revvkrtbmären Bewegung. Der „Svir" bringt die Meldung, daß ein heute in Douai verwundeter Sergeant, sowie einer der bei den KravaNen in Haveluy verwundeten Offiziere und -wei Soldaten ihren Verletzungen erlegen seien. Die DuSständigen hätten bei Douai von einer Anhöl>e aus die Dragoner mit Steinen bombardiert und sodann zwei Eise n- bahnzügc überfallen und angelfaltcn Die Häuser mehrerer arbeitswilliger Bergleute wurden durch die Explosion von Dpnamitpatrvnen stark beschädigt.
Lens, 20. April. Heute Morgen fand die feierliche Beisetzung des getöteten Leutnants Lautour statt. Der ,Trauerfeier wohnten die Minister Elemenceau und Etienne bei.
Arras, 20. April. Aus Li6vin wird gemeldet, daß die Truppen dort scharf, jedoch in die Luft geschossen haben. Die Gendarmerie wird belagert. General Jaquelvt de BvisrvuvraN soll mit ihr eingeschlosscn sein. In Noeux- Ües-Mincs versuchten tausende Streikende wiederholt die Bureaus der Gescllsck-aft anzugreifen, wurden jedoch jedesmal znrückge- trieben. In Haveluy veranstalteten Ausständige, 5—6000 Mann stark, eine Kundgebung gegen 200 Bergleute, die die Arbeit nock fortsctzten. Im Handgemenge wurden zwei Rittmeister und etwa zehn Reiter verwundet und ein Unter offizierschwerverletzt. Mehrere Pferde staben Messerstiche erhalten. Die Ausständigen verlangten die^ Freilassung der durch die Truppe gemachten Gefangenen. Sie erreichten darauf Haveluy, wo sie mehrere Häuser geplündert hasten sollen. Es erfolgte dann ein neuer noch heftigerer Zusammenstoß mit der Truppe. Gendarmen verstärkten die Truppe. Auch' der Präfekt kam mit den verlangten Verstärkungen heran.
Paris, 20. April. Wie aus Lens berichtet wird, hatten mehrere hundert ausständige Bergarbeiter den Plan gefaßt, den kommandierenden General der int Strcikgestiet befindlichen Truppen zu ermorden. Der General hatte sein Hauptquartier am Bahnhof. Rur der starken Besatzung ist es zu verdanken, daß der Anschlag vereitelt wurde.
Paris, 20. 9lpril. Etwa 4000 ausständige Drucker und Setzer hielten beute morgen eine Versammlung ast, in der sie erklärten, daß sie den Aus stand bis zumÄcußerften durchführen werden.
L o r i e n 1, 20. April. Hier herrscht vollständige Anarchie, der Ausstand ist allgemein. Streikende drangen in Läden und zwangen die Besitzer, sie zu scUießen. Die Händler sandten ein Telegramm an den Ministerpräsidenten, worin sie dringend um Maßnahmen bitten, damit den anarchistischen Zuständen ein Ende gemacht werden Tömtc. Llndcrnfalls würden sie den Weg der Selbsthilfe beschreiten.
Jnßtand.
In Odessa herrscht große Aufregung über die von Kosaken und Polizisten vorgenommenen Durchsuchungen der Hörsäle und Kliniken der Universität und der Wohnungen mehrerer Professoren nach Waffen und Bomben. Alte Kränze und eine Anzahl verbotener Schriften wurden gefunden. Prof. Kazanetsky, dem letztere gehörten, wurde sofort verhaftet. Der Vorfall gilt als erster Fall von Durchsuchung der autonomen Universität. In Petersburg wurden wegen des Besitzes revolutionärer Schriften mehrere Soldaten verhaftet. In Riga sind die Versuche zu einer Einigung zwischen den Deutschen und Letten mt dem Deutschenhaß der letzteren gescheitert. Bei den Wahlen werden die Letten mit den Ruffen gehen, damit die Deutschen völlig durchfallen.
Das Erdbeben in Kalifornien.
