Ausgabe 
29.3.1906 Zweites Blatt
 
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mti> Wagen war überaus glanzvoll. Hvftohukntscher Huhu brachte einen Biercrzug (£cf)intmcl), wie man ihn eleganter nicht int Tiergartenviertel in Berlin findet, bann erregte, ebenfalls von Huhn vorgeführt, ein Paar Rappen vor einer Viktoria-Chaise und ein Fuchs int Gig allgemeines Aufsehen. Nicht minder elegant war ein Viererzug (Apfel­schimmel) des Lohnkutschers Lunker. Man hörte nur Steuerungen, wie: Groh artig,^einfach großartig, das macht den Gießenern keine andere etabt in Hessen nach.

Ter Markt selbst bot eine Auswahl von zirka 300 Pferd en und 40 Fohlen, meistens schwerer Arbeitsschläge. Ter .Handel war trotz der hohen Preise, die durchschnittlich für gutes Material verlangt wurden, recht flott. Bei der Prämiierung der von Landwirten vorgeführten Tiere konnte man bemerken, ttne man bei uns der Pferdezucht großes Verständnis und Interesse entgrgenbringt. Die vorgeführten Fohlen eigener Zucht erregten mit Recht daS Aufsehen und die Bewunderung der Pferdekenner.

Die Prämiierung verlief wie folgt:

I. Reitpferde unter dem Reiter gezeigt:

S. Michel-Gießen 1. Preis., H. Storch- Treis- Münzenberg 2. Pr., Karl I uN g -Ostheim Slncrfennung.

II. Wagen sch läge (paarweise):

Gebr. Leopold-Nidda 2. Preis.

Illa. Schwere Arb eits sch g e (paarweise):

S. Michel-Gießen 1. Pr., Gebr. Leop o ld - Nidda

2. Pr., S. Michel-Gießen 3. Pr., L. Iessel - Weil­burg und S. Kau sm an n-N.-Weisel Anerkennung.

mb. Leichte Arbeits schlage (paarweise):

Ed. Kaufmann -N.-Weisel 1. Pr., Aug. Frens­dorf-Gießen 2. Pir., Gerson Katz-Steinbach 3. Pu, Meyer H e ch i n g - Kirchhain Anerkennung.

IVa. Schwere Arbeitsschläge (einzeln):,

Aug. Fr en sdorf-Gießen 1. Pr., S. Michel- Gießen 2. Pr., S. Kaufmann- N.-Weisel 3. Pr., & Iessel - Weilburg Anerkennung.

IVb. Leichte Ar b e i t s s ch l ä g e (einzeln):

Stug. Frensdorf-Gießeti 1. und 2. Pr., Eduard Kau fmann-N.-Weisel 3. Pr., M. Bin g-Lich Anerk.

Va. Arbeitsschläge einzeln, im Besitz von Landwirten (Mitglieder deS Landes-Pferdezucht- ober Land­wirtschaftlichen Vereins):

Konrad Schimpf-N.-Weisel 1. Pr., Jakob Klippel- N.-Weisel 2. Pr, Konrad Kraus grill VIII.-N.-Weisel 3. Pr., Wilh. b e l-Pohlgöns, I. Ang. He in z-Nieder- Weisel und W. W a g n c r II.-Kirch-Göns Anerkennungen.

Vb. Arb eits sch lüge paarweise, im Besitz Von Landwirten (Mitglieder des Landes-Pferdezucht- oder Land­wirtschaftlichen Vereinst:

H. Jung IV.-Ostheim I. Pr., W e n z e l - H a f f e r HI.* N-Weisel 2. Pr., Karl Jung-Ostheim 3. Pr., Konrad Straßheim-Griedel und Ludw. Kreick.er-Wetterfeld Anerkennungen.

Via. Dreijährige Fohlen (W a g e n s chl ü g e):

Wilh. Weil-Langgöns 1. Pr., Louis Christ-Griedel 2. Pr., Gg. Krd. Müller- Griedel 3. Pr., Wilh. Faber- Kirch-Göns und C. A. Wagner-Laug-Göns Anerkenn..

VIb. Dreijährige Fohlen (Strbeitsschläge): Jäh. Faber-Leihgestern 1. Pr.. Pachter Klein-Hof

Sllbach 2. Pr., Ludw. K r e i ck e r - Wetterfeld 3. Pr.

VIIa. Zweijährige Fohlen (Wag en s ch l ä g e): H. Scheuermann II.-Echzell 1. Pr., Herm. W.

Straßheim-Griedel 2. Pr., Bürgermeister Fenchel- Griedel 3. Pr., H. W. Müller-Griedel und Wag­ner IV.-Allendorf a. L. Anerkennungen.

