Eintrittsgeld soll nicht erhoben
Aus Stadt und Land
—V28 Uhr abds.
ßen durch Freis prech- m'ichtsrats des Vereins
Sprechstunden de.- i/c'jiut ::i 1. -
nehmens fertigen und eine Skala der Beitrüge rc. aufstellen sollte. Der Sachverständige verlangte für das Gutachten 1000 Mk. Vorstand, Aussichtsrat und Generalversammlung waren sich einig darüber, daß, wenn der Sachverständige eine komplizierte staffel förmige Beitragsleistung der Mit-
zügliches geboten wird, werden.
8. Bad-Nauheim, für Kirchengcsang in
26. Nov. Das Soloquartett Leipzig (Cantor Nöthig, Frau Herr Tannewitz) veranstaltet am
Jahres feiert der hiesige Kri cgcrvercin das ihm über- tragens Bezirks fest des Bezirks Gießen. Die Vorarbeiten sind im Gange. Schon jetzt läßt die rührige Tätigkeit des Vereins als sicher erscheinen, daß den Festgästen etwas Vor-
Nöthig, Frl. Schneemann,
5. Dezember in der Dankeskirchc ein Konzert, lieber die Leistungen des Quartetts schreibt „Daheim" gelegentlich des
Gießen, 28. Nov. 1906.
** Gießener Ehrenbürger. Dem Direktor des Instituts sür Infektionskrankheiten in Berlin, Geh. Medizinal rat Dr. Georg Gaffky, wurde vom Kaiser der Charakter als Geheimer Obermedizinalrat mit dem Range der Räte zweiter Klasse verliehen.
** Konzert-Verein. Am kommenden Sonntag, 2. Dezember findet im Saale des Gescllschasts-BereinL das 3. Konzert, der erste Solisten- oder präziser aus gedrückt Künstler-Abend statt. Künstler sind es tatsächlich, die der Konzert-Verein für den, 2. Dezember verpflichtet hat. Frau Basser mann, die Gattin des vortrefflichen Geigers Professor Bassermann, eine feinsinnige Vertreterin ihres Instrumentes (Klavier), die uns als echte Künstlerin wiederholt entzückte. Ihr gesellt sich Fräulein Elsa Ruegger zu, eine noch junge, aber durchaus auf der Höhe stehende Virtuosin, die ihr Cello meisterhaft beherrscht. Fräulein Ruegger ist von Geburt Schweizerin, absolvierte aber hauptsächlich ihre Studien in ihrer Adoptiv Vaterstadt Brüssel. Dort am Königl. Konservatorium ausgebildet, verließ sie das vortreffliche Institut mit den höchsten Preijen versehen, um in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Amerika mit den größten Erfolgen bei dem Publikum und der günstigsten Beurteilung seitens der Kritik zu konzertieren. „
-s- Dau bring en, 27. Nov. Am 7. Jull nächsten
Um angestrengt arbeiten zu können- muss man gute, kräftige Nahrung zu sich nehmen. Unter allen Nahrungsmitteln nimmt Quaker Oats den ersten Rang ein, denn neben seiner Leichtverdaulichkeit besitzt es alle Bestandteile, die den Körper kräftigen und die Gehirnthätigkeit unterstützen.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Ncdakt^n dem Vublikum gegenüber keinerlei
Verantwortung.)
Dom neuen Stadttheater.
Sollte cS an maßgebender Stelle nicht bekannt sein, daß das moderne Theater nur einen sich in der Mitte teilenden Vorhang ans schweren Stossen, mit modern stilisierten Stickereien versiert verwendet? Soll denn das schinncke Stadttheater statt eines solchen'durch seinen edlen Faltenwurf vornehm wirkenden Vorhangs ein Roüleaux, ans dem „was Schönes" zu sehen ist, das doch nur der Zerslreiitheit des Publikums Vorschub leistet, erhalten, getreu dem Grundsatz: Tie Masse könnt ihr nur durch Masse zwinyen?
