auf und zwar 3-1. Für das Großherzogtum Baden verzeichnet die Statistik nur 3 Hundeschlachtungen int Landevk.-Bez. Mannheim Keine H u n de s cb l a ch t n n g e n kamen vor bei uns in Lessen, Mecklenburg, Sachsen-Weimar, Oldenburg, Braunschweig, Meiningen, Schwarzburg, Waldeck, Reus; j. L., Lippe, Lübeck, Bremen, Hamburg, Elmn-Lothringen. In Altenburg wurde an einem Hunde, m Kobu r g -Gotha an 14, m A n - halt an 47, in Re uß ä. L. an 2 Hunden die Fleischbeschau vorgenommen.
Aolonialpost.
Die gegen die Äolonialüeanuen Gp tz, Schneider und Wistuba schwebende gerichtliche Voruntersuchung wegen Verletzung der Aiutsverschwiegenheit ist nuniuchr abgeschlossen. Auf Grund der Untersuchungsergebnisse hat Ober- staatsanwalt Jsenbiel bei der Straskammer den Antrag gestellt, die Beschuldigten außerVerfolgung zu setzen. Das gegen den früheren Kolonialbeamten Pöblau gleichfalls schwebende Verfahren soll dagegen auf Aulrag des Oberstaatsanwaltes zur Eröffnung des Haupt verfahrens führen.
Aar Stadt und Land.
Gießen, den 20. Dezember 1906.
- AuS dem Militärwochenblatt: Befördert zu LtS. der Res.: die Vizewachtmeister bezw. Vizefeldwebcl: Falk en roth (Hagen) des Leib-Trag.-Rgts. (2. Gr. Hess) Nr. 24, Reyß (1 Essen), des Gr. Art. Korps, 1. Gr. Hess. Feldart. Rgts. Nr. 25, Mayer (Cöln-, des Leib-Drag. Rgts. (2. Gr. Hess.) Nr. 24, Rohlsen (Hamburg), des 2. Gr. Hess. Feldart. Rgts Nr. 61, Stamm (Gießen), des Inf. Negts. von Wittich (3. Kurhess.) Nr. 83, Steiner (II Darmstadt), Heinrich (Mainz), des 2. Nassau. Inf. Negts. Nr. 88, Weber (Gießen), des 6. Bad. Inf. Negts. Kaiser Friedrich III. Nr. 114, Kern, Keller (Gießen), des Inf. Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 116, Beine (Mainz), des 1. Ober-Elsäss. Inf. Regts. Nr. 167, Wegener (Gießen), des Garde-Drag. Regts. (1. Großherzogl. Hess.) Nr. 23, Bertram (Siegen), des 2. Großherzogl. Hess. Feldart. Regts. Nr. 61. Der Abschied bewilligt: Brandenburg (I Darmstadt), Hauptm. der Landw. Inf. 2. Aufgebots, mit der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform.
** Von der Universität. Als Ordinarius für klassische Philologie hat der a. o. Professor Dr. Otto Jm- misch aus Leipzig einen 9iuf hierher als Nachfolger von Pros. Dr. Wünsch erhalten. Prof. Jmmisch wurde, wie wir im „SL T." lesen, 1862 zu. Warthe in der Lausitz geboren. Er besuchte die Kreuzschule in Dresden und studierte in Leipzig klassische Philologie. Nachdem er 1885 zum Doktor promoviert und die Prüfung für das höhere Schulamt abgelegt hatte, wurde er als Oberlehrer am König Albert- Gymnasium in Leipzig angestellt, in welcher Stellung er noch gegenwärtig tätig ist. Daneben habilitierte er sich 1889 an der Universitär und erhielt 1896 eine außerordentliche Professur. Seine meist in philologischen Fachzeitschriften veröffentlichten Arbeiten betreffen vorwiegend die griechische Sprache, Literatur, Religion und Philosophie. Sein Spezialgebiet ist die Hvmersorfchung, demnächst Plato und Aristoteles. In ersterer Beziehung ist seine Schrift: „Die innere Entwicklung des griechischen Epos" (1904), in letzterer sind seine „Philologischen Studien zu Plato" (zwei Teile, 1896 und 1903) zu erwähnen.
