Ausgabe 
21.4.1906 Zweites Blatt
 
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fcrfäbnax. 3) Die Religion ist zwar auch Sache de'L Wissens mtb der Erkenntnis; aber jede lieberfütterimg mit religiösem Wissen erstickt das religiöse. Leben selbst. 4) Die Religion ist die innerlichste und heiligste Angelegenheit der Mensckenseele, darum darf der Erzieher weder sich noch dem Zögling irgend welche religiöse Phrase gestatten. 5) Die Frömmigkeit gedeiht nur auf dem Boden her Wahrl)astigkeit, darum keine religio]e Unnatur! Mer auch Tein Zwiespalt zwischen religiöser Denkart und kirchlicher HandlungSwei,e der Eltern! Können die Eltern den Gebrauch eines entsprechenden agendarischen Formulars nicht erreichen, so sollen sie einstweilen lieber auf die Vornahme einer kultischen Handlung verzichten, als ihr Kind peinlicher Gewissens­not aussetzen und sich selber in den Verdacht der Heuchelei bringen. III. Die Voraussetzung religiöser Erziehung sind religiöse Tiefe und religiöse Klarheit des Erziehers; und es zeugt weder für da» eine noch für das andere, wenn E. K'eh in ihrem Buche:Das Jahrhundert des Kindes" ohne Verständnis für die unverlierbaren Werte der Religion Jesu (die Predigt von der einigen Gottesliebe und der unendlichen Bedeutung der Menschenseele, die Forderung selbstoerleugnender Nächstenliebe) den Vorfehungsglauben mit dem Teufels- und Wunderglauben auf eine Stufe stellt, die heutige Gesellschaftsordnung mit dem Gebot:Du sollst deinen Nächsten lieben wie dick selbst" für uw­vereinbar erklärt und das Christentum beschuldigt, daß es die Selbstverteidigung verbiete und die Seele verenge, anstatt sie zu weiten. IV. Die Mittel religiöser Erziehung: 1) Das Gebet: Die Mutter (der Vater) soll es täglich mit jedem Kinde pflegen, es möglichst früh beginnen und möglichst lange fortsetzen. Das Tischgebet, vom Vater (der Mutter) gehalten, ist ein schönes Ausdrucks- und Erziehungsmittel der Dankbarkeit, es werde auch vor Gästen gehalten, wenn der Wirt hoffen darf, die nötige religiöse Stimmung unter den Gästen zu finden. Der besondere Wert der häuslichen Andacht besteht darin, daß sie das Gefühl religiöser und sittlicher Zusammengehörigkeit der Familie stärkt, sie ist vom Vater (der Mutter) zu halten und soll aus Bibel, Lieder- und Erbauungsbnchern wirklich Erbauendes auswählen. Dem Gast des Hauses soll die Teilnahme freistehen. 2. Ge­wöhnung zu kirchlicher Haltung; aber die eigene Haltung darf keine unkirchliche sein? 3) Positive Hinweise auf die P f l i ckst der Demut und der Dankbarkeit gegenüber dem gütigen und unerfvrschlichen Gott in besonderen Fällen des Glücks und Unglücks. 4) Barmherziges, aber wahrhaftiges Zerstreuen auftauchenderZweifel des Kindes. 5) Weises, aber furcht­loses Anleiten zur Kritik gegenüber unhaltbaren, wenn auch in der Schule oder dem Konfirmandenunterricht vor ge­tragenen Anschauungen.

Der Vortrag, welcher die Leitsätze durch eine Fülle von Bei­spielen erläuterte, welche der Erfalwung des Vortragenden. ent­nommen waren, erntete reichen Beifall.

