Ausgabe 
22.1.1906 Drittes Blatt
 
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Phin, der überall große Erfolge hatte, war aus die Buhne getreten, um sein Antrittslied zu singen, als sich aus bcm Dunkel des gespannt lauschenden Publikums plötzlich em Flintenrohr cmporreckte und eine Kiigcl den jungen Zanger ins Herz traf. Der Mörder wurde gefangen genommen; er mar" ebenfalls ein Sänger, der auS Eifersiicht ouf d'e Er­folge seines Nebenbuhlers sich zu der schrecklichen Tat halte hinreißen lasien. . - - a- r . s A

Ein toller StudentenJtrclch. Projep. Ehodat von der Genfer Universität ist das Opfer eines sehr üblen, aber gut vorbereiteten Streiches geworden. An einem der letzten Tage fuhr vor den Toren der Universität Wagen nach Wagen vor, beladen mit allerhand schönen Waren, die für den Professor bestellt worden waren. Es wurden Kisten, Schachteln mit Zigarren, Visitenkarten, Schwämmen, Schinken, Kuchen usw. abgegeben, auch eine Uhr und eine Sendung __ Schnürleibchen wurde überbracht und zuletzt fuhr gar ein funkelnagelneues Automobil vor. Um die Leiden des Professors voll zu rnachen, wurde er den ganzen Tag mit telephonischen Anträgen von Delikatesienhändlern und Hoteliers bestürmt, welche gern wissen ivollten, um wieviel Uhr das Festmahl anläßlich der Tarife eines Kindes des Professors siattsinden solle. Professor Chodat rief die heilige Hermandat um Hilfe an. Die Polizei ermittelte auch bald den Urheber des schlechten Streiches in der Person eines Studenten, der gegen den Professor schon seit längerer Zeit finstern Groll hegt.

- Heber die Ermordung eines Petersburger Studenten berichten Petersburger Blätter Einzelheiten: ^Eine Frau Ljadow befand sich am rusi. Neujahrsabend mit i"hre,n Sohne, einem Studenten des Technologischen Instituts, und ihrem Neffen, dem Studenten Pawel Dawydow, im Restaurant »Der Bär". Während des Absingens der Nationalhymne standen Ljadow und Dawydow, indem sie ein Bem eingebogen auf dem Stuhle hielten. Ein unbekannter Herr machte bar ob eine Bemerkung an die Adresse Ljadows, riß ihm den Stuhl unter dem Fuß weg und sagte: »Ein anständiger Mensch steht nicht so, wenn die Nationalhymne gesungen wird". Dawydow fragte daraus den Herrn, ob er zur Gendarmerie gehöre. Okunew so hieß der Herr antwortete, er sei Beamter in einem Ministerium und kein solcher Lump rnie der Student. Als nach einer Weile Okunew sich entfernte, gingen ihm Dawydow und Ljadow nach. Im Loilettenzimmer forderte Dawydow von Oku- new Genugtuung und zog seinen Degen. Okunew nahm rasch seinen Revolver aus der Tasche und zielte auf Dawydow. Dieser drehte sich um und sagte verächtlich: .Wenn Sie em solcher Schurke sind, so schießen Sie in den Rücken." Im nächsten Augenblicke krachte ein Schuß und Dawydow ivurde am Arm verwundet. Der Student wandte sich rasch um und versetzte mit der blutigen Hand Okllnew eine Ohrfeig e, worauf er sich die Hand mit dem Schnupf- -tuch verband und zu seinem Tisch zurückging. Als man ihn fortführen wollte, um ihm einen richtigen Verband anzulegen, feuerte Okunew, der auch zurückgekehrt war, über den Tisch hinw eg viermal. Durch den ersten Schuß schon wurde Dawydow getötet; die drei anderen Schüsse trafen den toten Körper. Ljadow stürzte nun auf Okunew los und schlug ihm mit der Jaust dreimal inL Gesicht. Im

