Ausgabe 
2.2.1906 Zweites Blatt
 
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Die landwirtschaftliche Woche.

Berlin, 1. Fcbr.

Die große Landwirtschaftswoche wurde heute durch die zweite Tagung der 10. Sitzungsperiode des Preußischen L a n d e s ö kon o m i e ko l l e g i u m s emgelertet. Tcr Vorsitzende, Graf Schwerin-Löwitz, eröffnete die Sitzung, ßodann ergriff Minister v. PodbielSkr das Wort. Er betonte einleitend, daß er es für unbedingt erforderliQ) halte, daß die landwirtschaftliche Verwaltung in inniger Fühlung mit der gesamten landwirtschaftlichen Bevölkerung bleibt Tcr Staat gewährt, so fährt der Minister fort, der Landwirtschaft erhöhten Schutz. Andererseits hat aber auch die Landwirtschaft die Pflicht, die Auf­gaben zu erfüllen, die der Staat an sie mit Recht stellen kann. Eine dieser Aufgaben ist die Er- nähriing der Bevölkerung mit Fleisch und Brot. Auch die Landwirte sind bereit, alle die Maßregeln zu unterstützen, die dazu dienen, die Preise so zu gestalten, daß auf der einen Seite dem Landmann der Lohn für seine Arbeit wird, auf der andern Seite eine U e b e r t r e i b - ung der Preise vermieden wird. Von dem ver­flossenen Jahre kann man in der Summe für die Landwirt­schaft wohl sagen, daß es ein gutes Jahr gewesen ist, und daß unsere Landwirtschaft mit Hoffnung in die Zu­kunft blicken kann. Sie glaubt mit Recht, daß die abge­schlossenen H a n d e l s v c r t r ä g e zu einer Besserung führen werden. Von der zunehmenden Kaufkraft der deutschen Landwirtschaft hat vor allem un­sere heimische Industrie einen Vorteil. Auch die Abhängigkeit des Nein en Besitzers vom Kaufmann inuß bekämpft werden. Recht bedaucr- ffch ist die Teuerung des Schweinefleisches. Um die Teuerung zu beseitigen, muß die Landwirtschaft mit dem Fleischer Hand in Hand arbeiten. Preisschwank­ungen werden sich beim Fleisch ebensowenig vermeiden lassen, wie beim Kaffee, Reis, Roggen usw. Ich benutze die Gelegenheit, den Landwirtschaftskammcrn und der Zentrale für Viehverwertung den Tank auszusprechen: diese beiden Organisationen haben für die landwirtschaftliche Verwal- ' ung geleistet, was sie leisten konnten. Tie F l e i s ch f r a g e önne eine gedeihliche Lösung auch durch das Genossen- ch a f t s w e s c n erfahren. Tic heimische Landwirt­schaft, die durch Verseuchung vom Auslande nicht ge- chädigt werden dürfe, müsse neue Absa tzmärkte ge­winnen iptb ihr besonderes Augenmerk auf die Ver­besserung der Arbeiter Wohnungen und des Schulwesens richten.

Tann gelangte eine Resolution Ring zur Mnahmc, in der als Grundbedingung für die Leistungsfähigkeit der deutschen Viehzucht ein dauernder und ausrcick)ender Veterinär schütz gegen die Einschleppung von Vieh­seuchen bezeichnet wiro, und den Landwirlschafrskammern der Zusammenschluß zur genossenschaftlichen Vichverwcrt- ung empfohlen wird. Weiter wurde eine Resolution v. Wangenhcim angenommen in der dem Reichskanzler und dem Landwirtsa)aftsminister der Tank ausgesprochen wird, daß sie gegenüber den Angriffen der deutschen Vieh­zucht den Schutz gegen das Ausland nicht versagt haben. Ta- durch werde sich das Vertrauen der deutschen Landwirtschaft 3ur Negierung mehr und mehr festigen.

