Ausgabe 
29.1.1906 Erstes Blatt
 
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Ein solcher Beschluß würde aber für die nord- und mitteldeutsche, insbesondere auch für die hiesige Zigarren­industrie von den allerschlimmsten Folgen sein. Denn es wurde ihr dann unmöglich gemacht, wie schon wiederholt auch von uns auSgeführt wurde, mit der süddeutschen Fabrikation noch fernerhin in den billigen Preislagen erfolgreich zu konkurrieren, da sie dann inländischen Tabak zur Herstellung der 5 Pfg.° Zicwrre mitverarbeiten müßte. Die Verarbeitung rein aus­ländischer Tabake würde aber die Zigarre so verteuern, das; sie von der Masse der Raucher nicht mehr gekauft werden könnte. Eine Zollerhöhung für Rohtabak bedroht also aus jeden Fall den Absatz der hiesigen Zigarrenindustrie und muß dazu führen, die Produktion in hiesiger Gegend einzuschranken l,nd die Fabrikation billiger Preislagen immer mehr nach Baden zil verlegen. Hoffentlich verschließen sich die Mitglieder der Kommission bei dec Beratung des angeblich geplanten

Die Tadaksteuelvorlage in der SteucrkommLjston des Reichstags.

Gießen, 29. Januar.

Morgen wird in der Steuerkommrssion des Reichstags voraussichtlich die Entscheidung über die Tabaksteuervorlage fallen. Wenn auch noch eine zweite Lesung in der Kom­mission stattsindet, so ist doch anzunehmen, daß die gründ- sätzliche Festlegung schon in der ersten Lesung erfolgt.

Soweit sich ein Urteil bilden läßt, .stehen bis jetzt die Aussichten für die Tabakindustrie nicht ungünstig. Der Antrag des Zentrums will die seitherigen Zoll- und Steuersätze im wesentlichen bestehen lasten und nur den Einfuhrzoll auf fein­geschnittenen Tabak von 180 Mk. auf 300 Mk. (in der Vor­lage Erhöhung auf 500 Mk.) erhöhen und den seitherigen Gewichtszoll auf Zigarren von 270 Mk. in einen Wertzoll von 40 Proz. des Wertes umwandeln (in der Vorlage Ge­wichtszoll von 600 Mk.) Die Steuer auf Jnlandstabake soll dagegen in der seitherigen Höhe von 45 Mk. verbleiben, für Grumpen (geringwertige Tabake) aber auf 40 Mk. ermäßigt werden, während die Vorlage die Jnlandssteuer auf 62 Mk. erhöhen und nur für Grumpen auf dem bisherigen Satze be­lasten wollte. Von nationalliberaler Seite wurde diesen Vorschlägen zugestimmt, jedoch die Erhöhung des seitherigen GemichtszolleS 'für Zigarren auf 300 Mk. und außerdem ein 2Oprozentiger Wertzoll als Zuschlag angeregt.

Sollten diese Anträge Annahme finden, dann würde die deutsche Tabakindustrie, abgesehen von den Folgen der Steuer­herabsetzung für Grumpen, nicht geschädigt, sondern nur der Import von Zigarren und fein geschnittenen Tabaken be­lastet werden.

ES scheint aber, daß der Einführung eines solchen Wert­zolles auf Fabrikate unter Verzicht auf höhere Einfuhrzölle für Rohtabak von anderer Seite Widerstand entgegengesetzt würde, denn es verlautet, daß Bestrebungen im Gange seien, die einen Kompromiß auf der Grundlage einer Erhöhung des Zolles auf Rohtabake auf co. 100 Mk. hcrbeizuführen

besprochen. c '

Budapest, 28. Jan. Tie Matter stellen in der Bn sprechung der Audienzen des Grafen Andrafsy beim Mon­archen fest, daß die Aussichten auf eine Verständigung zwischen Krone und Ration nahezu gänzlich geschwunden seien; das Lund gehe einer düsteren Zukunft entgegen.

