Ausland.
Haag, 19. Mai. Es gilt jetzt sicher, daß die zweite Friedenskonferenz Ende Mai 1907 in Haag! stattfinden wird.
London, 19. Mai. Premierminister Henry Camp- bel-Bannerman empfing heute eine Abordnung der Frauen, die für das Wahlrecht der Frauen eintreten. 2er Ministerpräsident erklärte der Abordnung, daß sie sich nur noch kurze Zeit w e r d c gedulden müssen. Er glaube, daß nicht mehr viele Jahre vergehen würden, bis "das Wahlrecht der Frauen cingeführt sein würde, doch müsse er sich begnügen, ihnen diese nur sehr beschränkte Ermutigung zuteil werden zu lassen.
Rom, 19. Mai. Die Blätter melden, Giolitti lvcrdc morgen ans Piemont zu einer Besprechung mit dem Könige in Rom eintreffen.
— Der Papst verbrachte eine ruhige Rächt. Der Schmerz und die Ansclyvellung am Knie haben sich vermindert, die Bewegungen des Fußes vollziehen sich leichter und schmerzlos. Der- Papst wird das Bett noch vier aber fünf Tage lyüteit müssen.
— Der Leibarzt des Papstes, Professor Lapponi, erklärt, die Erkrankung des Papstes bestehe in einem Eichtanfall.. Lappani hält jede Befürchtung für daS Befinden des Papstes für unbegründet.
New York, 20. Mai. Nach einer Meldung aus San Juan de Portoricv vom 19. Mai erbiclt der Kutter ,,Algvnguino" Anweisung, die Meerenge von Mana auf Durchfahrt von dominikanischen Revolutionären zu überwachen, welche von San Thomas nach San Domingo abfuhren. Die amerikanischen Kanonenboote ..Newport" und „Nashville" wurden nach San Domingo beordert.
Gibraltar, 20. Mai. Das englische Segelschiff „Cvnsuelo" wurde südlich von Ceuta von dem marokkani- schen Räuber Balicnte aufgegriffen; drei Mann der Besatzung wurden gefangen genommen. Der Eigentümer des „Consuelo" erhob bei der Regierung energische Vorstellungen und verlangte sofortige Hilfe und Schutz.
Teheran, 19. Mai. Der Zustand des Schahs ist'be- unr uhigend. Die starke Hitze rief bei ihm anhaltende Ohnmächten hervor. Auch ist er akuten Gichtanfällen ausgesetzt.
Peking, 19. Mai. In einer Zusammenkunft des diplomatischen. Kvrps teilten die Vertreter sämtlicher Regierungen mit, daß sie den Einspruch Englands' gegen jede Veränderung in der Zollverwaltung unterstützen. Der britische Geschäftsträger hat an die chinesische Regierung eine neue Note über den .Gegenstand gerichtet. Bis zum Eingang der Antwort der chinesischen Remei-nrni foffriT feine m-'it^i en Stritte geschehen.
Die Srundsteinlegimg des Darmstädterhanses.
(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)
Gießen, 21. Mai.
Die alte Kneipe am grünen Ufer der Lahn ist der Darmstadtia zu klein geworden, und so baut sie sich denn nach kaum fünfundzwanzigjährigem Bestehen ihr eigenes Heim. Hoch über den Dächern der Stadt, aus dem Seltersberge, wird sich das Haus erheben, auf dessen Zinne bald dos violett-weiß-rote Banner der Landsmannschaft im Winde flackern wird. Auf freier, lichter Höhe wird es stehen, ein herrliches Luckinsland, etn neues Wahrzeichen Gießens, mit dem sich die Landsmannschaft nun unauflöslich verbunden hat. Auf mächtigem Quadersockel wird sich das Gebäude leicht und frei erheben, als Sinnbild seines Eigentümers: auf festem Grund ein heiteres Leben.
