Erstes Blatt
156. Jahrgang
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Die heutige Yummcr umfaßt 16 Seiten
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atzger.
umfangreicher Betrugsgelangt, für den die Bezeich- der Friedrichstraße" gewählt kurze Berichte von den Ver* Namen der als Zeugen betet-
In Berlin ist soeben ein Strafprozeß zum Abschluß nung „Die Offiziersfalle in wurde. Die Preße hat nur
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Fabrikate) ab eine
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In den Tropen.
An der parlamentarischen Besichtigungsfahrt nach Ostafrika, die Ende Juni entriert werden soll, nehmen, soweit bis jetzt der ,Nat.-Ztg." bekannt, die Abgg. v. Brockhauscn, v. Massow (kons.), Dr. Arendt, Brun- stcrmann (freitonf.), Hagen, Held, Lehmann (natl.), Kalkhof, v. Savigny, Schwarzc-Lipp'tadt, Cznmla (Ztr.) teil, an dec Besichtigungsfahrt nach Ostasien, die im August d. I. ihren 'Anfang nimmt, die Abgg. v. Böhlendorf, Dietrich, v. Riepen- bausen (kons.), Bärwinkel, Dr. Becker-Hessen, Dr. Lukas, Patzig, Tr. Wallau (natl.), Jtschert (Ztr.), Liebcrinann von Sonnenberg (wirtsch. Bgg.) und Wctlerlö (Elsaß-Lothringer). Bon den hier Genannten haben die Fghrt nach Kamerun und Togo mügemacht Dr. Arendt und Frhr. o. Böhlendorff. Der
Nr. »9
Erscheint täglich außer Sonntag«.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien« blätter viermal in der Woche beiqelegt.
Rotationsdruck il Verlag der Brüh l'schen Un ivers.-B uch-u. St ein- druckeret. 0t Lange. Redaktion, Erveditüm und Druckeret:
Schnlstratze 7.
Redaktion 118
Verlag u.Exve^
Adresse für Deoeschen: «n-eiger Gießen.
Verabschiedung gestraft worden sind. Aber an einer Erscheinung, die auch in diesem Prozeß wieder grell hervortrat, kann man nicht oorttbergehcn: die Zeugenaussagen offenbarten stellenweise eine verblüffende Unkenntnis auch der einfachsten kaufmännischen und Rechtsgeschäfte — ein Offi» zier a. D. zum Beispiel erklärte, von einem Wechsel keinen Begriff gehabt zu haben, was ihn nicht hinderte, seinen Namen auf Wechsel zu fetzen. Es ist kaum zu ver-
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erstere wird jetzt als Obmann der „Ollafcikaner", der andere als Obmann dec ,Ostasiaten" fungieren. Die Herren nehmen als Gäste des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg ihre Plätze auf den Schiffen der Würmann- Linie bezw. des Nordd. Lloyd ein. Die Gesellschaften selbst sind aber doch die eigentlichen Gastgeber, da der Herzog Joho-n Albrecht für die von ihm belegten Plätze einen Vorzugstarif genießt.
Wie sich aus dieser Liste ersehen läßt, steckt doch ein gut Teil Unternehmungslust in der deutschen Volksvertretung. Die Beteiligung an der vorjährigen Studienfahrt nacy Weflafrika mußte bekanntlich der Abg. Fries (natl.) mit Dem Leben bezahlen. Er starb auf hoher See an Herzschwäche. Da ein verhältnismäßig hoher Prozentsatz reichsländischer Rekruten zur Niacine auSgehoben wird, mag Herr Wetterlä verlangen, einmal in Kiautschou Umschau zu halten, Dem einzigen von der Marine eingerichteten und verwalteten Schutzgebiet. Die Polen sind für überseeische Studienreisen ebensowenig zu haben, wie für Kolonial- und Flottenpolitik. Die Aera Koszu'lsti, genannt „Admiralski", ist ohne Wiederkehr dahin.' Den stärksten Prozentsatz der parlamentarischen Reisegesellschaft stellen die Nationalliberalen, entsprechend ihrem Verlangen nach großzügiger UebcrfeepolitiL Ter Abg. Dr. Paasche, der im letzten Sommer Ostafrika besuchte und vordem Westindicn und Nordamerika durchstreifte, ist diesmal nicht von der Partie. Ostasien lockt ihn also nicht. Scsern nicht gisundheitliche Rücksichten mitsprechen, könnte das die Vermutung bestärken, daß Dr. Paasche für einen höheren Posten im Staatssekretariat der Kolonien in Aussicht genommen ist. Während die Nichtbeteiligung der Sozialdemokraten an den Studien- inl)den kaum überrascht, fällt eS auf, daß kein Mitglied der freisinnigen Vereinigung den Wunsch zum Ausdruck bringt, das überseeische Deutschland kennen zu lernen. Bon der freisinnigen Volkspadci wird Herr Eickhoff genannt, der sich für Kiautschou entscheiden dürste, dem er int Reichstag manch wohlwollendes Wort gewidmet hat. Der Ueberseefahrer der süddeutschen Volkspartei, Abg. Storz, bleibt diesmal daheim im schönen Schwabenlande. Da Herr Storz aber durch seine Stellung zum gegenwärtigen Kolonialelat ein bemerkenswertes Interesse für. unsere Süd* seebesitzungen bekundet, geht man vielleicht nicht fehl in dec 'Annahme, er werde erst an der für nächstes Jahr geplanten Studienreise nach Neuguinea und den Marschall- Inseln sich wiederum beteiligen. Bei der gleichfalls für Soinmer 1907 in Aussicht genommenen Jnformationsfahrt nach der kostspieligsten aller deutschen Kolonien, nach Südwestafrika, dürfte sich die im Verhältnis größte Zahl von Teilnehmern zuiammenfinden.