Konstantinopel, 26. Fan. Sieben Exarchisten wuv den beim Holzfällen in der Nähe von Strumnitza von Un-t bekannten, wahrscheinlich Griechen, ermordet und zer. stückelt. Tie Einwohner dreier benachbarter Dörfer brach ten mit Hilfe von vier bulgarischen Priestern die Lenheq nach Strumnitza, wo sie dieselben vor der Kirche ausstelltev und den bulgarischen Metropoliten, zwangen, eine gemein­same Demonstration vor dem Regierungsgebäude zu bet* anstalten. Der Generalmspektor hat eine strenge Untersuch nng angeordnet.

Eine bulgarische Bande wurde bei der Rückkehr nach Bulgarien in der Nähe der Grenze bei Dschsmai-Bala im Sandschak Serres von einem Detachement überrascht, wobei mehrere Komitatschis getötet wurden; vieren gelang es, flüchten.

Athen, 28. Januar. Die italienische Militärbehörde in Kreta verurteilte wegen der Ermordung eines italienischen Soldaten das Dorf Eampann zu einer Entschädigung von 20000 Franks und verlangte die Zahlung des Betrages inner­halb vierzehn Tagen, widrigenfalls militärische Maßregeln ergriffen werden würden.

Rußland in Nöten.

Die Exchange Telegraph Eompauv will aus Petersburg er­fahren haben, daß in Zarskoj e-Selo eine Verschwör­ung gegen den Zaren entdeckt sei. Es fänden dort Massen­verhaftungen statt; das Schloß weide schärfer bewacht als je.

In Moskau ist der Plan eines Attentats entdeckt wvtt den, die Kreml-Zitadelle in die Luft zu sprengen. Dtt Polizei fand einen unterirdischen Gang unter dem Kreml, der in das Flüßchen Reglinka ausmündete, außerdem unter dem kaiserlichen Palais, in dem der Generalgvuverneur wohnt, einen bedeutenden Vorrat von Dynamit, iwei starke elektrische Batterie«, Leitungsdrähte und dergleichen mehr.

In Minsk c: n.'odi."?f ein gegen den Gouverneur gt* worfene Bombe nicht. V."i.-rrere Pcrion.'n, welche Rcvolvepi schüsse abgefeuert hatten, würben verhaftet.

erst mit solchem Unsinn l ______________________

Ausland.

London, 27. Jan.Daily Expreß meldet aus Rom, daß Prinzessin Ena von Battenberg nur schweren Herzens darein willigte, Katholikin jut werden. Sie äußerte den Wunsch, daß die in ihrer Ehe mit König Alfonso geborenen Tochter als Protestantinnen erzogen werden sollen. Alfonso hätte gern darein gewilligt, allein der Papst erhob Einspruch und lehnte es ab, die Ehe anzuerkennen, falls nicht alle Kinder als Katho­liken erzogen werden sollten. Daraufhin gab Prinzessin Ena nach.

Paris', 27. Jan. Aus Yokohama wird demJournal" gemeldet, daß von einem Verkauf der Philippinen an Japan nicht die Rede sein könne. Die Nachricht sei durch einige amerikanische Syndikate von Tabak- und Zucker- abriken in die Welt lanciert worden, welche die Kon­kurrenz der Philippinen fürchten. Dieses Manöver werde aber keinen Erfolg haben, da Amerika auf die Philippinen nicht verzichten könne.

Kriegsminister Etienne feierte heute nach­mittag bei der Einweihung des Denkmals zur Erinnerung an die Leistungen der Luftschisfer bei der Belagerung von Paris in einer Ansprache ihre heldenmütigen Taten und sagte zum Schluß;Nie zuvor hat si ch Frankreich deutlicher als jetzt als 'An Hänger des segens­reichen Friedens bekannt, aber ein würdiger, kraft­voller Frieden bedeutet für Frankreich kein Vergessen seinen großen Vorbilder oder ergreifenden Beispiele, die uns unser Land unermüdlich und unerschütterlich zu lieben lehren.

