(3. Köslin, ton]'.), reit der Wahl.
ließen.
Mg. Merlen
eines Tages den Operationen des improvisierten Studenten ein Ende machen mußte.
Brieden der Welt zu wahren wissen. (Beifall rechts.^
Abg. Gothel« (freis. Vgg.):
Es ist in der Tat eine eigenartige Erscheinung, daß Fürst .Hohenlohe, der doch Führer der nationalliberalen, der deutschen Partei in Württemberg gewesen ist, jetzt von den Nationalliberalcn verleugnet und angegriffen, und daß er vom Zentrum aus verteidigt wird. Wie weit sich die Entwicklung der Nationalliberalen nach rechts vollzogen hat, dafür ist so recht bezeichnend das Wort „gutgesinnt"' in der Bassermannschcn Rede.
In der Rede des Fürsten Bülow ist mir besonders eine Bemerkung ausgefallen. Er sagte, er hätte die Entwicklung in Ostasien vorausgesehen und wäre durch den russisch-japanischen Mricg keineswegs überrascht worden. Dies würden deutlich die Archive ergeben. Fürst Bülow ist doch aber auch noch preußischer Ministerpräsident, und als solcher wollte er seinerzeit eine große Anleihe auf den Markt werfen. Als damals die großen Banken meinten, der Zeit- vunkt sei doch angesichts des rusiisch-japanisä^en Krieges etwas bedenklich für eine solche Anleihe, da hat er den Banken gesagt, an einen russisch-japanischen Krieg sei nicht zu denken. (Große Hciter-
Abg. Gothel« (sreis. Vgg.) ist für Ungültigkeitserklärung, während
Wg. Wcllstein (Ztr.)
frenni, interessante Mitteilungen: Das merkwürdigste Schauspiel Obot er, wenn er mit seinen Amazonen ausritt, die Damen waren nämlich als Generale, Admirale oder französische Residenten gekleidet, und manche trugen sogar lange Bärte. War das nun Spott oder Verrückt- !heit? Die Franzosen, die in Annam leben, sind überzeugt, Laß der Kaiser ein sehr intelligenter junger Mann war und Laß er etwas hätte werden können, wenn ec richtig geleitet jrvordcn wäre. Er war z. B. für die Mechanik erstaunlich Legcrbt und fertigte u. a. nach bloßen Zeichnungen, die er einmal gesehen hatte, ein Torpedoboot an. Er radelt und Lmitelt", und ist besonders in letzterer Kunst ein Meister. Andere Beschäftigungen, die er für „wissenschaftlich" ausgab, waren weniger unschuldig. Er hatte sich mit einem Apotheker befreundet, der im Palasie sein Laboratorium einrichtete und mit seinem kaiserlichen Schüler „Geburtshilfe" studierte. Die Geschichte wurde so toll, daß die französische Negierung
dem Beschlüsse der Kommisiion Beitritt. „ - .
Nach kurzer weiterer Debatte schließt die Erörterung. Die Abstimmung wird eine namentliche Jem. Sie soll aber nach der Erklärung des Vizepräsidenten Dr. Paasche „wegen der Konsequenzen, die Ihnen allen bekannt sind , ersten nwrgen zu Be- ginn ^r.Schung i^tsm Wahl des ^g. M alke w itz
(3. Köslin, kons.). Die Konunission ist auch hier für Gültig-
nnn ßio Volksliedern, von denen 430 IN der vornegenoen rnrrnr- ,um crften ®ln(e gedruckt werden, für die V-rSffentlcchunc, jufam- mTnqef Ut. » Br. Rochus °°» Lilimcron hl N°rs>tz-nder dl-ser Z «, der Mor Bruch, Friedrich V--I°r, Engelbert Hnmv«. dchck' Thoma- Koickot, Eduard firemfet, A. von Othegraveu, Ludwig Thui'lle u. a. angehören. ________
ijattöcl un» Verxcbr, Volkswirtschaft.
