von Len Massen geschoben werden würde. Wenn wir einen solchen Parteivorstand Laben, dann verdient er, daß er bald geschoben wird. - Rosa Luxemburg kränkt Bebel noch durch weitere spitze Redensarten wegen der Revision seiner Stellung zum Massenstreik, die bei der Masse der Genossen Beifall finden.
Inzwischen war zum Thema
Maifeier folgende, von Fisch er-Berlin unterzeichnete Resoku- ltion eingelaufen: ,
Die Maifeier ist eine zur Unter ftüfcung vcr uiMensorbev- -vngen und des Klassenkampfes des Proletariats sowie zur Förderung des Weltfriedens von den internationalen Arbeiter- kcmgressen beschlossene Demonstration deren wirksame und würdige Gestaltung gemeinsame Aufgabe aller-politisch und gewerkichast- lich organisierten Arbeiter ist. Ms solche Kiassendemonstratwn wird sie vom Unternehmertum und den bürgerlichen Regierungen bekämpft, aber dieser Widerstand kann für die Arbeiterklasse kein Anlaß sein, von der Durchführung der Maucier ab- zuseben. In Ucbercinstimmung mit den internationalen Arbeiterkongressen von Paris 1889, Brüssel 1891, Zürich 1893, London 1896, Paris 1900 und Amsterdam T904 betrachtet die deutsche Sozialdemokratie die allgemeine Arbeitsruhe als die würdigste Form der Feier. Der Parteitag macht es daher den Arbeitern und Arbeiter-Organisationen zur Pflicht, neben den anderen Kundgebungen für die allgemeine Arbeitsruhe am 1. Mai einzntreten und überall da, wo die Möglichkeit der Arbeitsruhe vorb-rnden ist, die Arbeft ruhen zu lassen.^
Dr. Qu ar k-Frankfurt a. M. mgcyt einen Unterschied Zwischen einer hysterischen und einer schläfrigen Anschauung über den Massenstreik, die eine sei von der Partei, die andere von der Gewerkschaft vertreten. Eine Einigung sei jetzt im Gange ,es sei daher unrecht, wenn Rosa Luxeiw- burg dieses Werk durch Schimpfereien gefährde.
Ferner schreibt man uns aus M annheim, 26. Sept.: , „Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein" mag mancher heute gedacht haben, als er Bebels Referat über den politischen Massenstreik hörte und der Reden in Jena sich erinnerte. In der Tat, der Ton Bebels in Mannheim ist grundverschieden von dem auf dem vorigen Parteitag angeschlagenen. Bebel tritt jetzt sachlich den Rückzug vor den Gewerkschaften an, deren Führer und Sprecher, Legien, mit scharfen Strichen ein Bild der zum Massenstreik wahrlich nicht einladenden Wirklichkeit zeichnete. Nach dem Entgegenkommen, das Bebel in seinem Referat den Gewerkschaften erzeigte, kann von einem Konflikt zwischen diesen und der Partei in Sachen des Massenstreiks füglich nicht mehr die Rede sein. Für absehbare Zeit wandert dieses „letzte Mittel" der Klassenkämpfer in die politische Rüstkammer, zur Enttäuschung aller Revolutionsrvmantiker.
Russisches.
In Kopenhagen gehen Gerüchte, nach denen die Zaren- fam ilie im Oktober in D än em ar k eintreffen und auf Schloß Fredensborg Aufenthalt nehmen wird.
