General-Anzeiger, Amts- und AnzeigeblaLL für den Arm Gießen
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von den deutschen Behörden, erhoben sei, schon seit sieben
Redaktion, Expedition u. Druckerei: ©diufftr t, Tel. Nr. bl. retegr.-LWr.r Sln^etgei ©tebea.
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Deutsches Resch.
Berlin, 1. Febr. Der Kaiser richtete an den Reichskanzler einen Erlaß zur Veröffentlichung, worin er allen,
Monaten in Gefangenschaft. Hastings liege jetzt sterbend im Gefängnis. Nach der deutschen Darstellung des Vorgangs seien Donaldson und zwei andere verhaftet worden, während sie in einen Laden einbrachen. Donaldson habe entfliehen wollen und sei dabei erschossen worden. Eine Darstellung des merkwürdigen Vorganges von amtlicher deutscher Seite liegt noch nicht vor.
KrKanntmalymig.
B etr.: Milzbrand zu Inheiden.
Bei einer Kuh des Hch. Parr zu Inheiden istMilz^ brand fcstaestellt worden.
Gehöftsperre ist verhängt.
Gießen, den 31. Januar 1906.
Großherzoalichcs Kreisamt Gießen.
___________I. 93.: Dr. Merck. _________________
politische Tagesschau.
Feindliche Brüder.
Zwischen den bayr. Zcntrumsabgg. Dr. Heim und Dr. Pichler waren Meinungsverschiedenheiten entstanden über die Zentralisatio ns frage der Bauernvereine, und da beide Abgeordneten ihre Presse zur Verfügung hatten und da vor allem Dr. Heim sich bekanntlich einer besonders
ausgeprägten bayerischen Grobheit erfreut, so nahm der Streit der beiden feindlichen Brüder einen beträchtlichen Umfang und recht artige Formen an. Den unablässigen Bemühungen des bayerischen Fraktionsvorsitzenden v. Tatter ist es nun in diesen Tagen gelungen, eine Versöhnung der beiden Parteien, wenigstens nach außen hin, zu bewirken. Es fielen Ausdrücke wie „Ausbeuter", „Feigling, den man mit Verachtung strafen müsse" usw. Jin „Regensb. Morgenbl." erblickte ein „Veteran der Zentrumspartei" in den „Tissidien des Landtags" eine ernste Gefahr und sagte, daß die Haltung der Gegner des Dr. Heirn ungerecht und sehr ungeschickt, und vorwiegend „von kleinlicher Eifersucht und gekränkter Eitelkeit diktiert ist", daß sie eine „unverantwortliche Bloßstellung der Zentrums- fraktion involviert". Der Veteran warnt die Parteigenossen vor dem Sport „eines so häßlichen Streites", vor „kleinlichem Gezänke und Hader", vor „persönlicher Empfindlichkeit und lieblosem Eigensinn".
. Rotationsdruck unb Verlag der Brübl'schen
,V UniverTuötSDruderet ÖL Lange, Gießen.
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das Reich finanziell selbständig und unabhängig von den Einzelstaaten zu stellen. Tos wahltaktische Bünonis der Nation allib. Partei mit der Sozialdemokratie sei be der politischen Lage des Staates notwendig und gerecht- fertigt gewesen.
weiteren Kapstädter Meldung ist ferner in Swakopmund ein Engländer namens Hastings
und j)ommos n großer Auswahl “ z« Verleihes.
