gründet, der sich der Gunst der Kaiserin Katharina II. erfreute und ihren Gemahl, den Zaren Peter III. mit eigenen Händen erdrosselte. Die Orlow-Traber verdanken ihre Ent- itehung der Kreuzung von arabischem, holländischem, däni- -chem und auch persischem Blute. Das Gestüt war zuletzt Eigentum deS Fürsten Alexis Orlow, russ. Obersten und Flügeladjutanten, der seit vielen Iabren der Botschaft in 'Paris als Militär-AttachL beigegeben ist. Der Fürst erhielt in Karlsbad die Mitteilung von der Empörung der Bauern seines Gutsbezirkes, die außer dem Gestüt mit allen seinen Gebäuden und Einrichtungen auch das Orlow'sche Schloß erstürmt und dem Boden gleich gemacht haben.
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Am 25. Juni fand in Berlin bekanntlich eine Protest- versammllmg gegen die rnssisckxn MassakreS statt. Den Vorsitz führte ReickiÄagsabg. Scknadcr, und cs sprachen der berühmt? Rechtslehrer der Berliner Universität Professor v. Liszt, der Abg. Träger, der freisinnige Pfarrer Kirms, Friedrich Naumann, sowie zwei Russen, der Arzt Dr. Brutzkns aus St. Petersburg, der soeben von der Besichtigung der Krankem häuf er in Bialvstok zurückgekehrt war, und der Rechtsanwalt Shdaneoff aus Moskau, der als Mitglied des Zentralausschusses der konstitutionell-demokratischen Partei inmitten des politischen Lebens des Zarenreiches flelyt. Die Redner beschäftigten sich keineswegs aussckstießlich mit den (tyreueht non Bialostok: sie entwarfen vielmehr ein Bild der Gesamtzustände in Rußland, und die deutschen Redner zogen insbesondere in Betracht, die politischen Beziehungen unseres Vaterlandes zu dem großen östlichen Nachbarreich. Die Reden werden jetzt nach stenographisckrcr Aufzeichnung als Broschüre veröffentlicht. Sie bieten eine interessante Lektüre und sic sind ein beachtenswertes Dokument sowohl für den Politiker wie für den Kultnrhistoriker.
Von der russischen Sprache.
Bis jetzt beschäftigen sich nur wenige Deutsche, hauptsächlich Offiziere und Berufsgelehrte mit der russischen Sprache. Neuerdings hat aber sowohl die politische wie die literarisch^ Entwicklung Rußlands unser Interesse mtf das östliche Nachbarvolk uns seine Sprache hingelenkt. Daraus erwächst auch der Presse in einem gewissen Umfange die Ausgabe, als Erklärer russischer Worte aufzutreten, die gewöhnlich zuerst der Telegraph oder das 'vTelephon vorbereitet, und die dann die Leser veranlassen, die Zeitung um eine Erklärung anzugehen oder sich die Erklärung im Konveriationslexiwn selbst zu suchen.
Zur Zeit wird das Wort „Pogrom" viel gebraucht. Es heißt „Verwüstung, Verheerung" ganz im Allgemeinen, ist aber jetzt insbesondere die konventionelle Bezeichnung für die Judenverfolgungen unter behördlicher Anleitung geworden. Der Ton ruht auf der zweiten Silbe und deshalb wird das r» der ersten Silbe wie a ausgesprochen, denn vortoniges o lautet im russischen wie a, so z. B. auch in der ersten Silbe des Namens Tolstoi, der ebenfalls auf der zweiten Silbe betont wird. Der Akzent ist im russischen ein schwieriges Kapitel, gegenüber dem Polnischen, das immer die, vorletzte Silbe betont. Ein bekanntes Fremdwort aus dem Russischen, in dem gleichfalls die Endsilbe betont wird, ist Ukas.