Zn der Erörterung wies Pfarrer Goes darauf hin, daß es außer der stofflichen auch noch eine gefühlsmäßige Uebcrfüttcrung des Kindes gibt, und fragt, ob nicht für die ersten Lebensjahre eine direkte religiöse Unterweisung wegbleiben müsse. Frl. Zieh- Hamburg wünscht, daß das Leid dem Kinde erllärt werde als ein Mittel zur Herausbildung seiner K'rcsst, und hält nicht das regelmäßige Gebet für wertvoll, sondern das, was aus dem innersten Trieb zum Beten herauswächst. Pfarrer Fischer- Berlin legt den Eltern die Pflicht anS Herz, fick über religiöse Dinge zu orientieren, und weist dafür auf die religivnsgefchickt- lichen Volksbücher und das Prvtestantenblatt hin.

Mit einem herzlichen Dankeswort an den hiesigen Verein und mit dem Wunsch, hast die Beratungen Frucht zeitigen mögen, schloß Präsident Schrader die Verhandlungen nm "/412 Uhr.

Aus SraSt uns Lanv.

Gießen, den 21. April.

Der Kaiser in Oberh essen. Aus Schlitz wird gemeldet: Der Kaiser unternahm am Freitag nachmittag mit der gräflichen Familie und den Herren deS Gefolges eine Ausfahrt nach der Ottobank, machte von dort aus einen Spaziergang bis zur Schlitzbrücke vor dem Zusammenfluß der Schlitz uud Fulda und kehrte sodann zu Wagen nach dem Schloß zurück. Die Abreise des Kaisers nach Homburg erfolgte heute Samstag vormittag 9 Uhr.

** Po st persvnalnach richten. S. K. H. der Groß­herzog haben dem Telegraphendirektor von der Mülbe die Stone zum Ritterkreuz 1. Klasse be§ Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Telegraphensekretär Pabst in Gießen und dem Postsekretär Kleinschmidt in Zwingenberg das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen sowie dem Briefträger Jakob in Worms das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste", bei ihrem Neber- tritt in den Ruhestand verliehen. Verliehen ist ferner der TitelOber-Postassistent": den Postassistenten Heck in Gießen und Keutzer in Lauterbach; der TitelOber-Telegraphen- affiftettt": dem Telegraphenassistenten Schneider in Gießen. Versetzt sind: Pvstinspektor Zimmer von Saarbrücken nach Gießen die Postpraktikanten Alt von Friedberg nach Neunkirchen «Bez. Trier«, Quenzlein von Gießen nach Halle (Saale), O f f h a u s von Breslau nach Gießen, Schuchmann von Mainz nach Alsfeld, Telegraphensekretär Spies von Mainz nach Fried­berg, Ober-Pvstassistent Dörmer von Gießen nach Nidda, Ober- Telegraphenassistent Todt vvn Cöln nach Gießen, die Postver­walter Hennig« von Lauterbach nach Frankfurt (Main), Heu­müller von Darmstadt nach Lauterbach, Hofmann vvn Gießen nach Essen (Ruhr), Klaus von Friedberg nach Butzbach, Knebel vvn Lauterbach nach Bingen, Langsdorf Vvn Rem­scheid-Viering Hansen und Schliephaken von Berlin nach Lau­terbach, Schubert vvn Butzbach nach Berlin, O e h l k e von Berlin nach Vilbel, Sack von Mannheim nach Gießen, Telegra- vhenassistent Dingeldey vvn Frankfurt (Main) nach Meßen. Etatsmäßig angeftellt sind Kolb und Meiski in Gießen und Schmeel in Friedberg. Angenommen sind als Postanwärter: Feldwebel berget und der Fußgendarm Lampe in Gießen: als Pvstgehilfe: -Schreibgehilfe Schwarz in Ortenberg; als Telegraphengehilfin: Helene Berg in Bad- Nauheim.

" Die Spargelsaison hat begonnen. In und um Kastel sind die ersten Spargel bereits gestochen worden. Der Ertrag ist in Anbetracht der frühen Jahreszeit gut.

