Moskauer Blaffer 5on fr sziert worden. Vermutlich steht diese Konfiskation mit der Kundgebung des engk. Premierministers (hgT. den Artikel „Die interparlamentarische Friedenskonferenz") im Zusammenhang. Diese Zeitungen werden die Rede Eanrpbell-Bannermans gebracht und vielleicht mit zustimmenden Aeuszerungen begleitet haben. Es wäre begreiflich, das; die russische Regierung nicht auf eine so eklatante Weise vor dem Land ins Unrecht gesetzt sein will, zumal durch eine autoritative Persönlichkeit des Auslandes.
In Odessa hat das Gemetzel bereits begonnen. Der Präfekt war nicht imstande, einzuschreiten und konnte nicht den Zerstörungen, welche die Kosaken anrichteten, Eim halt gebieten. Mehrere Gouverneure erklärten, sich solange zu weigern, die Juden zu beschützen, bis diese ihre Vaterlandsliebe dadurch gezeigt hätten, das; sic ihren Beitritt zum patriotischen Verband erklären. Die Plünderungen in den Vorstädten Odessas seitens der Kosaken wurden erst gegen abend eingestellt. Die Einwohner haben sich massenweise |üt der Stadt au gesammelt, w o alle Häuser unb Hotels überfüllt sind. Es herrscht furchtbare Panik. Die .Behörden verhalten sich passiv.
Die Moskauer Garnison wurde durch aus den Ucb- ungslagern hera'ngezogeiw Truppenteile bedeutend verstärkt. Sämtliche Moskauer Bahnhöfe werden von starken Malitärabtcilungen, von Gendarmerie und Polizei scharf bewacht. Gepanzerte Züge mit geheizten Lokomotiven stehen bereit. Haussuchungen und Massen-Arretierungen dauern fort.
Aus Tiflis, Baku und B a t u m trafen Meldungen über die Auflösung der Duma ein. Die Regierung verfügt in den südwestlichen Provinzen, wo man besonders den Ausbruch von Unruhen befürchtet, über 600000 Mann Truppen.
©ütcm Londoner Blatte zufolge hat der englische Schriftsteller Zangwitl von russischen Juden ein Telegramm erhalten, worin für den 28. Juli ein Pogro m angekündigt wird. Der 23. Juli ist der Jahrestag des Beitritts der Russen zum Ehristeutum. Die Organisation des Pogroms wird eifrigst betrieben. Die Juden flehen die Hilfe Europas an.
Finanzkreise
betrachten die Lage Rußlands sehr pessimistisch und sprechen offen von einem unvermeidlichen Znsannncnbrnch. Stolypin wird sich nicht besonders getroffen fühlen durch die Erklärung im Manifest der Duma, Anleihen ohne Zustimmung der LZolksvertretung brauche das russische Volk nicht anzn - erkennen und nicht zu bezahlen. Ans Bezahlen denken bie Finanzkünstler an der Newa für absehbare Zeit wohl überhaupt nicht. Soweit Verpflichtungen in dieser Hinsicht erwachsen, bleibt es den ausländischen Emissionsbanken überlasten, sich ihnen 511 unterziehen. Ob die „degradierten" russischen Volksvertreter ein neues Anleihegeschäft billigen oder nicht, darüber werden sich die leitenden Persönlichkeiten kaum graue Haare wachsen lassen. Man hat bisher im Ausland geborgt, ohne das Volk um seine Einwilligung zu fragen, und würde das Geschäft skrupellos und herzlich gern fortsetzen — wenn sich wieder Kreditgeber fänden. Wahrscheinlich finden sie sich aber nicht, auch wenn die russischen Unterhändler in den beweglichsten Worten versichern sollten, das „große Neformprogramm" sei ohne flüssige Mittel nicht durchzuführen. Die französische Hochfinanz hat erklärt, nur einem parlamentarischen liberalen Regime in Rußland neuen Kredit eröffnen zu können. Das Londoner Nustenkonsortium sitzt gründlich fest mit seinem Anteil an der letzten russischen Anleihe, kann also garnicht daran denken, sich in neue Finanzgeschäfte einzulassen. Auf den deutschen Geldmarkt ist selbstverständlich am wenigsten zu rechnen. Kurz, es bestände einzig die Möglichkeit, daß der russischen Negierung von einer Seite Vor- schuffe auf eine später, nach Ueberwindung der inneren Krisis, zu vereinbarende Anleihe gewährt werden, was aber auch ckaum wahrscheinlich ist. Solange also nicht mit einer neuen Duma geordnetes Verfastungsleben in Rußland Einzug hält, solange bleiben einerseits der russische Staat, andererseits die russischen Stadtverwaltungen, z. B. Moskau, und Eisenbahngesellschaften auf die eigene Finanzkraft angewiesen.