Außer den sechs Fällen des Lateinischen hat das Russische nock einen, den Instrumentalis: es ist in diesem Punkte altertümlicher, denn ursprünglich hatten alle indogermanischen Sprachen diesen Fall. Oder, genauer gesprochen, cs hatte ihn die gemeinsame Ursprache, die Sprache des Urvolkes, von dem Deutsche, Franzosen nnd Russen abstammen, jene Sprache, die noch nicht deutsch oder englisch oder griechisch oder polnisch oder russisch war, von der aber alle diese Idiome nur WeiterentwickelunHeu sind. Eine viel größere Schwierigkeit bereiten dem Russffch- L em enden jedoch die Zeitwörter. Das mssische Zeitwort hat nämlich mehrere „Gesichter" (Aspekten ober Anschounngsarten. Dadurch kann der Russe neben der Handlung oder bem Zustande im allgemeinen, beides auch als bestimmt, als einmalig ober als mehrmals wieberhvlt, als unvollendet, vollendet, endlich als einmalig vollendet barfteilen. Bis ber Frembe sich in diese mssische, bezw. slavischc Eigentümlichkeit idenn z. B. das Polnische hat sie) hineingelebt hat, vergeht geraume Zeit.
Die bedeutendsten stavischen Sprachen sind Russisch, Polnisch, Ruthenisch (Kleinruffischh Tschechisch, Serbisch. Bulgarisch und Slovenisch, während das Rumänische trotz seines starken Prozentsatzes stavischcr Wörter doch ebenso als romanisch angesprochen werden muß, wie das Englische trotz seines starken französischen Bestandteiles als germanisch, weil der Bau der Sprache dort romanisch, hier germanisch ist. Diese Sprachen unterscheiden sich aber sehr wesentlich und die Differenz nimmt immer mehr zu. So macht schon ber Verkehr zwischen Groß- und Kleinmssen Schwierigkeit, und als vor einigen Jahren auf Veranlassung und unter Vorsitz eines Moskauer,^ die Deutschen hassenden Generals in Prag ein allgemeiner Sklavenkongreß mit ausgesprochen antideutschem und antigermanischem Charakter zusammen- trat, sahen sich die Teilnehmer bei ber Unmöglichkeit direkter Verständigung tatsächlich genötigt, zu bem Berständigungsmittel des Deutschen zu flüchten. Denn die gebildeten Slaven lernen von allen fremden Sprachen am häufigsten und ersten die deutsche.
ICtrcbe unö Schule.
— Bischof Endert von Fulda ist an einem Schlaganfall gestorben. Er war zuckerkrank.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 18. Juli 1906.
— Warnung. In letzter Zeit sind wiederholt Pro- pckte von sogen. Lotterie-Spielgesellschaften in Massen zur Verbreitung gelangt, in denen das Publikum zur Beteiligung an dem Spiel mit kleineren oder größeren Monatsbeiträgen aufgefordert wird. Vor einer solchen Beteiligung kann nur ernstlich gewarnt werden, da es sich um ganz unkontrollierbare und von der Behörde keineswegs erlaubte Lotteriespiele handelt. Auf den Prospekten pflegt gewöhnlich zur Täuschung des Publikums der Vermerk „gesetzlich erlaubt" zu stehen, es sind aber in letzter Zeit gegen mehrere derartige Gesellschaften Strafverfahren eingeleitet worden, was wohl das Gegenteil beweist.
** Besitzwechsel. Die früher Burk'sche Villa an der Ostanlage, die seither im Besitz der Familie Noll war, wurde für 110 000 Mk. an die Vorbesitzerin, Frau Witwe Burk, zurückverkauft.
"Der Geselligkeitsverein Gleiberg halt am SamStag, 21. Juli, nachmittags 4l/8 Uhr, seine Generalversammlung auf Burg Gleiberg ab. Die Tagesordnung umfaßt: Rechnungsablage, Geschäftsbericht und Feststellung des Voranschlags für 1906/07.
** Vom Mittelrheinischen Kreisturnfest in Hanau. An dem Einzelwetturnen, das am Montag vor- mittag stattfand, beteiligten sich 426 Turner, von denen 72 Sieger wurden. Den 1. Preis errang Josef Lindner von Frankfurt 67^ Punkten. Vom Gau Hessen wurden Sieger Karl Müller vom Turnverein Gießen, der mit 60V8 Punkten 4. Sieger wurde, und Heinrich Wolff von Nidda, der mit 61% Punkten den 32. Preis erhielt. Außerdem erhielt Christian Schmidt von, Turnverein Gießen eine lobende Erwähnung. Bei dem Wettumen in volkstümlichen Hebungen erhielten von 300 Turnern vier Auszeichnungen, erster war Otto Muhl von Mainz.