In den Sitzungen des Ministerrats am 22. und 25. d. M. .wurde der Entwurf betr. die Abänderungder Rechtsein- ichränkungen der Bauern und anderer dem ehemals steuerpflichtigen (Staube angehörender Personen gebilligt. Zu diesen Einschränkungen gehören auck die Unterschiede hinsichtlich der Dienstrechte und die obligatorische Ausscheidung aus der Bauerngemeinde bei Eintritt in den Zivildienst, sowi» bei Erwerb von Standesrechten, die Verhinderung freier Berufswahl und freien Zutritts zu den Mittel- und Hochschulen unter Teilnahme an Msiedelungs- und Vermögensrechten. Gleichzeitig mit der Aufhebung der genannten Einschränkungen wird vom 14. Januar 1907 ab die Aushebung der Kopfsteuer und der solidarischen Haftung 6et der Steuereintreibung geplant. Ferner wurde beschlossen, einige für die Bauern eingeführte Einschränkungen auf dem Bereiche des Vermögensrechts abzuändern und !zwar die Vorschriften über die Ordnung der Familienguts- iteilung, sowie die Bestimmung, die es keine Immobilien besitzenden Bauern verbietet, sich durch Wechsel zu verpflichten. Der Ministerrat sanktionierte ferner die Vorlage des Ministers des Innern hinsichtlich der Aussonderung von Baku mit Umgebung, der Halbinsel Wpscheron, der Inseln Nargen und der Heiligen- Jnset zu besonderen Stadthauptmannschafteti. Schließlich wurde die Vorlage des Justizministers betreffend die Maßregeln zum Zwecke der Vorbeugung der ftarf vermehrten Arrestanten-Fluchten genehmigt. Der Polizei wurde anheimgestellt, Verbrechern bei der Verhaftung und Ueberfübrung in die Arrestlokale Fesseln anzulegen, wie solche auch in Westeuropa in derartigen Fällen «ngewendet werden.
Aus Petersburg meldet W. B. vom 26. Sept.: Ms Heute der Kassierer der Newsky-Werke für Bauausführungen und sein Assistent mit 15 000 Rubel, die zur Entlohnung der Arbeiter bestimmt waren, über den Hof der Werke schritten, wurden sie in Gegenwart von Hunderten von Arbeitern von etwa 20 Individuen umringt und unter Bedrohung mit Revolvern der ganzen Summe beraubt. Die Arbeiter wurden durch Revolverschüsse ferngehalten. Die Räuber flohen dann und verloren unterwegs 1300 Rubel.
In der vergangenen Nacht überfiel eine Bande Bewaffneter ein Gutshaus int Dorfe Kanonowka und raubte den 10 000 Rubel enthaltenden Geldschranü
Nach einer Meldung Moskauer Blatter breitete sich der aus Wjatka gemeldete Bauernaufstand, der gelegentlich der Prüfung von Reservistenpapieren zum Ausbruch kam, int Kreise Matmysch weiter aus und ergriff bereits 70 Dörfer. Dorthin entsandte Juftizbeamte mußten unverrichteter Sache zurückkehren, weil die Bauern alle wichttgen Punkte besetzt haben. Von den Amtspersonen des Kreises fehlt jegliche Nachsicht; man fürchtet für ihr Leben.
In Odessa und Umgebung wurden neuerdings furchtbare Mordtaten verübt, denen eine jüdische Fam ilie von vier Personen und eine christliche von drei 33 er unten zum Opfer fielen.
In Mi tau wurde auf offener Straße der Realschul- Jnspektor Petrow meuchlerisch ermordet. Die Attentäter entkamen.
Der Petersburger Appellhof verurteilte die deutsche aus Lübeck stammende Untertanin Wera Stoltervoth zu 15jähriger Zwangsarbeit in Sibirien. Während einer Haussuchung bei der Stoltervoth hatte die Polizei einen Koffer gefunden, in dem Dynamit und Zündschnur aufbewahrt wurden. Ihre Zugehörigkeit zum revolutionären Verbände ist erwiesen.
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Sept. Tas Mailänder Blatt „Corriöre Della Serra" veröffentlicht Erinnerungen des ungarischen Generals Stephan Türr, der als Vertrauensmann Viktor Emanuels in den 60er und 70er Jahren eine bedeutende Rolle spielte. 1867 sah Türr Bismarck, der ihm sagte: .Wenn Oesterreich einen intelligenten Staatsmann hätte, würbe es Trient und Südtirol an Italien abtreten, und das wirb dereinst Deutschland besorgen." „Und Triest?" fragte Türr. „Triest", erwiderte Bismarck, „,ift eine andere Sache. Triest wird der Hafen Deutschlandes am Adriatischen Meer sein." (Diese Erinnertmgen scheinen nur für ganz naive Senfe bestimmt zu sein, die alles Gedruckte für bare Münze nehmen.)