ist vom Schöffengericht Gießen durch Freisprechung des Vorstandes und deS Aussichtsrats des Vereins sür Sterbeunterstützung in erster Instanz erledigt worden. Seit über 20 Jahren bestand hier eine allgemeine Sterbekasse, die zuletzt 1400 Mitglieder zählte und bei jedem Sterbefall unter den Mitgliedern 25 Pfg. Beitrag erhob. Die Hinterbliebenen des verlebten Mitgliedes hatten einen Rechtsanspruch auf Sterbegeld, dessen Höhe von der Generalversammlung auf 230 Mk., später auf 270 Mk. festgesetzt war. Die Sterbekassc hat seit ihrem Bestehen nicht nur stets pünktlich das Sterbegeld ausgczahlt, sondern auch noch ein Vermögen von 7000 Mk. angesammelt. Auf Grund des Gesetzes vom 12. Mai 1901 über die privaten Versicherungs-Unternehmungen verlangte nun das Kaisers. Aufsichtsamt für Privatversicherung in Berlin zuerst, die Allgemeine Stcrbekasse solle sich unter seiner Kontrolle stellen, Einreichung der Statuten re. zur Genehmigung. Man verfügte weiter von Berlin aus, daß sich die Kasse eines Sachverständigen bedienen solle, der ein versicherungstechnisches Gutachten über Lebens- und Leistungsfähigkeit des Unter
glieder fordern würde, das segensreiche, auf Vertrauen untereinander gegründete Wohlfahrtsunternehmen nicht mehr zu halten sein würde unb man beschloß, die Kasse aufzulösen. Man gründete aber einen Verein für Stcrbe- unterstützung, der den Zweck hat, den Hinterbliebenen eines verstorbenen Mitgliedes nach Kräften des Vereins und nach Lage der Sache eine Unterstützung zu gewähren, auf die jedoch kein Rechtsanspruch gegeben wurde. Als Beitrag hat jedes Mitglied bei jedem Sterbefall 25 Pfg. zu zahlen. Bei jedem angemeldeten Todesfall beschließt der Vorstand, ob und in welcher Höhe Sterbegeld zu zahlen ist. Gegen den Bescheid des Vorstandes steht den Hinterbliebenen Be- chwerde an die Generalversammlung zu. Ein klagbarer Rechtsanspruch wird aber keinem Mitgliede gewährt. — Das Vermögen der aufgelösten Allgemeinen Sterbekasse Gießen wurde laut Beschluß der Generalversammlung dem neugegründeten Verein für Sterbeunterstützung 1906 überwiesen. Man teilte dem Aufsichtsamte in Berlin mit, daß die Allg. Sterbekasse Gießen aufgehört habe zu existieren, die Generalversammlung nach den Statuten berechtigt war, die Auslösung zu beschließen und auch demgemäß Beschluß gefaßt hätte. Sämtliche Mitglieder der alten Sterbekasse traten dem Verein für Stcrbcunterstützung zu Gießen 1906 bei, obgleich dieser ausdrücklich den einklagbaren Rechtsanspruch auf Sterbeunterstützung an seine Mitglieder ausgeschlossen hat. Die Generalversammlung des neuen Unternehmens bestimmte für das laufende erste Geschäftsjahr eine Sterbcunterstützung von 270 Mk. an die Hinterbliebenen eines sterbenden Dditaliedes, und so glaubte man unbehelligt durch das Ausfichtsanrt die Kasse weiterführen zu können und gleichzeitig der damit geforderten Staffelung der Beiträge uberhoben zu sein. Absatz 2 des § 1 des Ge- etzes vom 12. Mai 1901 über die privaten Verstcherungs- intcrnehmungcn bestimmt nämlich, ausdrücklich: Als Ver- icherungsunternehmungen im Sinne dieses Gesetzes, die der Aufsicht durch Landesbchörde, andernfalls durch die hierzu bestellte Reichsbehörde l.Kaiserl. Aufsichtsamt), unter» tehen, sind solche P-ersonen-Vereinigungen nicht anzu- ehen, die