"Zum Fall Hirschel. Gegen den Direktor der landwirtsch. Hauptgenoffenschaft für Oberheffen in Friedberg und Landtagsabgeordneten Hirsche! ist von der hiesigen Staatsanwaltschaft Anklage erhoben worden wegen der dem Direktor Hirsche! von bem Oekonomierat und früheren Mitdirektor Schlenke vorgeworfenen Verfehlungen in der Geschäftsführung der Genossenschaft. Der Verhandlungstermin ist noch nicht bestimmt. Möglicherweise wird die Verhandlung vertagt, da Hirsche! als Landtagsabgeordneter Immunität genießt.
** D i e Ludwig- uudAlieestistuug, Sterbekasse für hessische V o l k s s ch u l l e h r e r und Unterstützungskasse für bedürftige Lehrer-Witwen und -Waisen des Großherzogtums Hessen veröffentlicht ihren 42. Jahresbericht. Tie Sterbekasse zahlte anfangs 1906 2455 Mitglieder, die einen jährlichen Beitrag von 44104,50 Mk. zu zahlen haben. DaS versicherte Sterbegeld ist gegenüber dem Vorjahre um 57 400 Mark gestiegen und betrug 1398 000 Mark. Gestorben sind im Jahre 1905 34 Mitglieder. An Sterbegeldern kamen 12 850 Mark zur Auszahlung. Das Vermögen der Sterbeknsie beträgt 298 794,94 Mark. Der Verwaltlmgs- auSschuß wirb für die diesjährige Hauvtversanunlung beantragen, von dem Vermogensüberschuß 45 000 Mark dem Gewinnfonds zu- zusühren nnd au5 demselben vom Jahre 1907 an weitere Zuschüße zu den Sterbegeldern zu gewähren, den Rest aber der ju gründenden Militärdahrlehnskasse als Betriebskapital vorlagsweise zu überweisen. Die Einnahmen des Kasse betrugen 9 400,04 Alark, die Ausgaben 7 355,70 Mark.
" Die Obstaussichten sind im Kreis Gießen recht gute und lasten eine günstige Ernte besonders auf Aepfcl und Zwetsch en erwarten. Die Aepfelbäume an den Kreisstraßen sind so dicht behangen, daß die Kreisbaumwärter schon jetzt mit dem Stützen und Aufbinden der Slcfte beginnen ; die Aepfelbäume hängen an einzelnen Straßen zum Brechen voll. Die Zahl der Obflbäumc an den Kreisstraßen beträgt rund 15 000, davon sind ca. 12 500 Aepfelbäume. Im letzten Herbst und Frühjahr wurden wicbcrum ca. 500 Baume gepflanzt, so an den Kreisstraßen bei Langsdorf, Noimenroth, Nieder-Bessingen, Lollar und Wellersdurg. Weitere Pflanzungen stehen bevor, so bei Großen-Linden und von Lang-GönS bis zur Kreisgrenze. In den letzten Jahren hat der Kreis fast ausschließlich daS Obst selbst gepflückt und in Gießen einen Obstmarkt abgehalten.
? Nodheim a. d. Bieber, 17. Juli. Mit der Aus- schachtung des großen Neseroebehälters am „Launscheidsberg* soivie der Vollendung der HatiSanschlüsie sind die Erdarbeiten für unsere neue Wasserleitung nunmehr zum Abschluß gekommen. Die vielen ausländischen Arbeiter sind größtenteils wieder abgezogen, aber noch recht lange wird man ihnen ein gutes Andenken bewahren. Anfänglich wollte sie fast niemand beherbergen. Im Lause der Zeit wurde aber bas Verhältnis zwischen ihnen und ihren Quartiergebern recht gut. Vor allem bewunderte man ihren ausdauernden Fleiß und ihre bescheidene Lebensweise.
X Laub ach, 17. Juli. Die Firma Koch & Co. in Frankfurt a. M. setzt das Projekt der Erbauung einer hiesigen Gaszentrale fort. Sie hat die weitere Vermessung in die Hände eines anderen Ingenieurs gelegt, der gestern zu mehr- wöchentlichem Aufenthalte hier eingetroffen ist.
