Ausgabe 
16.2.1906 Zweites Blatt
 
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öis Mk. 2.00, im Ganzen Mk. 37 696.25. Die Lokal- kommission machte eine Taxation auf, welche ohne die Bäume mit einem Gesamtwert von Mk. 77 738.90 abschloß. Der ProomzialauSschuß, vor dem die Sache zur Verhandlung steht, beauftragte eine auS vier Landwirten (u. a. Oekonomie- rc: Schlenke-Friedberg, Bürgermeister Leun-Großen-Linoen und Bürgermeister Schaum-Kiein-Linden), sowie dem Archi­tekten LomS Seulmg-Gießen bestehende Kommission mit der Abschätzung. Diese Herren taxierten das Gelände auf Dtk. 130 703.50 Pfg. ohne die darauf stehenden Bäume, die em kompetenter Sachverständiger auf 1000 Mk. bewertet hat. In Kreisen, welche den Wert von Grund und Boden in und um Gießen auch beurteilen können, schüttelt man zu der letzten Taxe allerdings den Kopf. Die Sache wird demnächst vor dem ProvinzialauSschuß zur Entscheidung gelangen.

** Gießener Kon zertverein. Wie unsere Leser wissen, wird in Dem am 18. d. M. stattfindenden 11. Orchester­abend als Sängerin QtL Katie von Roerdansz mitwirken. Das Auftreten dieser bei mis noch nicht bekannten Sängerin gewinnt verdoppelt an Reiz durch die ausgezeichnete Lieder- ausivahl, besonders aber dadurch, daß der Verein diesmal den seltenen Genuß von Gesängen mit Begleitung des Orchesters bieten wird. Nach uns vorliegenden kritischen Stimmen aus Berlin, BraunsclMeig, Hannover, Köln usw. dürfen wir uns aber von der Sängerin auch eine vorzügliche Dar­bietung der gewählten Gesänge erwarten. Man rühmt ihr eine schlackenlose, auch dem verwöhntesten Kenner inrponierende Ton­gebung, glockenreine Intonation, sympathische frische Stimmittel, wie vorzügliche Aussprache nach. Ganz besonders heben die Kritiken aber hervor, daß die «Längerin dabei auch allen An­forderungen an musikalische Auffassung und Gestaltung gerecht wird und einem feinen individuellen Empfinden Ausdruck zu verleihen versteht.

Die Eröffnung der neuen Bahnstrecke Gedern Hartmannshain Grebenhain soll am 1 Aprll stattfinden. An der Strecke, die die höchste Bahn des Vogelsberges und damit des ganzen HesienlandeS ist, wird jetzt nahezu bret Jahre gearbeitet.

Sein Maß. Bei einer kürzlich verhandelten Straf­sache wegen Brandstiftung fragte der Vorsitzende des Gerichts­hofes einen Zeugen nach einer gewissen Zeit, deren Fest­stellung für die Beurteilung des Falles von großer Bedeutung war. Der Zeuge wurde gefragt: r3tun, wie lange haben Sie sich denn da aufgehalten?* ,Ei no, so lang wie mer enn Schoppe Aeppelwei trinkt!" war die drastische Antwort. Obwohl der Gegenstand der Verhandlung recht bedauerlich war, konnte sich jedoch bei diesem Ausdruck des biederen Zeugen aus der Apfelweingegend auch der Gerichts­hof eines Lächelns nicht enthalten.

* Merkwürdige Eier. Ein Geflügelzüchter fand am Mittwoch in seinem Geflügelstalle ein Ei, das 77 Millimeter lang und nur 36 Mm. breit ist. Es handelt sich hier um ein Erstlingsei. Em Konditor fand beim Aufschlagen von Eiern ein solches, das drei kleine Dotter in sich barg. Ver­schiedene Gäste nahmen das merkwürdige Ei in Augenschein.

