind auf die Hälfte zurückgeschritten. ;<HörtI hört!) Man hätte wahrscheinlich in dieser Angelegenheit noch etwas schneller Verfahren können und den Vertrag nicht bis Zum 31. März 1907 ausdehnen brauchen, wenn nicht die Reichs­regierung Rücksicht genommen hätte auf jene 447 Arbeiter, welche die Fabrik beschäftigt. (Höhnisches Lachen der Soz.) Der Ver­trag läuft am 31. März nächsten Jahres zu Ende und die Firma tritt in Liquidation.

Zweitens: Der Vertrag mit Dr. Kade (Oranien- apotheke) ist gleichfalls in Behandlung genommen worden. In ent­gegenkommender Weise hat sich der Besitzer ein Recht gegen ihn vorzugehen gab es nicht und gibt es auch nicht dazu Bereit er­klärt, in Verhandlungen einzutreten, wonach die Bestellpflicht des Reiches beschränkt werden soll auf pharmazeutische, hygienische und Krankenpflegeartikel; d. h. es soll weiter nichts von ihm in Zu­kunft besteltt werden, als was er nach der Natur der Sache als direkter Lieferant zu liefern in der Lage ist. Eine vollkommene Aufhebung habe ich nicht erstrebt, eine Handhabe dazu gab es nicht. Im übrigen bin ich aber der Ansicht, daß bei der Natur des Geschäftes, bei dem großen Vertrauen, das dem Lieferanten geschenkt werden muß, man an diesem Vertrage nur dann etwas ändern soll, wenn sich wirklich Mißstände ergeben.

Der Transportvertrag mit der Woermann- linic ist zum 31. Dezember des laufenden Jahres gekündigt. (Beifall.) Der Militärtransport, sowie die Verfrachtung von Eil­gütern in ganzen Schiffsladungen geht mit diesem Tage auf die Seetransportabteilung des Reichs marin e- amtes unter Führung ber Kolonialabteilung über. (Beifall.) Ferner ist eine Konkurrenz, ja zwei, drei für die Woermannlinie geschaffen worden, sodaß von einem Monopol für diese Firma van nun an nicht mehr die Rede sein kann. Die Reichsverwaltung hat zurzeit nicht die Absicht, mit dieser Firma einen neuen Ver­trag abzuschließen.

.Die Verwaltung ist wegen dieser Monopolverträge viel an­gegriffen worden, sowohl in ber Öffentlichkeit, wie in diesem Hause. Alle diese Verträge haben an dem gleichen Fehler gelitten, daß sie ohne Begrenzung Der Quanten, sei es bei der Anschaffung, fei es bei der Verschickung der Sachen, welche das Reich zu be­stellen sich verpflichtet hatte, abgeschlossen sind. In allen lag der wirtschaftlich durchaus vertretbare Gedanke zugrunde, diese Firmen durch die Sicherung einer gewissen Beschäftigung zu veranlassen, Einrichtungen zu treffen, die für bas Reich und die Kolonien nütz­lich sind. Dadurch, daß man das erforderliche Quantum unter­schätzte,, daß man die cintrctcnbcn Verhältnisse nicht vorauSsah, ergab sich, daß sehr große Quanten zu Preisen bestellt und ver­schifft wurden, die bei den geringen, von vornherein in Aussicht genommenen Quanten durchaus raisonnabel waren, durch eine erhebliche Erhöhung der Quanten aber jede Raison verloren hatten. (Zusttimnung.) Dadurch kam es zu außerordentlich hohen Gewinn­zahlungen an die Unternehmer. Diese Fehler lassen sich leicht ver- . meiden und wcvden in Zukunft vermieden werben. Tie Verträge werden, sowett sie nicht wie der Vertrag mit der Firma TippelS- kirch durch Vergleich erledigt sind, aufmerksam geprüft werben, und wenn sich herausstellt, daß etwas gurürfgeforbert werden kann, wird dies geschehen. (Beifall.) Der Landungsvertrag für Lüderitzbucht und Swakopmund läuft noch bis zum 31. Dezember 1907. Eine Möglichkeit, ihn jetzt sckon zu lösen, besteht nicht, besonders, da das Reich nicht weiß, was es gegen» toärtrg an die Stelle setzen könnte. Tie Landungsverhältniss'e in diesen beiden Häfen setzen das allergenaueste und vorsichtigste Studium voraus. Zweifellos sind in der Vergangenheit hier er­hebliche Fehler gemacht worden und große Mißerfolge daraus her- borgegangen. Um das für die Zukunft zu vermeiden, wird es eines ganz besonders aufmerksamen Studiums bedürfen, und des­halb haben die verbündeten Regierungen auch im Etat für 1907 noch keine Forderung wegen des Hafens von Swakopmund gestellt, damit diese Frage vorher nach allen Richtungen erörtert und soweit

Andere Denkschriften werden dann folgen. Ick habe versucht, den Inhalt dieser Denkschriften möglichst zu beschränken, um Ihnen die Mühe bc5 Lesens etwas abzukürzen und an Stelle dickleibiger Beilagenbände graphische Darstellungen zu setzen, die mit einem Blicke zeigen, Ivie die Entwicklung angefangen, wie sie sich fort­gesetzt hat, und wie sie sich möglicher- ober voraussichtlicherweise für bie Zukunft gestalten kann. Das hinbert nicht, baß bas ge­samte Material aufs exakteste unb sorgfältigste gesammelt ist und Der Budgetkommission vorgelegt werden wirb. Ich mußte voraus- sehen, baß man mich für allzugünstig urteilend ansehen würde, ja daß ich für einen Optimisten gehalten werben könnte. Mir ist be­kannt, baß nach vielfach herrschender Stimmung alles günstige, was über die Kolonien zu berichten ist, mit Mißtrauen aufgenommen wird (Sehr richtig! rechts), daß cs hier und da sogar erwünscht gewesen wäre, wenn ich lediglich mit dem eisernen Besen,

den man mir liebenswürdigst in die Hand gedrückt hat, und mit einem Topf voll schwarzer Farbe hier erschienen wäre. (Hetter- keit.) Allein ich würde wenig würdig sein, an dieser Stelle vor Ihnen unb ber Nation zu sprechen, wenn ich nicht meiner Ueber- zeugung, soweit ich sie mir bis letzt nach dem Studium der Doku-