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Kreisamtmann Dr. Merck bringt noch zur Sprache, daß in einer ganzen Reihe von Gemeinden keine Zuchteber vorhanden seien. Da nach der Versicherung einer bedeutenden landwirtschaftlichen Autorität die Schweinepreise noch längere Zeit auf einer gewissen Höhe bleiben würden, sei durch Beschaffung guten Zuchtniaterials hier noch manches für unsere Landwirtschaft zu verdienen.
Nach weiteren geschäftlichen Mitteilungen schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf S. M. den Kaiser und S. K. H. den Großherzoq,
^rehnnmgSgeisteS bedarf, den der preußische Handelsminister Delbrück beim Kaufmann nicht genügend entwickelt findet, wie er beim gestrigen Festmahl des deutschen Handelstags darlegte. Nichts von alledem hörte man heute im Reichstag, in wenigen Minuten war der abessynischc Handelsvertrag abgetan, und die Herren drängten sich um den Tisch deS Hauses, um dort vom Abg. Frh. v. Hertling (Ztr.) ausgelegte Illustrationen aus dem Stcinmannschen Prachtwerk über die Sixtinische Kapelle zu besichtigen, während die Diskussion über die „Einmaligen Ausgaben^ des Etats des Reichsamts des Innern Fortgang nahm. Um die Bewilligung einer neuen Rate zum Ausbau der Hohkänigsburg erhob sich ein lebhafter Streit, der aber leider zugunsten der Regierung entschieden wurde. In der sehr vernünftigen Ablehnung des Modernisierens alter Burgen begegneten sich zwei erbitterte politische Gegner, die Abgg.Ledebour (Soz.) und v. Kar dorff (Rp.). Dieser erklärte rund heraus, erwürbe in einer Restaurierung des Heidelberger Schlosses einen Akt entsetzlichster Barbarei sehen. Nichts weniger als anerkennend hat übrigens Herr v. Kardorff, der Vater eines modernen tüchtigen Malers, früher auch mit vollem Recht über die monumentale Ausschmückung der Berliner 'Siegesallee geurteilt.
In später Stunde löste der Staatssekretär des Reichs- fustizamtS Dr. Nieberding den Grafen Posadowsky am Regierungsttsch ab, und als erster Redner zum Justizetat «hielt Abg. Bassermann (natl.) das Wort. Er schickte seiner Darlegung der Reform bedürftigkeit der Rechtsprechung — Schwurgerichte — die interessante Erklärung voraus, daß seine Partei dem vom Zentrum im preußischen Landtag geäußerten Wunsch nach einer neuen lex Heintze nicht beist immen könne. Ein derartiges Gesetz auszuarbeiten, liegt auch nicht in der Absicht der Regierung, wie Dr. Nieberding m seiner Entgegnung feststellte. Ein kraffes Beispiel der Wirkung eines Justizirrtums brachte Abg. Bargmann <frs. VolkSp.) zur Sprache, und die etwas scharfmacherische Rede des Abg. v. Dirksen (Rp.) mißfiel der äußersten Linken so sehr, daß hier eine scharfe Antwort zu erwarten i ist. Dr. Nieberding entgegnete auch diesen Rednern in • seiner ruhigen Weise. Im allgemeinen bat er, von dem guten Willen der Justizverwaltung, Mißstände abzustellen, überzeugt zu sein.
Oekonomierat Weitzel in Lich macht auf die landwirtschaftliche Winterschule in Lich aufmerksam, deren Besuch jetzt schon recht gut sei.
UersammLung des landwirtschaftlichen ULzirks- vereins Kießen.
(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)
„ . (Schluß.)
