Kruchten Klagen darüber, daß fte rndjt das leisten, toaS man Von Smen erwarten könnte, allmähliche verschwinden. Uebri- yens sobgt ja hier Deutschland nur dem Beispiel anderer Staaten, denn in den meisten anderen Ländern haben die Militärkapellmeister längst den Offizierrang.
Sattler +.
Berlin, 17. Juli. Gestern nachmittag sand auf dein Kirchhofe zu Lankwitz die Beisetzung des verstorbenen nationalliberalen Abg. Dr. Sattler statt. In dem Trauergefolge bemerkte man u. A. die Abg. Justizrat Dr. Krause, Dr. Jänicke, Landgerichtsrat Hagemann. Nach dem Prediger sprach der Abg. Ho brecht einige Abschiedsworte als Zeichen der Dankbarkeit. Die Reichstags- und Landtags- Fraktion hatten Kranzspenden gesandt, ebenso der nationalliberale Verein Stade und Handelsminister Möller. Seitens der Landtags-Fraktion wurde der Gattin des Verstorbenen in einem Schreiben ausgedräckt, was der Verstorbene hervorragendes geleistet, würde nie vergessen werden. Der Verlust werde besonders von der Landtags-Fraktion schwer empfunden.
Die Iürftin Wrede.
D.-B. Hd. meldet heute aus Berlin:
Die Untersuchung gegen die des Silberdiebstahls von ihrem entlassenen Diener Glase bezichtigte Fürstin Wrede nimmt ihren Fortgang, ohne daß bisher über ihre Zurechnungsfähigkeit ein abschließendes Urteil vorliegt. Der Untersuchungsrichter hat jetzt die gesetzlich vorgesehene, jeborh bisher wegen des leidenden Zustandes der Fürstin verschobenen Vernehmungen vorgenommen, um dem Gutachten der Gerichtsärzte die erforderliche formale Unterlage zu geben. Die ärztliche Begutachtung wird ihren Abschluß in einer Woche finden.
Die Vorliebe dieser Dame für fremdes Silber ist in dem Prozesse gegen den wegen Erpressung verurteilten Diener Glase aus einer krankhaften Veranlagung erklärt und die Kleptomanie in ein Sanatorium gesteckt worden. Wenn derartige Silberdiebstähle eine Person mit nur ein paar Tausend Mark Jahreseinkommen auSgeführt hätte, dann würde man fte, so meint ein Teil der Preße, doch wohl zuerst auf die Anklagebank geschleppt und erst nachher, ein entsprechendes Gutachten der Gerichtsärzte vorausgesetzt, in eine Nervenheilanstalt untergebracht haben. Allerdings ist eS sonderbar, daß eine noch adelige Dame mit ein paar Hunderttausend Mark Revenuen mittelmäßiges Tafelsilber aus Hotels entwendet, wo ste logiert, aber wer weiß denn, daß die Vermögensverhältnisse wirklich so glänzend find, wie angegeben wird? Man könnte die Stehlsucht der Fürstin sehr wohl auf eine gewisse geistige Störung zurückführen, wenn sie sich in der unrechtmäßigen Aneignung materiell oder künstlerisch besonders wertvoller Silberstücke gezeigt hätte; aber Durchlaucht , flaute* wie eine Elster einfach alles Silber, welches ihr unter die Finger kam. Deshalb erscheint es im Jnteresie der deutschen Rechtspflege notwendig, daß nicht nur der Diener, der seine ehemalige Herrin aus Rache über die mißlungene Erpressung denunziert hatte, seine Strafe bekommt, sondern auch der Fall der Fürstin Wrede in der vollen Oeffentlichkeit eines gerichtlichen Prozeßes klargestellt wird!
Die Gärung in Rußland.