** Aesthetisch-Hygienisches. Von Damenhand geht uns nachstehende Zuschrift zu:

Mein Herr, Sie sind ein kolossaler Schweinigel!" Beinahe hätte ich mich gestern abend hinreißen lasten, dem Herrn . . . diese zwar nicht gerade parlamentarischen, aber aus einem ehrlichen Herzen kommenden Worte ins Gesicht zu schleudern. Da soll einem aber auch die Galle nicht steigen, wenn man sehen muß, in welch' unapperillicher Weise man in so einem Geschäft bedient wird. Merken Sie wohl auf, wie Herr. . . mir den verlangten Schinken gibt Dieser Gentleman befeuchtet zu­nächst den Zeigefinger der linken Hand mit dem Munde und holt sich ein Stück Einwickelpapier unter dem Laden­tisch hervor. Der mit Speichel befeuchtete Fänger läßt eine deutliche Spur auf dem Papier zurück. Dann schneidet Herr . . das mit einem Tuch von mehr als zweifelhafter Sauber­keit abgewischte Messer in der rechten Hand, vom Schinken ab und legt die einzelnen Stücke mit der linken Hand aufs Papier, berührt also jedes Stück F-leisch mit dem un­mittelbar zuvor zum Munde geführten Finger. Diese ganze Prozedur wäre schon dann ekelhaft genug, wenn die Benetzung des Fingers unterblieben wäre. Man besehe sich diese Hand! Ein unappetitliches Knochengerüste mit schwarz­geränderten Nägeln! Aber damit sind die Leiden eines einiger= maßen ästhetisch empfindenden und auf seine G e f u n b b e i t be­dachten Käufers noch lange nicht erschöpft. Herr. . . ist nämlich gleichzeitig auch sein eigener Kassierer. Die nämliche Hand, die im nächsten Moment feuchte Eßwaren berührt, nimmt von jedem Käufer Geld und gibt solches heraus. Und wie der Chef, so die Bedienung. Keines scheint auch nur entfernt eine Ahnung hu haben, wie ekelhaft und gesundheitswidrig sein Gebaren ist. Daß im Speichel, beispielsweise eines Lungen­kranken, sich Krankheitserreger befinden, daß Papiergeld und Münzen längst als gefährliche Krankheitsträger bekannt sind, ist doch nachgerade kein Geheimnis mehr! Unb Abhilfe loäre so einfach. Einwickelpapier ist, wenn man es nicht in Rollen hat, von wo es ohne die ekelhafte Leckerei leicht abreißbar ist, in Fächerform aufzuschichten, und die Waren sind nicht mit der bloßen Hand, sondern unter Benützung kleiner Gabeln auf­zulegen. So wenigstens kann man es in einigen Geschäften hier sehen, und solange Herr... es nicht anders macht, hat er man verzeihe das derbe Wort eine S . . bude. Es will uns scheinen, als ob die hier berührten Dinge wichtig genug wären, um die mit der öffentlichen Sorge um hygienische Fragen be- rrauten Faktoren zum Eingreifen zu bewegen.

Lang-Göns, 12. Fedr. Die in der vorigen Woche durch den Ortsvorstand und den Kriegerverein er­hobene Kollekte zur Unterstützung der in Südwestafrika kämpfenden deutschen Krieger ergab den namhaften Betrag von 185.70 Mk., welcher an den Vorsitzenden des Hassia-Verbandes zur Weiterbeförderung abgeliefert wurde. Es ist dieses gewiß ein schönes Zeichen der Opferwllllgkeit der hiesigen Gemeinde.

4~ Lang-GönS, 13. Febr. Arn Samstag und Sonn­tag veranstaltete der Turnverein Konzerte mit lebenden Bildern und Theater. An beiden Abenden war der Saal des GasthausesSchwanen" sehr gut besetzt. Bürgermeister Rompf hielt eine längere Ansprache über das Turnwesen. Er hob hervor, daß manchmal die Ansicht herrsche, auf dem Land brauche man lernen Turnverein. Das sei falfch, er rufe den Eltern zu, ihre Söhne zum Turnverein zu schicken. Die Hebungen seien gesund und wenn die jungen Leute ihrer Militärpflicht genügten, würden sie die Vorteile des Turnens schon merken. Der Redner erntete reichen Beifall.

)( Mainzlar, 12. Febr. Ter gestern abend in dem schön geschmückten Saale der Bingetschen Wirtschaft ab­gehaltene 1. Familienabend des evang. Kirchen- gesan gVereins verlies unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder sowie deren Angehörigen, Verwandten, Freunden und einiger eingetobener Gaste aufs schönste. Gegen 8 Uhr eröffnete der Vorsitzende Pfarrer Guß m an n- Kirchberg die Feier mit einer Begrüßungsansprache, woraus der Kirchengesangverein unter der tüchtigen Leitung seines Dirigenten, Lehrers Weisel, mehrere Proben seines

Könnens abgab, die bewiesen, daß der Verein, der erst wenige Jahve besteht, seinem Ziele, den kirchlichen Gesang zu pflegen und zu heben, nach Kräften nachkommt. Im Mittelpunkt der Feier stand der Vortrag von Pfarrer Guß- m a n n über das evangelische Kirchenlied. Redner legte in längeren Ausführungen die Entstehung des Kirchenliedes bar und führte an der Hand von Beispielen besonders dessen hohe Bedeutung für die gottesdienstliche und häus­liche Erbauung vor Augen. Um die Unterhaltung der An­wesenden durch Gesang- und Klaviervorträge machten sich mehrere Damen und Herren in dankensiverter Weise sehr verdient.

f Aus dem Lumdatal, 12. Febr. Ter Ausführung der von mehreren Gemeinden des Lumdatals projektierten Wasserleitung von Allendorf a. Lda. nach Lollar so4len in­sofern Schwierigkeiten entgegenstehen, als sich die betei­ligten Gemeinden mit der Gemeinde Allendorf a. Lda., der Besitzerin der Quellen, über den Preis der letzteren nicht einigen können.

