Ausgabe 
19.11.1906 Zweites Blatt
 
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Montag 19. November 1906

Nr. 27S

Zweites Blatt

156. Jahrgang

Erscheint täglich mit Aufnahme deS Sonntag«.

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für Len Kreis Siegen

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Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. bl. Telegr.-Adr. ; Anzeiger Gießen.

DieLietzener ZamilienblStter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »Hessische Landwirt' erschetm monatlich einmal.

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ßchriil Angebote unter 6903

Y L'iizeiger erbeten.

Es ist davon die Rede, die Erhöhung deS Ab­geordnete ngehalts von 9000 auf 15 000 Franks zu beantragen.

Wien, 17. Nov. Im Abgeordnetenhause erklärte Graf Sternberg unter Hiniveis auf den Deutschen Reichstag, er habe gehört, daß selbst Konservative Tadel an die höchsten Stellen richteten. Trotzdem möchte er über die Grenze rufen: »Schickt uns den Wilhelm her, damit man sehe, wie regiert werdet

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Deutsche» Reich.

Berlin, 18. Slovember. Anläßlich der 26. Wieder­kehr des Tages der kaiserlichen Botschaft vom 17. Stovern, der 1881 fand heute eine vom Ausschuß für Arbeiter- Wahlen und soziale Angelegenheiten, von den christl. Gewerkschaften, von den konfessionellen Arbeitervereinen und von dem deutsch- nationalenHaudlungsgehilfenverband einberufene Versammlung statt. Kurz vor Beginn der Versamm­lung erschienen Staatssekretär Graf Posadowsky, Geh. Regierungsrat Prof Dr. Adolf Wagner, Abg. Professor Hitze, Hofprediger a. D. Stöcker u. a. Nach mehreren Ansprachen wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in welcher das Verhalten der Sozialdemokraten gegenüber der bisherigen Sozralreform ver­urteilt und die Regierung und die Parlamente aufge­fordert werden, die Sozialreform tatkräftig fort­zuführen. An den Kaiser wurde ein Danktelcgramm

Ausstiches.

In Poltawa wurden von unbekannten Mördern der Garnisonschef, General Polkownikow, und ein zufällig auf der Straße befindlicher Soldat erschossen.

Aus Warschau wird gemeldet: Die Gräfin Po­tt in sla gestattete zwei elegant gekleideten Radfahrern, welche spät abends auf ihrer Besitzung eintrafcn, zu übernachten. Als sich sämtliche Gutsbewohner zur Ruhe begeben hatten, drangen beide in das Schlafzimmer der Gräfin, knebelten sie und zwangen sie 3 0 000 Rubel sowie den gesamten Familienschmuck herauSzugeben, worauf sie die Flucht ergriffen. Die beiden Räuber wurden jedoch von den Verfolgern ergriffen, man fand bei ihnen noch sämtliche ge­raubten Sachen. Der eine von ihnen namens Szmit, hatte noch eine große Reihe genauer Pläne hervorragender Palais und Besitzungen bei sich, auf welche anscheinend ähnliche Raubanfälle beabsichtigt waren.

Im Odessaer Gefängnis hatten die politischen Ge­fangenen einen unterirdischen Gang hergestellt, um zu ent­fliehen. Der Gang wurde infolge Anzeige eines der Ge­fangenen entdeckt und das Gefänguis von Truppen um­zingelt, da die Gefangenen, etwa 300 an der Zahl, zu meutern begannen. Der Verräter wurde von den Gefangenen getötet.

Auf der Station WoSkreSsenSk der MoSkau-Kasanbahn überfielen 25 Bewaffnete einen aus Moskau kommenden Güterzug und raubten 80 Pud Frachtgut. Sie entkamen.

Ittahms-Kvend.

Gießen, 19. Roo.

