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21.4.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 93

Zweites Blatt

156. Jahrgang

Redaktion. Expedition u. Druckerei: ©djufftr.t, Tel. Nr. 5L lelegt^Öbt. 1 Ln-eig« Gtthe»,

Erscheint Mtzlich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSlehener Kamlllenblattek" werden dem »Anzerger viermal wöchentlich beigelegt. Ter «^lstfch« taübwlrr* erscheint monatlich einmal.

Samstag S1. April 1906

Rotationsdruck und Verlag der Brühl Ich» Unwersttätsdruckerei. R. Lange. Gretze».

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

KeKanntmachmlg.

Betr.: Gesuch des Gutspächters Richard Borne mann zu Obbornhofen um Genehmigung zur Aufstellung eines feststehenden Dampfkessels.

Gutspächter Richard Bornemann zu Obbornhofen beabsichtigt auf dem Gräflich Sollus-Laubach'schen Hofgut in Obbornhofen einen feststehenden Dampfkessel in Betrieb zu setzen.

Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieses im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dein Bureau der Großh. Bürgermeisterei Obborn­hofen zur Einsicht der Jntereffenten offen.

Etwaige Einivendungen sind binnen dieser Frist bei Meidung des Ausschluffcs bei Großh. Bürgermeisterei Obborn- hofen vorzubringen.

Gießen, den 17. April 1906.

Großherzvgliches üTeisarnt Gießen. I. V.: Dr. Wagner.

Sckmntmachrnrg.

Großherzogliches Ministerium des Innern hat in Ab­änderung feiner Verfügung vom 24. August 1905 zu Rr. M. d. I. 27 315 dem Verein für Massenverbreitung guter Volkslilecatur (eingctr. Verein) zu Charlottenburg die ErlattbniS erteilt, 20 000 Lose der am 1. Juni ds. IS. zur Ausspielung gelangenden ersten Serie der von ihm zu veranstaltenden Allgemeinen Deutschen Bücher- und Bilder­lotterie 1905/06 innerhalb des Großherzogtums zu vertreiben. Zum Verrieb in Heffen dürfen nur mit dem Hessischen Zu- laffungSstempel versehene Lose gelangen.

Rach dem abgeänderten und von der zuständigen Be­hörde genehmigten VcrlosungSplan dürfen 500 000 Lose ä 1 Mk. auSgegeben werden und muß der Gesamtwert dec Gewinne 512 559 Mk. betragen.

Gießen, den 20. April 1906.

Großhcrzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner.

'Amtliche Nachrichten über Bichseuchen.

In einem Gehöft zu Münch-Leusel (Kreis Alsfeld) ist die Schweineseuche ausgebrochen. Die Sperre über dieses Gehöft ist verhängt.

Die in einem Gehöft zu Reibertenrod (Kreis Als­feld) ausgcbrochenc Schwcinerottauffeuche ist erloschen und die Gehöftsperrc rvieder aufgehoben.

politische Tagesschau.

Ein deutsch-amerikanisches Bündnis?