** Innere M i s s i o n. Pfarrer Adolf B r ä ß in Darmstadt, seit fünf Jahren Vereinsgeistlicher des Hessischen Landesvereins sür Innere Mission, hat einen Rus als ständiger Hilfsprediger an der Lutherkirche in Hannover erhalten und wird seine neue Stelle noch vor Weihnachten antreten. Die Geschäftsführung des Landesvereins wird einstweilen Professor Weimar in Darmstadt übernehmen.
** Aus dem Bureau des SradttHeaters. Es sei auch an dieser Stelle darauf hingewiescn, daß die Kindervorstellung „Aschenbrödel" am nächsten Samstag bereits um 3 Uhr nachmittags beginnt.
*• Für die bei dem Explosionsunglück in Annen in Mitleidenschaft Gezogenen gingen bei uns bis fetzt ein: Christian Rühl 20 Mk., A. M. 20 Mk., H. W. 1 Mk., Gg. K. 1 Mk., V. M. 1 Mk., K. E. 2 Mk., I. S.- Meuern 3 Mk.; zusammen 48 Mk. Hoffentlich veranlassen die kommenden Weihnachtsfesttage noch recht viele unserer Leser, auch der Anncner Verunglückten durch unsere Vermittelung eine kleine Weihnachtsfreude zu bereiten.
** Gegen Ansteckung durch Berührung mit Trinkgläsern soll ein aus Aluminium gefertigter Apparat dienen, auf den der Mechaniker Hermann Bauer hier unter Nr. 293924 Musterschutz erhalten hat. Der Patentanspruch lautet: lieber den Rand von Trinkgefäßen sMpbarer Bügel als Mundschützer.
** Viehseuchen herrschen in Oberhessen noch in folgenden Orten : Schweinepest in Romrod, Schwaben- rod, Harbach, Eudorf, Vockenrod, Ostheim und Nieder- Eschbach; Schweinerotlauf in Hoch-Weisel, Nosbach, Wallenrod, Rimbach, Uetzhauseu, Eichelsdorf, Nieder- Seemen, Griedel, Blofeld, Ranstadt und Ober-Gleen; Ra usch.br and in Grebenhain, Arnshain, Ulrichstein, Eichelsdorf, Eschenrod, Ober-Seemen und Ober-Mockstadt.
1. Friedberg, 19. Dez. Der Kreistag beschäftigte sich heute mit der geplanten Errichtung einer Wand er- Haushaltungsschule für den Kreis Friedberg. Sie soll nach dem Vorbllde des Kreises Gießen ins Leben treten. Der Kreistag ist auch der Frage der Bestellung von Schulärzten für den Kreis nähergetreten. — Hier starb einer der ältesten Einwohner der Stadt, Wiesenbaumeister i. P. Valentin Greb. Er ist zu Rixfeld Kreis Lauterbach geboren und war lange Jahre hier und im Vogelsberg tätig.
n Ulfa, 19. Dez. Gestern nachmittag wurde der Schwemehandler Georg Hofmann 9. mit allen kirchlichen Ehren auf dem hiesigen Friedhos zur letzten Ruhe bestattet. Das Mitleid mit dem Bedauernswerten und seinen Hinterbliebenen ist allgemein. Auffallend ist das völlige Fehlen von größeren Barmitteln bei der Leiche, zumal Hofmann deren doch noch am Donnerstag abend in Nidda besessen hat. Gerade das Emkassieren so vieler Ausstände hatte doch bei allen, die ihn nicht näher kannten und ihn in letzter Zeil nicht genauer beobachtet hatten, den Gedanken an Auswanderung mit Bestimmtheit hervorgerufen. Und nun fehlt jegliches bares Geld in der Brieflasche des Toten, sowie auch ein neuer großer Geldbeutel, den Hofmann bet sich geführt hatte. Hatte der Verstorbene nach seinem Verschwinden von
Nidda noch größere Zahlungen geleistet, dann hatte man ihn doch außer am Freitag morgen in Borsdorf noch sonst irgendwo gesehen haben müssen. Hier müßte unbedingt Aufklärung geschafft werden. Da die Forderungen in den letzten Tagen sich ganz bedeutend gemehrt haben, so ist der Konkurs erklärt worden.