** Der 68. Kreisturntag deS Mittelrhein­kreise S wird am 29. April in Eltville abgehalten. Ihm voran geht am vorhergehenden Tag eine Sitzung des Kreis- auSschusses. Damit die Grenzstreitigkeiten zwischen ver­schiedenen Gauen aufhören, stellt der geschäftsführende Aus­schuß den Antrag: Die Grenzen sämtlicher Gaue werden derart neu bestimmt, daß sie nur einem Gau angehörige Vereine umschließen. Weiter kommt zur Verhandlung das Gesuch des Turnvereins Gießen um die Erlaubnis zur Abhaltung eines Musterriegen-Wettturnens anläßlich seines 60jährigen Stiftungsfestes. Für den Kreis- turntag liegt eine umfangreiche Tagesordnung vor. Außer den Berichterstattungen und der Rechnungsablage werden ihn beschäftigen das bevorstehende Turnfest in Hanau wie die Wahl des Festortes für das nächste Kreisfest, das wegen des 1908 in Frankfurt stattfindenden deutschen Turnfestes nach Antrag des gefchäftsführenden Ausschusses erst 1910 abgehalten werden soll. Gemeldet haben sich Gießen, Kreuznach, Offenbach und Mainz. Umfangreich sind die An­träge für Abänderung der Turnordnung für das Vereins- roettturnen, die schon die letzte Kreisvorturnersiunde 1n Gau- Algeshenn beschäftigten. Zur Verhandlung stehen weiter n. a. die Punkte: Herausgabe einer Kreiszeitung und das 11. deutsche Turnfest in Frankfurt a. M. 1908.

Mainz, 19. April. Die soeben geschloffene Garten­bau und Blumenausstellung hat mit einem nicht un­erheblichen Defizit abgeschlossen. Die Ursache des Defizits ist darin zu suchen, daß das Publikum die herrlichen Sommec- tage der Osterwoche zu Ausflügen benutzte, anstatt die Aus­stellung zu besuchen, wie man erwartet hatte.

fc. Frankfurt a. M., 20. April. Die ledige Privatiere Konstanze Schweich von hier hat der Universität Würzburg ein Kapital von 100000 Mark vermacht mit der Maßgabe, die Renten der Stiftung zu Reise- stip endi en für Studierende der neuen Sprachen, zur Förde­rung der wiffenschaftlichen Arbeiten des Psychologischen In­stituts und zur Gewährung von Stipendien an Privat­dozenten und Habilitanten an besagter Universität zu ver­wenden. Der Prinzregent hat der Stiftung unter dem Namen Leopold Schweich'sche Stiftung die Genehmigung er­teilt und zugleich angeordnet,daß diese Stiftung unter dem Ausdrücke allerhöchster wohlgefälliger Anerkennung des von der Stifterin bekundeten Gemeinsinns öffentlich zur Kenntnis gebracht roetbe'.

L. Krofdorf, 20. April. In der verflossenen Nacht wurden an der Straße Krofdorf-Gießen 19 Obst - bäumchen und ein Ahornbäumchen (int Gießener Gebiet) von ruchloser Hand abgebrochen. Die Täter scheinen nach Gießen gegangen zu sein. Die Fußspuren zeigen breite Ab­sätze mit breiter, glatter Sohle. Die Obstbäume mürbe it er ft im letzten Herbst gepflanzt und zeigten gedeihliches Wachstum.

= Aus dem Kreise Wetzlar, 20. April. Der Kreisausschuß hat im Einverständnis mit dem Kreisschul- inspektor beschlossen, den beiden Lehrern Quenzer zu Nieder­kleen und Schlierbach zu Kinzenbach für ihre Leistungen auf dem Gebiete des Fortbildungsschulunterrichts eine be­sondere Anerkeunung in Gestalt eines Geschenkes von je 30 Mk. aus Kreismitteln zu teil werden zu lassen.

Sport.

Einerstklassiges Fußballwettspiel", reich an interessanten Momenten lieferten sich, wie uns geschrieben wird, am Ostermontag der Gießener Fußballklub von 1900 und der Kasseler Fußballverein, welcher der Einladung deS hiesigen Klubs Folge geleistet hatte. Gießens Mannschaft mußte sich dem älteren Kasseler Klub mit 3:0 Toren beugen, ein Resultat, das immerhin nicht so sehr ungünstig für die Einheimischen zu nennen ist. In fröhlicher Stimmung blieben beide Klubs am Wend noch zusammen und sind die Beziehungen der beiden Sportvereine recht freundliche geworden.