Am Sonntag fanden in verschiedenen Teilen der ruß. Hauptstadt unter dem Einflüße deS Alkohols Ausschreitungen de§ PöbelS statt. Zwischen Revolutionären, Arbeitern und Anhängern der Ordnung kam es zu wiederholten Schießereien. Ferner wurden auch Kinder, die für feiernde Arbeiter Waren austrugen, von letzteren mit kochendem Wasser begossen. Eine große Anzahl Arbeiter, die dem Sarge eines erschoßenen Kollegen folgte, wurde durch Kosaken mit Peitschenhieben auseinander getrieben.
In Warschau wurde auf der Straße Rechtsanwalt Ma tusch eck von unbekannten Tätern durch mehrere Rc- volverschüffe getötet. Ferner wurden auf offener Straße am Sonntag nachmittag in Czenstochau zwei Po- lizeiwachtmeister von Sozialisten erschossen. Obwohl Kosaken die Straße sofort absperrten, sind die Täter unerkannt entkommen. Infolge des Bäckerstreiks in den Städten Sosnowice, Bendzin, Dombrowa und Sawierze sind alle Bäckereien geschloßen. Als in SoSnowice ein türkischer Bäcker seinen Laden öffnete, wurde er durch Revolverschüße schwer verletzt und nach Kattowitz ins Krankenhaus gebracht.
Ausland.
London, 16. Juli. In der Johunnisburger Presse vnrd Klage geführt über die barbarische Krie g- sührung gegen die aufständischen Zulukaffer n. Major Nikolai von der Transvaäter leichten Infanterie habe in einem an einen Freund in Johannisburg gerichteten Briefe erklärt, daß überhaupt kein Pardon gegeben !werde. „Loyal" gebliebene Eingeborene metzeln die Verwundeten nieder und schänden die Leichen. Truppen durchziehen das Aufstandsgebiet kreuz und quer, machen alle Eingeborenen, die sich zeigen, nieder kund äschern ihre Hütten ein.
— Unterhaus. Unterstaatssekretär Runeiman beantwortet die Frage betreffend den Besuch der 6 r it Flotte in den russischen Häfen wie folgt: Es ist Uns von feiten der russischen Regierung nahe gelegt worden, daß mit Rücksicht auf die politische Lage in Rußland das Erscheinen von Kriegsschiffen fremder Mächte in den russ. Häfen zu Agitationen und Zwischenfällen im Zusammenhang mit der inneren Lage.Rußlands Anstoß geben könnte. Deshalb ist der Beschluß gefaßt worden, daß die Kreuzfahrt nicht in der beabsichtigten Meise durchgeführt werden soll. Die Regierung bedauert sehr, daß der Besuch verschoben werden muß, umsomehr, als sich Schwierigkeiten ergeben wurden hinsichtlich der Umgestaltung des Planes für den übrig bleibenden Teil der Kreuzfahrt. 'Aus letzterem Grunde ist beschlossen worden, die geplante Kreuzfahrt mach der Ostsee ganz a u sz u g e b e n, au ch die Besuche in anderen Häfen.
— Im Parlament gelangte das Weißbuch über den türkisch-egyptischen Grenzstreit zur Verteilung. In einer Depesche nimmt Lord Eromer Bezug auf die Gefahr des Vordringens der türkischen Truppen nach dem Suezkanal. Der Schluß, der auf alle Fälle gezogen werden müsse, sei die stetige Vermehrung der britischen Besatzungstruppen auf Kosten des egyptischen Schatzamtes.
Paris, 16. Juli. Im heutigen Ministerrat mochte Kriegsminister Etienne die Mitteilung, daß Major Tr e y- fus dem 12. Artillerieregiment in Vincennes zugeteilt sei. .Brigadegeneral Picquart werde unverzüglich ein
Komwändo int Bezirk des Pariser M'il'itLrgouver-' nements erhalten.