Johann Sand
Zeibevgasse 1, (6ai6 Kramer)
Verleih-Anstalt schwarze«
die anläßlich des Geburtstages seiner gedachten, herzlichen Dank zu erkennen gibt. Im Erlaß heißt es:
„Voll innigen Tankes kann ich onf das verflossene Jahr zurück- blicken, in welchenr Gottes Güte mein Haus, das deutsche Vaterland vor schweren Heimsuchungen gnädiglich bewahrt, meinem Familienkreise ein neues Glied aus einem erlauchten deutschen Fürstenhause zugeiübrt hat. Es hat meinem Herzen besonders wohlgetan, aus allen Kundgebungen zu ersehen, mit welch herzlicher Teilnahme mein Geburtstag von allen vatrioiiich fühlenden Deutschen, ohne Unterschied des Berufs, Bc- fennlnisseS und der Parteistellnng geleiert worden ist, daß neben festlichen Veranstaltungen, Behörden, Korporationen, Vereine sich vieliach mit Gutsherren, Kaufleuten, Industrielle mit ihren Angestellten und Arbeitern vereint haben, um meinen Ehrentag gemeinsam zu begehen. Solcher Ausdruck des Ge'ühls der Zusammengehörigkeit anläßlich eines patriotischen Festtages berechtigt zur zuversichtlichen Hoffnung, daß das deutsche Volk auch in e r n st e r, Gott gebe, ferner 3 e i t in Einmütigkeit um seine F ü r st e n sich scharen und lediglich von Interessen leiten taffen werde, die das Wohl und die Große des Vaterlandes erheischen."
— In seiner heutigen Sitzung stimmte der Bundesrat dem Ausschußberichte über die Vorlage betreffend die Revision des internationalen Uebereinkommens über den Eisenbahnfrachtverkehr zu.
Breslau, 1. Febr. Wegen des antisemitischen Festliedes deS Vereins der christlichen Referendare erkannte das Disziplinargericht gegen den Verfasser, Landgerichtsrat Hofmann, auf Verweis. Im Aufsichtswege sind auch die Mitglieder des Vereinsvorstandes durch den Oberlandesgerichtspräsidenten VierhauS ebenfalls mit einem Verweis bestraft worden. -
Weimar, 1. Febr. Im heutigen Landtag gab es vor überfüllten Tribünen eine große Wahlrechts- und Sozialist en-Debatte. Redner aller Parteien, mit Ausnahme der extremen Agrarier, verlangen un beding,! das gleiche, geheime und direkte Wahlrecht. Die Regierungsvorlage, die nur rein technische Nachteile beseitigt, wurde für völlig unzureichend erklärt. Die Angriffe gegen die Negierung waren teilweise sehr scharf.
Stuttgart, 1. Febr. Die Kammer der Abgeord--' neten nahm heute die Schlußabstimmung über die Verfassungsrevision vor uno genehmigte diese mit 69 gegen 20 Stimmen, also mit mehr als Zweidrittel-Majoritat. Dagegen stimmte das Zentrum geschloffen, sowie 2 Mitglieder der Ritterschaft. Die übrige Ritterschaft stimmte mit Ja, ebenso die Sozialdemokratie.
München, 1. Febr. Herrn Dr. Georg Hirth wurde, von dem Oberstaatsanwalt mitgeteilt, daß die vom zweiten Staatsanwalt Aull im Thomaprozeß gebrauchten Ausdrücke „ausgeschleimt" und „Faxen" mißbilligt und gerügt worden sind. Sämtliche Sachverständige hatten in dem Prozeß eine gemeinsame Beschwerde gegen Vorsitzenden und Staatsanwaltschaft an den Justizminister gerichtet.
5>te Maro.rkokonferenz.
Tas Beste an der Kvnferenz fron Algeciras ist, daß sie bisher noch nicht die gespannten Erwartungen rechtfertigt. Tie Sensation bleibt aus, es wird ruhig und leidenschaftslos veryanveir: wenn die marokkanischen Delegierten nicht mit zum Teil direkt komischen und grotesken Vorschlägen und Einwendungen störten, würde die Konferenz auch wohl einen rascheren Verlauf nehmen. Tie Unterredungen, die der Kaiser täglich mit dem Fürsten Bülow hat. dürften in erster Reihe den Fortgang der Beratungen betreffen. Zurzeit aber kann jede Kcnfliktsgefahr doch noch nicht als durchaus beseitigt gelten. Ein ernster Ton erklingt aus dem (unter „Deutsches Reich" fron uns heute erwähnten) veröffentlichten Tankerlaß des Kaisers für die Kundgebungen zu seinem Geburtstag: Ein solcher 'Ausdruck des Gefühls der Zusammengehörigkeit berechtige zu der zuversichtlichen Hoffnung, daß das deutsche Volk auch in ernster, Gott gebe, ferner Zeit in Einmütigkeit sich um seine Fürsten scharen werde!