VHb. Zweijährige Fohlen (Arb eits schlüge):

Otto Schm id t-Laubach 1. Pr., Ludwig K'röck- Hcuchelheim 2. Pr., Kasp. Georg Juu g-Leibgesterm 3. Pr.

VIIIa. Zuchtstuten mit Fohlen ober nachweislich gedeckt. (Wagenschlüge):

Fritz Wetz-Kettenmühle 1. Pr., K. Silges U.- Fauerbach v. H. 2. Pr., W. Straßhe im 3. Pr., Wilh. Göbel-Pohl-Göns, Konr. W eitz-Torf-Güll und Wilh. Wagner A -Kirch-Göns Slnertcnnungen.

VIII6. Zuchtstuten mit Fohlen oder nachweis­lich gedeckt (Arbeitsschläge):

tzrch. Bender-Griedel ]. Pr., S?. Sch im p f-Nieder- Weisel 2. Pr, Jakob Klippel-N.-Weisel 3. Pr., Ludwig Keßler V.-Ow.-Linden, K. B r o n n e m a n n - Heiberts- häuserhof, I. Slug. Heinz-N.-Weisel, Jakob Fay IV.- Langsdorf und Konrad Kransgrill mil.-N.-Weisel An- erkemrungen.

Ehrenpreise erhielten für im Privatbesitz besind- liche Gespanne usw.:

Stadtverordneter Löb er (Reitpferd, Apfelschimmel), Georg Dichter 1 Gespann Füchse, Russen im Viktoria- Wagen (außer Konkurrenz vorgeführt), Rechtsanw. Grüne­wald 1 GHpann Füchse, Ungarn, im Halbvardeck, Fabrik. Karl Lotz Einspänner, Selbstkutschierphaeton, Landwirt H. Jun g-Ostheim l Paar Rappen, Oldenburger, im Jagd- wagen, Hoflohnrutscher Huhn 1 Schimmelviererzug Lan- dauer, 1 Paar Rappen, Mylord-Einspänner, Fuchs, Gig. Lohnkutscher Junker Slpfelschimmelviererzng, Landauer.

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Die Expedition des Gießener Anzeigers.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 29. März 1906.

** Stadtverordn eter Schiele f. Gestern starb nach vierteljährigem schweren Leiden einer unserer ge- achtetsten DÜtbürger, Stadtverordneter Ingenieur Friedrich Schiele. Ter Verstorbene war bis zu seiner Ertränkung unermüdlich in seinem Beruf tätig und genoß in fach­männischen Kreisen hohes Ansehen. Herr Schiele erreichte ein Alter" von nicht ganz 72 Jahren. Er wurde am 25. April 1831 in Frankfurt geboren, besuchte zunächst in seiner Vater­stadt die Schule und studierte sodann an der höheren Ge­werbeschule (die jetzige Technische Hochschule) in Darmstadt und der Technischen .Hochschule in Karlsruhe. Nach voll­endetem Studium war er einige Jahre als Mafchinsn-Hn-

genteur in England tätig. Er vermahlte sich bann mit Fräulein Amalie Buderus von Hirzenhain und trat später in die Firma I. W. Subern5 Söhne in Hirzenhain als Inge­nieur ein und zwar zunächst auf der Audenschmiede in Messen- Nassau und dann in Hirzenhain. 1879 siedelte Schiele nach Gießen über und hatte hier wesentlichen Anteil an­der Erbauung der Main-Weser-Hütte zu Lollar und der Sophienhütte zu Wetzlar .Neben seiner reichen beruflichen Tätigkeit beschäftigte er fick) noch mit öffentlichen Ange­legenheiten und stand als Mitglied der Stadtverordneten­versammlung (seit 1890), des Kreis- und Provinzialtages, sowie des Provinzialausschusses bei feinen Mitbürgern in hohem Slu sehen. Tie mannigfachen Verdienste des Ent­schlafenen fanden auch von S. K. H. dem Großherzog An­erkennung durch die Verleihung des Ritterkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. In allen Kreisen der Bevölkerung wird die Nachricht von dem Todes­fall herzliche Anteilnahme Hervorrufen und ein ehren­volles Andenken ist dem Entschlafenen über das Grab hinaus gesichert. Tie Ueberführung der Leiche zu der in Hirzenhain erfolgenden Bestattung findet am Samstag vormittag 11 Uhr statt.

