Ausgabe 
25.1.1906 Drittes Blatt
 
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fror sehr vernünftig von den Liberalen in Baden, daß sie sich gegen Sie verbündeten. Sie können das Buch auch nicht ableugnen (Murren im Zentrum), denn es hat die Genehmigung der kirchlichen Oberen gefunden, da können Sic nur noch grunzen. fStürmische Heiterkeit.) Sie haben nun Ihren Antrag wieder eingebracht und zwar ohne jede Begründung. Weshalb kommen Sie denn nicht mit der Sprache heraus. Ter Kommissionsbericht aus dem Vor­jahre ist so zerfahren, daß man sich nicht daraus informieren kann. Turch einige geradezu naive Paragraphen wollen Sie eine viel hnndertjähriae Kultur aus der Welt schaffen. Sie wollen eine freie Kirche in einem imfre.cn Staate. Aus der Rede des Abg. Dr. David bin ich nicht recht klug geworden, er will nur deshalb, weil, Toleranz auf dem Antrag steht, alle Bestimmungen annehmen, deren Tragweite doch auch er nicht übersehen kann. Was würde wohl der französische Kultusminister und Herr Jaurös zu einer iolchen Rede sagen I Der Antrag ist so oberflächlich, daß man wirNick an das Wort erinnert wird:So macht man Würste. aber keine Gesetze." Wenn die Kirche den Staat wirklich so liebt, wie sie es immer sagt, so wäre es die höchste Zeit, daß dieie Ehe so bald als möglich geschieden wird. Grade in einer Zeit, wo in dem größten deutschen Bundesstaat die Volksichule dem allerlrassestcn Konfessionalismus ansgeliefert wird, gerade da müssen wir. die Volksvertreter, au s allerschärfste einer solchen gefährlichen Gesetzesmacherei enigegentrelen. Gerade im Interesse der allgemeinen Toleranz bitte ich Sie, den Antrag abznlehncn. (Beifall.)

Mg. von Kardorff (Rp.):

In diesem Antrag liegt eine große Gefahr: die der Aufgabe sämtlicher Landes-Hoheitsrcchte. Wir werden daher den Antrag ein.ach ablehnen l

Abg. Schrader (freis. Vg.).

Die Politik der Quälereien, der kleinen Nadelstiche, billigt meine Partei natürlich nicht Man darf nicht aus Mißtrauen gegen bas Zentrum das Kind mit dem Bade ansjchütten. Der erste Teil enthält Forderungen, die alten liberalen Grundsätzen enisprechen. Meine Freunde werden daher für die ersten acht Paragraphen stimmen.

Abg. Blumenthal (südd. Vp.):

Eine Ketzerverbrennung kann die katholische Kirche jetzt zwar nicht mehr vornehmen, denn es müßten so viele Leute verbrannt werben, daß dies bei dem hohen Preise der Brennmaterialien wirtschaftlich doch sehr bedenklich wäre. (Große Heiterkeit.) Der Abg. Bachem hat gesagt, c5 handle sich um densogenannten! Toleranzantrag. Das tvar das richtigste an der ganzen Rede^ (Heiterleit.) Eigentlich müßte der Antrag heißen:Neuregelung des iiaatökir : lichenKonzeisionswesens". (Heiterkeit.) Anstatt Rückblicke auf Spanien zu wer en, sollte der Abg. Dr. Bachem lieber auf Frank­reich blicken. W r können viel von Frankreich lernen. Die Fran-' Zofen haben das vor uns voraus, daß sie über das, waS> sie für richiig halten, nicht Jahrhunderte lang brüten,', sondern e5 sofort mit Energie durchsetzen. Ebe man ein solches Gesetz, wie das vorliegende macht, sollte man ein einheilliches Vereinsgesetz schaffen. Für einige der ersten Para­graphen könnte ick stimmen. Ganz unannehmbar ist aber der zweite Teil des Gesetzentwurfs; es ist unmöglich, ihn durchzusühren. Wenn B. eine Prozession abgehalten werden sollte, und au dem­selben Lage ein Atheisten-Verein einen Umzng und ein Baptisien- Verein eine öffentliche Tanfe abhalten wollte, da müßte doch im Interesse der öffentlichen Ordnung die Po izei alles verbieten.

