Ausgabe 
22.12.1906 Erstes Blatt
 
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HausmitgNeder auf Lebenszeit auf 170, die Mindestzahl auf löO festsetze und weiter bestimmen, daß das Grundgesetz betreffend die Aenderung der Reichsvertretung nur glcich- zeitig mit der vom Abgeordnetenhaus?, erledigten numcrus- claufuö-Lorlage erledigt werden dürfe. Hierauf wird das Gesetz betreffend die Zahl der Mitglieder des Deichsrates und die Reichsratswahloudnung sowie die Wahlkreiseinteil- ung in der Spezialdcbatte ohne Debatte angenommen. Bei § 5, der die Pluralität betrifft, wird getrennt abgestimmt. Zunächst wird der erste Teil dieses Paragraphen, der sich mit dem vom Abgeordnctenhause beschlossenen Paragra­phen 5 deckt, angenommen, sodann wirb der zweite Teil, der die Alterspluralität statuiert, abgeleynt. Schließlich wird das Gesetz betreffend die Wahl der Mitglieder des Neichsrates und die Reichsratswahlordnung in dritter Le­sung angenommen.

Tas Ei send ahn Ministerium beschloß, vom 30. Tezember ab auf den staatlichen Hauptbahnlinien reine Notstandsbegünftigungcn zur Milderung der F l e i s ch n o t eirizuführen, darunter eine üOproz. Ermäßi­gung der Taxen, der normalen Lolaltarise für den Trans­port von zur Schlachtung bestimmtem Hornvieh. Auch wurden Maßnahmen zur Erleichterung des direkten Fleisck)- bezugs in geringen Mengen bis 40 Kilogramm aus den Süden der österreichischen Bahnen getroffen.

B u d a p e st, 2L Tez. (Ungarische Delegation.) Delegierter Saghi erblickt als Grund einer gewissen Ab­kühlung des Verhältnisses zwischen Deutschland und O e st e r r e i ch die Wirksamkeit des Alldeutschen Ver­bandes, die auch auf Ungarn übergreise, und der die offiziellen deutschen Kreise doch entgegentreten sollten.

politische Lagesscharr.

Zur Laudaibeitersrage.

Wie ein pommerscheS Blatt aus zuverlässiger Berliner Quelle gehört haben will, ist unter den Planen des neuen preußischen Landwirtschaftsministers von Arnim auch die Fördern ngderSeßhaftmachungderLandarbeiter. Herr von Arnim soll sich zu der Uebernahme des Portefeuilles speziell auch in der Hoffnung darauf verstanden haben, die Vermehrung unseres Landarbeiterstandes durch planmäßige innere Kolonisation energisch betreiben zu können. Der Minister hat auf feinem uckermärkifchen Gute Kciewon zahlreiche Land­arbeiter angesiedelt und damit eine gute Erfahrung gemacht. Eine Audienz, die Negierungsrat Borchert, der Direktor der Landwirtschastskammer in Stettin und Geschäftsführer der pommcrschen Ansiedelungs-Gesellschaft, beim Landwirtschafts- mimster hatte, dürfte, wie das Blatt versichert, mit dessen Plane hinsichtlich der Forderung der inneren Kolonisation in Zusammenhang stehen.

Der Edelstein.

Zu den Enthüllungen aus den Erinnerungen Hohenlohes schreibt dieVoss. Ztg.":

Wir sind heute in der Lage, einige nähere Angaben über den Edelstein zu machen, den der Kaiser dem Papste Leo XIIL überreichen ließ. Es ist ein Brillant von großem Wert, 18, 19/64 Karat schwer. Er wurde höchst kostbar gefaßt, dem Papst als Pontifikal- i in g zu seinem 50jährigen Bischofs-Jubi­läum überreicht. Mit der Herstellung des Ringes wurde der Mainzer Dom-Kapitular Dr. Friedrich Schneider betraut, nach dessen Angaben Professor P. Halm die Skizze anfertigte. Die Ausführung erfolgte in den Werkstätten Frankfurter Juweliere in Rotgold und Grüngold mit reichen Ornamenten und Emblemen. Wiederholt wird in der uns vorliegenden Beschreibung auf die drängende Kürze der Zeit hingewiesen. Entwürfe für die zur Aufnahme des Ringes bestimmte Schatulle konnten bei der Kurze der Zeit nicht mehr in Frage kommen und so griff man zu dem Vorbild, das ein alter deutscher Meister, Eisenheit, unter Einwirkung itatien. Vorbilder in oem bekannten Buchdeckel von Fürstenberg gegeben hat. Rach kaum dreiwöchiger Frist kam der Ning samt der Schatulle in Berlin an, am 12. Februar, und General v. L o e war der Ueberbringer der Gabe.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 22. Dezember 1906.

