Ausgabe 
30.5.1906 Viertes Blatt
 
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Nr. 125

Drittes Blatt

156. Jahrgang

Mittwoch 30. Mai 1906

Gießener Anzeiger

Redaktion. Exoedition u.Druckerei: Schulstr.V. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Dreß«.

Rotationsdruck unb Verlag der Brübl'jchen Unioersitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Erscheint ttglich mit Ausnahme des Sonntag?.

Die(Bkfoener Zomilirnblätter" werden dem »Anzeiger vierinal wöchentlich beigelegl. Ter »hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

General-Anzeiger, Amts- Md Anzeigebiatt für den Kreis Gießen.

Aie ^'idcnsgcschichje eines Aegimcnts- lrommandcurs.

Von Paul S ch w e d e r.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

Dortmund, den 28. Mai.

Zwischen den verwirrend vielen Geleisen der gewaltigen Jahnhofsanlagen unserer Stadt erhebt sich stolz die wett- berühmte ^ehmlindc, als ein wundervoll tvirlendec Gegensatz zivischan dem hastenden Treiben des modernen Weltverkehrs und 'ott Zeit, da die heilige Fchme hier des alten Reiches aus d. - Fugen gegangene Rechte und Gesetze 511 schirmen sucht' 'Unb^in den Schatten dieser Linde Hal sich ailch Oberst - a. D. Hüger, dec frühere Kommandeur des 13. Württemb. Feld-Artillericregiments in Ulm, begeben. 2lus dec gentächlichen schiväbischen Münsterstadt an der schonen blauen Donau hat 'er sich als Sohn des knorrigen hactkövfigen Westfalenlandes aus die heimatlicherote Erde* und tzort in die Oefsentlichkeit geflüchtet und mit dec zähen Enec,e seiner Landsleute kämpft er nun schon seit nahezu Aew,-Lochen um Ehre und Recht.

ist noch nicht lange her, da heischte ec voc dem * .^c-Schöffengericht Sühne, weil ihm ein doctigec Redalteiir BezeichnungUlmer Bilse" angehängt hatte und damals h cs am letzten Ende das Landgericht in Ulm aus, daß 1» Oberst Hüger in einem berechtigten Kampfe um seinen n Namen stehe, der keinerlei Aehnlichkeit habe mit Bilse. > kein Zweifel, zum Sensationsmachcc fehlt dem alten .'^'crn mit der rauhen Komrnandostimmc im Gegensatz zu n jünglingshaften Forbacher Leutnant so gut wie alles, ch habe sie beide vor Gericht gesehen und ein größerer Unterschied ist wohl kaum denkbar. Dort das blasse Lebe­mannsgesicht des Schlüsselromanschreibers, über das jedes­mal ein höhnisches Lächeln huschte, wenn wieder ein Opfer zur Strecke gebracht morden war, dazu die stille Wut der Beteiligten, deren Existenz bei jeder neuen Zeugenaussage in ihren Grundfesten erschüttert ivurbe, und bie so überaus traurigen Vorgänge hinter den Koulisseu, iuo Duell, Selbst­mord und die Flucht über das große Wasser den AuSklang der schmachvollen Bilseaffäre bildeten.

Da ist der Dortmunder Prozeß doch etwas ganz anderes. Freilich auch hier erscheint eine Anzahl Beteiligter blosgestellt, die über die Klinge springen müssen. Aber das hat jeder sich selbst und seiner Handlungsweise dem An­geklagten gegenüber zuzuschreiben. Nein, das ganze Milieu deS Hüger-Prozesies widerstreitet der billigen Sensation. Zu­nächst die Hauptperson deS Dramas, Oberst Hüger selbst. Schlicht und ruhig, wenn auch mit aller Schärfe, geht der hochgewachsene, breitschultrige alte Krieger vor, obwohl es in ihm vor innerer Erregung kocht. Das tritt namentlich dann in die Erscheinung, wenn sich immer wieder die Unmöglich­keit herausstellt, nach einem so langen Zeitraum von über 10 Jahren noch alle Einzelheiten feslznstellen, die zu seiner Entlassung geführt haben und bie nur er auf Grund der ausschließlichen Beschäftigung mit diesem Thema vollkommen beherrscht. Fraglos ist, daß er eine Riesenarbeit mit diesem Prozesse leistet und daß es keine Phrase ist, wenn er nach fünfstündiger Sitzungwegen totaler Erschöpfung" aufzuhören bittet. Geht eS doch allen übrigen Prozeßbeteiligten, ein­schließlich dec Zeitungsberichterstatter, nicht viel besser. 9hir dec Vorsitzende, dessen Ablehnung dein Angeklagten trotz aller juristischen Finessen seiner Verteidigung nicht gelungen ist, scheint unermüdlich. Wollte er doch selbst am Himmel- fnhrtstage und sogar am Sonntage verhandeln, um den Prozeß noch möglichst vor Pfingsten 511 beenden!