Von der Möglichkeit eines Bündnisses zivischen Deutsch­land und den Vereinigten Staaten ist wohl hin und wieder nn den Kreisen eifriger, aber unverantwortlicher Politiker gc- Iprochcn worden. Doch sind ivir noch chicht einer ernsthafter nehmenden Erörterung dieses Gedanken? begegnet. Umso- nnehr muß es überraschen, daß die neue Nummer der ,Grenz- Loten", in denen zuweilen Notizen von zweifellos unterrich­teter Seite enthalten sind, mit dem Thema sich näher be- Ichäftigt. DieGrenzboten* sind der Meinung, daß es in Deutschland wohl nur eine geringe Zahl ernster Politiker geben werde und diese ausschließlich in den Kreisen der deutschen Landwirtschaft, die einem Bündnis mit Amerika oder einem einem Bündnisvertrag gleichwertigen Verhältnis nicht von ganzem Herzen zustimmen würden. Ob die Zu- fftimmung wirklich so lebhaft sein würde, daS möchten wir bezweifeln. Die Amerikaner können Deutschland bei inler- vationalen Verwicklungen nützlich sein durch Vermittlung und onderc diplomatische Schritte, sie können im Kriegsfall durch Warenzufuhr und sonstige Lieferungen, die sic schon zu sichern wüßten vor dem Spähcrblick unserer Gegner, höchst schätz­bare, übrigens auch Vorteil bringende Dienste leisten. Aber was soll uns der Beistand der Nation als Verbündeter? Militärisch sind, wie bekannt, die Amerikaner dritten oder vierten Ranges. Für die Schaffung einer imponierenden Kriegsflotte /sind zwar ungeheure Summen, auf Roosevelts Betreiben, verausgabt worden; nur wirken nicht die Zahl und Größe der Schiffe entscheidend, sondern die Leitung dieser Kolosse und die Tüchtigkeit der Mannschaft. Der amerikau. Marine fehlt in dieser Hinsicht noch vieles. Mit Geld läßt sich eben nicht alles im Augenblick schaffen. Ganz abgesehen davon, ob in den Verein. Staaten Stimmung für ein deutsch- amerikanisches Bündnis vorhanden ist was wir für keincs- ivegs sicher halten macht auch die Unruhe und Unter» riehmungslust der amerikanischen Politik ein Bundesverhältnis nicht empfehlenswert. Die Amerikaner, der ehrlichen Treue Deutschlands gewiß, würden wahrscheinlich noch hundertmal mehr Gelegenheiten als jetzt entdecken, um sich der Ehre oder der Würde halber einzumischen. Dieser Bündnisgedanke scheint unS eine Illusion. Einstweilen zeigen die Amerikaner milcht einmal Neigung, Deutschland wirtschaftliche Gcgen- lieistunacn zu gewahren. Oder soll etwa Deutschland zu- gemutst werden, auch die Lasten eines Bündnisses allein zu tragen?

*

Der Handelsvertrag mit Schweden soll dem Vernehmen nach dem Reichstage iun Mai zugehen. Eine agrarische Opposition ist aller- toings angekündigt für den Fall, daß an Schweden Zu­geständnisse auf veterinärem Gebiet gemacht werden sollen. Da der Reichstag aber der Finanzreform und der Diäten-- voorlage wegen beschlußfähig wird, dürfte sich eine große Mehrheit für den Vertrag finden, sofern die Bedingungen in d«r Hauptsache annehmbar sind. Die Vertragsoerhandlungen

mit China sollen ziemlich weit vorgeschritten sein, aber über dem Abschluß und der Fertigstellung der Vorlage für den Reichstag wird wohl der Herbst herankommen. Die deutsch- spanisch en Handelsbeziehungen bilden ein Kapitel für sich. Der Meistbegünstigungsvertrag ist gekündigt, und daS Inkraft­treten des deutschen Generaltarifs unvermeidlich, wenn nicht bis zum Juli eine neue Vereinbarung erzielt wird. Der HandelsoertragSverein ift jetzt damit beschäftigt, die zahlreichen gegen den neuen spanischen Tarifentwurf einlaufenden Rekla­mationen zu einer Eingabe zu verarbeitep, damit diese bei den bevorstehenden Vertragsverhandlungen mit Spanien Berücksichtigung finden können.