Kirche und Schule.
Dortmund, 25. Juli. Das Landes-Konsistorium hat die Wahl k>es Pfarrers Cesar aus Wiesental zum Pfarrer der Rcinoldi- Gemeinde in Dortmund die Bestätigung versagt. Die Nicht- bestätigung erfolgte wegen vorliegenden Mangels an Uebcrcinstimmung des Gewählten mit dem Bekenntnis der Kirche.
Ausland.
Amsterdam, 24. Juli. Königin Wilhelmine wurde heute in Schloß Hct Loo plötzlich von einem Unwohlsein betroffen. Der Arzt Dr. Roesznigh reiste sofort nach Het Loo, wohin sich auch die Königin Mutter im Automobil begeben hat. Man vermutet daß es sich wieder um eine Frühgeburt handelt. Der Gesundheitszustand der Königin ist nach neuester Meldung aber zufriedenstellend, sodaß ihre Wiederherstellung in der nächsten Zeit zu erwarten ist.
Paris, 24. Juli. Nach einer römischen Meldung hat der Vatikan bei der italienischen Regierung angefragt, ob man bei der Ueberführung der Gebeine des Papstes Leo XIIT. von St. Peter nach St. Johann vom Lateran darauf rechnen könne, daß auf den Straßen, die der Zug passiert, die Ruhe aufrecht erhalten wurde. Der Vatikan erhielt die Antwort, daß Leo XIIT. militärischen Ehren erwiesen werden und daß militärische Abordnung bei dem Zuge Spalier bilden würden.
Die Herbstübmrgen des 18. Armeekorps.
Die 21. Division übt, wie man uns schreibt, in der Provinz Rheinhessen, die 25. Division in der Provinz Starkenburg. 21. Division: Die 41. Infanterie-Brigade. Regiment 87 und 88 (Mainz) exerziert vom 16. bis 22. August im Regimentsverbande bei Wackernheim, vom 23. bis 28. August findet ebenda das Brigadeexerzieren statt. Die 42. Jnfanterie- Vrigade (Regt. 80) Wiesbaden, Homburg; 81 (Frankfurt a.M.) rmd 166 (Hanau) exerzieren bei Weißkirchen i. Taunus vom 16. August bis *3. September im Regiments- und Brigade- Verbande. Die 21. Feldartitlerie-Brigade (Regt. 27 und 63) <Wiesbaden, Mainz, Frankfurt a. M.) übt vom 25. August bis 4. September auf der „Senne". — Am 7. September beginnen bei Worms die Brigademanöver der 41. Infanterie- Brigade, während die der 42. bei Bingen ihren Anfang nehmen. Sie enden am 11. September. Am 12. Ruhetag. Vom 13.—19. finden zwischen Bingen—Worms Tivisionsmanöver statt.
Die'Unteroffizier-Schule Biebrich fit vom 7.—19. September, und drei Batterien des Fußartillerie-Regiments Nr. 3 (Mainz) sind vom 13.—19. September der 21. Division attachiert. Das Pionier-Bataillon Nr. 21 (Kastel) nimmt an dem Brigadeexerzieren der 41. Infanterie-Brigade teil und verteilt sich dann während der Brigade- und Divisionsmanöver, ebenso wie das Train-Bataillon Nr. 18 (Darmstadt) auf beide Divisionen. 2 5. Division: Von der 49. Infanterie-Brigade hat: Regiment Nr. 115 (Darmstadt) auf dem Griesheimer Exerzierplatz, die Regimenter Nr. 116 (Gießen) und 168 (Butzbach und Offenbach) bei Mainz Regimentsexerzieren, die Brigade übt auf dem Griesheimer Exerzierplatz. Die 50. Infanterie-Brigade, Regt. Nr. 117 (Mainz) und 118 (Worms), übt im Negilnentsverbande bei Langenbrombach i. O., ebenda exerzieren die Brigaden und zwar wie die 49. Infanterie- Brigade vom 25. August bis 7. September. Die 25. Feldartillerie-Brigade, Regt. Nr. 25 und 61, (Darmstadt, Babenhausen) übt bei Reinheim. Die Brigademanöver der 49. Brigade finden vonr 10—14. September bei Darmstadt und Dieburg, die der 50. Brigade bei Michelstadt-Fürth statt. Vom 15.—22. September sind die Divisionsmanöver in dem Gelände Fürth—Groß-Umstadt. — Bei den Regimentern 166 und 168 werden während der Herbstübungen dritte Bataillone formiert.
