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ICutiff rind Wissenschaft.
— Ein merkwürdiges Theater war das fürstliche in Sondershausen zur Zeit des 1794—1835 regierenden Fürsten Günther. Damals nxtr cs wohl das einzige Theater in Cmropa, in dem kein Eintrittsgeld zu zahlen war. Dennoch hatte es sehr gute Kräfte und zahlte auch hohe Gagen. Wer eine Vorstellung besuchen wollte, konnte sich am Vormittag im tbosmarschallamte gegen Quittung eine Freikarte holen und erhielt am Abend im Theater einen Platz je nach Rang und Stand angewiesen. Begreiflicherweise war das Theater allabendlich aus- verschcnkt. Dielt sich Fürst Günther in Sondershausen auf — und das war gewöhnlich der Fall — so fehlte er nie in seinem Theater. Im Tagebuch eines alten Mimen findet sich folgende Schilderung: „In pelzverbrämter Jacke, gelblichen Lederhose» unb, hochhcraufgez'ogenen Schlappstieseln, die Pelzmütze auf dem Kopfe, die lange Pfeife mit dem schweren, silberbcschlagenen Meerschaumkops im Munde, eine Hetzpeitsche an der Seite hängend, saß der Fürst in erster Reihe auf einem Lehnsessel, einen kleinen, runden, eichenen Tisch vor sich, auf welchem ein schwerer, altdeutscher tönerner Bierkrug, voll des edlen Gerstensaftes, stand, dem der alte Herr von Zeit zu Zeit zusprach." Erregte etwas seine ganz besondere Zufriedcnb.'it, so hielt er mit deren lautem Ausdruck nicht zurück und rief v B. mitten in einem Dialog nach der Bühne: „Hcckscher" (dieser ausgezeichnete Schauspieler wurde von ihm in jeder Beziehung bevorzugt, „du bist ein ganzer Kerl, das hast du gut gemacht!" Satten fürstliche Gäste im Theater an seiner Seite, und äußerten sie sich lobend über den einen oder den anderen Künstler, so gesck-ah cs nicht selten, daß der Fürst aufstand und z. B. dem Ferdinand in „Kabale und Liebe" zurief: „Heckscher, die denken hier, du seiest bloß ein auter Schauspieler; zeige ihnen, daß du auch singen kannst; singe einmal die — oder die — Note: Jürgens (so hieß der erste Geiger), gib sie ihm mal an! Dies geschah denn auch. Ferdinand unterbrach seine Szene mit Luise und sang. Zufrieden- gestellt ließ sich der Fürst mit den Worten wieder nieder: ,.Na, da habt ihrs. Nun spiele weiter!" Es kam auch vor. daß er einen Schauspieler, der ihm in einer neuen Rolle ganz besonders gefallen hatte, am nächsten Morgen zu sich bescheiden ließ und zu ihm sagte: „Zur Strafe für dein schlechtes Spiel schicke ich dick auf 24 Stunden zur Wache!" Kaum hatte sich nun der so Bestrafte beim wachthabenden Offizier gemeldet, so kamen auch schon ein paar Körbe voll Champagner an. denen einige gute Freunde folgten. Und wenn dann schon etliche Flaschen geleert waren, guckte oft das vergnügte Gesicht des Fürsten durch das Fenster des Wachtlokals. Ms einmal ein Frl. Mever in der Rolle der Luise gastierte, gefiel sie so außerordentlich, daß der Fürst sie mit 4000 Taler G«chatt anstetten wollte. Da aber die Künstlerin nur unter der Bedingung darauf eingehen wollte, daß ihr Vertrag mit dem Münchener Hoftbeater gelöst würde, so sagte er: „Das wäre ein Unrecht, und zu einem solchen will ich nicht die Hand bieten!" Und Frl. Meyer wurde nicht engagiert.
SchiffsnachrZehten.
Red Star Linie.