Kein Ende der Unglücksbvtscha.ften! Die neuesten Nachrichten überbieten ihre Vorgänger nur an Furchtbarkeit. Es heißt, daß
San Francisco heute ein Aschenhausen ist!!
An der Spitze des Rettungswerkes steht der Bürgermeister (Mayor, nicht Major, wie gestern der 'Druckfehlerkobold ulkte) der Stadt, ein Deutscher Namens Schmitz, der früher Musikus war und bei der letzten Wahl durch die Gewerkschafter durchgebracht worden ist. Die Feuerwehrleute, die mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt sind, haben eine schwere Aufgabe. Sie fallen infolge des erstickenden Rauches dutzendweise um und müssen ins Spital gebracht werden. Trotz der übermenschlichen Anstrengungen der Feuerlpehr ist es nicht möglich, desselben Herr zu werden.
Unter den zerstörten Palästen ist in San Francisco der Hoprinssche mit unersetzlichen Kunstschäheu. Ocitr wenige Gemälde sind gerettet. Viele kalifornische Millionäre sind zu Bettlern geworden. Alle Osaswetcke und die Elektrizitätswerke sind zerstört, die geborstenen Wzugskanäle verpesten die Luft. Das einzige Licht liefern des nachts die brennenden Gebäude, über dcmm dichter Rauch hängt. Das Marinedepartement hot ein Geschwader entsandt, um die Verwundeten fortzitschaffen und die Leichen ins Meer zu versenken.
Viele Einwohner von San Francisco versuchten in kleinen Booten über die Bucht zu cntTontmcu. Dabei kippten zahlreiche Boote wegen Ueberfüllung um, und eine große Anzahl solcher Flüchtlinge, welche dem Erdbeben und den Flammen entgangen waren, kamen auf diese Weise durch Ertrinken ums Leben.
In der Umgebung der Banken und Sparkassen liegen Tote imd Verwundete. Aus den Hospitälern entflohen, auf das dürftigfte bekleidet, Hunderte von Kranken. Biele stürzten sich ins Meer. Auf den Hügeln biwakieren Hunderte von Familien, welche vom Haushalt mitbrachten, was Männer, Frauen und Kinder tragen konnten. Diese improvisierte Ansiedlung erbat dringend militärischen Schutz, weil selbst dort sich Plünderer zeigten. Die meisten Personen, die geflüchtet sind, sind nur mit allerlei Tuchen, Bettlaken, Gardinen usw. bekleidet. Ueberall erschallt das Jammern nm vermißte Angehörige, Kinder suchen ihre Eltern, Männer ihre Familien. Auf der Pacificbcchn werden viele Personen gratis Leiter ms Innere geschafft. Das Lager der Obdachlosen schwebt in großer Gefahr, da starker Wind das Feuer dem Meere zutreibt. Schreckliche (Svenen spielten sich bei dem Brande eines temporäpen Krankenhauses ab. Eine Maschinenhalle war in ein Krankenhaus verwandelt worden, und gegen 50 Aerzte waren damit beschäftigt, dm etwa 200 in diesem Krankenhause untergebrachten Kranken und Verwundeten Hilfe zu leisten. Plötzlich toitrbc gemeldet, daß das Gebände in Brand geraten sei. Alles rannte verzweifelt hin und her. In 10 Mnuten war das Gebäude in Flammen gehüllt. Viele Aerzte drangen wiederholt in das Haus ein, um die hilflosen Verwundeten nicht zu verlassen. Aktes vergebens. Die Mehrzahl der Verwundeten konnte nicht gerettet werden und verbrannte bei lebendigem Leibe.
