Ausgabe 
21.4.1906 Erstes Blatt
 
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Frankfurt, a. M., 20. April. Die Versammlung der deutschen StandeShcrren wurde wie alljährlich mit darauffolgendem Diner imEnglischen Hof" abgehalten. Etz beteiligten sich daran nach derKl. Pr." folgende Ge­schlechter: Die Fürsten Löwenstein-Wertheim-Freu­denberg, Stolberg-Wernigerode, Sol ms-Hohensolms- Lich, Castell - Eastell, Castell-Rüdenhausen, Isenburg- Büdingen, Salm-Dyck, Salm-Hostmar, SolmS-BraunfelS, Bentheim-Burgsteinfurt, Erbach.Schönberg; die Grafen Stolberg-Roßla, Reipperg-Schwaigern, Waldeck-Lim­burg, Erbach-Erbach, Pückler-Limburg, Jscnburg- Meerholz, SolmS-Assen heim. Den Vorsitz führte Fürst Ernst zu Löwenstein.Wertheim-Freudenberg.

Homburg v. d. H., 20. April. Die Kaiserin sowie die Prinzessin Viktoria Luise sind heute zu längerem Aufenthalte hier eingetroffen und haben im Schloß Wohnung genommen. Tie Ankunft des Kaisers erfolgt morgen. Die Stadt hat reichen Flaggenschmuck angelegt. Geh. Baurat L. Jacobi begeht am 21. April, dem Geburtstage der Stadt Rom, seinen 70. Geburtstag. Wiederholt hat der Kaiser den Jubilar durch Orden und Titel ausgezeichnet, die Stadt Homburg, in der er geboren wurde, wird ihm den Ehrenbürgerbrief überreichen, der Geschichts- und Altertums, verein hat ihn zu seinem Ehrenmitqliede ernannt. Auch die Berliner Vereinigung der Saalburgfreun de hat ihm eine 6c» sondere Ehrung zuerkannt, indem sie eine Festschrift er­scheinen ließ.

** Kleine M i t t e i l >> n a en aus Hessen und den N a ch b a r st a a t c n. An Alkoholvergiftung ist in S t e i n» back (Odenwald) ein neunjähriger Knabe gestorben, der den herumziehenden Musterungspflichtigen nachgelausen war und deren Bierreste in den Wirtschaften ausqetrunken hatte. Aus dem Bahnhof Alt-Offenbach wurden zwei jungeSentc Ferd. Hoffman n und Konr. Behl, von einer Lokomotive er­faßt. Hoffmann erlitt fchwere Kooiverletzungen, Behl wurde leichter verletzt. In Worms beschloß die Stadtverordueten-Derfamm- lung, auch 1906 dieEinkommen bis zu 500 M k. steuerfrei zu laffen.

Vermischtes.

* Marineunfälle. Bei einer Sprengübung, die das deutsche Torpedoboot rS 105" in der Stranderbucht bei Kiel vornahm, erfolgte vorzeitig eine Explosion der Sprengkörper. Der Kommandant des Bootes, Kapitän- leutnant Pfeiffer, wurde schwer verwundet und ver­starb auf dem Transport zum Marinelazarett. Vom französ. ArtillerieschulschiffCouronne" wird au§ Toulon ein Unglücksfall gemeldet, bei welchem drei Mann getötet und 12 verletzt wurden.

* Ein Pistolenduell sand vor einigen Tagen auf der Hangelarer Heide bei Bonn zwischen zwei Offizieren vom Donner Königshnsaren-Regimcnt und zwar zwischen den Ober­leutnants v. Wurmb und non Kartlieb statt. Das Duell ver­lief unblutig.