Geheim erat Dr. Breid ert dankte zunächst dem Redner und führte des weiteren aus, die Vorschläge des Referenten deckten sich mit dem, was die Negierung auf diesem Gebiet anjtrebe. Da staatliche Mittel zurzeit hierfür nicht aufgewendet werden können, empfehle es sich, daß der landw. Bezirksverein eintrete. Landtagsabgeordneter Bürgermeister Köhler-LangSdorf bat, dem Vorschlag zuzustimmen und schilderte den in Langsdorf in dieser Beziehung gemachten Versuch. Geheimerat Dr. Breidert betonte nochmals ausdrücklich, daß nicht daran gedacht werde, den landw. Winterschulen Konkurrenz zu machen, sie sollten vielmehr auch diese zu fördern suchen. Bürgermeister Köhler sprach in demselben Süme. Nachdem sich auch Präsident Braun unter lebhaftem Beifall für Unterstützung deS von Prof. Gisevius vorgeschlagenen Versuchs ausgesprochen hatte, fanden die gemachten Vorschläge allseitige Zustimmung.
Der Voranschlag für 1906 bewegt sich im wesentlichen in ähnlichem Rahmen wie seither. Bei den Ausgaben sind nach den Mitteilungen deS Vorsitzenden u. a. 1800 Mk. Jftr landwirtschaftlichen und Haushaltungs-Unterricht und den vorhin besprochenen Kursus für Ausbildung von Volksschul- 'lehrern für ländliche Fortbildungsschulen vorgesehen. Der Voranschlag, welcher mit 7270,27 Mk. in Einnahme und Ausgabe abschließt, wird einstimmig genehmigt.
Die Wahl deS Vorstandes ergibt Wiederwahl der Herren Geheimerat Dr. Breidert als Vorsitzender, Oekonomierat Hoffmann-Hof-Gill als 2. Vorsitzender und Kreis-
Evangelische Gemeinde.
Donnerstag, den 22. Februar, abends 8 Uhr, im Markus-- aal, Kirchstraße 9: letzte B i b e l st u n d e. 3. Korinther, Kap. 6, __ Pfarrer Schwabe.
: amtmann Hechler als Sekretär. Neugewählt wird Kreis« amtmann Dr. Merck als stellvertr. Sekretär. Die seitherigen
i Mitglieder des Ausschußes werden wiedergewählt, an Stelle des y Bürgermeisters Heller von Lich wird Gutsobervecwalter Büchsenschütz gewählt, auch die Mitglieder im Ausschuß des landw. Provinzialocrrins werden wiedergewählt.
Ein Gesuch der Stadt Grünberg um Genehmigung zur Abhaltung eines weiteren Vieh- und Krämermarktes im Monat September vom Jahre 1907 an wird einstimmig genehmigt.
Der Vorsitzende Geheimerat Dr. Breidert gibt sodann bekannt, daß neben dem Versand der Wetterkarten noch die telegraphische und telephonische Verbreitung der Nachrichten des Gießener Wetterdienstes möglich sei. Prof. Dr. GisevinS teilt mit, daß die Einrichtung des Wetterdienstes in Frankfurt eine gewiße Gefahr für den Fortbestand des landw. Wetterdienstes an dem landwirtschaftlichen Institut der Landesnniversität bedeute und führt aus, daß der Fortbestand des Gießener Wetterdienstes sehr wünschenswert sei. Bürgermeister Köhler unterstützt diese Ausführungen lebhaft, lieber die event. tel. Verbreitung des Wetterdienstes stellt der Vorsitzende ein besonderes Ausschreiben in Aussicht.
Die Rechnung für 1904 findet keine Beanstandung und wird unter Ausdruck des DankeS für den Rechner Weidmann genehmigt.
Kreisamtmann Dr. Merck macht darauf aufmerksam, daß jetzt die richtige Zeit sei für den Anschluß an diestaarlicherseits unterstützte Hagelversicherung und verweist auf die Veröffentlichungen hierüber im Kreisblatt. Auf Anregung desselben Herrn wird beschloffen, die Frage der Vertilgung der für die Landwirtschaft schädlichen Vögel auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung zu setzen.
Hierauf wird noch auf Ausstellung der Proben der vom hessischen Landwirtschaftsrat zum Verkauf gestellten Saaten aufmerksam gemacht.
Bürgermeister Köhler-Langsdorf fragt an, ob die deutsche Luzernersaat der der Provence vorzuzichen sei. ^rof. Dr. Gisevius warnt davor, fremde Luzernersaaten ür den Bau zu beziehen, da die klimatischen usw. Verhält- 1 hältniffe zu verschieden seien.
