Nr. 196
vrfcheint mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
eingenommen
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Die ..Siebener ZamilienblSIter" werden dem „Anzeiger vternral wöchentlich beigelegt. Der »Heistsch« Landwirt erscheint monatlich einmal.
RotattonSdnrck und $ erlag bet ötübl’fcbat UnwersttätSdruckeret. N. Lange, Lletze«,
Redaktion. ExpedUion ».Druckerei r Schulstr.K, Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger «Ließe».
lassen. Aber das ist unlogisch, ist eine Prämie auf das Leugnen, auf die Verstocktheit, und kann nicht verteidigt werden.
Wir haben Fälle, daß Unschuldige hingerichtet wurden. Es ist an sich unbegreiflich, >vie seit den Tagen, da der erste Justizmord klipp und klar nachgewicsen luar, die Todesstrafe überhaupt noch vollstreckt werden konnte, eine strafe, die nicht wieder gut gemacht werden kann! Der Gedanke daran, daß cs ein Unschuldiger ist, den man hinrichtet, daß cs wenigstens ein Unschuldiger sein könnte — muß der den Menschen nicht bis ins Innerste erbeben lassen? Im Hinblick aus die Möglichkeit eines Justizmordes muß gesagt werden: alle Argumente für die Todes st rafe sind falsch, sind irrig, sind barbarisch, wie die T o d e S st r a f c selb st. Die Todesstrafe muß fallen, das ist ein Gebot unserer Zeit, das ist ein Gebot der wirklichen Menschlichkeit. Gesetz und Recht sind da, zu richten, aber nicht zu vernichten — im .Hinblick auf die möglichen Konsequenzen muß dem modernen Staat das Recht, Menschen zu töten, unbedingt bestritten werden.
Freilich, auch wir sind nicht für die Schaffung von Zuchthaus- pensionaten für p. t. Raub- und andere Mörder. Man werfe die Leute, die vielleicht nicht mehr das Recht haben, den Ehrennamen „Mensch" zu führen, hinaus aus der Kulturwelt, man schasse uns V e r b r e ch e r ko l o n i e n , in denen diese Bestien für ihr nacktes Leben arbeiten müssen. Wir haben doch Gelegenheit mehr als genug dazu — brauchen wir doch Kolonisten, brauchen wir doch Kulturdünger in unseren Schutzgebieten! Unter solchen Bedingungen wird ein Urteil, das zu unrecht ausgesprochen ist, umgcstoßen werden können. Bleibt die Todesstrafe aber, wird sie vollstreckt — wer setzt dem von der Justiz zu Unrecht Gemordeten den Kopf wieder auf? Tie Todesstrafe ist eine furchtbare Gefahr, sie ist gegen die Kultur, gegen die Ethik, sie ist gegen die Gerechtigkeit. Und darum muß sie fallen, wird sic, wie in anderen Ländern, auch im deutschen Reiche fallen!
alles genaue Auskunft.
Fuhrunternehmer L. Guthmann hatte sich speziell als Führer über die Schlachtfelder zur Verfügung gestellt und sckstl- berte häufig in eingehendster Weife die einzelnen Gefechtslagen und Stellungen. . ...... _
Der zweite Tag wurde zum Besuch der östlichen Schlachtfelder benutzt und an demselben Nachmittag die Reise nach Saarbrücken angetreten. Zur Begrüßung am Bahnhof waren eine Anzahl Kameraden des üriegervereins Saarbrücken anwesend und unter'Vorantritt der gesamten spelle des 7. Dragonerregiments marschierten die Teilnehmer in Saarbrücken ein. Nach Besichtigung des Rathauses mit Museum, des Saalbaues und sonstiger Sehenswürdigkeiten folgten die Teilnehmer einer Einladung des Kriegervereins Saarbrücken, der in fernem schönen geräumigen Vereinslokal eilten Kommers veranstaltet hatte. Nach der Bc- arüfjuug von feiten des Vorsitzenden des Kuiegervereins Saarbrücken Mohr und einem Willtommensgruß von Oberst Kirn-
aelhösfer, einem geborenen Gießener und früheren Leutnant des lpesigen Regiments, sprach Kamerad Schiff nie im Namen des Gießener Vereins den wärmsten Dank für den herzlichen Empfang aus. Kamerad D i ck o r e überreichte £inerr Hassia-Fahncnnagcl, der dankend angenommen wurde.