In Missiessy bei Toulon brach unter den Soldaten! des 8. Kolonialinfanterieregiments eine Meuterei aus. Eine Airzahl mit Arrest bestrafter Leute verbarrikadierte sich in den Zellen imb erwiderte die Ermahnungen des Obersten mit Beschimpfungen. Der Oberst mußte die Türen sprengen und die Meuterer gefesselt nach den Kasematten des benachbarten Forts bringen lassen.

Madrid, 28. Jan. Wie die Blätter melden, drang gestern eine 'Aizahl Offiziere der Garnison Alcoy (Provinz Alicante) wegen eines die Armee beleidigenden Arttkels in die Räume des Blattes.Hnmcmidad" ein, zerstörte den Rest der betteffenden Ausgaben und schleppte mit Gewalt den Direktor nach dem Gericht. Der Vorfall wird vielfach

mahl geladen waren.

Bei der Feier im Reichstage brachte Graf Valle- strem den Kaisertoast aus. Ter Kaiser habe eingesehen, daß zum Glücke vor allem gehöre, daß der Friede erhalten bliebe, natürlich ein Friede, der nicht vor Rechten des deut­schen Volkes versagen, nach allen Seiten nur dem Glück des deutschen Volkes, aber auch der Nachbarvölker begründen sollte. Ter Kaiser habe durch die Landung in Tanger mächtig dazu beigetragen, die marokkanische Frage in ein Kielwasser zu lenken, das uns günsttg war. Um aber den Frieden zu erhalten in der Welt, müsse man stark sein, so gerüstet, daß man jeden, der den Frieden leichtsinnig stören wolle, auf das Haupt schlage und ihn zwinge, Frieden zu halten. Das würden andere Mächte auch schon tun, ohne daß man sie geradezu aufs Haupt zu schlagen brauche, wenn sie nur wissen, daß sie, wenn es nötig ist, geschlagen werden mit der besten Armee der Welt und einer int Auf­schwung befindlichen Flotte. (Lebhaftes Bravo.) Ter Redner fuhr fort: Im deutschen Reiche seien zwei Prinzipien vereinigt, das Prinzip der Föderation, vertreten durch den Bundesrat und die Bundcsfürsten, das Prinzip der Einheit des Reiches, vertreten durch den Kaiser und den Reichstag. Tas Kaisertum und der Reichstag, beide am 18. Januar 1871 oeboren, seien Zwillingsgeschwister, die sich gegen- seittg zu Gefallen tun müßten, was sie können. Der Reichs­tag müsse daher unter Berücksichtigung der Kräfte des steuerzahlenden Volkes die Mittel bewilligen, die nötig seien, um mit achtunggebietender Macht den Frie­de n a u f r e ch t zu erhalten. Der Redner schloß: Wir haben einen herrlichen Kaiser, um den uns andere Nationen beneiden, wenn sie auch oft den Aerger zeigen, daß sie nicht einen solchen Monarchen besitzen. Wir wollen die Politik des Kaisers unterstützen. Wir wollen fern sein Zwil­ling, der nicht nur um ihm zu gefallen, sondern auch dem deutschen Volke zu gefallen, das tut, was nötig ist, um die Macht Deutschlands zu erhalten.

Feiern im Reiche.

(t) Lich, 28. Jan. Am Samstag abend feierte der Ariegerverein im Saale des Gastwirts Helland den Geburtstag Sr. M. des Kaisers durch eine Abcnd- unterhaltung. Nach einem Prolog, den Lehrer Hille sprach, hielt Lehrer Mt die Festrede, die mit einem Hurra aus den Kaiser schloß, worauf die Versammlung Heil Tir im Siegerkranz fang. Theaterstücke ernster und heiterer Art imb launische Couplets wechselten mit einander ab, Zwischendurch musizierte die Kapelle Waldlust, die auch später zum Tanze aufspielte.

polsiäfdtc Tagesschau. Abenteuerliche Pläne.