Budapest, 16. Juli. Vier sozialistisch e Gefangene der Strafanstalt Vaez (Waizen) veranstalteten einen Hungerstreik und verweigern jede Nahrungs- aufiiahme. Die Ursache ist, daß der Anstaltsüirektor den Brief eines Gefangenen an ein sozialistisches Blatt inhibierte, in dem Beschwerden vorgebracht waren. Ter Direktor verwies auf die Vorschrift, nach der Beschwerden nur auf'Deschwerdebogen vorgebracht werden können, die binnen 48 Stunden dem Justizministerium unterbreitet werden. Die Gefangenen lehnten diese Beschwerdeform ab. Der Anstalts- arzt untersucht zweimal täglich den Gesundheitszustand der Hungernden, stellte aber bisher feine Schädigung fest.
Washington, 16. Juli. Nach einer Depesche des amerikanischen Geschäftsträgers in Honduras ist die Republik Honduras bereit, abzurüsten und den Konflikt mit Guatemala einem Schiedsgericht zu unterwerfen.
O sterb ay, 16. Juli. Tie Friedensverhandlungen zwischen Guatemala und San Salvador werden vom Präsidenten Roosevelt und dessen stellvertretendem Sekretär im Staatsdepartement, Bacon, eingeleitet._____________________________________________________
Aus Stadt und Lund.
Gießen, den 17. Juli 1906.
• • Die Witwe des Prinzen Heinrich von Hessen, Freifrau v. Dornberg, geb. Hrzic von TopnSka, vermählte sich gestern in Berchtesgaden mit dem Freiherrn Maximilian von BassuS.
* * Die Gemahlin des Landgrafen Chlodwig von Hessen-Philippstal-Barchfcld, geb. Prinzessin zu Solms-Hohensolms-Lich, wurde im Schloß Rotenburg a. d. Fulda von einem Prinzen entbunden.
* * Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer PH. Oswald zu Vöckelsbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dorn-Dürkheim, dem Lehrer Hch. Otto Krebs zu Armsheim eine Lehrerstellc an der Gemeindeschule zu Osthofen, dem Lehrer Pet. Heber er zu Rothenberg die Lehrerstelle an der evang. Schule zu Hirschhorn, dem Schul- amtSaspiranten Wilh. Buß aus Holzheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dornheim, dem Schulamtsaspiranten Friedr. Wilh. Held aus Nieder-Flörsheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Ofleiden. Bestätigt wurde der von dein Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich auf die Lehrerstelle an der Gcmeindeschule zu Ober-Bessingen präsentierte Schulamtsaspirant Hch. Ohly aus Holzheim im Kreise Gießen.
• • Einen ehrenvollen Nuf hat der Syndikus der Handelskaminer Gießen Dr. Knipp er erhalten. Er wurde zum Syndikus der Acltesten der Kaufmannschaft zu Berlin, welche Korporation eine der angesehensten kaufmännischen Berufsvertretungen Deutschlands ist, gewählt. Herr Dr. Knipp er wird dem Rufe Folge leisten und bereits am 1. September d. I. seine neue Stellung antreten. 9H§ sein Nachfolger wurde in der letzten Sitzung der Handelskammer der Sekretär der Offenbacher Handelskammer Dr. Wilhelm Zeidler gewählt.
* * Ungünstige Prüfungs-Ergebnisse. Die „Heß. Schulbl.* veröffentlichen einen Bericht über die ungünstigen Prüfungsergebniße für Schulamtsaspiranten und Aspirantinnen. Unter annähernd 100 Prüflingen haben nahezu 40 die Prüfung nicht bestanden.
** Wi e erhalten wir uns einen tüchtigen und leistungsfähigen Handlung sge hi lfen- stand? lieber diese Frage spricht heute abend im Kreis- fcerein Gießen des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen Herr Georg Liß kc aus Leipzig, worauf Interessenten hingewiesen seien. Ter Vortrag findet im .Hotel Schütz statt.
