Ausgabe 
15.11.1906 Drittes Blatt
 
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zu liebenswürdig.

Von der onbcrcn Seite heißt es freilich gegen meine Politik, daß ich wieder einmal zu viel die mittlere tiinie halte. Wenn man mir dem Auslande gegenüber übertriebene Liebenswürdigkeit vor­wirft, so scheint man anzunchmen, daß ich die Urbanität, deren ich mich als Mensch und im persönlichen Verkehr allerdings gern be­fleißige, meiner polittsck>cn Tätigkeit als da? einzig richtige unter­legt. Das ist richtig, und man scheint sich ferner nicht gegenwärtig zu halten, daß gerade auf dem Gebiete der au§toärtigcn Politik Höflichkeit und Festigkeit sich gar nicht ausschließcn. Es kommt nur darauf an, die eine oder andere Eigenschaft im rechten Augen­blick zur Anwendung zu bringen. (Beifall und HeiterkeitI) Als ein ausgezeichneter russischer Diplomat, Fürst Orlof, nach Paris geschickt wurde und die Verhandlungen führte, die später zum Pariser Kongreß führten, apostrophierte er Napoleon III. mit dem Wort: Tie ganze Kunst eines Diplomaten, sagte er zu ihm, be­steht darin, im rechten Augenblick zu schmeicheln, im rechten Augen­blick einen Fußtritt zu versehen. Es kommt alles darauf an, die eine wie die andere Eigenschaft im rechten Augenblick zur An­wendung zu bringen, ohne Anrempelung des Auslandes. Nun ist ja ein konsequenter und überbebender und anmaßender Ton schon manchmal in der Presse schädlich, viel schädlicher als manche Leine sich einbilden. (Mit einer Wendung gegen die Sozialdemokraten. Heiterkeit I) Aber unberechenbare Konsequenzen würde es haben, wenn ich in meiner verantwortlichen Stellung mich dazu hinreißen

WIcffic Wmoften W^en PMvß? vmemny so -renrw Behauptung bei den Historikern große Hetterkeit erwecken. Ich wußte ganz genau, wie die Dinge lagen. Ich habe, soweit ufj durch diplomatische Mitteilungen dazu in der Lage war, Japan zum Frieden geraten, ich habe der kaiserlichen Regierung keinen Zweifel gelassen, daß die japanische Regierung unter gewißen Voraussehungen, wenn ihr nicht bestimmte Zusagen gemacht wurden in wirtschaftlicher Beziehung, zum Kriege entschlossen und daß das japanische Volk für den Krieg hervorragend vorbereitet und gerüstet war. Weiter geben konnte ich als unparteiischer Beobachter nicht, und das, was ich erfahren hatte, hätte kl) jeden Augenblick jedem Herrn von der Börse, jedem Herrn von der Presse sagen können. Meine Herren, ich tue der Presse gern einmal einen Gefallen, aber das konnte ich ihr wirklich nicht mitteilen. (HeiterkeitI)

Da ich nun einmal auf einen mir gemachten Vorwurf ein- gegangen bin, so möchte ich zu meiner Verteidigung etwas anderes sagen. Es heißt oft genug, ich sei dem Auslände gegenüber

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tische Hinweis auf den Fürsten Bismarck. Wo sind denn die «-at* fachen, die ein solches, unseren ganzen auswärtigen Dienst herav- schendes Urteil irgendwie rechtfertigen lassen? Ich