Der Postdampser „Zeeland" der Red Star Linie in Antwerpen, ist laut Telegramm am 9. Juli wohlbehalten in Newyork angekommen.
— RtichSbank. Ain 16. Juli wird in Ziclenzig eine von der Neichsbankstelle in Frankfurt (Oder) abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hoffen für Donnerstag, den 26. Juli 1906: Vielfach heiter, trocken. Temperatur wenig verändert. Schwache westliche Winde.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
Origittal-Dtkohtsneldungen.
le. Frankfurt a. M„ 25. Juli. Heute vormittag wurde dsr 25jährige Postbote Joses Quickert verhaftet, weil er seit acht Tagen Briefe, die an höhere Militärpersonen gerichtet waren, beseitigte, sie erbrach und vernichtete.
M'ünchcn-Gladb ach, 25. Juli. In einer hiesigen Grube wurde die Leiche eines 40jährigen Mannes gefunden, welche schwere Wunden und von Hammerschläg«."n herrührende Schädelverletzungen aufwies. Anscheinend handelt es sich um einen Raubmord'.
Düsseldorf, 25. Juli. Das Stadtoerordnetenkollegium genehmigte den Verkauf des Gy mn asialg ebäu des an die Firma Tietz zur Errichtung eines Warenhauses zum Preise von 1 900 000 Mk.
Lüneburg, 25. Juli. Ter Ziegeleiarbeiter Karl aus Oberndorf wurde in der Unterelbe unweit Stade als Leiche, furchtbar verletzt, aufgefundcn. Es liegt Raubm ord vor.
Hamburg, 25. Juli. Hier ereigneten sich gestern vier Hitzschläge. Einer davon ist tödlich verlaufen.
Stettin, 27. Juli. Hier starb der Chemiker Bathke nach dem Genüsse unreifer Kartoffeln an Salaniu- vergiftung.
Ploen, 25. Juli. Prinz Oskar von Preußen bestand die Abituricntenprüfung mit gutem Erfolge.
Würzburg, 25. Juli. Im Dorfe Geiselwind wurden der Landwirt Mahr und der Gürtler Götz ohne Veranlassung von dem Händler Bätz erschossen.
London, 25. Juli. Die britische Admiralität teilte allen die Ostsee befahrenden Schiffen mit, daß die russische Kriegsflotte Fahrzeuge auf verbotenen Wasfcn- import durchsucht und eventuell beschlagnahmt.
Haag, 24. Juli. Das Amtsblatt veröffentlicht folgendes Bulletin: Ein leichtes Unwohlsein der Königin hat die Hoffnung, die man während einiger Zeit gehegt, vernichtet. Der Gesundheitszustand der Königin gibt keinen Anlaß zur Besorgnis.
Paris, 25. Juli. Einer Petersburger Mitteilung zufolge wird Stolypin ein Zentralbureau errichten, um in umfassender Weise die Reichsdumawahlen zu leiten.
Todes-Anzeige.
Heute nachmittag 43/« Uhr entschlief saust nach längerem Leiden unser lieber, unvergeßlicher Sohn, Bruder und Neffe
Herr August Klenk
Kaufmann
int Alter von 19 Jahren, was wir allen Freunden und Bekannten tiefbetrübt mitteilen. 4545
Elisabethe Klenk, geb. Keller Sophie Klenk.
Gießen (Neustadt 8), Marburg, 24. Juli 1906.
Tie Beerdigung findet Freitag den 27. d. Mts., nach- mittags 5 Uhr, vom Portale des neuen Frtedhoss aus statt.
St?Etienn e', 25. Juli.' Zwischen auSffänb’tgtn Arbeitern und der Polizei kam es zu heftigem Zusammenstoß. Die Arbeiter versuchten, eine Brücke mit Dynamit zu sprengen. Ein Arbeiter wurde getötet, etwa 30 Gendarmen erlitten leichtere Verletztmgcn.
