Ausgabe 
30.4.1906 Viertes Blatt
 
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Montag den 1. Mai cv., vormittags 11 Uhr, sollen hier 17 Bände Meyers Konversa­tions-Lexikon, fünfte Auflage, vom Jahre 1897, meistbietend aeg. Barzahlung verkauft werden. Das Werk kann vorher angesehen

letzungen zu und wurde von seinen Begleitern und hinzugerüsenen, Holzfällern gerettet. Im Simplon-Tunnel ist der In g en i eur Hayes, Direktor einer Fabrik in Moskau plötzlich gestorben. Er befand sich in Begleitung eines Ingenieurs der Schweizer Bundesbahnen. In der belebtesten Gegend von London, feuerte eine elegant gekleidete Dame, Fräulein Donghty, die dort seit acht Uhr morgens gewartet hatte, fünsRevolver- s ch ü s s e auf den Rechtsanwalt Swan und dessen Sohn ab. Ter erstere wurde am Bein verwundet, der letztere in der Brust. Tie Angreiferin fiel in Ohnmacht, ließ sich dann aber ruhig abführen.

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Gießen, den 28. April 1905. Gr. Güter-Abfertigung.

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Badeschrift durch die ßadeverwa/tunj.

Gießen, den 26. April 1905.

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Gießen, 29. April. Marktbericht. Auf Heutigent Wocbenmarkv kosteten: Butter pr. Md. 1.101.20 Mk., Hühnereier 1 St. 56 <Bfqj 2 Stck. 0000 Pfg., Gänsceier 1500 Psg., Enteneier 67 Psg., Käse vr. Stck. 68 Pf., Käsematte 2 Stck. 56 Pfg. Erbsen pr. Liter 21 Psg.^ Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,80 0,90 Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,802,20 Mk., Gänse nr. Pfd. 5565 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Knh- und Rindfleisch pr. Pfund 6268 Pfg., Schweine­fleisch vr. Pfund 6076 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7074 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 5074 Pfg. Kartoffeln vr. 100 Kg. 7,000,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr 8,0010,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aeviel per Zentner 0 bis 0 Mk., in Körben 0000 Pfg. Nüsse 100 St. 00-00 Psg. Zwetschen per Zentner 0.000.00 Mk. Brrnen per Zentner 6 bis 0.00 Mk. Weißkraut 0.100.15. Marktzeit 71 Uhr.

fc. Frankfurt a. M., 28. Avril. H e u- und Stroh­markt. Heu kostete beute Mk. 3.35-3.60, Stroh Mk. 2.60 bis Mk. 0.00. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest.

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In der Zeit vom 22. bis 29. April l. Js. wurden in hiesiger Stadt

gefunden: 1 Schürze, 1 Portemonnaie mit Inhalt und 1 silb. Zylinderuhr;

verloren: 1 Portemonnaie aus Seehundleder (Inhalt 3.15 Mk.), 1 schwarzes Handtäschchen mit etwas Wäsche, 1 Portemonnaie mit 10 bis 11 Mk. Inhalt, 1 goldene Brosche, und 1 schwarzes Spitzentuch.

Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.

Gießen, den 29. April 1905.

Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg.