” Wo hin der Geiz führen kann. Ein Darm- jtädter Millionär besaß in hübscher Lage zwei Häuser nebeneinander. Ihre Höfe werden durch eine Mauer getrennt, auf der eine Gaslaterne angebracht ist. Sie beleuchtet die beiden Höfe gleichmäßig. Kürzlich verkaufte der Mann das eine der Hauser. Er hatte aber feine Lust, des Nachbarn Hof um- sonst zu beleuchten. Er ließ deshalb die Scheiben der Laterne nach dem Nachbarhof hin schwarz anstreichen. Auf diese Weise hat der Nachbar keinen Nutzen von der Laterne, während im Hofe des Millionärs die gewohnte Helligkeü herrscht.
** Die Lande swaisen kasfe vereinnahmte tat Jahr 1904 208 247,91 Mk. und verausgabte 205 645,27 ML Unter den Einnahmen befanden sich u. a. 21652,40 ML Opfer, Legate und Jllate der Kinder und 159 449,40 DL Zuschuß aus der Hauptstaatskasse, unter den Ausgaben 151462 Mk. Pfleggelder, 30 361,12 Mk. Unterstützungen und 3825,20 Mk. ärztliche Behandlung und Arzneien, zusammen für Waisenverpflegung 185 648,32 Mk. Ende März 1904 waren 1858 Waisen in Verpflegung, ausgenommen wurden vom 1. April 1904 bis 31. März 1905 346 (Starkenburg 128, O b e r h e s s e n 56, Rheinhessen 49), entlassen 380 (Starken- burg 144, Oberhessen 66, Rheinhessen 53). 113 Waisen, die während der Lehrzeit Unterstützungen erhalten, wahrend 117 Lehrlinge ausschieden. Ende März 1905 blieben 1824 Waisen in Verpflegung.
In Fleisch und Blut wß es übergehen, daß chöneu Teints nichts "4? $V4ielu“9 eiue3.
besseres giebt als die 11 ilOllUSCMOe
innerlich wahr; alles Mitleid häuft er auf seinen wackeren Schuster, dcffen Seele in schneeiger Weiße glitzert. Das Gefährliche seines dramatischen Plaidoyers ist die scheinbar an einem typischen Falle dargetane Verallgemeinerung, so daß E unberatenes Publikum gar leicht zu falschen generalisierenden Schlüssen gelangen kann. In zehn Jahren, meint Bernsteins Landgerichtsdirektor, ist sein Sohn als Gatte der Mali ein unglücklicher Mensch für den ganzen Rest seines Lebens. Ich kalkuliere, daß in solchen Fallen dieser Zustand leicht schon m drei oder vier Jahren eintritt. Solche Ehen sind, da hat der Landgerichtsdirektor ganz recht, in der Tat gar oft em Elend, weil die Zeit kommt, wo Eines dem Anderen die Vergangenheit vorwirft, weil Bildungs- und Standes- unterschicde unüberbrückbar sind. Gewiß ist der uianches Glück vernichtende klaffende Riß zwischen den Ständen und Anschauungen beklagenswert, trotzdem aber bleibt des Direk- torS Rat der rechte, daß der Schuster bei seinem Leisten bleiben und nicht hochfliegende Schwiegervaterträiime hegen Und nähren soll. Und wiederum recht hat er, wenn er dem Schuster vorwirft, daß er eS an der nötigen väterlichen Aufsicht und Strenge habe fehlen lasten. Allerdings kann der § 182 beS R.-Str.-G. eine Erweiterung vertragen Ebenso wie die §§ 825 und 847 des Bürgerlichen Gesetzbuches.
