dreistündigem Gefecht. Der Gegner hatte größere Verluste und ließ eine Anzahl Toter auf dem Gefechtsfelde. Aus unserer Seite fiel Leutnant von Heyden, früher Infanterie-Regiment Nr. 164; ein Reiter und ein Mann wurden schwer, ein anderer leicht verwundet. Die Abteilung Bech setzt die Verfolgung fort. Oberst v. Deimling ist mit dem Stabe in Warmbad cingetroffen.
Die „Nordd. Mlg. Ztg." schreibt: In der am 15. Aug. erschienenen Nummer des „Deutschen Kolonialblattes" ist unter dem Mschnitte „Teutschostafrila" ein Artikel der „Usambarapost" ausgenommen worden. Die Kolonialabteilung macht die in diesem 'Artikel, der ohne Wissen des Leiters der Abteilung durch ein bedauerliches Versehen in den amtlichen Blatte zum Abdrucke gelangte, verttetenen Anschauungen keineswegs zu den ihrigen. Sie hat Vorsorge gcttosfcn, daß das „Deutsche Kolonialblatt" in Zukunft, wie bisher, nur streng objekttv gehaltene Berichte aus den Schutzgebieten bringt und der Abdruck polemischer 'Artikel sich nicht wiederholt. (Die Polemik richtete sich gegen den Wg. Erzberger. D. Red.)
Aus Stcrds und Lernd.
Giessen, den 22. Aug. 1906.
- Kein Bierkrieg in Gießen. Wir erhielten heute folgende Zuschrift:
„Die Notiz vom 20. er. bezüglich Gefahr eines Gießener Bierkrieges bedarf der Nichtigstellling wie folgt: Zunächst bat eine dringliche Wahrscheinlichkeit eines Bierkrieges zu Gießen überhaupt nicht bestanden (von einer dringlichen Gefahr ist bei uns auch nicht die Rede gewesen. D. Red.), da die Wirte überwiegend so verständig waren, die Geineinschaftlichkeit und Gleichwertigkeit ihrer Interessen mit den Interessen der Brauerei, besitzer zu würdigen. Eine definitive Regelung der Bierpreis- srage ist zurzeit iioch nicht erzielt und war auch nicht für eine heute stattzufindende gemeinschaftliche Besprechung vorgesehen (so waren wir von sehr glaubwürdiger Jnteresjenten-Seite benachrichtigt worden. D. Red.); sobald endgültige Abmachungen vorliegen, werden solche in angemessener Weise bekannt gegeben werden und es ist zil wünschen, daß das am Schluß der vorgenannten Notiz hervorgehobene Entgegenkommen der Brauer seitens der Wirte und des Publikums erwidert wird.
Im Alistrag der Brauereibesitzer:
M üHer, Landgerichtsrat a. D.
•• D ie Wählbarkeit zur Gemeindevertretung. Die hessischen Volksschullehrer haben kürzlich eine Eingabe an das Ministerium gerichtet, worin sie da§ passive Wahlrecht zur Gemcindevertretring fordern. Wie man hört, sind jetzt auch die städtischen und G cm e indeb ca inten Hessens in eine Bewegung eingetreten, die sich mit der gleichen Angelegenheit befaßt. Auch sie wollen an das Ministerium die Bitte richten, daß in der neuen Städte- und Gemeindeordnung ihnen die Wählbarkeit als Gemeinderat verliehen wird.
"Zur Bürgermeisterwahl in Langsdorf hat der Abg. Köhler einen Aufruf erlassen, der so originell ist, daß er wörtlich wicdergegeben zu werden verdient. Er lautet: „Rache! Langsdorfer! Vor 9 Jahren hat man mich gewählt — aus Rache!! gegen das andere Haus Köhler!!! Heute will man mich erschlagen — aus Rache!!! für die tausendfachen Wohltaten, die ich Euch erzeigt habe! Und der gute alte Heinrich Schiel soll Euer Werkzeug sein! Rache, nichts als Rache! Loki, Hödur gegen Baldr! Loki, der haßerfüllte Wühler und Hetzer, Hödur, der blinde König der Nacht, Baldr, der Gott des Lichts, des Frühlings und des Lebens. Kennt Ihr die Sage vom Mistel- zweig, mit dem auf Lokis Geheiß Hödur den Baldr erschlug ?! Christliches Langsdorf, das Du allsonntäglich in Scharen Deine Kirche füllst, christliche Brüder! — Wie ist doch die heidnische Rache so süß! 1! Köhler-Langsdorf."