Ueber den dem Reichstag vorliegenden Gesetzentwurf bett, den Versicherun gsvertrag referierte Professor v. M a r ck-Greifswald. Er begründete eine Reihe Abänder­ungsvorschläge, die von der Versammlung akzeptiert wurden. ' Prof. Ostertag- Berlin sprach noch über die Be- kämpfun'g der Dasselfliege und Prof. v. Marü kritisierte den gegenwärtigen Entwurf einheitlicher Polizei- Verordnungen für bcwealiche Kraftmaschinen.

mit unter 5000 Doppelzentner Malzverbrauch ganz von einer Steuererhöhung freilasse ujnd bei über 30 000 Doppelzentner au 10 Mart Steuer komme. Di. ler von Sberm Steinhäuser gemachte Vorschlag soll in zweiter Linie der Reickstagskommission unter­breitet »verden und es wurde zu seiner näheren Ausarbeitung eine aus den Herren Aswinn und Vicbler-Gießen, Jbrnng-Lich, Mel- ckior-Butzbach, Steinhäuser-Friedberg undHandetstammer-Shndi- kus Dr. Kiiivper bestehende Kommission gewählt, die bis nächsten Montag das Resultat ibr-w Beratungen ei« er weiteren Versamm­lung vorlegen soll. Auch die in der Versammlung anwesenden Vertreter des Gastwirte-Vereins Friedberg erklärten sich gegen eine Erhöhung der Biersteuer.

* 1000 Mark Prämie. Wie bekannt, wird den Unteroffizieren de§ aktiven Heeres nach einer Dienstzeit von iroölf Jahren eine einmalige Prämie von 1000 Mk. gewährt. Nach einer neuen, allerdings bis jetzt nur in Preußen maßgebenden Vestimmung, erhalten nun auch die llnteroffiziere, die mit neunjähriger Dienstzeit zum Gen­darm e r > e - D i e n st übergetreten sind, ebenfalls diese Prämie nach einer Gesamtdienslzeit von 12 Jahren. Auch den schon vor Inkrafttreten dieser Bestimmung angeslellten Gendarmen wird, jedoch erst bei ihrer Pensionierung, der genannte Betrag ausbezahlt.

** Turnerisches. In der am 28. Januar in Rüdes- heim abgehaltcnen Sitzung des geschäftsführcnden Ausschusses des Mittelrheinkreiscs, wurde der Arbeitsplan für das Jahr 1906 folgendermaßen festgestellt: Am 4. Febr. Sitzung des Turn^ ausschusses in Laubenheim, am 18. März Kreisvorfechterschule in Hanau, am 8. April Sitzung be§ geschästsf. Ausschusses mit dem Festausschuß in Hanau: am 28. April Sitzung des Kreis- ausschusses und am 29. April Kreisturntag in Eltville; am 20. Mai 1. Kreisvorturnerstunde in Bockenheipi; am 15. oder 22. Juli Kreisturnsest in Hanau; am 23. Sept. 2. Kreisvvr- turnerstunde in Butzbach. Dem Kassenbericht entnehmen wir, daß die Einnalpne.8334,88 Mk., die Ausgabe 8303,05 Mk. beträgt. Aus der Rothermelstistung, die eine Einnahme von 3428,11 Mk aufweist, wurden 800 Mk. Unterstützung zu Turnhallebauten an 4 Vereine gegeben. Aus der Küsse zur Ausbildung von Turnwarten und Vorturnern mit 951,89 Mk. Einnahmen wurden die Kosten des 1. Vorturn er kursus mit 537,96 Mk. bestritten. Der Barvorrat der drei Kassen beträgt 3073,87 Mk. Der neue Voranschlag schließt mit rund 8000 Mk. ab. Für Unterstützung zu Turnhallebauten werden 500 Mark eingestellt. Verschiedene Neugründungen von Gauen, deren Aufnahme aber abgelehnt wird, sowie Grenzstreitigkeiten zwischen anderen Gauen geben Veran- lnssi.ng, daß folgender Antrag auf die Tagesordnung des nächsten Kreisturntages kommen soll: Alle Vereine, die innerhalb der genau festzusetzenden geogravhischen Grenzen eines Gaues liegen, müssen diesem angehören. Demnächst soll eine Versammlung von Vertretern der Frauenabteilungen im Kreis veranstaltet, to-erben, um darüber zu beraten, wie daS frraucuurnen im Mittelrhein­kreis energischer gefördert werden könne.

* Die Gewerbegerichtswahlen finden morgen statt, worauf wir unter Hinweis auf die im Inseratenteil enthaltenen Bekanntmachungen aufmerksam machen.

. Wetzlar, 1. Febr. In das Bureau der Kreis­kasse in der Bahnhofstraße wurde in vergangener Nacht ein Einbruch unternommen. Tie Einbrecher erbrachen die Pulte, machten aber autzer einigen Briefmarken keine Beute. Tcr Kusscnschrank, auf den sie es abgesehen hatten, befindet sich nicht in dem Burcau. (W. Mnz.)