* An den umfangreichen Neubauten zu der Provinzial-Jrrenanstalt sind jetzt bereits sieben Gebäude im Rohbau vollendet, während fünf weitere im Bau begriffen sind. Im Herbst 1907 soll eine Anzahl der Gebäude vollendet sein. Die Anstalt soll im ganzen etwa 22 Bauten umfassen.

* ** Zwei interessante Anträge an die zweite Kammer hat so schreibt man uns wörtlich aus Darm­stadt der Abg. Köhler-Langsdorf wieder einmal ge­richtet, welche geeignet sind, von neuem großen Staub aufzuwirbeln. Sie betreffen einen Erlaß des Ministers Finger von 1892, der den Beamten jede Betätigung an den antisemitischen Bestrebungen verbietet, sowie den Erlaß des früheren Generalstaatsanwaltes Schlirpe, der sich ebenfalls gegen antisemitische Bestre­bungen richtet. Köhler beantragt bei der Kammer, daß die Regierung ersucht werde, diese Erlasse unverzüglich zurückzuziehen und für ungültig zu erklären, da im ersten Aalle die Beamten unter ein Ausnahmegesetz gestellt und im zweiten Falle ein Ausnahmerecht zu Gunsten der Juden konstruiert worden sei.

* * Kunstverein. Die Gemäldeausstellung ist von morgen Sonntag an wieder geöffnet. Die Verlosung unter den Mitgliedern des Kunstvereins findet heute nach­mittag in Darmstadt statt. Von der vorausgegangenen Ausstellung wurden verkauft und gingen in hiesigen Privat­besitz über: ein Oelgemälde von Prof. Erdmann-Düssel­dorf,Bittgesuch" betitelt, fünf Aquarelle von H. Tietz- Darmstadt und ein Wachsrelief von M. Schauß-Berlin.

* Anlagemnslk findet morgen vormNlag um !/2 12 Uhr in der Südanlage statt.

* * Eiskonz ert. Arn morgigen Sonntag nachmittag konzertiert die hiesige Regimentskapelle von 35 Uhr auf der Eisbahn des hiesigen Eisvereins ((. Inseratenteil).

'* Zu in unbesoldeten Beigeordneten m Offen­bach an Stelle des zurückgetretenen Herrn Weber ist in der nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag Rentner Friedrich Krumm gewählt ivorden. Die Nachricht von der Wahl des sozialdemolratlschen Stadtverordneten Ph. Weipert ist unrichtig. Hebet die Parteistellung des neu- gewählten Beiaeordneten schweigt dieOffenb. Ztg.", während

dieFrkf. Ztg.* mitteilt, daß Herr Krumm, ohne einer be­stimmten Partei anzugehören, freiheitlich gesinnt sei.

"Nochmals d e r F a l l K o r e l l. Der Off. Ztg. ivird zur Angelegenheit Korell-Bernbeck von einem Anonymus geschrieben:

Es ist schon eine ziemlich lange Zeit her (1898), Korell war kaum im 21)1116 und wenn Mich, ivas bieiem nebensächlichen Zug beleiht, mein Gedächtnis nicht täuscht Piarrassisient in Darmstadt; ob er damals schon nationaljozial gesinnt oder gar poliliid) tätig war, weiß ich nicht. Er kommt eines schönen Tages in sein Wirtshaus zum Essen, zieht einen sozialde m. Wahl­zelle!, der ihm unlerrvegs m die Hand gedrückt ivorden war, heraus und fragt lächelnd, ob vielleicht einer der Herren (die mit ihm am Tisch.speisten) Lust dazu ober SJerwenb« ung daiür hätie. Das isl alles. In dies Lokal zogen später die Ehriiillch'Sozialen em, da wurde die Geschichte einmal, viel­leicht vom Wirt, der sie mit angchört Halle, erzählt, von der Phantaiie und von dem Fanatismus wir sagen: rabies theo- logica auigebauschl, und das ist die Folge. Nun, man wem ja: scmpir aliquid haeret, es bleibt immer ivas hängen.