** Mittelrheinisches Kreisturnfest in Hanau. Bei sehr zahlreichem Besuch und allgemeiner Anteilnahme der Bürgerschaft verliefen die ersten Tage des mittelrheinischen Turnfestes in bester Weise. Der Begrüßungsfeier nm Samstag abend folgte am Sonntag vormittag zunächst das Vereinswetturn'en, an dem 152 Vereine mit gegen 2000 Turnern teilnahmen. Tie beste Leistung erzielte der Mtv. Wiesbaden mit 42,833 Punkten. U. a. erhielten Auszeichnungen 1. Klasse der Turnverein Butzbach und der Turnverein Herborn, Auszeichnungen 2. Klasse der Turnverein Gießen, der Turnverein Büdingen, der Turnverein Wetzlar, der Turnverein Braunfels, der Turnverein Bad-Nauheim, eine Auszeichnung 3. Klasse der M än n e r t ur n v e r e i n Gießen. Der Gau Helsen bot eine Sonderaufführung im Keulenschwingen. In dem Festzug am Sonntag mittag waren mehrere Hundert Turnvereine mit über 7000 Turnern vertreten, während an den sich anschließenden. allgemeinen Freiübungen etwa 1700 Turner teilnahmen. Am Turnen der älteren Turner nahmen etwa 160 Herren teil. Der Montag mar dem Einzelwetturnen gewidmet, während am heutigen Dienstag Wettfechten und Wettringen stattfindet.
" Eine Talsperre im Taunus. Wie dem „Frkf. G.-Anz." von sehr verläßlicher Seite mitgeteilt wird, dürfte dem preußische» Landtag in einer seiner nächsten Sessionen Vorlage über die Anlegung einer Talsperre im Taunus zugehen. Nach dem Vorschläge der Bczirksrcgierung zu Wies- baden, die daS Projekt bereits fertig ausgearbeitet haben soll, dürfte sie in der Nähe von Schmitten angelegt werden. Die Anlage soll zugleich zur Gewinnung von elektrischer Energie benutzt werden.
— Atzbach, 17. Juli. Hier wurde gestern eine 80- jährige Frau, die im Hofe saß, von einem 18 jährigen jungen Mann, der nach Spatzen schießen wollte, erschossen.
S. Mücke, 16. Juli. Annähernd fünf Jahre sind es, daß der in weiten Kreisen der Bevölkerung bekannt gewordene Herr Eise als Stationsvorsteher hierher kam. Nachdem vor einiger Zeit seine Ernennung zum Inspektor 2. Klasse erfolgt war, ist nun dieser Tage seine Versetzung an die Eisenbahn-Betriebs-Jnspektion Wetzlar bekannt geworden: allgemein wird es bedauert, daß der pflicht- getreue, zuvorkommende Beamte uns am 1. August verlassen wird.
f Aus dem Kreise Alsfeld, 16. Juli. Für das Eugen Richter-Denkmal wurden in Alsfeld 163 Mk. gesammelt. — In Nieder-Ohmen wird demnächst das alte Schul Haus, ein Eichenholz-Fachwerkbau, auf den Abbruch versteigert. — Infolge des gesteigerten Verkehrs auf der Bahnstrecke Gießen-Fulda wird auf dem Bahnhof Zell-Romrod ein Ueberholungsgleis hergestellt. — In Eudorf wurde Paul Hch. Korell zum Bürgermeister gewählt und bestätigt.