Oberst Klingel Hoffer gab seiner Freude Ausdruck, mit Gießener Kameraden zusammen zu sein und stellte für den nächsten Tag zum Besuch des Ehrentals und der Spicherer höhen seinen Adjutanten zur Führung und die gesamte Kapelle des 70. Jnf.-Regts. als Begleitung zur Verfügung. Der Kommers verlief in echt kameradschaftlicher, ungezwimgener Weise.
Am nächsten Morgen wurde nnkerBegleitimg einer großen Anzahl Kameraden des KriegervereinS Saarbrücken das Ehrental besucht, an welcher Stätte die RegimentSmusik einige Ehoräle zum Vortrag! brachte. Hierauf erfolgte der Ausstieg auf die Spicherer H ö h en, wo Kamerad Kanzleirat K o p e l k e ° Saarbrücken ein, ehemaliger 40er, der die Schlacht am Spicherer Berg selbst nnt- gemacht hat, einenJBortrag über die Besitzergreifung von Saarbrücken durch die Franzosen und über die der Schlacht voraus- gegangenen Plänkeleien :e. in eingehender Weise hielt. Nach Besichtigung des Denksteins des am Spicherer Berg gefallenen Generals- Francois und dem Denkmal des 12. Jnf.-Regts. erfolgte der Abstieg und daran anschließend wurden zum 'Andenken wieder einige photographische Aufnahmen gemacht.
Nach dem in den Mohrschcn Einlagen stattgefundenen gemeinsamen Mittagsmahl an dem sich auch einige Vorstandsmitglieder des Kriegervereins Saarbrücken beteiligt hatten, erfolgte die Weiterreise in die Heimat. '
Aus dem linksliöeralen «Lager.
Aus Norddetttschland schreibt man den „M. N. N.": Wenn man die Verworrenheit im liberalen Lager sieht, so muß man mit Grauen daran denken, daß schon im Juni 1908 allgemeine Neuwahlen für den Reichstag bevorstehen. Hoffentlich schwebt über dem Parteitag der National- liberalen in Goslar ein glücklicher Stern, so daß diese Partei durch die Berührung mit der Wählerschaft frische Kräfte gewinnt. Nach ihrem Verhalten in der Steuerfrage und in der preußischen Schulfrage ist ihr das auch dringend notwendig. Macht sich der Zug nach links, der so vieler» orten konstatiert wird, bei ihr geltend, so wird sie bei einem sehr großenTeil derFreisinnigen lebhaften Anklang sinden und Bereitwilligkeit, mit ihr in ein liberales Karte ll zu treten.
Freilich will der andere Flügel derFreisinnigen, der mehr nationalsozial gefärbte, davon nichts wissen. Selbst nach den unerquicklichen Wahlausgängen in Darmstadt, Iserlohn, Rinteln, auch Hagen (wenngleich hier das Schlimmste abgewandt ist) fährt Dr. Barth in der „Nation" fort, sich gegen ein liberales Kartell zu wenden und für ein solches mit den Sozialdemokraten zu kämpfen. In den weitesten Kreisen des norddeutschen Freisinns stößt er damit auf den entschiedensten Widerspruch. Die Wählerschaft ist sehr zufrieden damit, daß die Fraktion der Freisinnigen Volkspartei endlich auf die übereifrige Bekämpfung der Ausbildung deutscher Wehrkraft zu Lande und zu Wasser verzichtet hat. Zulange schon hat man sich hierbei in der Gesellschaft der Sozialdemokratie gefühlt. Es ist ein Segen, daß die Schwenkung noch unter Eng en R ich ter vollzogen wurde. Denn andernfalls hätte man ihr schnödes Verlaßen der ruhmvollen Fahnen des großen Führers vor- geworfen, der den wahren Liberalismus niemals verleugnet habe.