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Vermißtes«

* Renn Personen bei einer Ervlosion verun­glückt. Das Haus Greifswalder Straße 217 in Berlin war am Freitag der Schauplatz eines gefährlichen Brandes. Im ersten Stock des Hauses hat das Ervortgeschäft für Bijouterie- und Galanteriewaren von Sallv Bacharach ein Warenlager ein­gerichtet. und zwar befanden sich unter den Lagerbeständen große Posten von Zelluloidgegenständen. Auf bisher noch nicht ermittelte Weise hatten nun diese Zelluloidwaren Feuer gefangen. Es ent­stand eine starke Explosion. Im Augenblick der Explosion passierte ein Straßenbahnwagen die UnfallsteNe und wurde von herab­geschleuderten Glasscherben und brennenden Zelluloidkämmen über-» chüttet. Der Führer des Wagens, Bauer, wurde durch Glas- splitter verletzt. Gewaltiae Stichflammen schlugen aus den Fen­stern des ersten Stocks bis zur Dachhöhe empor. Eine furcht­bare Panik entstand. In dem brennenden Lagerraum waren etwa 20 junge Mädchen beschäftigt, die in wilder Hast durch den hinteren Ausgang ins Freie flüchteten. Zwei von ihnen, die Ex- pedientin Wolter und die Arbeiterin Helene Ninitsch, wurden von den Flammen erfaßt und trugen so schwere Brandwunden davon, daß sie sofort nach dem Krankenhause geschafft werden mußten. Der Geschäftsinhaber sowie ein Reisender konnten in der Eile die Ausgangstür nicht mehr gewinnen imb kletterten durch ein Hin­terfenster auf den Hof hinab. Frau Helene Zetsche, Hjrc Tochter Luise^ Frau Ehrmann und deren Dienstmädchen Auguste Augur, die sämtlich int dritten Stock vom Feuer bedrängt waren, wurden von der Feuerwehr über die Treppe gerettet. Sie alle hatten aber durch Rauch, Glassplitter, und namentlich durch Stich­flammen derartige Verletzungen erlitten, daß sie in ärztliche Be­handlung gegeben werden mußten. Am schlimmsten ist die Portier­frau Fuchs betroffen worden. Sie wurde beim Ausbruch des Feuers bei der Reinigung der Treppen überrascht und später dort von der Feuerwehr bewußtlos aufgefunden. Ein Kind, das von der Feuerwehr über die brennenden Treppen hinab- getragen wurde, hat nur leichtere Brandwunden erlitten. Der erste Stock brannte total aus und außerdem erlitt der zweite Stock noch ganz bedeutenden Schaden. Rach amtlicher Feststellung sind vier Personen durch Brandwimden schwer, aber nicht lebens­gefährlich verletzt worden. Fünf wurden leicht verletzt bezw. erlitten leichte Rauch Vergiftung. Außerdem rettete die Feuer­wehr achtzehn Personen durch Rettungsleitern.

* Eine heiratslustige Witwe. Ein Heiratsbuerau in Illinois erhielt von einer ländlichen Schönen folgendes Schrei­ben: Teurer Herr! Hiermit tue ich Ihnen zu wissen, daß ich eine Wi w: von dreizehn woh/g-borenen Kindern bin und drei Ehemänner gehabt habe, die sämtlich in Frieden, obwohl jeder in seiner eigenen Manier, dahingegangen sind. Ich besitze eine kleine Farm und möchte mir wohl einen vierten Gatten zulegen, wenn ich ein jtntges E^emvlar nachgewiesen bekommen könnte. Ein alter, dickköpfiger, trockener Häring tut nichts, ibn wurde ich nicht nehmen. Solche, die das Kühemelken und Mistfahren verstehen, werden vorgezogen. _ Zehn Dollars Kommission für Sie, wenn Sie mir einen passenden Kerl zusenden."

* E i n e d r o l l i g e D a n t s a g u n g. In Nr. 95 desBam­berger Tagblattes" findet man folgende Anzeige: Herzlichen Dank für die mir aus Bamberg zuteil gewordenen Gratulationen hin­sichtlich meiner nach 17 jährigem schweren Kampfe geschiedenen Ehe. Frau Geier, Danzig. Ter Dank scheint wirklich aus ehrlichem Herzen zu kommen!

* K l e i n c T a g e s ch r o n i k. In G e l s e n k i r ch e n ist ein Warenhaus in welchem über 100 Personen beschäftigt sind, abgebrannt. Auch das Nebenhaus wurde schwer beschädigt. Verletzt ist niemand. Im Bregenzer Wald am Bodensee ist ein L u f t b a l l o n aus Paris mit den Herren Boulanger und Janet gelandet. Sie erreichten über 5000 Meter Höhe und beab= sichtigten ursprünglich in Wien zu landen. Der Tourist Rudolf Krauser aus Darmstadt ist am Zwölfer Kogel in den Sexten- Dolomiten a b g e ft ü r z t. Er zog sich mehrfache Ver-

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iirad) Gießen ziehen will, frage zunächst nach dem Steuer­satz, nach den verschiedenartigen Verbrauchsabgaben frage iman nicht.