Aus Stadt uud Land.
Gießen, den 25. Juli 1906.
* * Personalien. S K. H. der Großherzog haben dem Zirklisdirektor Albert Schumann 51t Frankfurt a. M. das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, und dem Wagnermeislcr Johann' Friedrich ©ernert in Rhein-Dürkheim die Rettungsmedaille verliehen.
Reichstagsabg. Dr. Becker hat, wie der „D. T. A." aus Sprendlingen berichtet wird, seine ärztliche Praxis aufgegeben und ist nach seiner neuerbauten Villa in 93 0 rin S übergesiedelt. Dr. Becker war seit 14 Jahren in Sprendlingen tätig. Sein Nachfolger ist Dr. Walter.
" Abgefaßt. Einem Bewohner der Liebigstraße war in letzter Zeit mehrmals auf rätselhafte Weise Geld abhanden gekommep. Da er einen Hausdieb vermutete, fingierte er gestern morgen eine Reise, hatte aber einen Wächter in seiner Wohnung plaziert, sodaß dieser in gedeckter Stellung den Korridor übersehen konnte. Tie Familie war kaum weg, als auch schon der Korridor von außen erschlossen wurde und eine im Hause wohnende Frau eintrat, die sich dann an die Durchsuchung der Räume und des Vertikows machte. Als sie die Wohnung mit einem Bündel Spitzen verlassen wollte, trat ihr der Wächter im Korridor entgegen und nahm ihr die Bente wieder ab.
* * Für bi c Sitzung b er Stadtverordneten- versammluug am Freitag, 27. Juli 1906, nachm. 4 Uhr ist folgcnbe Tagesordnung vorgesehen: 1. Baugesuch bes Jakob Horn für bie Steinstraße. 2. Baugesuch von Weibig für ben Seltersweg. 3. Baugesucb von Denninghoff für bie Norbanlage. 4. Bangesuch von Leichtweis für bie Sonnenstraße. 5. Baugesuch von Rothenberger für ben Neuenweg. 6. Baugesuch von Benber für bie Ostanlage. 7. Entwässerung bes Grunbstücks von Dr. Zinßer an bei Goethestraße. 8. Erbauung einer Gewerbeschule. 9. Vergrößerung des Exerzierplatzes. 10. Ueberlassung ber früheren Faßhaffe ber Aktienbrauerei an ben Verein Hunde- sport. 11. Einführung der Wasserleitung in bas Tienst- zimmer bes Friebhofsaufsehers am Robtberg. 12. Entwässerung der städtischen Kaserne. 13. Entwässerung ber israelitischen Leichenhalle. 14. Vergebung von Arbeiten für bie höhere und erweiterte Mäbchenschule. 15. Lieferung von Fußbobenöt. 16. Beschaffung von Werkzeug für bie stäbtischen Arbeiter. 17. Gesuch der Laternenwärter um Urlaub und Steltvertretungskosten. 18. Herstellung eines Unterkunftsraumes für die Wiesenarbeiter. 19. Beschaffung eines Fahrrads für den Laternenaufseher. 20. Beschaffung eines Fahrrads für das technische Bureau des Gas- und Wasserwerks. 21. Erwerb von Straßenland für bie Jo- hannesstraße. 22. Kabellegung in ber Hensel- und Bismarckstraße. 23. Aufstellung einer Laterne am unteren Enbe ber Wolfstraße. 24. Versorgung ber Wirtschaft beim Philo- sophenwalb mit Licht und Wasser. 25. Voranschlag bes Realgymnasiums und ber Oberrealschule für 1907. 26. Vergütung für bie Reinigung von Schulräumen ber höheren und erweiterten Mäbchenschute. 27. Schankwnzessionsgesu-ch von a) Otto Sieck für Hammstraße 14; b) Johann Gerlicher für .Kirchstraße 11.