Samstag 88. AprU1906 vezngSpret-r monail>ch7bP!.,viettel-
inhrhd) Akt. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post 9)^.2.—viertel« jälivL auöschl. Beliellg, Annahme von Anzeige» für die Tagesuumuier bis vormittags 10 llhQ ZellenorciS: lokal 12'Uf^ auswärts 20 Plg.
Verantwortlich hüt den volit. und allgem« Seil: P. WNtko' iüi .Stadl und Land" und .Genchlssaal"-. Ernst veß; mr den Anzeigenteil: £>an 8 Beck.
Handlungen gebracht und die _ _
ligten Offiziere durch Anfangsbuchstaben markiert. Die Zurückhaltung und Schonung wird begreiflich, wenn man bedenkt, daß die Opfer der Geldmänner hart genug durch die
Eichener Anreiaer
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politische Lagerschatt.
Nißler.
Wir lesen in der „Deutsck>en Tagesztg.":
Ter Vorstand des Bundes der Sanbroirtc hat, entsprechend dem Anträge des Bayeriidstn Laudesvorstandes, dem ReicbStags- abg. Nißler, GurÄ>esitzcr in Msershauisen, die Mitg ltedschaft beim Bunde der Landwirte entzogen. Nißler, welcher der konservativen Partei angehörte, Halle bei den letzten bayer- ischen Landtagswahlen gegen den fiüheren Landtagsabg. Declh- Ratsüerg, Hauptvorsitzenden des Bundes der Landwirte für das Königreich Bayern unb gleichfalls der konservativen Partei an* gehörend, ein Kompromiß mit den Liberalen abge- ichlossen. Er trat sodann agitierend gegen die Wahl des Herrn Beckh auf und setzte sich damit in einen krassen Gegensatz zu den Grundsätzen des Bundes der Landwirte.
Als der Bürgermeister Dr. Kusner-Weißenburg, welcher beit Wahlkreis Weißenburg int Bayerischen Landtage vertrat und daselbst der liberalen Bereinigung angehörte, zum Bürgermeister in Kaiserslautern gewählt wurde, wurde im Wahlkreise Weißenburg eine Ersatzwahl notwendig, die am 8. März d. I. stattfand. Erneut wurde zur Ersatzwahl die Kandidatur Beckh ausgestellt. Anstatt nunmehr aber für Beckh einzutreten, agitierte Nißler wiederum gegen ihn und für den liberalen Kandidaten Albrecht. Er bewickle hierdurch eine abermalige Niederlage Beckhs.
Es sei iwch hervorgehoben, daß Nißler insofern noch zu Beckh in einem näheren Verhältnisse stand, alS er zur Zett der ersten Wahl stellvertretender Vorsitzender des Mittelfräntsschen Bauernvereins war, dessen Vorsitzender Beckh ist. Nach der ersten Wahl ist bann allerdings Nißler aus dem mittelfränkischen Bauernverein ausgeschlossen worden.
Diese Vorgänge Haven den Bundesvorstand veranlaßt, dem Anträge des Bayerischen Landesvorstandes deS Bundes zu ent* spr eckten und den Ausschluß des Herrn Nißler aus dem Bunde der Landwirte zu beschließen.
Offiziers-Fallen.
Tie Furcht vor dem 1. Mai in Frankreich.
Paris, 27. April.