* Wahre? Geschichtchen. ES war einmal ein Jn- tendailt an einem kleinen norddeutschen Hoftheater. Bevor er von seinemHerrn" verurteilt wurde, der Kunst zu dienen, trug er den Rock des Kaisers. Eines Tages rief er seinen Schauspielregisseur.Ach bereiten Sie vor äh wie heißt doch gleich na wissen schon: da§ Juden- stück von Shakespeare." Sprach? und ging von dannen. Einige Zeit später fand die erste Probe vomKauf­mann von Venedig" statt. Der Hofthcatcr-Intendant saß in seiner Loge. Da ließ er plötzlich den Regisseur zu sich kommen.Ach mein Lieber diesen Shylock meinte ich nicht, äh meinte das andere Judenstück von Shake­speare äh wie heißt doch na ja:Nathan der Weise"! Die Probe vomKaufmann von Venedig" wurde abgebrochen, das Stück vom Spielplan abgesetzt und die Rollen von LessingsNathan^' wurden vergeben.

(Jugend".)

* Kleine Tages ckroyik. Auch in Köln hat, ivic in Frankfurt, dosR e s i d e u z theater" wegen schleckten Ge- sckä ft s^g a n gic s seine Pforten geschlossen. In der Stadt Sliatin (Galizien, brach ein Großfeuer aus, das daS ganze Iudeuviertel, bestellend aus 150 Wohl,Häusern und ebensoviel Nebengebäuden einäscherte. Zahlreiche Familien sind obdachlos. Ter Schaden ioirb auf eine Million Kronen geschätzt. In Scmlin gelang eZ der Polizei, eine seit Langem auf dem Babnlwf Diebstähle verübende Bande fest zu nehmen. Mehrere ver­dächtige Bahnbeamte wurden verhaftet. Eine große Anzahl Käuf- leute und angesehene Bürger sind stark kompromittiert. Am 20. April wurde auf der Strecke N e u m ü n st e r-W r i st (Schles­wig'' auf eiuem Bahnübergänge ein Fuhrwerk durch zwei nach Wrist laufende leere Maschinen überfahren. Dabei nmrden zwei Personen getötet und eine Person leicht verletzt. Eine der beiden Maschinen wurde beschädigt. In So r a u stellte ein Arbeiter seine von ihm getrennt lebende Frau auf offener Straße zur Rede, zog sein Taschenmesser und schnitt der Frau den Hals durch, worauf er selbst aus einer Blausäure ent­haltenden Flasche trank und zmammenbrach. Er starb im Kranken­hause, die Frau wurde noch lebend nach einer Kottbuser Klinik gebrockt. In Moskau erschien bei dem Arzt Dr. Lebedew eine 25 jährige Frau, um sich ihre vergrößerten Gaumenmandeln auf operativem Wege entfernen zu laffen. Während der Ope­ration verschied plötzlich die Patientm. Lebedew ttat darauf in datz Nebenzimmer, nahm eine große Dosis Opium und starb sehr bald an den Folgen der Vergiftung. In Berlin wurde die Dienstmagd Katharina Bielski beim B e rbrennen der Leiche ihres neugeborenen KindeS überrascht und verhaftet.

Universitäts-Nachrichten.

Ferialfcst der akademischen Gesangvereine. In Ausführung des Beschlusses der vorjährigen Ferialzusammen- runft veranstaltet der Kartellverband der akademischen Gesang­vereine in Innsbruck auck Heuer wieder eine Ferialzusammen- kunst bet deutschkreich-itlichen akademischen Gesangvereine Oester­reichs und des Deutschen Reiches am 4. und 5. August.

Landwirtschaft.

Saaten st and in Preußen im April: Winterweizen 2,6, Winterspel; 3,3, Winterroggen 2,6. Klee 2,4, Luzerne 2,5, Rieselwiesen 2,6, andere Wiesen 3,0. Die entsprechenden vor­jährigen Ziffern sind: 2,6, 2,3, 2,5, 3,2, 2,8, 2,5, 3,0. 2 be­deutet gut, 3 mittelmäßig und 4 gering.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt eher ..Hier >v.|r Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redalt' i d?in Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Garbenteich, 19. April 1906.

Garbenteich ist im Besitze einer sonst immer tadellosen Straßenbeleuchtung; jedock in letzter Zeit funktioniert sie nicht mehr und wir haben eben abends die schönste Finsternis. Woran liegt wohl das? Ein Neugieriger.