— Den beiden Töchtern des verstorbenen Geheimrats Alfred Krupp, Fräulein Bertha und Barbara Krupp ist die Genehmigung zur Anlegung des ihnen vom türk. Sultan verliehenen Schefakatordens 2. Klasse erteilt worben. Wie wir meldeten, weilte Frau Krupp vor einiger Aeit mit ihren Töchtern in Konstantinopel,
— Eine Versammlung Berliner Milchhändler befaßte sich mit der Frage der Erhöhung des Milchpreises. Der Vorsitzende des Verbandes deutscher Milchhändlervereine Lulay warnte eindringlich vor einer solchen Erhöhung, erklärte aber, daß ein Berliner Milchhändler nicht bestehen könne, wenn der Einkaufspreis der Milch keine Herabsetzung erführe. Der Berliner Milchversorgung müsse man deshalb neue Quellen erschließen. Es müsse ermöglicht werben, die holländ. Milch in einwandfreiem Zustande nach Berlin zu schaffen. Die Versammlung stimmte dem Redner bei und beschloß, die Handelskammer Berlin zu ersuchen, sie möge bei den maßgebenden Behörden vorstellig werden, daß die holländische Grenze für den Milchhandel geöffnet werde. Außerdem soll der Eisenbahnministergebeten werden, anzuordnen, daß künftig auch Personen- und Schnellzüge Milch nach Berlin mitnehmen.
— Wie der „Südd. Tabakztg." mitgeteilt wirb, hatten bie Inhaber bet Firmen Heinrich Bcllmer u. Co. in Verden, von Jaminet u. Mayer, Langhans u. Jürgensen und Deert Jacobs in Altona-Ottensen eine Zusammenkunft mit dem Reichstagsabg. Held in Bremen zum Zwecke einer Berat»,ng über die auf Cigarillos mit Feinschnitt-Einlage ausgedehnte Cigaretten st euer. Bei dieser Besprechung betonte Held auf das entschiedenste, daß eS der Mehrheit deS Reichstags nicht in den Sinn gekommen wäre, die Steuer auf Cigarillos mit Tabakdecke und Tabakumblatt auSzudehnen. Der Bundesrat habe durch Hinziehung derselben das in ihm gesetzte Vertrauen nicht gerechtfertigt. Da auf einem andern Wege zurzeit nichts zu erreichen ist, so muß man den Wiederzusammentritt des Reichstags abwarten, alsdann wirb der Abgeordnete die Sache schnellstens zur Sprache bringen.
Braunschweig, 26. Sept. Der Regentschaftsrat begab sich heute zur Hebermittelung der Landtags-Resolution zum Reichskanzler Fürsten Bülow nach Homburg v. b. H.
Köln, 26. Sept. Die Diözese Trier hat dem Bischof Komm anläßlich seines Jub iläumS außer zwei je 25 Pfd. schweren AlbumS mit den Bildern der 182 unter ihm erbauten Kirchen eine Ehrengabe von 60 000 Mk. für kirchliche Zwecke überreicht.
Augsburg, 26. Sept. Der heutige Hauptfesttag der 58. Versammlung des Gustav-Adolf-Vereins wurde durch einen Festgottesdienst in der überfüllten Barfüßerkirche eingeleitet, bei dem Generalsuperintendent Kaftan auS Kiel bie Predigt hielt. Demnächst eröffnete Geh. Kirchenrat D. Pank bie erste öffentliche Versammlung mit einer längeren Ansprache unter Bezugnahme auf die großen reformatorischen Erinnerungen Augsburgs. An Festgaben in Geld wurden 25 963 Mk. überreicht, von denen 15 000 Mk. von den Evangelischen AugSburgS und 10 963 Mk. von ganz Bayern aufgebracht worden find.
