{Tg bleuen noch fiO'4 Kopfe, von welchen 1000 nach den mit der Scctransportabteilung des ReichsmarineamteS bereits getroffe. nen Abredungen im Laufe des Februar zurückgeführt werden sollen und die restlichen 194 Köpfe, sobald es möglich ift im März.
Ich glaube, daß das wohl die Erklärung ift, die die Herren von uns gewünscht haben. (Beifall.)
Dbg. Schmidt-Elberfeld (freis. Vp., zur Geschäftsordnung):
Diese Erklärung ändert allerdings die Sachlage insofern, daß ich namens der Antragsteller unseren Antrag (Stufe: Zurückziehen!) — nein, nicht zurückziehen, sondern im Eingänge verändern kann, dahin, daß es heißt: „Mit der Maßgabe, daß neben der im Gange befindlichen Heimsendung der weiteren 4000 Mann im Laufe des Rechnungsjahres die Vorbereitungen" usw. (Beifall.)
Dbg. Ledcbour (Soz.):
Die Einmischung des Herrn Rocren verbittet man sich, die des Herrn Arendt und seiner Freunde nicht, Herr Ternburgl Da haben Sie sich auf Hintertrcppcnpolitik eingelassen, Herr Kolonial- dircklorl (Lärmender Beiiall der Sozialdemokraten.) Herr Roeren hat seine verwerfliche Politik doch wenigstens getrieben, um schwache Leute zu schützen, die sich im Kampfe mit dem Beamtentum befanden. Er ist vielleicht indiskret gewesen, aber die Rechte, die für Dr. Peters cingetreten ist, hat einen der gefährlichsten Verbrecher in unserer ganzen Kolonialgcschichte zu Amt und Ehren verhelfen wollen. (Stürmisches Hörti Hört! der Sozialdemokraten; Unruhe rechts.) Tas ist hundertmal verwerflicher. Aber hoffentlich werden sich die Herren vom Zentrum nach dieser Erfahrung niemals mehr einen Zylinderhut aufsetzcn. (Stürmische Heiterkeit.) Tie Sache kann ja für Sic alle gefährlich werden. (Heiterkeit.) Wenn Herr Spahn ins Reichskanzlcrpalais geht, dann muß er cs riskieren, daß hinter der Tür ein Mann mit robustem Gewissen hcrvortritt und ihm den Zylindcrhut ins Gesicht schlägt, daß er Hören und Sehen vergißt. (Große Heiterkeit.) Also von einer Reichs tags - auflösung munkelt man jetzt! — Soll es wirklich endlich einmal Ernst werden? Endlich einmal Klarheit? Oder soll der Reichstag kapitulieren vor der Krone?
Dbg. Frhr. v. Richthofen (kons.):
Der Reichskanzler wird uns stets auf seiner Seite sehen, wenn es gilt, eine parlamentarische Nebenrcgicrung zu unterdrücken, von welckier Seite sie auch kommen mag. (Lachen links.) In die Angelegenheit Roercn will ich mich nicht einmischen. Jedenfalls sind wir für die Bewilligung des Nachtragsctats in vollem Umfange, denn es toäte eine Schmach, wenn wir vor den Schwarzen das Feld räumen sollten. Mit dem Anträge Ablaß sind wir insoweit einverstanden, als auch wir wünschen, daß so viele Truppen wie nur möglich zurückbefördcrt werden. Wir werden ihm aber nur dann zustimmen, wenn die Regierung selbst mit ihm einverstanden ist.