-r. Ehringshausen a. d. Dill, 16 Juli. Der hiesige Bergmannsverein, bem auch Bergleute von Werdorf und Verghausen angehören, feierte gestern und heute sein 16 jähriges Stiftungsfest. Zahlreiche Fahnen usw. riefen den um die Mittagszeit eintrefsenden Festgästen Willkommen zu. Infolge des prächtigen Wetters und des Umstandes, daß heute in der Nähe kein Fest gefeiert wird, war der auswärtige Besuch recht stark. Um Vs3 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug mit der Bergmannslapelle zum Festplatz. Landwirt Friedr. Will). Reiner- Werdorf hielt die Begrüßungs- und Festrede, naebbent der Vorsitzende des Bergmannsvereins Friedrich einige Worte an die Kameraden gerichtet hatte. Dem obersten Bergherrn, Prinz Friedrich zu Solms-Braunfels, ferner dem Fürsten zuSolms-Lich und unser in Reichstagsabgeordneten Krämer spricht Reiner seinen Dank aus für die hochherzigen Festgeschenke. Nachdem er sich über den Zweck des Bergmannsvereins verbreitet, beleuchtet er die gefahrvolle Arbeit des Bergmanns gegenüber der anderer Berufsklassen und über die Bedeutung des Bergbaues für Staat und wirtschaftliches Leben. Im Laufe des Nachmittags erschienen Landtagsabgeordneter Krämer und Landrat Dr. Sartorius auf dem Festplatz. Heute vormittag marschierten die Knappen unter Vorantritt der Kgl. Bergkapelle nach dem Fest- platz, wo der Generalsekretär der christl.-nationalen Bergarbeiter Deutschlands Franz Behrens-Eßen eine größere Rede hielt. Die Bedeutung deS Bergbaues und besonders seines ältesten Zweiges würdigte Behrens, indem er auf den Umfang der deutschen Montanindustrie, des deutschen Gewerbefleißes und des deutschen Welthandels hinwies. Die Bergleute seien die Pioniere der deutschen Sozialversicherung gewesen. Ihre Knappschafts-Kranken- und Pensionsvereine seien die Vorläufer und Bahnbrecher für die deutsche Arbeiternersicherimg gewesen. Sein Hoch galt dem deutschen Bergbau.
R. B. Darmstadt, 15. Juli. Bei der Gedächtnisfeier zu Ehren unserer hessischen Gefallenen vom Jahre 1866 ist mit großer Freude die Herzlichkeit und Innigkeit bemerkt worden, mit der die bayerischen Offiziere und Mannschaften und die Mitglieder der bayerischen Kriegervereine bestrebt waren, den hessischen Kameraden den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Ein besonders schönes Zeichen dieser Gesinnung gibt alljährlich namentlich das 2. bayerische Jägerbataitlon in Aschaffenburg, das nicht nur die Schmückung der Gräber in dankenswertester Weise unterstützt, sondern auch stets an den pietätvollen Handlungen der Heßen auf den Schlachtfeldern regen Anteil nimmt. Daß das Offizierkorps und die Bataillonsmusik an der Feier Anteil nahm, haben wir bereits berichtet. Nicht minder herzlich aber war das Entgegenkommen der Herren am Tage vorher in Aschaffenburg. Am Morgen deS 14. Juli, an welchem Tag vor 40 Jahren daselbst so viele Oesterreicher ihr Leben laßen mußten, hatten sich Deputationen der hiesigen Kriegervereine in Stärke von ca. 20 Mann nach Aschaffenburg begeben, um am dortigen Oesterreicher-Denkmal, das auf Veranlassung unseres GroßhherzogS mit prachtvollem Lorbeer- und Blumenschmuck versehen worden war, Erinnerungskränze der hessischen Kameradschaften niederzulegen. Die Herren wurden von dem Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Schuchacd, empfangen; unter Vorantritt der Musikkapelle bewegten sie sich dann in Begleitung der Offiziere, sowie eines Teiles der Unteroffiziere und Mannschaften zum Oesterreicher-Denkmal, woselbst Oberstleutnant Schuchard nach einer Ansprache auch namens des Jägerbataillons einen Lorbeerkranz niederlegte. Nach der Kranzniederlegung der Deputation schloß die Feier mit einem Choral der Musikkapelle. Dann begab sich der Zug zu den Massengräbern auf dem Friedhöfe, wo auch die Gräber der preußischen Offiziere und der dort gebetteten Hessen mit Lorbeerkränzen geschmückt wurden. Nach beendeter Gedächtnisfeier blieben die bayerischen und die hessischen Kameraden noch längere Zeit gesellig vereint. Bei dem großen Menschenandrang, der am Sonntag bei Laufach-Fronhofen herrschte, erwies sich auch die Darmstädter freiwillige Sanitätskolonne wieder als sehr nützlich. Die Kolonne hatte verschiedene sog. fliegende Lazarettzelte aufgeschlagen, in denen etwa Verunglückten sofort die erste sachgemäße Hilfe geleistet werden konnte. Tatsächlich ist auch ein Dutzend von Ohnmachtsfällen zu verzeichnen gewesen. Die Mannschaften der Kolonne griffen bei jedem Unfall sofort ein, sodaß keiner derselben von ernsteren Folgen begleitet war.