** Deutscher Keglerbund. Der Hauptausschuß für das 12. Deutsche Bundeskegeln in Magdeburg (7. bis 13. Juli d. I.) wurde kürzlich von dem Oberpräsidenten der Provinz Sacksen, Staatsminister Dr. von Boetticher empfangen, der den Ehrenvorfitz beim Bundeskegeln übernahm.

Grinst rind Wissenschaft.

Emil Fuchs, Pfarrer zu Rüsselsheim, G u t u n d B ö s e. Tübingen, Mohrsche Verlagsbuchhandlung. Dieses vortreff­liche Buck wendet sich an alle Menschen, die nicht im Getriebe des Alltags aufgeben. Die das Bedürfnis empfinden, sich in Stunden der Weihe an den klaren und tiefen Gedanken eines überlegenen Geistes zu erbauen. Im Grunde wird nirgends offen­bar, daß das Werk aus der Feder eines Theologen stammt, Fuchs zeigt fick darin als Philosoph im besten Sinne des Wortes, als ein Mann, der berufen ist, Höhen und Tiefen des Lebens zu messen und dem die Liebe innewohnt, die versteht und verzeiht. Das Buch gibt sich ohne allen gelehrten Apparat. Der Vortrag ist lichtvoll und auck für die verständlich, denen dergleichen Lektüre sonst fern liegt. Ick stimme keineswegs in allen Punkten mit FuchS überein, seinem profunden Wissen, seinem energischen Wollen erteile ich dasl höchste Lob. Ich möchte nicht in den Fehler zünftiger Rezensenten verfallen, ge­drängt zu reproduzieren, was alles an Ktaft, Tiefe und Schön­heitGut und Böse" enthält. Man lese und genieße selbst.k.

Arbeiterbewegung.

Breslau, 20. April. Gestern ist die vom Verbände der schlesischen Metallind u st riellen wegen des Lolmstreiks an- gedrohte Aussperrung sämtlicher gewerkschaftlich organisierten Arbeiter au§ ihren Breslauer Betrieben tatsächlich erfolgt, lieber 5000 Arbeiter sind davon betroffen. Von Aktiengesellschaften sind bei der Aussperrung Linke, Hofmann und Guttsmann beteiligt. Mehrere hundert AuSgesperrte marschierten in geschloffenem Zuge gestern abend durch die belebte Friedrich-Wilhelmstraße. Ecke der Schwertstraße wurden sie von Schutzleuten mit gezogenem Säbel urüdgetrieben. 2 3 Arbeiter und 10 Schutzleute wurden v erletzt. Heute hält ein starkes Polizeiaufgebot den Striegauer Platz und Umgebung besetzt und duldet keine Ansammlungen. Die in den Krankenhäusern behandelten Verwundeten weisen meist Säbel wunden auf dem Rücken und den Armen auf, lebens­gefährlich ist aber niemand verletzt. Die Ausgefperrten mahnen durch Flugblätter zur Ruhe und haben eine eigene Ordnungspolizei organisiert.

Geriehtssaal.

Lübeck, 18. April Der Schriftsteller Johannes' Dose wurde von der Strafkammer wegen Beleidigung des Rechts­anwalts Ritter in Tvndem durch die Figur vvn Asmus Berg im RomanDer Mutter so hn" zu 200 Mark Gelö­st r a f e , Kvstentragung, Einziehung des Romans und Vernicht­ung der Platten verurteilt.

Heidelberg, 18. April. Die Strafkammer verurteilte die Druckeinlegerin Micka, die Geliebte des Schrift­setzers Sippl, der an dem englischen Lehrer Reid Ende Juli einen Raubmord beging, wegen Begünstigung und Heh­lerei zu einer Zuchthausstrafe vvn einem Jahr und vier Monaten.