Jetzt toäce man überall bereit gentefen, mit der Freisinnigen Vereinigung sich wieder zu verschmelzen; man ist es noch, soweit die alte Richtung der letzteren, die unter Führung von Broemel (Stettin) und Pachnicke (Mecklenburg) steht, in Frage kommt. Ja, nicht blos das, auch der Gedanke an ein Kartell mitben Nationallibe- raIen ist auf durchaus fruchtbaren Boden gefallen. Er ist eigentlich ganz spontan bei der letzten Wahl zum preußischen Landtag entstanden. Einige rheinisch-westfälische Wahlkreise trafen untereinander die Vereinbarung: Wählt Ihr fyier den Freisinnigen, so wählen wir dort den Nationalliberalen, beides gegen Zentrum und Sozialdemokraten. Die Sache ging; mehrere Wahlkreise blieben auf diese Weise den Nationalliberalen erhalten.
Zur selben Zeit wurde das Programm aufgestellt: Bildung eines Blocks der Linken gegen alle anderen Parteien, also gegenseitige Bundeshilfe zwischen Freisinnigen und Sozialdemokraten! Mau eroberte jedoch auch nicht einen einzigen Wahlkreis damit. Die Freisinnige Volkspartei wollte nichts davon wissen. Sie wollte sich nicht bei ihren Wählern diskreditieren, inbem sie mit den „Genossen" ginge, die gerade das liberale Bürgertum am allermeisten drangsalieren.
Aber die Nationalsozialen waren unbelehrbar. Ms nun in Baden der Block gegen das Zentrum zu stände kam, glaubten sie, endlich die Freisinnigen in das Bündnis mit der Sozialdemokratie drängen zu können. Indes lag hier doch ein tiefgreifender Unterschied gegen die badischen Verhältnisse vor. Dort waren die Natwualliberalen in den Block ein geschlossen; was die Nationalsozialen aber wollten, war ein Block der Linken gegen die Nationalliberalen, gerade wie Naumann das bei der Neichstagswahl in Oldenburg 1903 seinen Wühlern empfohlen hatte. Nein, er war poch weiter gegangen: die Stichwahl stand zwischen einem freisinnigen Volksparteiler und einem Sozialdemokraten, und da brachte Naumann es fertig, seinen Anhängern zu empfehlen, den letzteren zu wählen. Sie taten es aber nicht, vielmehr hatte Naumann durch diesen Rat in Oldenburg gänzlich ausgespielt.
Nun sollte also doch der „Block der Linken" wieder ange]lrr*bt werden. Die Leute, die am meisten nach der Einigung der Liberalen verlangen, wollen also in dem Augenblick, da sich ein ernstlicher Schritt in der Richtung auf dieses Ziel zu tun läßt, einen neuen Keil in die näher aneinanderrückenden liberalen Truppen schieben! Ein unzweckmäßigerer Schritt ist gar nicht denkbar. Der Gegen- s a tz gegen di e Sozialdemokraten beherrsche das ganze tägliche Leben. Jeder Handwerksmeister
Der Besuch der Schlachtfelder von Metz
und Umgegend, welcher von Mitgliedern des Gießener Kriege r v e r e in s vom 9. bis 12. 1. M. unternommen wurde, kann, nnc uns heute freundlichst geschrieben wird, dank der guten 'Organization in jeder Beziehung als ein für jeden Teilnehmer sehr befriedigender bezeichnet werden.