wohl, daß hier und da geklagt wird über den mangelnden Schutz Deutscher im Auslande. Aber bei den Recherchen, an denen wrr es niemals haben fehlen lasten, hat sich immer ergeben, daß die Tatsachen falsch toicbcrgcgeben waren, oder daß eS sich um frühere Deutsche bandelte, die Üjrc Staatsangehörigkeit längst aufgegeben hatten (Sehr richtig!) Der Schutz des Reiches wird auch heute allen Deutschen ohne Unterschied des Standes, der Konfeßion und der Parkei zuteil. Auch deutschen Sozialdemokraten ist iclbtt tn zweifelhaften Fällen nach Recht und Gesetz Beistand geworden.^ In solchen summarischen wegwerfenden Urteilen vermag ich keine öor- berung unserer nationalen Interessen zu erblicken, sondern nur eine diese Interessen schädigende b linde K ri tiks u$*:_ $**$ in anderen Ländern kommen Fehler vor, auch da gibt es M.ßstande und Unebenheiten, die werden allerdings nicht in solcher Ver­größerung vorgeführt und nicht so unermüdlich breitzutreten ge­sucht (Sehr toabr!) Ich denke oft an das Wort: Ter Deutsche möge für die inländischen Verhältnisse und Zustande nur einen kleinen Teil des Wohlwollens und Verständnisses zeigen, daS er ausländischen Vorgängen und Institutionen so gern .cutgegen- brinat (Sehr richtig!) Glaubt denn irgend fcmanb tm Ernst, daß c3 im Ausland so viel bester ausschaut als bei uns. Jncmem großen cn.3lü6cn Slate las i-l> kürzlich, d-m -ng^ch-n Bote M der deutsche Pessimismus eigen chck unverständlich, denn niemand hätte iven'ger Anlaß zum Pessimismus, als der Dentiche. und haben denn nicht auch andere Völker Schwierigkeiten -u über­winden gehabt, die härter waren, als sie un§ biSlx'r vom auferlegt waren? Ick erinnere an England, das dem siid afrikanischen Kriege fertig geworden ist, an »ranlrelch, an Italien, Amerika mit den großen kolonialpolitischen Verwickelungen, Rußland! Wir haben keinen Anlaß, beicheidener zu scm als

ist tverllloVälS Faktor zur DlMkudc? MeschMtchts'kn SMwpa ' und der Welt. Aber dazu müssen wir in keiner 2Bei|c m die inneren Verhältnisse Rußlands eingreifen. Dadurch untericheidet sich ja gerade unsere Politik von der uns von manchen anderen Seiten empfohlenen Politik, daß wir bei inneren Streitigkeiten und Schwierigkeiten anderer Länder nicht Partei ergreifen (^ehr gut!), sondern unsere Politik nur zu schneiden im Hinblick auf die allgemeine Weltlage und auf die Sicherheit des eigenen Lande-,. Eine nähere Parteiiiahme erscheint uns landesverderblich. So ein­fach ist unsere Stellung in Europa denn doch nicht, daß wir uns den Luxus gcstatteii dürfen, uns unpolitischen Gefühlswallungen hin- zugeben. Tie Art das darf ich hinzufügen, wie die /Sozial­demokratie Partei ergreift, ist vom nationalen Standpunkt gerade so unsinnig und gerade so falsch, wie cs beispielsweise am Ausgang des 13. Jahrhunderts das Verhalten der französischen Emigre^ war ober später das Verhalten der heiligen Allianz und ihrer An­hänger auf dem Pariser Kongreß, oder, ivenn ich an unsere beutimc Geschichte denke, das unheilvolle Verhalten in dem Streite zwiichan Polen und dem Ordensstaate Preußen. Dieselben Ursachen, bid- selben Leidenschaften und menschlichen Schwächen, diesewe Art, dm es unmöglich macht, das eigene Parteiinteresse dem Wohle Dc-> Ganzen unterzuordnen, sie bringen immer wieder dieselben Erschei­nungen hervor, ob es sich nun um einen Raubritter des Mittel­alters oder einen orthodoxen Marxisten der Neuzeit handelt der ja bekanntlich nicht vorhanden ist. (Große Heiterkeit^)