AllSM sus irn Staiiikslmfgrtoikrrv der Siebt Gießen.

Aufgebote.

April. 9. Wilhelm Heinrich Woli, Lokomotivheizer dahier, mit Johanna Wilhelmine Viscator in Herborn. 14. August Weiß, Bautechniker in Offenbach a. M., mit Anna Müller dahier. 17. Christoph Paulus L, Leinweber in Allendorf a. d. Lda., mit Maria Klein, geb. Wagner, daselbst. 17. Andreas Heinrich Jockel, Kulturtechniker-Aspirant dahier, mit Ida Roth in Beitenhaufen 18. Karl Harrer, Canitätssergeant dahier, mit Anna Magdalene Werner hierselbst. 18. Heinrich Winnecker, Schneider dahier, mit Anna Hatz hierselbst. 18. Aloys Bauer, Architekt in Mainz, mit Luise Höhnle dahier. 19. Adolf Pfisterer, Bildhauer in Frank­furt a. M., mit Christiane Giegling dahier. 19. Gustav Wehner, Schlaffer dahier, mit Anna Wehrum hierselbst.

Eheschließungen.

April. 14. Wilhelm Becker, Gerber dahier, mit Elisabeth Weeg hierselbst. 14. Wilhelm Bender, Taglohner dahier, mit Katharina Schwalb hierselbst. 14. Wilhelm Braunsdori, Buchbinder dahier, mit Elise Nau hierselbst. 14. Wilhelm Lotz, Schlosser dabier, mit Christine Möller hierselbst. 14. Heinrich P'eiffer, Anstreicher da­hier, mit Johanna Kinkel hierselbst. 14. Franz Lorenz Sommer, Weißbinder in Offenbach a. M., mit Wilhelmine Wagner dahier. 14. Georg Wolf, Zigarrensortiermeister dahier, mit Augnste Kalbfleisch hierselbst. 14. Ludwig Volpert, Bureaugehilse dahier, mit Katharine Brücke! hierselbst. 17. Otto Wenzel, Kan'mann dahier, mit Christine Mathilde Hecker hierselbst. 17. Robert Wolf, Leutnant dahier, mit Sophie Emmelins hierselbst. 17. Joseph Völkl, Kellner dahier, mit Eliiabethe Ließkeld hierselbst. 19. Gottfried Bill, Viehwärter dahier, mit Ida Woyle hierselbst.

Geborene.

April. 7. Dem Jnstitutsdiener Ludwig Schäfer eine Tochter, Elfriede Christine Ottilie Marie Katharine. 8. Dem Spengler Karl Herling eine Tochter. 8. Dem Postboten Wilhelm Klein ein Sohn, Willy Raimund. 8. Dem Buchhalter Heinrich Sonntag eine Tochter, Minna. 10. Dem Buchbinder Ludwig Scklaudraff eine Tochter, Katharine Margarete Lilise. 10. Dem Fabrikarbeiter Heinrich Heller II. eine Tochter, Lina Luise. 11. Dem Schneider Gustav Paul ein Sohn, Rudolf Robert Franz. 14. Dem Dachdecker Adolf Karl Thielmann ein Sohn, Hermann. 15. Dem Schmied Wilhelm Philipp Sckornber eine Tochter, Erna Marie Elise Auguste. 15. Dem Wagner Otto Faber ein Sohn. 15. Dem Tabakspinner Johannes Peter IL eine Tochter, Elisabeth. 16. Dem Eisendreber Angust Müller eine Tochter, Elkriede Johanna. 16. Dem Eisenbahn-- assistenten Karl Jnderthal ein Sohn, Ernst.

Gestorbene.

April. 11. Amalie Kiffeberth, geb. Schelper, 71 Jahre alt, Witwe des Sattlers Julius Kiffeberth dahier. 15. Ferdinand Krailing, 26 Jahre alt, Kaufmann dahier. 16. Anna Frieda Hirte, 11 Monate alt, Tochter des Taglöhners Karl Hirte dahier. 16. Ernst Rudolf Bralm, 24 Tage alt, Sohn des Fabrikarbeiters Heinrich Braun II. dahier. 18. Katharine Müller, geb. Rühl, 73 Jahre alt, Witwe des Möbeltransporteurs Friedrich Müller dahier.

handel und Verkehr, Volkswirtschaft.