X Friedberg, 17. Juli. Am Schluß des gegenwärtigen landwirtschaftl. Wiederhol nngSkursus fand dieser Tage eine Exkursion der Teilnehmer nach Starkenburg statt. Es wurden mehrere ki'e.nere und größere Bauerngüter sowie die Starkenblirger Fohlenweide besichtigt. Vor allem galt die Exkursion der Provinzial- Jungviehiveide bei Schloß NauseS. Viele ehemalige Winter- schüler und Landwirte hatten sich angeschlossen.
R.-B. Darmstadt, 17. Juli. Die Beisetzung der sterblichen Ueberreste deS früheren Justiz Minister 8 Dr. Emil Dittmar erfolgte heute nachmittag auf dem hiesigen Fried- Hofe. Es hatte sich eine große Anzahl von Leidtragenden versauunelt, barunter Finanzminister Gnanth, Geh. Staatsrat Krug v. Nidda, Geh. Rat Wilbrand, Geh. Nat Dr. Eisenhnth und andere behördliche Vertreter, ferner Flügeladjutant Rittmeister Krämer und Geh. Kabinettsrat v. Nömheld, Divisionskommandeur Exz. Frhr. v. Gall, Oberst v. Waldenfels, der Kommandeur und die Offiziere deS 23. Dragoner-Regiments, bei den: der Sohn des Verstorbenen als Vizewachtmeister dient, der russische Ministerresident v. Dubanski, Präsident Haas, mehrere Mitglieder der Ersten und Zweiten Kammer, Stadtverordnete u. a. m. Einem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, daß die Beisetzung in einfacher, schlichter Weise stattfinden solle, hielt Pfarrassistent Schneider keine Trauerrede, sondern sprach nur ein längeres Gebet, in dem er unter Benutzung zahlreicher Bibelworte den Lebensgang und daS für Hessen so segensvolle Wirken deS Dahingeschiedenen kurz skizzierte. Namens der hessischen Anwaltskammer rief Justizrat Massot dem früheren eifrigen Mitgliede herzliche Abschiedsworte nach, namens der nationalliberalen Landespartei Hestens sprach Justizrat Schmeel, der den Verstorbenen als einen ebenso ausgezeichneten Juristen, wie als warmherzigen Patrioten und hervorragenden nationalliberalen Politiker feierte. In tief zu Herzen gehenden Worten gedachte auch Oberlandesgerichtspräsident Lippold, der dem Verblichenen seit vielen Jahren persönlich nahe stand, feine hohen Tilgenden als Mensch und feiner großen, unvergeßlichen Verdienste um den Staat und die hessische Justizgesetzgebung. Unter den vielen am Grabe niedergelegten Kränzen befand sich auch ein prachtvoller Lorbeerkranz Sr. Konigl. Hoheit deS Großherzogs mit rot-weißer Schleife und den Großh. Initialen.
Mainz, 17. Juli. Im Verein Mainzer Kaufleute kündigte der Vorsitzende Landtagsabg. Molthan an, daß er demnächst mit einer Reihe von Niedgemeinden den Bau einer normalspurigen Nebenbahn durch das Ried von Mainz über Gustavsbiirg und Trebur nach Groß-Gerau beantragen werde. Auch die finanzielle Mitwirkung der Stadt Mainz an diesem Bahnprojekt wird erwartet. — In der heutigen, nichtöffentlichen Stadtverordnetensitzung wurde der Kauf des der Stadt gehörigen Kleintzhauses in der Stadthausstraße an das Warenhaus Tietz A.-G. mit allen gegen eine Stimme genehmigt. Der Kaufpreis beträgt n. d. „Fkf. 3tg/ 185 000 Mk.
h. Mainz, 17. Juli. Ein Herr und eine Dame, die gestern sich hier ein Boot mieteten, sind von ihrer Nheinbootfahrt, nicht wieder zurückgekommen. Tas leere Boot wurde bei Walluf gelänget; es enthielt Hut und Stock des Herrn, Anscheinend waren die Leute ein Liebespaar, das im Rhein den Tod suchte und fand.
hd. Frankfurt a. M., 17. Juli. Gestern mittag
explodierte in einem Hinterhause der Wittelsbacher Allee eine Petroleumkanne, die in unmittelbarer Nähe des Herdes stand. Ein junges Mädchen, das sich grabe am Herde zu schaffen machte, stand im Nu in Flammen und würbe schwer verletzt nach dem Hospital verbracht. Es wirb an ihrem Aufkommen gezweifelt.