Man stelle sich eine Universitätsstadt vor, nicht viel größer als Gießen, auch, was den Charakter, was die Liebe und das Verständnis der Einwohner zur Kunst angeht, nicht sonderlich verschieden von der hessischen Universitätsstadt. Nun denke man, daß in dieser Stadt Abend für Abend ein Konzert mit wirklich gutem Programm stattftndet, daß jeden Abend in einem anerkannt guten Stadttheater Vorstellungen gegeben werden, daß eine Militär- und Stadtkapelle, beide unter guter Leitung, sich den Rang abzulaufen versuchen, während Bier- konzcrte noch zwei kleineren Kapellen überlassen bleiben. Man möge mir ferner glauben, daß wöchentlich mindestens zwei­mal auswärtige Musikvirtuosen sich hären lassen, daß an jedem Sonntag Kammermusikmatineen stattfinden, daß immer­fort einheimische Größen sich berufen fühlen, ihre Stimme oder ihr Talent an irgend einem Instrument hören zu laffen. Es ist dies in einer norddeutschen Stadt der Fall. Ist nun diese Ueberproduktion von Vorteil für das musikalische Leben? Eigentlich müßten die Bewohner jener Stadt doch nun nahezu alle selber Virtuosen, wenigstens aber begeisterte Kunsijünger sein. Aber gerade das Gegenteil ist der Fall. Der musika- lische Sinn verflacht, das Interesse sinkt. Gleichgütltigkeit tritt immer mehr zu Tage. Hier ist die Musik leine hohe, hehre Kunst mehr, hier ist sie eine Last. Ja, derjenige, der durch seine Stellung zum Besuch der Konzerte gezwungen ist, wird zum nervösen Musikfeinde. Zudem wird durch bom­bastische Reklame die Kunst in den Staub gezogen,

Warum führe ich das hier wohl alles an? Ich will damit sagen, daß Gießen in dieser Hinsicht eine bevorzugte Stellung einnimmt. Andererseits darf bas Publikum in den Konzerten in Gießen auch wieder mehr verlangen. Wenig, aber gute Musik! Das müßte für die Musikwelt jeder Mittelstadt die Parole sein, und wenn das in Gießen der Fall ist, so liegt das meines Erachtens nur daran, daß das Musikleben hier organisiert ist. So weit ich den Konzertverein kenne, scheint er dieser Devise zu folgen. Leicht ist das gefaulte Musikleben einer Stadt von dem Willen einzelner abhängig. Doch darüber kann ich nicht urteilen. Zuwellen verwandelt sich ja dieser Nachteil auch in das Entgegengesetzte, zuweilen vermögen auf diesem Ußcge einzelne Musikjünger einer verflachenden Neigung entgegenzuarbeiten.

Jedenfalls erhält man vom Gießener Konzertoerein einen guten Eindruck.

Gestern bot er uns einen Chorabend. Der akademische Gesangverein unter Herrn Trautmanns Leitung, trat, unterstützt von Frl. Agnes LeydHecker aus Berlin und

parlamentarisches ans Hessen.

Die Vereinigung hessischer Zeichenlehrer hat an die 2. Kammer eine Vorstellung gerichtet, in der um eine Regelung der StellungS- und Gehaltsverhältnisse der für höhere Schulen geprüften und an solchen Anstalten an- gestellten Zeichenlehrer ersucht wird, und zwar in der Art, wie sie bei den Landwirtschaftslehrern, den Seminar- und den Hauptlehrern an den Gewerbeschulen besteht.

Die Straßenwärter des Großherzogtums bitten, ihnen vom 1. April 1906 ab eine feste Anstellung mit Pensionsberechtigung, Gehaltsausbesserung nach Dienstjahren und den Witwen und Waisen nach Ableben ihres Ernährers einen Gehalt zu gewähren.