Ich freue mich, daß unsere Beziehungen zu Rußland gute und freundliche sind. Ich muß weit zurückgehen in meinen diplo­matischen Erinnerungen, um eine Periode zu finden, wo die Be­ziehungen zwischen Rußland und Deutschland so normale und so korrekte waren, wie heute; und dabei betone ich auf eine Bemerkung des Herrn Bassermann ausdrücklich, daß die Begegnungen zwischen unferm Kaiser und d e m Kaiser von Rußland wesentlich dazu beitrugen, zwischen beiden Reichen das volle Vertrauen aufrechtzuerhalten, das eine Voraussetzung des europäischen Friedens ist, und das hoffentlich immer zwischen beiden Ländern aufrechterhalten werden wird zum Wohle, beider Völker und zum Besten des europäischen Friedens. Bei diesen Be­gegnungen zwischen den beiden Monarchen ist von inneren russischen Verhältnissen nicht die Rede gewesen und namentlich nicht im Sinne der Reaktionäre; sie haben aber dazu beigetragen, zwischen Rußland und Deutschland früher borbanbene, Mißtrauen und Ver­stimmungen abzuschleifen. Die beiden Kaiser haben heute einer zum anderen mit recht die volle Ueberzeuyung friedlicher und loyaler Politik. Rußland braucht gegenwärtig alle seine guten Kräfte zur Neuordnung, zur Regelung seiner inneren Verhält­nisse. Nach dem Krimkriege schrieb Fürst Gortschakosf in einer berühmten Depesche: Rußland fällt im Innern zusammen I (Gegenwärtig hält die russische Negierung es offenbar für nützlich, sich in der auswärtigen Politik nickt auf weiterschauende Unter­nehmungen einzulasten. Zwischen Rußland und England schweben seit einiger Zeit Verhandlungen, welche den Erfolg versprechen, daß über gewisse zentralasiatische Gebiete, wo alte englisch-russische Rivalitäten bestehen, namentlich über Tibet, Persien und Afghanistan, eine Verständigung erzielt wird. Wir haben, meine Herren, in Tibet und in Afghanistan gar keine, in Persien nur wirtschaftliche Interessen. Wir haben kein Interesse daran, diese Verhandlungen zu stören oder das mutmaßliche Ergebnis der­selben mit scheelem Auge anzusehen. Sollten im Laufe der Ver­handlungen deutsche Rechte und wohlerworbene Interessen in Frage kommen, so liegen von beiden Seiten loyale Erklärungen vor.

daß man diese Rechte und diese Interesten achten werde. Leider, meine Herren, kann ich nickt hoffen, mit dieser meiner guten Auf­fassung der russisch-englischen Unterhandlungen alTnemeinc Zu­stimmung zu finden. In einem mir borgelegten Artikel las ich erst vor kurzem, wie falsch e5 sei, die Beseitigung der Neibungsflächen in Zentralasien nicht mit der größten Unzufriedenheit zu berfolgcn, da Deutschland ein Interesse daran Rabe, daß Rußland und Eng­land wie Hund und Katze gegenüberfteben; und in demselben Ar­tikel, in welchem der Reichskanzler aufgefordert wurde, bife Ver­ständigung mit allen Kräften zu bereiteln, fast in demselben Atem­zuge wurde der deutschen Politik der Vorwurf gemacht, eine Macht gegen die andere auszuspielen und dadurch alle Mächte gegen uns mißtrauisch zu machen. Auf der einen Seite also sollen wir gegen die Verständigung zweier Mächte in Zentralasieii intrigieren, auf der anderen Seite wird uns der Vorwurf gemacht, durch unruhige Geschäftigkeit Anlaß zu Verdächtigungen der deutschen Politik zu geben. Meine Herren, wenn wir nach diesem Rezept verführen, so würden wir allerdings das Mißtrauen verdienen, das aus anderen Ursachen hier und da in der Welt gegen uns besteht. Das gehört aber in das Kapitel der Verkennung der Grenzen einer ver­ständigen Weltvolitik und der Urteilslosigkeit, auf das ich nachher noch zurückkommen werde.

Meine Herren,

nnfcrc Beziehungen zu Japan

sind von Herrn Abgeordneten Bastermann nicht berührt worden. Ich möchte aber trotzdem doch betonen, daß ich diese Beziehungen zu Japan auch weiter auf das sorgsamste pflege. Japan hat sich durch die hervorragenden Leistungen seiner brillanten Armee und seiner tüchtigen Flotte einen Platz unter den Großmächten errungen; da­mit ist es nur dem Beispiel anderer Völker gefolgt, namentlich dem deutschen Beispiele. Mit Eroberungs- oder Vergrößerungs­planen haben wir uns in Ostasien niemals getragen. Ich habe schon am 11. Juni 1900 als Staatssekretär des Aeußeren in meinem Zirkularerlaste an die deutschen Bundesregierungen gesagt, daß wir keine Austeilung des chinesischen Reiches wünschen und in Ostasien keine besonderen Vorteile anstreben. Wir hatten und wir haben in Ostasien nur wirtschaftliche Ziele, deren Erreichung im wesentlichen abhängig ist von der Aufrechterhaltung des Friedens, der Integrität von China und des Prinzips der offenen Tür. Diese Ziele, die zu verfolgen wir ja geradeso berechtigt sind, wie alle übrigen in Ost­asien interessierten Volker, werden wir auch weiter im Auge be­halten. Ich freue mich, sagen zu können, daß die Haltung der chinesischen Regierung gegenwärtig keinenAnlaß zuKlagen gibt, daß China seine Stellung neben den anderen Völkern in Ostasien be­hauptet, und daß wir an eine ruhige Entwicklung im chinesischen Reiche glauben, zum Besten von China selbst, zum Besten des internationalen Handels und guter Beziehungen zwischen allen handeltreibenden Völkern.