** Von einem oberhessischen Achtundvierziger, Capt. Louis Kimmel, der jetzt in Washington, (122 D st. n. 6.), der amerikanischen Bundeshauptstadt, lebt, sind der hiesigen Rickerschen Sortimentsbuchhandlung ein paar Briefe zugegangen, die uns von dieser gütigst zum Slbbrucf überlassen worden sind. Der alte Herr schreibt in seinem ersten Briefe u. a. folgendes:

Obwobl schon über ein halbes Jahrhundert bi er in diesem Lande (den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika. D. N.), so bange ich doch mit Herz und Liede an dem teuren alten Vater­lande. Ich bin einer von den wenigen noch leben- den Achtundvierzigern, habe ein sehr bewegtes Leben von 78 fahren hinter mir und werde auch bald heimkehren. Meine Wiege stand in dem Torle Rödgen, und am meisten interessiert es mich, etwas von der Universität und der Umgegend Gießens zu lesen. Tie Reihen der alten Freunde und Schul- und Jtigendgenosseu werden immer lichter und um die zu finden, muß man sie mit der Laterne aussuchen.

In seinem zweiten Briefe erzählt Herr K. dann im ivesentlichen folgendes:

23or über 50 Jahren kam ichmittellos in dieses Land. Kurz nad) meiner Ankunft st a r b beinahe meine ganze F a m i 11 e, ums Personen, mnerhalb drei Tagen an der E h olera, nur ich und mein ältester Sohn, jetzt 56 Jahre all, blieben vom Tode verschont. Als id) mich wieder etwas von der Krankheit erholt halte, sägte ich Holz drei Jahre lang. Dann wurde id) Redakteur einer deutschen Zeitung, bis der Krieg ausbrad), lieb mich einreihen als Gemeiner und nad) Beendigung des Krieges wurde ich ausgemustert als Haupt m a n n. Später wurde ich 4 Jahre Friedensrichter, 6 Jahre B ü r g e r m e i st e r der Stadt La Fayette, Indiana (25 000 Einw.), 4 Jahre Kassierer einer Bank, 4 Jahre Präsident vom Schulrate, 2 Jahre Gouverneur von Alaska und 4 Jahre K a s s i e r e r im Verein. Staaten - M a r s ch a l l a m t e hier. Seit 12 Jahren lebe ich zurückgezogen. Ick) habe früher sehr viel für Zeitungen ge­schrieben, deutsch und englisch, aber jetzt geht es nicht mehr alt und nervös."

Die schlicht treuherzige, zum Teil leicht wehmütige Ton­art der Briefe dieses vielerfahrenen greisen Landsmannes wird manchem unserer Leser zu Herzen gehen. Vielleicht spinnen sich jetzt zwischen ihm und diesem oder jenem unter seinen heute nod) lebenden heimatlichen Kindhcits- und Jungend- Kameraden neue Fäden alter vergessener Freundschaft an. Möge des schicksalsreichen Greises verdämmernder Lebens­abend friedvoll sich gestalten.

** In Audienz empfangen wurde von S. Kgl. H. dein Gr o ß h e r z o g am 28. März Major Hoffmann vom Stabe des Infanterieregiments Nr. 29 und Beigeord­neter Kommerzienrat Georgi von Gießen.

** Verhaftet wurde gestern ein zugereister H an d wer ks bursch e, der auf der Straße spielenden Kindern gegenüber unzüchtige .Handlungen vor­genommen hatte.

** Fahrrad dicbstahl. Ein hiesiger Einwohner erstattete gestern Anzeige, daß ihm am 20. 1. M. ein Fahrrad gestohlen worden sei. Angenehm überrascht war der Mann, als man ihm mitteilte, daß das Rad bereits in Kassel einem Handwerksburschen abgenommen worden sei und der Täter den Diebstahl ein gestanden habe.

* Aus bem Bureau des Stadttheaters. Sim nächsten Samstag hat Frau Elfriede B a y r h a m m e r Benefiz. Sie hat SudermannsHeimat" gewählt.

-f- Reiskirchen, 29. März. Ter schon lange geplante und auch vom Gemeinderat genehmigte Pfarrhausneu- b a u soll in diesem Frühjahr nod) begonnen und so rasch wie möglich gefördert werden. Tic Baukosten belaufen (id) auf 18 000 Mk.

ff Lauterbach, 28. März. Man schreibt uns von geschätzter Seite: Ihre gestrige Kummer enthält eine Notiz über die vom nationalliberalen Wahlausschuß einberufene Versammlung, in der Dr. Wall au und Hagemann sprachen, in weld)er behauptet wird, das; der Besuch der Erwartung nicht entsprach. Demgegenüber fei mitgeteilt, daß nur Wahlberechtigte ein geladen waren und die Versammlung von etwa 2 50 Personen besucht war. Tie Slusführungen von beiden Rednern fanden andauernden, leb­haften Beifall. Ter Verlauf der Versammlung war ein sehr oefriedigender und namentlich Dr. Wallau ivurde sehr herzlich begrüßt.