Chambery, 25. Julü Die Uebcrschwemmung des Cham o un i hat bedeutenden Schaden angerichtet. Die Verbindungen mit Italien sind vollständig unterbrochen. Auf wettem Gebiet wurde der Kulturboden vom Wasser weggeschwemmt. Auch ein Sägewerk wurde von den Fluten weggerissen. Viele Häuser drohen einzustürzen und mußten eiligst geräumt werden. Sieben Personen sind ertrunken.
Petersburg, 25. Juli. Der Journalist Chischm- jakmv, der unter den aus Finnland zurückgekehrtcn Abgeordneten viele Freunde hat, wurde verhaftet, weil er diese auf dem Bahnhofe grüßte.
Petersburg, 25. Juli. Agitatoren prophezeien, die neue Duma müsse noch radikaler ausfallen als die alte. Ein Ausstand ist vor zwei bis drei Monaten nicht zu erwarten. Seit Sonntag wurden über 200 Personen verhaftet. — Als allgemeine Direktive erklärt Stolypin folgendes: Wir wollen mit einer gesunden Reichsduma regieren, um Europa zu beweisen, daß wir ein sklavisches Rachäffen gewisser westeuropäischer Phrasen noch lange nicht als Givfel der Staatswcisheit anerkennen. Wir hoffen vielmehr, in der Hauptstadt, wie in den Provinzen national gesinnte Patrioten in genügender Zahl zu finden und diese staatserhaltenden Elemente für die Volksvertretung zu gewinnen.
Mit au, 25. Juli. Wieder ist ein Jahrhunderte altes, an Ktmstschätzen reiches Schloß von Revolutionären vernichtet worden. Gestern überfielen 15 Bewaffnete das Schloß Rernten in Kurland, deut Grafen Konrad Med em gehörig, zerstörten es und brannten es völlig nieder. Im Kampf wurde dec Gutsverwalter schwer, zwei Staatsbeamte leichter verwundet. Die Räuber zogen fort, bevor das Militär eintraf.'
Odessa, 25. Juli. Gestern versammelten sich Kosaken bewaffnet in der Kaserne, um den Tod ihres ermordeten Kameraden an den Juden zu rächen. Vergebens versuchte der Kommandant sie von dem Vorhaben abzubringen. Zur rechten Zeit erschien das Iswolski-Regiment und entwaffnete die Kosaken. Rur einige gelangten durch die Fenster auf die Straße, töteten einen Passanten und verwundeten drei. >
Newyork, 25. Juli. Ungefähr 20 Meilen von Spontane Washington verunglückte ein Expreßzug der Greath Northern-Babu. Als der Zug durch das Portal eines Tunnels herauSsuhr erfolgte eine Schienen-Schiebung und die Maschine stürzte, gefolgt von ztvei Wagen, eine 60 Fuß hohe Böschung hinunter in den Diamant-See. Die anderen Wagen blieben auf dem Geleise, gerieten jedoch durch GaS- entzündung in Brand. 9 Männer, die im Rauchwagen saßen, fanden im See ihr Grab. Durch die Explosion des Gasbehälters wurde nur ein Mann schwer verletzt.
Telefonische des Giessener Anzeigers, roiter« und Industi Frankfurter Wtt 3%°/o Reichsanleihe . . 99.45 3% do. . . 87.75 3j^°/o Konsols .... 99.40 3% do 87 70 3J4°/O Hessen 98.40 3%°/„ Oberhessen . . . —.— 4 9o Oesterr. Goldreute. . 100.40 4‘/r, Oesterr. Silberrente 100.35 4% Ungar. Goldrente . . 95.70 4% Italien. Rente . . . 103.30 3% Portugiesen Serie T . 70.00 3% Portugiesen „ III 70.60 4J40/0 russ.Staatsanl. 1905 84.50 4%°/n japan. Staatsanleihe 70.75 4 % Conv. Türken von 1903 94 20 Türkenlose 95 50 4% Griech. Monopol-Aul.. 53.00 4% äussere Argentinier . 90.70 3°/n Mexikaner .... —.— 4^% Chinesen .... 98.40
Aktien:
Bochum Guss 239.50 Buderus E. W .... 00.00
Tendenz: ziemlich fest.