Kolonialdirektor Dcrnburg:
Ich bitte Sie, nicht zu vergeßen, daß cs sich hier um einen Nachtragsetat für 1906 handelt. Die hierin verlangte Summe bat gefordert werden müsien, weil der Reichstag im Frühjahr eine Summe von 14 Mill, gestrichen, und inzwischen noch die Trans- portkosten-Ueberschreitungen cingetreten sind. Es handelt sich darum, die Mittel bereitzustellcn für diejenige Truppenzahl, welche beim gegenwärtigen Kriegszustand in Afrika verbleiben muß, und die auf dasjenige Maß beschränkt wird, das notwendig ist, um den verfolgten Zweck nicht zu gefährden. An und für sich hat ja im ganzen Hause und auch in der Budgetkommission niemand den Wunsch ausgesprochen, daß die Truppenzahl unter 8268 Mann verringert werden soll, und so hätte dieser Etat eigentlich ohne jede Diskussion angenommen werden müsien. Denn wenn die Leute dort bleiben sdllen, so müsien sic auch verpflegt und ausgerüstet werden. Aber von gewisien Parteien ist die Sache dadurch kompliziert gemacht worden, daß sie verlangen, wir sollten gewisse Zusagen für die Zukunft geben, die weit über den Inhalt des Etats hinausgehen. Es werden Anforderiingen gestellt nicht nur für 1907, sondern ganz programmatisch für eine spätere Zukunst, die heute niemand überschauen kann. (Sehr richtig! rechts.) Ausgestellt ist dieser Etat auf Grund der Angaben, die Ihnen in den Anlagen überreicht sind, und worin die Forderung, des Truppen- komma^dos präzisiert ist. Fernerhin kennen Sic die Erklärung des Gouverneurs von Lindegiäst, nach der auch nach Niederwerfung des Aufstandes bis zur völligen Pazifizierung und, bis zur Herstellung der von der Reaierung anaeregten Miliz mindestens 4000 bis 5000 Mann notwendig sein würden.
Tie Regierungen sind nicht in der Lage, heute bestimmte Zahlen auf bestimmte Zeit zu acceptieren; sie können über das, was in dem Etat enthalten ist, nicht hinausgeben. Wenn die Ruhe in dem Lande wieder hergcstellt, wenn für Leben und Sicherheit der Farmer Vorsorge getroffen werden soll, dann ist es nicht logisch und konsequent, an die Regierungen weitergehende Anforderungen zu stellen, und sie können daher den
ZcntrumSantrag nicht annehmen.
Das einzige, was der Situation entspricht, ist, daß der Antrag der Regierungen, wie er gestellt ist, unverändert au- genommcn wird. Sollte aber gewünscht werden, daß der Gedanke, welcher die Rsgierungen ebenso bewegt wie dieses Haus selbst, daß nämlich die großen Opfer, die mit dem Kriege verknüpft sind, möglichst schnell vermindert werden, daß also die Truppenzahl so stark wie möglich herabgesetzt wird, in irgend einer Form in diesem Gesetze Aufnahme finden soll, so sind die Regierungen bereit, ein gewisses Entgegenkommen zu üben. Es hat zwar immer etwas Bedenkliches, solche Dinge in einen Gesetzentwurf hineinzuschreiben, es hat keinen rechten Zweck; immerhin stehen die Regierungen
dem Antrag Ablaß freundlich gegenüber insofern, als sie ihn dahin interpretieren, daß die Einsetzung der einschränkenden Bedingungen in das Dispositiv irgend einen E i n- griff in bie Kommandogewalt nicht dar stellen soll, und daß im Notfälle, falls die Verhältnisie es erheischen, falls vis major vorliegt, auch eine größere Truppcnmacht im Schutzgebiete zurückbehalten werden kann. (Lachen bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.)
Die Regierungen haben den Nachtragsetat auf Grund der von den Autoritäten übereinstimmend gestellten Anforderungen und nach sorgsamer Prüfung alles einschlägigen Materials festgestcllt und halten jeden Versuch, etwas davon abzubröckcln, für unrichtig; das was sie fordern, ist richtig und sachlich. (Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.)