Tie ostafiatische BesahungSbrigade, deren Unterhaltung sehr tostspielig war, Hut von Tsingtau aus die Heimreise angetreten. In China verbleibt nur noch das in der Provinz Petschili stationierte Detachement und die Gesandtschastswache in Peking. Tie' letztere zu vermindern, ist, nach der Ert'lärmtg des preußischen Kriegs- ministers in der Budgetkommission, nicht möglich, solange nicht die anderen Staaten ein Gleiches tun. Bei dem ge­legentlich immer wieder aufflackeruden Fremdenhaß der Zopstrager wäre es wohl auch nicht rötlich, den Weißen den militärischen Schutz ganz zu entziehen. Ar: der Küste, auf den Zinnen Port Arthurs flattert das Sonnenbanncr Japans. Rußland ist mit seinen wenigen und ver­alteten Fahrzeugen in Wladiwostok hur Ohnmacht verurteilt. England scheint es Ernst zu sein mit der Rückgabe Weihaiweis an China, und das nmß nachdenklich stimmen. Hätte dieser Hasen wirklick so geringen strategischen Wert, wie man es jetzt in London oarzustellen beliebt, dann ist es verwunderlich, daß England sich seiner nicht schon früher entledigt hat; besteht doch daS Bündnis mit Japan seit Jahr und Tatz. Ter Gedanke läßt sich schwer abweisen, die Preisgabe Weihaiweis geschehe nicht zuletzt um Deutsch­lands willen, um dieses mit seinem Liautschou-Pacht- vertrag in eine Sonderstellung zu bringen und damit der Aufmerksamkeit der gelben Nationen zu em­pfehlen. Das Pachtrecht Deutschlands gilt noch für reichlich neunzig Jahre, aber es wäre ein bedenklicher Optimismus, anzunehmen, daß Deutschland bis ans Ende dieser Frist seiner Kulturarbeit in Frieden werde nachgehen können. Tie Befestigung Tsingtaus, für die im diesjährigen Etat die Schlußrate bewilligt wurde, soll ja auch erklärtermaßen gegen Ueberraschungen Schutz gewähren. Ter Staatssekretär v. Tirpitz verneinte zwar in der Budgetkommission die Frage, ob über die jetzigen Befestigungspläne hinaus Erweiterungs­bauten beabsichtigt feien, fügte aber vorsichtigerweise hinzu, man könne heute nicht üchrsehen vus in Zukunft notwendig sein werde. Eine Grenze scheint uns gleichwohl festgelegt: es darf Deutschland niemals beikommen, in Ostasien milü- tärisch mehr zu tun, als zur Aufrechterhaltung der Vceu- tralität und zum Schutz gegen Unruhen erforderlich ist. Kein verständiger Mann wird für ein Gut Aufwendungen machen, um auf eine Reihe von Jahren die Früchte eines einzigen Baumes zu ernten. Deutschland kann es nicht ändern, wenn England, Frankreich und Rußland in Ost- asien ihren besonderen Weg gehen. Es braucht sich um seine Isolierung nicht einmal zu sorgen, solange cs in guten Beziehungen zu China und Japan steht. Die Gelben sind viel zu kluge Politiker, um nicht den Wert einer Politik der Aufrichtigkeit, löie sie Deutschland treibt, den Segen einer Arbeit,»wie sie der deutsche Kulrurpionier verrichtet, zu ermessen. Je weiter die wirtschaftliche Erschließung Schantungs vorschreitet, umso augenfälliger wird diese Bedeutung des Deutschtums. Es gibt zwar keine internal. Solidaritär der Weißen in Ostasien, aber etwas, was die Stellung Deutschlands aus dem vorgeschobenen Posten dort am Ende festigt: die deutsche Solidität.

*

Aus Italien

liegen heute die folgenden Nachrichten vor:

Nom, 20. April. Hiesige Blatter wollen wissen, daß neue Unterhandlungen im Gange sind, um zu veranlassen, daß der deutsche Kaiser m Begleitung Kaiser Franz Josefs am 28. April anläßlich der Eröffnung der Ausstellung nach Mailand komme. Der deutsche Siaijer soll beim P a p st Schritte unternommen Hel um diesen wegen der eventuellen Anwesenheit des Kaisers , . .; Joses in Italien, ohne den Vatikan vorher besnchl zu haben, i ixichwlchttgem

Rom, 20.April. Tie talegorgche offiziöse Erklärung, daß keinerlei Verstimmung zwischen Italien und Deutschland bestehe, und daß der Treidelnd nichts an Festigkeit eingebüßr l-abe, veranlaßt die Blätter, ihre Polemik gegen Deutschland stark abzuschwächeli. Em ehemaliger Minister erklärte, es würde viel zur Beruhigung beitragen, wenn Fürst Bülow sprechen wollte, bevor in Italien das Parlament zusammen getreten sei. Tann würde alles rasch und glatt bei» gelegt werden.

* Zunächst ist die Bemerkung, daß der deutsche Kaiserin Begleitung" Kaiser Franz Josefs Mailand besuchen werde höchst ungehörig.. Sodann ist natürlich eine Jtalienfahrt Kaifcr Wilhelms ausgeschlossen nach dem das in mancher Beziehung höchst wetterwendische Italien arg brüskierenden und Oesterreich mannigfache Verlegenheiten und in eine schiefe Stellung den anderen Mächten gegenüber bringenden Golu- chowski-Telegramme. Immerhin ist es bemerkenswert, daß sich jetzt, wenn auch in plumpester Weise, italienische Blätter aus Leibeskräften bemühen, die Spannung zwischen Deutsch­land und Italien möglichst zu verwischen. Wertvoller ift, baß die neue italienische Regierung erklären ließ, sie sei für die Haltung ihrer Vorgängerin nicht verantwortlich. Während­dessen aber bricht in den unteren Klassen des Volkes eine Erbitterung gegen die Deutschen aus, die eigentlich Wunder nehmen muß. Bisher wandten sich die irredentistischen Herrschaften doch ausschließlich gegen die Deutschen Oesterreichs nunmehr wird kein Unterschied mehr gemacht, und auch Reichsdeutsche werden insultiert und sogar tätlich angegriffen, wenn man ihrer habhaft werden kann. Der Haß steckt also den Herrschaften, wie es scheint, doch tiefer im leicht erregbaren Blut. Wu die Dinge liegen, kann