** Weihnachtsfeier des Kindergartens. Man schreibt uns: Einsender steht noch unter dem Eindruck der am Donnerstag obeni) im Hotel Großherzog abgehallcnen Weihnachtsfeier, welche die verständnisvolle Gründerin und Leiterin unseres Kindergartens Frau Forlon ihren Schützlingen bereitet halte. Eine zahlreiche Versammlung folgte nut sichtbarem Interesse den in reicher Abwechslung gebotenen Darstellung nach Fröbelscher Methode und all­gemeine Bewunderung gab sich kund über die Leistungen der Kinder, mit welcher Sicherheit die mannigfachen Spiele und Liedchen vorgetragcn wurden. Nach Beendigung der Feier mürbe der treuen Hüterin und Erzieherin unserer Kleinen ivohloerdienter reicher Dank zuteil.

"Eine hübsche neue Postkarte bringt Hof­photograph G. Winter in Darmstadt in den Handel, nämlich eine Ansichtskarte, mit der wohlgetroffenen Bilder des Großherzogpaares und des Erbgroßherzogs. Das sehr hübsche Gruppenbild wurde am letzten Samstag aufge­nommen und S. K. H. der Großherzog bestimmte es, als die wohlgelungenste der gemachten Aufnahmen, selbst dazu, als Ansichtskarte verbreitet zu werben.

" Butzbach, 21. Tez. Zu der gestrigen Mitteilung, daß eine größere Anzahl Geschäftsleute, die nunmehr ein be­reits vor drei Jahren bestelltes Landes-Adreßbuch für Oberhessen, das erst jetzt erschienen sei, nicht mehr abnehmen ivollten, erfahren wir, daß es sich bei 50 Bestellern im ganzen um drei handelt, die von der betr. Darmstädter Firma einen Zahlungsbefehl erhalten werden.

O Friedberg, 21. Tez. Das vorn Staat ent­worfene gemeinsame Kanalisationsprojekt erfreut sich weder hier, noch in Bad-Nauheim großer Sym­pathie. Der hiesige Stadtvorstaud hat sich vor kurzem damit besaßt, und aus den Verhandlungen sprach wenig Wärme für das kostspielige Projekt. Stadtv. Dietz be­antragte die Ausarbeitung anderer billigerer Pläne. Die Stadtverordneten-Versammlung zu Bad-Nauheim hat er­klärt, daß das staatliche Projekt mit den Finanzverhält- nissen der Stadt nicht in Einklang zu bringen sei und die Leistungsfähigkeit der Stadt überschreite. Das Projekt wurde abgelehnt. Die Stadt will der Regierung ein anderes bedeutend billigeres Projekt unterbreiten.

X Rabertshausen bei Nidda, 22. Tez. Gestern morgen ftarb ganz plötzlich der hiesige Bürgermeister Wid- de rS he im. Beim Antleiden machte ein Schlaganfall dem Leben des noch sehr rüstigen Mannes ein jäheS Ende. Wie sehr der Verstorbene das Vertrauen seiner Gemeinde genoß, beweist der Umstand, daß er vier in al als Bürger­meister unseres Dorfes gewählt wurde, dem er über 32 Jahre als Oberhaupt vorstand, sodaß er wohl einer der diensläl- testen Bürgermeister des Kreises Gießen gewesen ist.

= Hirzenhain, 21. Tez. Der älteste Teil der Vogclsbergbahn StockheimGedernLauterbach wird gegenwärtig einem Umbau des Gleis- und Unter­baus unterworfen. Tie schon vor mehr als 15 Jahren erbaute Strecke StockheimGedern war nicht für einen so großen und starken Güterverkehr eingerichtet, wie ihn die Durchführung und Vollendung der Vogelsbergbahn mit sich gebracht hat. Um nun die schweren Güterzüge von Lauterbach bis Stockheim führen zu können, muß die Gleisanlage umgebaut werden.