Der Verlauf des Ausfluges hat sich in großen Zügen wie folgt abgewickelt:
0. August 5 Uhr 56 Min. morgends wurde die Reise über Koblenz-Trier angetreten und die Ankunft in Metz erfolgte ^?r 14 Mm. inittags. Zum Empfang war ein Mitglied v Ai tn-L am Bahnhof anwesend und begleitete
die Gesellichaft in die Hotels. Am Nachmittag fand Besichtigung der Stadt und des Garnisonsriedhoss unter Leitung des Kameraden Roßinger, der eine Reihe von Jähren als Militärbeanttcr in Web amasstg war, statt. Am Kasier Wilhelm-Denkmal fand die erste photographische Ausnahme der Reisegesellschaft durch Kamerad Herrmann statt. Abends 9 Uhr war geselliges Zu- fainmenfeut mit den Kameraden von Metz arrangiert und zu Ehren des KriegervereinS Gießen ein Militärkonzert im Bürgcr- brau veranstaltet worden.
Das geräumige Lokal war bis zürn letzten Platz gefüllt und es hatten sich die Kameraden von Metz, sowie eine Anzahl Ofsi- ^lcrccJ?er Garnison eingesunden. Nach der Begrüßung von feiten des Metzer Kriegervercinsvorsitzenden Fischer sprach Kamerad Dickord seinen Dank für den würdigen Empfang ans und überreichte dem Verein als ein äußeres Zeichen der Dankbarkeit einen Hassia-Fahnennagel. Kamerad Mobus begrüßte ün Namen bei; Gießener Kameraden das Ehrenmitglied Major Krenter,
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Zum Mannheimer Parteitage.
Kürzlich erschien im Vorwärts Verlage das 48 Oktavseiten umfassende Protokoll der Gewertschaftskonserenz vom 10. Febr. über den politischen Massenstreik, welches einen sehr interessanten Prolog zu dem bevorstehenden sozialdemokratischen Parteitag in Mannheim bildet. Denn der „sozialdemorr. Jungbrunnen" rauschte bei diesen Verhandlungen in so lieblichen Akkorden, daß man auf die Musik der Mannheimer Verhandlungen gespannt fein kann. Zweifelsohne wird sich trotz aller Bemühungen des Präsidiums die bittere Stimmung gegen die Parteileitung, welche immer weitere Kreise der rot gesinnten Arbeiterschaft erfüllt, nicht ganz unterdrücken lassen, und die scharfen Gegensätze innerhalb der deutschen Sozialdemokratie, die zum ersten Male im Dresdener Trianon bekannt wurden, dürsten sich auch in Mannheim Lust machen. Aus jeder Seite des erwähnten Protokolls leuchtet nämlich die Tatsache hervor, daß das« Hauptreservoir der Sozialdemokratie, die „Gewerkschaften"^ und die rote Parteileitung selbst mit einander uneinK sind. Die sozialdcmokrattsche Parteileitung macht die Erfüllung, ihrer Versprechungen von der Einlösung des Wechsels auf den sozialdemokratischen Zukunftsstaat abhängig. Aber auf eine so lange und voraussichtlich vergebliche Wartefrist will sich die Mehrheit der sozialistisch gesinnten Arbeiter, in deren Köpfen' cs allgemach zu dämmern anfängt, nicht einlassen; ihr finb; augenblickliche Lohnerhöhungen und Verkürzungen der Arbeitszeit- wertvoller. Aus dieseii Erwägungen heraus vertraten auch die Gewerkschaften, nachdem Bebel mit seiner blutrünstigen Rede iw Jena die Massen auspulverte, vor allem die Idee des Generalstreiks. Aber die rote Parteileitung, welche von der Aussichtslosigkeit eines solchen überzeugt ist, hat wieder abgewiegelt, und nun mag sie zusehen, wie sie dem Ansturm in Mannheim standhalten kann.
Deutsch-Afrikanisches.