W. Bad-Nauheim, 31. Ian. Am 27. Januar, als der 150. Wiederkehr des Geburtstags des großen Ton­dichters Mozart beabsichtigte der VolksbildungSoerein eine Feier zu veranstalten. In Anbetracht besten aber, daß an genanntem Tage ein KommerS anläßlich des Geburts­tages unseres Kaisers stattfand, rourbe die Feier auf den 20. Februar verschoben. Em Trio, ein Quartett und ein Baßchor sind schon in Vorbereitung, außerdem wird Fra» Professor Sommer (Gießen) ihre SangeSkunst, und Pros.

Aus Siadt und Land.

Gießen, den 2. Februar 1906.

** Personalien. S K'. H. der G'.herrog haben den Oberlehrern Karl Jäger an dem Schullehrerseminar zu Friedberg und Hch. Werner an dem Schullebrerseminar zu Bensheim den Charakter als Prosestor erteilt. S. K. H. der Großherzog haben den Steuereinnehmer des Steueramts Gernsheim, Karl Marquardt zu Gernsheim, zum Bezirks­kassier der Bezirkskaste Wald-Michelbach ernannt.

Ordensverleihung. S. K. Hoh. der Großherzog haben der Hebamme Franziska Han8 zu Münster (Kreis Dieburg) die Silberne Medaille des Ludewigs-OrdenS mit der InschriftFür fünfzigjährige treue Dienste* verliehen.

* * Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrer st eile zu Annerod.

* Nene Schnell;ngsverbindung mit Darm­stadt. Für die, welche im Laufe des Vormittags in Darm­stadt beschäftigt waren und zur Rückfahrt den 5.44 hier ein­treffenden Schnellzug benützen wollen, ist e§ unbequem, daß sie den um 4 Uhr in Darmstadt abgehenden be­schleunigten Zug nicht benützen können, weil er in Frank­furt a. M. eine Minute nach Abgang des Schnellzuges ein­läuft. Auf Ersuchen der Bürgermeisterei Bad-Nauheim hat sich die Eisenbahndirektion Mainz in entgegenkommender Weise bereit erklärt, im nächsten Sommerfahrplan durch Früherlegung des Darmstädter Zuges den Anschluß zu ermöglichen. Dadurch erhalt Oberhesten, insbesondere Gießen, Friedberg und Bad-Nauheim eine weitere zweckmäßige und rasche Zugverbindung mit Darmstadt.

** Eine Brauereibesiker-Vcrsammlung sand Donner Stag nadmiittag im Gasth.us zum Löwen hier statt, die von den Bierbrauereibesitzern aus Oberhessen und dem Lahn- und Dillgebiet reckt gut besucht war. Nachdem h*» Herren Asprion- Gießen und Steinhäuser -Friedberg über den jetzigen St^nd der Frage der Brausteuererhöhung berichtet hatten, entspann sich eine lebhafte Besprechung, in der allseitig d-r Wunsch ausgesprocken wurde, daß die Steuer<wh'-'bung üb-rhaupt abgelehut werde. Nicht allein die Brauer und Wirte, sondern auch die Konsumenten, die Landwirte und Gewerbetreibenden würden durch eine weitere Erhöhung benachteiligt werden, denn die Brauer der nnpddeutscken Brausteuergemeinschast, deren Produktion auf die jetzigen Steuer­sätze zugeschnitten sei, wären gezwungen, die entstehende un­geheure Mehrbelastung durch Verschlechterung der Produktion, Preisaufschlag, Verteuerung der Nebenprodukte (Treberl und Er­sparungen im Betrieb ein zu bringen. Bor allem würden die 'n einen und mittleren Brauereien von der Steuer in ihrer Existenz bedroht, da die großen Aktienbrauereien mit ihren starken Reserve­fonds die ersten Jahre keinen Aufschlag eintreten lassen ivürden, wodurch der Aufsaugungsprozeß hmsicktlich der kleineren Braue­reien noch rascher vor sich gehen werde. Wenn dann nur noch Großbrauereien vorhanden seien, würden dieselben ihre monopol- artige Stellung benutzen, eine allgemeine Preiserhöhung durch- zu führen, so daß schließlich das Publikum allein die Mehr- belastung zu tragen haben werde. Um dem zu begegnen, sei eine eventuelle Steuererlwhung ftc ff eiförmig zu gestalten, jedoch fei die von der Reichstagskommissivn angenommene Staffelung itadj dem Antrag Speck Nicht geeignet, die Existenzfähjgkeit der kleinen und mittleren Brauereien zu erhalten. Um dies zu er* tridlöL rnülle eine Staffelung Platz greifen, die Brauereien