Die Rabbiner und Vorsteher der (orthodoxen) israeliti­schen Religions-Gesellschaften Darmstadt, Mainz, Gießen und Bingen ersuchen, den den Ständen vorliegenden Entwurf zum Gesetz über die Verfassung und Verwaltung der israelitischen Religionsgemeinden in der vorliegenden Form abzulehnen. Die betr. Vorstellung an die Zweite Kammer endigt mit folgenden Worten: Wenn der Entwurf Gesetz werden sollte, so würde das bestehende Gute in Gesetzgebung und Verordnung aufgehoben und daS in dem neuen Gesetz Gebotene müßte zur Knechtung der Gewissen und zu schwerer Gefährdung der Religion führen und einen Zustand schaffen, der zum Massenaustritt aus dem hessischen Judentum mit zwingendster Notwendigkeit drängt. Bei aller Anerkennung und Dankbarkeit für die guten Absichten der Regierung wieder­holen wir deshalb angsterfüllt die dringende Bitte, diesem Gesetzentwurf, der in der Neuschaffung einer israelitischen Oberbehörde für Religionsangelegenheiten gipfelt und die Autorität der Rabbiner, selbst den Gemeinden gegenüber, bezüglich religiöser Fragen untergräbt, in seiner jetzigen Form die Zustimmung zu versagen.

Arr-lanS.

Paris, 18. Nov. Das »Echo de Paris* veröffentlicht eine sensationelle Nachricht, wonach Admiral Touihard, Oberbefehlshaber beS Mittelmeergeschwaders, eine Flotten- Demonstration in den marokkanischen Gewäffern vor­zunehmen, berichtet habe, daß angesichts des Zustandes, in welchem sich die unter seinem Befehl stehenden Schiffe augenblicklich befänden, er eine Verantwortlichkeit für eine solche Expedition nicht übernehmen könne. Es heißt, daß die Kessel der Mehrzahl der Schiffe verbraucht seien, und daß eine solche Fahrt mit großer Gefahr verbunden sei. Auf Befehl des Marinemimsters hat sich ein Spezial-Aus­schuß an Bord der Schiffe begeben, um eine Untersuchung vorzunehmen.

für den erneuten Ausdruck seines festen Willens, ein« gesetz­liche Sozialreform auf christlicher Grundlage fortzuführen, gerichtet.

Das Weltwohlfahrts-Komitö hat an den Reichstag eine Petition gerichtet, in welcher die Bitte ausgesprocheil wird, tunlichst bald ein Gesetz auszuarbeiten, durch welches der Reichstag selbst ermächtigt wird, unbeschadet des Be­gnadigungsrechtes der Regenten auch seinerseits bei jeder sich bietenden Gelegenheit Gnadenakte zu erlassen.

Köln, 17. Novbr. DieKöln. Volksztg." veröffent­licht ein Schreiben des Papstes an Kardinal Fischer. Er lobt den Eifer und die tatkräftige Klug­heit der deutschen Katholiken, die in allen religiösen Dingen der Autorität des Papstes folgen wollen.Dieser Gehorsam," so heißt es in dem Schreiben,läßt, wie eine fortwährende Erfahrung zeigt, einem jeden eine vollstän- bige und unbeschränkte Freiheit in den An- gelegenheiten, welche die Religion nicht be­treffen.

Karlsruhe, 17. Nov. In einer halbamtlichen Zu­schrift der Südd. Reichskorr. heißt es: »Fürst Bülow hat in Homburg nicht auf beschleunigte Erledigung des Rücktritts- gesuches des Ministers v. Pod diel Ski gedrängt, sondern im Gegenteil von sich aus eine aufschiebende Behandlung empfohlen bis zur weiteren Klärung der Umstände, die da­mals von Podbielski dem. Gedanken seines Ausscheidens auS dem Aiiite nahe gelegt hatten. Dieser Auffassung des Ministerpräsidenten ist die Krone beigetreten und dabei ver­blieben. Auf gänzlicher Unkenntnis des wirklichen Verlaufs beruht die Ausstreuung, der Monarch sei in irgend einem Augenblick vor die Frage gestellt worden zwischen der Ent­lassung deS Landwirtschaftsministers oder deS Reichs- kanzleLß zu wählen. So haben die Dinge nie gestanden. An die Aufwerfung der K a b i n e t t S f r a g e hat Fürst Bülow überhaupt nicht zu denken brauchen. Der Rücktritt des Landwirtschaftsmlnisters erfolgte auf eine von ihm selbst aus­gegangene Erneuerung seines früheren Abschiedsgesuches.