Mainz, 14. Juli. Die Straßenbahnverwaltung beschloß, zurVcrmeidung der Fahrkartensteuer vom 1. August ab die bisherigen Dutzendkarten ä, 1 Mk. abzu- chaffen und an ihrer Statt Halbdutzendkarten L 50 Pfg. einzuführen, die steuerfrei bleiben müßen.
Aus Rheinhessen, 16. Juli. Die erhöhten Bierpreise beginnen ihre Wirkung zu üben. In den Landgemeinden stellen die unabhängigen Wirte den Bier- bezng ein und verzapfen den Wein zu einem billigeren Preise (20 bis 25 Pfg.) als seither (30 bis 40 Pfg. den Schoppen). Um dies zu können, kaufen die Wirte direkt bei ben Winzern und den Winzergenoßenschaften; sie bezahlen hier 300 bis 350 Mk. für daS Stück (= 1200 Liter) Natur- mein, haben also beim Verkauf für 480 bis 600 Mk. immer noch einen schönen Gewinn.
Vermischtes.
* Ein dritter Raubanfall auf den Baderzug n a ch N o r d e r n e p. In der Eisenbahnraubaffäre Berlin-Norderney kommt aus Norderney die sensationelle Nachricht, daß auf eine in einem Frauenabteil dieses Schnellzuges allein reisende Dame in der Nacht ein drittes Attentat versucht worden sei, glücklicherweise ebne Erfolg. In der Nacht zum 2. Juli benutzte den Schnellzug eine Frau Dr. S. aus Berlin. Sie befand sich in dem Frauenabteil allein. Hinter Rathenow wurde plötzlich die Tür, die vom Mort in das Abteil führt, geöffnet, ein über mittelgroßer Mann trat ein und musterte, ohne ein Wort zu sprechen, die Dame und ifrr Gepäck. Rasch entschlossen, sprang Frau Dr. S. auf, trat dem Mann entgegen und forderte ihn zum ofortigen Verlaßen des Mteils auf. Der Mann ging in den! Wort zurück, aus dem dann ein Geräusch herausdrang. Kurz vor Stendal wurde der Zug auf freiem Felde zum Stehen gebracht, aber die Suche hatte keinen Erfolg.
* Der neue fte Eisenbahnunfall. Auf dem Westbahnhofe zu Wien entgleiste die Lokomottve eines ausfahrenden Personenzuges sowie einige nachfolgende Wagen. 5 Reisende wurden verletzt.
* Ein mißglücktes Attentat. Durch Befestigen einer eisernen Schwelle auf dem Gleise war auf den Nachtschnellzug Koblenz-Trier bei der Station Schweich ein verbrecherisches Attentat geplant. Durch die Aufmerksamkeit des Streckenwärters wurde der Zug rechtzeitig zum Halten gebracht, bis das Hindernis beseitigt war. Nach allgemeiner Annahme galt das Attentat dem Leben des Großfürsten Wladimir von Rußland. Der Großfürst war aber gewarnt und hatte einen vorher in Trier eiugetroffenen Personenzug benutzt. Vom Täter fehlt jede Spur. Großfürst Wladimir hatte sckwn in Homburg einen Drohbrief in russischer Sprache erhalten. Er wurde daher auf Anordnung des Regierungspräsidenten wahrend seines Aufenthaltes in Homburg beständig von Wiesbadener Geheimpolizisten bewacht.