* * Gie ßener Ruber-Regatta. Seit Wochen herrscht aus dem idyllisch gelegenen Bootsptatze der Gießener Ruder-Geseltsehast allabendlich ein reges Leben. Die Gießener Mannschaft ist bedauerlicherweise erst in den letzten Tagen mit energischem Eifer herangegangen, für die bevorstehende Regatta zu trainieren. Es läßt sich gar nicht verkennen, daß bie Gießener Ruder-Gesellschaft über ganz tüchtige Kräfte zu verfügen hat, bie den Wettkampf mit anberen Vereinen glänzenb bestehen könnten, wenn eben bie Mannschaft beizeiten anfangen würde, ihre Kräfte zu stählen. — Die Vorbereitungen für die Regatta sind in vollem Gange, schon hat man begonnen, den Bootsplatz dazu herzurichten, Ruhrort und Heidelberg haben bereits ihre Rennboote, bie in Mainz gestartet' haben, hierher geschickt. Die Gießener Ruder-Gesellschaft läßt beim Kirch- Vierer ihre Junior-Mannschaft gegen bie Senior-Mannschaft von Limburg und Wetzlar starten und gedenkt dem letzteren Verein den Preis, den dieser bereits zweimal gewonnen, ernstlich zu bestreiten. Bei dem Akademischen Vierer werden sich hier Konkurrenten am Start einfinden. Es ist bedauerlich, daß sich unter den 1200 Studenten unserer Hochschulstadt keine vier Akademiker gefunden haben, die bei dem edlen Wettkampf am Sonntag sich mit ihren Kommilitonen zu messen wagen.
* • Der Kriegerveren Gießen hielt am Dienstag abend im Lokale deS Kameraden Sauer seine Monats- versammlung ab, die stark besucht war. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Herrn Gabriel wurde mit- geteilt, daß der Verein z. Zt. 415 Mitglieder stark fei und allein im 1. Halbjahr 78 Kameraden aufgenommen worden seien. Zum Besuch der Schlachtfelder von Metz und Umgegend haben sich 75 Kameraden angemeldet, die vom 9. bis 12. August d. Js. die Reise unternehmen wollen. Die Bahnfahrt wird aus der Vereinskasse bestritten und der Schnellzug ab Gießen morgens 5 Uhr 56 Min. benutzt. Wegen ber langen Strecke und der Kürze der Zeit wurde von Benutzung von Gesellschaftsfahrkarten abgesehen. Die Verkehrsvereine Metz und Saarbrücken haben es übernommen,
für genügende UnlerTunft zu sorgen und die Teilnehmer können bis längstens 29. l. Mts. bei Kamerad Dickorö (Schanzenstraße 8) gegen vorherige Entrichtung des Betrages ihr Quartier sichern. Die Kosten der Wagenfahrt sind ebenfalls bis zum 29. l. Mts. an Kamerad Dickorö einzuzahlen. Bei späterer Anmeldung kann keine Garantie für Wagenfahrt und Unterkunft übernommen werden.
X Klein-Linden, 24. Juli. Ein schwerer Unfall ereignete sich hier gestern abend an einem von Weißbindern aufgestellten Gerüste. Mehrere junge Leute wollten das Gerüst erklettern. Der 18jährige Arbeiter A. Weigel war zuerst oben. Plötzlich brach eine Stange, Weigel fiel aufs Dach eines Stalles und von dort auf das Pflaster der Straße. Tort blieb er blutüberströmt und bewußtlos liegen. Man brachte ihn sofort in die Klinik. Es wurde eine Gehirnerschütterung rind mehrere Nippenbrüche festgestellt. Der Bedauernswerte liegt lebensgefährlich darnieder.
(X) Friedberg, 23. Juli. Gelegentlich der Bienenzüchterversammlung tagte auch die Ob erh essi sche Bienenhon i g - V e r w e r t u n g s - G e n 0 s s e n s ch a f t. Der Vorsitzende Pfarrer Koch-Berstadt teilte ben Geschäftsbericht des ersten Geschäftsjahres mit. Die Genossenschaft begann im Oktober 1905 ihre Tätigkeit und .hat in der Verwertung der Erzeugnisse der Imkerei einen guten Anfang zu verzeichnen, wenn auch der Umsatz noch nicht beträchtlich war. Die Hauptversammlung der Genossenschaft soll im September in Hungen stattfinden.
(x) Mücke, 23. Juli. In Ilsbach entstand auf noch unaufgeklärte Weise Feuer in dem Anwesen des Landwirts Nagel. Die ganze Hofreite brannte nieder. Das Feuer griff so rasch nm sich, daß das Vieh nur mit knapper Not gerettet werden konnte. Dagegen verbrannten die Möbel, Hausgeräte und landw. Maschinen. Auch das Anwesen des Landwirts Velten wurde beschädigt. Die Wehren von Hessisch- Jlsdorf, Lardenbach und Flensungen eilten zu Hilfe.