Di e I n d u st r i e v e r l u st c. Es wurde die Behauptilng aufgestellt, daß die deutsche Zurückhaltung bei der Russe n- Emission der Ausfuhr deutscher Produkte nach Rußland viel schaden werde. Dabei bedenkt man aber nicht, daß Deutschland weit leistungsfähiger Rußland gegenüber ist, als Oesterreich und mancher andere Staat. Wie die Situa­tion heute liegt, sind wir der festen Ueberzeugung, daß in nicht zu ferner Zeit der Tag kommen wird, wo man es als ein Glück preisen wird, baß das deutsche Geld bei der Anleihe von 1906 nicht beteiligt war.

Eine Erleichterung des Geldmarktes ist immer noch nicht eingetreten und auch für die weitere Folge vorerst nicht zu erwarten, sodaß jetzt schon befürchtet wird, daß das erste Semester des laufenden Jahres vor­übergehl, ohne daß der offizielle Zinsfuß eine Veränderung erfährt. Tie industrielle Tätigkeit läßt nichts zu wünschen übrig: im Gegenteil, sie liefert den Beweis dafür, durch den überraschend glänzenden Eisenbahngüterverkehr, daß die Tätigkeit gegen die ersten drei Monate dieses Jahres nur noch zugenommen hat. Statt der ersehnten Goldzuflüsse macht sich infolge der Vorrbereitungen für die neue russ. Anleche das Bestreben bemerkbar, die in Berlin unter- haltenen Guthaben zurückzu ziehen, und außerdem wendet sich das Spekulationskapital von hier aus der neuen Russen­anleche zu.

DieBerliner Börse hat sich inbetreff San Fran­cisco wieder etwas beruhigt. Auch von Newyork kommen beruhigende Meldungen. Auf Russenwerte drückte der Rückgang des Agios für die neue russische Anleihe auf% stärker zurück. DerJro-Monger"-Bericht wurde günstig ausgelegt. Am amerikanischen Eisenbahnmarkt ist die Hal­tung noch recht matt; auch son stwar das Geschäft sehr wenig angeregt, zumal Russen sich im Verlauf des Geschäftes weiter abschwächten. Privatdiskont 3 drei Llchtel Prozent.

Briefkasten 0er ^LedaktZon.

(Anonyme Anfrage» bleiben nnberücksichtigt).

Wafsenpaß. An und für sich besteht in Hessen eine Be- fthnmnng, wonach Scheibenschntzen einen vom KreiSamt gegen Zahlung einer mäßigen Stempelgebühr auszustellenden Waffen­schein besitzen müssen. Dieser Waffenschein berechtigt den Inhaber, nur auf dem zum Schießstand führenden öffentlichen Wege die Scheibenbüchse offen zu tragen. Diese Bestimmung wird indeffen nicht gehandhabt. Immerhin werden Sie gut daran tun, sich aus dem Kreisamt einmal zu erkundigen. Für die Ausstellung eines solchen Passes wird gefordert, daß man mit Schießwaffen vor­sichtig umzugehen versteht. Zum Nachweise genügt eventuell der Militärvaß ober ein Zeugnis der Ortspolizeibehörde. Allgemein steht man auf dem Standpunkte, daß Mitglieder eines Schützen­vereins die Scheibenbuchse bei Benutzung des allgemein zum Schietzstande führenden Weges offen tragen dürfen. Außerhalb dieses Weges ist das offene Tragen nicht gestattet.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Boraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag, den 21. April 1906: Zeitweise heiter, trocken. Nach kühler Nacht am Tag etwas wärmer, später wieder trüber.

Nähere? durch die Gießener Wetterkarte.

Griginnl-Drahtrneldungen.

