Ausgabe 
21.5.1906 Zweites Blatt
 
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Zweites Matt

Nr. 118

ISS. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen

stets Lehrmeister

f ien

das wie und So kein

ttodnt »rUH mit Ausnahme des Sonntags.

Die ..Siebener FamttienblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Edelfisch« Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Montag Al. Ma« 1906

Rotationsdruck und Verlag der Brflbfldx* UniverfttätSdruckerei. 9L Lange. OteN*.

Redaktion. Expedition n. Druckerei: SchulNr,I.

Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr. r Ln-etger Ließ«.

denken. Es ist aber auch im gleichen Älaße von Wert, der Beziehungen zu gedenken, die eS ermöglichen, daß wir uns gegenseitig über Dinge aussprechen können, m die wir eine Einmischung von Fremden nicht dulden würden.Mor- ning Post' sührt aus: Der Wettbciverb zwischen den beiden Ländern führt nicht zu einem ernsthaften Kriege, dec Wett­bewerb im Handel zwischen den Ländern führt nicht zu dem Gedanken politischer Feindseligkeiten, außer bei einigen Hitz­köpfen. die niemand ernst nimmt; die Beunruhigung kommt nur von den politischen Theoretikern, welche a priori davon überzeugt sind, daß der Krieg notwendig und unvermeidlich ist.

politische Leben derart von Jntriguen beeinflußt wird in Italien; das Streben aller Parteien zielt hier einzig allein darauf hin, an die Negierungskrippe zu kommen, lag für den Sturz des Kabinetts Giolittl eigentlich gar Grund vor, aber die Gruppe Sonnino, Socchi, Rudini,

Ferri und Gallo ließ nicht eher nach, als bis sie ihr Ziel erreicht hatte. Dann hieß es die Beute verteilen, aber Son­nino, dessen Fraktion kaum fünfzig Mann zählt, beging die Torheit, an seine eigene kleine Partei fünf Portefeuilles 311 vergeben, anstatt durch kluge Nerteilung sich eine starke Majorität zu sichern. Natürlich stellten ihm die um ihre Hoffnungen Betrogenen bald genug ein Bein, und die Sezession der Sozialisten bot Veranlassung, daß die schwache Position Sonninos zusammenbrach. Welche Entscheidung der König treffen wird, weiß man noch nicht, aber es erscheint nicht aus­geschlossen, daß er vielleicht zur Kammerauflösung schreitet. Ist doch das ganze Land reformbebürftig an Haupt und Gliedern, aber es fehlen der italienischen Bevölkerung leider ziemlich alle die Eigenschaften, die ein Staatsgebilde zum Gedeihen bringen. Und hierin liegt eben der Grund, daß sich kem Ministerium halten kann auf dem Monte Eitorio!

Gäste über den Verlauf des Aufenthalts mit der Versicherung Ausdruck, daß sie mit freudigen Erinnerungen und der Hoff­nung auf fortdauernde fteundschaftliche Beziehungen zwischen England und Deutschland nach der Heimat zurückkehren.

Die Vertreter der deutschen Stadtverwaltungen sandten nachfolgende Depesche an den König ab:

ES ist unS ein tiesgefühltes Bedürsnis beim Scheiden aus diesem schönen Lande, mit dessen Bevölkerung die Vertreter deutscher Städte herrliche Tage verleben dursten, Eurer Majestät unseren alleruntertänigsten Tank für die unseren Landsleuten und uns iviederholt erwiesene königliche Huld auszudrücken. Wir »'erden die in England verlebten ^age nie vergessen.

Die Stadtvertreter richteten in Erwiderung des Briefes, den der Prinz von Wales an sie gerichtet hatte und in dem er sein Bedauern darüber ausspricht, daß es ihm un­möglich sei, sie zu empfangen, an den Privatsekretär des Prinzen, Arthur Bigge, ein Erwiderungsschreiben, in dem sie ihm ihren Dank dafür aussprachen, daß er der Ansicht Ausdruck verliehen habe, daß dieser Besuch die glücklichsten Folgen haben werde. Die Einladung nach Windsor und der Empfang durch die Majestäten im Buckmghampalaste werde zu den angenehmsten Erinnerungen des Besuches zählen, bei dem sie so viel herzliche Gastfreundschaft vom englischen Volke empfangen hätten.

