Nr. 227
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Anzeiger Kietzen.
Erstes Blatt L5S. Jahrgang Donnerstag 27. September 1908
GietzenerAmeiger
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Die heutige Kummer umjatzt 8 Leiten.
Sozialdemokratischer Parteitag.
IIL
(Unberechtigter Nachdrrcck verboten.)
S. u. H., Ma n nheim, 26. Seßt.
Heute steht das wichtige Thema des
Massenstreiks
zur Verhandlung, $u dem August Bebel Referent ist. Der Saal und die Tribünen sind überfüllt. Zu dem Thema liegt folgende Resolution Bebels vor:
„1. Der Parteitag bestätigt die Beschlüsse des Jenaer Part tags den politischen Massenstreik betreffend. Der Parteitag c r- psiehlt nochmals besonders nachdrücklich die Beschlüsse zur 9tc\g= achtung, die die Stärkung und Ausbreitung der Parteiorganisation, die Verbreitung der Porteipresse und den Beitritt der Parteigenossen ui den Gewerkschaften und der Gewcrkschasts- rnitglieder zur Parteiorganisation fordern. Sobald der Parteivorstand die Notwendigkeit eines politischen Massenstreiks für gegeben erachtet, hat derselbe sich mit der Generalkommission der Gewerkschaften in Verbindung zu fetzen und alle Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich sind, um die Aktion erfolgreich durcl^uführen.
2. Die Gewerkschaften sind unumgänglich notwendige Organisationen für die Hebung der Klassenlage der Arbeiter innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft. Dieselben stehen an Wichtigkeit hinter der sozialdemokratischen Partei nicht zurück, die den Kamps für die Hebung der Arbeiterklasse und ihre Gleichberechtigung mit den anderen Klassen der Gesellschaft ans politischem Gebiet zu führen hat, im weiteren aber über diese ihre nächste Aufgabe hinaus die Befreiung der Arbeiterklasse von jeder Unterdrückung und Ausbeutung des Lohnsystems und die Organisation einer auf der sozialen Gleichheit aller beruhenden Erzeugungs- und Austauschweise, also der sozialistischen Gesellschaft, erstrebt. Ein Ziel, das auch der klassenbcwußte Arbeiter der Gewerkschaft notwendig erstreben Mutz. Beide Organisationen sind also öfters in ihren Kämpfen aus gegenseitige Verständigung und Zusammenwirken angewiesen. Um bei Actionen, die die Interessen der Gewerkschaften und der Partei gleichmäßig berühren, ein einheitliches Vorgehen herbeizuführen, sollen die Zentralleitungen der beiden Organisationen sich zu verständigen suchen. Die Einladung zu einer solchen Beratung hat diejenige Zentralleiiung ergehen zu lassen, von der die Anregung zu der Beratung ausgeht."
Die zahlreich zu dem Thema gestellten Anträge werden als Amendement zur Resolution Bebel betrachtet.
Dann ergreift August Bebel das Wort: Es hatten vertrauliche Besprechungen zwischen Parteivorstand und Generalkommission stallgesunden. Durch die Indiskretion der sogenannten „Einigkeit", eines angeblichen Parteiblattes, wurde dieses Protokoll veröffentlicht und in tendenziöser Weise entstellt. Das war ein Treubruch schlimmster Art. Aber es galt wieder das Wort von der bösen Gewalt, die das Böse will und das Gute schasst. Die schlimmen Pläne fielen in jeder Hinsicht ins Wasser. Wären diese tendenziösen Entstellungen wahr gewesen, dann wäre unsere Handlungstveise und besonders die meinige nichts weniger als ein Parteiverrat gewesen. Ich kann mir kein größeres Verbrechen denken, als wenn eine Parteileitung, der man