Mannheim, 19. April. Der Redakteur der sozialdemo- kratisch-en Bolksstimme, Emil Maier, stand heute abermals äbr dem Schwurgericht, diesmal wegen Beleidigung der hiesigen Polizei-Verwaltung durch einen Bericht über die De- mvnstrationsversaimnlung amroten Sonntag". Das Urteil 'lautete auf 150 Mark Geldstrafe, ev. 20 Tage Gefängnis.

Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.

Märkte.

Gießen, 21. April. Marktbericht. Auf heutigem Wockenniarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.101.20 Mk., Hühnereier 1 St. 67 Pfg ., 2 Stck. 0000 Pfg.. Gänfeeier 0000 Pfg., Enteneier 7 Pfg., Käse vr. Stck. 68 Pf., Kasematte 2 Stck. 56 Pfg. Erbfen p.Pflmd 22 Pfg., Linsen p. Pfund 32 Pfg., Tauben vr. Paar 0,80 1,00 Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Mk^ Hägne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stuck 1,802,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 0000 Pfg., Ochsenfleisch pr. Psd. 7482 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 7072 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 8690 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7080 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 6080 Pfg. Welsche per Pfund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,000,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,008,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepsel per Psund 35 bis 50 Pfg., in Körben 00 Pfg., Nüsse 100 Stück 50-00 Pfg., Birnen per Pfd. Mk. 0.000.00, Weißkraut per Stück 2030 Pfg., per Zentner Mk. 0.000.00. Marktzeit 71 Uhr.

fc. Frankfurt a. M., 20. April. Heu- und Stroh- mar^. eSOlan notierte: Heu Mk. 4.30 dis All. 4.50, Stroh war nicht angefahren. Alles per 50 Kilo. Tendenz: Sehr fest.

GZrrgesairdt.

(Für den Inhalt der unter biei'cr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Im Anschluß an daS Eingesandt vorn 18. April 1906 möckte ich nock einige Ausschlüsse über den Wasserverbrauch und den Preis des Wassers in der Stadt Gießen gtben.

Es werden an Wasser täglich tu Gießen durchschnittlich 4000 Kubikmeter verbraucht ä 25 Pf. gleich 1000 Mark pro Tag, d. h. ein Jahreseinkommen von 360000 Mark. Diese stellen die Zinsen dar von einem Kapital von 9 Millionen Mark zu 4 Prozent: zu 3Hs Prozent gerechnet, zu welchem Zinsfuß die Stadt meistens ihre Anleihen macht, bilden sie die Zinsen von 10 285 714,28 Mark: soviel hat doch die Wasserleitung fiu.-ei: nicht gekostet? Dieses ist ein deutlicher Beweis dafür, daß das Wasser viel 3u teuer ist.

Allerdings ist bei dieser Berechnung nickst berücksichtigt, daß die Bahn, die täglich gegen 1000 Kübikmeter Wasser verbraucht, den Kubikmeter für nur 6 Pf. erhält. Rechnet man also 3000 Kübikmeter zu 25 Pf. pro Kubikmeter und 1000 Kubikmeter zu 6 Pf. pro Kubikmeter, so erhält man 750 Mark plus 60 Mar? gleich 810 Mark pro Tag oder ein Jahreseinkommen von 291 600 Mark. Diese stellen die Zinsen dar von einem Kapital von 8 331 425 Mark zu 3Vs Prozent.

Aus oben Dargelegtem geht hervor, daß die Hauseigentümer und die gewerblichen Geschäfte, die für den Kübikmeter Wasser 25 Pf. entrichten müssen, bei 3000 Kübikmeter Wasserverbrauch pro Tag 750 Mark und pro Jahr 750.365 gleich 273 750 Mark bezahlen müssen, während die Bahn, die den Kubikmeter Wasser für 6 Pf. bekommt, bei 1000 Kübikmeter Wasserverbrauch pro Tag nur 60 Mark und pro Fahr 365.60 gleich 21 900 Mark zu entrichten hat. Müßte die Bahn aber 25 Pf. pro Kubikmeter bezahlen, so hätte sie pro Jahr eine Ausgabe von 91. 250 Mk. Sie hat also eine Begünstigung von 69350 Mark pro Jahr.