Sch otten, 12. Febr. Ein seltenes Fest beging ver­gangenen Samstag abend die hiesige Firma A. Heß, Söhne, Zigarrenfabrik, mit ihrer Arbeiterschaft. 25 Jahre und zum Teil noch einige Jahre mehr, fino es her, daß Werkführer Tominicus Wagner, Sortierer Fr. Heyer, die Zigarrenarbeiter Joh. Neeb, Friede. Zimmermann, Ludw. Wagner, C. Albert, Fr. Neumann, Hch. Schauermaun, Wilh. Stete, Johs. Peiser, Heinr. Repp, Ludw. Mayer, C. Lucy, Hch. Zimmermann, sowie die Arbeiterinnen Elise Neeb, Marg. Zimmermann, Marg. Wagner, Karol. Stete, Käth. Gläsener, Kath. Konrad, Elise Repp und Luise Zimmermann bei der Firma ununterbrochen beschäftigt sind. Aus piesem Anlaß hatte die Firma ihre Arbeiter zu einer Jubiläums­feier in den ©aal ihrer Fabrik geladen, wobei sämtlichen Judilaren und Jubilarinnen außer einem finnigen Geschenk der Firma die Ehrenurkunde des Deutschen Tabakvereins überreicht wurde. (Schott. Kreisbl.)

Aus dem südlichen Vogelsberg, 15. Febr. Auf eine Anregung des LandtagSabg. Dr. Weber hin hat die Großh. Regierung die Prüfung der Frage vorgenommen, ob im Niddertal durch die Vereinigung von Hillers- und Nidder­bach eine zur Versorgung eines größeren Teils der Kreise Schotten und Büdingen mit elektrischer Energie ausreichende Wasserkraft vorhanden sei. DaS erste Ergebnis dieser Prüfung bildet ein Gutachten, dessen Inhalt folgender ist:

1. Die Leistung der Wasseckrast oberhalb Lißberg ist bei einem Gefälle von ca. 60 Meter für 7 Monate im Jahre auf 700 Pserde- frätte berechnet. 2. Für die Zeit des geringen Wasserstandes (ca. 5 Monate) ist ein Dampfreserve erforderlich, die durch Anlage eines kleinen Stauweihers erheblich nerbilliat werden kann. 3. Tie Kraft von 700 P. 8. reicht aus, um em Gebiet von 6 Stunden (30 Kilorn.) im Umkreis von Lißberg (also ca. 20 000 Seelen) mit Vicht und Kraft zu versorgen. 4. Folgende Haupllimen, welche die Elektrizität den einzelnen Wohnplätzen durch oberirdische Fern­leitungen zuführen sollen, sind in Aussicht genommen: 1. Lißberg - HirzenhainMerkenfritzGedernWenings3 Seemen-Volkarts- hani HartmannShain. 2. Lißberg Schwickartshausen Fauer­bachNiddaBad SalzhausenBorsdorfRodhennStemheim- Trais-HorloffInheidenHungen. Die Möglichkeit der Weiter- führunß dieser Linie bis Lich bleibt weiteren Erwägungen und Be­rechnungen Vorbehalten. 3. LißbergSchivickartshausen-Fauer­bachUnter-Schmitten. Hier teilt sich der Strom nach Eichels- dorf Rainrod Schotten Rudingshain und Ulrichstein, sowie UlfaGonterskirchenRuppertsburgLaubach. Tie Wetterführung bis Grünberg rft eoent. noch rentabel. 4. LißbergOrtenberg Selters, von dort Verzweigung nach BleichenbachWolfRohr­bachDüdelsheimBüdingen, StockheimGlauberg Ewheim LindheimAltenstadt, und RanstadtTaucrnheimBlo'eldEch­zellBerstadt. Sitz des Unternehmens würde die kleinste uitb ärmste oberhessische Stadt werden, nämlich Lißberg, in dessen Gemarkung die Wasserkraft zur Verfügung steht.