r. Langsd orf, 21. Aug. Einer Frau wurde heute morgen, als sie mit dem Melkeimer den Stall betrat, von einer ausschlagenden Kuh derart vor den Leib getreten, daß sie kurze Zeit darauf starb.
k-Rainrod, 21. Aug. Der Geistesgegenwart des Lokomottvführers Zorbus sowie der Umsicht des Zugführers Lenz ist es zu verdanken, daß bei dem um 10 Uhr morgens hier fälligen Zuge ein großes Unglück verhütet wurde. Das zweijährige Kind des Landmanns Boß Don hier, welches im Orte mit anderen Kindern spielte, wollte kurz vor Einlaufen des Zuges über die Schienen, glitt aus und fiel längs über das Gleis. Zum Glück wurde der Vorgang von den Genannten bemerkt und die Bremse und Notbremse sofort in Tätigkeit gesetzt, sodaß das Kind von _ der Maschine leicht weggeschleudert wurde und nach Aussage des zufällig anwesenden Arztes Dr. Strauß eine nur unbedeutende Kopfverletzung davonttug. Ein ähnlicher Fall spielte sich bereits am 6. 'August auf demselben Platze ab, und es ist überhaupt bewundernswert, daß auf dieser Strecke nicht täglich derartige Dinge Vorkommen.
Büdingen, 20. Aug. Um zu verhüten, daß in Zukunft Häuser erstehen, die das Bild einer Straße entstellen, will unser Gemeinderat, daß Pläne von Neubauten vorgelegt werden. (Sehr verständig ist das, und es ist nur zu wünschen, daß auch andere, kleinere Orte mehr auf die Erhaltung ihres einheitlich schönen Aeußeren achten und alle solche Neubauten unterlassen und verhindern, die sich in das Gesamtbild des Ortes nicht schicken, die abweichen vom schönen, altehrwürdigen, die ganze Gegend zierenden Fachwerkstil; leider wird in dieser Beziehung fast aller Orten gesündigt, namentlich in den Arbeiterortcn der Gießener Umgebung bis nach Lützellinden hin, (während z. B. in dem kleinen Orte Bieber recht nett neu gebaut wird. D. Red. d. Gieß. Anz.). Der Gemeinderat bewilligte eine Abschlagszahlung von 3000 Mk. an Professor Dr. Vetterlein-Darmstadt für Anfertigung der Pläne zum Schulhausneubau.
Nidda, 21. Aug. Eine Verfügung, die sehr geeignet ist, säumige Eltern anzuspornen, ihre Kinder zu Fleiß und Aufmerksamkeit zu mahnen, hat unsere Kreis-Schul- kommission erlaßen. Solche Kinder nämlich, die zu Ostern 1907 die nötigen Kenntnisse nicht erworben haben, sollen zu längerem Schulbesuch verpflichtet sein. Jetzt schon müssen die Kinder, welche es betrifft, vorgemerkt werden, und die Eltern werden ausdrücklich mit der Bestimmung bekannt gemacht. — Am 19. ds. fand die Weihe der neuen Fahne des Kriegervereins statt (die alte hatte dreißig Jahre überdauert); verbunden war damit eine Gravelotte- feier. Am Samstag fand Festkommers statt. Sonntag früh wurden Choräle an verschiedenen Stellen der Stadt gespielt von der Musik der 11. Jäger aus Marburg. Um l/jlO Uhr wurde Festgottesdienst gehalten, bei dem die Musikkapelle mitwirkte. Pfarrer Werner predigte über Psalm 103. Am Nachmittag bewegte sich der Festzug, an den sich zahlreiche Krieger von außen, sowie der Veteranenverband Nidda und Umgegend angeschlossen hatte, nach dem Kriegerdenkmal, wo die Weihe der neuen Fahne vorgenommen wurde; diese
vollzog nach einer Begrüßungsrede des Oberamtsrichters Römheld, Pfarrer Werner, der die Fahne darstellte als eine Mahnung zur Treue gegen Kaiser, Fürst und Vaterland, zu treuer Kameradschaft untereinander und zur Gottesfurcht, gemäß ihrer Inschrift. Hieran schloß sich Konzert und abends Ball. Der Veteranenverein ließ durch Herrn Vetzberg er einen silbernen Fahnennagel überreichen.