Berliner Börse,
Canada E. B 159.25 Darmstädter Bank . . . 138.00 Deutsche Bank .... 234.10 Dortmunder-Union C. . . 83.50 Dresdner Bank .... 155.20 Tendenz: fest.
Kwrsfeerichfe
teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.
r«e. 25. .Inli, 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmeyer . « . 140.00 Elektriz. Schnckert . . . 125.50 Eschweiler Bertrwerk . . 248.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 219.00 Hamburg-Amerik. Paketf. 155 20 Harpener Bergwerk. . . 207.25 Lanrahütte 227.00 Nordd. Lloyd 125.25 Oberschles. Eisen-Industrie 123.00 Berliner Handelsges . . 166.25 Darmstädter Bank . . . 138.10 Deutsche Bank . . . 234.80
Deutsch-Asiat. Bank . . 175.50 Diskonto-Kommandit. . . 181.00 Dresdner Bank . . . 155.00 Kreditaktien 208.10 Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn . . . 116.00
Gotthard bahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 34.80 Oesterr. Staatsbahn . . . 142.90 Prince-Henri-Eisenbahu . 139.20
25. Juli. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 206.20 Lanrahütte 227.50 Lombarden E. B. ... 34.40 Nordd. Lloyd 124.10 Türkenlose . . . . —.—
SonüMin m Tale uni) Nebel aas bei. Sähen — M das erlebt man immer wieder, wenn man wandert. Wer aber ans der heißen Sonne in den kalten Nebel tritt, erkältet sich, und wer sich erkältet oder doch stirchten muß, daß er sich erkälten könnte, der wird stets gut daran tun, M Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen sowohl für den einzelnen Fall, als auch reaelinäßig — der Vorbeugung wegen — zu gebrauchen. Wer die Pastillen noch nicht E325S3 kennt, wird darüber staunen, wie pronzpt diese? ausgezeichnete M Quellenorodukt wirkt. Tie Schachtel kostet 85 Pfg. und ist in sämtlichen Apotheken, Trogen- und Mineralwasserhand- langen zu haben. hv*/e
Jr Köln a. Rh. Gegründet 1800. t Caffe“Surrogat und
Caffe-Essenz 9 sind unerreicht, daher die besten und feinsten
Caffezusätze.
I Achtung vor minderwerthigen Nach- I ahmungen, die vielfach im Handel!
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* K l e i n e Tag eschronick. Auf Grund der Anschuldigung des (Satten niorbeß ist gegen den Oberamtmann Graichen in Schwerin bei Königs-Wusterhausen eine Untersud)ung eingeleitet worden. Die Staatsanwaltschaft hat die Exhumierung der verstorbenen Gattin angcordnct. — In der Zündbänderfabrik von Ferdinand Witte in Barmen ereignete sich eine Pulvcrexplosion. Der 23 jährige Chemiker Hofmann wurde in Stücke zerrissen. Der Schaden ist bedeutend. — In W a n n e in Westfalen wurde der N a ch t s ch u tz m a n n Wenst- hoff ans einem Patrouillengauge durch Nevolverschüsse tätlich verletzt. Der Täter wurde verhaftet. — Die Mitteilung, daß der frühere Sartorius wegen Steuerhinterziehung mit einer Geldstrafe von 36 000Mk. belegt worden sei, ist, wie Sartorius der ^Fftr. Ztg." mittcilt, irrig. Es wurde übcrhauvt kein Verfahren wegen Steuerhinterziehung gegen ihn eingeleitet. — In Dresden wnrde der Geh. Kommerzienrat Hahn gegen eine Kaution von 75 000 Mk. auf drei Monate aus dem Gefängnis beurlaubt, nm im Jntcresie seiner Gläubiger den Zwangsverkauf seiner Grundstücke zu verhindern. Tie Kaution haben seine Gläubiger aufgebracht.