Abg. Dr. Arendt (Rp.):
Daß die Arendt und Genossen eine Ncbcnregierung bilden, stimmt nicht. Meine Unterredung mit dem früheren Kolonialdirektor Kayser hat auf dessen Veranlassung stattgefunden, ich habe schon damals die Veröffentlichungen gegen mich als unwahr bezeichnet und Herrn Direktor Kayser gebeten, mich wegen des Vorwurfes her Unwahrheit vor Gericht zu ziehen, er hat es nicht getan. Das ganze Gerede von der Ncbenregierung ist nichts als Verleumdung. Nun zu der Vorlage! Wir sind verpflichtet, die schweren Opfer zu bringen, die die Regierung verlangt, wir lönnen aber auch das Vertrauen zur Regierung haben, daß sie nicht unnütz Opfer von unS fordert. Deshalb müssen wir den Nachtragsetat annehmen. Der Antrag des Zentrums ist praktisch unausführbar, niemand farm wissen, wie die Tinge sich in Zukunft gestalten werden. Nach meiner Meinung werden wir dauernd nicht einmal 2500 Mann in den Kolonien nötig haben. Warum sollen wir uns also festlegen? Viel praktischer ist der Antrag Ablaß, der das enthält, was wir alle wünschen, nämlich die Aufforderung an die Negierung, die Truppenzahl nach Möglichkeit zu verringern. Wir sind bereit, dem Antrag Ablaß z u z u st i m m e n. lieber die entschiedene Haltung der Regierung freuen wir uns, man hat nun doch im Lande den Eindruck, daß wir wieder eine feste Negierung haben. (Beifall rechts.)
Dbg. Dr. Paasche (natL) t
Der Reichskanzler hat erklärt, daß der ZentrumS- a n t r a g Hompesch für die Negierung unannehmbar sei. Er hat dadurch mit einer Energie, die wir leider in den letzten Jahren an der Regierung vermißt haben (Sehr wahr!), der regierenden Partei, dem Zentrum gegenüber erklärt, daß er den
Willen der Negierung
zur Gelturig bringen will. Wir durften darnach wohl alle erwarten, daß der erste Redner des Zentrums die Gelegenheit benutzen würde, bei dem Ernst der Situation die Stellung seiner politischen Freunde zu dieser veränderten Situation klar zu legen. (Sehr wahr!) Ich bedauere auf das lebhafteste, daß der Abg. Roeren in seiner langen Rede nichts weiter getan hat, als seine
persönlichen Angelegenheiten
vorzutragen (Lebhafte Zustimmung.) Er hat dadurch den Kolonialdirektor zu Gegenerklärungen veranlaßt, und wir sind diesem außerordentlich dankbar für die mannhafte A r t und Weise, wie er sich gegen das Nebenregiment, mag es nun seitens eines einzelnen oder seitens einer Partei ausgeübt werden, gewandt hat. (Lebhafter Beifall rechts und bei den Na- tionalliberalen.) Mit Recht hat er gesagt, wir können nicht dulden, daß eine Nebcnregierung ausgeübt wird. Wir danken ihm dafür. Wir glauben, cs wird in weiten Kreisen des Volkes dankbar empfunden daß der Kolonialdirektor den Mut gehabt hat, offen mit der bisherigen Praxis zu brechen. (Beifall rechts, bei den Na- tionalliberalcn und Freisinnigen. Widerspruch im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.)