Unter dem Borantritt des Bläserkorps des hessischen Gardedragonerregiments Nr. 23 aus Darmstadt zog die Darmstadtia am Samstag nachmittag nach 61/2 Uhr mit wehenden Fall neu nach dem Bauplatz an der Ecke dejs Wetzlarerweges und der Klinikstraße, der mit Tannengewinden und Fahnen hübsch geziert war. Nach der Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden des Vereins Darmstädterhaus, Dr. Reinewald aus Gießen, und einem Ueberblick über die Eseschichte des Hausbaues wurde die Stiftungsurkunde verlesen, die ungefähr also lautete:
Im Jahre 1906, am 19. Mai, unter der Regierung S. M. Wilhelm II., Deutschen Kaisers, und S. K. H. Ernst Ludwigs, des Großherzogs von Hessen und bei Rhein, des Rektors Magnifi- zentisiimus der Alma Mater Ludvviciana, als Geh. Hofrat Prof. Tr. Behaghel zum uveitenmal Rektor war, wurde in Anwesenheit vieler Gäste durch den Vorstand des Hausbau-Vereins „Darmstädter Haus", den Ausschuß des A. H.-Verbandes, die Chargierten, viele zum A. H.-Tag versammelte A. H. A. H., Inaktive- und sämtliche Aktiven der Landsmannschaft Darm- stadtia sowie den Baumeister, Architekten Hcms Meyer in Gießen der Grundstein dieses' Hauses gelegt. Den Vorstand des Hausbau- Vereins bildeten: Dr. med. T. Reineioald (Vorsitzender'', Regierungs-Assessor H. Schreiner (Schriftnihrer», Dr. jur. I. Lehr (Rechner'. Dr. mcd. O. Fresenius Beisitzers Dr. vhil. H. Weber sBeisitzerl, Pfarrer H. Wagner (Beisitzer^, Gerichts Referendar H. Kühn (Beisitzer). Den Ausschuß des A. H.-Verbandet bildeten: Dr. Eduard Otto, Ludivig Hertsch, Dr. F. Fresenius. Aus der Geschichte der Landsmannschaft heben wir folgendes hervor: ^am 11. Februar 1882 als freie Verbindung mit ^unbedingter Satisfaktion gegründet, wandelte sie sich am 18. Februar 1893 in eine freie, farbentragende Landsmannschaft mit eigenen Waffen, und. trat im Sommer-Semester desselben Jahres dem Coburger L. C. bei. Im Jahre 1907 vollendet iic ihr fünfzigstes Semester. Sie zählt gegenwärtig: 1.29 Alte Herren, 23 Aktive, 36 Inaktive. Außer der Stiftungsurkunde und der Geschichte der Landsmannschaft wurden noch folgende Gegenstände, in dem Grundstein geborgen: Ein Verzeichnis der Aktivitas, der Aufruf zur Gründung eines eigenen Hauses, das Hausvrofekt, der letzte SemeMrbericht. das Vorlesungsverzeichnis des Sommer-Semesters, die neueste Nummer des Gießener An- ^igers, die Baupläne, die Einlad"na zur Grundsteinlegung, das Bild des Großherzogs und des Kaisers, ein Bild der Pulver- mühle. ein Bild von dem neuesten Einzug des Kaisers in Gießen und die Festpostkarte.
Das alles wurde mit dem Burschenband umwunden und in einer kupfernen Kapsel vernietet.
Alsdann tat Dr. Reinewald die drei Hammerschläge im Namen des Hausbauvereins, Dr. Otto im Namen der Alten Herren, der 1. Chargierte namens der Aktivitas, denn Stadtverordneter Kirch, der Vertreter des Ofsi- zrerkorpss nut) Architekt Meyer folgten. Tie Universitätsbehörde war durch eine wichtige Sitzung am Erscheinen verhindert. Von auswärtigen Landsmannschaften waren vertreten: Hasso-Borussia und Hass o-Guestsalia (Marburg), Teutonia (München), Herepnia (Halle), Teutonia (Würzburg), Cheruskia (Leipzigs Rhe- nania (Jenai, Guilelmia (Berlins, Palaeomar- chra (Halle». Außerdem war die Turnerschaft Philipi- pruia (Marburg) vertreten.