Montanaktien. Weder der reichsgerichlüche Emfcheid in ber Llueiudurqer Sifin,rc noch der Harpener Protest wegen dleies Eutfch ld-s haben °!.I die Kurie der Lergw-rksaktt-n °>n°n Emfluß nuSgeübl. «liuu.lirend hingegen w.rkten dl- !>°beN-rten G-ldoer- hälNüsse und die Gewißheit, da,; oie schwarzieherischen Berichte über die weitere Entwickelung der Konjunktur nut den -atsachen Nicht übereinstimmen, da zahlreiche indllstrielle Unternehmungen melden das; dre Austrage ihnen ummterbroa)en zufließen, da bis Mitte nächsten Jahres reiche Leschäitigung schon letzt vorliegt. Auch ist zu beobachten, daß erste Banken industrielle-Aktien .nehmen, was jedenialls damit zusammenhangt, ihren Effektenkontis ein gutes, Aussehen 51t geben und bei dem Jahresabschluß Nicht so große Abschreibungen out Effekten vornehmen zu müssen.
Parlamentarische Verhandlungen.
Nachdruck ohneBereinbarung nicht gestattet.
Deutscher Reichstag.
118. Sitzung vom 15. November, nachmittags 1 Uhr<
Am Tische des Bundesrats vonTschirschkh, vonMühl- , berg, Dernburg, Frhr. von Stengel u. a.
Das Haus ist schwächer besetzt als gestern, die Tribunen sind gefüllt. „
Ein schleuniger Antrag der Polen wegen Einstellung eines beim königlichen Landgericht Gnesen gegen den Abgeordneten von Chrzanowski schwebenden Strafverfahrens für die Dauer der Tagung wird angenommen. m , sr . -
Darauf wird die gestern abgebrochene Verhandlung der Interpellation Bass ermann über die auswärtige Politik fortgesetzt.
Staatssekretär des Auswärtigen v. Tschirschkh und BSgendorff:
ES ist in der gestrigen Sitzung meine Abwesenheit auffällig vermerkt worden. Ich habe es sehr bedauert, daß cs mir unmöglich gewesen ist, an der Sitzung teilzunehmen. Der Herr Reichskanzler hat bereits gestern festgestellt, daß ich aus München Nicht rechtzeitig zurück sein konnte und daß es mich nicht vorherzusehen war, daß die Interpellation bereits gestern zur Verhandlung kommen konnte. Der Mg. Dr. Wiemer hat aber auch weiter noch Kritik an meiner Person geübt, die ich nicht ohne Erwiderung lassen möchte. Er hat davon gesprochen, es frage sich, ob sich nicht neben oder gegen den Reichskanzler unerwünschte Einflüße geltend machten Ich schiene weniger <nrf die Teilnahme an Reichstagssitzungen als an höfischen Festen Wert zu legen. Meine Ernennung habe vielfach Erstaunen erregt. Es gebe jetzt Staatsmänner, die höheren Wert darauf legen, gehorsame Diener eines höheren Willens zu sein, als verantwortliche Ratgeber der Krone.
Ich bin nicht nach München gegangen des Vergnügens halber, um höfischen Festen beizuwohnen, sondern ich bin als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes lediglich in dieser Eigenschaft m Begleitung Sr. Majestät gewesen und habe Gelegenheit genommen, mich in dieser meiner Eigenschaft dem Prinzregentcn von Bahern vorzustellen nnb zugleich Fühlung zu nehmen mit dem dortigen Ministerpräsidenten. Ick weiß auch nicht, auf welche. Tatfachen .Herr Dr. Wiemer seine Bemerkungen über die Schmiegsamkeit der Minister stutzen will. Ich glaube. Sie verkennen mich die hohe Auffaffung, die ich von meiner Pflicht der Krone und diesem hohen Hause der Nation gegenüber habe. Von einem Neben- oder (Segen» arbeiten gegen den Reichskanzler kann keine Rede sein. Die auswärtige Politik wird einheitlich geführt. Ich bitte Sie, meiner Versicherung Glauben zu schenken, daß ich, nachdem mich Sc. Majestät auf diesen Posten gestellt, keinen anderen Ehrgeiz besitze, als ein treuer Mitarbeiter des Kanzlers zu sein zum Wohle deö deutschen Vaterlandes und zum Wohle des Volkes.