Es war das Recht des Angeklagten, hiergegen 51t oppo­nieren. Hat er doch schon genug Aufregungen in diesem Prozesse hinter sich. Und ivas hat man früher, im Verlauf der Affäre selbst, nicht schon alles mit ihm angestellt! Es ist nun etwa zwei Jahre her, da wandte er sich zum ersten Male an mich. Er hatte bereits zwei Jahre vorher seine Schrift:Wi> es mir in der Militär- und Ehrengerichts­pflege erging" veröffentlicht, ohne daß irgend eine Stelle da­rauf eingegangen war, obwohl er schon damals eine Reihe schwerwiegender Anklagen erhoben hatte. Nun wollte er eine

Meines FeniUeton.

Heber bie 21 n ft e 11 u n g d b e b i n g u n g e n b c r leitenden Aerzte in beu stäbNschen Kranken­häusern kam es in Franlfurt a. M. in ben letzten Tagen zu lebhaften Erörterungen. Dort ist durch bie Be­rufung Pros. v. Aoorbens nach Wien, als Nachfolger bes Klinikers Nothnagel, bie Stelle des leitenden Arztes der inneren Abteilung frei geworden. Aus diesem Anlaß hat die Stabt neue Bep immun gen ausgearbettet, bie darauf hinzielen, den leitenden Arzt mehr an bas Krankenhaus zu fesseln. Man empfindet es als einen Mißstand, datz das zu geringe Gehalt ben Arzt nötigt, in einer umfangreichen Privatpraiis seine ddaupterwerbsquelle zu suchen. Ins­besondere soll den leitenden Aerzten in Zukunft die Errich­tung von Privatkliniken nicht mehr gestattet sein; als Ent­schädigung will man dafür Pensionsberechtigung gewahren. Dies genügte der Mehrheit der Stadtverordnetenversamm­lung nicht. Man verwies die Vorlage an einen Ausschuß, der daraus scheu soll, daß der neue Leiter seine ganze.Praxis dem Kranteuhause widme und höchstens eine bescheidene Privatpraxis ausüben dürfe. Tie Redner der Mehrheit führten aus, man müsse verhindern, daß dec Leiter zu häufig zu Beratungen außerhalb Frankfurts berufen werde, er dürfe auch feine Sprechstunden abhalten, man solle ihm nur zugestehen, mit ben Frankfurter Aerzten zu beraten. An Gehalt dürfe man aber nicht sparen, man könne bis w 13 000 Mart gehen. Angesehene Aerzte würde man unter diesen Bedingungen genug sinden. TieFrkf. Ztg" meldet daß Pros. Dr. Moritz aus Gießen als Nach- solger Prost v. No erbens in Aussicht genömmen fein solle.

kritische Besprechung seines Falles in der Presse. Ich riet ch'n ab. Man weiß ja, was danach kommt. Im besten Falle eine Anklage gegen den Redakteur, b<x belanniUch (nach einer neueren Reichsgerichtsentscheidnng! D. Red.) nicht das Recht hat, fremde Interessen wahrznnehmcn (sondern nur die eigenen, wodurch wieder einmal eine durch den Gesetzgeber im § 193 des St.-G.-B. wohlweislich geschaffene Vergünstigung der Presse unterdrückt und die Erfüllung gemeinnütziger und selbstloser Zwecke dec Presse wesentlich erschwert wird. D. Red.) und die Sache wäre erledigt gewesen. So ging er dann mit seiner Petition an den Reichstag. Cie ist ein bischen schlecht behandelt worden, so daß man die Erregung in seiner daraufhin herausgegebenen und jetzt zur Anklage stehenden Schrift:Wie cs meiner Petition im Reichstage erging!" wohl verstehen kann, obwohl sie sachlich zu weit geht.

