Ausgabe 
4.1.1906 Zweites Blatt
 
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156, Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 3

General-Anjeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen

Ter Besiegle von Tsushima, Admiral RoftstwenSkij

G-'gen die Angriffe, die

hält sich jetzt in Petersburg auf.

FrenssenSHMgerrlei" und die moderne Theologie.

Erscheint tLgltch mit Ausnahme beS Sonntags.

Die ^Siebener Lamilrenblätter" werden dem ,Anze'ger viermal- wöchentlich beigelegt. Der Etzelstich« Lanvwirr' erjcheuu monatlich einmal.

g der Freier: InnbcI^rc^Tdjvn 2. d. M. in Frankfurt statt-

Wir lesen im ,,B. B. C.": Am Montag abend ging im Neuen Theater zu Leipzig Blumenthals LustspielDer Schwur der Treue" in Szene und errang sich reichen Bei­fall. Die ganz rei.'ende D^rskanst Blumenthals fand Verständnis und Anerkennung. D^s Stück dürfte bei uns eine ganze Reihe von Aufführungen erleben. In München fand Sudermanns SchauspielS tein unter Steinen" bei seiner Erstausführ­ung eine recht günstige Ausnahme: der Beifall blieb durchweg unbestritten und erhob sich nach dem bühnenwirksamen drittes Mte zu massiver Stärke.

Donnerstag 4. Januar 1^06

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« & Unwersuätsdruckerei. R. Lange, Gieß«.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.I^ V Tel. Nr. bl. Telegr.-Mr.r Stn-eiger Gieß«.

der frühere Kapitän Klabo und andere auf seine Schlacht- anlage gerichtet haben, sucht er sich jetzt öffentlich zu ver­teidigen. Er sagt in einem offenen Briefe an dieNowoje Wremja" über die Schlacht in der Tsushima-Straße u. o.:

Admiral Togo habe zu Beginn des Kamrües fest geglaubt, er habe es nur mit dem schwächsten Teil der russischen Flotte zu tun. Er führte sein Flaggschiff dem konzentrierten Feuer der besten russischen PanzerschiffeSuworow",Alexander",Borodino" und Ostljaba" entgegen und gewann die Schlacht ungeachtet seines Fehlers. Ferner sagt Rojesiwenskij, wenn die Japaner nid)t die ruisuche Flotte ausgerieben hätten, so wäre es euglischerseUS ge­schehen. Die englische Flotte konzentrierte sich bei Wei-hai-wei mit dem Befehl, die Russen aufzureiben. Das war das endgiltige Ziel Englands.

Die Behauptung am Schluß gründet sich jedenfalls nur auf eine persönliche, irrige Vermutung des Admirals. Togo seinerseits kann mit der Darstellung seines Gegners nur recht zufrieden sein.

Die Zustände in Ausland.

Ein Petersburger Korrespondent meldet, daß der Direktor der Bahnlinie, die von Petersburg nach 'dem Zarenschlosse. ZarSkoje Sselo führt, verhaftet wurde.. Er hatte Beziehe ungen zu den Revolutionären, die er tatkräftig unterstützte.

In Petersburg erregt großes Aufsehen die Ermord­ung des Professors Horobjew, der in seiner Wohnung einen Verbandsplatz ft":r die Revolutionäre eingerichtet hatte.. Der Professor wurde in seiner Wohnung von einem Offizier einfach niedergeschossen, ähnlich wie-der Ehef der Sicherheitspolizei' wenige Tage vorher von den Revolutionärem

In Moskau wurde Generalmajor Awerjanows der an den dortigen Revolten stärk'beteiligt sein soll, verhafte ti Dort wurde am 2. Januar in Gegenwart der obersten Behörden und des Militärs ein feierlicher Dankgottesdienst an­läßlich der Unterwerfung des Aufstandes abgehalten.. Am Abend aber kam es im Stadtteil Preßnja von neuem zu heftigen Straßenkämpfen. Durch die Geschosse ber Ar­tillerie wurden mehrere Fabriken zerstör t und viele Wohnhäuser ein geäschert. Der Arbciter-Deputiertenrnt sowie die Komitees beider sozialistischen Parteien beschlossen, den Generalstreik zu liguidieren. Die Sttaßen bieten jetzt im all- gcmein.n wieder das gewohnte Bild. _ Auch der Eisenbahnverkehr ist wie-der ausgenommen.