W. Ober-Bessingen, 21. Dez. Der Gastwirt I. von hier, der von dem Müller Z. der Bessinger Mühle auf frischer Tat gefaßt wurde, als er in der Wetter den Fang auf Forellen ausübte und bei feiner Flucht auf den Müller zwei Schüsse abfeuerte, ist, nachdem er im Licher Amts- gerichtsgesängnis eine Zeitlang verwahrt gewesen ist, in das Provinzialgefängnis nach Gießen in Untersuchungshaft ge- kommen, weil er auch im Verdacht des gewerbs­mäßigen Wilderns steht. Der Mann hat zugestanden, das Fischereivergehen seit längerer Zeit fortgesetzt betrieben zu haben. Eine Haussiichung bet ihm hat eine Anzahl Hasen- und Rehfelle zu Tage gefördert, über deren redlichen Erwerb er sich nicht auszuweisen vermag. Ferner fand man ein Jagdgewehr und Munition im Hause. Es war seit Jahren bekannt, daß in der Gegend bet Ober-Bessingen stark ge­wildert wurde, man fand auch vor ca. anderthalb Jahren ein int Walde verstecktes Jagdgewehr. I. ist vom Schöffen­gericht wegen Fallenstellens auf Wild bereits vorbestraft.

sd Dar m (labt, 21. Tez. Der Landwirts chafts- rat tagte in den Räumen des Ständehauses unter dem Vorsitz des Präsidenten Haas. Tie Rechnungen für 1903/4 wurden genehmigt. Ferner wurde die Ueberweisiing der hessischen landwictsch. Zeitschrift an die LandwirtschaftS- lammer beschlossen, ebenso wurde die Uebcrleitung der PrciS- notierungsunternehmung, bei Volnmgcwichtsermiltlung, der Maschinenprüfnngen, Sortenanbaiiversiiche und der Saatbau- slelleneinrichtimg an die Laiidwirtschastslamnier gillgeheißen. Tann fand eine eingehende Besprechung über die demnächflige Aiislösiing des Landwutschaslsrates statt, wobei beschlossen wurde, sie nur ganz allntählich eintreten zu lassen. Die hierzu geniachten Vorschläge sanden Annahme. Ans eine Anfrage des Großh. Ministeriums des Innern wurde nach Bericht des Ausschusses für die Viehzucht beschlossen, zu bean­tragen, daß die Versicherung vorerst nicht in Kraft treten solle.

Fulda, 21. Tez. Das Schöfsengericht zu Hilders (Rhön) ocruueUte geuetn den Lehrer Heulet aus Jena wegengroben

Unfugs" zu sechs Tagen vast. Henkel hat vergangenen Sommer bei einem Rhönansslug mit seinen Schülern auf der 'DliJicburg em Sonnenbad genommen, worüber Pfarrer Kramer Aergcrins empfand und Anzeige erstallete.

'JJl ü n ch c ii, 21. Dez. Das Kriegsgericht der 1. Division uer- urteille hcnle den S a n i r ä t s - U n t e r o n l z i e r K a r l S ch u l z zu 8 Ai o n a t e n Gefängnis und Degradation. Schulz Halle bctanmlid), als O b e rst a b s a r z t verkleidet, an einer Reihe weiblicher Angehöriger von Mililäramvärtern körperliche Untcr- sucyungen vovgcnomnien.^

11 Tie EolmarerStrafkammer verurteilte den Wein- Händler Vogel aitö, Slaijcvsbcrg wegen W e i n f ä ls ch u ng z u 1 0 OO Ai k. Geldstrafe. Weine im Anschlagswerie von 70 bis 80 000 Mark wurden gerichtlich eingezo^en.