unS die Deutschenhatz, die von den unteren Uallenischen Volks­schichten getrieben wird, nicht weiter berühren, falls nicht etwa regierungsseitig Reichsangehörige vor der Wut eines verrückt gewordenen Pöbels geschützt und die Bestrafung der Schuldigen verlangt werden muß. Die verantwortlichen Leiter der italienischen Politik sehen diese Deutschenhatz im gegebenen Augenblick sicher sehr ungern; sie wollen, wie nunmehr wohl feststehen dürfte, den Frieden mit Deutschland keineswegs brechen, wenigstens nicht in aller Form, und wären für eine möglichst ruhige Behandlung der peinlichen Affäre. Wir wissen nicht, wie sich die Reichsregierung dazu stellt, und ob vielleicht über einen Buße tuenden Sünder mehr Freude in Berlin wäre, als über ganz Oesterreich-Ungarn.

Aus Berlin wird heute folgendes gemeldet:

Eine Reise dcs Ka is e r s ii a ch M a r l a n d zum Besuch der dortigen Ausstellung ist, wie derTagt. Rundsch." zuverlässig mitgeteilt wird, niemals (.Wegen ftanb der Erörterungen ge­wesen. Es ist daher die Prophezeiung eines Mailander Blattes, der Kaiser würde bei seinem Beiuch von der Bevölkerung aus­gepfiffen werden, eine ebenio gegenstandslose wie pöbel- hafte Änd rohu n g.__________________________

DaS neue Bogelschntzgesetz.

DaS Gesetz zur Aenderung des Gesetzes betreffend den Schutz von Vögeln vom 22. März 1888 und zur Ein­führung des VogelschutzgesetzeS in Helgoland ist vom Bundes­räte dem Reichstage zugegangen und unS auS Hess. Par- lamentarierlreisen gütigst zur Verfügung gestellt worden. Es ist zu begrüßen, daß endlich die internationale Uebereinfunft vom 19. Februar 1900 zur Durchführung kommt:

Abs. 1 besagt: der § 1 und § 3 Abs. 1 erhalten folgende Fassung:

§ 1. DaS Zerstören und AuSheben von 91 e ft e r n oder Brutstätten der Vögel, das Zerstören und Ausnehmen von Eiern, daS Ausnehmen und Tölen von Jungen ist verboten. Desgleichen ist der Ankauf, der Verkauf, die An­kaufs- und Verkaufsvernriltelung, das Feilbieten, die Ein-, AuS- unb Durchfuhr und der Transport der Slefter, Eier und Brut von in Europa einheimischen Vogelarten untersagt. Dem Eigentümer und dem Nutzungsberechtigten und deren Bsaliftragten steht jedoch frei, Nester, welche Vögel in oder an Wohnhäusern oder anderen Gebäuden unb int Innern von Hofräumen gebaut haben, zu zer­stören. Witd) findet das Verbot keine Anwendung auf das Ein­sammeln, den 2lnkauf, Verkauf, die Ankaufs- und Verkaufs- vermittelmig, das Feilbieten, die Ein-, Aus- und Durchfuhr und den Transport der Eier von M ö w e n und K i b i tz e n , soweit es nicht burd) Lanbesgesetze ober durch landesp.olizeilid)e Anord­nung auf die Eier dieser Vögel für bestimmte Orte oder für be­stimmte Zeiten ausgedehnt wird.

§ 8, Absatz 1. In der Zeit vom l.März bis zum 15. S e p l e m b e r ist das Fangen und dieErlegung von Vögeln, sowie der Ankauf, der Verkauf, das Feilbieien, die Ver­mittelung eines hiernad) verbotenen An- und Verkaufs, die Ein-, Aus- und Durchfuhr unb ber Transport von Vögeln der in Europa einheimisd)en Arten überhaupt untersagt.