Tie klerikale Partei ist wieder einmal schlau, aber nicht klug gewesen ; sie hat taktische Einfalle, aber keine Strategie; sie 0-at verwickelte, bösartige Ränke gesponnen, aber keinen zusammenhängenden, etwas umfassenderen Plan zu ersinnen. gewußt. Was anfangs nur Vermutung war, ist jetzt Gewißheit: die Arbeiter Unruhen der letzten Tage sind das Werk des Rückschrlltsblocks, der sich aus reinen Klerikalen, Nationalisten, Liberalen" und Monarchisten zusammensetzt; der leitende Ausschuß des Arbeitsbundes, der in allen Ausständen die führende Rolle spielt, seine Send- linge überall hinschickt und allerorten Unversöhnlichkeit und Gewalttaten predigt, steht in unmittelbarer Verbindung mit den klerikalen Führern und empfängt reiche Geldmittel von ihnen. Ter Ausschuß des „allgemeinen Arbeitsbundes" (Eonsederation göneral du travail) unterhält die engsten Beziehungen zu den Klerikalen und schöpft aus ihren tiefen Kassen, wie er will. Tas Triebwerk der anarchistischen Veranstaltungen ist nicht verborgen, kaum verschleiert. Zuerst brachten die klerikalen Organe, namentlich „Echo de Paris" und „Eclair", ihre blutstarrenden Bc- riajte über „die kommende Umwälzung". Tann entstand in vielen Gewerben die Ausstandsbelvegung, die sofort mit Dynamitanschlägen, Einbruch, Zerstörung, Plünderung und Totschlag einsetzte, aber klerikale Unternehmungen sorgfältig verschonte. Ter Buchdrucker- aus st and z. Ä., der alle Zeitschriften in die schwerste Verlegenheit bringt, berührt den klerikalen „Korrespondent" nicht, der mit schönster Regelmäßigkeit erscheint. Gleiche- zeitig verbreiteten die verschiedenen „Eroix" von Paris und der Provinz die tollsten Gerüchte über die schrecklichen Tinge, die sich vorbereibeten. Tie Polizei sollte von großen Bvrnben- vorräten wenn tu i5 erhalten haben, die in den Kellerräumen der Arbeitbörsen verschiedener Städte aufgestapelt wurden; der Pariser Polizeipräfekt sollte den Geschäftsleuten haben sagen lassen, sie würden gut tun, am 1. Mai ihre Läden ge.chlosseu zu halten, da die Behörde für nichts gut stehen könne; der allgemeine Au S st a n d de r B ä ck e r, Sch l ä ch- ter und Eisenbahner sollte beschlossene Sache sein usw. Auf den verunglückten Ausstand der Briefträger folgen Gärungen unter and-reu Staa.tSacdei.tcru, in den A r s e n a l e u, den S t r e i ch h o l z f a b r i k en, den Tabak- manu faktur en, die ebenfalls mit Massenarbeitsein- stellungen drohen. Alle diese Bewegungen lverdeu zuerst von der „Patrie" und der „Presse" angekündigt und die Arbeiter selbst erfahren erst einen oder zwei Tage später, daß ihre Vorstände den Ausstand enkweoer beschlossen oder doch in Erwägung gezogen haben. Diese Umtriebe haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Viele Familien verlassen vor dem gefürchteten 1. Mai Paris und flüchten sich auf das Land, die Ueberängstlichen sogar über die Grenze nach der Sck)weiz, Belgien oder England. Tie meisten,legen Mundvorrat ein. Tie ordnungsliebenden Bürger sind über die Ermordung des Dragonerosfiziers und der Soldaten in Lens tief entrüstet und legen fic der Regierung zur Last. Kein Zweifel: lvenn bie allgemeinen Wahlen vor dem 1. Mai, etwa am Montag stattfmdcn würden, dann wäre unter dem Eindruck des Schreckens der einen, der Erbitterung der anderen, der Erregung und Unruhe aller eine starte Verschiebung der Mehrhell, ricllcicht ein vollständiger Sieg der Regierungsgegner möglich. Die Wahlen finben aber nicht vor dem 1. Mal statt, sondern sechs Tage später, und damit haben bie Klerikalen nicht gerechnet. Hierin zeigt sich ihre Kurzsichtig- keit und ihr Mangel an strategischem Geschick. Sie haben ihren ganzen Einsatz auf eine einzige Karte gesammelt: die Maifeier. Ter 1. Mai ist ihr einziger