Es ist vom
Ernst der Situation
gesprochen worden. Ich gebe zu, die Situation muß ernst werden, wenn das Zentrum festhält an einem Antrag, der die Regierung zwingen würde, gegen bessere Ueberzeugung die Truppenzahl auf 2500 zu vermindern. Sie wisieu, daß meine Freunde immer nut aller Energie dagegen gekämpft haben, die Ausgaben für Südwestafrika zu beschränken soweit als möglich, und totr sind selbstverständlich überzeugt, daß es eine patriotische Pflicht ist, dafür zu sorgen, daß sobald als möglich die Truppen zurückgezogen werden können, damit dem Volle die schweren Opfer erspart bleiben, bic in der jetzigen Not doppelt schwer empfunden werden. Daß wir heute nicht in der Lage sind, die Regierung zu zwingen, Ziffern anzunehmen, die nicht von Sachverständigen berechnet sind, sondern von politischen Männern, die beim Streben, das Richtige zu treffen, doch nicht in der Lage sein können, zu beurteilen, ob mit den 2500 Mann das erreicht wird, was wir alle wollen, nämlich die Niederwerfung des Aufstandes und vor allem eine Wiederherstellung des Prestiges des deutschen Namens, ich sage, daß solche Forderungen nicht ausgestellt werden können, und daß man sich dagegen wehren muß, das halte ich für selbstverständlich. Selbst auf die Gefahr hin, daß das Opfer größer fein sollte, als wir wünschen, müsien wir für die Regierungsvorlage stimmen und gegen den Zentrumsantrag
Für den Antrag Ablaß, der der Tendenz Ausdruck gibt, die wir auch vertreten, werden wir natürlich stimmen. Ich glaube namens meiner politischen Freunde die Erllärung abgeben zu können, daß wir für den Antrag Ablatz stimmen, daß wir aber nicht daran denken, dem Antrag des Zentrums zuzustimmen, sondern ihn unter allen Umständen bekämpfen werden. (Beifall.)
Dbg. Schrader (frers. Vgg.):
Die Rechtfertigung des Abg. Roeren gehörte in die heutige Debatte überhaupt nicht hinein. (Sehr richtig!) Es handelt sich um einen Nachtragsetat für drei Monate. Daraus ergibt sich eigentlich schon ganz von selbst, daß wir an den Ziffern nichts zu ändern imstande sind. Wir müsien das Geld bewilligen, soweit es wirklich gebraucht wird, und für die Zukunft brauchen wir uns nicht zu binden, denn in wenigen Wochen stehen wir vor der Beratung des neuen Etats für 1907 (Sehr richtig!) Es handelt sich darum, einen Krieg zu beenden und allmählich Ordnung in Südwestafrika zu schaffen. Ich bin überzeugt, daß auch die Regierung das Bestreben hat, die Truppenzahl zu vermindern, soweit es möglich ist. Von Soldatenspiclcrei ist keine Rede, es liegt eine harte Notwendigkeit vor. Und gerade die Kolonialverwaltung hat doch alle Veranlasiung, die Truppenzahl zu verringern, da sie dadurch Mittel für neue Kolonialaufgabcn gewinnt. (Sehr richtig!) Ter Antrag Hompesch ist für uns unannehmbar, der Antrag Ablaß enthält zwar einen Schönheitsfehler, aber daran brauchen wir uns auch nicht zu stoßen; wenn wir etwas zustande bringen wollen, bann kommt es auf den Schönheitsfehler nicht an. Wir hoffen, daß auch die Herren vom Zentrum sich eines anderen besinnen. (Beifall.)
Abg. v. EzarlinSki (Pole):
Es wird von den Polen wohl niemand eine andere als eine völlig ablehnende Haltung gegenüber dieser Vorlage erwarten. Die Regierung hat es zu Schandtaten kommen laffen, die noch unge- sühnt sind. (Vizepräsident Graf Stolberg rügt den Ausdruck „Schandtaten"). Zu einer solchen Negierung können wir kein Vertrauen haben. Diese Regierung hat ja auch die polnischen Eltern, die Gewisienssreiheit für ihre Kinder verlangte, mißhandelt. (Großer Lärm.)
Vizepräsident Graf Stolberg sucht des Tumultes durch energisches Schwingen der Glocke vergeblich Herr zu werden und erklärt: Ich rufe den Redner zur Ordnung!
Abg. Lattmann (wirtsch. Vgg):
Die Schandtaten hat nicht die Regierung begangen, sondern die polnischen Abgeordneten. (Ungeheurer Lärm. Vizepräsident Graf Stolberg läutet anhaltend, der Lärm schwillt nur immer mehr an. Er ersucht um Ruhe. Fortgesetzter Lärm.)
Abg. Lebebour ruft:
Darf man von Schandtaten der Abgeordneten sprechen?