Saale herrschte natürlich eine ungeheuere Aufregung. Durch einen Schuß OkunewS wurde eine Dame am Fuße ver- U* V/c i n e £ a g e 9 $ r o n i f. In Verl in' ivurde die 28jähr. Frau Knack, die Gattin eines Dieners, m ihrer Wohnung von llirem Seine ailut Geliebten dura; mehrere Nevolvcricyüste lebensgefahruch verlebt. Der Täter beging Selbstmord. einem Gebüsch in Martendorf ber Benm wurden eme Dy­namit bombe und ein scharf geschnstencr Dolch gefunden. Untersuchung ist eingelertet. In Bilke (Ungarn) kam vor einigen Tagen bei der Richt erwähl em Zusammenstoß nut Gendarmen vor, die 16 Personen töteten und 16 verletzten. Ein Gendarm wurde dabei von eigenen Kameraden erschossen. Die japanische Regierung hat iIrren Geschäftsträger beauftragt, die Angebote auf Unterittong in den növdliäieit Provinzen Ja- pans, >oo eine Hungersnot ausgebrochen ist, zurückzuweisen. Ans dem Rittergute Wieck bei Gützkow (Pommern) brannte der große K u h st a l l n i e b e r. Bei den Rettunasarbeiten erlitt infolge Aufregung der Besitzer, H a n p t m a n n ®r .v. Level, einen Herzschlag, dem er gleich darauf erlag.

Spielplmc der vereinigten Frankfurter Ztadttheater.

Lpcruhanö.

Dienstag den 23. Januar, abends halb 7 Uhr:Lohengrin/ Mittwoch den 24. Januar*): 4. Abonnements-Konzert. TonnerS- tag den 25. Januar: «Der Freischütz." Freitag den 26. Januar geschlossen. Samstag den 27. Januar, nachmittags halb 4 Uhr: Prinzeß Tausendhändchen/ Abends 7 Uhr: Zur Feier von Kaisers Geburtstag: Mozart-Zyklus, 5. Abend. Neu einstudiert:SituS/ Sonntag den 28. Januar, nachmittags halb 4 Uhr:Prinzeß Tansendhändchen/ Abends 7 Uhr:Amclta oder der Masken­ball^ Montag den 29. Januar geschlossen.

Schauspielhaus.

Dienstag den 23. Januar*): Erstes Gastspiel von Else Leh- m a u n vom Lessing-Theater in Berlin:Fuhrmann Henschel." Mittwoch den 24. Januar:Don Earlos." Donnerstag den 25. Januar:Der Biberpelz." Wasch'rau Wolff: Else Leh­mann. Freitag den 26. Janrrar: Letztes Gastspiel von Else Leh m a n n:Rose Bernd." Samstag d-n 27. Januar: Zur Feier von Kaisers Geburtstag:Wilhelm Teil." Sonntag den 28. Jan., nachmittags halb 4 Uhr: Frankiurter Dialektstück:Ter alte Bürgerlapttän." Hieraus:Der rote Schornsteinfegers Zum Schluß:Dodgeschosse." Abends 7 Uhr:Im bunten Rock." Montag den 29. Januar:Tas Urteil Salomos."

) Anfang, wenn nicht anber» bemerkt, abends um 7 Uhr.

AvSM LUS den Stgr.ökss8!jsretz!8ero der Ste-j Gjeßeo.

Aufgebote.

Jan. 12. Eugen Lang, prakt. Tierarzt in Schlotheim, mit Adolfine, gen. Johanna Koch dabier. 13. Heitrrich Peter Hübner, Feldwebel dahier, mit Luise Emilte Ranft in Beuern 17. Jo­hannes Sohn, Pserdckirecht dahrer, mit Wilhelmine Schäler in Mudersbach. 19. Friedrich Keßler, Kgl. Buchhalterei-Assistent in Hannover mit Emma Schuchard dahier.

Geborene.