Trumpf, dtun ist es ja überall, und am meisten in Paris, eine mißliche Sache um das Prophezeien, man wagt indes nicht viel, wenn man vorher sagt, daß der 1. Mai ganz ruhig verlausen wird weil die Regierung gewarnt ist und ihre Maßregeln aetrosfen hat. Tie Klerikalen werden also ihren Trumps gestochen sehen; sie werden ihre Karte und Damit ihren Ansatz verlieren. Tas Land wird sehen, daß man ihm einen Culenspiegelstreich gespielt hat; es wird sich überzeugen, daß der von den Klerikalen an die Wand gemalte Teufel nicht erscheint; die Hasenfüße werden sich schämen, daß sie sich haben ins Bockshorn hagen lassen; die unnutz Geängstigten werden sich gegen die heulenden Unglucks.- propheten wenden und ain Wahltag wird ihr Aerger nicht die Regierung treffen. Diese aber hat endlich, nach langem und zu langem Schwanken, ihre Maßnahmen getrofsen. Sie hat jetzt erst den oben genannten Bund sich auKorn genommen und sich seiner Papiere zu bemächtigen bemüht, um die Fäden Der Uerilal-anarchistischen Zettelung in Die Hand zu beh)mmen und rechtzeitig vor den Wähler das Land über bie Mettpbe und Ziele ihrer Feinde auszuklaren. Aber sie ist zu spät gctommcit. Jetzt, wo bie Bewege natürlich längst beiseite geschafft, und statt Urkunden zu finden beschlagnahmt man zumeist nichtssagende Briefschaften und blamiert sich. . . , £ . . r
lieber die Haussuchungen wird heute tm einzelnen ÖUnCJta\t i s, 27. April. Bei der Haussuchung, die auf Ver- Milassung bet- Unierjuchungslommssnon des Gerichts m Betyune bd den Blättern „L a C r o i x" unb „Le Pelerrn" vorgenommen imirbc, würbe nichts weiter gcf.u nben alleine 9ioti0 über den Eingang von 21000 Fr. als Ertrag cmer Subskription Mr die Lpser der Katastrophe in Courru-res, ,oune eme Notiz über bie Absendiing bes Gelbes an den Bgckn von Arras. Der Ebesredak'eur ber „La Eroix" erhob gegen bie vorgenommene Durcliiuck'.ung der Redallionsräimie Protep.
Bei dem Bonapartislen Xavwr 0'euillant, einem, ehe- vmligen Offizier, der auch in der boulangMischeu Bewegung Kiner
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Zett eine Rolle spielte, wurden verschiedene Papiere beschlagnahmt, darunter ein Brief, in dem es heißt: ,^Jch glaube, baß ich eine großeSumme z u unserer Angelegenheit gefunben habe. ES gehtvortreffli ch" Feuttlant erklärte, es handle sich rr.t Beiträge für ein Denkmal. — Das Protokoll über bie in ber Antifreimaurer-Liga stattgehadte Durch- udjung würbe von ber-'n Grünber, dem unter Berlheau gemaßregelten Major Briand, einem Schwiegersohn Boulangers, unterzeichnet. Unter den daselbst beschlag.lahmten Papiercii besinbet sich ein Prospekt ber kürzlich von d.thoiischer Seite gegründeten Freien Arbeiterbörse, toeldje den Bestrebungen der revolutionären Arbctterbörse entgegciurcten soll. — Vollständig resiiltatlos blieb die DurdFuchung in dem Lokal des sog. Gelben A r b e i t e r s y n b i k a t s , welck^s vor einigen Jahren mit Unterstützung von verschieben^', konservativen unb gcmäßigt-rcpublikuiiisch.'n Großinbuiiriellen ins Le- betl gerufen mürbe, um den vom Roten Syndikat angrzettelten Ausstandsbewegungen cntgegenzuarbeiten. — Auch bei dein royalistischen General des Ruhestandes, Baron Taradel, sollte heute eine Hausdurdssucbung vorgenonimen loerben, boefr mußte sie unterbleiben, da Tarabel verreist ist, Unb ber Hauspsörtuer sich weigerte, Den Polizeikommissar in bie Wohnung einzulassen. — Bon Nationalisten wird versid>oct, baß sie bim Ergebnis ber Durchsuchungen mit ber größten Seelenruhe entgegen sehen. ES handle sich um eine von ber Regierung z u Wahlzwecken erfunbcne V e r s ch w ö r u n g s k o m o b i e, ähnlich dem unter dem früheren Ministerium entdeckten sogenannten Milttärkompwtt des Hauptmanns Tambur ini.