Die Vertreter der deutschen Stadtverwaltungen reisten heute früh über Vlissingen nach Deutschland ab.

Die Blätter besprechen den Besuch der deutschen Stadtvertretungen in London.Daily Telegraph' sagt: Es genügt, zu sagen, daß in diesem Augenblick keine Streit­frage besteht, die eine wirkliche Entfremdung zwischen Deutsch­land und England rechtfertigen könnte. Wir werden oft an die Bande deS Blutes und der Abstammung erinnern, die | Engländer und Deutsche verbinden und deren wir gern ge-

Temwch sei darauf hmgerviesen, daß dem telegraphischen Berichte von gestern bezüglich der Festsetzungen über die Bagdadbahn noch die Bemerkung des-Standard" hinzuzufügen wäre, daß die Linie von Bagdad nach dem Golf auch internationalisiert werden könnte.

DerObserver" erklärt die Meldung sei vollkommen aus der Luft gegriffen. Unmittelbare Verhandlungen wären nicht gepflogen worden und würden auch jetzt nickst gepflogen.

ten offen mitgeteilt. ri , .

Den Meldungen desStandard" über dre bevorstehende dauernde Regelung der englisch-russischen Interessensphären in Asim wird heute von verschiedenen Seilen widersprochen.

Deutsches Neich.

Berlin, 19. Mai. Der Kaiser fuhr heute nachmittag von Potsdam kommend mit dem Automobil beim ReichL- kanzlecpalais vor und nahm dort einen längeren Vortrag des Reichskanzlers entgegen. Im Anschluß hieran ging der Kaiser mit dem Fürsten Bülow etwa eine Stunde im Garten des Reichskanzlerpalais spazieren. Später nahm der Kaiser bei der Fürstin v. Bülow den Tee und begab sich mit dem Automobil nach Potsdam zurück.

Berlin, 20. Mai. DieFr. D. Pr." veröffentlicht einen von zahlreichen Parlamentariern, politischen und anderen Persönlichkeiten unterzeichneten Aufruf zur Errichtung eines Denkmals für Eugen Richter. Vorsitzender de8 Arbeitsausschusses ist Abgeordneter Müller-Sagan. Bei­träge nimmt die Bank für Handel und Industrie in Berlin entgegen.

Dresden, 18. Mai. DieDeutsche Wachts das Organ der antisemitischen Reformpartei im Königreich Sachsen, die vor etwa 1b Jahren mit einem Aktienkapital von 250 000 Mark ins Leben gerufen wurde, stellt, nachdem unlängst der Konkurs über die VerlagSsirma verhängt wurde, Ende nächster Woche ihr Erscheinen endgiltig ein. Den Parteigängern des Antisemitismus bat dieses Blatt im Laufe der Jahre viel Geld gekostet.

5>ie deutschen Städtevertreter in Kngland.

Birmingham, 20. Mai. Die Vertreter deutscher Stadtverwaltungen sind gesternMorgen hier cingeiroffcn. Sie wurden nach einer Rundfahrt durch die Stadt vom Lord­mayor im Rat Hause bewirtet. Die deutschen Stadt­vertreter begaben sich hierauf nach Bourneville, wo sie das von dem Direktor derDaily News', George Cadbury, begründete Musterdorf besichtigten. Der Präsident der Lon­donerDaily NewS', Cadbury, gab ein Frühstück, bei welchem mehrere Trinksprüche gewechselt wurden. Einer der deutschen Gäste wieS auf die Gemeinsamkeit der Rasse zwischen Engländern und Deutschen hin und meinte, die Geschichte wisse von keinem Streit zwischen beiden Nationen. In

der industriellen Welt aber sei England gewesen.

London, 20. Mai. Gestern ging deutschen Städtevertreter in England zu

Tagesschau.

Zur italienischen Miuisterkrifis.

Wenn in einem Staatswesen die Ministerkrisen sozusagen in Permanenz erklärt werden, so läßt dies wahr­lich auf keinen guten Gesundheitszustand schließen. In Italien hat soeben das Kabinet Sonnino wieder eine Niederlage im Parlament erlitten, sodaß der Premier der Krone seine De­mission anbot. Man war zwar von Anfang an davon über­zeugt, daß das nur mit Mühe und Not zu stände gekommene Ministerium nicht im stände sein würde, irgend einer Kom­plikation in der Kammer die Spitze zu bieten, allein man hatte doch nicht erwartet, daß die ganze Herrlichkeit nicht länger als drei Monate dauern sollte. Es gibt Serbien vielleicht ausgenommen fein zweites Land in Europa, wo

der Besuch der Ende. Ober- diesem Anlaß bei

bürgermeister Kirschne r-Berlin gab aus einer Abschiedsfeier der allgemeinen Freude der deutschen

Eine englisch-russische Verständigung?