Rach den neuesten Meldungen ans Mgeciras schicken sich jetzt endlich auch die Delegierten Englands an, an der Beratung Anteil zu nehmen. Die Beratung wird sich jetzt hauptsächlich auf die Anträge der Franzosen erstrecren, die Zölle und Zuschlagscentimes zu erhöhen.
Erzberger unb Oriola.
Charakteristisch dafür, wie gern der jüngste ZentrumSabg. Erzberger ferne eigene Person in den Vordergrund zu stellen und möglichst viel auf seine eigene Initiative zurückziisühren liebt, ist ein Artikel: „Parlamentarischer, unlauterer Wettbewerb", der durch eine Reihe von Zentrumsblättern geht und — darauf deuten verschiedene Umstände hin — Erzberger wohl selbst zum Verfasser hat. In dem Artikel wird nämlich un- rnchtigerweise behauptet, daß cin Erzbergerscher Antrag betreffend Aeteraneniinterstützung vom nationalliberalen Grafen Oriola gewissermaßen „gestohlen" und als deffen eigener Eintrag eingebracht fei. Im Interesse der „historischen Wahrheit" — richtiger wohl im Interesse der nächsten Wahlen — wird darum erklärt, daß die Veteranen nicht dem Grafen Oriola, sondern Erzberger die ihnen zu gewährende Beihilfe verdankten. Dabei ist der Antrag vom Grafen Oriola bereits int vorigen Jabre eingebracht worden, und nur die Zahlen haben nach Maßgabe der Verhältnisse eine kleine Aenderung erfahren.
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Ein Mord in Deutsch-SüdwestafriLa.
Berlin, 1. Febr. DaS „B. T." bringt folgende nn= bestätigte Meldung aus London: Aris Kapstadt kommt die Nachricht, daß ein deutscher Soldat in Swakopmund ohne jede Veranlassung den kanadischen ArztDr.Donaldson niedergeschoffen habe, worauf andere deutsche Soldaten den Leichnam mit Kugeln durchlöcherten. Der Leichnam soll darauf heimlich bei Seite geschafft worden fein. Nach einer
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Ausland.
Paris, 1. Febr. In der Audienz, in der der Marine- attacbs der deutschen Botschaft, Admiral Siegel, dem Präsidenten der Republik die von Kaiser Wilhelm entworfene vergleichende Darstellung der Marine überreichte, äußerte Loubet in sehr herzlicherWeise seine Sympathien für den Kaiser. Er sprach atich von der Verlobung des Prinzen Eitel Friedrich und erneute seine Glückwünsche.
Lissabon, 1. Febr. Der König eröffnete heute die Cortes mit einer Thronrede, die der guten Beziehungen zu allen Nationen gedenkt. Ueber Handelsverträge mit Deutschland, Frankreich und Italien stehe die Negierung in Unterhandlungen. Die Vorschläge zwecks Konversion der Tabakobligationen und der äußeren schweben-' den Schuld werden den Kammern zugehen.
Bern, 1. Februar. Die Regierung des Kantons Genf tvurde heute von der Delegation des Bundesrats empfangen und legte den Standpunkt Genfs in der Frage des Col de la Faticille-Durch stichs dar. Bundespräsident Forrer antwortete mit der Erklärung, der Bundesrat müsse darauf beharren, von der französischen Negierung zu verlangen, daß vorerst die Frage des Durchstichs Frasne Vallorbs endgültig und in bejahendem Sinne erledigt werde.
Nom, 1. Febr. (Kammer.) Ministerpräsident' Fortis betont die Verfassungsmäßigkeit und einheitliche Zusammensetzung deS gegenwärtigen Kabinets. Er erinnert daran, daß er immer die Vorherrschaft des Laienstaates hervorgehoben habe. In dem Eintritt der Klerikalen in das politische Leben desLandes erfenne er keine klerikale Gefahr. Rian könne ihm auch nicht vorwerfen, daß er nicht liberal und demokratisch fei, denn sein Regierung s p r o g r a m m sei echt demokratischer Natur. Die von Fiamberti eingebrachte Tagesordnung: „Die Kammer billigt die Erklärungen der Negierung und geht zur Tagesordnung über" wurde indes mit 221 gegen 188 Stimmen abgelehnt. Die Neubildung des Kabinetts wird aller Wahrscheinlichkeit nach Sonnino übertragen.