ihren Mitgliedern Unterstützungen gewähren, ohne ihnen einen Rechtsanspruch daraus ein zuräum en." Das Aufsichtsamt in Berlin erklärte, die Allg. Sterbekasse Gießen bestehe noch zu Recht, der Verein für Sterbeuntcr- 'tützung zu Gießen 1906 sei die gleiche Kasse, gleichsam eine Fortsetzung derselben und das Statut des Vereins, das jeden Rechtsanspruch der Mitglieder ausschließe, bedürfe der Genehmigung, und solange diese nicht erfolgt sei, be- tehe das alte Kassenstatut noch fort. Die Behörde behauptet weiter, daß ein Rechtsanspruch der Hinterbliebenen von verstorbenen Mitgliedern auch nach den jetzigen Statuten des Vereins für Sterbeunterstützung besteht. Es wird eine Kontrolle durch die Kaiser!. Behörde, Gutachten eines Versicherungstechnikers und Staffelung der Beitragsleistung der Mitglieder verlangt. Vorstand, Aufsichtsrat und Generalversammlung des Vereins glaubten nach dem Wortlaut des Gesetzes dazu nicht verpflichtet zu sein, und nun erfolgte die Anklage vor dem Schöffengericht. Der die Anklage vertretende Amtsanwalt Wcidemann machte sich die Ansicht der Kaiserl. Behörde zu eigen. Er erklärte, daß die Auflösung der Allg. Sterbekasse nur erfolgt sei, um das Gesetz zu umgehen. Der Rechtsanspruch auf Unterstützung habe früher bestanden und bestehe tatsächlich noch, das neue Statut schließe ihn nicht aus. Rechtsanwalt En gisch, der die angeklagten Borstandsmitglieder vertrat, bemerkte, auf die vorliegende Sache könne mau mit Recht die Worte des Dichters anwenden: „Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage." Es handele sich um Leute, die mit Glücksgütern nicht so reichlich gesegnet seien, um im Falle der Not sich ohne weiteres helfen zu könne:!. Diese Leute seien. Einer für Alle und Alle für Einen, übereingekommen, im Notfälle für einander helfend eiuzutreten und nun komme das Aufsichtsamt in Berlin mit seinem Reglement und stelle damit das sozialpolitisch wohltätig wirkende Unternehmen in Gießen in Frage. Tas Unternehmen sei auf gegenseitiges Vertrauen gegründet. Der Rechtsanspruch habe bei dem alten Kassennnternehmen bestanden, dieses sei aufgelöst, die Allg. Sterbekasse bestehe nicht mehr, sie habe dem Verein für Sterbeunterstützung .Raum gegeben, der für seine Mitglieder in seinem von diesen angenommenen Statut jeden Rechtsanspruch auf Sterbennterstützuug ausdrücklich ausschließt. Er wolle zugeben, daß damit das Gesetz umgangen werden solle, aber dies sei erlaubt. Das Gesetz, betr. der Beaufsichtigung privater Versicherungen sei geschaffen, um große C werbsgesellfchaften, die das Versichern als Geschäft betreiben, zu kontrollieren, im Interesse der Versicherungsnehmer, um diesen eine Sicherheit zu schaffen, damit sie schließlich nicht leer ausgehen, nicht aber habe der Gesetzgeber daran gedacht, damit Wohlfahrtseinrichtungen zu treffen, wie die, die zum Segen ihrer Mitglieder in Gießen seit 20 Jahren gewirkt hat. Der hessische Staat habe sich seines Rechts als Aufsichtsbehörde zugunsten der Kaiserlichen Behörde in Berlin begeben, wäre dies nicht geschehen, so könne man überzeugt sein, daß das Kreisamt die Leute in Frieden gelassen hätte. Das Gericht entschied, wie eingangs erwähnt, auf Freisprechung. Der Fall wird wohl von der Anklagebehörde an alle Jn- stanzen gebracht werden.