Dresden, 26. Sept. Die Generalbirektion der S t a a t S- bahnen bewilligte eine Million Mark jährlichen Mehraufwand zur Lohnaufbesserung für die gesamte Arbeiterschaft.
Ausland.
Bern, 26. Sept. Heute nachmittag fand die Schlußsitzung der Internationalen Arbeiter-Schutzkonferen-z statt. Der Vertrag in. Betreff der Verwendung von weißem Phosphor für die Zündholzfabrikation wurde angenommen von Deutschland, Frankreich, Dänemark, Italien, Luremburg, Niederlande und Schweiz. Die übrigen auf der Konferenz vertretenen Staaten lehnten ab. Der Vertrag betr. da? Verbot von Nachtarbeit von Frauen in der Industrie wurde einstimmig angenommen.
Konstantinopel, 26. Sept. Heber die Vorgänge bei der Abreise des Prinzen Georg von Kreta wird hierher gemeldet: Um die Abfahrt des Prinzen zu verhindern, versammelten sich gestern etwa 2000 Insurgenten auf den Höhen an der Subastraße. Die Konsuln der Garantiemächte verfügten daher, daß die Abreise des Prinzen statt von der Sndabay von Kanea erfolge. Die Insurgenten zogen hierauf nach Paleb, wo es zu Zusammenstößen mit den internationalen Truppen kam und wobei es mehrere Tote und Verwundete gab. Ein russischer Kawaß wurde erschossen. Vor dem österreichisch-ungarischen Konsulat wurden Demonstrationen veranstaltet.
N e w y o r f, 26. Sept. Wie ein Telegramm' aus Washington meldet, ordnete Roosevelt an, daß alle verfügbare Marineinfanterie sofort nach Eintreffen auf Kuba gelandet werden soll, wozu bereits Befehl an die Kreuzer „Prairie" aus Boston, „Brooklyn" aus Philadelphia und an das Schlachtschiff „Texas" aus Norfolk Ergangen sei, die ebenso wie ein in New^Orleans gecharterter Kauffahrer unterwegs sind, um Truppen dorthin zu bringen. Man nimmt an, daß in kurzer Zeit eine Streitmacht von 12 00-0 M ann, die teils bereits in Kuba sind, teils Marschordre erhalten haben, unter dem Befehl von Oberst Waller, bpr seinerzeit die Marineinfanterie auf dem Marsche nach Peking befehligte, auf Kuba versammelt sein werden.
Havanna, 26. Sept. Präsident Palma berief den Kon gr e ß zu einer außerordentlichen Tagung auf Donnerstag ein. Er will demselben sein und des Vizepräsidenten Rücktritt anheimstellen, nachdem er persönlich Tast und Bacon die unbedingte Verwerfung der Friedens- bedingungen von feiten der Regierung mitgeteilt hat.
^cer iinfc Flotte.
Kiel, 26. Sept. Heute übergab der Generaliuspekteur der Marine, Großadmiral von Köster, an Bord des Flaggschiffes „Kaiser Wilhelm II.", woselbst die Admirale des Kommandanten der Flotte versammelt waren, ba§ Kommando der aktiven Schlachtflotte an den Prinzen Heinrich von Preußen. Während die Flagge des Großadmirals auf dem bisherigen Flaggschiff niedergeholt wurde, setzte das neue Flottenflaggschiff bie Flagge des nunmehrigen Flottenchefs. Die salutfähigen Schiffe im Hafen salutierten die Flaggen. „Kaiser Wilhelm II.* tritt in den Verband des ersten Geschwaders ein. Prinz Heinrich übergab gostern bereits die Geschäfte des Chefs der Marinestation der Ostsee an Vizeadmiral von Prittwitz und Gaffron. Großadmiral von Köster erließ folgenden Tagesbefehl:
Bei meinem Scheiden rufe ich der Flotte dankerfüllt ein herzliches Lebewohl zu. Die vielen Beweise allerhöchster Anerkennung, die mir während meiner Flottenllihrnng geworden sind, habe ich einzig und allein bet getreuen Mitarbeit der Verbandsführer und meines Stabes, sowie dein nie rastenden Bestreben der vorn Geiste strengster Pflichtersüllung getragenen Schisssbesatzungen nach weiterer Veroollkonunnmig zu danken. Ich scheide mit dem freudi
gen Bewußtsein aus der Flotte, der ich in meinen Gedanken stets angeboren werde, daß diese unter meinem Nachfolger eine immer schärfere unb ft ä r f c r e Waffe i n der Hand des Kaisers werden wird, unseres Kaisers, dem wir freudig bewegt gehobenen Herzens zujubeln in dem Rufe: S. M. der Kaiser Hurra! Hurra! Hurra!