M a i n z, 19. Dez. In der heutigen Sitzung der S t \a d t- verord netenversammlung wurde der Eingemeindungsvertrag mit Mombach nach den Bor- chlägen bet Kommissionen einstimmig angenommen. Nach der Abstimmung hob der Oberbürgermeister hervor, daß, wenn die Eingemeindung am 1. April 1907 perfekt würde, die Stadt mit einer Bevvlkerungsziffer von 100 000 Seelen in die Reihe der Großstädte eintreten werde. — Der Rechenschaftsbericht der st ä d t i f dji e n Ver Wallung für das Rechnungsjahr 1906 ist soeben erschienen. Die städtische Betriebsrechnung ergibt eine Einnahme von 7 714893 Mk. und eine Ausgabe von 7614681 Mk., sodaß ein Ueberschuß von 100 202 Mk. verbleibt. Die Vermögensrechnung ergab eine Einnahme von 15 068983 Mk. und eine Ausgabe von 13 584689 Mk., mithin eine Mehreinnahme von 1484 294 Mk. (Frkf. Ztg.)
[] Marburg, 18. Dez. Die Stadtverordneten-Ver- sammlung genehmigte die Beteiligiing seitens der Stadt an der Gründung der Gesellschaft „Stadtsäle", die das so lang umstrittene Museumsgesellschafts-Gebäude, in dem sich noch das Stadttheatcr befindet, für 239 000 Mk. erwirbt. Zu Treivierlel des Stammkapitals von 100 000 Mk. werden die Stadt und zu einem Viertel die Interessenten heran- gezogen.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt ader uiiier Dient Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei
Verantwortung.)
Die Torhäuschen.
In Nr. 297 hat ein anonymer Einsender seinem Zorne über den Beschluß der Stadlverordnelen, der das O k k r o i b ä u s ch e n am 9leueniueger Tor vorläufig erhalten wissen will, Luit gemacht. Wenn ich hier nut em paar Worten auf Diese Ausführ- nngeil zurückkomme, so geschieht das nicht, um den Beschluß der Stadiverordnelen - Versammlung zu verteidigen, auch nicht, um den versteckt gegen mich gerichteten Satz von der „wohlfeilen Gelehr- fanden" zurückzmveisen, sondern nur, um durch Richtigstellung der Tatsachen einer Jrremhrimg der öffentlichen Meinung vorziideugen. Auf weitere Zeilungspolenuk aber werde ich mich nicht emlassen.
Zunächst stammen Die Torhäuschen nicht aus Der Zett Der „Riesenzigarrenkiste" am BranD, sonDern finD etwa 30 Jahre älter. Sie ivuröen balD nach Der Schleifung Der Festung erbaut und bezeichneten nicht etwa Die Grenzen des Weichbildes, sondern tat- sächlich Die vier Tore der Stadt. Daß die alten Festungstore etwas weiter zurück gelegen haben, darüber wird m t ch der Herr Ein- senDer nicht zu belehren brauchen. Tie Häuschen stehen zum Teil aus dem ehemaligen Feslungsgraben. Sodann ist zu berichtigen, Daß das alte Kollegienhans am Brand nach Ausweis der noch vorhandenen Abbildungen nicht „der schönste Holzbau weit und breit", sondern em Steinbau war nut Steingtebeln ähnlich deren der Zeughauskaserne. Deshalb erweist man durch Erhaltung Der Torhäuschen Pietät nicht der Zeit, Die diesen Bau vernichtete, sondern einer früheren, aus Der unsere von Unverständigen gleichfalls viel verlästerte Stadtkirche stammt.
Was nun das Oktroihäuschen am Neuenweger Tor angeht, so soll es nicht wegen Des Oktrois, sondern wegen Des Eichamts stehen bleiben, Da man für dessen Verlegung mehrere hundert Mark aufwenden müßte, die wegen einer bevorstehenden Aenderung im Eichwesen zum Fenster hmausgeworfen wären. Im Jahre 1910 aber wird das Ollroi auf Lebensmittel aufgehoben werden, sodaß aljo m drei Jahren erst zur Beratung stehen wird, was mit Den Tor- häuschen geschehen soll. Ich bm allerdings Der Meinung und erfreue mich darin Der Zustimmung einer großen Anzahl ästhetisch gebildeter Leute, daß Die Häuschen unter allen Limit ä n D e n zu erhalten feien. (Wir stehen auf dem gleichen Standpunkte. D. Red.)