Hierauf vertagt sich das Haus auf D o u u e r S t a g 1 Uhr. (Kleine Vorlagen, Maß- und Gelvichtsordnung und P Holographie-Urheberrecht.)

Schluß ßJj Uhr. -

n-ir, ücroencTn daß in Zwischenräumen ein deutscher Synodal- taa abgchalten wird, und ein Synodalausschuß gebildet werden

Ar« « yt g«

daß durch die Beseitigung der bisher'gen Rechtsgrundlagen die evangelische Kircke der inneren Zerrüttung au^geictzt toevben lönnte Nach dem Sinne dieses Antrages sieht c^ ia ,cdcr Landes kircke frei in das Gebiet der anderen emzubrechen, und damit,das LndesÄliche Regiment au beseiNgen. Tas ist -'N Widersinn Der König von Preußen kann nicht m Bayern, Sachsin, Oldcn- bura umx landesherrliches Kirchenregiment ausuben und umge­kehrt Aber selbst für den Fall, daß d.eie Gefahr abgemendet wer­den kann, erklärt der evangelische Kirckcnausickuy dock cm Reichs- ocseh nicht annehmcn zu können, welckrcs das Prinzip der staat- liclicn Kirchenhoheit beseitigt, ein Prinzip welches nach iahr- hundertelangen, schweren Kämpfen des deuticben Volkes zur Herr­schaft in den deutschen Staaten sich durchaerungen bat. .

Wenn derartige Bedenken der größten Rcligwnsgemcinsckast m Reich von deren berufenen Vertretern, nickt etwa von einer kirckenpolitiscken Partei innerhalb der Gemeinschaft, ausgesprochen werden, so ergibt sick für uns daraus die Nctwcndigkeit, den vor­liegenden Antrag ablehnen zu müssen. Meine Freunde sehen sich deshalb veranlaßt, den Antrag im ganzen abzulchnen und auch gegen seine lleberweisung an eine Kommission zu stimmen.

Zum Schluß nur noch eine Bemerkung über die Regelung dieser Angelegenheiten in einer demokratischen Republik, in der Schweiz. Im Jahre 1847 führte die Schweiz wegen religiöser Differenzen den sogen. Sonderbundskrieg. In der Folge führten diese schweren Zerwürfnisse zu Kompromiffen, zu folgenden Ver­fassungsbestimmungen :

Art. 49: lieber die religiöse Erziehung der Kinder bis zum erfüllten 16. Altersjahr verfügt der Inhaber der väterlichen ober vormundschaftlichen Gewalt.

Art. 50: Die Errichtung von Bistümern auf schweizerischem Gebiet unterliegt der Genehmigung des Bundes.

Art. 51: Ter Orden der Jesuiten und die ihm affilierten Gesellschaften dürfen in keinem Teile der Schweiz Ausnahme finden, und cs ist ihnen jede Wirksamkeit in Kirclic und Schule untersagt. Dieses Verbot kann durch Bundesbeschluß auck auf andere geistliche Orden ausgedehnt werden, deren Wirksam­keit staatsgefährlich ist ober den Frieden der Konfessionen stört

Art. 52: Die Errichtung neuer und die Wiederherstellung aufgehobener Klöster oder religiöser Orden ist unzulässig.

Art. 53: Die Feststellung der Beurkundung des Zivsistandcs ist Sacke der bürgerlichen Behörde. Die Verfügung über die Begräbnisplätze steht der bürgerlichen Behörde zu.

Neben der Bundesverfasiung bestehen aber die Verfasiungen her Kantone, welche genaue Bestimmungen über das Unterlickls- unb Kirchenwesen treffen. In der Verfassung des Kaiuons Zür.ch zum Beispiel lautet der

Art. 64: Die Kirchengemeinden wählen ihre Geistlichen aus der Zahl der Wahlfähigen. Der Staat befettet die Geist­lichen.

Diese Bestimmungen gelten auch für die katholischen Geistlichen. Hieraus geht zur Evidenz hervor, daß auch die Verfassungen demo- katischer Staaten tue Wahrung der Hoheeitsrechte für erforderlich halten.

Also nochmals: Meine Fraktion wird also einstimmig den An trag ablehnen, sie hofft aber. daß. vielleicht gerade angeregt durch diese Debatte, die noch beslchenden Mißstände auf diesem Gebiete beseitigt ^werden. (Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.)