unmoralisch ist es, wenn die „®e- jeuscha.f? der verlorenen Ehre eines Mädchens dieMakel- losrakeit des Verführers geaenüberstellt. Aber indem der Verfasser es unterließ, unpersönlich zu bleiben, indem er nur die eme Anschauung zu Recht bestehen laßt dadurch, baß er Vater und Tochter aus dem Schusterhause als edel, hilfreich und gut, als fast völlig untadelig malte, dem SvzuUisten schlac enden wortwendenden Landgerichtsdirek- 4or aber neben feiner Welt- und Menschen- und rechtskundig ^en Lebenspraxis starren, in Standesvorurteilen befangenen streberischen Bureaukratismus, erbärmliche Nüchternheit und Jllusionslosigkeit, kühlen Egoismus, ja innere Unwahrheit, Rechtsbeuge und sogar einen nicht Heuten Tropfen Heuchelei mit auf den Weg gab, ward er ungerecht. Herr Justizrat Bernstein weiß als ein im Gerichtssaal ergrauter Jurist sehr wohl, daß es, Gott sei Dank, außer solch einem Land- gerichtsdirettor Wiedemann, dem er ja einmal begegnet sein mag, auch Landgerichtsdirektoren gibt von rechtem Schrot rmd Lorn. (Schluß folgt.)
hasten Beifall dankbar erzeigte. — Nicht minder gesteleri die vorzüglichen musikalischen Darbietungen. Die ßieber von Frau Professor Rahn, wie diejenigen eines Doppel-, , quartetts von Mitgliedern des evangelischen Kirchengesangk Vereins standen auf künstlerischer Höhe und fanden reichen^ wohlverdienten Beifall. Einen hohen Genuß bo'en sodann die Violinsolis des Herrn Sch ättler-Gro^n-Linden> eines Schülers von Professor Heermann-Frankfurt a. M., den wir hoffentlich noch öfters hören können. Technik und Ausdruck waren gleich vollendet; die Begleitung am Klavier hatte Herr Pfarrassistent Knott übernommen und in fein- sinniger Weise durchgeführt. So schloß der Abend in würdigster Weise die Reihe der diesjährigen Veranstaltungen.
Der Schweine-VersicherungSverein Gießen hielt am 17. d. M. seine diesjährige Generalversammlung bei Mitglied Sauer ab, wobei aber außer dem Vorstand und den Vertrauensmännern leider nur 2 Mitglieder erschienen waren. Der Vorstand wies nach, daß seit Bestehen des Vereins (3 Jahre) an die Mitglieder für Verlust ihrer versicherten Schweine 1596.67 Mk. als Entschädigungen aus der Vereinskaste ausbezahlt wurden, und noch em Kassen- besiand von 643.47 Mk. verblieb. Da der Vorstand und die Vertrauensmänner keine Bemühungen und keinen Zeitaufwand für den Verein scheuen, so wäre es auch wohl angebracht, wenn die Mitglieder bei künftigen Versammlungen sich zahlreicher beteiligen würden.
•• Der Verein ehemaliger Pioniere beging am vergangenen SamStag durch einen Familienabend fein 2. Stiftungsfest. Zahlreiche Mitglieder, sowie eine stattliche Zahl Gäste füllten den oberen Saal des Cafß Ebel. Wohlgelungene Konzertstücke, auSgeführt von dem 1. Gießener Philharmonischen Orchester, verschönten, abwechselnd mit humoristischen Darbietungen, die Feier. Die vom 1. Vorsitzenden Kam. Hansel ausgebrachte echt patriotische Begrüßungsansprache fand begeisterten Widerhall. Ebenso fanden die Ausführungen des Bezirksvorsitzenden Kam. Bruch- Häuser, dessen Hoch Deutschlands Frauen und Jungfrauen galt, allseitige Anerkennung. Kam. Cullmann feierte die anwesenden Veteranen. Ein anschließender Ball hielt fast alle Anwesenden bis zur frühesten Morgenstunde zusammen. Der am Sonntag nachmittag unter guter Beteiligung vorgenommene Ausflug nach dem Windhof schloß die Feier. Die Veranstaltung des jungen Vereins, welcher zum ersten Male mit einem Vergnügen an die Oeffentlichkeit trat, darf in allen Teilen als recht gelungen bezeichnet werden.
Aus Sta&t uno Land.
Gießen, den 21. Februar.