Vizepräsident Graf Stolberg:
Mir wird gesagt, daß Herr Lattmann von Schandtaten der Abgeordneten gesprochen hat. Ich rufe ihn deshalb zur Ordnung. (Ohrenbetäubender Lärm.) Ich bitte nun aber wirk- lich um Ruhe. (Stürmische Heiterkeit.)
Abg. Lattmann (fortfahrend):
Sowohl Freunde als Feinde der Kolonialpolitik haben jetzt eine schwere Verantwortung zu tragen. Meine Freunde werden für den freisinnigen Antrag stimmen. Wenn der Reichstag die Vorlage ablehnt, so kommt er mir vor wie ein Feuerwchrhaupt- tnann, der mit der Spritze abzieht, ehe das Feuer ganz erloschen ist, weil das Löschen zu viel Arbeit und Kosten macht. Nachher bricht aber das Feuer mit umso größerer Gewalt los.
Abg. Dr. Spahn (Ztr.):
Es ist gesagt worden, der Zentrumsantrag sei unannehmbar;
der Reichstag müsse die Gelder, die dort notwendig geworden seien, bereitstellen und könne an den Ziffern nichts ändern. Ja, aber unser Antrag versagt weder einen M a n n, n o ch einen Groschen. Das steht ja gar nicht in Frage. Nun kommt die Frage der 2500 Mann. Auch da ist festzuhalten: Bis zum 1. April wird nach unserem Antrag kein Mann zurückgezogen, den die Negierung nicht zurückziehen will. Der Antrag verlangt ja nur Vorbereitungsmaßregeln für daS Zurückzichen der Truppen. Es wird auch nach dem 1. April keine Zeitbestimmung festgelcgt, es wird nur eine loyale Ausführung der Rückberufungsmaßregeln erwartet. Nun sagt man: die Verhältnisie im Schutzgebiet können sich ändern, sie sind unübersehbar. Ja, alle Beschlüsse des Reichstags werden naturgemäß nur gefaßt unter der Voraussetzung, daß bic Verhältnisse so liegen, wie sie liegen, und auch so liegen bleiben. Acndcrt sich die Situation, dann ändert sich naturgemäß auch alles lveiterc.
Nun hat uns vor einem Jahr der Gouverneur Leütwein erklärt, solange Morenga lebe, müsse man stets mit Aufständen rechnen. Morenga lebt jetzt ganz ruhig und wird voraussichtlich noch em hohes Alter erreichen. Will man auf sein Ableben warten zur Zurückziehung der Truppen, dann wird uns die Sache sehr teuer werden. Man hat hier mit Emphase betont, die nationale Ehre erfordere cs, daß wir nicht zurückwcichen. Zweifellos! Auch wir stehen auf dem gleichen Standpunkt. Wir dürfen auf keinen Fall vor den Hottentotten zurückweichen. Ich erkenne an, daß wir eine nationale Verpflichtung haben und auch eine allgemein kulturelle. Tie Weißen müssen den Schwarzen gegenüber eine überlegene Macht bleiben. Ein Zurückweichen könnte die gefährlichsten Folgen auch für die übrigen Nationen haben.
Aber bie Gefahr wird ja durch Annahme unseres Antrages nicht im geringsten vergrößert. Auf der anderen Seite aber müssen wir fragen: Sind denn unsere kolonialen Ausgaben wirklich so niedrig,' daß wir nicht suchen sollten, sie zu verringern? (Sehr wahr! bei den Soz.) Ich meine: Ein Reichstag, der sich seiner Verantwortung dem Volk gegenüber bewußt ist, muß Mittel und Wege suchen, die Kosten für die Kolonien herabzudrücken. Die Möglichkeit, daß der Aufstand an einzelnen Stellen wieder auf» flackert, bezweifeln wir nicht. Wir sind uns darüber einig, daß wir versuchen müssen, ihr zu begegnen; deshalb sind wir für den Bau der Eisenbahn. Aber momentan liegt doch die Sache so: 300 bewaffnete Hottentotten stehen gegen uns im Feld; sollten 1000 deutsche Soldaten mit ihnen nicht fertig werden? Man hat cs nationale Versündigung genannt, unserem Antrag zuzustimmen. Nach meiner Auslegung des Antrages werden Sie hoffentlich von dieser irrigen Auffassung zurückkommen. Ich erkenne an, daß Oberst von Deimling mit aller Energie bestrebt gewesen ist, bie Zurückziehung der Truppen zu fördern. Aberjne Sache liegt letzt so: Für das, was in der Kolonie geschieht, übernimmt nicht der Reichskanzler, übernimmt nicht der Kolonialdirektor die Verantwortung, sie liegt einzig und allein auf den Schulterndes Gouverneurs. Diese Verantwortung werden wir dem Gouverneur tragen helfen. Wenn der Aufstand wieder aufflackert, sind wir mit verantwortlich und müsien dann auch die ®^er neu bewilligen. (Gelächter und Hört, hört!) Das kommt im Geschasts- leben alle Tage vor: Wenn man eine Verantwortung übernimmt, muß man nachher die Konsequenzen tragen.