In Petersburg und Moskau wurden neuerdings zahl­reiche Verhaftungen unter den Studenten vargenonrmen. Auch viele Soldaten wurden wegen Gehorsams-Verweigerung verhaftet. t

Ein Petersburger Berichterstatter meldet, daß Maxim Gorki sich in Moskau aufhalte. Die Polizei veranstaltete bei ihm eine Haussuchung, ohne jedoch 'irgend etwas Verdächtiges zu finden. Sie zog ab, ohne Gorkij weiter zu belästigen.. ,

Heftige Kampfe s-nden auf der Eisenbahnlinie

von Grundstücken, sowie auf die Regulierung der Wege beziehen. Bei der Bearbeitung des Ausführungsgesetzcs zum Bürgerlichen Gesetzbuche konnte daher von einer Aen- derung des Feldbereinigungsgesetzes zunächst abgesehen werden. Es erschien aber auch zweckmäßig, die Durchsicht des Gesetzes zu verschieben, weil Erhebungen darüber im Gunge waren, ob Aenderungen des Gesetzes nicht nur aus rechtlichen Gesichtspunkten, sondern auch vom wirt­schaftlich-technischen Standpimkt aus veranlaßt seien. Nachdem aber die mit der Handhabung des Gesetzes be­faßten Behörden übereinstimmend darauf hingewiesen hatten, daß gerade die auf wirtschaftlichem Gebiet liegenden Bestimmungen des Gesetzes sich mit in weniger wichtigen Punkten nicht bewährt haben, konnte mit der Neubearbeitung des Gesetzes nicht länger gezögert werden. Tenn zufolge der wesentlichen Umgestaltung, bie das mate­rielle und formelle Grundbuchrecht erfahren hat, erfordert die fortschreitende Anlegung des Grunbbuches zunächst eine Reihe von Aenderungen, wenn sich das Gesetz auch in der Zukunft mit Sicherheit handhaben lassen soll. Dazu kommt, daß das dermalen geltende Gesetz hinsichtlich einiger für den Grundbuch verkehr besonders wichtiger Fragen ausreichende Vorschriften nicht enthält. So läßt das Ge­setz zurzeit nicht zuverlässig erkennen, ob es zum Erwerb des Eigentums cm den zugeteilten Grundstücken zuerst noch der Eintragung des Grundstückes in das Grundbuch bedarf, ober ob das Eigentum ohne eine solche Eintragung mit der Erteilung der Urkunde übergeht. Auch die Frage, welchen Einfluß das Bereinigringsverfahren auf das Recht, über die dem Verfahren unterworfenen Grundstücke zu verfügen, ausübt, das heißt wie lange und mit welcher Wirk­ung über die abzutretenden und von wann ab über die zuaeteilten Grundstücke verfügt wer­den kann, ist in dem Gesetz nicht ausreichend geregelt. Insbesondere läßt es das Gesetz zweifelhaft, ob, wenn ein Beteiligter das Eigentum von dem ihm zugeteilten Grund­stück auf einen anderen überträgt, diese Übertragung in dem alten Grundbuch oder wo sonst cinzutragen ist. In­folgedessen geht zum Nachteile der Beteiligten die Praxis der Gerichte weit auseinander. Namentlich hinsichtlich der Massegrundstücke haben die Mängel des Gesetzes in- sosorn zu wirtschaftlichen Nachteilen geführt, als die meisten Gerichte eine Verpfändung erworbener Massegrund- stücke nicht zulassen.

Erscheint hiernach ein gesetzgeberisches Vorgehen un­erläßlich, so ist gleichzeitig überall sonst Abhilfe zu schaffen, wo sich auch in wirtschaftlicher Hinsicht bei der Anwen­dung des Gesetzes Mißstände ergeben haben. Eine ein­gehende Begründung ist dem Entwurf beigegeben.