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dem Musikkorps des hiesigen Regiments ans den Plan. Gleichzeitig mit der Anzeige dieses Konzertes sielen mir einige Konzertankündigungen aus unseren Großstädten in die Hände, über denen allen der Name »Brahms" prangte. Der letzte große Meister der Musik scheint also heute, wo man allmählich wieder abschwenkt von dem Wagnerkultus, an Bedeutung zu gewinnen. Brahms war einer der ersten Gegner der neuen Bahnen, die Wagner und Liszt beschritten, und er und die »Rechtgläubigen* waren es, die den großen Meistern heiße Stampfe lieferten. Brahms war im Irrtum, und das Selt­same an ihm ist, daß er das selbst einsah. In seinen eigenen Werken spüren wir den Pulsschlag der neuen Zeit. Ja, er hat versucht, das zu verehren, was die anderen verdammten. Aber seine Freunde Hanslick und Billroth wußten den Charakter­schwachen festzuhalten. Dieser tragische Zwiespalt spiegelt sich m Brahmsens Werken. Er war doch trotz alledem der größte Meister der Töne aus den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts. Kraft, Individualität und doch Vielseitigkeit kennzeichnen sein Talent. Logisch und formell vollendet sind alle seine Werke, abgesehen von seinen ersten Werken, besonders den Klaviersonaten. Edles, aber bitteres Empsinden, nichts Sonniges bekunden seine Schöpfungen. Bei der Wahl seiner Texte hat ihn das Schwermütige, Sehnsüchtige immer ange- zogen. Seine Chorwerke sind seine Meisterstücke, und gerade in ihnen zeigt sich feine Kunst und dabei die Tragik seines Wesens.

Aus der reiferen Periode bot man uns gestern Gaben bar. Die Kympojttioneri §u Goethes Parzengejang, Schillers Nänie und Hölderlins Schicksalslied bildeten das Gerüst des gestrigen Konzertes, das mit einigen von Brahmsens trefflichsten Liedern ausgeschmückt war. Tie Werke zu kritisieren, steht mir nicht an und würde auch zu wett führen. Wer Brahmsens Vertonungen verstehen will, der muß des Meisters Tragik in Wesen und Wirken kennen. Ich glaube, es sagt genug, wenn einer von Brahmsens hef­tigsten Gegnern und die hat jedes Genie von ihm als vonMeister Johannes" doch nur zu sprechen wagt, ja, wenn derselbe Gegner zugibt, daß Brahms freilich ein Platz unter den Unsterblichen gesichert fei."

Uns interessiert vor allem oie Ausführung. Brahmsens Werte sind groräe Gemälde keine [ein ausgeklügelten Voudoirstücke, ober große Striche, helle Lichter, starke Schatten, überhaupt Äiqt zeugen von dem Genialen. Das atmet auch in seinen AHebcrn. Brahms hat das Volk be­lauscht, und heimisch klingen uns seine Lieder; freilich steht noch etwas zwischen chnen und uns, etwas Unsichtbares, nicht direkt Trennendes, aber uns dach Bedrückendes die Tragik des Koniponisten. Gebannt lauschen wtt den schlichten und pwch |o viel aussprechenden Liedern, und noch gebannter lauschen nur chnen, wenn sie uns von einer solchen.Sängerin wie Fr l. Lehdecker dargeboten werden.

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Aus Stadt und CanO»

Sprechstunden der Redattion 111 Uhr Darin., *,j7y28 Uhr abdS.

Gießen, 19. Nov. 1906.