Aniveriitäts-Nachrrchten.
Berlin, 25. Juli. Heute morgen V02 Uhr verstarb int 72. Lebensjahre der Vizepräsident des evangelischen OberkirchenrateS nnd ordcntl. Professor der Theologie, Exzellenz Dr. Freih. von der Goltz, der Propst der hiesigen St. Petri-Kirche.
— Die Mediziner im Heer. Seit der Einführnng des praktischen Jahres für Mediziner wird von den einjährig-freiwilligen Aerzten darüber Klage geführt, daß sie das zweite halbe Jahr nicht als Medizinalpraktikanten dienen dürfen. In der Tat kommt die Tätigkeit des einjährig-freiwilligen Arztes der des Mediziualpraktikantcn fast in allen Punkten gleich. Wie die „Münch. Neucst. Nachr." mittcilcn, wandte sich nun die Münchener „Klinikcrschast," das ist eine Vereinigung der Mcdizinstudierenden in klinischen Semestern, mit einer Petition an den Reichskanzler und das bahr. Kultusministerium, es möchte gestattet sein, daß die halbjährig gedienten Mediziner ihr zweites Halbjahr als Militärarzt während des neu hinzugekommencn praktischen Jahres dienen könnten. Die Vorstellnngsbciuche, welche in dieser Angelegenheit von der Dorstandschaft im Ministerium, bei Geheimrat von Winkel, bei Generalstabsarzt Dr. v. Bcstclmcstcr und anderen gemacht wurden, ergaben sehr günstige Aussichten für die Petition. Tie medizinischen Fakultäten sämtlicher deutschen Universitäten werden eingeladen, sich der Münchener Klinikerschaft in dieser wichtigen Sache anznschließem
Gerichtssaal.
Dort in und, 24. Juli. Im Prozeß wegen des Grubenunglücks auf Zeche Borussia wurden heute die Bergleute vernommen, die sich unter Tage befanden, als sich das Unglück ereignete, sich aber rechtzeitig durch einen Luftschacht retten konnten, während der Förderschacht schon in Flammen stand. Ter Vorsitzende stellte wiederholt fest, daß unter der Be egschast der Borussia Disciplin wenig vorhanden war, daß die Bergleute vielmehr unternahmen, was sie wollten. Ferner wurde durch Zeugenaussagen übereinstimmend sestgestellt, daß Löschvorrick)- langen i a st keine vorhanden waren. Der Mann, der das Telephon bediente, hat sich ntt die an ihn ergangene Weisung, es brenne im Schacht, gar nicht gekehrt. Ein Aussetzer veranlaßte die Leute, als schott der Rattch hervordrang, noch zu bleiben, der Angeklagte hatte indeffen alle Vorkehrungen getroffen, um die Leute zu retten.
Handel und Oerkehr, Volkswirtschaft.
— Zur Lage des R u s s e n m a r k t e s. Es hat sich ergeben, daß der Besitz an russischen Werten in Deutschland in den letzten Jahren eine Verringerung erfuhr, er ist aber immer noch sehr bedeutend, sodaß das Interesse des deutschen Kapitals an den Geschicken Rußlands sehr groß ist. Mit einer gewiffen Genugtuung wird in Börscnkrcisen jetzt davon gesprochen, daß Deutschland sich nicht an der letzten 5% russischen Anleihe beteiligt hat, und daß es dadurch vor weiteren großen Verlusten verschont geblieben ist, während Oesterreich, das sich sonst so überängstlich von Ausländsanleihen fernhält, den Verlockungen des hohen Zinssatzes und des niedrigen Kurses gefolgt ist und nunmehr sein Debüt als Gläubiger Rußlands sehr hoch bezahlen muß, so heißt es in einem Berliner Stimmungs- bericht der „F. Z." Wir unsererseits möchten aber doch dazu bemerken, daß in den meisten Börsenblättern die Erregung darüber, daß Deutschland bei der Anleihe nicht Mitwirken konnte, außerordentlich lebhaft war. Ja, eS wurde geschrieben, daß die Regierung die Banken und das Kapital durch ihre Zurückhaltung schädige, während das Ausland den Nutzen aus der russischen ?lnleihe zöge! Schwere Vorwürfe sind auch dem Finanz» Minister sowie den Präsidenten der Reichsbank und der Seehandlung gemacht worden, weil sie in ihren Gutachten gegen eine Beteiligung deutschen Kapitals an der neuesten russischen Anleihe und gegen eine Erweiterung des deutschen Besitzes in russischen Werten sich aussprachen.