Abänderung des hessischen Feldbereinigungsgesetzes.

Tie Regierung hat, der Ankündigung in der Thronrede entsprechend, den Lemdständcn den Entwurf eines Ge­setzes zur Abänderung des Felbber einig ungs- Gesetzes zugehen lassen, der für die Gestaltung des Grund­stücksverkehrs während und nach einer Feldbereinigrmg von erheblicher Wichtigkeit und bestimmt ist, die Schwierigkeiten und Zweifel zu beseitigen, zu denen auf dem bezeichneten Gebiet die bisherigen Vorschriften Anlaß gegeben hatten und die durch die veränderte Grundbuch gesetzg-ebung teil­weise noch vermehrt worden waren. Es kommen dabei folgende, allgemeine Gesichtspunkte in Be­tracht: Der Artikel 113 des Einführungsgesetzes zum Bür­gerlichen Gesetzbuch läßt u. a. die landesgesetzlichen Vor­schriften unberührt, welche sich auf die Zusammenlegung

Für den Posten eines Regisseurs kommt aber in erster Linie Dr. Heine, Regisseur am Deutschen Schauspielhaus in Ham­burg, in Frage, in zweiter Linie der Weimarer Regisseur Grube, der indes nicht tauglich für diesen verantwortlichen Posten fein dürfte, denn ein so angenehmer Mensch er auch ist, künstlerisch ist von seiner Intelligenz nickt viel zu erwarten. Der dritte S -ndidat ist der ehemalige Dramaturg W Kasseler Hofthcaters, Axel Delmar. Auch Mar Petry, der Gatte von Maria Reisenhofcr vom Berliner Lessingthcater, wird genannt, sowie der bekannte Münchener Rcgiff.'ur Savits, b.r seine Stellung kündigte, weil er unter Hermann Bahr nicht arbeiten will. Auch der litterarisch fein gebildete, als Bühnenbearbeiter einiger Shakefpearescher und Kleistscl)er Dramen hoch zu setzende Karls­ruher Dramaturg Dr. Eugen Kilian soll sich unter den Be­werbern befinden. So liegen die Verhältnisse jetzt in Frankfurt, und man darf gespannt sein, wie die Komödie enden wird.

Valitilche Tagesschau.

Vor der Marokkokonferenz.

Die Marokkokonferenz wird nun nach definitiven inter­nationalen Abmachungen bestimmt am 16. d. M. im spani­schen Städtchen Mgcciras zusammentreten. Tn ist es denn interessant, daß eins der hauptsächlichsten deutschfeindlichen Blätter, derFigaro", eilte neue, auf Beruhigung der französ. Stimmung abziclende Mitteilung aus Ber­lin veröffentlicht, wonach der Kaiser kürzlich im Privat­gespräch seine Befriedigung über die Veröffentlichung- seiner Frieden säußerung durch die französische Presse und deren Auftiahme ausgedrückt hätte. Die Polemik eines Teiles der deutschen Presse bezwecke nur, erzählt das Blatt, das deutsche Vaterlandsgefühl, zu erregen ipib gegen bie schäblichen Theorien Bebels zu verteidigen. Kaiser Wilhelm wünsche eine gute Algeeiras-Kon f er en z. Aus ber beiderseitigen Mäßigung könne leicht ein Einver­nehmen hervorgehen, bas nach eingehenber Prüfung ber Rechte und Interessen aller Weber Sieger noch Be­siegte zurücklassen würde.

Ter Herzog von Almodovar hatte am 2. d. M. mit dem französ. Botschafter Eambon eine Unterredung über die Konferenz in Algeciras und erklärte dann einem Inter­viewer die Befürchtung wegen Ausbruch eines Weltkrieges für grundlos. Alle Delegierten gingen nach Algeciras mit den versöhnlichsten Instruktionen.