Die Schätzung der Zahl der Verunglückten geht immer noch weit auseinander. Das ganze Land erhob sich zur Hilfeleistung. Die Bürgerin elfter aller größeren Städte eröffneten Gelosammlungen. Obgleich sonach Millionen an Geld verfügbar find, leidet San Francisco zunächst Hunger. Die Southern Pacific-Eifenbahn sandte einen Zug von 26 Wagen von Port land in Oregon mit Aewten, Pflegepersonal und 800 Zentnern Proviant ab. Mehrere Städte sandten Lebensmittel, Kleidung, Zelte. Die Depesche
des Generals Funston in San Francisco an das Kriegsdepartement besagt: Eine Hungersnot scheint unvermeidlich zu sein, denn alle großen Provianthäuser seien nicdergebrannt. Energischste Maßnahmen der Außenwelt könnten die furchtbare Not unter den 3 00 0 0 0 Obdachlosen mildern. Die letzte Nacht sei für die Obdachlosen, die zumeist ohne Wasser und Nahrungsmittel seien, schrecklich gewesen.
Es wurden Regierungs-Bäckereien errichtet, die täglich 50 000 Brote liefern. Tie Szenen, die sich täglich in den unbeschädigten Stadtteilen abspielen, spotten jeder Beschreibung. Die meisten Personen, die dorthin geflüchtet sind, sind nur'notdürftig mit allen möglichen Stoffen bekleidet. Man errichtet Hütten aus allem denkbaren Material.
Beim Mayor erschien ein Unbekannter, legte 25 Tausend- doklarscheine auf den Tisch, sagte: „Für die.Verunglückten von einem Freunde der Menschheit und verschwand.
Es sind drei Unterstützungsstationen zur Erquickung der Leidenden und Obdachlosen eingerichtet worden. Viele Leichen liegen noch unbeerdigt. Die Soldaten treiben mit dem Bajonett Die Bürger dazu an, Bei dem Begräbnis zu hclfeu. Jeder Bürger, der durch die Solda^n dazu befohlen wird, ist verpflichtet, Gräber zur Aufnahme der Leicken, wenigstens eine Stunde lang, auszuheben. Als das Schlachthaus vom Feuer ergriffen wurde, brachen 300 Stück Rindvieh aus uud jagten frei wie toll durch die Straßen, alles niedertretend, was ihnen in den Weg kam. Ein Mann wurde von den Hörnern eines Ochsen aufgespießt. Man glaubt, daß noch, ein Dutzend anderer Personen auf dieselbe Weise ums Leben gekommen sind.
Eine Räuberbande versuchte in der Nacht in die M ün ze von San Francisco, wo 300 Millionen Dollars in Goldstücken lagern, einzubrechen, wobei sich ein heftiger Kampf mit der Militärwache entspann. 14 Räuber wurden getötet.
Der Wasservorrat ist wohl größer, aber er nützt zu wenig gegen den Fortschritt, den das Feuer jetzt gewonnen hat. Wegen der großen Hitze werden die Häuser in einiger Entfernung vom Feuer getrocknet wie Zunder und verbrennen im Nu, wenn das Feuer sie erreicht.
Die Preise für Brot in San Francisco sind 3 Mark für ein Laib. Nahrungsmittel in Dosen kosten 6 Mk. Fleisch ist nicht vorhanden. Der Wetterbericht gibt keine Hoffnung auf Regen.
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Von denk furchtbaren Unglück in San Francisco und den anderen heimgesuchten Städten wird übrigens leider auch unsere Stadt schwer betroffen. Es befinden sich dort recht zahlreiche Gie ßener, um nur einen weiteren Kreisen bekannten Mann zu nennen, Herr Wenzel, der frühere Besitzer des „Neuen Saalbau"-Etablissements. Auch viele Butzbacher uud andere Oberhessen sind nach Kalifornien ausgewandert. Besonders hart aber trifft die Katastrophe den Ort Niederwcisel. Man schätzt die Zahl der nach Kalifornien ausgewanderten Nicderweifcler auf 400—500.