Freienseen, 20. Äug. Große Lücken reißt der Sensenmann in die Reihen derer, welche vor 36 Jahren in dem blutigen Ringen bei Gravelotte ihr Leben einsetzten für Deutschlands Ehre. Auch der hiesige Kriegerverein hat in ganz kurzer Zeitfolge drei Kameraden verloren, welche in jenem großen Kampfe mitgestritten: Johannes Jung (früher Ortsdiener), Heinrich Orth (früher Nachtwächter), beide Siebziger, und nun den Briefträger Christian Lutz. Er hatte die Feldzüge von 1866 und 70 mitgemacht, ohne verwundet zu werden. Doch zeigten sich jetzt in seinem 63. Lebensjahre die Folgen der überstandenen Strapazen. Ein Schlaganfall machte seinem Leben ein Ende. Dreißig Jahre war der Verstorbene im Vorstände de§ Kriegervereins als Rechner tätig. Der Verein gab ihm deshalb auch vollzählig das Geleite zur letzten Ruhe, und drei Gewehrsalven verkündeten, daß ein alter, treuer Krieger zur großen Armee eingegangen sei. Für die Beliebtheit des Heimgegangenen legte der große Leichenzug beredtes Zeugnis ab. Hier leben nur noch sechs Teilnehmer am großen Kriege, drei davon gehören noch zum Kriegervereine.
Darmstadt, 21. Aug. Die hiesigen „Genossen" lassen ihren Plan, eine eigene Zeitung zu gründen, nicht fahren. In zwei Parteiversammlungcn haben sie, so lesen wir im „Ofsb. Abendbl.", mit den Ergebnissen ihrer Kreiskonferenz sich beschäftigt. Der Slnttag von Pfungstadt, Punkt „Presse" auf die Tagesordnung zu setzen und die Annahme dieses Antrages durch die'Konserenz, trotz der Erklärung der Preßkommission, daß dieser Punkt erst auf einer späteren Konferenz, wenn das gesamte Material vorliege und gesichtet sei, verhandelt werden könne, die Begründung dieses Antrages durch den Genossen Raab, das Erscheinen des Genossen Ulrich und zweier Vertreter der Volkszeitung auf der Konferenz, wurden scharf kritisiert und als eine fein ein gefädelte Sache bezeichnet, durch welche die Bestrebungen der Darmstädter Genossen auf Gründung eines eigenen Organs von vornherein zu Nichte gemacht werden sollten. Es wurde allseitig verlangt, daß die Preßkommission ihre Arbeiten fortfetzen, die Einsendung der Fragebogen von sämtlichen Organisationen verlangen und überallhin den örtlichen Vereinen die Notwendigkeit und Durchführbarkeit eines eigenen Organs propagieren soll.
sd. Darmstadt, 21. Aug. Billige Wohnungen! Hier mietet man eine elegante Dreizimmerwohnung für 400 bis 450 Mk., eine einfachere für 300—330 Mk. In Frankfurt und Wiesbaden zahlt man genau das Doppelte. Wenn man sich nun fragt, welchem Umstande diese billigeren Wohnungsmieten in Darmstadt zu verdanken sind, so wird man u. a. daraufkommen, daß das Angebot dort bedeutend größer ist, als die Nachfrage. Nicht die Mieter sind übet dran, wie in anderen Städten, sondern die Hausbesitzer. Eine polizeiliche Statistik bestätigt diese Angaben. Danach sind zur Zeit 890 leerstehende Wohnungen in Darmstadt vorhanden und zwar 36 Wohnungen mit je 2 Zimmern, 136 mit je 3, 300 mit je 4, 202 mit je 5, 142 mit je 6, 46 mit je 7, 16 mit je 8, 2 mit je 9, 4 mit je 10, 2 mit je 11, 3 mit je 12 und 1 mit dreizehn Zimmern. Am größten ist also das Angebot an Vierzimmerwohnungen, aber auch Dreizimmerwohnungen sind so viele frei, daß jeder Mieter große Auswahl hat.