Krüger (Gießen) fein ausgezeichnetes Violinspiel für den Abend zur Verfügung stellen. Pfarrer 2)1 acc aus Walldorf hat den Vortrag übernommen.

x Naunheim, 1. Februar. Auch hier hat sich wie im Vorjahre in dem benachbarten Waldgirmes ein Turn­verein gebildet. Während letzterer bei der KaiserSgcburts- tagsfeier bereits seine ersten turnerischen Uebungen vorführen konnte, hielt unser junger Verein am Montag abend seine erste Turnstunde ab, an der sich 54 junge Leute beteiligten.

Grebenhain, 1. Febr. Am Sonntag rourbe die VertraueySmänner-Versammlung der national­liberalen Partei im Amtsgerichtsbezirk Herbstein hter abgehalten, die infolge deS schlechten Wetters nicht zahlreich besucht war. Postverwalter Breltwieser-Grebenhain eröffnete die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Kaiser und Großherzog. Alsdann hielt Pfarrer Kullmaun- 'Altenschlirf das politische Neferat. Bezüglich der Organi- sations- und Personenfragen, die man der Tagesordnung ge­mäß besprach, referierte Gemeinderechner Schüddel-Altcnschlirf über das Ergebnis der Versammlung des HauptwahlausschusteS vom 21. d. Mts. Es konnte nach lebhafter Diskussion Ein- mütigkeit konstatiert werden. Tie Anhänglichkeit an den jetzigen Ncichtztagsabgeordneten Dr. Wallau wurde diesem durch ein Telegramm bezeugt. (L. Anz.)

sd. Darmstadt, 2. Febr. (Eigener Draht­bericht.) LaudtagSabg. Ullmann, der bei der letzten Landtagswahl von dem Bund der Landwirte und den Na- lionalliberalen im Wahlkreis Vilbel gemeinsam aufgestellt ivar und dessen Wahl angefochten ist, hat die Wahl in den Vorstand der nationalliberalen Kammer­fraktion nicht angenommen.

~ Mainz, t. Febr. In der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammliing wurde der 23er- waltungs-NechenschaftSbericht der Bürgermeisterei 'ür das Rechnungsjahr 1904/1905 erstattet. Er konstatierte den günstigen Stand der Stadterweiteriings- und des Schloß- sreiheitSsondS, womit die Stadt ein sehr guteS Geschäft ge- uiacht habe. Gute Resultate haben ferner die städtischen Unternehmen, das Gas-, Waffer- und Elektrizitätswerk, ebenso die elektrische Straßenbahn ergeben.

"kleine Ni j l t e 11 ,! n ' e n ans H e s se n und den Nachbar st aalen. In der Nähe eines Bahnübergangs in bei '"einaiknng Wahlheim von dem EisendahnzugeKaisers- I a u l e r n - A l z e l) der 13 jährige Sohn des Bahnwärters uberia hren. Furchi vor Strafe soll der Grund zur Tat geweieii lein. L er Baier se'dst sand die Leiche sein es Sohnes.

Airchc und Schule.

In der bekannten SammlungAus Natur- und GeisteSwelt^ <B. G. Teubner-Leipzig) verbreitet Professor Dr. K. A. Dlartin Hartmann-Leipzig sich eingehend über Tie Aufgaben der Cchiile im Kampfe gegen den Lllkoholis- mu§*. Energisch fordert er die Abstinenz der Jugend und schließt seine Abhandlung mit den Worten: ,Nicht von oben her kann unS das Heil kommen, bei dankbarster Anerkennung

der Utiterstütziing seitens der Oberbehörden dürfen wir bieö' freimütig aussprcchen, nur von der Lehrerschaft selbst kann die Reform kommen, und sie wird und muß kommen, wenn die Lehrerschaft erkannt bat, daß es sich dabei im letzten Grunde um einen wahrhaften Kulturkampf handelt, um einen Kampf für die edelsten Güter unserer Kultur. Wer das Problem nicht kennt, der kann darüber spotten, er weiß nicht, waS er tut, aber niemand, der es kennt, wird die Verpflichtung leugnen, daß er selbst mit Hand anlegen muß, damit nicht das kommende Geschlecht uns, seine Vorgänger, einer schweren Unterlassungssünde zeihen fann.*