Das Fiasko seiner Petition im Reichstage schmerzt Hüger wohl am tiefsten, obwohl man von den Abgeordneten bei der riesigen Zahl von Petitionen ein eingehendes Studium von einigen hundert Aklcnseiten nicht verlangen kann. Ein nicht beachteter Befehl, von dem die Gegenpartei behaiiptet, daß er überhaupt nicht existiert hat, ist die Ursache, daß ein Regimentskommandeur wie ein Hausknecht davon gejagt wurde, daß eine Anzahl hoher und höherer Offiziere in der Folge zur Disposition gestellt mürbe, daß eine Königliche und eine Kaiserliche Majestät zu Kabinettsordres schärfster Art veranlaßt wurden, daß Herr v. Hahnke im Berliner Militärkabinett Vorträge über Vor­träge halten mußte, daß Herr v. Einem und mit ihm der württembergische Militäcbevollmächtigte im Reichstage das württembergische Armeekorps von allem Schlendrian frei­sprachen, daß die militärische Karriere des Sohnes des ver­storbenen Abg. Lenzmann mit der Behandlung des Falles Hüger im Reichstage in Verbindung gebracht wurde und daß nun schon 3um zweiten Male innerhalb Jahresfrist das Dort­munder Landgericht diesen Fall mit Sorgfalt dnrchhechelt.

Vergeblich war das Beginnen des psychiatrischen Gut­achters, den Starrkopf auf dec Anklagebank für eine Heil­anstalt als Versuchskaninchen zu reklainieren, vergeblich auch alle Versuche, die leidige "Angelegenheit diicch einen Vergleich aus der Welt zu schaffen. Verzweifelnd fragt man sich, wie diese Seeschlange schließlich zur Strecke gebracht werden wird. Noch tobt der Kampf nur zwischen dem Slngcflagten unb seinem Hauptgegncr, dem Major Schmalst, der den oben er­wähnten Befehl nicht als solchen gekannt haben will. Das ist aber nur die Vorgeschichte des ganzen Falles. Denn dieser setzt erst ein mit dem Moment, wo Hägers Entlassung erfolgte und damit sein jahrelanger Kampf gegen seine Wider­sacher in den Ehren- und Kriegsgerichten, dem Reichsmilitär- gericht in Berlin, dem Korpskommando und dem Geh. Mi­litärkabinett begann. Um diese Dinge wird es sich in der ganzen kommenden Woche drehen und da dec Angeklagte mehr und mehr bisherige Rücksichten fallen läßt, so kann es dabei noch ganz nette Ueberraschungen geben.

Inzwischen aber zieht allmorgendlich ein glitzernder und leuchtender Kometenschweif von Exzellenzen, Generälen und Geheimen Kriegsräten die Treppen zum Dortmunder Gericht hinauf und der Bürger freut sich deS ungewohnten Glanzes. Drinnen im Sitzungssaale sehen und segnen objektive Beob­achter die Wirkungen der neuen Verordnung des preußischen Juslizministers Bescler über ben konzilianten Umgang mit Zeugen und Angeklagten.

Vermischtes.

* Die neuesten Eisenbahnunfälle. In Mamiheim stießen zwei Lokomotiven dec Feldbahn bei ben Ausfüllungsarbeiten für die Ausstellung zusammen und stürzten den Tamm hinunter. Ein Heizer wurde getötet, ein Lokomotivführer schwer verletzt. Ein anderes Eisenbahn­unglück hat sich im norbamcrikanischen Staate Kentuky zugetragen. Auf dem Rangierbahnhof der Louisville-Nash- ville-Bahn kämen durch Entgleisung eines in den Rangier- bahnhof rückwärts einfahrenden Personenzuges 12 P er sone 11 ums Leben, 15 wurden schwer verletzt.

Prof. M. jedoch erklärte uns auf telephonische Anfrage, baß ihm bavounichts bekannt" sei.

Im Stabtthcater zu Königsberg fand am 23. Mai eine Feier zum Gebächtnis bes dort hochverehrten, vor vier Wochen Heimgegangenen Feuill.-Rebaktcurs berHac- tungschen Ztg." Emil K r a u s c statt, der 33 Jahre hinburch bas Amt eines Schauspielkritikers unter sieben Tirektionen ausgeübt hat. Das Sdüuü war bis in bie obersten Ränge hinein vollbesetzt. Einern Prolog unb bent Beethovenscheu Ürauermarfd) folgte bie Gcdächiuisrebe, bie ber Vorsitzende des Goethebunbes Tr. Ludwig Goldstein, zugleich ber Freund, Kollege unb Amtsnachfolger des Verstorbenen, hielt, unb bie Rezitation zweier Lieblingsstücke Krauses: Schillers Jbeale" unbTer Gott unb bie Bajadere" von Goethe; jie wurden von Frau Professor Maria Winter gesprochen, der Gattin des dortigen Gynäkologen, bie einst als Maria Ortwicn einen klang vollen Namen in ber Bühnenwelt be­saß (als Mitglicb besTeutschen Theaters" zu Berlin am Ausgang ber 80er Jahre. T. Reb.) unb in bem Verblichenen einen Freuno unb künstlerischen Berater verehrte. Tie Feier klang in einem Ehocgesaug (Brahms'Fahr' wohl"- aus, der hinter einer Garbine von einem unsichtbaren gemischten Chor vorgetragen würbe.