1000. Konzerts:
Sie haben gesungen in Oesterreich, Ungarn, der Schweiz, Italien, Belgien, Holland, Schweden und Rußland, Frankreich und England, in der Türkei, Kleinasien, Syrien, Palästina, Egypten, in den Vereinigten Staaten. Sie folgten der Einladung der evangelischen Gemeinden, um dort mit ihrem Liede deutschen Glauben und deutschen Kunstsinn zu stärken und Tausende zu erfreuen. DaS Weiße Haus in Washington, Earmen Sylvas Königsballe, die Kirchen in Bethlehem und Jerusalem, die altchrisilichen Katakomben in Ron: hallten nieder von ihren in kunstvoll verschlungenem Satze mit Reinheit, zartester Schattierung und echter Empfindung vorgetragenen Gesängen. Ein amerikanischer P a st 0 r s ch r e i b t: „Fürwahr es reut mich nicht, nahezu ,440 Meilen in 2 7. Tagen zurückgelegt zu haben, denn das Gehörte war weit mehr als ein Konzert, es war ein Gottesdienst, dem- zuliebe ich noch weit mehr Zeit und Geld geopfert hätte. Erhoben und gestärkt kehrte ich in die Einsamkeit meiner weltentlegenen Landpfarre zurück, wo kaum einer begreifen kann, wie man um dieser paar 9)1 inuten willen so viel Geld ausqeben kann".
< Friedberg, 27. Nov. Zn einer hiesigen Taglöhnersfrau kam heute morgen ein feingekleideter Herr, der der Tochter, die er gleich mitnehmen wollte, eine gute Stellung bei einer feinen Herrschaft versprach. Gleichzeitig zählte er 500 Mark in Silber auf den Tisch, die er im Falle der Einwilligung der Mutter zahlen wollte. Dieses fam der Frau nicht recht geheuer vor und als sie zögerte, machte sich der rätselhafte Fremde schleunigst aus dein Staube. Die sofort von der Polizei angestellten Ermittelungen blieben resultatlos, der Fremde war verschwur den. Man glaubt, daß es sich um einen Mädchenländler handelt.
vermischte».
• Die Verhaftung des Bürgermeisters von San Franzisko. Bürgermeister Schmitz, der beschuldigt wird, an§ dem Unterstützungsfonds für die Opfer des Erdbebens von San Franzisko große Summen unter» chlagen zu haben, würbe bei seiner Rückkehr aus Europa in New-Pork verhaftet, gegen Bürgschaft, die er stellte, jedoch auf freiem Fuße gelassen. Schmitz war früher Mtisiker in San Franzisko und organisierte mit einigen Freunden die Gewerkschaftsbewegung in Kalifornien. San Franzisko wurde bis vor einigen Jahren von einer Bonde politischer Abenteurer und Gönner, dem berüchtigten .Ning", beherrscht, der die Hilfsmittel der Stadt in der schamlosesten Weise auSbentcte. Der organisierten Nrbciterportei gelang c§, unter Schmitzs Führung olle anständigen Elemente um ihre Fahne zu scharen und die Herrschaft deS „Ringes' 31t brechen. Namentlich das deutsche Element, dos in Son Franzisko bei den Wahlen ausschlaggebend ist, verhalf seinem Landsmann Schmitz zum Siege. Bei den Erdbeben tot sich Schmitz, der die NettungS- orbeiten persönlich leitete, durch seine Tapferkeit unb, seine Umsicht besonbers hervor. Es wäre mehr als Ironie deS Schicksals, wenn es sich bewahrheiten sollte, boß Schmitz, der als Vertreter der Ehrlichkeit gegen die Korruption seinen Einzug ins Stadthaus von San Franzisko hielt, selbst der Versuchung erlegen wäre.
Handel und verkehr, Volkswirtschaft.