Abg. Henning skons.):

Die Angriffe, die von sozialdemokratischer Seite gegen unsere Schulen gerichtet fitüL muffen wir energisch Aurüdiveifen. Ihüerc

Schufen sind die besten der Welt, mit Recht wird gesagt, daß der preußische Schullehrer die Schlacht bei Königgrätz gewonnen hat. Darin hat dcr Dr. David jedoch Recht, daß der Antrag in seinem zweiten Teil die Tendenz hat, die Staatshoheit auszuschalten. Meine Freunde werden deshalb den zweiten Teil rundweg ablehnen. Wie einschneidend die einzelnen Bestimmungen sind, kann man natürlich bei der ersten Lesung nicht im einzelnen angeben, doch wird dies bei der zweiten geschehen. Aber auch einzelne Punkte des ersten Teiles geben zu großen Bedenken Anlaß und können die evangelische Kirche aufs schwerste schädigen. Hierzu gehören namentlich die Bestimmungen über den Austritt aus der Kirche.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (freis. Vp.):

Meine Freunde stehen dem ersten Teil sympathisch gegenüber, lehnen aber oen ahxuten rundweg ab. Kein verständiger Mensch kann eine Nadelstichvolitik gegen die Katholiken billigen, je eher solche Mißstände beseitigt werden, desto bester ist es. Aber ich fürckte das Zentrum nie mehr, als wenn es im Duldertone spricht, dann wird es gefährlich. Ich achte jede Religion, aber ich bin entschieden dagegen, wenn man die Religion zu politischen Zwecken mißbrauchen will. Es hört sich sehr schön an, wenn Sie von Toleranz r-b<n, aber Tausende von Fällen zeigen, wie intolerant Sie sind. J-te Orthodorie ist intolerant. Dies teigen die Fälle Fischer, Römer u»w. So lange die Ebc, die Schule, das Be- gräbniswesen als Gebiet der Kirche angesehen wird, so lange kann von einer Trennung zwischen bürgerlicher und dogmatischer Tole­ranz gar nicht die Rede sein. Man kann doch auch nicht von kirch­licher Tolerc.nz reden, so lange der Liberalismus von der Kanzel aus b-kämpsi wird. Denken Sie ferner an den Wackerfcken Wahl­aufruf, an den Feldzug, den Ihre Geistlichen gegen liberale Blätter führen I Ich richte die Frage an Sie: Ist es eine Sünde, eine nicht klerikal abgcstempelte Zeitung zu lesen? Sie lesen dock auch gewiß andere Zeitungen. (Zustimmung.) Also ist cs keine Sünde. Ist ferner eine SüiOe. eine nicht klerikale Zeitung auSziitragen? Sie misten, welchen Fall ich meine, der Fall ist ja durch die ganze Preste gegangen In dem Prozeß hat der katholische Geistliche sogar gesagt, er hätte nur deshalb gegen das Austragen des Blattes gesprochen, weil es seine Pflicht sei, über die Reinheit des katholi­schen Glaubens zu märten. Und dabei war ter Redakteur des betreffenden Blattes selbst strenggläubiger Katholik und hat nie etwas gegen den katholischen Glauben geschrieben. Er war nur nicht ultramontan. (Unruhe im Zentrum.) Ich glaube wohl, daß Ihnen so etwas nicht gefällt, aber ist es tolerant, wenn Sie einen Redner so unterbrechen?