. An diese vom Wetter gerade nicht sehr begünstigte Ferer der Grundsteinlegung schloß sich uiw 9 Uhr ein großer . Festkommers
m Steins Garten an. Der große Saal, der mit Fahnen, Wappen, j onnengeteinben, Lorbeerbäumen usw. hübsch aus- gezrert war, bot ein buntes Bild ungetrübter Fröhlichkeit. Den offiziellen Teil leitete Dr. Reinewald, der den Kommers mit dem Hoch auf Kaiser und Großherzog eröffnete und dann die erschienenen Gäste begrüßte ’ ^er Rektor der Universität, Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel, dankte in deren Namen und machte launische, lebhaft ausgenommene Bemerkungen über den Bau des Hauses und
die Wahl des Platzes, nachdem er bedauert hatte, bei der Grundsteinlegung am Erscheinen verhindert gewesen zu sein. Nach der Verlesung der eingelaufenen Glückwunsch- depefchen wurden noch Toaste ausgebracht von dem Vertreter des Offizierkorps auf die Landsmannschaft, Prof. Dr. Otto auf die Universität, Assessor Schreiner auf die Stadt Gießen, Stadtv. Kirch, dessen Auslassungen lebhaft begrüßt wurden, auf die Landsmannschaft, Dr. Ebel auf den Hausbau, Chargierter Scheele auf die alten Herren. Tie einzelnen Vertreter übermittelten die Glückwünsche ihrer Landsmannschaften und dankten für den liebenswürdigen Empfang in Gießen.
Wir waren leider gezwungen, den sehr schön verlaufenen Kommers naeh dem „Landesvater" zu verlassen, doch blieben, wie wir hören, die Landsmannschafter noch lange in heiterster Stimmung zusammen.
Am Sonntag früh fand ein Frühschoppen mit Damen im Hotel-Restaurant Roval statt, der ebenfalls einen fröhlichen Verlauf nahm.
Ans SraL>t nno ttano*
Gießen, den 21. Mai.
** Personali en. Se. Kgl. Hob. der Großherzog haben den 2. evang. Pfarrer Karl Römer zu Schotten auf sein Rachsnchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt.
r Londorf, 20. Mai. Der Einladung des Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke war ein zahlreiches Publikum von hier und der Umgegend gefolgt. Der große Saal des Gasthauses zur Stadt Gießen war dicht gefüllt und nicht wenige mögen es wohl gewesen sein, die aus den Worten des Redners, Oberstaatsanwalts Theobald aus Gießen, Belehrung und Nutzen mit nach Hanse genommen haben. Eingeleitet wurde die Versammlung mit einem Begrüßungslied des Gesangvereins Frohsinn, worauf Kirchenrat Weber, der Vorsitzende des hiesigen Bezirksvereins, die Versammlung mit einer Ansprache eröffnete. Oberstaatsanwalt Theobald führte in fast einstündiger Rede in klarer und sehr verständlicher Weise an einer Reihe von Beispielen auS dem täglichen Leben aus, wie schädlich und verderbenbringend der übermäßige Genuß des Alkohols ist, für so manchen Menschen, manche Familie, ja für ein ganzes Volk. Besonders ergreifend waren feine Ausführungen, die er über den Brudermord in Rendel machte. Er fand einige Stunden nach dem Vorfall seine Ahnung, daß auch hier der Alkohol der Urstifter der schrecklichen Tat sei, vollauf bestätigt. Mit der Aufforderung: Jeder Einzelne möge dem übermäßigen Alkohol- g en u 6 kräftig entgegenarbeiten, um sich selbst, seine Familie und seine Mitmenschen vor Schaden zu bewahren, schloß der Redner feinen mit großem Beifall aufgenommenen hochinteressanten Vortrag. Kirchenrat Weber dankte dem Redner im Namen aller Erschienenen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese das Gehörte beherzigen und betätigen. Zum Schluß gab der Gesangverein „Frohsinn" unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Banda ß, einige herrliche Lieder zum besten und erntete damit reichen, wohlverdienten Beifall.