Märkte.
tb. Gießen, 27. Nov. Der heutige R i u d v i e h m a r k t hatte einen Au'trieb von ca. 1200 Stück Großvieh und etwas mehr als 150 Kälbern. Trotzdem es nicht an Kundschasi fei)Ito, zeigte der MilchmeHmarkt, wie immer im Spätherbst, kein Leben und nur sehr langsamen Handel. Hierzu kam, daß der Bedarf an guter Ware beim Vormarkt schon mehr wie reichlich gedeckt war. ^Dic Preise für Milchkühe erfuhren einen weiteren Abschlag. -ta§ Geschäft in fetten Rindern und Kühen war ebenfalls schleppend und diese Ware war ebenfalls nur bei weichenden Preisen schwer an den Alaun zu bringen. Der Kälbermarkt war so schlecht, wie lauge nicht. Es fehlte an der Kundschaft der großen Stabte, sodaß in der Hauptsache nur der Bedarf der Provinz zu decken war, was zu recht billigen Preisen geschehen konnte, trotzdem der Um trieb nur gering war. Ter Markt blieb an Milchvieh erheblich uber- stäudig. Es wurden gehandelt das Stück K ü h e, f r i f ch m e l k e 110 und tragend: 1. Qual. 450 bis 400 Mk., 2. Qual. 37o bis 325 Mk., 3. CuaL 300 bis 260 Mk. F e 11 v i e h, v e r Z entner Schlachtgewicht: Fette Rinder 1. Qual. 75 bis 73 Mk., 2. Qual. 72 bis 71 Mk., fette Kühe 1. Qual. 71 bis 70 Mk., 2. Qual. 69 bis 67 Mk. Kälber 1. Qual. 72 bis 68 Mk., 2. Qual. 65 bis 60 Mk., 3. Qual. 58 bis 54 Mk. Junge Rinder zur Mast waren nur vereinzelt am Markt und standen Hoch im Pieise.
fetz, das die Regierung ablehnt, als ein schlechtes Gesetz, das die Arbeiter ablehnen müssen. (Beifall links.)
Abg. K 0 r f a n t v (Dole) meint, die Vorlage atme den bekannten preußischen Geilt. Die Kommissiou müsse bett Entwurf von Grund aus ändern. Die Fraktion stehe auf dem Standpunkte, daß auch den Landarbeitern das Koalitionsrecht zu teil werden müsse.
Abg. Dr. Beumer (natlib.) erklärt sich als einen Gegner der Vorlage, bereit Bestimmungen aus dem Bureaukratismus geboren seien. Ein solches Gesetz Habe noch kein einziger Unter- uehmerverein gewünscht. Der Ilmschwimg des englischen Unterhauses in der Haltung gegenüber den Trade-Nuious, die jetzt anders gestellt werden sollen in der Haftpflicht als jeder andere in England, ist darauf zurückzuführen, daß England einen Minister hat, der int kontinentalen Sinne durch und durch Sozialdemokrat ist, nämlich John Burns. In den vier Tagen der Debatte sind immer nur die Lichtseiten, nicht auch die Schattenseiten der Gewerkschaften hervorgehoben worden. Hier erinnert der Redner daran, daß zum Beispiel auf dem Werk Rote Erde der Streik durch gefälschte Lohnlisten hervorgerufen wurde. Die Führer der Bewegung haben in einer Weise sich über die eigene Tätigkeit ausgesprochen, die an Frivolität nichts zu wünschen übrig läßt. Die Arbeitgeber haben das größte Interesse daran, gesuiide und zufriedene Arbeiter zu haben, nicht, um in sozialdemokratischer Sprache zu sprechen, ^ausgemergelte Lohnskaverck. (Sehr gut! bei der Mehrheit.) Würden wir das Gesetz nach dem Beschluß der Sozialdemokratie fassen, so würde das die staatliche Anerkennung der sozialdemokratischen Ideen bedeuten. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.)
Hierauf wird die Vorlage an eine Kommission von 28 Mit- gliebem überwiesen.
Nächste Schung Mittwoch: Nachtragsetat zu Süd west- a f t i f a. ___________________________________ ____________
Lotttische Cagesscharr.
Die Mannheimer Reichstagswahl.