London, 20. Mai. Wie derStandard" meldet, haben die Verhandlungen zu einer englisch-russischen Verstän­digung, hauptsächlich mit Bezug auf die Türkei, Per­sien, Afghanistan und Tibet, einen vorgerückten Stand erreicht und werden zu Ende geführt werden, wenn die neue Ver­fassung Rußlands zur Ausführung gelangt ist. Rußland zücht keinen Hafen im Persischen Golf. Die russischen und englischen Einflußsphären im Norden und Süden von Persien sind durch di- Salzwüste getrennt. Die Eisenbahn fr a g e Per siens bildet die Hauptschwierigkeit, aber sie wird vorausiickstlick) dadurch geregelt werden, daß Rußland die kaukasische Bahn bis -ar Verbindung mit der Bagdadbahn ausdehnt, wobei Deutsch­land die Oberaufsicht über die Eisenbahn von Konstantinopel biS Bagdad erhält, während England die Kontrolle des Abschnittes von Bagdad bis zum Persischen 'Golfe übertragen werden soll. Im na^n Osten dient für das Hauptprinzip der Einigung die Be­wahrung der Integrität des türkischen Reiches auf der Grundlage des status quv. Der status guv in Afghanistan und Tibet soll erhalten werden. Es ist dabei wichtig, zu bemerken, daß hierbei kein Uebereinkommen beabsichtigt ist, das als gegen Deutschland gerichtet angesehen werden könnte. Es ist« Ziel der britischen Politik, die schwebenden Fragm Mit allen Rationen zu ordnen. Die Bedingungen werden allen Mack)-

Aeyntcs Konzcit des Gießener Aonzert-Dere.ns.

(Dritter Kammermusik-Abend.)

Gießen, 20. Müi 1906.

An der Spitze des Konzertes stand das Brahmssche A-m-oll-Konzert, op. 102, für Violine (Rebner), Violoncell (H e g a r) mit Piano forte (Trautrn ann). Für den tiefen Ernst und die nachhaltige Bedeutung Brahms- scher Musik wird wohl erst einer späteren Zeit das volle Verständnis auf gehen. Doch ist in Gießen das zunehmende Interesse für Brahms schon jetzt unverkennbar. Am meisten wird der erste und letzte Teil des Mittelsatzes (Andante) mit seinen: ins Religiöse gehenden Zug und seiner weihe­vollen Stimmung gefallen haben. Der letzte Satz (Vivace) bringt fremdartige, an Zigeunerweisen und ungarische Tänze erinneriide Rhythmen und Klänge, ^oas ^.raut- mannsche Trio spielte vorzüglich und rn exaktem Zusam-

Als Solistin sang dann Frl. Küthe Hausse cms Darm­stadt das duftige Loeweschc ^dSüßes Begräbnis" und BrahmsFeldeinfamkeit" undVergebliches Händchen . Beide letzteren hat unseres Wissens auch Wüllnervor.eirngcn Fahren hier gesungen. Tie Solistin trar das Versunkene des Lr Grase hingestreckt Dahin träumenden, der m dre Himmel­blaue schaut und wähnt, als seliger Geist duA unendliche stiäume zu schweben, sehr gut, ebenso die neckische Abfuhr desVergeblichen Ständchens".

In der Pastoralromanze sur Cello und ^la­vier von T r a u t m a n n lernten die Konzertbesucher ihren Musikdirektor, mit dessen Erscheinen in Gießen unstreitig eine neue Aera des Aufstrebcns un musikalischen Leben unserer Stadt cinsetzte, auch als Koinponisten sck)atzen. Die Pastoralroinaiize will uns Sttmmungen erwecken, wie wir s^ aus der Sommerfrische kennen Bilder von weidenden Herden, üon grünenden Matten und fröhlichen Schalmeien. ÜJHt lebhaftem Beifall quittierte das Publikum.