Mg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.s:
Man hat sich darüber gewundert, weshalb wohl die National- liberalen gerade jetzt die Interpellation eingebracht haben. Aber hierfür gab es doch eine ganze Menge von Gründen: die heftigen Angriffe der Jungliberalen, die Steuerpolitik der nationalliberalen Partei, das waren Gründe genug, eine Exkursion in das Gebiet des Männerstolzes vor Königsthronen zu unternehmen. (Lachen bei den Natl.j Es ist unzweifelhaft wahr, was Bismarck ost betont bat, daß es sehr schwierig ist für jemand, über die auswärtige Politik zu sprechen, der mit dem Zusammenhang der Dinge nicht genügend vertraut ist. Die nationalliberale Partei hat merkwürdige Schwenkungen in bezug auf die Ansichten darüber vorgenommen, ob wir hier über die auswärtige Politik verhandeln sollen oder nicht. Ich erinnere daran, daß wir früher, als Graf Revent- low und ich öfter Bemerkungen über die auswärtige Politik machten, die wir für zeitgemäß hielten, von der nationalliberalen Presse aanz besonders heftig angegriffen wurden. Namentlich war es charakteristisch, daß, als wir einmal in nationalem Interesse die Behandlung Deutschlands seitens Englands zur Sprache brachten, die „Kölnische Zeitung" schrieb, an sich hätten wir ja ganz recht, aber man dürfe den Änstscmiten diesen Erfolg nicht gönnen.
Der Reichskanzler wird geftatten müßen, daß man das sehr rosige Gemälde seiner Politik mit einigen Schattenstrichen umgibt. Wir sind trotz der Kanzlerrede isoliert! Diese Auffassung klang aus allen Reden hervor. Gewiß, wir freuen uns der Bnudes- genosienschast Oesterreichs, aber die inneren Zustände Oesterreichs sind keineswegs erfreulich. Wenn sich unsere Beziehungen zu England wirklich gebesiert haben, wie der Reichskanzler sagt, dann erwarte ich, daß wir nun auch praktische Folgen sehen und daß das Handelsprovisorium zu einem Definitivum wird. Gefreut habe ich mich, daß kein einziger Redner gestern Firrcht vor der Isolierung geäußert hat. Der Starke ist am mächtigsten allem. Tie Tage von Jena sind vorbei, denn wir haben nicht auf unseren Lorbeeren ausgeruht, sondern Heer und Flotte ausgebaut. Fahren wir auf diesem Wege fort, dann brauchen wir keinen Gegner zu scheuen. Wir haben jetzt auch iLerseeische Jntercsien und wir müssen sie trotz aller Schwierigkeiten zu einem guten Ende führen. Recht erfreulich waren mir die Worte des Kanzlers über sein Verhältnis zum Kaiser. Er ist da dem Muster des Fürsten Bismarck gefolgt, bet dem Kaiser die Lehnstreue bewahrte, aber sich doch vor den Kaiser stellte und nicht hinter ihn. (Zuruf links: Hohenlohe!) Hohenlohe war nattonalliberal, das fagt olles. In den Hohen- loheschen Enthüllungen ist der Abstand zwischen dem Riesen Bismarck und dem Zwerg Hohenlohe so stark in Erscheinung getreten, daß man sich auf Hohenlohe nicht mehr berufen kann. Unser Wohl- sprnch müßte sein: Das Volksherz erkannt, die Bvzantiner verbannt, das Schwert in der Hand! Wenn wir diesem Wort folgen, dann wird Germania im Niederwald, auf das Schwert gestützt, den
Mg. Hoffmeister (sreis. Vgg.) _ beantragt Ungültigkeit und gleichzeitig namentliche Abstimmung. SS handle sich um ganz unzulässige Beeinflussungen durch den Ae- gierungspräsidenten.