-r Lauterbach, 20. Mai. Heute nachmittag fand im Saalbail zum Johannesberg unter sehr zahlreicher Beteiligung die 1. diesjährige ordentliche Hauptversammlung des landwirtschaftlichen Bezirksoereins Lauterbach statt. Oekonomierat B a ck h a u s - Rlidlos eröffnete in Vertretung des 1. Vorsitzenden Kreisrat von Bechtold die Versammlung. Bei der Wahl der Ausschußmitglieder für die Periode 1906/09 wurden die seitherigen einstimmig wiedergewählt. Sodann wurde von Oekonomierat Backhaus und Kulturtechniker Kunz auf die Vorteile hingewiesen, die sich den Landwirten durch die frühzeitige Bestellung von Kunstdünger bieten. Die Anwesenden wurden aufgefordert, ihren Bedarf rechtzeitig anzumelden. Nach einer Besprechung über
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung iu Hessen für Dienstag, den 22. Mai 1906: Wolkig bis trüb, doch leicht trocken. Nachts stellenweise Aufheiterung, in tieferen Lagen Nachtfrost. Am Tage etwas wärmer.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 21. Mai. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der beiltigen Fruchtmarktpreise. Weizen Alk. 19.50—00.00, Knrhcssischer Mk. 19.50—00.00, La Plata Mk. 19.50—20.50, Kansas Mk. 19.25—20.25, Roggen (hiesiger) Mk. 17.25 —17.50, Gerste (Wetteraneri Mk. 17.25—17.75, Franken- ielder Mk. 17.75—18.25, Hafer 16.75—18.00, MaisMk. 12.25—13.50, Weizenmehl 27.50—28.00, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 25.00 bis Mk. 26.00, 3. Qualität Mk. 23.00—23.50, Roggenmehl 0 Mk. 25.00—26.25,1. Qualität Mk. 23.00—24.25, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.00—11.50, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 12.25, Franken, Pfälzer, Ried Alk. 17.25—18.25. Alles per 100 Kg. ab hier.
fc. Frankfurt a. M., 21. Mai. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 500 Ochsen f 161 aus Oestreich, 38 Bullen, 0 aus Oesterreich, 746 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 15 aus Dänemark, 329 Kälber, 398 Schafe und Hämmel, 300 Schweine, 0 Ziegen, y Ziegen-, 0 Schaslännner. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 74—76 Mk., 2. Qual 66-68 A'k., 3. Qual. 61—63Mk.: Bullen l.Qnal. 67 bis 69 Mk., 2. Qual. 64—66 Mk.: Kühe 1. Qual. 72—74 Mk., 2. Qual. 67—69 Mk., 3. Qual. 47-49 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: 1. Qual. 90—95Pfg., Lebendgewicht 55—60 Pf., 2- Qual. 90—95 Psg., Lebendgewicht 55—60 Psg., 3. Qual. 00-00 Psg., Schlachtgewicht 00-00Psg., Schafe: l.Qnal. 78-80, 2. Qual. 00—00 Psg., 3. Qual. 00—00 Psg.; Schweine 1. Qual. 67—00 Psg., Lebdgew.52.50—00.00 Pfg., 2.Qu.65-66 Psg., Lebend- gew. 51—51.50 Psg., 3. Qual. 00—00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh flott, bei Kleinvieh flott, kein Ueberstand. Aus Dänemark kain 1 Bulle.
OrrgZssaL-Drahtiiieldnngen.
. fc. Treysa bei Marburg, 21. Mai. Der Weißbinder-- melfter Keil stürzte gestern von einer Leiter und erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf starb.
H a m b u r g , 21. Mai. Auf das an den deutschen K a i fer gesandte Huldigungstelegramm ist beim deutschen Flottenvercin folgende Antwort eingegangen:
„Ich habe mich über das treue Gedenken der zur 6. ordentlichen Hauptversammlung vereinigten Mitglieder des deutschen Flottenvereins sehr gefreut und ersuche Eure Durchlaucht, allen Beteiligten meinen wärmsten Dank auszusprechen.
m . Wilhelm."
xsm Verlause der Verhandlungen nahm die Hauptversammlung eine Resolution an, in welcher es heißt, daß die Ziele des deutschen Flottenvereins noch nicht erreicht seien und es nach wie vor die Aufgabe des Vereins sei, für schnelleren Ersatz der minderwertigen Schiffe durch vollwertige und für Herabsetzung des Lebensalters der Linienschiffe und Ktcuzer ein- zutteten.