In EnziaSheim hat ein Geistlicher gesagt: Wer einen Geistlichen vor das weltliche Gericht zieht, begeht eine Todsünde und vcrfälli dem Kirchenbann. Das ist allerdings sehr bequem. Sic können nicht leugnen, daß katholische Geistliche sich nicht scheuen, das Sakrament, das jedem Katholiken heilig sein soll, zu einem polill- fiten Zwangsmittel zu entwürdigen. Ich hoffe, Sie werden das mißbilligen und es für die größte Intoleranz erklären. Und dann die Hetze gegen die Zivilehe, gegen die Mischehe, ist das tolerant? Ick habe ein katholisches Erbauungsbuch, etwas so Tolles in Dema­gogie gegen Andersgläubige ist mir noch nickt vorgekommen, es heißtChristliche Standes-Unterweisung von Otto Fitzscknau, pater conventuale". Tarin steht u. a.,bie Misctehe ist keine Ebe, sondern nur eine tierisch-politische Gcschlechtsvereiliigung". Tie Zivilehe wird darin als eine Erfindung des Teufels dargestcllt. Ties ist doch geradezu eine Verächtlichmachung von Staatseinrich- tuupen. Tarin wird ferner der Liberalismus als der Verderber der Bauern dargcstcllt, als Satanismus sondergleichen. Tas Buck ist zur selben Zeit erschienen, als das berühmte Bündnis in Bayern geschlossen wurde. Und dabei beißt es darin: .Tcr Liberalismus hat eine Mißgeburt erzeugt mit kurzen Beinen, ungeheuerem Unter­leib und sehr vielen langen Fingern, die heißt Sozialdemokratie." (Große Heiterkeit.) Ich wiederhole es, daß das Buch gerade zu der Zeit erschien, als Zentrum und Sozialdemokraten ein kleines Techtelmechtel hatten. ILärm im 2entru"1 Quotfe:»

Dte Barbier-,

und Perücken

werde.

Ter Vorflcmd begrüßt es, daß auch die übrigen

snacher-Innung fcierte Dienstag abend imKaiserHof" ihr 20. Stiftungsfest. Nachdem Kollege Wißner ein Bild von der Entwicklung der Innung bis zum heutlgcn Tage entrollt hatte, wurde den Kollegen Melior und Stier als Gründungsmitgliedern ein Gedenkblatt überreicht imb dem Vor­sitzenden der Innung, Kollegen Tichy, der Tank für seine eifrige Tätigkeit ausgesprochen. Letzterer erwähnte nun noch die Verdlen)te des Slaiiicrcrs Zutt und des Schriftführers Balser, welch letzterer fein Amt bald lu Jahre inne hat.

Aus S.udt uns Ccrnd.

Gießen, 25. Januar 1906.

Geistliche Musi kauff ü hrung. Tie für nächsten Sonntag angclündigte . G e > stl i ch e M u si la u f f ü h r» ng ' des Evang. Kiichcngefangveiems wird, wie uns niitgeleilt wird, wenigstens an Vorträgen des Chors, ja n.cht viel Neues bieten, sondern meist Sachen, die schon einmal im Gottesdienst gesungen wurden. Ter erste Teil stellt sich als eine durch die Umstände verspätete Weihnachtsfeier des Vereins dar. Besonders soll daraus auf die hier noch nie gesungenen und überhaupt wenig bekannten allen Weihnachlslieder, das eine aus der Pergamenlhandschrift des Slivplicna von 1394, das andere aus dem 17. Jahrhundert, cm Satz von Paul Stöbe jur Chor und Soli aufmerksam gemacht werden. Unsere heimische Sängerin, Fräulein Ida Stammler, wird außer diesen die schöne Arie aus dem Bach'schen Weihnachtsoratorium .Schließe, mein Herze, dies selige Wunder" und das unver­gleichlich schöne Holler',che GebetHerr, den ich tief im Herzen frage* fingen. Auch Orgel und Geige werden interessante Kompositionen zu Gehör bringen.

* Das dritte Bataillon unseres Infanterie- Regiments kann am 8. April auf sein 2 bjähriges Best ehen zurückblielen. Für die Feier dieses Gedenktages, die als interne innerhalb des Bataillons begangen werden soll, ist folgendes vorläufige Programm aiisgestelli worden: Am 7. AprA, abends 8 Uhr: Kameradschaftliche Vereinigung mit den ehemaligen Unteroffizieren des Ba­taillons in Steins Saalbau; am 8. April, vorm. 8 Uhr: Parade des Bataillons, daran anschließend Preisturncn und Fechten der aktiven Unteroffiziere; nachm. 4 /2 Uhr gemein­schaftliches Festessen der Offiziere, der altiven und ehemaligen Unteroffiziere im Lffizierstasino; abends 7'/, Uhr: Rom» pagniefciern, bestehend in Aufführungen, Tanz ufw. Tie 9. und 12. Kompagnie begeht ihre Feier im Cass Leib, die 10. und 11. in Steins Saalbau. Am 9. April, vorm. 11 Uhr: Frühschoppen in Steins Saalbau. Tie Beteiligung der ehemaligen Unteroffiziere scheint recht lebhaft zu werden, da bereits jetzt zahlreiche Anmeldungen vorliegen.