Mg. Wellstein (Ztr.) meint, von amtlichen Wahlbeeinflussungen durch den Regiemn^- präsidenten könne nach den stattgehabten Untersuchungen nicht dre Rede sein. Er bitte, an dem Kommissionsbefchluffe festzuhalten.
Mg. Schicken (konf.) schließt sich dem Vorredner an. Es handle sich lediglich um Meinungsäußerungen des Regierungspräsidenten, nicht um Beeinflussungen. Niemand habe das Recht, dre Beamten mundtot zu machen. „ .. M x
Mg. Gothein (freis. Vgg.) meint, eS wäre doch sehr bedenklich, den Regierungspräsidenten das Recht einzuräumen, vor ihren Untergebenen über eine bevorstehende Wahl zu sprechen. Was das heiße, darüber toerbe sich wohl niemand falsche Vorstellungen machen. So dumm werde wohl niemand fein, daß er Herrn Dr. Barth für den Regierungskandidaten gehalten hätte! Uebrigens haben wir ja hier die eigenhändige Aussage (schallende Heiterkeit) des Regierungspräsidenten, daß er sich seinen Beamten gegenüber „zu einer amtlichen Richtigstellung für verpflichtet erachtet" hätte. Mit den verloerflichsten Mitteln ist gegen Dr. Barth gekämpft worden! In einem Flugblatt wurde gesagt: Dr. Barth hätte den Sozialdemokraten versprochen, gegen die Wehrvorlage zu stimmen. Das war eine bewußte Lüge! (Unruhe.) Gegen solch einen Schurkenstreich sollte auch Ihr (nach rechts) Reinlichkeitsgefühl sich empören! Sie sollten sagen: Von einer Wahl, die s 0 zustande gekommen ist, wollen wir nichts wißen! (Wahr!)
Mg. Geyer (Soz.ft
Der Wahlprüfungsbefchluß verdreht den Tatbestand in sefir Gegenteil. Es war allen bekannt, daß die „Briefe" zu Gunsten des Malkewitz aus dem Landratsamt kamen. Deshalb war das ja auch dem Landrat nachher „unangenehm". Wie kann man da noch die Beeinflussung von oben herab leugnen? Die Wahl deS Malkewitz muß für ungültig erklärt werden, schon damit der Wahl- Prüfungskommission für die Zukunft eine Direktive erteilt werde.
Mg. mm Gerlach (freis. Vgg.) tritt ebenfalls für die Ungültigkeitserklärung der Wahl von Malke- witz ein. Das Eingreifen des Regierungspräsidenten und des Landrats sei zu verwerfen, denn in jedem Wahlkreise gebe es eine Menge schwankender Gestalten (stürmische Heiterkeit), die sich beeinflußen
leit.) Er hat also entweder gestern der Volksvertretung oder damals dem Bankkonsortium nicht die Wahrheit gesagt.