Aus Oakland
veröffentlicht ein Korrespondent eine Depesche, worin er als Augenzeuge berichtet, welche fürchterlichen Folgen die Zerstörung der Wasserwerke hervvrgerusen Bat. Hunderte sind infolge des durch die furchtbare Hitze gesteigerten Durstes wahnsinnig geworden. Man sah verzweifelte Gestalten hin und herlausen auf der Suche nach Wasser. Mit der Zeit wurden die Suchenden verzweifelter und wilder. Sie stießen Hilferufe aus, bereit Laute dem Hörer unvergeßlich bleiben werben. Diele flehten die Soldaten um Wasser an, konnten aber keins bekommen. Schließlich mürben bie Unglücklichn berartig verzweifelt, daß sie in Weinkeller und andere Lokale drangen, nm alkoholische Getränke zu erbeuten. Viele tranken Whisky und andere Spirituvsen, bis sie zu wilden Ticrcn wurden. Darauf zogen sie durch die Straßen, um zu rauben und zu plündern. Die Truppen schassen viele dieser Plünderer nieder. In der Nähe des Black Point sah man ergreifende Szenen. Frauen umklammerten ihre Gatten und slebten diese an, sic zu retten und in Sicherheit zu bringen. Kindergeschrci erfüllte die Luft. Frauen und Kinder baten unaufhörlich um Waffer und um etwaS Essen, da sie fürchterlich an Hunger und Durst litten. Es' gab Personen, welche ihre Häuser trotz aller Gefahr nicht verlassen wollten. Weber das Erdbeben, noch bie mit Windeseile sich ausbreitenbcn Flammen konnten sie vertreiben. Die Truppen mußten viele solcher Personen gewaltsam aus den Häusern treiben, um sie vor bem sicheren Tobe zu retten.
Im Umkreise von San Francisco
sind 14 kleinere Städte teilweise ober gänzlich zerstört, darunter Santa Cruz, wo 200 M cnschen getötet und 10 000 obdachlos geworden sind.
Aus anderen Orten.
Reue Erdstöße sind im Distrikt von H a n cho c o verspürt worben. In einer Gfrube erfolgte ein Schackteinfturz, wodurch ein Arbeiter getötet und mehrere verwunbet würben. Rach neueren Mclbungen ist auch ber Küsten ort Su t r o burtfi eine Springflut zerstört worben. Der Ort ist völlig von ber Erdoberfläche verschwunden. In Napa Bat das Erdbeben gleichfalls großen Schaden angerichtet. Tie Zahl der Toten ist ttodii nicht bekannt. Auch in Al am e do sinb_ zahlreiche Personen umgekommen. Ans den Orten Halbsburg, Katserville unb Ukiah fehlt- jebe Nachricht, man befürchtet, daß auch biese Ortschaften zerstört sind. Meilenweit sind bie Gleise zerstört.
Weitere Hilfsaktionen.
In Newyvrk hat sich ein Komitee gebildet, um eine Hilfsaktion für die Notleidenben einzuleiten. Auch in den meisten Ortschaften ber Union haben sich ähnliche Komitees gebildet. Die Verteilung der Gaben soll bas Rote Kreuz übernehmen. Die Ha mburg-Amerika-Linichat bent Präsidenten Roosevelt eine Sympathie-Kundgebung gesandt und sich mit 100 000 Mk. an bie Spitze eines Hilfskornftees für San Francisco gestellt.
Die deutschen Verficheruugsgesellschaften
haben sich seit dcrn Brande in Baltimore aus Amerika zurückgezogen. -Die bort bestehenden Versicherungs-Gesellschaften sind bie Preußische Nationalversicherungs-Gcscllschast Stettin, bie in Kalifornien mit 600 000 Mark interessiert ist, wovon 300 000 Mk. rückversichert slnb. Im ganzen sollen etwa 80 Versicherungsgesellschaften den bei ihnen versickerten Bewohnern von San Francisco bie Versichcrungsbcträge Dollar für Dollar auszahlcn wollen, ohne zwischen Ftzucr unb Erbbeben zu iintcrsckciben. Auch bie Aachen-Mnnckencr Feucrvcrsicherungsgesellschaft ist interessiert; wie hock, wirb noch niait gesagt. Einer anberen Melbung zusvlge wirb ber Verlust ber deutschen Versicherungsgesellschaften in San Francisco auf IV? Mill. Doll, berechnet. Beteiligt sind u. a. auch ber Phönix, bie Feuerversickerungsgcsellsckaft Rhein unb Mosel, bie Hamburg-Bremer unb die Preußische Fcuer-Vcr- icherungsqesellsä'iaft, sowie bie Palatia. Der Staat Kälifornia hat im Gegensatz zu vielen anberen Unionsstaaten beit ausländischen Versicherern keine Depotstellung auferlegt.