Paris, 20. Mai. (Mitternacht. 1 In 156 Wahlkreisen, die sich auf 65 Departements einschließlich Algier und Martinique verteilen, fanden Stichwahlen zur Dcputiertenkam- m e r statt. Bisher sind 105 Resultate bekannt. Es wurden gewählt 1 Nationalist, 4 Progressisten, 1 Antisozialist, 14 linV- stehende Republikaner, 20 Radikale, 41 sozialistische Radikale, 18 geeinigte Sozialisten und 6 unabhängige Sozialisten. Von den konservativen Kandidaten ist nach den bisl Mitternacht vorliegenden Meldungen keiner gewählt. Die Konservativen verloren bis jetzt 4 -Sitze, die Nationalisten 9, die Progressisten 16, die linksstehenden Republikaner gewannen 6, verloren 3, die Radikalen gewannen 8, verloren 4, die sozialistischen Radikalen gewannen 15, verloren 6, die geeinigten Sozialisten gewannen 15, verloren 3, die unabhängigen Sozialisten gewannen 2, verloren 3.
Paris, 21. Mai. (3 Uhr früh.) In der künftigen Kammer werden die einzelnen Parteien in folgender Stärke vertreten sein: orthodoxe Sozialisten 53, unabhängige Sozialisten 19, Radikal-Sozialisten 129, Radikale 115, demokratische Union 82. Auf die Opposition entfallen 75 Gemäßigte, 77 Klerikale und 29 Nationalisten. Zehn Wählen sind noch nicht bekannt oder politisch zweifelhaft.
Rom, 20. Mai. Der König hatte eine Unterredung Zwecks Lösung der Krise mit Finali, Giolitti und Ga l l e.
Beschaffung von Saatgut wurde zur Tagesordnung für die gleichzeitig stattfindende Generalversammlung des Zucht- vereins Lauterbach für Züchtung der Simmenthaler Nindviehrasse übergegangen. An Stelle des Kreisrats Dr. Wallau wurde Kreisrat von Bechtold zum Vorsitzenden gewählt. Nach der Wahl der Obmänner und deren Stellvertreter für die Lokalvereine trug Bürovorsteher Bechtold die Rechnung für 1905 und den Voranschlag für 1906 vor. Nach längerer Verhandlung wurde beschlossen, daß am 26. Juli d. Js. in Grebenhain eine Ortstierschau stattfinden solle. Außerdem werben noch 2 Stallschauen in den Vereinsbezirken 9 und 10 im Laufe dieses Jahres abgehalten. Hierauf folgte noch eine Besprechung wegen Eröffnung und Beschickung der Jun gviehweide Lauterbach. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles wurde Professor Dr. Backhaus das Wort zu einem Vortrag über Nutzbarmachung des Wassers erteilt. Der Redner führte in verständlichster Weise aus, auf welche Art sich die Landwirt- chaft das Wasser als Kraft und zur Förderung des Pflanzenwuchses nutzbar machen kann. Anhaltender Beifall lohnte ihn ür seine interessanten Ausführungen, und es ist zu wünschen, daß die gegebenen Anregungen auf fruchtbaren Boden geästen sind.
Nebcrschwemmungcn in Württemberg.
Stuttgart, 20. Mai. Durch einen ungeheueren Regenfa ll, der von gestern abend bis heute nachmittag 5 Uhr anbauerte, sind namentlich in ben süblichen und mittleren Landesteileu gewaltige U e berschmem m ungen entstanden. Am schwersten heimgesucht wurde Reutlingen, wo zwei Fabriken eingerissen und alles fortgeschwemmt wurde: auch ein Sargmagazin wurde fortgeschwemmt. In Urach wurde ein Wehr verstopft, sodaß Pioniere aus Ulm telegraphisch zur Hilfe herbeigerufen werden mußten, die heute abend um 7V2 Uhr eintrafen und sich sofort an die Sprengarbeiten machten.