Was das Mißtrauen gegen uns im Auslande anlangt, so tragen zum wesentlichen dazu bei die säbelrasselnden Reden, die jetzt überall bei militärischen Anlässen, bei Dcnkmalsenthullungcn ufro. Mode geworden sind. Wir wissen ja Bescheids mit diesen Reden, wir legen ihnen keine Bedeutung bei, wir wissen, daß sie zum allgemeinen militärischen Haushalt gehören, aber im Ausland weiß man das nicht so; da sieht man in solchen Reden 2ln> Zeichen einer aggressiven Politik. Es läßt sich auch nicht verkennen, daß durch gewisse Telegramme im Ausland die ungünstige Stimmung ebenfalls geschürt wird. In parlamentarisch regierten Staaten lösen die Parteien einander in der Regierung ab und drücken dieser bann den Stempel ihrer Politik auf. Bei uns aber bildet die Regierung den ruhenden Pol m der Erscheinungen Flucht. Wenn ein Ministerwechsel stattfindet, bekommen wir stets die tröstliche Versicherung: „In der Richtung unserer Politik hat sich nichts geändert!" Ich meine: auch für den monarchischen Gedanken ist es nicht gut, wenn der Monarch und seine „Vertrauensmänner allein die Verantwortung für die ganze auswärtige Politik tragen. Das ist das persönliche Regiment, diese Empfindung muß man im Volke haben. Minister, die den monarchischen Willen mit ihrer tzkgelizeichnung decken, wird der Monarch, wie die Dinge bei uns Hegen, stets finden. Hat doch Fürst Bismarck einmal gesagt: „Wenn der preußische König von einem preußischen Junker verlangt, er solle als Tenor auf die Bühne gehen, so tut er das auch! (Heiterkeit.) Also auch als Tenor auf die Bühne des Bundesrates! Daß der König auch Gedanken- und Redefreiheit haben soll, be- ftreiten auch wir nicht. Aber besser ist es schon, er redet nicht allzu- viel Was er weise verschweigt, zeigt nicht nur den Meister des Stils, fonderii auch den Meister der Politik. Man möchte jetzt bei uns die „Schwarzseher" verbieten; richtiger und dienlicher wäre es, die Byzantiner zu verbieten. Die bewirken cs, daß der Monarch allzu oft ohne ministerielle Deckung in der Öffentlichkeit erscheint, was der monarchischen Idee nicht gerade förderlich ist. Der Fehler unserer offiziellen Politik liegt darin, daß man Volk und Volksstimmung unterschätzt. Heute wird die Politik aber nicht mehr durch die Kabinette, sondern durch die Nationen selber gemacht. Man sah die Macht der Volksstimmung in der herzlichen Annäherung Frankreichs und Italiens. Wenn es nach unseren Kabinetten ginge, so lebten wir ja in einem glänzenden Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. Bloß: man sieht nichts positives. Immer nur Worte, keine Taten! Unsere Wirtschaftspolitik ist freilich ganz und gar nicht geeignet, uns Freunde im Auslande zu erwerben. Und dazu das Säbelrasseln l Jetzt beklagen sich die NattonaNiberalcn über die Verschlechterung unserer Beziehungen zu England. Die haben wirklich Ursache dazu! Wer hat denn am meisten dazu beigetragen? Die Nationalliberalcn, die Alldeutschen, die immer mit dem Gedanken eines Krieges mit England spielten! Beseitigen Sie unsere reaftionäre Politik im Innern, unsere Absperrungspolitik nach außen, und unsere internationale Lage wird sich von selber besiernl (Beifall links.)
Wg. Zimmermann (Antts.):
Das ganze Unglück kommt von unserer gesinnungslosen Ge- schäftspresie. Sie muß durch eine nationale Presse verdrängt werden, die das Interesse unserer nationalen Arbeit vertritt. Das muß die Losung der Wirtschaftspolitik werden. Die internattonale Lage ist deshalb so verfahren, weil feit dem Tode des Fürsten Bismarck Fehler über Fehler gemacht worden ist. Wer regiert denn in Deutschland? Daß der Reichskanzler die leitende Kraft n i ch t ist, wissen wir alle. Daher die Unstimmigkeit in unserer Politik.
Damit schließt die Besprechung der Intern p ei I a t i 0 n.
Es folgen Wahlprüfungen.
Für gültig erklärt werden die Wahlen der Wgg. B u s i n g (nl.), Dr. Becker (nl.) und Holtz (Rp.)