Es dürften, wie nach dem Chicagoer Feuer, manche amerikanischen Gesellschaften insolvent werden. Jedoch wird auf eine Bestimmung in den meisten Policen hingewiesen, nach welchen keine Versickerung gezahlt wird, falls ein Gebäude kürzt und bann erst Feuer fangt. Große gerichtliche Weiterungen tehen in sicherer Aussicht. Tas Kalifornische Gesetz bestimmt aber, baß, falls ein Haus ujedcrgelegt wirb, um anberc Gebäude zu retten, bie Versicherungsgesellschaften bezahlen müssen. Die 'San
Franciscver Versicherungen galten allgemein als äußerst riskant und es würben hohe Prämien verlangt.
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Newyvrk, 20. April. Aus Denver (Colorabo) ist die Nachricht eingetroffcit, daß ber 10 000 Fuß hohe Mount Ca- pulin in Ncu-Mexiko, ein erloschener Vulkan, angeblich Rauch unb Hitze aus einer Spalte ausströme, bie burch 2 Er dstöße heute dort verursacht worben ist.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 21. April 1906.
'* Ordensverleihung. <p. K. H. der Großherzog haben dem Maschinenmeister Gottfl. Hoffmann zu Wonns, in Diensten der Firma Cornclins Hcyl, daS Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps bcS Großmütigen verliehen.
"Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu besehende Lehr erstelle an der Gemeindeschule zu 9)1 c I b a d).
" Eine ungültige MilitärloSziehung. Dec Vorsitzende der Ersatzkommission Worms erläßt soeben folgende Bekanntmachung: Bei der am 11. ds. Mts. statt- gehabten Losziehung hat die Zahl ber zu ziehenden Lose der Zahl der an der Losung teilnehmenden Militärpflichtigen nicht entsprochen. Durch Beschluß der verstärkten Ersatzkommissioiv vom gleichen Tage wurde diese Losziehung deshalb für ungültig erklärt.
"Die Fabel von einer Gießener Theaterzensur. Ungeachtet unserer Richtigstellung in Nr. 87, Erstes Blatt des „Gieß. Anz." wiederholt die „Frankfurter Zeitung" die Fabel von einer Gießener Theaterzensur. Wir bemerken demgegenüber:
Unwahr ist, daß das Kreisamt, Herr Rcgierungs- rat Wagner ober ein anderer Beamter des KreiS" amts verboten hat, am Palmsonntag Theater zu spielen; unwahr, daß das Ministerium ein solches Verbot aufgehoben hat; unwahr, daß die Aufführung deS „Rosenmontag" verhindert worden ist.
" Gestohlen wurde in der Nacht vom 19. auf den 20. t. M. aus einer Hofreite in der Lahnstraße ein kupferner Waschkessel.
* * Ein bissiger Jagdhund. Gestern nachmittag wurde ein zweijähriges Kind in der Neustadt von einem Jagdhund ins Gesicht gebissen und nicht unerheblich verletzt. Tic Polizei ließ bem Kinde zunächst von einem Arzt einen Verband anlegcn und führte es dann den Eltern zu. Der Jagdhund war seither als treues Tier erkannt, künftig wird jedoch der Besitzer bem Hund einen Maulkorb anlegen müssen.
• • Promenadekonzert findet morgen Sonntag vormittag ll^/z Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Kaiser-Marsch von R. Wagner. 2. „Frühlingsluft", Walzer von Jntras. 3. Finale aus „Mda" von Verdi. 4. Armeemarsch 9lr. 206.