4- Ober-Besingen, 23. Juli. Ein tödlicher Unfall ereignete sich hier bei einem Neubau. Der 64 Jahre alte Maurer Schiefer st ein stürzte vom zweiten Stockwerk in die Tiefe und brach das Genick, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat. Es wurde festgestellt, daß den Meister kein Verschulden trifft, es handelt sich lediglich um einen Unfall. Die Gerichtsbehörde von Gießen weilte hier.
? Grebenhain, 24. Juli. Zu der Notiz in Nr. 170 sei mitgeteilt, daß das vom Blitz erschlagene Pferd nicht dem Gasthofbesitzer Karl Strauch, sondern dem Metzger Karl Faitz II gehörte.
X ^BellerSheim, 25. Juli. Gestern ereignete sich hier ein schrecklicher Unglücksfall, ber den Tod eines sehr achtbaren und fleißigen, aber zeitlebens vom Geschick schwer geprüften Mannes zufolge hatte. Dehnhardt, der schon über 40 Jahre ununterbrochen bei dem Gutspächter Kammer als Knecht beschäftigt ist, fuhr gestern abend, auf einem Pferderechen sitzend, vom Felde nach Hause. Mitten im Dorfe scheute plötzlich sein Pferd und ging durch. Er fiel herunter, kam unter den Nechen und wurde, von den Zinken desselben festgehalten, eine große Strecke bis zum Hofeingang geschleift. Er wurde schrecklich zugerichtet und starb bald darauf.
sj Wetter, 24. Juli. In Münchhausen machte gestern die junge Fran eines Landwirts, die Mutter dreier Kinder, ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. Die Gründe sind unbekannt.
h. Homburg v. d. H., 24. Juli. S. K. H. der Groß Herzog von Hessen traf heute nachmittag 4 Uhr hier ein, besuchte das Lawn Tennis-Turnier, nahm das Diner in Ritters Parkhotel ein und fuhr gegen abend im Automobil nach Schloß Wolfsgarten zurück.
Vermischtes.
* Ein Eisenbahnunglück. Im Staate Washington stießen zwei Eisenbahnzüge zusammen, wobei neun Passagiere und einige Zugbeamte getötet worden sind
* Weinfälschung. „Wein wirb aus allen möglichen Dingen bereitet, zuweilen sogar aus Trauben" — an dieses bittere französische Scherzwort wirb man durch nach- stehenbe Anzeige erinnert, bie in einer Berliner Zeitung zu lesen war: „Eine mit zwei Millionen Kapital zu grünbenbe Gesellschaft mit beschränkter Haftung beabsichtigt bie Errichtung einer ausschließlich mit bem Wein- großhanbel unb Warenhäusern arbeitenben Weinkellerei. zur Herstellung billiger Weine in großer Stabt Norb- bentschlanbs. Ein praktischer Fachmann unb ein Chemiker, welche über 50000 Mk. Kapital verfügen unb in ber Bereitung analysenfester Weine durchaus erfahren sind, werden als Geschäftsführer gesucht. Offerten usw." .— Auch nach dem Sartoriusprozeß scheint also die Wein- pantscherei in ausgedehntem Maß weiter zu gedeihen. Es ist dies um so bedauerlicher, da bekanntlich geschmierte, insbesondere mit Schnaps versetzte Weine schädlicher sind als reine Naturweine.
* Der Mann mit dem guten Magen. Man schreibt aus London: Einen sonderbaren Weg, sich seinen Lebensunterhalt zu erwerben, hatte in London ein Mann namens Robert Naysmith gewählt und denselben mehrere Jahre lang ohne merkliche Uebelfolgen betrieben. Er veranstaltete Schaustellungen in den Straßen, wobei er Glasscherben zerkaute und verschlang und als Nachtisch Nadeln, Haarnadeln, Nägel und Steine verschluckte. Er war unter dem Spitznamen „der menschliche Strauß" bekannt ; viele Blätter brachten zu verschiedenen Zeiten sein Bildnis und eine Beschreibung seines merkwürdigen Appetits. Schließlich aber „üb er aß" er sich einmal, worauf er fein sonderbares Geschäft aufgab und als Straßenhausierer ein kümmerliches Dasein fristete. Sein Gesundheitszustand wurde immer schlimmer und man glaubte, er leide an Schwindsucht. Schließlich suchte er das Hospital auf, wo er vor einigen Tagen starb. Bei der Sezierung sand man in seiner Leber und den Nieren Nadeln und Haarnadeln und in den Gedärmen einige große Nägel mit Messingköpfen. Der Magen war furchtbar entzündet und war dies die unmittelbare Todesursache. Daß der Mann überhaupt so lange gelebt hat, ist ein wahres Wunder. •/ ' '