— Von d e r Berliner Börse. Das Manifest eines Teils der seitherigen Volksvertreter, das zur Verweigerung der Steuerzahlung auffordert, und erklärt, eine etwa in der parlamentslosen Zeit abgeschlossene Anleihe werde als nicht zu Recht bestehend angesehen werden, fand eine nicht gerade günstige Ausnahme seitens der Börse, namentlich was den ersten Teil betrifft. Die Haltung war int allgemeinen beruhigend, da keine neuen Ueberraschuugen aus Petersburg gemeldet wurden. Auch wird daS Gerücht, die Seehandlung verweigere die Russen-Lombardierung als falsch bezeichnet. Anregend wirkte die feste Haltung des Newyorkcr Platzes. Lombarden verkehrten in gebesserter Haltung, Prince Henri waren schwach, amerikanische Bahnen etwas befestigt, Baltimore 115.80 gegen 115.10. Bankaktien waren noch etwas fester, hingegen Russenbank recht schwach. Von Bergwerksaklien waren besonders Harpener beliebt und stiegen von 204.60 bis 206.50. Inländische Anleihen behaupteten sich und Schiffahrtsaktien waren erholt. UebrigenS muß noch erwähnt werden, daß die sttuffen von 1902 gegen Börsenschluß von 70 bis 69.40 zurückgingett. Privatdiskont 36/s7o-
Märkte.
fc. F r a u k s u r t a. M., 25. Juli. lOrig.-Telegr. des „GZieß. Anz/9 V i e tz nt a r k t. Zimt Verkattse standeit 00 Kälber, 00 Schafe und Hammel. 1113 Schweine; 1. Qual. 75—00 Pfg. Lebendgewicht 58.00—00.00 Pf., 2. Qual. 74—00 Pß, Lebendgewicht 57.50-00 Pfg., 3. Qual. 63—65 Psg. Kälber 1. Qual. 00-00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Pig., 2. Qual. 00—00 Psg., Lebendgewicht 00—00 Psg., Schlachtgewicht 00— 00 Pia. Schatt *1. Oiualitä: Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00—00 Pfg. Geschäft: mittelmäßig, tteberstand imbcbeutcuix
fc. Frankfurt a. M., 24. Jttli. Heu- u n b S tr o tz- m arkt. Man notierte: Heu, altes Mk. 0.00 bis Mk. 0.00. neues Mk. 3.00 bis 3.20. Stroh Mk. 3.20 bis Mk. 3.30. Alles ver 50 Kilo. Tendenz: fest. Trotz der starken Zicktttzr ging das Geschäft flott von statten: nach kurzer Zeit war alles verkauft.
Brreftasten dee Redaktron.
iAnonyme Anfragen bleiben nuberückfichtigt).
Nach Belleröheim. Der fretmdliche Einsender der heutigen Notiz wird um Mitteilung seiner genauen Adresse gebeten.
Enkel und Neffe
4537
Todes-Anzeige.
Heute früh verschied nach kurzem, aber schweren Leiden unser innigsigeliebes Söhnchen, unser lieber
Willi Lober
im Alter von beinahe 3 Jahren.
Jin Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Lvber, Bäckermeister.