WaS

unser BerhältmS zn Amerika angeht, so wird mir die Mehrheit des HauscS darin recht geben, wenn ich sage, daß Deutschland und Amerika zu den Völkern gehören, die aus natürlichen wie aus historischen Gründen auf ein gutes gegen­seitiges Verhältnis angewiesen sind. Tie Grenzen beider Lander berühren sich nicht, die Interesten weisen aufeinander, die wirt­schaftlichen Interessen machen zugleich beiderseitiges Entgegen­kommen und gegenseitige Verständigung erforderlich. Denn diese beiden Voraussetzungen eintreffen, so erscheint auch hier einAnSgleich durchaus nickt unmöglich. Ich möchte bei dieser Gelegenheit sagen: Wir haben Grund, Amerika dankbar zu sein für seine Haltung auf der Konferenz von Algeciras. ; Amerika hat dem geringeren Maße seiner Interessen entsprechend sich mehr zurückgehalten, es hat eine durchaus unparteiische Haltung beobachtet, aber sein aus­gezeichneter, von allen geschätzter Gesandter White hat keine Ge­legenheit vorübergehen lasten, um Schwierigkeiten auszugleichen und einen für alle Beteiligten annehmbaren Ausgleich herbeizu­führen. Tas war ein großer Dienst, den Amerika dem Weltfrieden geleistet hat, denn ein Sckieitern der Konferenz von Algeciras hätte nicht nur in die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankre ch. sondern mich in die allgemeine Weltlage und die allgemeine Politik ein negierendes, beunruhigendes Element getragen. DaS war der zweite große Dienst, den Amerika dem Weltfrieden geleistet hat. Der erste Dienst war die Wiederherstellung des Friedens zwischen Japan und Rußland. Meine Herren, bei diesem Anlaß möchte ich mir eine sehr kurze Bemerkung pro domo mea gestatten. Ich I)öre und lese so oft, ich sei durch den A u s b r u ch d e s r u s s i s ch- japanischen Krieges überrascht worden. Wenn sich einmal die Archive unserer Zeit öffnen werde» natürlich werde

ließe.

Wenn man auf den Fürsten Bismarck hingewiesen hat, so wird ein sehr eingehendes Studiinn der Reden und der Handlungen dieses unvergleichlichen Staatsmannes jeden davon überzeugen, daß dessen Größe nicht im Klirren mit Kürassierstiefeln und nicht im Rasseln mit dem Pallasch bestand, sondern im rechten Augenmaß für Menschen und Dinge. DaS übermäßige Zitieren des Fürsten Bismarck übrigens das mochte ich doch einmal sahen ist bei uns nicht nur zu einer Manie, sondern beinahe zu einer Kalami­tät geworden. (Hort, hört! und Heiterkeit!) Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts und namentlich in der Konfliktszeit war der Gelehrte, der Profestor das Ideal der politisierenden Deutschen. Der schwebte damals dem politisierenden Deutschen als Lichtbild vor. Das Burschikose des Fürsten Bismarck, da? Junkerlich- Militärische in seinem Wesen erregte ja bei uns zunächst Entsetzen, Entrüstung. Man kann daS aus den aufrichtig geschriebenen Memoiren jederzeit Nachlesen, wenn man nickt, wie mancher von uns daS selber erlebt hat. Nach den ungeheuren Erfolgen des Fürsten Bismarck hieß es: Ein großer Staatsmann wird immer recht burschikos auftreten, immer in Kürassierstiefeln umhergehen, immer und unausgesetzt kalte Wasserstrahlen aussenden, mit einem Wort: Jetzt wird Fürst Bismarck zum System erhoben, aber dabei vergessen, daß jede Zeit andere Mittel erfordert. Alle, die mich persönlich kennen, wissen, daß ick meine unbegrenzte Verehrung und Bewunderung für den Fürsten Bismarck niemals und nie­mandem gegenüber je verleugnet habe, daß ich dem Kanzler auch nach seinem Sturze die Treue bewahrte. (Erneuter Beifall.) Aber gerade deshalb will ich es offen aussprechen: Auch der größte Mann bleibt ein Sohn seiner Zeit, die nachfolgenden Geschlechter können sich nicht darauf beschränken, fein Urteil, seine Auffassung blindlings nachzuahmen, sondern sie müffen mit der Entwicklung der Dinge gehen (Sehr richtig!), die auch das größte Genie nicht vorher sieht, geschweige denn vorher zeichnen kann. Friedrich der Große war der erste Staatsmann seiner Zeit- wenn aber Bismarck sich Darauf beschränkt hätte, Fridericianische, o. h. spezifisch preußi­sche Politik zu treiben, so würde er die Einheit Deutschlands nicht begründet haben. Nicht, daß es von den Bahnen Friedrichs des Großen abwich, hat Preußen vor hundert Jahren nach Jena und Tilsit geführt, sondern daß es in falschem Sinne und in enger Weise in diesen Bahnen kleben blieb. (Sehr wahr!) Wenn die Entwicklung der Dinge es verlangt, daß mir über Bismarcksche Aiele hinausgehen, so müssen wir es tun, selbst wenn Bismarck ! ein er Zeit unter scheinbar ähnlichen Verhältnissen anders geurteilt hat. Als praktische Männer, als Politiker, die die Aufgaben des Tages zu lösen haben, müssen wir uns mit der Tatsache abfinden, daß Ivir keinen Fürsten Bismarck mehr haben.