Hierauf sang die Solistin die 3 ^chiimannschen lieber .Waldesgespräch",Nußbaum" undFrühlingsnacht'. Das Waldesqeiprach," behandelt die Loreley-Sage, aber in ver­änderter Form. DieHere Loreley" erscheint hier als Jägerin, zu Roß durch den Wald streitend. Zu spater Stunde spricht ein Jüngling sie anwas rett st du einsam durch den Wald?" Die Musik zeigt hier deutlich Anklange an die eigenartigen Schattierungen im Erlkönig. ^Tie Loreley warnt ihn, sie klagt über der Mqnner ^rug und List", durch Die jie zu Fall gekommen ist. ^och der Jüngling schmeichelt ihr umsomehr, er bewundert,re, plo^- M erk^mt er mit Schaudern - die Musik laßt [ein Ent-

liolonialpoft*

Berlin, 20. Mai. Rach einem Telegramm deZ Gvuverne- ments Deutsch-Ostafrika ist die U n t e r w e r f u n g der gebttgiaen Landschaften Ukinga und Upangawa am nordöstlichen Gestade des Nyassa-Sees in der zweiten Hälfte des Aprll be­endet worden, nachdem die Expedition deS Majors Johannes den Eingeborenen in verschiedenen Kämpfen einen Verlust von 400 Toten, 600 Gefangenen und zahlreichem Vieh beigebracht hatte. Tas Detachement Johannes hatte sich demnächst nach Osten gewendet und seine Tätigkeit nach dem Süden von Ma­tz e n g e verlegt, um un Verein mit den dortigen Truppen einen wnzenttischen Angriff gegen die Landschaft Aigende zu unter­nehmen. DaS Detachement von Blumenthal bestand am 10. und 11. April siegreiche Geleckte gegen den Suttan Schabrmua. Der Sultan macht den Versuch, von Songea über die portu­giesische Grenze zu entkommen. Es sind Gegenmaß- regeln getroffen worden.

Kapstadt, 19. Mai. Wie aus Ckewv gemeldet wird, stellten am 18. Mai von Rkhandla und dem Fort Yolland vorgehende Kolonnen die Verbindung her und hatten ein ernstes Arriere- gardegefecht gegen die Leute Bambaata's, die vvm Mkalaberge l)erabsticgen. 12 Rebellen sind gefallen. Auf eng- lischer Seite ist ein Offizier und ein Soldat verwundet worden.

setzen erkennen in ihr die HexeFworaus sie triumphierend verkündet, daß er nun verloren sei undnimmermehr aus diesem Wald" kommen werde. Diesesnimmermehr" mit seinem sieghaften Frohlocken über den unrettbar den weib­lichen Reizen verfallenen Mann hat bei Schumann eine imposante Vertonung gefunden. Das Lied ist auch für Dilettanten infolge seines einfachen, dramatischen Gehalles ein dankbares Stück. ImNußbaum" hat der Komponist Ntvzart-Schubertsche Vorbilder benutzt, um das Rauschen und Flüstern der Nußbaumzweige und -Blätter aus­zudrücken, die von einem Mägdlein, das sich nach einem Bräuttgam sehnt, erzählen und es in holde Träume wiegen. DieFrühlingsnacht" zeigt den Romantiker Schumann in seinem eigensten Stil; die mondglanzdurchflutete, laue Nacht, das Schlagen der Nachtigallen, das Seligtrauernde des Verliebten gibt ihm den rechten Stimmungsgrund. Das Lied stellt an Gesang und namentlich an die Klavierbegleit­ung dissicile Aufgaben. Tie Solistin hatte sich auch mit den Schumann-Liedern so ins Herz der Zuhörer gesungen, daß sie den stürmischen Beifall mit dem Lisztschen Lied Die tote Nachtigall" beschwichtigen mußte, das sie mit glockenheller Stimme und reizenden Trillern sang.

Den Schluß des Konzertes bildete Mozarts G-dur- Trio, ein heiteres Kind dieses jugendfrischen, sonnigen Musikers. Wie abwechslungsreich und fein im Bau war der letzte Satz, das Allegreito von Variazioni! Freilich darf man nicht das Mozartsche Trio mit dem Brahmsfchen in Parallele bringen, beide sind nack) Zeit und Charakter grundverschieden. Vielen wird allerdings das Brahmssche einen tieferen Eindruck hinterlaffen haben. Wenn wir im Vorbeigehen der Konzertleituug mit Vorschlägen kommen dürfen, möchten wir bei dieser Gelegenheit empfehlen, immer, wenn Lieder gesungen werden, im Programm auch den Text beizugeben, auch im Interesse der auswärtigen Kvnzertfreunde, die auf Bahnanschluß rechnen müssen, Die mutmaßliche Dauer des Konzertes anzugeben.