Stadtv. Heichelheim fuhrt aus, die Finanz kommission habe vor der Frage gestanden: Wie ist das Defizit zu decken. Dabei mußten nrir fragen: wie wird die Allgemeinheit eine Steuererhöhung von 12 Prvz. auffassen? Dabei kam man unbedingt zum Schluß, daß das Oktroi weniger empfunden wird.

Beig. Georgi bemerkt, daß ihm bei der Lektüre des Voranschlags etwas aufgefallen sei, was die Finanzdepu­tation vielleicht übersehen haben könnte. Nämlich 38000 Mark für Einguarticrung! Diese Summe sei nur eine ein­malige Ausgabe gewesen. Ein allzu hohes Betriebskapital brauche man nicht. Er sei der Ueberzeugung, daß man mit 6 Proz. Steuerechöhung auskemmen werde mtb beantrage, die Oktroireform fallen zu lassen und statt 114 P-roz. Steuer 120 Proz. zu nehmen.

Oberbgm. Mecum entgegnet, daß man gar nicht wissen könne, ob nicht wieder Einauartierung komme.

Stadtv. Ebel steht auf dem Standpunkt des Stadtv. Dr. Gutfleisch. Durch die Verbrauchssteuern würden die Lebensmittel verteuert. Wir hätten aber schon ziemlich hohe Lebensmittelpreise, was die Nähe von Bad-Naubeim und Frankfurt nnt sich bringe. In erster Linie erkundige man sich, wenn man in eine Stadt ziehen wolle, darüber, wie teuer die Lebensmittel sind, erst in zweiter Linie frage man nach der Steuer.

Nachdem Schluß der Debatte beantragt worden war, schritt man zur Abstimmung. Die Erhöhung resp. Wiedereinführung des Oktrois wurde abge- lehnt mit 17 gegen 12 Stimmen, es blieb also noch der von der Finanzkommission mit 6 gegen 1 Stimme gefaßte .Vorschlag, die Einkommensteuer auf 126 Proz. zu erhöhen.

Beig. Georgi beantragt, nur 120 Proz. festzusetzen. Er empfiehlt, künftig den Bürgern die Einquartierung zu 'überlassen. Es fehlen nur 45000 Mk., und diese können Durch die 6 Proz. Steuerzuschlag gedeckt werden. Beig. Georgi hofft, daß aus dem Gaswerk, Wasserwerk und Elek­trizitätswerk reichliche Ueberschüsse zur Verfügung stehen werden. Auch Einnahmen aus Kanalgebühren würden schon nächstes Jahr erwachsen.

Oberbgm. Mecum erwidert, daß man auf Ueber­schüsse aus den drei Werken nicht zu viel rechnen möge. Man bedürfe ihrer ja auch, um den Rest aus den Vorjahren auf der Höhe zu halten.

Nachdem die Stadtv. Heichelheim und Schm all für den Vorschlag der Finanzdeputatton gesprochen, Stadtv. Krumm sich zu der Ansicht des Beig. Georgi bekannt hatte, ergriff noch Stadtv. Gutfleisch das Wort, um zu be­merken, daß man doch nicht Steuern auf Vorrat schaffen könne. Wenn sich herausstellte, daß die 6 Proz. Zuschlag nicht genügen, könne man ja im nächsten Jahr wieder eine Steuer­erhöhung eintreten lassen. Es seien doch nur ausnahms­weise Verhältnisse, in Denen die Stadt sich befinde. Später würden ansehnliche Einnahmen kommen (aus der Kanali­sation). Er bitte, es bei 120 Proz. Steuerzuschlag bewenden zu lassen. Stadtv. Loos schließt sich dieser Ansicht an. Der Antrag Georgi (Erhöhung der Steuer auf 120 Proz.) wird darauf mit überwiegender Majorität (gegen 8 Stim­men) angenommen. Der Voranschlag wird diesen Be­schlüssen gemäß korrigiert.

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