Tie Grinnentng an Biömarck, au das, was er uns war, wird für alle Zeiten als F e u er­leuchte herziehen vor dem deutsch«, Volke, wie ich das vor dem Denkmal des Fürsten Bismarck gesagt habe. ?lber die Nation muß die Kraft in sich fühlen, auch ohne einen Titanen auszukommen, die die Gotter ihnen selten einmal, nur alle hundert Jahre einmal, einem Volke schenken. (Beifall.) Als Patrioten müssen wir jeder au seinem Teil darauf hinwirken, daß das Derk des großen Kanz­lers erhalten bleibe. (Beifall.)

Es ist namentlich der Alldeutsche Verband, der mir wiederholt die Kürassierstiefel und den Pallasch von Bismarck vor- geroorfen hat. Ich bebaute, daß der Vorsitzende dieses Verbandes nicht wiedergewählt ist. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Dem Verbände gehören auch andere, warmherzige Patrioten an, aber (Der Reichskanzler spricht an dieser und einigen anderen Stellen seiner Rede mit so leiser Stimme, daß seine Ausführungen im Zu­sammenhänge unverständlich bleiben.) Dir müssen die ungerecht­fertigten Angriffe abwehren, um die Weltstellung der Nation zu wahren, wir müssen korrekt sein in unserer Politik, aber nicht überschwänglich höflich, aber wir dürfen uns nicht zu klein machen ober gar uns wegwerfen. (Sehr richtig!) Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen. (Große Heiterkeit.) Nicht nur Sozial­demokraten, sondern auch Nicht-Sozialdemokraten bemühen sich, unsere Zustände schwarz in schwarz zu malen. (Heiterkeit links.) Wenn ich solchem Pessimismus entgegentrete, so will ich damit selbstverständlich, nicht eitler Selbstgefälligkeit oder blindem Opti­mismus das Wort reden, und ebensowenig will ich

das Recht der öffentlichen Kritik bestreiten, die in allen Zeiten nützlich und notwendig ist, und die für unsere Zeit nötiger als je werden konnte. (Sehr richtig!) Die Klagen dürfen aber nicht in einer Weise erhoben werden, die gegen­über der wirklichen Sachlage nicht Stand halten können. (Sehr wahr!) Solche Urteile würden jede berechtigte Kri.ik abjtumpfen. Wir sollen auch nicht Kleinliches und Nebensächliches aufbauschen. nickst das Kind mit dem Bade ausschü'ten, nicht übertreiben, nicht über Strohhalme stolpern. Es wäre nicht zu verwundern, wenn bei einer Ucberfritil, wie sie vielfach geübt wird, den führenden Personen schließlich zu Mute würde, wie dem Bauer in dcr be­kannten Fcckel, der mit seinem Sohn auf dem Esel ritt und schließ­lich durch allzu viele Kritik das Klügste tat, was er überhaupt tun konnte, nämlich den Esel auf die Schulter nahm und selbst trug. (Große Heiterkeit.) Welcher Nutzen für unsere auswärtige Politik und für unsere Interessen im Auslände ist zum Beispiel davon zu erwarten, trenn ein freisinniges Berliner Blatt schreibt:Wo es sich um den Schutz der Deutschen im Auslande handelt, würde man heute wahrscheinlich erst fragen, was ist der Mann, welcher Kon- feffion gehört er an (Lacken recht«), welcher Partei zählt er zu? Und wenn die Auskunft bedenklich erscheint, bann läßt man ihn in der Patsche sitzen." (Sehr richtig! links.) Das ist eine leicht-