R.-B. Darmstadt, 21. April. In der Wohnung der Hofopernsängerin KaschowSka (Wittmannsstr.) brach heute vormittag ein Brand ans. Das Feuer nahm beim Ofen seinen Anfang und ergriff alsbald sämtliche Möbelstücke. Der ständigen Feuerwehr gelang es, das Feuer zu unter­drücken, jedoch ist die Wohnung fast völlig ausgebrannt.

Kiel, 21. April. Auf dem auf der kaiserlichen Werft liegenden LinienschiffKaiser Friedrich III." brach Feuer in der Munitionskammer aus, das rechtzeitig entdeckt und durch unter Wasser setzen gelöscht wurde. Gegen die verantwortlichen Feuerwerker und zwei Unterofsiziere wurde die Untersuchung cingeleitct.

Könitz, 21. April. Durch Großfeuer wurden in des Torfe Rabatz bei Neu-Stettin 8 Gebäude eingeäschert und 2 Menschenleben vernichtet.

Rom, 21. April. DieTribnna" glaubt, Guicciardini werde in seiner Antivort auf die Dreibund-Interpellation de Martinos die loyale und unbeschränkte Inne­haltung des Vertrages hervorhebcn, der Italien mit

den Zenttal-Mächten verbinde, sowie den sehnlichen Wunsch, daß die alten so nützlichen Beziehungen keine Acndcrungen erfahren. Er werde ferner bervorheben,^ daß Italien, welches nichts anderes verlange als Frieden, mit Sorg^ falt und Hartnäckigkeit auf den Schutz seiner Jntereffcn bedackt fei.

Kattowitz, 21. April. Eine Räuberbande, die in den Gutshof von Jawocznice eindrang, ermordete den Besitzer, BrancreibesitzerTenzer und raubte 3200Rubel. Ein Räuber ivurbe verhaftet. Auf den Regiments­kommandeur, Grasen Keller in Kalisch, wurde eine Bombe geschleudert, die biejer mit den Händen aufsing und sich da­durch rettete.

Tanger, 20. April. Die in der Vorstadt Marschau wohnenden Europäer werden durch einen Offizier Raifali'S beunruhigt. 300 feiner Leute eröffneten ein Gewehrfeuer gegen einen Andjera-Häuptling, dem es gelang, zu entfliehen. Sie schleppten seine Frau und Kinder fort, plün­derten das Halis und steckten es nebst mehreren anderen in Brand.

Das Erdbeben in Kalifornien.

Newport, 20. April, nochm. Flüchtlinge au9 ©an Francisco geben erschütternde Beschreibungen von den Leiden der Bewohner und den Verwüstlingen der Stadt. Die nieder­gerissenen Drähte der elektrischen Lcitlmgen gefährden das Leben der Bewohner. Hunderte von Leichen liegen noch immer auf den Straßen; es droht eine Sellchengefahr sich zu der Wasser«. und Hungersnot zu gesellen. Die Flüchtlinge erzählen, das Erdbeben sei so gewaltig gewesen, daß Fische aus der Bai in die Straßen der Stadt gefchleudert wurd-m. Der Wassermangel ist so groß, daß die Menge, von Durst gepeinigt, schmutzige Wasserlachen ausgetrunken hat. Die unbeschreibliche Hitze verschärfe die Leiden der in der Stadt Zurückgebliebenen. Zahlreiche Verwundete kämen in den Straßen um, sic würden gleichsam zu Tode geröstet. Diejenigen, die sich retten konnten, hätten unbeschreibliche physische und seelische Martern erduldet. Die Chinesen st adt von San Francisco brannte innerhalb einer Stunde nieder. Bürgermeister Schmitz befreite eigen­händig mehrere im Staatsgefängnis eingefchlossenc Ge­fangene, nachdem einige von ihnen in ihren Zellen zu Tode geröstet waren. 150 Häuser-Gevierte sind vom Feuer zer­stört, 50 weitere von Soldaten und Feuerwehr mit Dynamit gesprengt, um das Feuer einjubämmen, jedoch alles ver­gebens.

San Francisco, 20. April. Die Soldaten, welche die Münze bewachen, erschossen heute 14 Personen wegen Raubversuchs.