Der ganze mittlere Neckar ist ein riesiger See von Plochingen bis Eßlingen und ebenso zwischen Nördlingen und Plochingen. In Laupheim und Biberach bildeten die Flüsse ungeheure Seen; au beiden Orten mußte die Feuerwehr alarmiert werden, um die Bewohner tief gelegener Häuser mittels Leitern zu retten.
Der Regen hat solches Hochwasser im Gefolge, wie seit mehreren Jahrzehnten nicht. Nebenflüsse des Neckar, die Fils und die Kersch, sind ausgetreten und haben das ganze Flußtal unter Wasser gesetzt: das Wasser drang in die Keller ein und beschädigte auch die Wiesen vielfach. Das Hochwasser des Neckars r' rte abgerissene Stege und eine Menge Scheiterholz, Schubka. en, Fässer und anderes mehr mit.
Budapest, 21. Mai. Kaiser Franz Josef ist geffern abend hier eingetroffeu, von einer nach Zehntaufenden zählenden Menge begeistert begrüßt.
Petersburg, 20. Mai. Die Hofpartei fühlt sich, als Herr der Situation und leitet das Kabinett als ein willfähriges Werkzeug in ihren Händen. Trepvwi verlangt, daß sofortige Repressiv-Maßregeln gegen die Duma verhängt werden, der Kriegszustand über Petersburg verhängt, eventuell die Militärdiktatur unter Durnvwo erklärt wird. Tie äußersten Kvnzessionen, die der Duma gemacht werden könnten, wäre eine teil“ to.eife Amnestie und die Hergabe von einigen 10000 Teßjatinen Kabinettsländereien. Sollte sie damit rricht zufrieden fein, so müßte die Duma als revolutionär auseinandergejagt werden.
Te!ef©msche Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen.
Frankfurter Börse. 21. Mai. 1.15 Uhr.
3%°/0 Reichsanleihe . . 99.90 3% do. . . 87.95 3)£°/o Konsols .... 99.90 3% do 87 95 31^% Hessen 98.90 3%°/o Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 100.40 4'/« ?.< Oesterr. Silberrente 100.70 49.; Ungar. Goldrente . . 96.50 4% Italien. Rente . . . 105.60 3 °o Portue-ieseu Serie I . 69.30 3% Portugiesen „ UI 70.30 4%°/'o rnss.Staatsanl. 1905 91.65 4Japan. Staatsanleihe 95.25 4 % Conv. Türken von 1903 95.00 Tiirkenlose ... . . 147.60
4% Griech. Monopol-Anl. 54.30 4% äussere Argentinier . —.— 3°/0 Mexikaner . . . 69.70 4^°/0 Chinesen .... 97.80
Aktien:
Bochum Guss 254.90 Buderus E. W . ... 135.75
Elektriz. Lahmeyer . . . 155.90 Elektriz. Schnckert . . . 134.75 Esch weil er Bergwerk . . 266.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 227.00 Hamburg-- Amerik. Paketf. 164.30 Harpener Bergwerk. . . 218.75 Lanrahütte 250.00 Nordd. Lloyd . ... 130.75
Oberschles. Eisen-Industrie 132.60 Berliner Handelsges . 172.60 Darmstädter Bank . . . 142 40 Deutsche Bank . . . 238.50
Deutsch-Asiat. Bank . . 184.80 Diskonto-Kommandit. . . 186.20 Dresdner Bank . . . 160.80 Kreditaktien 212.40 Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn . . . 107.60
Gotthard bahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 24.50 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.20 Prince-Hcnri-Eisenbahu . 151.50
Tendenz: ruhig.
Berliner Börse, Canada E. B — Darmstädter Bank . . . 142.10 Deutsche Bank . . . —.—
Dortmunder-Union 0. . . 91.25 Dresdner Bank . . 160.80
Tendenz: schwach.
1. Mai. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 218.70
Lanrahütte 249.80
Lombarden E. B. . —.—
Nordd. Lloyd 130.70
Türkenlose 146.60
Für die gesamte Redaktion verantwortlich in Vertr. Ernst Heß.
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