In Berliner gut unterrichteten varlamentarischenKreisen verlautet, daß die verbündeten Regierungen beabsichtigen, die ooraeschlaqene Form der .E i s e n b a b n-F a h r k arten­steuer fallen zu lassen und dahir die Erhebung von Kilo- in eter-ßufri) lägen zu beontrmen. Nach dem neuen Vor­schläge soll der Nachbar- und Vororts-Verkehr ebenfalls frei Nethen und zwar für die 1. Klasse auf 10, für die 2. attf 20 und für die 3. aus 40 Km. Darüber hinaus sollen aber die Fahrkarten für jedes Kilometer mit einem Pfennig Zuschlag belegt werden, womit gegenüber dem jetzigen Vorschlaoe ein erheblich höherer Betrag zu erzielen ist, etiva 30 bis 35 Millionen Mk. Die 4. Klasse soll ganz t e u e r f r e i bleiben.

Also eine ganz ungeheuerliche Verte nerun g d e 8 Reisens! 9)lan wird bis zum Beweise des Gegenteils annehmen müssen, daßdie gut unterrichteten pari. Kreise" sich einen schlechten Wttz geleistet haben, denn es müßte doch sehr kurios zugehen, wenn die Regierung ein solches Verlangen an den Reichstag stellte, und noch kttrioser, meint der Reichstag daraus eingehen wollte, trotz der Millionen, die diese Besteuerung abwerfen soll. Einmal scheint es ausaeschlossen, daß Bayern mittut, denn man weiß, daß der zweitgrößte Bundesllaat sich gegen die Einführung der vierten Wagenklasse verzweifelt wehrt. IInb zum anderen ist der Plan ge­radezu verrückt. Läßt man wirklich Fahrten bis zu 40 Kilometer steuerfrei, dann fährt einfach niemand weiter. Es läßt sich ganz gut machen, daß man eine größere Strecke insofern .teilweise befahrt, als man jeweils vor Ablauf des 40. Kilo­meters s i ch ein neues Billet besorgt oder durch den Schaffner besorgen läßt. Dann ist die Steuer umgangen wie würde sich dem vorbeugen lassen? Und dann; es läge doch eine kolossaleUngerechtigkeit darin, wenn man den Reifenden 3. Klasse auf weite Entfernungen die gleiche Steuer abuänme, wie den Reisenden 1. Klasse da ist entschieden der alte Vorschlag noch vorzuziehen, obwohl er auch nichts taugt, wie alle Verkehrs­besteuerungen. Hoffentlich belästigt man die Gesetzgebung gar nicht

eurer Schwadron beim Regiment Garde du 'Überträgen. Ter Retchsanz." veröffenllimt eine grosse

zeichnmigen. Es erhielten u. a. den Schwarzen Erorden ferner der Fürst zu Waldeck uiib Pyrmont, den Roten ^ihfcrorbcn 1 Klasse Fürst zu Salm Horstmar, den Schern wm Roten Adlerorden 2. K^sse mit Eichenlaub der Minister des^ Innern v. Bethmann-Hollweg und Justtzmrmster Beseler den Roten Adlerorden 2. Klasse put Stern unt Eichenlaub Minister Delbrück. Den erblichen Adel er­hielten 5 Rittergutsbesitzer aus der Provinz Posen. xxi Kronenorden 1. Klape wurde dem General v. Mackensen stnd General L ö w e n f e l d verliehen. 'Auch der General­konsul in Kairo, Dr. Rücker-Jenisch, erhielt die Frci- herrnwürde. Dem Geh. Kommerzienrat Koppel von der Bankfirma Koppel u. Co. ist ber, Will)elmsorden verlichen worden. Generalintendant v. Hülsen wurdenrkl. Geh. Rat Auf Vorschlag der Kaiserin erhielten: ö-ra u St a a t S- minister v. Budde zu Berlin, verwitwete Frau Elisa- detb Braun geb. Freiin von Stumm zu Saarbrücken Fräulein M a t h i l d e v. A levis s e n zu Köln, Frau General v. Braunschweig zu Danzig, Frau General v. Lin d e - au ist zu Hannover, Frau Oberprästdent v. Mvlchke zu Königsberg die zweite Klasse zweiter Weitung des Luisen- ordens. Ter Geh. Regierungsrat Professor Ende zu Berlin erhielt die Medaille für Verdienste im Bauwesen in Gold.