* Berlin, 1. Februar. Einen Selbstmordversuch machte gestern der Einjährig-Freiwillige Geißler vom Kaiser Franz-Regiment. Wahrscheinlich drückten ihn Schulden. Mit seinem Dienstgewehr erschoß sich der 25 Jahre alte Unteroffizier Franke vom 3. Garde-Regiment zu Fuß. Franke biente im achten Jahre und war jetzt zur Llußbildung der Rekruten kommandiert. Ein Rekrut hatte ihn angezeigt, daß er ihn geschlagen habe. Ferner wurde der Schankwirt Rudolf Schulze beim Verlassen des Vorderperrons eines Straßenbahnwagens von einem elektrischen Schlag getroffen unb am ganzen Körper gelahmt. Wodurch die Entladung herbeigeführt ist, konnte noch nicht festgestellt werden.

Köln, 31. Jan. Heute abcnd wurde hier duvch die Kriminalpolizei eine Spielh ölle aufgehoben. 3 Manner wurden beim Glücksspiel, überrascht unb verhaftet. Tus Geld, 30000 Mk., wurde in Beschlag genommen.

* K l e i n e T a g e s ck r o n i k. In T r i e st wurde in das all­gemeine Krankenhaus eingebrochen und 39 000 Kronen geraubt. Infolge einer Gardinenpredigt regte sich der Stadtrat unb Führer der Sozialen, Enderlin in Rüningen (Elsaß) so auf, baß er sich ein auf einem Tisch liegenbeS Messer in das Herz st a ck. Die Personenvost von Vacha nach Geisa (Thür.) wurde von vier Wegelagerern, die leider ent­nommen sind, überfallen unb beraubt. In Zürich sinb in der vor 8 Tagen eingerüdten Kavallerie-Rekrutenschule innerhalb der letzten Tage zwei tätlich oerlaufene Falle von Genickstarre oorgefommen. Tie ersten, bie in der Schweiz ausgetreten sind. Der Ansieckungsherb ist unbekannt. In der Wohnung des Knechtes Kruppa auf der Kgl. Domäne ^Ballen berg in Schlesien brach Feuer aus, wobei die d r e i K i n d e r des Kruppa im Rauch erstickten. Der Vater und dessen Ehefrau waren zur Arbeit ge« gangen und hatten die Wohnung verfchlosien.

Aus Schweben kommt die Trauerkunde von dem auf seinem Gute Stensjvholm bei Ryßby erfolgten Ableben des NestorZ der deutschen AgrikUlturchcmiker, des Professors Dr. Alexander Müller, der sich nicht nur um bie Landwirt* schäft, sondern auch nm bie Kanalisierung Berlins Verdienste erivorben hat. Pros. Müller, der ein Mter von 78 Jahren er­reicht hat,, wurde 1856 als Leiter des landwirtschaftlichen Ex<- perimentalfeldes an die Landbruks-Mademie nach Stockholm be­rufen und übernahm 1886 das Gut Stensjöholm im südlichen Schweden. 1870 siedelte er nach Berlin über und wirkte hort' bis 1897, wv er d-nn wieder nach Schweden zurückkehrte.'

Han-el nnd Verkehr, Volkswirtschaft.

Die Hofbierbrauerei Schöfferhof und Franffurter' Bürgerbräu in Frankfurt a. M. teilt mit, daß sie in den ersten vier Monaten des lausenden Geschäftsjahres 14 384 Hektoliter mehr abgefetzt hat, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Die Gesamthaltung der Berliner Börse ist we-> sentlick besser und der Verkehr bedeutend reger geworben. Dlq russische Valuta befestigt sich wieder auf bie Nachricht über kulante Einlösung der russischen Schatzwechsel und infolge der Aussicht auf neue Kreditgewährung in Paris. Für heimische An­leihen bestand großer Kassabedarf. Montanwerte und bie meisten Aktien der Großbanken stiegen 12 Prozent. Später aber fand wieder eine leichte Abbröckelung der Shme statt, da bas Privat- kapital bis jetzt noch nicht an der ÄufwärtSbewegung teiL- genommen bat. Der Privatdis?ont notiert 31/4 Prozent.