Hätten die Hauseigentümer und die gewerblichen Gesckäfte auch nur 6 Pf. pro Kubikmeter zu bezahlen, so würde bieftii bei 3000 Kübikmeter Wasserverbrauch pro Tag einen Bettag von 180 Mark und pro Jahr einen solchen von 65 700 Mark er­geben (365.180). Zählt man nun letzteren Betrag von 273 750 Mark ab, so ergibt sich ein Mehrbetrag von 208 050 Mark, den bie Hauseigentümer und die gewerblichen Geschäfte allein aufbringen müssen, und der fast zur Deckung sämtlicher Zinsen der ftädtiscken An­leihen ausreicht. Aus welcken Gründen aber wird die Bahn in einem solchen Maße bevorzugt?

Zum Schlüsse möchte ich nock erwähnen, daß der tägliche Wasserverbrauch mit durchschnittlich 4000 Kubikmeter nock- zu niedrig gegriffen ist. Man kann jetzt schon durchschnittlich 4500 Kübikmeter pro Tag rechnen. Wenn bei Fertigstellung der Haus- anschlüsse an die Kanalisation, besonders des Anschlusses der Klosets, der Wasserverbrauch nock weiter (und zwar in sehr Erheblichem Maß) steigt, werden für einzelne Hauseigentümer und Gewerbe­treibende Summen herauskommen, die fast unerschwinglich sind. Da bei der seinerzeitigen Festsetzung des jetzt giftigen Wasser­preises mit dem durch die Kanalisation hervorgerufcnen ge­steigerten Wasserverbrauch 'nickt gerechnet wurde, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gegeben, an eine Herabsetzung desWas­t' e r p r e is e s zu denken. Dies wäre um so mehr angebracht, als die übermäßige Ausnutzung des Wassermonopols durch die Stadt von den auf den Bezug des Wassers angewiesenen Kon­sumenten als ein Unrecht empfunden wird.

Ein W a s s e r k 0 n s u m e n t.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Höchste Temperatur am 20. April +11,4° C.

Niedrigste ,20. = + 4,4° C.

April

1906

Söärometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luit

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

20.

2

747,5

7,9

5,7

72

WNW

4

Bed. Himmel

20.

9

750,9

4,4

5,4

87

W

2

Klarer Himmel

21.

rjt6

752,3

4,8

5,8

90

SSW

2

Bed. Himmel

Famttien-Nacyrrchten.

Gest 0 rbene. Frau Elifabethe Ritzel, Friedberg. Frau Mariane Stern, Alsfeld. Fräulein Helene Backhaus, Michelbach. Frau Wilhelmine Raabe, geb. Branmöller, Marburg. Frau oenv. Pfarrer Luise Berwig, geb. Matthes, Friedberg. Fräulein Freiin Auguste von Starck, Darmstadt.

Verlobte. Fräulein Amalie Kulp, Büdingen, mit Herrn Max Reinheimer, Eberstadt. Fräulein Christine Kalbfleisch, Grebenau, mit Herrn Johannes Schäfer, Storndors.

Geborene. Herrn Karl Wallach 11. Frau, . Paula geb, Neumann, Alsield, ein Sohu.

Schiffsnachrichten.

NdrddeutscherLloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 18. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer .Gneisenau", Kapitän G. Bolte, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist am 15. April, 4 Uhr nachmittags wohlbehalten in New-Pork angekommeu.

in der Entwicklung oder beim Lernen zurückbteibende Kinder, sowie bleck' arme, sich mattsühlende und nervöse überarbeitete, leicht erreg­bare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungs­mittel mit großem Erfolg Dr. Hommcl's Haematogen.

Der Appetit erwacht, die geistigen und körperliche« Kräfte werden rasch gehoben, das Gesamt-Nervenshste« gestärkt.

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