Der Pariser Korrespondent der hetzerischen Londoner Daily Mail" meldet dagegen seinem Blatte, die Marokko- konferenz dürfte einen vollständigen Mißerfolg zeitigen. In diplomatischen Kreisen hege man Befürchtungen, daß aus der Konferenz Verwicklungen entwachsen könnten, bereit Lösung ber Diplomatie schwere Aufgaben stellen dürfte. Tie französische Regierung habe gar keine Ab­sicht, ihre Ansprüche auf Sonderrechte in Marokko aufzu­geben. Tagegen werde Teutschland auf internationaler Kontrolle bestehen, nur um zu zeigen, daß das Abkommen zwischen England und Frankreich über Marokko belanglos sei. England werde Frankreich kräftig unterstützen, wogegen Teutschland von Oesterreich auf Unterstützung zu rechnen habe. Tie Haltung der Vereinigten Staaten sei ungewiß. Tie übrigen Mächte, welche bei der Kvnferenz durch Tele- gierte vertreten sind, dürften den englisch-französischen Standpunkt unterstützen.

Wie dasEcho de Paris" mitteilt, wird augenblicklich mit fieberhafter Tätigkeit an der Instandsetzung der Tclc- graphenlinie zwischen Paris und Cadiz in den Bergen von Navarra gearbeitet. Diese Linie wird während der Kon­ferenz stark in Anspruch genommen werden.

Infolge ungünstigen Eindruckes, den die Berufung des italienischen Botschafters m Madrid, Sylvestrelli, zum Tele- gierten Italiens bei der Konferenz gemacht hat, heißt cs, daß eine andere Persönlicbkeit für diesen Posten gewählt werden wird. Wie verlautet, habe der frühere Minister des Aeußern, Visconti Benosta, die meisten Aussichten.

Braunschweigiana.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Der Besuch des Kaisers beim P r i n z re ge n t e n Albrecht in Braunschweig, unh dann die Verabschiedung des long'ährigen braunschweigischen Gesandten am preußischen Hofe und Vunbcs- rat9-Devollmächtigten Frcih. von Cr a rn rn - B u r g d o rf, hat man vielfach miteinander in Verbindung gebracht, bis sick heraus- ßcllte, d^ß durch seinen finanzierten Zusammenbruch 'Herr von Cramm sich gezwungen sah, seine Demiffion zu geben.

Es tauchten Gerüchte auf, die eine ^Cnttoort auf die Frage suchten, wer Nachfolger des Prinzen Albrecht im Herzogtum Braunschweig werden würde, und man nannte ben Namen des Prinz en Eitel Friedrich, des zweiten Sohnes des Kaiserpaarcs, bald den des Prinzen Friedrich Hein­rich, des ältesten Sohnes des Prinzen LÜbrccht. In beiden Fällen handelt es sich nur um, vorläufig wenigstens, haltlose Kombinationen. So viel aber ist richtig, daß die braun­schweigische Thronfolgefrage auch an maßgebender Stelle neuerdings den Anlaß zu ernsten Erwägungen ge­boten hat und noch bietet. Prinzregent Albrecht tritt in wenigen Monaten in sein 70. Lebensjahr, und wie man hört, läßt seine Gesundheit feit einiger Zeit zu münfcfyen übrig. In den leitenden politischen Kreisen biirftc daher gegenwärtig die Ansicht vorwiegen, daß der Tag immer näher rückt, an dem, trotz aller Hindernisse,

H aus Cumberland doch noch auf den Thron von Braunschweig gelangen wird. Herzog Ernst August von Cumberland scheidet dabei für f'inc Person ganz aus. Niemand erwartet von ihm, er könne das seinem sterbenden Vater gegebene. Versprechen brechen, auf das Königreich Hannover zu verzichten. Mer der älteste Sohn des Herzogs, Prinz Georg Wilhelms v o n C n m b e r l a n d , ist durch Ferne Zusage solcher Art gebunden.,. Man hält es für durchaus denkbar, daß, im Falle die Thron- folgefrage durch eine Erledigung ber Regentschaft in ein neues akutes Stadium träte, der Herzog von Cumberland seine Ansprüche, auf Braunschweig auf seinen Sohn übertragen und ihn zur An­nahme ber Herzogkrone unter Anerkennung bes Bestanbes des Deuts-Fen Reickes ermächtigen könnte.