Kolonialpoft.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Die „Deutsche VolkSwirtsch. Storr." glaubt mitteilen zu können, daß der Weiterbau der Eisenbahn Lüderitzbucht — Kubub bis Kcetmanshop von der Firma A. Koppel und Hermann Bachstein auf eigene Kosten ohne finanzielle Beanspruchung des Reiches iu Angriff genommen werden soll. Gegenüber dieser Angabe verweisen wir auf unsere Feststellungen in der Nummer vom 2. d. Mts. (wonach dem Obersten Deimling durch den Generalstab in Hebereinstimmung mit dem Reichskanzler telegraphisch eröffnet wurde, daß das Material für den Weiterbau der Bahn ohne Bewilligung der Mittel durch Bundesrat und Reichstag nicht zur Verfügung gestellt werden kann). Wir können ihnen hinzufügen, daß sich seitdem an der Sachlage nichts geändert hat. Insbesondere ist die Meldung unrichtig, daß die beiden genannten Firmen bereits bie Erlaubnis zur Fortführung bes Bahnbaues erwirkt hätten.
— Der „Köln. Ztg." wirb aus Berlin telegraphiert: Der Vertrag des Auswärtigen Amtes mit ber W ö r r- mann-Linie über die Transporte nach Westafrika läuft schon im nächsten Frühjahr a b. Amtlich wurden Hamburger und Bremer Firmen, die sich für eine neue Westafrikaverbindung interessieren, zur Einreichung von Angeboten aufgefordert. Zweifellos bleibt die Wörmann-Linie an den Transporten beteiligt._________________________________________
Aus Stadt und Land.
Sprechstunden ber Redaktion 11—1 Uhr vorn:., 1/2?—V28 Uhr abds. Gießen, 27. Sept. 1906.
• • Parlarn entarisch es auS Hessen. Abg. Wolf beantragt bei ber zweiten Kammer, die Großh. Regierung zu ersuchen, noch vor dem 1. April 1907 eine neue Abschätzung bc§ gemeinen Wertes der Weinbergs- grundstücke des Landes durch die OrtZgerichte vornehmen zu lassen unb die ermittelten Werte bei der Veranlagung der Vermögenssteuer vom 1. April 1907 ab gelten zu laffen. Ferner beantragt er, daß die Abschätzung des gemeinen Wertes ber WeinbergSgrundstücke regelmäßig alle 10 Jahre stattsinden soll.
• * Landwirtschaftskammer. Für den Wahlbezirk Bad Nauheim ber Provinz Oberhessen wurde an Stelle des KreiSamtmanns Muhl Kreisamtmann Spam er zu Friedberg zum Wahlkommiffär ernannt.
• • Ausbildung von HilsSpflegerinnen. Der Hessische Landesverein vom Roten Kreuz unb ber Alicesrauen- verein für Krankenpflege veranstalten, wie alljährlich, Mitte Oktober in Darrnstabt einen Lehrgang zur AuSbilbung von Hilfspflegerinnen für verwundete und erkrankte Soldaten im Kriege.