Die Wahl des Abg. Held (nl.) wird zunächst bean- 10 ^Dic Wahl des Mg. v. Vrockhausen (Ions.) beantragt die Kommission für gültig zu erklären.
Abg. Herbert (Soz.) schildert die Wahlagitation der Konservativen zugunsten des Wg. v. Brockhausen.
Die Wahl wird für gültig erklärt.
Die Wahl des Abg. Schlüter (Rp.) beantragt die Kommission gleichfalls für gültig zu erklären.
Mg. Gothein (freif. Vgg.)
wendet sich dagegen, daß die Kommission in einem Falle, wo seitens der Konservativen Fehler vorgekomrncn sind, nicht nur die konservativen, sondern alle Stimmen kassiert hat.
Abg. Wellstein (Ztr.)
macht darauf aufmcrlfam, daß die Kommission ihrer bisherigen Praxis gefolgt ist, gegen die bisher noch niemals Widerspruch erhoben fei.
Die Mgg. Grüber (Ztr.) und Schwarze (Ztr.) verteidigen die Praxis der Wahlprüfungskommission.
Abg. Büsing (nl.) führt dcii Fall näher aus. Es handelte sich darum, daß die konservativen Stimmzettel einfach auf den Wahltisch niedergelegt worden waren. Auch er ist der Meinung, daß in diesem Fall nur die konservativen Stimmzettel für ungültig zu erklären wären, und daß eine Rückverweisung an die Kommission nicht angebracht sei, zumal da an dem Endresultat der Wahl durch Die Ungültigkeit der in Betracht kommenden konscrvativcn Stimmzettel nichts geändert würde.
Abg. Dr. Müller (freif. Vp.)
hält die gegen die Praxis der Wahlprüfuligskommission vorgebrachten Gründe für ausschlaggebend und beantragt Zurückverweisung an die Kommission.
Hierauf wird unter Ablehnung des Antrags Müller die Wahl des Abg. Schlüter für gültig erklärt, ebenso ohne Debatte die Wahl des Abg. Dr. von Jaunez (b. k. P., 14 Elsaß- Lothringen).
Auch die Wahl des Mg. Dietrich (3 Potsdam, konf.) hat die Kommission für gültig erklärt.
Abg. Merten (freif. Vp.) beantragt Ungültigkeitserklärung, da ein Amtsvorsteher einen Wahlaufruf zugunsten des Gewählten nnierzeichnct Hal. Er beantrage zugleich namentliche Abstimmung, die vielleicht, eiitsprcchend den Anregungen des Scniorcukonvcnls, auf einen anderen Tag verlegt werden könne.
Abg. Schillert (konf.)
ist für Gültigkeit. In dem Bezirk des betreffenden Amt-worstehers seien die für Dietrich abgegebenen Stimmen bereits für ungültig erklärt. Es bleibe aber noch eine Mehrheit.
meint, das Landratsamt sei geradezu der Hort der konservativen Agitatton gewesen, da dort die Adressen für die Couverts, in denen die konservativen Flugblätter und Stimmzettel verschickt wurden, geschrieben seien. Die Wahl müße für ungültig erklärt werden, ein auf solche Weise erlangtes Mandat sei keine Ehre für Herrn Malkewitz. (Unruhe rechts.)
Mg. Wcllstein
ersucht nochmals, es bei dem Kommissionsbeschluß zu belasten, und weist den Vorwurf zurück, als ob die Wahlprüfungskommission die Sache verschleppt hätte. Es sei kein Vergnügen, dort zu arbeiten; wenn Herr von Gerlach gern da mitarbeiten wollte, würde er ihn mit Freuden begrüßen, es seien noch verschiedene Sachen zu bearbeiten. (Heiterkeit.) Wer der Abg. v. Gerlach sei nur zweimal m der Wahlprüfungskommission erschienen und dann fortgeblieben. (Große Heiterkeit.) Es sei bei dieser Wahl in keinem Punkte eine Wahlbeeinflussung nachgewiesen.