Berlin, 21. 'Ang. Wie schon gemeldet, hatten etwa 50 Hottentotten am 6. August die Pferdewache der 2. Feldkompagnie des 2. Regiments bei Alurisfontern angegriffen, waren aber durch die herbeieilende Kompagnie zurückgeworfen worden. Ter Feind flüchtete über Umeis auf Pelladrist, zog von da den Oranje aufwärts bis zum Ham- revier und'folgte diesem nordwärts in der Richtung auf die Großen Karasberge. Er bekam unterwegs verschiedentlich Zuzug, anscheinend durch Bondelszwarts unter Johannes Chrijtian, sodaß er allmählich wieder eine Gefechtsstärke von 150 Gewehren erreichte. Unsere Truppen verfolgtes den Gegner fortgesetzt und zwar zuerst die Abteilung Siebert bis Pellcrdrift, dann die Kompagnie Gruner bis Tuur°i drift im Hamrevier und zuletzt die Abteilung Bech, die 1., 8. und 9. Kompagnie des 2. Regiments und die 7. Batterie mit sehr niederen Gefechtsstärken. Ter schlechte Ernährungszustand der Truppen im Süden, entstanden durch geringen Nachschub auf den wenigs leistungsfähigen Etappenstraßen und den dadurch eingetre-- tenen Mangel an Proviant und Hafer macht eine: solche Ablösung der verfolgenden Abteilungen nötig. Hauptmann Bech, der sich schon früher durch einen Ucberfall gegen Morenga ausgezeichnet hat, überraschte den Feind iw Noibis nordöstlich von Kalksontein und zersprengte ihn nach
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Zweites Blatt 18«. Jahrgang MUttvoch 22. August 1»O«
Gießener Anzeiger
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der seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß er sich wieder einmal unter Gießener Kameraden bewegen könnte. Der Kommers verlief in ungezwungener fröhlicher Stimmung.
Am Freitag vormittag wurden die von Metz westlich gelegenen Schlachtfelder besucht. Am Hessen-Denkmal legte Kamerad Dickore mit einer kernigen Ansprache unter dem Wahl-
n sofortigen Eintritt wird A sauberes [5049 suchen Wtz. wragm Neuen Säue 12. chrnUchen' >d)lbarer Familie gegen so- e Vergütung gesucht [5030 Gebr. Weil.
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Ein braves Mädchen, kochen kann, in nch'nzen lt zn 2 Leuten y>rten
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spruch: „Und wer den Tod im heißen Kampfe fand, ruht auch in fremder Erde im Heimatland" einen Kranz nieder. Nach einem stillen Gebet verließ man die geweihte Stätte, wo jeder Kamerad, ganz besonders aber die Mitkämpier, tief ergriffen waren. Das Mittagessen wurde in Gravelotte -:"2------------
und die Fahrt bis MarS-la-tour fortgesetzt. Einige Metzer Kameraden hatten sich der Fahrt angeschlossen und gaben über
hat alle Tage Verdruß, weil ihm seine Gehilfen von den Genossen aufgewiegelt werden. In jeder Gemeinde kämpfen dre Anhänger der alten gesellschaftlichen Ordnung gegen die Umstürzler. Und nun glaubt man sie auf die Beine bringen ZU können, um mit den Sozialdemokraten gemeinsame Sache zu machen gegen die Nationalliberalen, mit denen sie im täglichen Leben, in den Kommunalverwaltungen, in den klernstaatlichen Landtagen die besten Beziehungen unterhalten! Es ist ganz unglaublich, welch ein Mangel an gesundem po litischem Sinn sich hierin ausspricht.
Nirgend hat diese Taktik den Beifall breiterer Wähler- massen gefunden. Natürlich gibt es kleine Kreise überall, die dem sozialistischen Gedanken zugänglich geworden sind, ohne doch (unter Bebels Führung treten zu wollen. Wie kann man aber vollends erwarten, daß der Bauer sich auf einen solchen Plan einlasse. In ganz Norddeutschland, namentlich in den Küstengegenden von der Ems bis zur Memel, gibt es einen liberalen Bauernstand. Sofern er nicht agrarisch ist, ist er liberal, vielerwärts freisinnig. Wenn man ihn nun drängen will, sozialdemokratisch zu wählen, um die liberale Nachbarpartei zu Fall zu bringen so folgt er solcher Ordre sicherlich nicht. Viel eher hört er dann auf agrarische Stimmen, die den Fehler der Gegner auszunützen streben und ihn damit zu fangen suchen. Es ist kaum möglich, einen gröberen Fehler zu machen als den.