Washington, 20. April. Eine offizielle Mitteilung besagt, daß die Hilfe für San Francisco aus dem Auslande nicht nötig sei, da die Vereinigten Staaten imstande seien, erforderliche Hilfe zu leisten. Zeichnungen von Geldbeträgen geschehen fortdauernd von allen Seiten. Roose­velt spendete 1000 Dollars, Andrew Carnegie, die Standard Oil Company und die United States Steel Corporation je 100000 Dollars.

Petersburg, 20. April. Der Kaiser richtete an Roosevelt ein Telegramm, in dem er diesem fein herzliches Beileid ausspricht.

Telefonische des Giessener Anzeigers, mitgi und Industi Frankfurter Riii 3%6/o Reichsanleihe . . 100.05 3% do. . . 88.25 3%°/o Konsols .... 100.10 3% do 88 40 3^°/ Hessen 99.60 314%, Oberhessen . . .. 49o Oesterr. Goldrente. . 100.50 4*/8 % Oesterr. Silberrente 101.25 4% Ungar. Goldrente . . 96.60 4% Italien. Rente . . .. 3% Portugiesen Serie I . 68.80 3% Portugiesen III 70.00 4^*7O russ.Staatsanl. 1905 90.60 4%°'n japan. Staatsanleihe 94.95 4 % Conv. Türken von 1903 92.80 Türkenlose .... . . 145.60 4% Griech. Monopol-Anl. 54.50 4% äussere Argentinier .. 3°/0 Mexikaner .... 68.60 4%6/o Chinesen .... 98.20

Aktien:

Bochum Guss 250.00 Buderus E. W ... 128.80 Tendenz: fest.

Berliner Börse, Canada E. B 174.40 Darmstädter Bank . . . 144.70 Deutsche Bank .... 240.00 Dortmunder Union C. . . 87.70 Dresdner Bank .... 161.50 Tendenz: fest.

Kursberichte

teilt von der Bank für Hande! le, Giessen.

se. 21. April, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 142.75 Elektriz. Schnckert . . . 132.00 Esch weilet Berq-werk . 262.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 228.80 Hamburg - Amerik. Paketf. 164.70 Harpener Bergwerk. . . 219 00 Laurahütte 248.50 Nordd. Lloyd 135.80 Obeischles. Eisen-Industrie 130.10 Berliner Handels^es . . 171.30 Darmstädter Bank . . . 144.60 Deutsche Bank . . . 240.00

Deutsch-Asiat. Bank . . 185.70 Diskonto-Kommandit. . . 188.30 Dresdner Bank . . . 161.10 Kreditaktien 215*50

Baltimore- und Ohio-

Eisent ahn . . . 111.60

Gotthard bahn. Lombard. Eisenbahn . . 28.80 Oesterr. Staatsbahn . . . 147.20 Prince-Henri-Eisenbahn . 14225

11. April. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk . . . 218.80 Laurahütte . . . , . 248.50 Lombarden E. B. ... 23.70 Nordd. Lloyd 135.90 Türkenlose . ....

Krluumtmlichimg.

In der Zeit vom 14. bis 21. April 1906 wurde in hiesiger Stadt

gefunden: 1 Hundeinaulkorb, 1 Briefmarkenalbum, 1 schwarz« ledernes Portononnaie mit Inhalt, 1 grauer Stallhase und 1 Stück Messingrohr;

verloren: 1 goldenes Medaillon (Größe etwa eines Fünf­pfennigstuckes) mit schwarzem Kreuz, 1 ledernes Damenhandtäschchen (Inhalt 1 Schläffel und 1 Taschentuch), 1 schwarzledernes Portemonnaie mit Inhalt, 1 Federboa, 1 Kneifer mit Gold- emfaffung, 1 goldenes Armband und 1 Füll­federhalter mit Goldfeder.

Entlaufen ist: 1 schottischer Schäferhund.

Die Empfangsberechtigten des gefundenen Gegenstände beliebe seinen Anspruch alsbald bei uns geltend zu machen.

Gießen, den 21. April 1906.

Großh. Polizeiamt Gießen.

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