• * Unsere Regiments-Musik konzertiert morgen nachmittag im Neuen Saalbau.
• * Zur Berliner Konferenz der Mainuferstaaten sind als Vertreter des GroßherzogtnmS Heffen ab» gereist Geh. Staatsrat Krug von Nidda, die Ministerialrä/c Frhr. von Biegeleben und Dr. Usinger, sowie Geh. Oberbaurat Jmroth.
" 16 8 Automobil-Omnibusse. In unserer gestrigen Notiz unter dieser Spitzmarke ist leider durch ein Versehen ein Passus in Wegfall gekommen. Der Nachsatz soll lauten:
UnS will immer noch scheinen, daß auch für uns in Gießen die LokalverkchrSfragc durch den 9lntomobil--Omnibus, von bem wir schon gesprochen haben, fürs erste bis zur gründlichen N e u p f l a st c r un g während der Zeit ber i n 1 e r i m i ft i s ch e n Pslasterung, der nach desOber- b ü r g e r in e i st e r s M e c u ni technischen 11 e b c r z e u g u n g wegen der unausbleiblichen Senkung eine Nach- P f l a st e r u n g noch folgen muß, besser und billiger gelöst würbe, als durch eine sofortige Anlage der weit teuereren elektrischen Straßenbahn.
Die durch den Druck hervorgehobenen Zeilen sind es, die gestern versehentlich in Fortfall gekommen sind.
p. Oberbiel (Lahn), 20. April. Dec Maurer W. Wagner, von befien Verschwinden wir dieser Tage Notiz nahmen, ist nach langem Suchen im hiesigen Walde gefunden worden. Der Bedauernswerte hatte sich erhängi.
X. Friedberg, 20. April. Vom 30. April bis 5. Mai sindet ander Großh. Ob st bau sch ule ein Kursus für Liebhaber des Obstbaues statt. In diesem wird den Teilnehmern an der Hand von Vorträgen und praktischen Hebungen Gelegenheit geboten, sich über die Hauptzweige des Obstbaues und der Obstverwertung zu informieren. Im Sommer sindet in Ergänzung dieses Teiles ein zweiter achttägiger Kursus nach UebereinEunft mit den Teilnehmern 'tatt. Anmeldungen sind an die Direktion der Anstalt zu richten.
Eudorf, 18. April. Bürgermeister Ludwig Rüger, der langjährige Bürgermeister unserer Gemeinde, beabsichtigt nach ber „O. Ztg." mit Rücksicht auf setn hohes Alter, sowie aus Gesunbhettsrucksichten das Bürg crm eist er amt abzugeben. Rüger steht im 74. Lebensjahre und bekleidet daS Bürgermeisteramt seit 37 Jahren. Er hat sich durch treue und gewissenhafte Pflichterfüllung die Liebe und Achtung der Gemeinde erworben und seine jedesmalige Wiederwahl bei den Bürgermeisterwahlen zeugte von der Anhänglicheit der Gemeinde für ihren Bürgermeister.
Mainz, 20. April. In dem Gesundheitszustand der beiden durch den Genuß von Fischkonserven erkrankten Kinder ist bis jetzt nach ber „Frkf. Ztg." eine Aende- rttng nicht eingetreten. Die Gesundheitspolizei hat vorläufig angeordnet, daß in allen Geschäften, in denen Fisch' konserven in Konservenbüchsen feilgehalten werden, ber Verkauf dieser Konserven inhibiert wird. Ferner wurden in allen Geschäften Proben von Fischkonserven erhoben, die einer chemischen Untersuchung unterzogen werden. — Von den 30 000 kriegsgefangenen französischen Solbaten, die während des Feldzuges 1870/71 in Mainz interniert waren, tnb 989 gestorben unb auf dem hiesigen Friedhof beerdigt worden. Nach einem UebereiuFominen mit ber französischen Negierung werben nunmehr sämtliche Gebeine dieser Soldaten exhumiert, gesammelt unb in zwei Massengräbern leigesetzt werden.