Darmstadt, 28. März. Slm Dienstag, 27. d. SN., 5 Uhr 30 Mm. nachm. trafen der Fürst und die Fürstin zu Solm s-.H o h cu s o lm s - Lich zu mehrtägigem Aufenthalt im Neuen Palais ein und folgten mit den Großherzogl. Herrschaften abends einer Einlad­ung des Preußischen Gesandten zum Diner. Slm Mittwoch, 28. d. M., empfingen die Großh. Herrschaften den Erb­prinzen und die Erbprinzessin zu Löwenstein aus Klein-He ubach und zogen dieselben zu dem darauf­folgenden Frühstück. (Darmst. Ztg.)

h. Frankfurt a. M., 28. März. In der letzten Nach! kam es auf der Babenhäuserlandstraße in der Nähe des Isenburger Waldes unter dort lagernden Zigeunern zu einer ausgedehnten Schlägerei, wobei Schußwaffen, Meffer und'Knüppel die Hauptrolle spielten. Ein 23 jähriger Zigeuner erhielt einen Schuß in die Magengegend, sowie einen solck)en in den rechten Oberschenkel. Ein weiterer an der Schlägerei beteiligter Zigeuner tourbc schwer verletzt nad) dem achten Polizeirevier am Slffentorplatz in Sad)se»hausen verbrad)t, wo außer diesen) nod) drei andere verletzte Zigeuner hingebracht wurden. Bei einer sofort aufgenoimuencn polizei­lichen Verfolgung wurde eine Zigeunerbande von 40 Personen, ohne Männer, angetroffen. Die Polizei hat abermals eine

Einbrecherbande dingfest gemacht, im ganzen acht Personen.

-r Ehringshausen a. d. Dill, 28. März. Gewerk­schaftssekretär Sd)midt-Dillenburg und Verbandssekretär Scherer-Offenbach referierten im Saale des Wirtes Ströb- mann vor einer zahlreichen Slrbeiterversammlung znm Zwecke einer Arbeiterorganisation, die auch jetzt zustande ge­kommen ist. 26 Arbeiter sind dem Gewerkverein christ­licher Bergarbeiter Deutsck)lands beigetreten und es wurde hier eine Zahlstelle errichtet. Am Slnfang des Jahres waren in unserer Gegend ca. 600 Arbeiter in christlichen Gewerkschaften organisiert, jetzt hat sich die Zahl bereits verdoppelt.

Treysa, 26. März. Ein Ausländer Name und Herkunft ist unbekannt, er hatte wohl ziemlich viel Geld, aber keine Legitimationspapiere bei fid) wurde heute nacht schwer verletzt in einer Straße aufgefunden und einstweilen im Gerichtsgesängnis iintergebrad)t, von dort aber in die Anstalt Hephata überführt. Dort ist er ge­storben. (Hess. Ldsztg.)

Das Unglück von CourrrLrcs und die französischen Ausstände.

Die Hinterbliebenen werden einen Prozeß gegen die Grubengesellschaft anstrengen. Sie behaupten, daß die Gesellschaft das Unglück verschuldet habe, weil die notwendigen Sid)erheitsmaßregeln nicht vorhanden waren. Es wird erwartet, daß die Gesellschaft verurteilt wird, den Hinterbliebenen eine lebenslängliche Rente entsprechend dem Lohne der Verunglückten auszuzahlen.

Das Referendum im Minendistrikt von LenS und Um­gegend ergab 2 0 000 Stimmen für die Fortsetzung des Ausstandes und 12 000 für die Aufnahme der Slrbeit unter Annahme der Zugeständnisse der Gesellschaften.

Bei Schacht III, als Gendarmen und Dragoner An­sammlungen von SlnSständigen zerstreuten, wurden Revolver- schüffe abgegeben. Der Täter konnte nicht ermittelt werden.

Vermischtes.