Frankfurt, 20. Aug. Im Zo alogischen Garten entschwebte gestern zum letzten Mal in diesem Jahre Kätchen Paulus auf Adlerflügeln ihren vielen Verehrern und Verehrerinnen. Mit Blitzesschnelle war sie den Augen der Menge entrückt. Ein kleiner schwarzer Punkt bewegte sich gegen Süden nach wärmeren Gestaden. Aber schon in Heusen- st a m m fand die luftige Fahrt ein glückliches Ende. Nicht weniger als achttausend zahlende Besucher — außer den vielen Abonnenten — hatten der Füllung des Ballons und dem Aufstieg zugeschaut. Da rentieren sich auch die halben Eintrittspreise. — Eine Konkurrentin, Miß Polly, machte gestern nachmittag 41/2 Uhr einen Aufstieg in Homburg. Sie nahm ihren Weg über Vilbel und den Lohrberg ins Maintal, wo sie etwa um 5 Uhr bei Fechenheim landete.
NGC. Hanau, 21.Aug. Die Vermählung des Prinzen Albert zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, preußischen Oberstleutnants und Kommandeurs des Garde- Kürassier-Regiments, mit der Gräfin Ortrud zu Psen- burg-Büdingen, wird Ende Oktober auf dem Schlosse Meerholz stattsinden, dein Wohnsitze des Bruders der Braut, des regierenden Grafen Gustav zu Psenburg - Büdingen- Meerholz.
-i- Gelnhausen, 20. Aug. Ein eigenartiges Geschick hatte ein hiesiger Brauereibesitzer beider Erbohrung eines Brunnens. In einer Tiefe von 48 Meter wurde Wasser in genügender Menge gefunden. Zu Brauereizwecken konnte cs jedoch keine Verwendung finden, da die chemische Untersuchung einen Gehalt von Kalk, Magnesia, Kochsalz, Schwefelsäure und Kohlensäure ergab. Das Bohrloch des Brunnens liegt innerhalb der Stadt, etwa 1000 Meter von dem Sol- sprudel des Bades entfernt. Es bestätigt sich fomit die Feststellung des Geologen Professor Dr. Bücking aus Straßburg, daß sich in unmittelbarer Nähe der Stadt Gelnhausen in geringer Tiefe große Mengen mineralischen Wassers befinden.
* Eine b ü ft e r e M o r ö g c f cb i ch t e hat im schönen schweizerischen Städtchen Thun die Bewohner in Aufregung gebracht. Vor etiva 14 Tagen war dort ein 62jähriger Zimmer- mann Friedrich Schenk spurlos verschwunden. Alan wußte, daß der Alte mit feiner um 15 Jahre jüngeren Frau in Unfrieden lebte, namentlich seitdem die Frau mit einem umherziehenden Tagelöhner namens Fritz Blaser ein unlauteres Verhältnis unterhielt. Es kain infolgedessen sehr oft 51t Zwistigkeiten, und der alte Schenk erzählte hin und wieder, daß er von seiner Fra,: und ihrem Besucher mißhandelt worden sei. Er soll auch geäußert haben: „Tie werden mich noch umbringen." In seinem Kummer trank er wohl ein Gläschen zuviel. So kam es, daß er eines Tages, gegen Ende Juli, sich durch einen Sturz schwer verletzte und in seine Wohnung getragen werden mußte. Trotzdem war er drei Tage später svtirlos verschivunden. Tas muffte auffallen, und die Poliziei befaßte sich mit dem Falle, als Schenks Leiche bei Wichtrach unterhalb Thun ans der Aare gezogen mürbe. Nun entdeckte der Arzt an der Leiche einen Beinbruch, der einige Tage vor dem Tode erfolgt sein inlißte. Man erinnerte sich an den Unfall, der den Alten vor feinem Verschwinden betroffen hatte und bei dem kein Arzt ungezogen worden war. Es war nun klar, daß
der Akte mit dem gebrochenen Bein feine Wohnung nicht selber hatte verlassen können, und daß also ein Verbrechen uorltcge. Auch hatten Nachtschichtarbeiter eines Merallwerkes beobachtet, wie tn der Nacht vor den: Verschwinden Schenks vor fernem Hanse etwas auf einen Karren geladen wurde, der dann gegen die Aare hin gefahren sei. Infolgedessen wurden die Fran des Ermordeten und ihr „Freund" Blaser, ein anrüchiger Geselle von 38 Jahren, der schon im Gefängnis gesessen hatte, verhaftet; sie sollen die Untat eingestanden haben. _
‘ * D i e P 0 st k ii t f ch e A r 0 s a ° E h u r ist nn Hinteren Schan- figgertal (Graubünden) infolge Schciiens der Pferde über den Straßenbord biimuSgerntcn und den steilen Abhang herunter g e st ü r z t. Eine Frau Weitprecht aus Gelingen (Württ.) wurde dabei getötet, der Postkondukteiir schwer verletzt und der Wagen gänzlich zertrümmert.