Wien, 1. Febr. Am Schluffe der heutigen Reichs- ratssitzung sagte der Alldeutsche Stein, die Alldeutschen wollten „gegen das „staatsverbrecherische" Ministerium Gautsch" die Ministeranklage erheben, weil es mit den Sozialisten und Anarchisten paktiere. Auf den Ordnungsruf des Präsidenten entsteht großer Lärm bei den Alldeutschen.
Sofia, 1. Februar. Das KriegSministeriulN verlangt von der Sobranje behufs Erhöhung der Kriegsbereit- chaft eine Erhöhung des Etats um 2 700 000 Franks.
Konstantinopel, 31. Januar. Tie Pforte verhandelt wegen größerer Lieferungen von ungarischen und russischen Pferden, um die dringend nötige Erhöhung defrPferde- bestände der Feldartilleric durchzuführen.
Die Reichsfinanzreform vor der badische» Kammer. Karlsruhe, 1. Febr.
Tie zweite Kammer Begann heute die allgemeine Finanzdebaltc. Ter Präsident der Budgetkommission, Äbg. (Äießler (Ztr.) führte aus, der Finanzminister yo.be Recht, tvenn er die Finanzlage eine gespannte nenne. Nach Abschluß des Budgets werde der zahlenmäßige Ueber- schuß verschwunden sein. Heute wie in früheren Jahren spreche er sich gegen Schuldenaufnahm'e für, außerordentliche Ausgaben aus, wobei er an die Eisenbahnschuld fron 118 Millionen erinnere, die in den nächsten Jahren sich steigern werde. Tie finanziellen Beziehungen zum Reich drücken stark auf das Landesbudget. Tie große Fiuanz- r«form müsse endlich durchgefuhrt werden. Die Erbschaftssteuer sei die einzige, welche vorerst die Sympathie aller finde.
In Beantwortung der sozialdemokratischen Interpellation über die Stellung der Negierung zur Neichsfinanz- reform verliest der Finanzminister Becker eine Erklärung, ams der hervorgeht, daß die Finanznot des Reiches es nicht zulasse, zum System der direkten Steuern zu preifen. Es sei deshalb notwendig, eine weitere Entwicklung der bestehenden Steuern frorzunehmen und zur Ein- iöhrung neuer Steuern zu greifen. Bei der Aufbringung >er neuen Steuern habe man alle Kreise des Volkes in B etracht gezogen unter möglichster Schonung der minder leistungsfähigen Kreise der Bevölkerung. Die Regierung! er:blicke in der Fincmzresorm eine geeignete Grundlage, um m it dem Reichstage in weitere Verhandlungen einzutreten.
Abg. Binz (natl.)' erkennt die Notwendigkeit einer Manzresorrn an. Zur Schaffung des notwendigen Rück- !«stes unserer wirtschaftlichen Entwicklung sei eine starke Flotte notwendig. Er würde es für das Beste halten,
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Kämpfe in Pariser Kirchen.