'Der Bergrutsch bei Koblenz. Am 28. März fand burd) eine Kommission, bestehend ans den Vertretern der Regierung in Koblenz und des Oberbergamts Bonn, eine Besichtigung des Bergrutschgeländes statt. Die Kom­mission besichtigte and) die Tongruben und die oberirdischen Entwässerungsanlagen. Bergrat v. Dassel äußerte sich u. a. wie folgt: Im großen und ganzen haben die WitterungS- verhältnisse auf die Katastrophe außerordentlich ungünstig ein- gewirkt. Die Frage bleibt offen, ob die angeschüttete Halde die direkte Ursache der Katastrophe war oder fördernd gewirkt hat. Diese Frage wird für die Entschädigungspflicht maß­gebend sein. Nach amtlichen Feststellungen sind 54 Häuser geräumt und weitere 25 sind gefährdet. 30 Häuser müssen niedergelegt werden. 350 Personen sind obdachlos. Sluf Sluregung des Landrats hat sich ein Hilfsausschuß ge­bildet.

Newy ork, 28. März. Die Diebstahls anklage gegen den verhafteten früheren Vizepräsidenten der Newyorker Lebensversicherungsgesellschaft Perkins, den Teilhaber Morgans, wird damit begründet, daß er aus den Mitteln der Gesellschaft an das republii konische Nationalkomitee während der Präsidentschafts- fampagne im Jahre 1904 48 702 Dollars gezahlt habe. Ehe Perkins vor dem Polizeirichtcr erschien, erwirkte sein An­walt einen Habeas-Corpus-Befehl. Infolgedessen kam die Angelegenheit vor das höchste Gericht. Die Vizepräsi-, deuten der Mutual Life Insurance Company, GranniZ und Gillette, sowie der Trustee der Gesellschaft, Gerry, haben ihre Aemter n ie der gelegt.

* Der bellende Papagei. Ein in Wien wohnen­der Privatmann, der nebenbei einen Handel mit Vögeln be­treibt, kaufte von einem in Eimsbüttel-Hamburg wohnenden Vogelhändler zwei gut sprechende Papageien (sogenannte Ama­zonen) zum Preise von 80 Mark. Als die Kiste in Wien cintraf, befanden sich in dem Behälter drei Papageien; der eine war jedod) krank und sck)on halb tot, der zweite machte in seinem ft'äfig einen entsetzlichen Lärm und der dritte, der beste von allen, schrie fortwährend. Der Wiener, der eine falsche Sendung erhalten zu haben glaubte, wandte sich an die Hamburger Polizeibehörde, der er in einem Schreiben mitteilte, der eine Papagei schreie tagsüber mindestens acht Stunden in ohrenzerreißender Weise. Sein ganzes ,Sprechen"' bestehe darin, daß er wie ein Hund belle, wie eine Katze miaue oder wie ein Huhn gackere. (Das würde doch eine große Seltenheit fein!) Bei einem solchen Hunde- gebell sei die Katze in der Dunkelheit bereits gegen den Käfig gesprungen und habe dabei einen Schaden an Geschirr für 50 Mark angerichtet. Der Hamburger Händler wolle die Papageien nicht zurücknehmen, und daher bitte er, der Brief­schreiber, die Polizei um Hilfe. Seinem Wunsche ist Folge geleistet worden, und der Fall wird untersucht werden. Der bellende Papagei wird nun hoffentlich den Schnabel zum Sprechen auftun.

^LusrsL und Wissenschaft.

Mannheim, 28. Mürz. Der Stadtrat wählte heute ein- stiinmiq zum Intendanten desHvftheaters den Feuille­tonredakteur derRheiniscli-WestfölMen ,Zeitung" Dr. Karl Hagemann in Essen. Dr. Hagemann i)t 34 Jahre alt. Er studierte Philosophie, Kunst- und Musikgesdsickte, promovierte in Heidelberg und war dort Slssistent bei Professor Dr. Rtd>ird Schröder. Dr. Hagemann ist Verfasser zahlreiclier Publckatwnen über Dramaturgie.

Itnrversrtäts-Nachrichten.

An der Universität Greifswald findet auch in diesem Jahre vom 9. bis 28. Juli ein Ferienkursus statt. Die Fächer sind u. ci. folgende: Phonetik (Prof. Henckenkamv), Deutsche Sprache und Litteratur (Pros. Dr. Heller), Religion (Konsistorialrat Prof. Hanßleiter), Philosophie (Proi. lliehmke), Geschichte (Pros. Seeck und Bernheim), Volkskunde, Folklore (Pro?. Radermacher), Kunst­geschichte (Prof. Seeck), Geologie tProi. Dcecke), Physik (Prof. Mie), Botanik (Prof. Schütt), Hygiene (Geheimcrat Pro'. Löffler).

Landwirtschaft.

Das Defizit deS landwirtschaftlichen Lager­hauses Regensburg ist auf 43000 Mk. festgestellt nwrden. U n r e r s ch l a g u ii g e n des Verwalters liegen hinter der letzten ordeiulichen Revision iiuM