Von dem Abg. Paasche ist uns eine Standrede gehalten worden, von der wir gar nicht wissen, wie wir dazu kommen. Unse« Partei hat sich auf Grund pflichtgemäßen Ermessens eine Ansicht gebildet, und dieser Ansicht will sie zum Durchbruch verhelfen. Unterliegt sie. gut! Dann übernehmen die anderen die Verant- Wortung. Aber die Redensarten von Nebenrcgierung, Vertujchung und so weiter sollte man doch endlich lassen; sie sind unrichtig und wirken vergiftend. (Lebhafter BeifaU im gentriuiu)
Oberstleutnant Cnabe:
Der für Sie Leitung der Operationen verantwortllcA Chef des Generalstabes her Armee hat in den Sitzungen der Budgetkommission vom 7. und 11. Dezember durch einen Vertreter ausführlich seinen Standpunkt bar legen lassen. Dieser Vertreter $err Oberstleutnant Kuhl, ist leider durch eine Dienstreise verhindert, hier zu erscheinen, und ich bin beauftragt, die Erklärung in der Kommissionssitzung vom 11. Dezember hier nochmals zu verlesen. Bevor ich das tue, komme ich auf die Ausführungen dieses Vertreters in der Sitzung vom 7. Dezember zurück. Er ging ausführlich daraus ein, wie es sich erklärt, daß sich die kriegerischen Operationen solange hinziehen, trotzdem uns anscheinend niw ein Gegner von 300 Hottentotten gegenübersteht. Es ist bargelegt worden, baß bie Zahl 300 eine anbere Vebeutung hat, als sie ihr hier und in der Presse beigelegt ist. Die Zahl ist schon anscheinend einmal sogar noch geringer gewesen, sie hat sich aber wieder erhöht, und man schätzt sie jetzt auf 6—600. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Für uns ist jeder Mann, der fällt, em Verlust, für bie Hottentotten bedeutet er aber nur bann einen Ausfall, toemt wir in den Besitz seines Gewehres kommen. Ist das nicht der Fall, dann wird er sofort durch einen anderen Mann ersetzt. ES wurde weiter in der Kommission ausgeführt, wie der ununterbrochene Wechsel über bie Grenze, bet fortwährend bereitstehende Ersatz an Munition einen Zustand herbeigeführt hat, der unS den Gegner anscheinend dauernd in derselben Stärke gegenüberstellt. Der Ches des Generalstabes hat bie Schwierigkeiten ber Kriegführung weiter begrünbet mit ber Kriegstüchtigkeit bes Gegners unb mit der Tatsache, daß er von dem lebt, was er uns raubt; aber er hat auch ausführlich bargetan, welche Maßnahmen seitens ber Truppenführung getroffen finb, bie es erhoffen lassen, baß ber Krieg sobald wie möglich zu Ende geführt wird. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Es ist bie beste Bewachung des Truppenviehs angeorbnet, cs ist dafür gesorgt, baß bie Verpflegungskolonnen so starke De- bcckung erhallen, baß sie nicht ohne weiteres in bie Hänbe be8 Fcinbes fallen können, es ist auch dafür gesorgt, baß Verfolgungskolonnen bereit stehen, um sofort nach jedem Ueberfall dem Feinde die Beute wieder abzunehmen. Der Chef bes Generalstabcs steht auf dem Standpunkte, baß er bie