* Kleine T a g e s ch r v n i k. In K a 1 s e r § (a u t c r n flog ein Werk der nahegelegenen Pulverfabrik Schopp in die Luft. Hierbei fnmen zwei Personen ums Leben und eine wurde töllich verletzt. — In L a ii d a n wurde der Landwirtfchafts- lobrer Peters wegen Sittlichkeitsvergehen in 34 Fällen verhaftet. — In M ailaiid ist die große Lithographenanstalt 23er- tnrclli, die 700 Arbeiter beschäftigt, niedergebrannt. Da der Besitzer des UiiternehmenS Vizepräsident der A u S st e l l u n g s- k 0 m m i s f i 0 ii ist, glaubt man on eine Brandstiftung.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 21. Aug.
Das Schöffengericht Altenstadt hatte den Taglöhner Anton K. von Assenhcim wegen Körperverletzung zu 2 Wochen Gefängnis und wegen Ruhestörung zu 3 Tagen Haft verurteilt. Er erhob dagegen Berufung unter der ^Behauptung, der Haupt- belastungszeuge sei mit ihm verfeindet und habe die Unwahrheit beschworen. Der von ihm angebotene Gegenbeweis mißlang, denn die Strafkammer stellte wie das Schöffengericht fest, daß er seinem Schwager im Verlaufe eines Wortwechsels mit einem Backstein eine erhebliche Verletzung beigebracht hat, auch hat er solchen Skandal verursacht, daß die Nachbarn in ihrer Ruhe gestört wurden. Das Urteil fand seine Bestätigung. — Auch der Taglöhner Otto Konrad F. von Grünberg hat ein Urteil des dortigen Schöffengerichts, nach welchem er wegen Körperverletzung zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, angefochten. Die Staatsanwaltschaft hatte ebenfalls Berufung angezeigt, da das Schöffengericht seine Zuständigkeit überschritten hatte, indem es den Angellagten megen Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung, verurteilt hat. statt seine Unzuständigkeit auszusprechen und die Sache der Strafkammer zu überweisen. Di-' Verhandlung ergab, daß F., der ein arbeitsscheuer, dem Trunk ergebener Mensch ist, einer Frau, in deren Wohnung er eingedrungen war, ohne Anlaß mehrere Schläge ins Gesicht versetzte; als sie um Hilfe rief, stieß er sie eine hohe steile Treppe hinab und verfolgte sie auf ihrer Flucht. Er zerrte sie an den Haaren und stieß und schlug auf sie ein, sodaß sie neben anderen Verletzungen auch noch den Verlust eines Zahnes zu beklagen hatte und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Die Strafkammer erklärte das Schöfsengcrichts- urteil für nichtig und erkannte als Gericht erster Instanz aus eine Gefängnis st rafe von 6 Monaten. Sie zog die außerordentliche Roheit und den Umstand, daß die seither gegen den Angeklagten erkannten milden Strafen auf ihn keinen Eindruck machten, straferhöhend in Bettacht. — Als dem Maurer Josef K. von Ober-Wöllstadt die Mitteilung von der Geburt des Sohnes des deutschen Kronprinzen gemacht und er aufgesordert wurde mit Rücksicht auf das frohe Ereignis den Rest des Tages zu feiern, ließ er sich zu einer Majestätsbeleidigung gegen den deutschen Kaiser hinreißen. Da seine Aeußerung spontan unüberlegt war, ließ ihn das Gericht mit der Mindeststrafe von 2 Monaten Gefängnis durchkommen. — Auf Privatllage des Molkereidirektors F. zu Büdingen wurde der Steinhauer Heinrich K. zu Vleichenbach wegen Beleidigung zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Urteil wurde von beiden Teilen angefochten, da dem Kläger die Strafe nicht hoch genug erschien, und der Angellagte Freisprechung verlangt, weil er mit den in Rede stehenden Aeußerungen nicht den Kläger gemeint hätte. Die Beweisaufnahme ließ dem Gericht keinen Zweifel, daß der Angeklagte dem Kläger ungerechtfertigter Weise den Vorwurf des Meineids gemacht hat und ihn einen Schuft, der ihn um sein Vermögen gebracht hat, genannt hatte. . Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die Schwere der Beleidigung auf eine Geldstrafe von 50 Mark.