Die geschiedene Fran vor d e m K a u f m a n n s - gerichl. Tas Recht um ihrem Mädchennamen juchle sich die Korrespondentin Elfriede B., geschiedene Frau S., vor- dem KaufmaniiSgericht zu Berlin zu erftveiten. Frau B. klagt gegen ine Stahlwerke L. auf Ausstellung eines anderen Zeugnisies. eie ivar über drei Jahre bei der Firma läng gciueien und haue die Siellung linier ihrem MädchennamenElinede B " angciiom=» men, obwohl sie bei dem Antritt der Stellung noch nut dein Rei­senden S. verheiratet war. Im April dieses Jahres wurde die Ehe gerichtlich geschieden und der Mann als der allein schuldige Teil beiunben, womit die Klägerin ivieber das Anrecht erwarb, ihren Aiüdcheiinamen führen zli dürfen. Als die SUagetm cnisjchled, wurde ihr von der Firma, ivelcher die familiären Verhältnisse in­zwischen bekannt geworden waren, ein Zetignis auf den Nainen S. ausgestellt. Tie Klägerin, die ein Zeugnis auf den Namen Elfriede B. verlangte, erklärte, sie habe bis zur vollendeten Schei­dung das Aiißgeschick ihrer Ehe als GeheuniuS behandeln müssen. Nehmen schon viele EheiS daran Anstoß, eine verheiratete Fran als Korrespondentin zu engagieren, so sei das Voiuneil gegenüber geschiedenen Frauen noch viel größer. Ter Vorsitzende des Kauf- inannsgerlchis belehne den Vertreter der Beklagten, matt müsse in solchen Fällen neben dem rechtlichen Slandptinkte auch den meiischlichen berücksichtigen. Und von der rem menschlichen Er­wägung aus sei die Handlungsweise der Klägerin wohl zu verliehen. Tie Firma könne tm übrigen ohne Bedenken das Zeugnis auf den Mädchennamen anssletlen, zumal die Ehe ja jetzt geschieden seh Man elingle sich schiießlich aufFrau Eliriede B.".

Handel nnd verkehr, voLk-wirtschast.

3 prozenlige Retchsatlleihe. ^lachdem bereits vor einiger Zeit größere Häme 3 proz. Reichscrnlcthe für englische Rechnung m Berlin fiaugemnben haben, sind in den letzten Tagen, w e derF. Z." berichtet wird, wieder ansehnliche Summen auf Londoner Lrdre aus dem Markt genommen wordcu. Tiefe letzten Käufe slehen jeden alls mit dem Lmanalsbedarf in Zusammenhang, weshalb angenommen wirb, daß diese Summe als feste Anlagen benützt und vorerst nicht ivieder an den Aiarkt kommen werden.

Petroleum-Gründer. Eine neue Art KapltallfleiiauS- beuter verlegt sich darauf, wohlhabende aber unenahreiie Leute zu schäbigen. Von Berlin aus wirb bas Publikum mtt Schriftlichen, telegraphischen und mündlichen Arwreiiungen der Anieile von galizifchen Petroleum-Unlernehmungen uberichüttet. In der Presse ist liirzlich erst vor der Beteillgung an der BohrgesellschaftMilla" gewarnt worden, die von sencn einer Firma Kronenberg & Eo. in Berlin angebolen wurde. Jetzt wird diese Waniung wiederholl gegenüber den Anteilen der ErdölgesellschaftBroinslaw", für die eme Firma Viktor Ptlzer & Eo., Kommandlt-Gesellschaft in Berlin, Käufer sucht. Niitzbringend sind diese Unternehmungen nur für die Bankiers, die Anteile los werdew Bisher Hal die galiztjche Pelrolelim- Induslrie selbst den Großmterrefjenten schwere Verluste gebracht. Dem Publikum ist dringend anzuempfehleii, sich von beraiugcn Unternehmungen, auch wenn ihre Aussichteii von beteiligter Seite als noch so verlockend hmgesteUt werden, grundsätzlich sernzuhalien.

Märkte.

Gießeu, 22. Dez. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.201.25 Alk., Hühnereier 1 El. 910 Big., 2 Sick. 0000 Vfg., Gänseeier 0000 Psg., Enteneier 0 Pfg,, Käse pr. Sick. 68 Pf., Kasematte 2 Sick. 6-6 Psg., Erbsen p. Pib. 18-24 Psg., Linsen p. Psd.25-40Pfg., Tauben pr.Pr.0,801,00Alk., Hühner pr.St. 1,001,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Alt., Enten pr. Sluck 1,802,20 Alk., Gänse pr. Pfd. 7080 Pfg., Lchsensleisch pr. Pfd. 8288 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 8082 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfimd 8690 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pstind 94 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 8084 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 6080 Pfg. Welsche per Pfund. Kariosfeln pr. 100 Kg. 7,000,00 Mk., Zwiebeln pr. Zrr. 4,005,00 Alk., Milch per Liter 20 Psg., Aepfel per Zentner 15 bis 24 Mk., in Körben 00 Pid., Nüsse 100 Stück 5000 Pfg., Birnen per Pfd. Alk. 0.080.12, per Ztr. 915 Alk., Weißkraut per Stück 1030 Pfg., per Zentner Alk. 2.20-2.50. Biarktzen 82 Uhr.