Tie Freisinnige Volkspartei hat sich denn auch gehütet, ihn zu begehen. Sie ist mit ihren Wahlkreisen ganz und gar im Einklang. Nirgend sind Proteste zum Vorschein gekommen, die Unzufriedenheit mit ihrer Haltung bekundet hätten. Tagegen ist in der Freisinnigen Vereinigung ein tiefer Zwiespalt eingerissen, der schwrr zu beseitigen sein wird. Er tritt in den Küstengegenden am meisten hervor.
Wie stark mag der Anhang der Nationalsozialen im Lande wohl sein? Es ist neulich schon einmal darauf hingewiesen worden, daß bei der Reichstagswahl von 1903, 1317 000 nationalliberale Stimmen abgegeben wurden, ferner 538000 freisinnig volksparteiliche. Diesen stehen nur 243 000 Stimmen der Freisinnigen Bereinigung gegenüber, die jedoch nur zum Teil hinter den Herren Barth und Naumann stehen. Außerdem sind die 91000 Stimmen der Süddeutschen Volkspartei in Anschlag zu bringen.
Wir sagen uns, daß, wenn jene drei erstgenannten liberalen Parteien zusammenständen, immer noch eine Truppe von 2100 000 Wählern schlagbereit wäre. Das erreicht zwar die sozialdemokratische Armee von 3 Millionen Stimnren nicht, übertrifft aber die konservative (1282 000) und selbst die ultramontane (18,5 000), letztere freilich ohne die 348000 Polen. Die zwar mit freisinnigen Kokarden versehene, jedoch innerlich nationalsoziale Truppe, die in Norddeutschland schwerlich 100000 Mann erreicht, ist also die allerschwächste. Gleichwohl greift sie nach der Führung, als sei sie die stärkste.
Es ist Zeit, daß Nationalli berate und Freisinnige, ohne den Fehler einer Verschmelzung zu begehen, dahin Vereinbarungen treffen, daß sie in einer ganzen An zah'l von Wahlkreisen einander schon bei den ersten Wahlgängen unterstützen. Tas ist nichts anderes, als was man in Bayern immer gehabt hat. Dort ist der Bruderkrieg immer nur vereinzelt vorgekommen. Handeln wir in Norddeutschland ebenso, so werden wir in einer ganzen Anzahl von Wahlkreisen hier einen Nationalliberalen und dort einen Freisinnigen in die Stichwahl bringen. Ist uns das gelungen, so haben wir die besten Siegesaussichten, denn dann werden uns die Konservativen gegen die Sozialdemokraten, die Roten gegen die Reaktionäre bei stehen.
An dem gegenwärtigen Bruderkriege haben nur die Feinde zur Rechten und Linken ihre Freude.____________
politifd?c LagcsschE.
Noch einmal die Todesstrafe.
Wir erhielten heute folgende Zuschrift:
Sie haben ganz recht: fort mit der Todesstrafe!
Man kann freilich sagen, das Wort der Schrift verlangt Äug' um Auge, Zahn um Zahn, Leben um Leben. Bestien, die das Recht verwirtt haben, Gottes Luft zu atmen, hebt man sich nicht als Raritäten nur Staatskosten in den Zuchthäusern auf, bis sie eines seligen Todes sterben, man nimmt ihnen das Leben. Diese Forderung ist nicht ganz unberechtigt, wenn es sich nämlich um Bestien handelt. Aber wer vermag das zu sagen? Wem ist es gegeben, im Herzen des Verbrechers zu lesen, wer weiß, was^ ihn zum Raubmord getrieben hat? Wer weiß, ob der Verbrecher nicht am Ende trotz des Sachverständigen-Gutachtens doch geistig anormal ist, bei Begehung seiner Straftat anormal war? Und erst, wenn Indizienbeweise vorliegen, und der Beschuldigte leugnet? Es hat sich ja die Praxis herausgebildct, nur die Geständigen oder durch Tatzeugcn Ueberführlen hinrichten zu
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