Wir registrieren diese Anschauung, die manchem gewiß als riecht haltlos erscheinen wird, nur, ohne sie zu kriti­sieren. Man wird aber dcm Herzogtum Braunschweig nur wünschen können, daß es auf eine andere Art aus dent jetzigen, im ganzen Lanoe trotz offiziöser Versicherungen unpopulären Provisorium zu einer definitiven Neuregelung seiner dynastischen Verhältnisse gelangen mddjte.

Personenleben Jesu ist bei Frenssen Hilligenlei, heiliges Land Leider trägt Frewssms Werk die Tendenz an der Stirn. Er geht nickt nur gegen die Kirchcnlcute, sondern auch gegen den dua­listischen Begriff des Heiligen an. Man muß energisch dagegen Verwahrung einlegen, daß Frenssen die Kvnsequenz in der mo­dernen Theologie in Abrede gestellt hat. Daß dieses JesuSbilb ein Stück Wiedergeburt werden könne, sei nicht zu bezweifele Ein Jesuslüld solle sich zusimmensetzen aus einem Stück Historie/ einem Stück des besten unserer Zeit und aus dem eigenen Besten jedes Manschen. Jed'r Fi'nnc seinen etg-nen Christus h ben, bie. Hauptsache sei, daß er ihn überhaupt habe. Jesus, der wirkliche Geschichtliche, ist unbrauchbar: er ist tot. Christus ist lebendig. W's not tue, sei eine neue Christologie. Die moderne Theologie habe ein größeres Interesse an der Aufnahme des Werkes Frensseus und der des Jcsusbildes, als an diesen selbst .

Die zahlreichen Zuhörer spendeten dem Redner lebhaften Ver­fall. In der DiSTussivn sprach zunächst Oberlehrer Dr. Pren- s ch e n aus Darmstadt. Frenssen hatte nicht nötig, sick so genau an der historischen Versönlichkeit Jesu zu halten, er konnte die Poesie mitwirken lassen.

Lic. FuchS aus Rüsselsheim wendete sich gegen daS Sen­sationelle bei Frenssen. Frenssen scki'derc Menschen der heutigen Zeit. Jesus müsse neben den Menschen stehen als Mensch, nur so könne er verstanden werden. JesuS und Christus dürfe mau nicht scheiden. .

Dr. Stein- Frmlsurt betrachtete den Roman vom ästheti­schen Standpunkt. Das F-reusscnsche JesuSbikd bereite eine Ent­täuschung, in der Bibel sei cs von besseren Dicktern gezeichnet. Dem Jesusbild fehle die Größe. Frenssen wollte nicht zeigen, daß das Triebleben heilig ist, sondern nur, daß es heilig sein kann. Der Referent hatte schließlich noch ein kurzes Schluß­wort.

Aus Anlaß einer Verfammlun! Vereinigung sür Hessm, die am -....... ... -----... .

fand, hielt Professor Niebergall aus Heidelstrg einen Vor­trag überTasJesusbildinFrenssensHilligenl ei". Die moderne Theologie werde sich im allgemeinen, so führte er aus,U dem Lesusbi.de Freu s.ns bekennen ml ss n. Wenn Frcnften dieses Jcsusbi'd d e Grundlage zu einer deutschen Wiedergeburt nenne, so müsse die moderne Theologie damit übereinflimmen. Sie stehe bei der BetraMm« Jesu auf d"in Boden der Geschickte, für sie fei JesuS eine g schichtliche Pirsönlichkeit. Es komme dabei lediglich ans bie inneren, geistig.seelis^eii Kräfte an. Hier steht Frenssen. Er sieht in JesuS vor allem bie gcschichtl. Persönlichkeit, ber Mvthvs verühwindet. Tie Eltern von Frenfsens Jesusbild sind Gl-:ube und Poesie. Leider ist cs viel zu poetisch, zu wonnig, träumerisch, weich, saifft und versckvvommen. Die Persönlichkeit Jesu bei Frenssen geht ganz auf in ber Opposition gegm bie Klerikalen unb Den Oberlirckmirat. Dos macht sie dem, der die Bibel liebt, unsympathisch. JesuS ist zuviel ins alltägliche hinab­gezerrt und ihm fehlen die herben Züge. Dieser JesuS streitet mit den Kirchenleuten, streiclielt die Sünderin, er dmtt aber viel zu wen'g daran, seine Anhänger zu heben und unizugeitalten. Der wirkliche Jesus bleibt größer, überweltlicher. Man macht ihn bcii modernen Menschen niilrt sympathisch, wenn man ihn in die Alltäglichkeit hineinstellt. Wenn man Jesus sehen will, so muß men ihn von fern sehen, nicht neben, sondern über sich. Der neiitestameiitliche J^sus ist von Frenssen nicht erreicht. Der modernen Theologie ist JesuS vor allem eine Persönlichkeit. Dieses