** Eine Entgleisung bei Lang-Göns. In der Nacht vour 17. auf 18. d. M. entgleisten infolge Defekts an der Lokomotive des Schnellzugs 43 (der 12 Uhr 31 Min. in Gießen eintrisst) auf |teter Sireae zwischen oen Bahn­höfen Uirchgöns und Lang-Gons der Lime Frantjurt-Kassel, zwei Achsen des hinter oer Lokomotive lausenden Post­wagens. Personen wurden nicht verletzt, oer Material­schaden ist gering. Nach 3 stunden war die Strecke wieder fahrbar. Während dieser Zett wurde der Betrieb ein­gleisig aufrechterhalten.

Daß die Künstlerin uoer eine uanguulit, um,a.ngreiche und modulationsfahige Stimme verfügt, daß sie selbstverständ­lich technisch vollkommen durch gebildet ist, kam gestern für mich wenig in Betracht. Mehr als das alles hat mich die ausdrucksvolle Vortragsweise, die echt brahmsisch war, gefangen genommen. Aus ihren Darbietungen sprach echtes, wahres Gefühl. Wen das altbekannte Lied aus unserer Kinderzeit, vas trauteSandmännchen" gestern nicht ergriffen hat, dem spreche ich jedes poetische Enipsinden ab. llttir haftet Frl. Lehdecker schon etwas V'tttuosenhaftes an, was zu den Liedern nicht paßte, und dann dürfte die Dame noch etwas mehr Rücksicht auf die Vokale, be­sonders dasa", nehmen. Jedenfalls verdiente sie den Beifall, den man ihr sowohl bei ihrem Auftreten als nach jedem Liede in reichem Maße darvrachte, voll und ganz. Eine bessere Solokrast wäre füv den Vrahmsabend taum zu gewinnen gehzefen.

Run zu den Chorwerken. Einige Kleinigkeiten will ich gleich vorweg anfüljren. Es sieht nicht schön aus, wenn, zumal da das Podium Heller erleuchtet war als der Saal, einige Herren ihre Anstrengung auch körperlich durch gym­nastische Hebungen mit Kops und Armen zeigen und wenn andere mit dem Notenblatte den Takt schlagen. Dann krankt auch die hiesige Kapelle an dem Hühnerauge der meisten Kapellen, au oen Hornern. Auch hätten die Chor- mttglieder sich, etwas diskreter, gleichmäßiger erheben können. Aber wie gesagt, das |inb Einzelheiten, für die der Dirigent nicht oeramwortlich gemacht werben kann, während der Erfolg, der auf der ganzen Linie zu ver­zeichnen war, in erster Linie, wenn nicht gar ganz, ihm zuzuschreiben ist. Offen gejtanbeu, es war falsch, vorher in einer Zeitungsnotiz von dem Ehrenabend des Herrn Trautmann zu plaudern. Die tteberraschung wäre ohne das noch größer gewesen. Trotzdem ist die Ovation als gelungen zu bezeichnen, wenngleich sie eigentlich an das Ende gehörte, da sie bei vielen oa» Interesse ablenkte. Freilich tat es mir, ohne Herrn Trautmann nahe zu treten, wehe, daß man über uein Feiern des Dirigenten den Meister vergaß, daß der Abend kein Brahrnsabend mehr war, son­dern ein Trautmannabend. Trotzdem verdiente Herr Traut- rnann die Ovattoii, allein sthon für die gestrige Leistung. Ich hoffe auch, daß alle Konzertbesucher aus aufrichtigem Herzen Herrn trautmann in solcher Weise ihren Dank ab- Itatten;. OesLiert wurde er ja offiziell durch ein Poem und einen Kranz. Noch viel mehr aber kann und muß man ihm danken drÄmrch, daß man ihn unterstützt, daß man ihm eittgegentommt. Denn aus seiner Dankrede wollte es mir doch klingen, als sei ein Abschied von Gießen für ihn Nicht unmöglich. Darum kann man ihn nur fssthalten durch Liebe, burch Mttarveit, durch Verehrung auf allen Setten. Einen Bessern betommt^ Gießen nicht wieder. Ich weiß aus Erfahrung, wieviel Schweißtropfen em Regisseur vergießt, der alle drei Wochen einmal eine .Aufführung zu leiten hat, und ich

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