an ihn eingehenben Mitteilungen des Führers prüft, baß er sich von der Notwenbigkeit ber gefolgerten Aufwendungen überzeugt. Der vor dem Feinde stehende Führer hat in voller Uebereinstimmung mit dem Gouverneur die Zahl von 8000 für unbedingt notwendig erachtet, um den Krieg zu Ende zu führen, er hat weiter gesagt, daß nach Maßgabe des Fortschreitens des Eisenbahnbaues cs sich ermöglichen laffen wird, durch Entlastung von Kolonnen weitere tausend Mann zurückzuziehen. Die Frage aber, in welcher Höhe sich im Laufe des Jahres 1907 bie Stärke ber Schutztruppe verminbern lassen wirb, hat er als im Augenblick noch nicht übersehbar hingestellt. Ich habe die Ehre, Ihnen die hierauf bezügliche Erklärung zu verlesen. (Redner verliest hierauf die bekannte, vom Oberstleutnant Kuhl m der Budgetkommisiionssitzung vom 11. Dezember abgegebene Er- Ilärung.)
Abg. Zimmermann (Antis.ft
Wenn wir für den Antrag Ablaß stimmen, so tun wir eS nicht, um dem Kolonialdirektor ein Vertrauensvotum zu erteilen, dem gegenüber wir unsere fleptische, abwartende Haltung nach wie vor beibehalten, sondern weil wir uns dazu für verpflichtet halten, zur Wahrung der nationalen Ehre des Reichs.
ALg. Dr. Sernlcr (natL):
Der Abg. Spahn meinte, ber Antrag des Zentrums versage der Regierung leinen Mann und keinen Groschen. Das ist die bekannte Wendung
aus der Zeit deö SeptennatS.
Aber wie dmnals, so hat auch jetzt bie Redensart autzerordent- lich wenig Bedeutung. Die Regierung verlangt 8000 Mann, und ber Antrag Hompesch will nur 2500 vom 1. Marz 1907 ab. (Oho! im Zentrum.) Der jetzige Antrag Hompesch enthalt, wenn er loyal durchgeführt und aufgefaßt werden soll, das gleiche, wie ber alte Antrag. Der Abg. Spahn meinte, es fei ja möglich, daß man mcqt auskomme; aber bann würde man neue Mittel unb Wege finden. Ich bin überzeugt: wenn von unserer Seite so etwas gejagt worden wäre, bann hätte Herr Spahn sofort erflärt: das heiht^also den Brunnen zudecken, wenn bas Kinb hinemgefallen ist.
gut! bei den Nationalliberalenü Unb wer will den Schaden decken, der durch das Vordringen ber Hottentotten entsteht? Dann stimme ich mit bem Abg. Spahn überein, bah sich Oberst v. Deimling un- endliche Mühe gegeben hat, Truppen zuruckzujchickcn; er hat sich bic größte Mühe gegeben, insbesondere an den Stellen zu sparen, wo man sonst nickst immer zu sparen pflegt, an hochbezahlten Stellen. Wenn Herr v. Deimling heute auf dem -Standpunkt steht, wir brauchen 8000 Mann, so sollte man daraus bie Konsequenz ziehen und bas bewilligen. (Sehr richtig!) Herr Spahn hat von den furchtbaren Kosten ber Kolonialpolitik gesprochen; gewiß! aber hätten wir s. Z. bie Bahn rechtzeitig bewilligt, so hätten wir heute schon 50 Millionen gespart. (Sehr richtig! rechts und bei ben Nationallibcralen; Widerspruch links und im Zentrum.) Zu meinem Bedauern hat Abg. Spahn mit Emphase ausgesprochen: was steht