werlcrst..nd.s verlangte ter "jlctmcr Beseitigung ter unbeiujränttcn Gcwcra.freihcit durch Einführung des Vesäh-igungsnachweises, Ver­bot ter Zuchlhausaröcit für private Unternehmer, Sicherung der Forderungen ter Vauhandwerker, Regelung des Submisstons- n-cscns aus Grund des Mittelpreisversahrens und Teilung staat- liajer Ausschreibungen in Leine Lose. Für den K.nismannssrand forderte ter Redner vor allem eine Ichform tes Gesees über oen unlauteren Wettbewerb im Sinne ter alleinigen Zulassung sirasrechtllcher Versorgung, Schutz gegen die Warenhausgcfahr, Die sog. Konkursindustrie und des Schwindelausvermusswesen, ferner erlangte er eine höhere Besteuerung der Wanterlager, be­tonte die Gefährlichkeit gewisser Zweige des Lausllrhanteis und »reiste kürz Idas Konfumvereinsiv-esen. Er schloß seine mit Beifall ausgenommenen Ausführungen mit ter Aufforderung, sich außer oer Beru,sorganst..tion auch einer politischen Organi­sation, der deutsch-sozialen, anzuschließen. An ter im wchent- llchen den Ausjuhruugmi des Dichr.ntcn sich anschließenten Debatte beteiligten sieh Buchbinder meister Steinhäuser, Oöer-Post- Ajsisient Pitzer, Bäckermeister Deibel, Rechtsanwalt Naab, Bäckermeister Pfeiffer und Oberlehrer Werner. In seinem Schlußwort kündigte u. a der Neserent eine besondere Lersamm- _ung über die Warenhaassrage an, die Donnerstag abend im Einhorn statts inten soll. Um 12 Uhr etwa schloß der Dorsitzente, Kauimann Grojch, die Versammlung.

/\ Lang-Göns, 24. Jan. Die Gründung eines Verbandes oberhessischer Posallnenchöre, über den bereits berichtet wurde, hat vor allen Singen einen doppelte» Zweck. Bisher waren die hier und da bestehenden Chöre ivesentlich auf sich selbst beschränkt und angewiesen, ja für manche bedeutete diese stetige Isolierung eine große Gefahr. Ter Beitritt zu einem Verband gibt ihnen die Möglichkeit, für em zielbewußtes Auftreten einen Rückhalt zu gewinne» und ihre Bestrebungen weiteren Kreisen ziigänglich zu mache». Cs ist in unserem Zeitalter der Musik- und Gesangvereine eine Tatsache, daß gerade die geistliche Musik am wenigste» gepflegt wird, imb diese zu heben macht sich der Verbaiid z» icincr ausschließlichen Aufgabe. Hieraus ergibt sich, daß vo» einer .Beteiligung" an dem in Butzbach fiattfinbcnbe» Trachtenfest feine Rede sein kann. Es handelte sich lediglich darum, bei dieser Gelegenheit dem h o h e n Landesfurlle» eine Huldigung darziibcingeil, worüber es noch zu feinem feststehenden Beschluß gekommen ist.

(t) Lich, 23. Jan. Letzten Sonntag nachmittag hielt Giitspächter SUein, ßentn. d. L. a. D., im Saale des Gast­wirts Stein un "Anschlüsse an einen Bezirkstag des Hassta-Bezirks Lich einen Vortrag über seine Erlebnisse im Feldzug 1870/71, besonders .Von Sedan biS Paris und die Kämpfe an der Loire". Tie Veranstaltung war so zahlreich befucht, daß viele Zrihürer stehen mußten. Mit Aufmerksamkeit folgten alle den Ausführungen beS Ziebners, ber mit einem Hoch auf ben Kaiser schloß, unb fpenbeten ihm am Schlüsse Bestall. Lehrer "Alt banfie bei» Rebner unb brachte ein Hoch auf das deutsche Vaterland aus, worauf die Versammlung stehend die "Nationalhymne fang.