So stehen wir wieder am Schluß eines Konzert- jahres und können als Gießener stolz auf unser musi­kalisches Leben und das Geleistete sein. Wie Jupiter die Kometen, die in seine Mhe kommen, einfangt und in seinen Bereich zwingt, so sehen wir Sterne erster Größe am musikalischen Himmel ihren Lauf and) durch das kleine Gießen nehmen und periodisch zu uns zurückkehren. Hoffent­lich wird das Ideal, dessen Verwirklichung unsere Stadt auf dem Gebiete des Theaters nüi)e zu kommen sucht, sodaß sie mit der Zeit die verächtlichen Sütenblicke und Nastn- rümpferei über dieProvinzcheater" Lügen strafen wird, allmählich aud) dem musikalischen Gießen beschert sein,

die höchsten Werke dem Publikum auch in einem ent­sprechenden Raum verführen zu dürfen. Dann werden die Nachbarstädte noch mehr, als bisher, musikalische Anlehen bei uns aufnehmen und hierher zum Konzertbesuch kommen. Stellt doch schon selbst die benachbarte Musenstadt Mm> burg alljährlich eine Anzahl Konzertbesucher, die ständig den Gießener musikalischen Darbietungen anwohnen.

In der Anordnung, Die der Gießener Konzert-VererN in der letzten Saison getroffen hat, bietet er vieles und sicherlich etwas Jedem unter den vielen Geschmacksrichs- tungen, den enthusiastischen Verehrern gewaltiger Chvr- und Orchestermusitäufführungen, die sich nur dann musi­kalisch wohl fühlen, wenn unter dem Ansturm großer Ton, massen die Nerven bis in die feinsten Spitzen vibrieren, den Freunden des intimen, salonmäßigen Charakters der Kammermusik, den Liebhabern der Gesangs- und Klavier­solisten oder von Violinvirtuosen. Ob der Konzertverein bei der Neuordnung der Abonnements, die dem Publikum geringere materielle Opfer zumutet und mehrere Möglich­keiten der Beteiligung gestaltet, auch finanziell seine Rech- nung findet, darüber ist tvohl, nachdem erst eine Saison vorübergerauscht ist, ein abschließendes Urteil noch nicht möglich. Am Publikum ist es jedenfalls, durch regsten Besuch der mufifalifdjen Darbietungen das Untermehnen zu unterstützen, lebensfähig zu erhalten und in seinen künstlerischen und finanziellen Leistungen noch steigern zu helfen. Es gehört ja in Gießen schon seit geraumer Zeit zum guten Ton, guten Tönen zu lauschen. Unmettklich bildet sich zu dieser moralisch-gesellschaftlichen Stimmung mit der Zeit auch eine gute Grundlage von MusikverstänDnis und Liebe zur Tonkunst heraus und damit die Neigung zu einer immer vertrauter und unentbehrlicher werdenden Einrich­tung. Und der Besuch wird reichlich gelohnt. Hörten wir doch die Klaviertitanin Carenno, die Lieder der Wedekind und des Buff, den jugendlichen Backhaus, die Solisten Petschnikoff und Zilcher, schöne Chor- und Orchesterwerke, wie Mozarts Requiem und Bachshohe" Messe in H-moll, sowie die feinsinnigen KammermusikDarbietungen und vieles anderee.

Wenn wir das alles so im Geist überschlagen und mit frühem Zeiten vergleichen, dann sehen wir, daß das musikalische Barometer in Gießen stets im Steigen ist und uns noch schöners Wetter verspricht. Darum ein fröhliches Auf Wiedersehen" im nächsten Konzertjahr, und wenn Frau Musica uns wieder ruft, Dann eilt in Scharen herbei, um mitzutun im Reich der Töne! L.

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ebote unter 03692 "Anzeiger erbeten, hifles Mädchen Hausarbeit oder idchen sucht per geböte unter 3217 r Anzeiger erbeten.

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