Infolge der sich nun unter gesetzlichem Schutze vollziehenden Trennung von Kirche und Staat in Frankreich haben in verschiedenen französischen Städten u. a. auch in Varis, schwere Äussbreitungen ftnttgefunben. Bei der Inventaraufnahme wurde in der Kirche St. Roche der Staatsbeamte mit 8 c tp risscnem Rock und zerzausten Haaren auf den Hof geschleppt und dann hinausgestoßen. In der Hauptkirche des P'ttver Bezirkes kam es zu einer Schlägerei, wobei der Pfarrer, welcher den Beamten schützen wollte, meiere Hiebe über den Kopf erhielt. Bei der Kirche de. heiligen Klotilde warf am Donnerstag eine Mensche,.menge den städtischen Vertreter Meursan die Stufen der Kirche hinunter, als er die Inventaraufnahme ankundigen wollte. Meurson wurde nicht unerheblich verletzt. Mehrere Schutzleute mußten den Säbel ziehen, um ihn von seinen Angreifern zu bcfteien. Die Menge verschanzte sich sodann in der Kirche und versperrte die Eingänge mit Barrikaden aus K'irchenstüylen. ©egen drei Uhr erschien der Polizeipräfekt Löpine mit einer Kompagnie der Garde Röpublieaine. Ms diese in die Kirche eindringen wollte, setzten ihnen die in dieser Verschanzten einen heftigen Widerstand entgegen. Nach mehrfachen vergeblichen Versuchen gelang cs ben_ Gardisten, in die Kirche einzudringen. Nach weiterem äußerst heftigem Kampfe wurden die Zivilisten aus der Kirche vertrieben, und es gelang dem Dominialinspektor, das Inventar auszunehmen. Das In ne re der Kirche ist vollständig verwüstet, die Fensterscheiben, sowie sämtliche Stühle sind zertrümmert. Aut beiden Seiten gab es z a h l r e i ch e Verwundete. Etwa 150 Personen, darunter auch ein Geistlicher, sind verhaftet worden. Ihre Lifte verzeichnet die Namen zahlreicher bekannter Adelsfamilien, bneunter zwei junge Bourbons, den Marquis Rochefoucauld und dessen Sohn, die Grafen Pimvdan und Toqueville. Zwölf Polizisten, darunter ein Polizeioffizier, wurden verwundet, drei davon schwer.
In der Kammer brachte der Sozialist Mlard eine Interpellation ein über die Zwischenfälle in den Kirchen. Er warf der Regierung vor, nitfit genügende Maßnahmen getroffen zu haben zum Schutze der Beamten und Polizeiagenten. Tie Rede wurde häufig von den Mitgliedern der Rechten unterbrochen. Nouvier gab die Erklärung ab, es handelesich nur um politische Kündgebungen, die Regierung werde alle Mittel anwenden, um einer Ghmeuerung dieser Zwischenfälle vorzubeugen und die Sn* ventarisiemng der Kirtfienoüter durchzusetzen.
Rußland.
Großfürst Alexis Alexandrowisch beschloß, alle seine Liegenschaften an die Landbevölkerung abzutreten. Der Verkaufspreis soll in jährlichen Abzahlungen erlegt werden.
Die Regierung hat nach Verhängung des Belagerungszustandes über die zehn, dein Generalgouverneur von Warschau unterstellten russischen Weichselprovinzen, über die drei baltischen Provinzen und über Kronstadt die Einfuhr jeder Art Waffen, ausgenommen Jagdwaffen, in den bezeichneten Gebieten verboten, ferner nach Fin- land die Einfuhr folgender Gegenstände verboten: Kanonen, Bomben, Granaten, andere Geschoss-, Windbüchsen, Pulver, Nitroglyzerin, andere explosive Stoffe, sowie Kriegsgewehre und Kartuschen.
In Riga wurden fünf Polizeiposten von einer Menge angegriffen und zwei Polizisten schwer und einer leichl verwundet. Die Polizei verletzte gleichfalls mehrere Personen, die sie angehalten hatten. Ein Offizier erlitt schwere Verletzungen.
In Poltawa rourbe der erste Rat der Gouvernements- Verwaltung, Staatsrat Filonow, durch Revolverschüffc getötet. Er hatte sich an der Spitze einer Kosaken-Ab- teilung durch besondere Grausamkeit bei der Unterdrückung der Bauernunruhen hervorgetan; gegen ihn war die flam- wende Anklageschrift des berühmten Schriftstellers Korolenko gerichtet, die in ganz Nußlund großes Aufsehen erregt-hat. Der Tater ist enkommen.
In Berditschew dauern die Plünderungen, der Aufständischen fort. Eine Frau, die sich geiveigert hatte, den Aufständischen Geld zu geben, wurde getötet.
In Tiflis sind neue Unruhen ausgebrochen. Es kam zwischen Armeniern und Muhamedanern mehrfach zu einem Handgemenge, wobei zahlreiche Personen getötet oder verwundet wurden. Die Truppen sind zu gering an Zahl, um einschreiten zu können.___
Nr. 28 Zweites Blatt L56.Jahrgang Freitag 2. Februar 18-06
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