In § 5, Absatz 2, werden hinterdas Töten solcher Vögef die Worte »mit Feuerwaffen^ und in 8 5 Abs. 3 hinterzu wissenschast- lidjen und ^ehrzwecken" die Wortezur Wiederbevölkerung mit einzelnen Vogelarten" eingesdialtet, sodann den zuständigen LandeS- behörden die Ermächtigung erteilt, einzelne Tlusnahmen von den §§ 13 für eine bestimmte Zeit und für bestimmte Oertlid)keiten nicht nurzum Fange von iLtubenvögeln", sondern fürStuben- vögel" überhaupt zu bewilligen.

Ferner soll in 5 8 Abs. 11 der Kreuzschnabel aus der Liste der nützlicheit Vögel gestrid)en werden, ebenso sollen in § 8 Absatz 1 und 3 fallen, durch welchen das Fangen von K r a m m e t §- vögeln im Dohnenstieg vom 20. September bis 31. Dezember gestaltet, und den Berechtigten, iveldje außer eigentlichen Krammets- vögeln auch andere, nach dem Gesetze gesdzützte Vögel unbeabsichtigt einfangen, Straflosigkeit gewährleistet wird.

Wie au§ der Begründung heroorgeht, ist der Haupt­zweck der Pariser internationalen Vereinbarung von 1895, auf die die Novelle zurückzuführen ist, nicht erreicht worden. Er ging dahin, alle in Betracht kommenden Staaten zur tunlichsten Einschränkung der massenhaften Vernichtung der Zugvögel zu veranlassen. Der das Ergebnis jener Konferenz bildenden Uebereintunft von 1902 haben sich Italien und die am Südgestade des Mittelmeeres gelegenen afrikanischen Staaten, insbesondere Egypten, bislang nicht angeschlosfen, auch haben die bet der Unterzeichnung der Uebereinfunft beteiligten Staaten Griechenland und Por­tugal sich die Ratifizierung vorbehalten. Immerhin be­deutet die Uebereinfunft einen ersten Schritt vorwärts, auch bleibt weiterhin die nicht unbegründete Aussicht bestehen, daß es mit der Zeit gelingen wird, dem gewünschten Ziele auf dem eingetragenen Wege näher zu kommen. Obschon das bisherige deutsche Vogelschutzgesetz einen weiteren Vogelschutz gewährt als die internationale Uebereinfunft, fo ist es doch nötig, seine Vorschriften mit denen der letzteren in lieber- cinftimmung zu bringen. Diesem Zwecke dient die Novelle und damit gelangt eine Reihe von Wünschen zur Erfüllung.

Acutscher 'Krotcftantcnverein.

(Schluß.)

^Darmstadt, 20. April.

In der heute fortgesetzten Sektionsverfammlung, der auch Prof. D. Holtzmann-Straßburg beiwohnte, referierte Pfar-rer Heyn-Greifswald überDie religiöse Er­ziehung im Hause" in Anlehnung an folgende Sätze:

I. Tie Ausgabe der religiösen Erziehung ist die Heraus- arbeitung einer Persönlichkeit, die mit Vertrauen und Ehrfurcht in Cottes Welt gegründet und mit ihrer Kraft angetan, sich selbst, beit Zwang des Naturgesä-chens wie die Menschcnkneä'^ schäft überwindet und den Mitmenschen dient. Tie religiös-sitl-- liche Erziehung verdient vor der rein siUlichen den Vorzug. II. Tie Abwege, die die religiöse Erziehung im Hause zu ver­meiden hat: 1) Jede Mensäzenseele ift ein lebendiger Gottes- gebanfe, darum darf die Erziehung keine sd-ablonenhaft-allge- meine, sie muß eine individuell-angepaßre sein. 2; Das religiöse Verständnis des Kindes ist ein allmählich waclffendes, daraus soll die Erziehung Rüäsichl nehmen und deut Kinde nach dem apvsto- lisch-n Wort nicht frühzeitig feste Speise statt der Milch geben Religiöse Mythen mag man ruhig erzählen: aber mit unver­ständigen oder schwer verständlichen Dogmen soll man daS