Konstantinopel, 28. Mai. Professor v. Berg­mann, ber hierher an bas Krankenbett einer Tochter des Sultans berufen wurde, wurde vom Sultan zum ersten Honorarprofess, r ber kaiserlichen Mebizinschule ernannt. Kemer verlieh ber Sultan ihm, nachbem er bereits ben Osmanie-Orben mit Brillanten empfangen, heute bie gvlbenc Liakatmebaille, bie er ihm persönlich anhencte. Tec Groß­meister Artillerie-Marschall Zekki Pascha hat dem Sultan

Die Ehe des Prinzen von Schönburg- Waldenburg mit ber Prinzessin Alice von Bo 11 r bon, bie 1897 geschlossen unb 1903 in Dresden geschieden wurde, ist jetzt vom Papst auf Grund ärztlicher Gutachten aus Bamberg, München, Rom als nie bestehend für null unb nichtig erklärt worben. Aus Grund dessen bars ber Sohn des Erbprinzen aus der geschiedenen Ehe auch nicht den Titel eines Prinzen führen.

Ter Multimillionär als Mörder. Den deutschen Konsul Stein in Puebla i Mexiko) ermordet zu haben, wird derstllultimillionär Antonio Eouttolenc, ein mexikanischer Krösus, beschuldigt. Bon Eoutlolcne und seinem Neffen Nangek wird erzählt, Stein sei in seiner Besitzung ein­gedrungen und habe ihn, den Coukolene, täglich angegriffen. Darauf sei Rangel mit einem Revolver l)crbcigccilt, der sich durch einen Zufall entladen habe. Nach den poli­zeilichen (Ermittelungen scheint diese Darstellung nicht glaubhaft. Es würbe festgestellt, daß C. mit der Frau Stein längere Zeit intimen Verkehr gehabt habe und der Ehegatte davon Kenntnis erhielt. Ferner ergab die Unter­suchung, daß C. selbst den Schuß abgefeuert hatte, unb daß sein Neffe nur aus Gefühlsgründen die Schuld auf sich nehmen wollte.

* lieber russis ch e Minister gehälter wirb uw» ans St. Petersburg folgenbcS mitgcteilt: Man kann nicht behaupten, daß das jüngst geborene konstitutionelle Rußland seine ersten konstitutionelle,i Minister besonders reichlich honoriert: Den Kabinettmitgliedern ist nämlich ein Durch­schnittsgehalt von 18000 Rbl. jährlich bewilligt worben, wobei bem Minister bes Innern meistens 8000 Rbl. jährlich zu Repräsentationszwecken angewiesen werden. Die einzige Ausnahme bildet wie überall in Europa ber Minister des Auswärtigen, ber ein etwas höheres Jahresgehalt, unb zwar 30000 Rbl., bezieht. Diese Gehaltsbezüge erscheinen um so bescheidener, als, wie man weiß, dem russischen Rubel eine Kaufkraft innewohnt, die kaum diejenige einer Reichs­mark wesentlich übersteigen dürfte.

»KleineTageschconil Die unter der Beschuldigung des Giftmordes an der Schneiderssrau Brückner verhaftete Slraßenivärterfran Feige in G r 1111 a u (Schl.) ist verdächtig, vier Personen, darunter ihre Schwester und Stiefmutter, ver­giftet zu haben. Die Ursache war Erbschleicheret. Nach einem Telegramm derTimes" aus Ottawa ist der große Ogilvie-Elevator bei Fort William, Ontario, mit einer halben Million Bnshels Weizen in den Fluß gestürzt und vollständig verloren. Am 28. Mai erschoß der Wilddieb Pierre Lamberts in Adrinwnt feine Ai uttcr, die die Bezahlung einer Jagdbuße verweigerte, sowie seinen jüngeren Brttder Mathieu und tötete sich dann selbst aus dem Friedhof. Die Sächsische Schweiz ist von einem schlimmen Unwetter heimgesucht worden. Namentlich der Uttewalder Grund und der vielbestichte Amselgrunb rouvben fast zur Wildnis gemacht. Tie Wirtsletite unb Sommerfrischler in ber Rathewalder Mühle konnten nur üjr Leben retten. Ter Leberarbeiter Max Tittrich in Dresden hat emgestanben, am 12. August 1902 in der Burgsriebheibe die 8jährige Elisabeth Baake und im Sommer 1904 im Grünewald die Krankenpflegerin Helene Schmeichel c r- mordet zu haben. In bciben Fällen liegt Lustmord vor. Am 28. Mat hat der B ü r g e r in e i ft c r von S t. Pölten, der ehemalige Reichsrat Völkel, auf seine Geliebte, Frau Hirth, einen M 0 rdanschlag verübt, indem er sie zu erschießen versuchte. Er wurde jedoch hieran verhindert unb zur Beobachtung seines Geisteszustandes in Gewahrlam genommen.