einen Beschluß des Parteitages zur Beachtung übergeben hat, hinter dem Rücken der Partei mit einer anderen Organisation Verhandlungen bezweckt, die dem Parteitagsbeschluß zuwiderlaufen. Und sogar derselbe Mann, der diese Resolution empfohlen hatte, soll dabei mitgewirkt haben. Daß man mir nach 46jahriger Tätigkeit für die Partei so etwas vorwirst, eine solche Felonie und Niedertracht, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Wir durften auf den Inhalt des Protokolls nicht öffentlich eingehcn, weil es als geheim galt. Wir suchten daher das Einverständnis der Gewerkschaften zur Veröffentlichung zu erlangen. Wir stellten das Ersuchen an die Gewerkschaften. Diese lehnten es ab. Um der Unzufriedenheit endlich ein Ende zu machen, um wert größeren Schaden zu vermeiden, aus höheren Interessen heraus, haben wir endlich aus eigener Macht das Protokoll veröffentlicht. Ein General, der in den Kampf zieht und sicher weiß, daß er unterliegen muß, ist sicherlich wahnsinnig und muß vor ein Kriegsgericht und erschossen werden. Dasselbe gilt auch für den Parteiporstand. Es war keine Stimmung, keine Vorbereitung für einen Streik. Man hätte i!)n als eüie Kopflosigkeit brandmarken müssen. Und die, die uns kritisiert haben, wären bei einem Fehlschlage als erste über uns hergefallen. (Lebhafte Zustimmung.) In Rußland hat der Massenstreik, den die Führer beschlossen haben, versagt, weil tue Massen die Situation nicht für geeignet hielten. Die Verhältnisse bei uns sind anders als in Rußland. Massenstreiks haben wir vor Rußland schon in Belgien, Holland, Dänemark, Italien usw. gehabt, aber sie hatten doch alle ganz andere Ziele als der in Rußland, wo man um die niedrigsten Existenzbedingungen kämpft. Die Frage des Massenstreiks in Deutschland ist eine ganz andere. Ich kenne den süddeutschen Charakter und weiß, daß sie nicht mittun würden. Ich Bin nicht der Ansicht, daß, wenn ein Mässen- ftreit stattfindet, Blutvergießen eintreten muß. Er braucht durchaus nicht der zu sein. Man braucht nicht aus Rußland zu exemplifizieren. Wir in Deutschland werden nicht die Revolution mit einem Massenstreik einleiten. Die Mainzer Genossen haben das bereits ausgesprochen. Wir haben niemals erklärt, daß wir eine Revolution machen werden. Aber in gewissen Momenten, wenn die Wogen der Unzufriedenheit hoch gehen, können
revolutionäre Explosionen eintreten. Wir sind in Deutschland nicht gefeit gegen eine Revolution. (Sehr richtig.) Ich sage nicht, daß sie eintreten muß, denn ich kann es nicht beweisen, da die Stimmung dazu vorläufig noch nicht da ist. Man kann auch nicht sagen, es :vird unter keinen Umständen dazu kommen. Aber so etwas philosophiert man nicht. Ich sage aber: Wenn ein Attentat aus das allgemeine Wahl
recht erfolgt, wenn man uns das Koalitionsrecht gänzlich nehmen wollte, das wäre ein Aroment, wo gar nicht die Frage an uns herantritt, ob wir wollen oder nicht. Dann müssen wir. (Lebhafter Beifall.) Rechte, die wir haben, die Freiheit lassen wir uns nicht nehmen. Da wären wir ja ganz erbärmliche Kerle. (Stürmischer Beifall.) Dann müssen wir ins Feuer gehen nnb juenn wir auch auf der Strecke liegen bleiben. (Stürmischer Beifall.) Liebknecht sagte, was geht uns der preußische Landtag an, lassen wir ihn verfaulen. Und ich hielt einst eine donnernde Philippika in Köln, als Bernstein für eine Landtagswahlbeteiligung