Theatralisches auS Frankfurt a. M.

Die Frankfurter Theaterverhältnisse brg'.nnen re-t interessant zu werden: denn seit etli-pen Tagen oder Wachen macht sich in weiteren Kreisen eine länger schon bestehende Unzufrieden­heit mit dem fast 27 Jahre hier wirkenden Intendanten Emil Claar öffentlich bemerkbar. 21 Jahre hat Claar beide Theater geleitet: mit der Erbauung des neuen Sckaiifvselhauses^teilte man die Theaterleitung, indem man bekanntlich Claar das Schau­spielhaus übergab, für die Tver dagegen ben Jntendauttn Pau! Jensen engagierte. Vor etlicken Wochen nun hat die Stadtver^ vrdneten-Versammlung den Vertrag mit der Theot-r-Mtiengeft li­schest von 1907 ab aus weitere zehn Jahre verlängert. Nun­mehr trat auch die Frage an die Behörden heran, ob bie Verträge mit ben beiden Intendanten zu erneuern seien. Der Ma­gistrat, der durch zwei Delegierte in der Theater-Verivaltung Der treten ist, schien geneigt, ben Opemintenbenten auf weitere fünf Jcckre zu engagieren, den Schauspielintendanten Dagegen hätte man nicht ungern scheiden seh e n. Hierzu war aber der AufsichtSrat der Theatergesellschaft nickt zu be­wegen, er setzte vielmehr die Verlängerung des Claar'sck>en Kvn- ttakts bis 1910 durch. Aber man trennte den Schauspielinten­danten von seinem langjährigen Mitarbeiter, dem 11 Jahre hier wirkenden Regisseur Wolfgang Q u i n F e, dem man die Stell­ung per 1. Sept. 1906 kündigte, um gleichzeitig zu verlangen, daß an die Spitze des Claar'scken Bureaus ein Mann zu stellen [ei, der dramaturgisch zu wirkm verstthe. Daß unt'r diesen Um­ständen Claar nicht sonderlich geneigt ist, die Berlängerung des Vertrags arrzunehmen, ist klar. Auf der kurz vor Weih­nackten stattgelwbten Generalversammlung der Theater-LMiengesell- schast wurde viel gegen Claar geredet. Ein sozialistischer Aktionär wetterte nickst nnr gegen das Personal, sondern auch gegen bas Repertoire bes Schnuspiels, und nicht ganz mit Unrecht In der Swdtverorbneteii-Sftmng nahm ein sozialistischer Redakteur den Fehdehmdscdnh wieder auf und wetterte gegen den litera­rischen Tiefstand des Schauspielhauses, ind'm er allerdings ungereckstsertigt, den Leiter desselben für die Unproduk­tivität unserer Dramatiker veranttiwrtlich zu ma^-en luchte. Einige Mitglieder deS S ch a u spiel per sonals v-r.-f en'ftchten obendrein eine anonyme Erklärung. Die beiden schau­spieler, so deißt es, haben Grund, ihrem Ches zu gronen. eie wollen Regisseure werden, und sie mögen auch Au bcftihigt sein. Claar aber erklärte seinem Auftichtsrat ausdrilcklich, daß er kein Mitglied seines Personals als Regifteur acceptiere über­haupt mit keinem Regisseur arbeite, der darstellerisch tätig fti. Nim könnten ja die beiden Herren auf weitere barste l l e r l s ch e Tätigkeit verzichten wollen, wenn ihnen der Regisseurpoiten zufiele.