WaS Die A u s s ichtsratc verdienen. Ein Berliner Blatt hat sich die Mühe genommen, herauszurechnen, was die Aufsicktsrate großer Aktiengesellschaften für ihre mühevolle Ar­beit so alljährlich einheimsen. Es sind dies recht artige Sümmchen. Zumal wenn man bedenkt, daß die 10 Aufsichtsräte der Franko furter Bank im Angesicht der Organisation dieses JnstittitS kaum viel zu beaufsichtigen haben. Die 10 Herren erhielten also im Jahre 1904 an-TantiSmen die bescheidene Summe von 191 761 Mapk, die Frankfurter Hypothekenbank zahlt ihren 9 Aufsichtsräten an Tantiemen und Gr sikationen aber bad Doppelte, nämlich 273 276 Mark, der Frankfurter Kredit» verein hat 6 Anffichtsräte, denen er 136 264 Mark zahlte. Die Deutsche Vereinsbank zahlt den 12 Aufsichtsräten 141 249 Mark. Die Deutsche Bank gab bei 27 Aufsichtsräten 2 443 012 Mark Tantiemen unb Gratifikationen aus. Die Aussichtsräte der Hamburg"Amerika-Linie, eS sind deren 6, erhielten 376344 Mark Tantieme. Die Internationale Bau-Ge­sellschaft Frankfurt zahlt 7 Aufsichtsraten 99 658 Mark Tan­tiemen. Die der Höchster Farbwerke betrugen bei 8 Auf­sichtsräten 995 932 Mark, usw.

Serbische G e t r e i d e - Au sfü hr. Mehrere große euro­päische Getrejdeausslihrfirmen darunter Danon u. Cie. und Drey-' fus Haden sich in Belgrad niedergelassen um serbisches Getreide und Rohstoffe über Braila und Galaz nach Genna, Marseille und London auszuführen. Die Anregung zu dieser Maßregel wird dem Norddeutschen Lloyd zugeschrreben, der bekanntlich eine Schiffahrts-Linie Braila-Genua errichtet, und ein Uebereinkom- men mit der serbischen Tonan-Dampsschiffahrts-Gesellschaft ge­troffen hat, das die Ausfuhr sertsischer Erzeugnisse fön)em soll.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 2. Febr. ^Orig.-Teleqr. deSGieß. Anz.") Viehmarkt. Zum Verkaufe standen 00 Kälber 00 Sckafe und Hammel, 427 Schweine; 1. Qual. 7980 Vfg. Lebendgewicht 61.5062.50 Psg, 2. Qual. 78 Pfg., Lebendgewicht 61.00-00 W, 3. Qual. 71-73 Pig. Kälber 1. Qual. 00-00 Ps., Lebendgewicht 00-00 Psg., 2. Qual. 00-00 Pig., Lebendgewicht 00-00 Psg., Schlachtgewicht 00-00 Psg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 0000 Psg., 2. Qualität 00-00 Psg. Geschäft: gedrückt, Uebersrand unbebeuteub. Aus Holland kamen 134 ge» jchlachtete Schweme.

Gcrichtssaal.

fc- rmstadt, 1. Febr. Wegen Unterschlagung von ca. 20000 JJtf. verurteilte heute die hiesige S t r a f t a m in c r deck Rechner der Bensheimer Q r t « k r a n k e n t a s s e Alichael 'Udler, der auch die Geschäfte der Alters- und Juvalidenversicheruno versah zu 2 I a h r e n 6^ e f ä n g n t ß. 6 Monate wurden auf die erlittene Untersuchungshaft angerechnet. Als strafmildernd wurden die mißlichen häuslichen Verhältnisse Adlers in Betracht gezogen.

Stabe, 1. Febr. Das Kriegsgericht der 17. Division verurteilte den 9)<u§fetier Tepper wegen verschiedener Ver­gehen und Fahnenflucht zu 2 Jahren 9 Monaten Zuchthaus. Seme Fahnenflucht begründete der Angeklagte mit fortgesetzten Nrißhandlungen seitens der aalten Leute. Zahlreiche Zeugenaussagen bestätigen dies. Verschiedene ältere Soldaten verweigerten, um sich nicht selbst strafbarer Handlungen zu bezichtigen, die Aussagen. Auch der Vertreter der Anklage^nahm diese Vorkommnisse als erwiesen an unb beantragte deshalb keine Zuchlhaus-

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