H. Höchst a. M., 17. Juli. Am SamStag abend entstand in einer WirtschaftSbude auf dem Kirchweihplatz eine Schlägerei, wobei nicht weniger als acht Personen durch Messerstiche verletzt wurden. Die Polizei war machtlos, die Fe uerwehr mußte mit einem falten Strahl die erhitzten Geniüter beruhigen. Die Wirtschaftsbude würbe fast vollständig demoliert.
-a- Gladenbach, 17. Juli. Die für den Neubau des Amtsgerichts erforderlichen Arbeiten sind von der Kreisbauiiispektion zu Biedenkopf ausgeschrieben worben. Nach ber Vergrößerung bc§ Amtsgerichtsbezirks durch mehrere Ortschaften durch die Grundbuchregulierung erwies sich das bisherige Gerichtsgebäude zu klein. Schon vor Jahren ist der Schöffcngerichtssaal in das Gasthaus zur „Alten Post" verlegt worden. Das neue Gebäude kommt an die Gießener Straße und verspricht recht stattlich zu werden.
[ ] Marburg, 17. Juli. Die Burschenschafter brachten heute abend dem seitherigen Direktor des pathologischen In- stitiits, Professor Dr. Aschoff, der übermorgen seine Sel^r» tätigtest in Freiburg ausnimmt, einen Fackelzug.________
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 18. Juli.
Im verflossenen Monat harte sich der Händler D. M. auS Elberfeld _ mit einer unter Ssttenkontrolle stehenden Person in einer hiesigen Wirtschaft einlogiert. Sie gaben sich als Eheleute aus und trieben sich regelmäßig aberrds auf den Straßen herum. Die durch die Polizei gemachten Beobachtungen führten zu dem Ergebnis, daß man es mit einem Z u hälter zu tun hatte, dem sein unsauberes Gewerbe bald gelegt wurde. Bei seiner Verhaftung gab er zu, seinen Unterhalt teilweise aus dem Er- rverb der Frauensperson bestritten zu haben, was gegen ihn eine Anklage wegen Kuppelei zur Folge hatte. Da er bis jetzt Strafen noch nicht erlitten hat, standen ihm mildernde Umstände <urr Seite; auch wirkte das sofortige Geständnis strafmildernd, sodaß er mit einer Gefängnisstrafe von 4 Monaten durchkam. Mit Rücksicht auf die ehrlose Gesinnung wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre abgesprochen.
Das Schöffengericht Lauterbach hatte den Händler I. K. R. von Stockhausen wegen Betrugs zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Er hatte kurz nachdem er mit seiner Frau Gütertrennung vereinbart hatte, bei einem Kaufmann zu Lauterbach größere Ginfäitre gemacht, wodurch dieser um etwa 300 Mark geschädigt lvurde. Der Angeklagte focht das Urteil an unter der Behauptung, es habe ihm fern gelegen, den Kaufmann zu schädigen: infolge eingetretener ungünstiger Verhältnisse fei er nicht in der Lage gewesen, die Schuld zu begleichen. Das Berufungsgericht konnte sich nicht davon überzeugen, daß der Angeklagte täuschende Handlungen vorgenommen hat, weshalb es mangels Beweis zum Frei spruch gelangte.
Gelegentlich eines vom Landgericht abgehalttnen Termins in Bad-Nauheim hat der Bergingenieur Sch. hier zwei Zeugen bett Vorwurf gemacht, sie hätten ein von ihm erstattetes ähtb« achten gefälscht. DaS Schöffengericht verurteilte ihn wegen Beleidigung zu 50 Mark Geldstrafe, wogegen er Berufung erhob. Die Strafkammer kam zur Bestätigung deS Urteils.
Universitäts-Nachrichten.