Vor allem wird bestritten, daß sie so häßlich sind, wie sie hin- gestellt werden. Alan muß sie nur mit Verständnis ansehen. Sie iverden aber ganz anders wirken, wenn mau ihnen ihre alte Gestalt wiedergibt. Von Ecktürmchen ist nie gesprochen worden; ich kann mich auch nicht entfinnen, daß Der vom Einsender so oft erwähnte Dürerbündler, den ich übrigens nicht kenne, diese Forderung aiügestellt hat. (Wir haben Den im Januar d. IS. veröffentlichten Artikel aufs neue Durchgesehen und gleichfalls nichts davon in ihm gesunden. D. Red.) Aber die Häuschen hatten früher, wie auf älteren Bildern von Gießen zu sehen ist, eine deine offene Vorhalle in Der Art der Wachthäuser. Die Halle öffnete sich nach vornen (Der Straßenseite) mit Drei, nach den beiden Seiten nut je einem Bogen. QJlan braucht die später eingefügten Mauern zwischen den Pfeilern und an den Seiten nur herauszuschlagen, und die alten Fenster herzustellen, so hat man die ursprüngliche Ge> statt wieder. Freilich sind Die Häuschen auch dann noch nicht hervorragende „Kunstwerke", aber sie werden feinen „Schmuckplatz verschulden", werden auch das Theater nicht „verdecken", an Dem der Herr Einsender einen solchen Anteil nimmt, daß er aus Zorn und Angst, es könnte beeinträchtigt werden, in Form und Inhalt seines Angriffs so sehr über das Ziel hmausschießt. Zwar nichi Der Herr Einsender, wohl aber viele Andere werden es verstehen., daß man Bauien auch aus anderen, als künstlerischen Gründen stehen läßt. Jeder echte Gießener fühlt sich Durch Den Anblick der Torhäuschen angeheimelt; es würde ihm etwas fehlen, wenn er eines Tages sie nicht mehr fände. Sie sind mit feinen Erinnerungen festverwachsen und er wünscht auch, sie feinen Kindern als Erinnerungszeichen an eine entschwundene Zeit zu überliefern. An ihnen kann er Der jungen Generation klar machen, wie groß oder ivte klein ehemals Die VaterstaDt war, tarnt ihnen Durch Die Be- zeichmmg „Torhäuschen" eine Anschauung von der alten Festung und ihrer Anlage näher bringen, zumal nichts, aber auch nichts mehr in der ganzen Stadt so sinnfällig an jene Zeit erinnert, als gerade die Torhäuschen, trotzdem sie erst nach der Schleifung errichtet worden sind. Indessen haben auch Ortsfremde, die letzt zu unseren Mitbürgern zählen, Gefallen gefunden an ihrem Ultimen Reiz. Man denke sich nur die Häuschen am Settersweg fort Was würde sich dem Die Frankfurter Straße herabkommenden Beschauer zeigen? Erne Straße, wie sie überall zu finden ist, eröffnet durch zwei moderne Geschäftshäuser, die jeder heimatlichen Eigenart bar sind I Ich bin nicht für Erhaltung Des Alten um jeden Preis, bloß weil es alt oder „historisch" ist. Aber wir Gießener haben bei Der Armut unserer Stadt an historischem Charakter alle Ursache, vorsichtig z u sein i n der Beseitigung alter Bauten. Ter Wunsch, möglichst aus jeder Periode Tenkmäler zu erhalten, ist Doch so berechtigt, wie irgend em anderer. Und gerade im vorliegenden Falle vereinigen sich historische Gründe mit Gründen heimatlichen Empfindens, um f ü r die Erhaltung zu sprechen, ä st h e t i s ch e Gründe aber sprechen zum mindesten nicht dagegen. Alan warte doch einmal ab, ivte das Toi Häuschen am Theater sich zu dessen Bau verhalten wird, das ist doch das Geringste, das verlangt werden kann.
Wegen Verwendung der Häiischeii nach Aufhebung des Oktrois braucht inan sich heute noch nicht Den Kopf zu zerbrechen. Sie würden — m der oben angebeuteten Weise wieder hergestellt — sich vorzüglich für den Verkauf von Ob ft, Selterwasser und bergt., ober als Polizeiwache eignen. Dann kämen auch Die schrecklichen Bretterbuben weg.
Unb bie Moral von bet Geschieht?
Was bu nicht kennst, Das tadle nicht.
Gießen, den 19. Dezember 1906. Dr. Ebel.
Ein Gießener Bürger zwingt mich, ihm auf sein gestriges Eingesandt zu erwidern, denn er hat meine früheren Ausführungen
zum größten Teil total falsch verstanden unb schiebt mir jetzt „Ungeheuerlichkeiten" unter.