• * Geometerpatente I. Klasse wurden erteilt den Gcometergehülfen Friedrich Robert Plauz aus Alsfeld für den Kreis Alsfeld, Wilhelm Rabenau aus Alten-Buse unb Jakob Rinn aus Heuchelheim für den KreiS Gieße, Das Patent als Geometer II. Klasse erhielt Geometergehil Georg Wilhelm Lerch auS HergerSdors für den Kreis Alsfel
• • Pfarrpersonalien. Pfarrer Hch. Colombora zu Neckar-Steinach wurde zum katholischen Pfarrer zu Ruhlkirchen ernannt.
** Feuer wehr-Sanitätskolonne. Nächsten Sonntag w-irb die Gießener freiw. Feuerwehr in Gemeinschaft mit ber freiw. Sanitätskolonne an einem größeren Gebäude eine Losch- und Rettungsübnng abhulten. Wie wir erfahren, sollen die Aufgaben der Feuerwehr, sowie der Sanitätskolonne bei dieser ersten derartigen gemeinsamen Hebung sehr schwierig gestellt sein und es ist zu wünschen, daß beide ihre Aufgaben in vollendeter Weise lösen. Eine solche gemeinschaftliche Hebung der beiden Vereinigungen, die sich in den Dienst der Nächstenliebe gestellt haben, ist sehr zweckmäßig und anerkennenswert.
— Großen-Linden, 25. Sept. Da ber Turnverein seine Turnhalle der Gemeinbe zum Abhalten des Gottesdienstes während der Renovierung der alten tausendjährigen Kirche zur Verfügung gestellt hat, so kann in ber nächsten Zeit keine Festlichkeit in ber Halle stattfinden. Deshalb hält der Turnverein fein diesjähriges Abturnen am nächsten Sonntag in den früheren Räumen im Schaumschen Garten und Saal ab," wo vor 14 Jahren der Verein seine ersten Hebungen und Festlichkeiten veranstaltete. Der Verein hofft auf einen großen Besuch ber Einwohnerschaft.
x Wettsa afen, 24. Sept. Mit dem 1. Oktober wird hier eine Po st hilf siel le eingerichtet, deren Verwaltung dem Gastwirt Karl Kratz übertragen wurde. Mit dieser Einrichtung kommt bie Postbehörde einem dringend gefühlten Bedürfnis unserer Gemeinde entgegen.
X Bad-Nauheim, 23. Sept. Dieser Tage fand in ber höheren Bürgerschule die Entlastung von Fräulein Christel Wissig statt, die dem Schulverband seit 1. Mai 1905 als Schulverwalterin angehört hatte. Rektor Prof. Dr. Zimm er hielt an die scheidende Lehrerin eine sehr herzlich gehaltene Ansprache, in der er die Verdienste der Scheidenden, ihren unermüblimcn Fleiß und ihre vorbildliche Berufstreue hervorhob, Eigenschaften, die ihr die Achtung, den Dank und die Liebe von Vorgesetzten, Kollegen und Schülerinnen in gleich hohem Maße erwarben. — Anschließend an diese Feier fand die Amtseinführung des Lehramtsreferendars Dr. Bernhard Schindling statt.
O L a u b a d), 23. Sept. Am Freitag vormittag hielt in Gegenwart des Baurats Die hm aus Gießen und des diesigen Straßenmeisters Sommerkorn der Stadt- unb Schulvorstand eine Sitzung ab. Es handelte sich um die Erbauung einer städtischen Turnhalle zwischen dem neuen Gymnasialbau und dem neuen Amtsgerichtsgebäude. Baurat Die hm legte bie entworfenen Pläne unb Voranschläge vor, erstere fanden lebhaften Beifall der Versammlung; die Kostenvoranschläge belaufen sich auf 20 000 Mk. Ein definitiver Beschluß wurde nicht gefaßt, da der Stadtvorstand nicht in genügender Zahl vertreten war. — Den „Wettervoraussagen" entgegen, die fortdauernd „trocken" prophe- zeihen, regnet es feit gestern vormittag fast unaufhörlich in letzter Nacht wie mit Kübeln. Die Zwetschenernte, die hier außerordentlich reichen Ertrag versprach, ist durch den,