Landwirtschaft.

Danzig, 21. Dez. Für die vor einem halben Jahre vom Oberpräsidenten v. Jagow ms Leben gerufene West preußische Bauernbank zur Erhaltung des bäuerlichen Landbesitzes, bei welcher der Staat als Genossenschafter be­teiligt ist, sollen erhebliche weitere staatliche Alittel verfügbar gemacht werden. Außerdem ist eine weitere, unbedingt notwendige Aussüllung des AnffedelungSfonds für Posen und West- preußen in ernslha'te Er'vägung gezogen.

vermischte».

"Ein Elefantenbaby imBerliner 3 o o Die Nat.-Ztg." schreibt: Das erwartete Elefantenbaby hat tm Elefanten­hause unseres Zoologischen Gartens in der Nacht zum Dienstag nm 31/, Uhr glücklich dos Licht der Well erblickt. Die Mutier, deren Sehkraft sehr getrübt ist, zeigte sich aber sofort leider äußerst feindlich gegen ihr Kind, und nur dem beherzten Einspringen des un Eleianteichause wohnenden Raubtierwärters Cleien ist es zu danken, daß das Kleine unverletzt in Sicherheit gebracht werden konnte. Nichtsdesloweniger wurde auf Proi. Hecks Veronlossung und unter seiner Aufsicht noch ein zweiter Versuch gemacht, das Junge an die Alte hcronzubringen. Diese aber, weit ennetnt, ihren Sproßlmg mit dem Rüssel zärtlich zu sireicheln und zu umfassen, wie man es von der seinerzeil hier zur Schau gestellten Hagenbeckschcn Eelfanteninutter zu sehen gewohnt war, ging vielmehr so unzweldeulig feindlich auf ihren Spiößlmg los und suchte denselben mit den Vorderfüßen zu zertrampeln das schlimmste Zeichen der Wut bei Elefanten I, daß das Kleine nur mit knapper Not und unter Le­bensgefahr aller Beteiligten noch gerettet werden konnte. Unter diesen Umständen ist man genötigt, zur künstlichen Aufzucht zu greifen, und ist nut dieser durch Verabreichung von sterilisierter Kmbermilch bereits begonnen worden. Es ist auch schon eine frisch mellende Kuh aus dein Wege nach dem Garlen, welche Annnenslelle bet dem verstoßenen Elefanlenkiiibchen übernehmen soll. Dieses ist bis jetzt sehr lebenskräftig, schwer und lebhaft; es wiegt beinahe 21/, Zent­ner und ist an der höchsten Stelle des Rückens 95 Zentimeter hoch. Sonst muß an ihm aufsallcn der kurze, düline, zierliche Rüssel und die starke, schwarze Lehaarnng am Kvpse und Rumpfe, an deren Stelle auf den Leinen hellere Haare treten. Dieses ganz jugend­liche Haarkleid verliert sich belamulid) später, und es bleibt beim erwachsenen Ele'anten in der Hauptsad)e nur die zweizeilige Be­haarung der Cd)wanzspitze mit langen, dicken, schwarzen Borsten übrig, welche and; bei unserem Baby in zarter Miniaturausgabe bereits vorhanden ist. Tas Nengebvrene nniß natürlich die elften Tage seines Lebens in Zurückgezogenheit verbringen; schon zu Weihnachten dagegen hossl man, die>e neueste sensationelle Sehens­würdigkeit den Besud;ern vorführen zu können.

240 Millionen Mark jährliches Einkommen. John D. Rockefeiler, der reichste Dlann der Welt, hat nach deL Aussage seines Geschäslsteilhabcrs H. H. Rogers, des Vizepräsidenten der Standard Oil Company, ein Ein­kommen von 240 Millionen Mark im letzten Jahre zu verzeichnen gehabt. Lies ist die höchste Summe, die je ein einzelner Mensch in deni Zeitraum von zwölf Aionaten ver­dient hat«-