Um der A k a d e m i e d e r W i s s e n s ch a f t e n m Berlin ein weiteres Zeichen seiner Anerkennung zu geben, erteilte der Kaiser der Akademie die Ermächtigung, zur Ehrung besonderer Verdienste um die Förderung ihrer Aufgaben alljährlich an ihrem Leibniztage eüie Leibnrzme d ail 1 e

^Jn^MGerung des Erlasses vom 11. August 1879 wird dem Präsidenten des Kammergerichts der Rang der ersten Klasse höherer Provinzialbeamten und dem Oberstaatsanwalt beim Kammergcricht der Rang zweiter Klasse dieser Beamten sowie der Charakter als General­staatsanwalt verliehen. Ein königlicher Erlaß bestimmt, daß die Oberlehrer an Gymnasien, Realgymnasien, Oberrealschulen, Progymnafien, Realprogymnasien, Real­schulen und Landwirtschaftsschulen bis zur Hälfte der Gesamtzahl zu Professoren charakterisiert und, sofern sie eine zwölfjährige Schuldienstzeit zurückgelegt haben, zur Verleihung des persönlichen Ranges der Räte vierter Klasse bvrgeschlagen werden können. Dasselbe ist der Fall für Oberlehrer der staatlichen Baugewerk- (Maschinenbau- und sonstigen) Fachschulen. Lehrern kunstgewerblicher Fack)- schulen kann der Charakter als Professor auch ohne Voraus­setzung voller akademischer Bildung verliehen werden.

Zur Feier des Geburtstages des Kaisers fand gestern beim Reichskanzler ein Tiner zu hundert Gedecken statt. Ter Doyen des diplomatischen Korps, italienischer Botschafter Graf Lanza, brachte das Hoch auf den Kaiser aus. Fürst Bülow erwiderte mit einem Toaste auf die Souveräne und Oberhäupter der Staaten, deren Vertteter zu dem Fest-

a. Marburg, 27. Jan. Die Aaisergeburtstagsseier wurde von der Universität in der Aula begangen. Die Festrede hielt bet Direktor der Landesheilanstalt und psychia­trischen Klinik Professor Dr. Tuczek. Er sprach über die Stellung der Psychiatrie in der Wissenschaft und ihr Verhältnis zu den anderen Wissen­schaften. Die von der theologischen, juristischen und medi­zinischen Fakultät gestellten Aufgaben sind nicht bearbeitet worden, ebensowenig die philosophische Aufgabe. Tagegen haben die althistorische, die englische, die mineralogische und die von den Direktoren des philosophischen Seminars gestellte Aufgabe je einen Bearbeiter gefunden, denen sämt­lich der Preis zuerkannt wurde. Tie Festschrift bringt die Fortsetzung des Catalogus studiosornm Marpnrgensium für die Jahre 16821699.

München, 27. Jan. Bei der F-estlichkeit der Offiziere des Beurlaubtenstandes anläßlich Kaisers Geburtstags hielt Prinz Ludwig eine Rede, in der er an die Festtage in Nürnberg erinnerte und weiter ans führte: Ich kann fagen, es war ein schönes patriotisches, ohne jeden Miß- tlang verlaufenes Fest, und das ist aud) recht. Tie beut* scheu Fürsten müssen in guten u n b schlim men Zeiten fest zu einander stehen und wie die Fürsten, io müssen die E in z e l st a a ten , das ganze Volk zu­sammenstehen und mit verschwind enden Ausnahmen Muß. ich saßen, daß es so ist. Möge es fürderhin so bleiben."

Kompromißantrags nicht diesen Erwägungen. Die hiesige Handelskammer hat vor einigen Tagen in einer Eingabe an ben Reichstag c ' auf diese E.'sahr hingewiesen, und der Verein der Tabaliichustriellen wandte sich, wie wir hören, heute in einer Eingabe an die Steuerkommission ebenfalls gegen diesen Kompromißvorfchlag.

Feien» im Auslande.