Flensburg, 21. Aug. Das Kriegsgericht verurteilte den Hauptmann Hausmann vom Regiment 85 in Kiel, der die Funktionen seines Feldwebels so ungenügend beaufsichtigte, daß dieser Unterschlagungen und Fälschungen begehen konnte, zu zwei Wochen Stubenarrest.
ArLrsLtevbervegrrng.
Königsberg i. Pr., 21. Aug. Wegen nicht bewilligter Lohntarifforderungen sind die hiesigen Getreide träger und Speicherarbeiter in den Ausstand getteten.
AniVexMÄts-Anchrichten.
— Dem Ingenieur der Firma Grün und Bilfinger in Mannheim, Dr. Jng. Philipp Völker, wurde ein Lehrauftrag für Theorie und Anwendung der Eisenbeton-Konstruktionen an der Technischen Hochschule zu Darm st a d t erteilt.
— Der Großherzog von Baden hat den ordentlichen, Professor der Philosophie an der Universität Heidelberg Geheimrat Dr. Kuno Fischer auf sein Ansuchen wegen leidender Gesundheit unter Anerkennung seiner langjährigen ausgezeichneten Dienst- leistungen in' den Ruhestand versetzt.
Märkte.
§ Gedern, 21. Aug. Unser sogen. „So m m er m ar kt" war diesmal gut besucht, besonders war der Rindviehhandel seit langem wieder einmal annehmbar und viel Vieh zum Verkaufe aufgetricbcn. Mehrere Waggons wurden an der Bahn verladen. Der Schweinemarkt war 'etwas gedrückt; Ferkel kosteten pro Paar je nach Qualität 36—48 Mk., Läufer (sogen. Einleger) 100—150 Mk., fette Schweine 56 Pf. pro Pfund Lebendgewicht.
FainMeir-Ncrchrichtesr.
Verlobte. Fräulein Karoline Baurn, Hochhausen a. N., mit Herrn Jofef Jacobsohn, Schotten.
Geborene. Herrn Georg Oestreich und Frau, Marie geb. Vorneis, Alsfeld, eine Tochter. — Herrn Lehrer B. Porth u. Frau, Lauterbach, eine Tochter.
Gestorben c. Herr Georg Hölzer, Flensungen. Herr Steinhauermeister Peter Wer, Butzbach. — Fräulein Margaretha Dittmar, Alsfeld. — Herr Pfarrer Gustav Koch, Berstadt.
Verwogen ist immer besser, als heilen! J Vorbeugen aber soll man namentlich in der schönen Jahreszeit gegen die Einwirkungen plötzlicher Abkühlung, gegen Reizungen der Schleimhäute durch Staub, Heupartikeln re., und das erreicht man erfahrungsgemäß am besten durch die Anwendung von Fays ächten Sodener Mineral-Pastillen. Wie wirksam die Pastillen auch vorhandene Katarrhe bc- faniüfeu, das ist so bekannt, daß es nicht immer wieder betont zu werden braucht. Alan kauft „Fays ächte Sodener" überall zu 85 Pfg. per Schachtel.
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