Wg. Fischer-Berlin (Soz.)
weist darauf hin, daß der Regierungspräsident seine Beamten zu« fammenberufen und über die Wahl sie informiert habe. Wenn dies keine Wahlbeeinflussung sei, dann gebe es überhaupt keine. Zweifellos sei die Beeinflussung durch den Negierungspräsidenten so groß gewesen, daß die Wahl für ungültig erklärt werden müsse. Es lasse sich nicht bestreiten, daß die von der Regierung abhängigen Beamten geglaubt haben, sie müßten Malkewitz wählen. Eine Wahl, die auf diese Weise zustande gekommen sei, sei eine Schande für den deutschen Reichstag. (Unruhe rechts.)
Mg. Dove (freif. Vp.)
fragt, ob Herr Wellstein als Rickter wohl auch die Grundsätze befolgen würde, die er hier entwickelt habe. (Sehr gut! links.) Entscheidend sei, daß den Konservativen der behördliche Apparat zur Verfügung gestanden habe. Deshalb müsse die Wahl kassiert werden. (Beifall links.)
Mg. Herbert (Soz.)
schließt sich den Ausführungen des Abg. Fischer an. Recht müsse Recht bleiben; cs wäre ein bitteres Unrecht, wollte man diese Wahl für gültig erklären.
Wg. Oertzen (Rp.)
lvcist die Angriffe der freisinnigen und sozialdcmokrattschen Redner auf die Landräte zurück.
Nach 6% Uhr nehmen unter großer Unruhe nochmals die Zlbgg. v. Gerlach und Gothein das Wort.
Damit schließt die Erörterung. Die namentliche Abstimmilng findet morgen statt.
Präsident Graf Ballcstrem
weist darauf hin, daß nach § 8 der Geschäftsordnung Mitglieder, deren Wahl beanstandet ist, sich nicht an der Abstimmung beteiligen dürfen. Ta aber das Fehlen bei der Abstimmung jetzt „die bekannten Konsequenzen" nach sich ziehe (Große Heiterkeit), so halte er cs für nötig, festzustellen, daß diese nicht cintreten würden, wenn die betreffenden Abgeordneten sich bei der Absttmmung der Stimme enthalten. ,
Tas Haus vertagt sich.
Nächste Sitzung: Freitag, 1 Uhr: Naincnts sche A b-- ft immung e n, V 0 g e l s ch u tz g e s c tz, Branntwe ing e- setz Novelle, GewerbcordnungsnovellV
Schluß 7 Uhr. ’ \ ,
Kunst und
— Rosa Poppe hat am 12. d. M. mit ihrer Truppe in Essen die „Sappho" zur Aufführung gebracht.
— Der Fabrikbesitzer August Ludomicl m Landau (P>alz)^stiftcte für da? M ü n ch c n er De u tsche Museum 20,000 Ala u.
Ji 0 p c n Hage n , 15. Novbr. Der Ingenieur Waldemar Pottl- jen cisielte mit Pilse seiner ungedärnpsten el ek t r i s ch e n •rj. eilen in diesen Tagen eine drahtlose Verbi n 0 u u g zwischen der Versuchsstation bei Kopenhagen und der kürzlich bei Newcastle (England) errichteten Station, -vcr Energieverbrauch durch die Sender betrug zwei Pferdestärken.
— Ein V 0 lksliederbuch für Mannerchor, das seine Entstehung der Anregung des Kaisers verdankt, wird im Januar 1907 in Leipzig erscheinen. Ter Kaiser hatte bekanntlich bei dem Gesaiigsweltstreit in Frankfurt a. 9)1. feine Ansicht dahin kmidaeaebeii, das; das deutsche Volkslied zu sehr hinter dem Kunst- qesang.zurücktrete unb darum einer tatkräftigen Förderung bedürfe. Die vom Kaiser berufene Arbeitskommission hat cme Sammlung