Durch das plötzliche Hinscheiden des Abg. Dreesbach ist der Reichstagswahlkreis Manuheim-Weiuh.sim-Schwetzingen vor die Notwendigkeit einer Ersatzwahl gestellt. Mandat war von jeher heiß umstritten. Nationalliberale, Demokraten und SoziaQemokraten kämpften darum, und jede dieser Parteien hat wiederholt den Sieg davongetragen. Freilich, fast immer erst in der Stichwahl.
Die Nationattiberaleit hatten es von 1871 bis 1878, von 1887 bis 1890 und von 1893 bis 1898, also 15 Jahre im Besitz, die Demokraten von 1878 bis 1886, also 8 Jahre, die Sozialdemokraten von 1890 bis 1893 und seit 1898, also 11 Jahre.
Bei der jüngsten Wahl im Jahre 1903 hatten im ersten Wahlgang die Sozialdemokraten 20 037, die Nationalliberalen 12 250, das Zentrum 7104, die Demokrateir und Freisinnigen 2163 Stimmen erhalten. Für die Stichwahl hatten die Demokraten das Eintreten für Dreesbach, die Freisinnigen das Eintreteir für den nationallib. Kandidaten Generalkonsul Reiß und das Zentrum Wahlenthaltung proklamiert. Dreesbach siegte dann mit 23 182 gegen 17 573 Stimmen.
Es läßt sich nicht verkennen, daß diesmal die Situation wesentlich anders ist. Dreesbach war ein ungewöhnlich zugkräftiger Kandidat, der sich wegen seines maßvollen klugen Auftretens und infolge seiner umfassenden Tätigkeit in der städtischen Verwaltung auch außerhalb seiner Partei viele Sympathien erlvorben hatte und deshalb aus den kleinbürgerlichen Kreisen zahlreiche Wähler zu sich her- überzog. Diese teils parteilosen, teils demokratischen Mitläufer dürften für den in Aussicht stehenden Kandidaten der Sozialdemokratie — wahrscheinlich entweder Landtags- abg. Rechtsanwalt Dr. Frank oder Landtagsabg. Buchhalter Lehmann — wohl schwerlich zu haben sein, sicherlich nicht in dem Maße, wie für Dreesbach. Aus der mrderen Seite ist im liberalen Bürgertum fast allenthalben in deutschen Landen die Ueberzeugung durchgedrungcn, daß man der Zersplitterung und gegmiseitigen Bekämpfung ein Ende machen und Schulter nn Schulter den politischen Gegnern zur Abwehr wie zum Angriff cntgcgentrctcn müsse. Nationalliberale, Freisinnige und Demokraten in Baden haben sich bei den Landtags- und oft auch bei den städtischen Wahlen verbündet, und damit die besten Erfolge erzielt. Befriedigt, ja begeistert, ist nach Mannheimer Meldungen das dortige Bürgertum von der Einigung der Liberalen. Die freundschaftlichen Beziehungen der drei liberalen Parteien dort sind geradezu mustergültig. Man ladet sich gegenseitig zu den Versammlungen ein, man nimmt in politischen Fragen Fühlung und bei wichtigeren städtischen Angelegenheiten treten sogar Delegierte der drei liberalen Fraktionen zusammen, um sich über ihre Haltung zu beraten und zu verständigen. Und das geschieht nicht bloß zum Vorteil deS GesamtliberalismuS, sondern auch zur Förderung des Ansehens und des Selbstgefühls der städtischen Kollegien und vor allem zum Nutzen der Gemeinde.
Bei der Reichstagswahl wird man sich also wohl auch nicht bekämpfen, nicht das Trennende in den Vordergrund stellen zur Freude von rechts und links. Die politische Situation bietet für die Verständigung der drei liberalen Parteien kein unüberwindliches Hindernis. Es steht vielmehr eine Einigung der drei liberalen Gruppen auf eine geeignete zugkräftige Persönlichkeit zu erwarten. Dann ist oie Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß der geeinte unb inn erlich gekräftiate Liberalismus den Sieg an seine Fahne heftet und der S 0 z i a ld e m 0 k r a t i e d a s Rerchstagsmandat Mannheims wieder entreißt.
Ein sozialpolitisch interessanter Nechtsfatt
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