ttnivevsitäts-Nachriehten.

Der Allgemein dentschAUnioerfitäts- und Hochschul-Kalender, hcrausgegeben von Otto Schröder, Sekretär der Universität Rostock, ist für das Sommersemester er­schienen. Der 1. Teil bringt von sämtlichen Universttäten, Techtt., Tierärztl. und LandwirffaXlstt. Hochschulen, Forstakabemicn und Bergaiademicn Geschichte, Verfassung, Behörden, Dozenten, deren Lehrfächer, Geburtsdaten, Besoldung usw., Gebühren, Freguenz- nbersichten, Institute usw. der einzelnen Lehranstalten, studentische Verbindungett. Der 2. Teil unterrichtet über das Studium, dessen Kosteit, Lehrpläne, Prüfungsvorschriften usw. Der 3. Teil be­handelt das studentische Verbindungswesen, und der Anhang bringt ein Verzeichnis der Soabilitationen, der Pensionierungen, der Sterbe- sälle, der Garnisonen der Universitäts- usw. Städte, der Aka­demischen Presse, Porwtarif usw. Er kostet geheftet, über 300 Seiten, 1 Mark. (G. B. Leopoldsche Universitäts-Buchhandlung, Rostock.)

Erlangen, 27. Mai. Die philosophische Fafultät der hie­sigen Hochschule hat dem PrinzenLudwig die philosophi­sche Doktorwürde hon. causa verliehen. (Bgl. unsere gestrigs Erlanger Meldung unterDeutsches Reick/'.)

ein Gutachten unterbreitet, worin er unter Hinweis auf die ohne -Operation in einem gleichen Falle erfolgte Gesun­dung seiner Tochter sich gegen die Operation ausspricht. Pro­fessor v. Bergmann halt indes eine -Operation an der Prin­zessin Resie Sultana für dringend geboten und er dürfte Die Folgen ablehnen, falls sein Rat jetzt unausgeführt bleibt.

Unter den zur 300jährigen Geburtstagsseier Rem­brandts van Rijn erscheinenden Schriften und Werken wird wohl das von Dem gediegenen Rcmbrandtkenner Ge­heimrat Tr. Wilh. Bode in Verbindung mit Tr. W. Vallen- tiner herausgegebene Lieserungsprachtwerk:Rembrandt in Bild und Wort" (Rich. Vong, Berlin W. v7, Preis pro Lieferung 1,50 Mk.) da? vorzüglichste fein. Dieses in vor­nehmer Ausstattung und gediegener ^ttrswahl erscheinende Weck hat den Ziveck, zu einem wohlfeilen Preise weiten Kreisen die Werke des Meisters zugängig zu machen. Auf 100 Seiten illustrierten Textes, der mit Reproduktionen! nach Radierungen 1111 i> Handzeichnungen geschmückt ist, wird dem Leser das Leben und Wirken Retnbrandts nach den neuesten Forschungen geschildert In 60 technisch vollendet ausgeführten Kupserdrücken werben die vornehmsten Ge­mälde aus den Galerien Europas möglichst mit allen in­timen Reizen der Originale wiedergegeben und so sicherlich dazu beitragen, das Verständnis für Rembrandts Wert zu heben. Die vorliegende erste Lieferung bringt drei prächtig gelungene Kunstblätter:Rembrandt und Saskia beim Frütz- irück" (Dresden-,Die Nachtwache" (Amsterdam) undLand­schaft mit Ruinen" (Kassel). Tie Treue der Wiedergabe der Originale wirb bie Bewunderung jeoes Kunstfreundes wach- rufeu.