Ich wiederhole: Ich halte eine positive und wchlwhe, von Liebe zum Vatcrlande getragene Kritik für lehr angcbra*t sonlich bin ich der Kritik zugänglich, ich /a"n nnr em ^em ohne Kritik gar nickt vorstellen .Heiterkeit), ich weiß nicht, ob ich oas

alle zu nervös geworden, rechts und linlä. oben und unten. Zuruf- M

d"' So,-. Obco S1, mehr als <*una£

ÄJ®n UV

MWWEE-LZ naher, als in ucn letzten jagten.o? Kongreß, an die Samoa- mung iind Spannung nach demBerliner K 6 B damals

Z--s-ä«-»« tofm Situation würde h-tte loicht-r fern, wem, wrr nicht die überseeische Politik

inauguriert hätten. Die

lichn^VorÄsswht heute weniger Neigung zu einem Angriffe gegen uns vorhanden als >N O-st-rr-ich-Ungaru und ^lateu wu UMZMW

volles Tie Aufgabe unsrer Generation ist es, einerimro un,L wird. Daß diese Aufgabe nicht leicht ist, we'y tctner ociicx ich. Wir können uns mehreren Staaten ^Scwicker befinden. st aber noch lein Grund zum Verzagen. Bismarck und Mo^ke haben selbst ausgesprochen: »Ein tapferer Staat ruht sicher aus iirfi selbst" undEin großes Volk muß auf fede Lage gefaßt sein, ioba^ c3 jeber'Situation gut und entschlossen entgegen^en tarn.

mänch-kl" Ä bcM^\e^n ^bliötu^ gelanflen

sollte, daß manche llcbergangc nicht ohne Gefahr gewesen wai^n Daß eine "eit der Unruhen und Muhen hinter uns läge, und daß wir fetzt mit mehr Ruhe ins Weite blicken könnten. Die.e Hoffnung hat sich s. surs vXrÄ

tSi mtan Me SetoSfl« erregt hat. und w»» °uch

ÄS Welt eine ü-wisi-Unruhe nach taejg Vorsicht mahnt. Sorgen wir dafür, daß untere Machtmittel zu Master und zu Lande für unsere Verteidigung ausreichen vergessen vir lcker unsere wirtschaftlichen, konfessionellen und politischen Streitigkeiten n JnV hnV Interesse und die Wohlfahrt des Ganzen, und das deiitsche Volk wird seine Stellung in der Welt zu behaupten wissen.

Auf ^Antrag des Grafen Oriola (nl.) findet eine Be­sprechung der Interpellation statt.

Abg. von Vollmar (Soz.):

Brüher sagten die Nationalliberalen immer: über austEtigtz ^inge darf öffentlich nicht gesprochen werden; uiid fetzt ist auf einmal das Bedürfnis nach emer solchen Aussprache fo dringend g.morben, daß sie nicht einmal bis zur EtatSberattmg warten konitten Nun, uns kann das recht sein. Uns verschlagt es auch nichts, 'daß die Interpellation den Reichskanzler weder unvor» bereitet getroffen, noch ihm unervünscht kam. (Heiterkeit.) perx Bastermann bezog sich auf die Enthüllungen deS Fürsten Hohenlot^. Ta wird er hoffentlich sich auch das Urteil des Fürsten Hohenlohe über die Nationalliberalen merken. (Große _ ^eitertet) 2«tzt sind die Nationalliberalen aus ihrem Siebenschläferschlaf ausge- wackt. Herr Bassermann will seine Finger in die Wunden legen, die oas persönliche Regimem unS geschlagen. Da gibt es für feine Finger sehr viel zu tun. (Heiterkeit.) Der Reichskanzler hat. heute auch nicht so frisch-fröhlich gesprochen, wie sonst. Aber fein