— Zn Pfingsten d. I. hielt, wie uns erst heute geschrieben wird, der Allgemeine Deutsche Burschend und (A. D. 23J in Frankenhausen seinen 23. Bundestag ab Es wurden 4 neue Burschenschaften in den Bund ausgenommen, der nun 19 Burschenschaften und 15 Mtherren-Verbände zählt. Von 23c- schlüssen allgemeineren Interesses sei erwähnt, daß der Bund sich für die Aufhebung der „Verrüfe" erklärte und für die Zukunft die Aufnahme abstinenter Studenten durch die Burschenschaften allgemein gestattet. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war die erneute Stellungnahme zur Frage der „konfessionellen Verbindungen", die infolge eines Anttages des Mthcrren-Vundes der Arminia-» Gießen nötig wurde. Nach gründlicher Besprechung, in der allseitig das Eintreten der Studentenschaft für die akademische Freiheit und ebenso die Gründung des Verbandes Rutscher Hochschulen begrüßt wurde, wurde folgender Beschluß gefaßt: „Die Resolution von 1905 erhält folgende Fassung: Der Ä. D. B. steht infolge seiner Grundsätze innerlich im schärfsten Gegensatz zu allen parteipolitischen und konfessionellen Verbindungen." Die auf dem Bundestag von 1905 angenommene Resolution lautete: „Die Aktivitas darf den Satzungen des 9L D., B. entspr. keine politische Stellung cinnehmm Infolge- helfen, spricht sich auch der Bundestag entschieden gegen die! konfessionellen Verbindungen jeder Art aus und erwartet von seinen Burschenschaften, daß sie sich an den dieser Auffassung entspr. Schotten der Studentenschaft jederzeit und möglichst fü6>» rend beteiligen." Der wesentliche Unterschied gegen 1905 besteht also darin, daß die Burschenschaften des 2l. D. B. nicht mehr verpflichtet sind, sich an denjenigen £ dritten zu beteiligen, welche die Ausschließung der konsess. Studentenverbindungen aus den studentischen Ausschüssen nsw. zum Ziele haben.
vhö LVsssensehaft.
— Einen Ruf zum Eintritt in die D a r m st ä d t e r K ü n st l e k o l o n i e hat der Dresdener Bildhauer H o t t e n r o t h erhaltens dem „'SrcSb. Anz." zufolge wirb er wahrscheinlich bem Rufe Folge leisten.
— In einer Lungenheilstätte starb, 55 Jahre alt, der Frankfurter Stadtbibliothekar Dr. Heinrich v. Nathusius-Rein- ft e d t, der Hervorragendes auf dem Gebiete der Genealogie und Ortsgeschichte Franffurts geleistet hat.
— Wertvolle alte Wand- und Altar Malereien sind in der evangelisck)en Kirche zu St. Goar entdeckt worden. Die Gemälde, die in der Zeit der Bilderstürmerei über- tüncht wurden, werden wiederhergestellt.
Vermischtes.
* Berlin, 17. Juli. Ms der Generalagent Robert Liebig sich in der vergangenen Nacht mit einem Freunde vvmt Bahnhof Gesundbrunnen auf dem Wege nach der Sttaßenbahn- haltestelle in der Badstraße befand, sang er unterwegs ein Lied. Ein Schutzmann verwies Liebig zur Ruhe, ber Gmerab- agent sang weiter. Der Schutzmann nahm jetzt den Sängw fest und knebelte ihm die Hände. Der Knebel war so fest um das Handgelenk gelegt, daß Liebig starke Schmerzen empfand. Er ersuchte infolgedessen den Beamten, ihm die Feffeln abzunehmen und ihn nicht wie einen schweren Verbrecher zu behandeln. Da der Schmerz immer stärker wurde, versuchte der Agent selbst, den Knebel etwas zu lockern. Darauf zog der Beamte blank und versetzte dem Gefesselten einen Säb el- hieb über den Kopf. Blutüberströmt mußte der Verletzte nach der nahen Unfallstation gebracht werden, wo eine 10 Zentimetcc lange Säbelwunde scstgestellt wurde. Das Handgelenk des Agenten war vollständig blau angelaufen.
* Ein Opfer ihrer Schönheit. Unlängst wurde, das tnarokkanische Dorf Dasben-Bekkat von einer Räuberbande überfallen und geplündert. Die Weiber und Kindev wurden zu Sklaven gemacht und unter die Räuber verteilt. Dabei entspann sich unter den beiden Führern der Bande eitt Streit um ein Weib von seltener Schönheit. Jeder wollte;