eintrat. Ich gebe meine Jugendsünde gern zu. Nach solcher Tradition, mit solch einer historischen Kugel am Bein ist keine Begeisterung für einen Massenstreik zu diesem Zwecke vorhanden. Das wäre eine psycho- gische Ungeheuerlichkeit. (Lebhafte Zustimmung) Wir treiben keine Zukunftsmusik, und müssen daher sagen: Im gegenwärtigen Augenblick ist ein Massenstreik für das Landtagswahlrecht ganz aussichtslos. Man hat ein großes Hallo erhoben, weil wir an das Herrenhaus eine Petition wegen des Wahlrechts richteten und sie ünterzeichneten „hochachtungsvoll und ergebenst". (Große Heiterkeit.) Das ist doch nur eine übliche Floskel, eine konventionelle Lüge. — Bebel schließt sich dann der allgemeinen Hetze gegen Stampfer an und erteilt Maur en brech er eine gründliche Absage. Maurenbrecher glaubt sich mit Wisjen bis zur Kehle gefüllt und zeigt eine historische Auffassung wie ein Quartaner. Man hak uns auch den Vor- umrf gemacht, wir seien der österreichische Landsturm, weil wir immer nachhinken. Arbeitet, agiäert, organisiert und klärt auf, damit wir im gegebenen Falle bereit sind und keine Dummheiten und Torheiten machen. (Lebhafte Zustimmung.) Wir stehen auf dem Boden, daß der Masten- streik gegebenenfalls eine Notwendigkeit ist, aber wir lassen uns nicht in den Massenstreik hineintreiben, einerlei von welcher Seite. (Lebhafter Beifall.) Es ist unser letztes Werk, die ulfima ratio unserer Partei. Nun zu dem Verhalten der
Gewerkschaften
zu dem Thema. Die Veryanotuugen, die zwischen Partei und Gewerkschaft gepflogen sind, haben gezeigt, daß wir uns gegenüber Jena bedeutend näher gekommen sind. (Zustimmung.) Ich bin kein Dränger und Schieber- gewesen, ja, ich bin sogar einigen Genossen viel zu konservativ gewesen. Einige Genossin aus Mühlhausen haben die Befürchtung ausgesprochen, daß Rußland mit Hilfe deutschen Blutes die Revolution Niederschlagen werde. Das ist ganz undenkbar, daß Deutschland sich in die inneren Verhältnisse Rußlands mischt. Gewiß, das Herz des deutschen Kaisers, der Reaktionäre, der Bourgoisie schlagen für den Zaren. Ein Einmischen Deutschlands in die russischen Verhältnisse hätte aber den
europäischen Krieg
zur Folge. Man wird sich verflucht hüten, eine derartige Gefahr heraufzubeschwören. Der Anarchist Nieuwenhuis ist für einen allgemeinen Streik bei Ausbruch eines Krieges, um den Frieden zu erzwingen, eingetreten. Das ist ein ganz kindlicher Gedanke. Ich habe läuten hören, daß man glaubt, wir könnten wirklich so töricht sein, daß man schon heute sich mit dem Gedanken vertraut macht, daß man bei Ausbruch eines Krieges dem Parteivorstande dasselbe Schicksal bereiten würde, wie 1870 dem Parteiausschuß. (Hört! Hört!) Ich würde es unbegreiflich finden, wenn man ge-gen uns Nachsicht üben würde. (Hört! Hört!) Unser Staatswesen ist so, mag das als Schmeichelei ausgefaßt werden, so hochstehend wie kein zweites. (Hört! Hört!) Sich das klar zu machen, ist Pflicht der Führer, damit keine Torheiten gemacht werden. Ich bitte Sie aus allen diesen Gründen, meine Resolution anzunehmen. (Schwacher Beifall.)
Der zweite Referent zu dieser Frage ist der Gewerkschaftsführer Legten, der folgende Resolution dem Parteitage vorlegt:
„Der Parteitag bestätigt den Jenaer, Parteitagsbeschluß zum politischen Massenstreik, der mit der Resolution des Kölner Gewerkschaftskongresses nicht im Widerspruch steht."