Tie Haussuck-ungen regen das Publikum lebhaft auf. Vesondere Bedeutung wirb ben in der Wohnung des ehemaligen Deputierten JacqueS Pion, biü Präsibenten ber großen unb überaus reichen tonservaliven Wehlvereinigrnig „Action liberale", unb in den Bureaus der Autisreimaurer Liga vorgenommen.cn Durchsuchungen beigeno.sseu. Im Vereins-Lokal ber Antifreimaurer- Liga, bereit Präsident Senator Admiral i) e Cuverville unb deren Generalsekretär Abbä Tourmentin ist, soll bie Polizei Aiiskunftszettel über republikanisch gesinnte Offiziere und selbst über g ewisse Geistliche gefunden Ijabcn. Tie Wohnungen Jaques Pious und des Grasen Tu ran dbcsBeauregard, eines Führers ber bonapartisrischeu Partei, würben in bereu Abwesenheit durckr- sucht. Ferner würben bei dem Sekretär des Grasen Beauregard, einem gewissen Peron, sowie bei Dr. Lafaur, Obmann des nationalistischen Vereins „Entente nationale", unb bei bem Gra- f cn be la Regle, welcher seine Kammerkanbidatur als sozia- listisch-royalistischcr iu St. Denis bei Paris ansgesiellt hat, Durchsuchungen vorgenommen. — Im Ministerium dcS Innern imirbc einem Aerichllcstatter erklärt, daß man h incÄveas .,h.eres Nachsehen" gehabt und jedenfalls ? hr b ' w. e r k e n s wc r t e Tatsachen scstgestellt habe. (?) VorUussg würben in 52 Wohnungen Haussuchungen vorgenommen, bei welchen 400 Poli- zeikommissarc mitwickten.
Dr. L a f a u r erklärte einem Interviewer, baS E r g c b u i ö ber Haussuchungen sei b u r cki a u s l ä ck c r l i ck). Er werbe ver- bächtigt, baß er bie revolutionäre Bewegung im .Kvhlenftrei?- gebiete verschärft unb eine Banbc von Ausständigen bestochen habe, um im Hinblick auf die Kvmmcrwahlen bie orb- uungslicbende Bevölkerung gegen bie radikale Regierung unb Deren Krmbibaten auf511hct.cn. Tie nationalistische „Patrie" greift bas Ministerium wegen ber Haussuchungen auf bas schärfste, an.
In amtlichen Kreisen wird bestätigt, baß bie Hausuntersuch- uttgen ziemlich bebeutenbe Ergebnisse gehabt hätten. Namentlich habe man Beweise dafür erlangt, baß rova- l i ü i j d) e ober bvnapartistische öerbänbe unter den Arbeitern Vertreter hatten, deren Ausgabe es war, die AusstandSbewegung zu schüren unb bie Erregung wach- zu halten. Zu biesem Zweae feien beträdjtlime Summen hin- gegeben worden.
Von den franz. Aus ständen liegen heute folgende Nachrichten voc:
Paris, 27. April. Minister Bar thou übermittelte heute ben Bergwerksg es eil schäften bnreb ben als llnterhänb- ler fungierenden Bergwerisbirctwr von Lens, Remaux, bie Antwort bes Synbitats ber Bergarbeiter be- treffenb bie Regelung ber Gehälter. Remaux setzte bei dieser Gelegenheit dem Minister auseinander, daß Die Gesellschaften zwar lebe für fid), aber nickst in Gesamtheit beit Delegierten ber Grubenarbeiter Erklärungen über bie gemachten Zugestänbnisse abgeben könnten. Der Präsett bes Departements Pas be (Salats wirb in biesem Sinne bet ben Berg- werksgescllschasten vermittelnde Sdwitte unternehmen.
ValeneienneS, 27. April. Der Direktor ber Grube oon Anzin, J^aneois, empfing heute nad>mittag eine Aborb- uung bes Bergarbeitershnbikats. Nach kurzer Beratung gaben bie Delegierten bie Erklärung ab, baß sie ben Grubenarbeitern bie Weisung erteilen würben, bie Arbeit morgen roieber aufzunehmen.
L ens, 27. April. In ber vergangenen Nacht erfolgte tm Garten eines nicht ausständigen Bergarbeiters eine Dynamit- Explosion, bie nur Malerialschabcn anridstete.
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Paris, 27. April. Seit einigen Tagen werben bie Kolonialwaren gesck)äste berartig mit Austrägen überhäuft, baß es ihnen nicht möglich ist, allen Ansprümen zu genügen. Diese Erscheinung ist barauf zurückzuführen, daß die Bevölkerung wegen ber Mai- ieicr unb ber Befürchtung eines Ausstaiides ber Angestellten ber Lebensmittel-Branche besttebt ist, ihren Bebarf an Lebcnsmilleln io schnell wie möglich zu decken.
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