Mainz, 21. Jan. Der Vorstand des Neichs- verbandes der Vereine der nationalliberalen Jugend trat heute hier zusammen. Die ersten Erörterungen galten der Vorlage zur Dielchsfinalizrefornl rind der Flottenvorlage. In dieser Frage wurde die Haltung der nahonalhb. Fraktion gebilligt unb ber Wunsch ausgesprochen, daß im Rahmen der Vorlage ein schnellerer Ausbau unserer Flotte gesichert

**JmDeutsa)en Verein Gießen sprach Dienstag abend der Generatsekretar ter teutsch-saziqlen Partei I. Lenningsen aus Hamburg vor einer Zuhörerschaft von etwa 40 Perfonen über das Thema,W i e hilft s i ch der M i 11 e t st a n di Segen seine Feinde?" Der im allgemeinen fachlich ge- altene Vortrag stellte sich als eine Werberete für die aiiti- stmitische deutsch-soziale Partei Liebermanns von Sonnenberg teir und hatte auch den Erjolg, daß 14 ter Anwesenten ihren Beitritt zum teutichen Verein anmeedeten. Nach des Vonragen- deu Ansicht sind die Liberalen die schlimmsten Gegner des ge- werdeichen und kausmännifiyen DAtteisiands, da sie ihn lediglich auf die Setbsthllfe Selbsthi'ste auch ,----- .

ohne die er L4igrunde gehen müsse. Zur Förderung des

e verwiesen, wahrelid seine Partei auß- ' ter i, , , ... . ' t

die Staatshilfe ffir den Mittelstand vI liberalen Parteien der Vortage grunchatzlich stimmen. Diese

> ^1 Einmüt Dit ebne den Weg zu einem besseren Einvernehmen

zwischen den literal en Parteien. In längerer Debatte be­schäftigte sich der Vorstand mit dem preußlfchen Schul­gesetz. Tas Ergebnis war eine einstimmig gefaßte N eso- lut i o n, in ber die Erwartung ausgesprochen wird, daß die nationaUiteralc Fraktion des preußischen AbgeordnetenhailseS dem Schiilgesetzentivrirf nur bann zusummt, wenn darin diese Gleichderechllgrmg und die freie Wenerentwickelrmg der Smiilltanschiile gewährleistet wird und die sonstigen schweren Mängel des Eiitivurfcs, insbesondere die Schmälerung der Selbsioerwaltlmgsrechte, beseitigt werben. Dieben biefen Fragen beschäftigten ben Vorstand noch interne Angelegen­heiten unb bie Vorbereitung der biesjährigen Vertreter- Versammlung, bie Anfangs September in Hannover slatt- finbet. Als Themen hierfür wurden bestimmt: .Tas all­gemeine Wahlrecht und feine Verwirklichung in ben Einzel- floaten" unb .Wohnungsresorm".

Mainz, 23. Jan. Frl. Fladnitzer sank heute abend im Stadttheater bei offener Szene in der Operette .Die schöne Glathee" infolge plötzlicher Erkrankilng nieder. Ta die berbeigetufenen Aerzte em Weiterspielen für un­möglich erklärten, wurde die Vorstellung abgebrochen. In der verflossenen Nacht ivurde ein einem hiesigen Regiment angehöriger Musiker beim Nachhausegehen von zwei Unbefannten überfallen und schrecklich mißhandelt. Ter Schwerverletzte wurde später bewußtlos auf der Straße oilfgefimden. (Frkf. Zlg-)

fc. SB eil bürg, 23. Jan. Eine aus allen Schichten der Einwohnerschaft jlork besuchte Versammlung sprach sich einstimmig für die Errichtung eines Herzog Adolf- Denkmals aus. Es wurde em größerer DUisschuß und ein "Arbeitsausschuß gebildet.

Attivczsrtats-Nachrichtelr.

Ein kSoi f ö i U) u 11 e ijt c t i, r e u uu 11o r. Der ge­wiß seltene Fall, wird aus ber Schweiz gemeldet. Die philoso­phische Fakultät ter Z ü r i ck) e r Lochsmute hat dem Lehrer Kaspar Lauser in Winterthur den Doktortitel Ehren halber verliehen in Ancrlennung feiner Arbeiten auf dem Gebiete schweizeriscycr LandeSgeschichte.

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