Jan. 7. Dem Schuhmachermeisler Johannes Glitsch ein Sohn Wilhelm. 10. Deut Laternenwärter Friedrich Schupv em Sohn Friedrich. Dem Berufs-Feuerwehrmann Joses Link em Sohn Rudolf Georg. Dem Katastergeometer Otto Kalbfleisch eme Tochter Ruth. 11. Dem Kaustnaun Hermann Natt eine Tochter Johanna. 13. Dem Sergeauthoboisten Hermann Schulze ein Sohn. Tein Schuhmacher Robert Mader ein Sohn. Dem Schmied Christian Funk em Cohn Louis. 14. Dem Taglöhner Ludwig Rosenbaum eme Tochter Elisabethe. Dem Metzger- meister und Wirt Gustav Adolf Müller eine Tochter Anna Tlnni Ottilie Berta. Dem Kaufmann Karl Bucher ein Sohn Karl Emil Robert Hans. 15. Dem Schneider Karl Heinrich Roth cm Sohn Friedrich Julius. Dem Schreiner Friedrich Berges ein Sohn

Friedrich Jakob. Dem Schneider Georg Rennert ein Saht, Hermann Ernst.

Gestorbene.

Jan. 13. Gerda Richter, 3 Jahre alt. Tochter des Buchhalters Walter Richter dahier. Robert Peter Herrmann, 1 Monat alt, Sohn des Taglöhners Ferdinand Herrmann dahier. Katharine Damm, geb. Elff, 71 Jabre alt, ohne Berni dahier. 14. Philipp Weller, 78 Jahre alt, Küsermeisler dahier. 15. Mader (noch ohne Bornamen) 1 Tag alt, Sohn des Schuhmachers Robert Mader dahier. Karl Liudcnstruth, 2 Jahre alt, Sohn des Schriftsetzers Karl Lindenslruth dahier. Katharine Bang, 60 Jahre alt, ohne Bcrlis dahier. 18. Julius Martin Ruckstuhl, 36 Jahre alt, Bau­unternehmer dahier.

Hingesanbt.

(Für ben Inhalt der unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die RedaUum dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Die Torhäuöcheu der Stadt Gießen.

Jii der Stadtocrordneteuversammlung am 18. wurde über die Erweiterung der Lesehalle gesprochen. Dabei siel, töte ich in der gestrigen Nummer des Blattes las, die Bemerkung:Man sei doch darüber eitiig, daß btc Torhäuschen fern Schmuck für die Stadt feien." Da sie ciniach den Bedürfnissen des Verkehrs entsprangen, wollten sie das freilich nicht sein und doch wurden sie zum Schmtlcke unserer Stadt. Jtt ihrer schlichtett, aber schonen Form zu beiden Seiten der Straßen liegend, zeigen sie dem von auswärts Kottimendett die früheren Grenzen des alten, kleinen Gießens. Und wandelt man die schonen Anlagen entlang, wie angenehm unterbrechen die hellett Häuschen das Grün der ALnme und Büsche und geben dem Auge einen Merkpiintt für die Ernteilung der Straßen in Süd--, Ost-, Nord- und Westanlagen. In mobemen Städten baut man in künstlerischer Absicht kleine öffentliche Ge- bäiide, die Lesehallen, Erfrischungsräume, Blumenstände usw^ zwischen das viele Grün. In der Blütezeit der alten Garten- kunst war die Mitwirkung der Vaulunst selbstverständlich. Mit lücnig Mitteln, meine ich, müßten die Häuschen- zu noch wirkungs­vollerem Schmucke der Anlagen hergerichlet werden fönnen und würden dann durch ihr ehrwürdiges Alter noch eine besondere Zierde sein, um ote manche andere Stadt unser Gießen beneiden tonnte. Ich weiß nicht, ob die Häuschen schon unter Denkmal­schutz stehen. Ta sie weder dem Verkehr, noch bem Ausbau der Stadt in irgend welcher Weise hindernd entgegenstehen, konnte doch die Bürgerschaft Gießens nur Freude daratt haben, diese Vertreter der guten alten Zeit unserer Urgroßväter in ihrer neu erblühendes Stadt dauernd zu erhalten.

Einer vom Dürerbund.

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Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Januar

1906.

Barometer au' 0° rediiziert

Temperattlr der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

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Wetter

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7491

1,4

4,5

89

8

4

Schneefall

21.1 9;6

750,5

1,0

4,6

92

SSW

2

Beo. Himmel

22. 716

752,2

1,8

4.6

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