** Ein mißglückter Ausbruch. Ein hier in Polizeigewahrsam untergebrachter Italiener, der wegen anarchistischer Umtriebe au5 dem Deutschen Reiche auS- gewiesen worden ist, versuchte gestern morgen aus dem Polizei- gesängnis auszubrechen. Er war bereits auf dem Hofe angelangt, als er entdeckt und nach heftiger Gegenwehr von dem Schutzmann Göbel in seine Zelle zurückgebracht wurde. Am Mittag wurde er durch zwei Gendarmen nach dem Bahnhof transportiert, um nach seiner Heimat abgeschoben zu werden.
** Evangelischer Bund. Am letzten Sonntag abend fand im hiesigen Zweigverein des evang. Bundes der 3. Familienabend statt. Im Mittelpunkt des Wend stand der Vortrag des Herrn Pfarrer Duseck-Kolin in Böhmen über „Leiden und Arbeiten der national-böhmischen evangelischen Kirche". Der Redner führte die Hörer damit auf ein verhältnismäßig unbekanntes (Miet, bas aber allseitig lebhaftes Interesse fand. Die Ausführungen können im einzelnen nicht gut wiedergegeben werden. Hier nur einige der Hauptgedanken: Oesterreich ist kein einheitliches Reich, sondern ein Reich von 10 verschiedenen Nationen, die unter sich wieder grundverschieden sind. Am schärfsten sind die Gegensätze zwischen Deutschen und Tschechen, teils politischer, teils religiöser Natur. Und doch sollten die beiden Gegner aus der Geschichte lernen, in Frieden miteinander zu leben. Zu der Zeit Heinrichs IV. und seines Kampfes gegen die Kirche stand der Böhmenherzog unentwegt treu zum deutschen Kaiser. In den Hussitenkriegen hat man oft den falschen Eindruck, als seien diese nur nach Deutschland gekommen, um zu rauben und zu plündern, und doch gab es auch hier eine Menge von Hussiten. Im schmalkaldischen Kriege haben auch die Tschechen sehr gelitten, indem Ferdinand II. schwere Rache dafür nahm, daß 12000 ihrer Landsleute in die Schlacht bei Mühlberg zogen, zu der sie freilich zu spät kamen. Der dreißigjährige Krieg entbrannte in Böhmen wegen zweier deutscher Gemeinden, Klostergrab und Braunau, da der tschechische Wel ihre Freiheit verteidigen wollte. Nach der Schlacht bei Prag bluteten Deutsche und Tschechen zusammen. So ist in der österreichischen Geschichte das Gnui- gelium in der Tat ein Bindeglied zwischen den Nationalitäten und sollte es auch in Zukunft bleiben. Das tschechische Volk ift in sich selbst gespalten, da es seiner Geschichte nach evangelisch ist, wahrend es nun der katholischen Kirche zugehören muß. Dieser Prozeß der Gegenreformatton hat unsägliches Elend über Böhmen gebracht, mehr als zwei Drittel der Bewohner sind verloren gegangen. Trotzdem hat unter der Asche das evang. Bewußtsein weiter geglüht, sodaß mit dem Erlaß des Toleranzediktes sich über 100 000 Menschen meldeten, die die ganze Zeit von über 200 Jahren beim! ich ihrem Bekenntnis treu geblieben waren, wie überhaupt hussitische Gedanken in Böhmen noch unbewußt oft rege sind. Auch die jetzige evangelische Bewegung unter den böhmischen Tschechen ist eine rein religiöse, wenn sie auch zu einer politischen gestempelt worden ift Das Volk ringt nach einer Wiedergeburt im Sinne der Prinzipien der Reformation. Leider ist die evangelische nationale Kirche der Tschechen zu schwach, um das Werk allein bewältigen zu können, sodaß Hilfe von außen kommen muß, damit die reine, geistige und religiöse Bewegung nicht wieder verflecht und versinkt. Mit einem warmen Appell an die Anwesenden, die drei großen Schatze evangelischer Wahrheit, Freiheit und Kraft sich zu erhalten, schloß der Redner seine sympathischen Ausführungen, für die das Publikum sich, durch leb