Paris, 27. Jan. Tem im Hotpl Konllile'ntal lütter bcr.i Vorsih ?.:? dcnlscheu Botschafters Fürsten Radolin statt- fleriabten Bankett der deutschen Kolonie wohnten an 300 Festgäste teil, darunter außer ber Fürstin Ravolin Fürst zu Lynar, der bayerische Gesihäftsttuger Gras Moy und Gemahlin, der Gouverneur von Kiantschou Mmiral Truppe! usw. Fürst Radolin hielt die Festrede, in welcher er u. a. sagte: Die Wolken, welche den politischen Himmel bedeckt hatten, scheinen sich zu verziehen. Wir hegen die Zuversicht, daß die Konferenz von Mgeeiras eine befrie­digende Erledigung der Fragen bringen werde. Es liegt kein Grund zurBeso-rgnis vor, daß die Entwicklung renndlicher Beziehungen, die von beiden Nationen gewünscht wird, eine Störung erfahren werde. Eine dauernde Annäherung zwischen Deutschland und Frank­reich ist die sicherste Gewähr des Weltfriedens. Niemand wünscht denselben mehr als der Kaiser, welcher ein Hort des Friedens ist und bleibt. In den Wunsch, mit allen Nachbarstaaten in Frieden und Freundschaft zu leben, schliesst der Kaiser Frankreich gern ein. Er ist bereit, die Hand zur Verständigung zu bieten in der sicheren Erwartung, daß seine Bereitwillig­keit Entgegenkommen finden wird und daß diese Verstän­digung mit der Würde und den Lebensinteressen des beut* chen Volkes in Einklang zu bringen ist. Deutschland ber* angt nichts Unbilliges, es muß aber seine Stellung als Weltmacht behaupten; die Aufrechterhaltung derselben be­deutet keinerlei Drohung für irgend jemanden, ebenso­wenig die zeitgemäße Entwicklung unserer Ar­mee und Flotte. Der versöhnliche Geist, den auch die ranzösische Regierung in den Verhandlungen mit uns ge­zeigt, berechtigt zur Annahme, daß das Endergebnis all- citig befriedigen werde. Wir können sonach im Bewußtsein unseres Reck)tes gettost in die Zukunft blicken.

Petersburg, 28. Jan. Im deutschen Klub hatten ich gestern abend zahlreiche deutsche Reichsan gehörige zu einem Festmahl versammelt, an ihrer Spitze der deutsck)e Botsck^after v. Schön in der Uniform des hessischen Leib- garbedragonerregimentes, dessen Ches Kaiser Nikolaus IL ist, mit allen Herren der Botschaft, der deutsche General­konsul Biermann und der bayerische Gesandte Freiherr von Guttenberg. Bald nach Beginn des Mahles brachte der Botschafter einen Trinksprucy auf Kaiser Nikolaus IL aus. Tann erhob sich der bayerische Gesai.dte zu einer Ansprache. Er führte u. a. au5: Kaiser und Reich sind zwei untrennbare Begriffe geworden. Tas Reich steht den Neidern zum Trotz als Hort des Friedens großmäck)tig und geachtet da Einig umgeben die deutschen Fürsten den Kaiser. Bei dem gestrigen, von dem Zaren- paar zu Ehren des deutschen Kallers gegebenen Galafrühstück trank der Zar dem deutschen Botschafter v. Schön mit den Watten zu:Je bois ä la santö de lempeieur dAlle- magne, roi de Prasse, mon fröre et eher ami!

Algeciras, 27. Jan. Die meisten Delegierten, dar­unter ber französische Delegierte Nevoil, statteten beute anläßlich bes Geburtstages des Kaisers Wilhelm dem deut­schen Botschafter v. Nadowitz Besuche ab.

Wien, 27. Jan. TasNeue Wiener Tagebl." bezeichnet die vom deutschen Botschafter gestern abend bei dem zu Ehren des Geburtstages Kaiser Wilhelms von der hiesigen deutschen Kolonie gegebenen Festbankett gehaltene Rede, in welcher der Botschafter den unerschütterlich da­stehenden Dreibund als eine der sichersten stützen des Friedens bezeichnete, als eine Friedens­kundgebung, die weit über die Grenzen unseres Reiches Beachtung verdiene.