Ich soll vorgeschlagen haben, die Torhäuschen mit „Eck- türmchen" zu „verunzieren"? Wenn ich das getan hätte, müßte ich mich mein ganzes Leben lang schämen! Wo er diesen Vorschlag gelesen hat, ist mir unverständlich.
Ich habe vorgeschlagen, den Torhäuschen ihre alte Form wieder zu geben, indem man die Bogenhallen nach der Straße wieder ausbricht, bie jene „öde Zeit des Niederganges" zu- gemauert hat. Ich bin allerdings nicht über die innere Einteilung unb bie Baugeschichte der Häuschen so unterrichtet, um diese Form bestimmt die „alte" nennen zu können, doch läßt ie sich jedenfalls Herstellen. Ferner müßten selbstverständlich die Bauten einer gründlichen Renovierung unterzogen und äußerlich durch roarinjarbigen, rauhen Verputz, weißen Anstrich der Fenster unb Dachgesimse und eventuell hellgrüne Läden zu ihrer Umgebung passend gestimmt werden.
Und bann will der Herr Einsender noch von „steingewordenen Zuckerbüchsen" reden?
Und da er uns ein so schönes Bild der heutigen Ottroi- rontrolle bietet, will ich ihm nur mitteilen, daß meine ersten Zeilen veranlaßt waren durch das Gesuch der Lesehalle, sich in dem gegenüberliegenden Torhäuschen erweitern zu Dürfen, also „wohlgemerkt" nicht für Oktroiztvecke. — Sodann stehen am Neuenweg noch zwei kleinere Häuschen vor den Torbaulen. Könnte dem Wasseroerläuser und der im Freien sitzenden Obstfrau nicht ein schönerer Platz in dem einen Torhaus angewiesen und die Anstalt gegenüber aus dem Blechhäuschen viel unauffälliger und weniger buftend im anderen untergebradjt werden? Oder hält der Herr Einsender diese Bauten für schöner und besser passend aus den „Schmuckplatz"? Unb jene Bauten sind doch offenbar Bedürfnis!
Die traurige Nachricht, daß manche Städte ihre schönsten Bauwerke durct) „Freilegung" „verschönert" haben, ist glücklich durchgedrungen, es ist auch schon lange genug her; daß aber in neuerer Zeit diese schweren Schädigungen wieder gut gemacht werden sollen, daß z. B. die Stadt Ulm einen Wettbewerb veranstaltet hat zur Erlangung von Entwürfen für bie Umbauung bes früher freigelegten Münsters, daß man also den alten Grand,ap der milt-lalterlicyen B.mkünstler wieder zu verstehen gelernt hat, daß ein großer Bau durch Vormgerung von kleineren Bauten nur höher unb mächtiger erscheint, — — solche Kunde bringt nur langsam zu dem Ohre eines Gießener Bürgers.
Wegen anderer ungeklärter Ansichten des Einsenders, z. B. über den „beengten Zugang zu den schönsten Anlagen" und „ge- sährliches Verkehrshindernis" verweise ich ihn auf das Studium der neueren Wecke über „Städtebau", speziell hier über „Schmuck der Straßen und Plätze". Es würde mich sonst zu weit sühreii.
Zum minbeften meine ich müßte der „Gießener Schildbürger" zuerst die Eingesandte genauer lesen unb bann bei s i ch ,elbst bem „Mangel an Verständnis" abhelfen, ehe er in Sachen mttipricht, bie doch nur von Leuten behandelt werden willen, die von Kunst etwas verstehen.
Der vom Dürerbund.
Kird?lid?e Nachrichten,
irvattgenfche Gemezuoe.
Donnerstag, Den 20. Dezember, abenDS 8 Uhr, im Matthäus- saal, Kirchstr. 9: BibelstunDe. (Offenb. Johs. Kap. 10 u. 11.)
Pfarrer 1). Schlosser:
Israelitische Retigiousgemeinde.
Hoittsvten.l tu der Synagoge (i»uöanlage). Samstag, Den 22. Dezember 1906.
VorabenD 4.30 Uhr.
Morgens 9.00 Uhr.
Nachmittags 3.30 Uhr. Schrifterklärung.
Sabbatausgang 5.15 Uhr.
Israelitische Rcligionsgesellschaft.
^»OtUfiDunO.