Der Redner macht dem Parteivorstaride wegen der Ver- ösfentlichung des Protokolls Vorwürfe. Die erste Indiskretion war eine Infamie. Diese Anarchosozialisten gehören nicht zu unserer Partei. (Lebhafte Zustimmung.) Sie stehen zu uns so, wie die Konservativen zum Zentrum. Sie haben sogar das Wort sozialdemokratisch in ihrem Programm ausgemerzt, um den anarchistischen Elementen Eingang zu verschaffen. Bebel hat gesagt, das Protokoll, das Silberschmidt über die Sitzung der Generalkommission und des Parteivorstandes verfaßt hat, sei unrichtig, seine Thesen seien entstellt. Wir haben aber die Niederschrift Silberschmidts kontrolliert und sie für richtig befunden. Bebel hat ihr selbst zugestimmt. (Bebel ruft: Das ist nicht wahr!) Es ist doch wahr. (Bebel: Da hört doch alles auf!) Da hört gar nichts aus. Wir rverden ja durch die Worte Bebels entweder als Schafsköpfe oder Gauner hin- gestellt. Schasslöpse wären wir, wenn wir nicht hätten entscheiden können, ob das Silberschmidtsche Protokoll richtig oder falsch war. Und Gauner wären wir, ivenn wir bewußt das falsche Protokoll angenommen hätten. — In der Generalkommission herrscht sehr wenig Neigung für weitereVerhmndlungen mitdem Vorstände, dkun zum politischen M a s s e n str e i k. Was ist denn für ein Unterschied zwischen dem G e n e r a l st r e i k, den man auch GeneraluNsinn nennt, und dem polit. Massenstreik? Wir können nur ausdem Boden der Gesetzlichkeit gedeihen und rote Backen belommen. Mit Gewaltakten kann man die soziale Frage nicht lösen. In Oesterreich stehen die Arbeiter nicht so im Gegensatz zur Regierung, wie bei uns. Mit Rußland "|Oil man uns schon gar nicht kommen. Das waren dort nur
ganz gewöhnliche Lohnkämpfe und später waren es revoi lutionäre Ausbrüche. Wie kann man denn da Vergleiche ziehen. Bebel hat ungeschickt gehandelt, als er meljH reren Gegnern das Kampfesmittel für die letzte Stunde verniet. Darüber sollte nicht diskutiert werden, besonders da nicht Einmütigkeit darüber in der Partei herrscht.
Inzwischen war folgende, von Karl Kants ky und 32 Genossen unterzeichnete Resolution eingelaufen:
Die Unterzeichneten beantragen: 1. In der Resolution Bebel in Bezug auf die Gewerkschaften anstelle des Satzes: „Dieselben stehen an Wichtigkeit hinter der sozialdemokratischen Partei nicht zurück" zu sagen: Sie sind nicht minder notwendig wie die sozialdemokratische Partei. 2. An den Schlutz der Resolution folgenden Passus anzuschlietzen: Um aber jene Einheitlichkeit .des Denkens und Handelns von Partei und Gewerkschaft zu sichern, die ein unentbehrliches Erfordernis iür den siegreichen Fortgang des proletarischen KlassenlampseS bildet, ist es unbedingt not- wendig, das; die Gewerkschasten von dem Geiste der.Sozialdemokratie beherrscht werden. Es ist daher Pflicht eines jeden Parteigenossen, in diesem Sinne in den Gewerkschasten zu wirken und sich bei der gewerkschaftlichen Tätigkeit wie bei jeder anderen öffentlichen Betätigung an Die Beschlüsse der Parteitage gebunden zu fühlen. Dies ist geboten im Interesse der gewerkschaftlichen Bewegung selbst, denn die Sozialdemokratie ist die höchste und umsaftcndste Form des proletarischen Massenkampfes, und kein, proletarische Organisation, keine proletarische Bewegung kann ihre, Aufgabe vollständig gerecht werden, die nicht vom Geist der Sozialdemokratie erfüllt ist.