Sabbatseier am 22. Dezember 1906:
Freitag abend 4.00 Uhr.
Samstag vormittag 8.30 Uhr.
Nachmittag 3.30 Uhr.
Sabbat-Ausgang 5.15 Uhr.
WochengoltesDiensl: morgens 7.00 Uhr, abends 8.00 Uhr.
Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft.
Märkte.
fc. Franks u r t a. M., 20. Tez. (Tetegr. Ong.-Berlcht Des „Gieß. Anz.".) Anitliche Notierungen der heutigen V i e li m arkl- preise. Zum Verkaufe fianben: 58 Ochsen, 0 aus Oesterreich 0 Bullen, 0 aus Oesterreich, 131 Kühe, Ferien, Stiere unD Rinder 0 aus Rumänien, 1306 Kälber, 241 Schafe unD Hämmel, 8 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schattänrmer. Bezahlt wurde für Das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Oualttät 85—90 Mk., 2. Oualttät 76—80 All., 3. Qualität 67—70 Atk.; Bullen 1. Qual. 75—77, 2. Quall 71—73; Kühe 1. Qualität 74—76 Mk., 2. Qual. 68—70 Alk., 3. Qual. 57—60 'Mk., 4. Qual. 00-00 'Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 95—98 Pfg., Lebendgewicht 56—58 Pfg., 2. Qiialität 82—88 Pfg., ItebenDgewicht 48-52 Pfg., Schlachigew. 65—70 Pfg.; Schafe: 1. Qiiat. 78—8u Pfg., 2. Qual, uö—00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh gut, UeberftanD unbeDeutenD, bei Kleinvieh gut, 'Markt geräumt.
Landwirtschaft.
p. ©t ein Dori u. iv, Hier findet zurzeit
ein von Kreisobitoaulehrer Kilp geleiteter, gutbefuchter Kursus statt über die Pflanzung, Schnitt und Pflege der Ob ft bäume, sowie über bie Bekämpfung der Obftbauinschäd- linge und Kraiikheiten, das UmvereDlln Der Bäume, die Behandlung der Wunden, Die Düngung und Bodenbearbeitung. Der Unterricht ist hauptsächlich praktischer Art.
Bonnet zu Greifswald in in gleicher Eigenschaft in die
Gerichtsjaal.
Frankfurt, 19. Dez. Der ReDatteur der „Volksstimme", Wilhelm Z anD er, wurde heute von Der Strafkammer wegen öffentlicher BeleiDigmig, Die in einem Artikel „TrlnkgelDerumvefen am etanDesamt" gehmDen wurde, zu 75 '1U f. GelDstrase verurteilt, und wegen eines Artikels „Zur 'Dfagiftratsfrüe m Oberursel", durch Den sich Der Dortige Bürgermeister Füller beleiDigt fühlte, zu Drei Monaten Gefängnis.
Gnesen, 19. Tez. Tas Kriegsgericht verurteilte einen polnischen Schneidergesellen, der gelegentlich einer Kontrollversammlung fortgesetzt im Gliede gesprochen, bei der Ansprache Des Bezirkskommandeurs über Die Fürsorge des Kaisers für Die Ostmark Durch Murren und unartikulierte Laute sein Mißfallen ausgeDrückt und vor Dem Kaiserhoch mehrmals auf Polnisch und Deutsch erklärt hatte, er werde nicht mitrufen, zu vierMonaten Gefängnis.
Vermischtem
• Siegen, 19. Dez. Bei Der im Bau befindlichen Bahnstrecke Freudenberg-Rotemühle ereignete sich eine Sprengst o f f e x p l o s i o n. Zwei Mann wurden getötet, zwei wurden schwer verletzt.
* Ein Jagdliebhaber anS Kassel, der ein guter Hühnerschütze ist, wurde von seinen Freunden immer gequält, er möchte doch einmal ein Hühneressen zubereiten. Als sich der also Geplagte nicht mehr zu helfen wußte, sagte er 511 und lud die Freunde eines schönen Tages ein. Die „Hühner" schmeckten ausgezeichnet, und als man nach „mehr" verlangte, erfuhr man, daß der Gastgeber Raben hatte braten lassen. Die guten Leutchen spülten ihren Aerger durch verschiedene Gläser „Rheingauer" die Kehle hinab und meinten, gut zubereitete Raben schmeckten ebenso gut wie Feldhühner^