Legion fanü beinahe stärkeren Be ifall als Bebel. Während seiner Rede hatte sich auch der Berliner „Anarchosozialist" Dr. med. Friedeberg und Rosa Luxemburg im Saale oingesmidew
Zu Beginn der Nachmittagssitzung lag dem Parteitage folgende, von dem Gewerkschaftsführer v. Elm und 23 Ge^ nossen unterzeichnete
abgeänderte Resolution gegen die freien Gewerkschafter vor:
„Weil die unter gewerkschaftlicher Firma austretenden politischen Zwitterorganisationen, genannt „Freie Vereinigung deutscher Gewerkschasten", sich immer bewußter in den Dienst anarcho-- özialistischer Propaganda und Ziele gestellt haben, weil ferner Die Organisationen entgegen den Beschlüssen der Parteitage der ozialdemokratischen Partei Deutschlands, welche der Arbeiter^ schast die gewerkschaftliche Organisation in Zentralverbänden empfehlen, die gewerkschaftlichen Zenttalverbünde fortgesetzt in der gehässigsten Weise bekämpfen, weil ferner diese Organisationen xm offenen Gegensatz zu den Bemessen sozialdemokratischer Kongresse den anarchistischen Generalstreik propagieren und überdies durch eine besondere Aenderuug ihres Organisationsprogramms bie anarchistische Agitation direkt gefördert haben, und weil die Vorstände dieser „Freien Vereinigungen" interne Beratungen zwischen Parteivorstand und Generalkommission über das Verhalten bei politischen Massenstreiks — die schon aus Gründen der Parteistrategie geheim bleiben mutzten — in der „Einigkeit" veröffentlicht und dadurch die Partei zum Gegenstand allgemeiner Angriffe gemacht haben, wiederholt der Parteitag die Resolution des Lübecker Parteitages: Der Kampf der Arbeiterklasse auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete erfordert einheitliche Zusammenfassung aller Kräfte in den betreffenden Organisationen. Er hat zur Grundbedingung die Ausübung strenger Disziplin in der Aktion, die Respektierung der Beschlüsse der Mehrheit durch die Minderheit gemäß den Grundsätzen der Demokratie. Wer der Partei oder seiner Berufsorganisation in einem von ihnen geführten Kampf durch Taten entgegenwirkt oder Sonderbündelei zur Führung solcher Gegenagitation betreibt, verstößt wider das vorentwickelte Lebensprinzip der Arbeiterbewegung. Es sind daher die örtlichen Organisationen der Partei berechtigt, solche.Mitglieder solange aus ihrer Mitte auszuschließen, als sie in diesem Verhalten verharren und erklätt, daß diese anarcho-sozialistischen Vereinigungen keinerlei Gemeinschaft mit der modernen Arbeiterbewegung haben unb dast jede Mit«beit von Parteigenossen in diesen Vereinen, Versammlungen und Pretzorgaucn unvereinbar mit der Förderung der Pattei ist. Den anarcho- sozialistischen „Freien Vereinigungen" ist die Parteipresse zu verschließen und sind die Redakticnen verpflichtet, der anarcho- sozialistischen Propaganda und Organisation mit aller Entschieden-, heft entgegen zu treten."
Es wurde dann in die
Diskussion über den Masieufireik eingetreten.
Kautsky verteidigt feinen Antrag.
Reichstagsaog. Dr. David: Es, besteht kein Widerspruch zwischen der Stellung Bebels in Jena uni) der bekannten Konferenz mit den Gewerkschaftsführern. Man hat seine Stellungnahme als einen Rückzug angesehen. Dte So- zialdemokratte versteht unter Revolution die allmähliche Durchsetzung eines neuen Wirtschaftssystems, aber keineStraßenrevolution. Der springende Punkt ist nun, daß der Massenstreik nicht in ein Blutvergießen ausartet. Wir wollen keine Revo- LHtioii gewaltsam provozieren, uns nicht durch die Verhältnisse dazu drängen lassen. Kautsty hat 1903 erklärt, der entscheidende Tag ist nahe. Man trieb eine wilde
Revolutions-Romantik
gegen die wir uns wenden. Jetzt wills niemand gewesen sein. (Heiterkeit.- Im Hinblick auf die Moskauer Kämpfe schrieb Kautsky noch im „Vorwärts", wir müßten unsere Taktik revidieren. Das ist revolutionärer Revisionismus. (Heiterkeit.) Wenn Kautsky gesagt hat, die Gewerkschaften seien nur Mittel, die Sozialdemokratie Zweck. Das ist ganz hinfällig. (Sehr richtig.) Die Sozialdemokratie ist auch nur ein Mittel. Die Art Kautsky trägt dazu bei, die Partei zu beugen, sie auf die Lohnarbeit zu beschränken. Liebknecht sagte einst: „Auf die Lohnarbeit beschrankt, wäre die So- zieldemokratie unfähig, zu siegen." Natürlich müssen, schließt David, die Gewerkschaften von sozialistischem Geist beseelt sein. (Lebhafter Beifall.)
Hierauf betrat, mit demonstrativem Beifall begrüßt, R o s a L u x e m b u r g das Podium. Sie führte aus: Bebel hat heute zu viel nach rechts gesprochen. Bebel hat gesagt, daß der Varteivorüand in der Entscheidungsstunde!