R. B. Darmstadt, 15. Februar. I. I. K. K. H. H. der Großherzog und die Großherzogin sind vom Kaiser eingeladen worden, an den Festlichkeiten zur silbernen Hochzeit de§ Kaiserpaares und den Vermählungsseier- lichkeiten des Prinzen Eitel Friedrich in Berlin teilzu­nehmen. Das Großherzogliche Paar hat die Einladung an­genommen und gedenkt, sich am 26. Februar nach Berlin zu begeben. Für nächsten SamStag hat der Großherzog alle Audienzen und Empfänge abgesagt. Samstag ist näinlich ein Jahr verflossen, seitdem Großfürst Sergius, der Schwager unseres Landesfürsten, dem Attentat eines Meuchelmörders zum Opfer fiel. Aus diesem Anlaß wird nm Samstag vor­mittag in der russischen Kapelle auf der Künstlerkolonie ein Trauergottesdienst stattsinden, an welchem das Groß­herzogliche Paar mit den hier weilenden fürstlichen Gästen, die Mitglieder der russischen Gesandtschaft, sowie die übrigen diplomatischen Vertreter am Hofe, die Minister und die Hof­chargen, und die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden teil­nehmen werden.

Darmstadt, 15. Febr. I. G. H. Prinzessin Ludwig von Battenberg nebst Prinzessin-Tochter Luise werden heute nachmittag zum Besuche der Großh. Herr­schaften hier eintreffen. Im Gefolge befindet sich Hofdame Miß Kerr. (Tarrnst. Ztg.)

sd. Darmstadt, 16. Febr. (Eig. Drahtber.) In der gestrigen Hauptversammlung des Verkehrs­oereins, der Geh. Kabmetsrat Röinheld, Ministerialrat Frhr. von Biegeleben und Oberregierungsrat Dr. Wagner beiwohnten, hielt Handelskammersyndikus Dr. Humann einen Vortrag über Kunst und Handelsgewerbe, in dem er u. a. mitieilte, daß die Stadt Darmstadt bereit sei, das auf 22 000 Mk. veranschlagte Ausstellungsgebäude der für 1907 in Darmstadt geplanten Landes-Ausstellung für freie und angewandte Kunst auf ihre Kosten zu er­richten. Der Grobherzog und die Großherzogin wohnten gestern abend dem Vortrag von Professor Thod e aus Heidelberg über die tragischeBühne von Bayreuth bei, den der Richard Wagner-Verein im großen Saal der Turngemeinde veranstaltete.

y Waldhos-ElgerShausen, 14. Febr. Die Orts­gruppe deS DürerbundeS zu Gießen veranstaltete gestern abend auf unserem Waldhof eine schöne verlaufene, gut be­suchte Gedächtnisfeier für Mozart.

z Aus dem Kreise Wetzlar, 14. Febr. In sämt- lichen Bürgernieistereiorten des Kreises Wetzlar befinden sich seit vorigem Jahr Nebenstellen der Kreissparkasse, die den Leitern der einzelnen Kommiinalkasscn unterstehen.

Würgendorf, 14. Fehr. Die Gewerkschaft Weißen­burg erhielt von der japanischen Regierung einen Probeauftrag auf 1000 Kisten Dynamit, die demnächst via Hamburg nach dem Bestimmungsorte abgehen.

(A. f. d. Dilli.)

Frankfurt, 15. Febr. Zu dem neuen Sonntags- ruhestatut für Frankfurt sind auf Grund des § 105 der Gewerbeordnung nun folgende Ausnahmen endgültig ge­nehmigt worden:

Die Beschädigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern ist an Sonn- und Feierlagen rote folgt zulässig: Für den Verkauf von Roheis in den Monaten vom 1. April bis 31. September an den Vormittagen von 6 bis 10 Uhr; für Bier in Gebinden und Mmerattvasser roährend derselben Stunden, mit Ausnahme des ersten Oster- und Pfingsttages, für fDlolleveipvoöufte ebenso (mit Aus,rahme des ersten Wethnachts-, Oster- uni) Pfingsttags), für Milch vormittags von 5 bis 10 Uhr und mittags von 12 bis 2 Uhr, für Fleisch- und Wurstroaren von 5 bis 10 Uhr, für Back- und Konditoreiroaren von 5 bis 10 Uhr, für Obst, Eier und Gemüse und sonstige sogenannte Vorkostroaren von 6 bi5 10 Uhr (mit Aus­nahme des erstell WelhnachkS-, Osler- und Pfingsttages), für frische Blumen von 8 bis 10 und von 12 bis 1 Uhr, (am ersten Weih- nachlS-, Osler- und Pfingsttag nur von 8 bis 10 Uhr vormittags), iüv die Zeilnngsexpeditton von 4 bis 9 Uhr vormttiags; für den Zeitungsverkauf von 12 bis 1 Uhr mittags. In allen diesen Fällen muß jedoch den Angestelllen entroeber an jedem drillen Sonntag eine volle 36 stündige Ruhezeit oder an jedem zroenen Sonntag eine solche mindestens von sechs Uhr oormittags bis sechs Uhr nachmittags gewähr! werden.

Diese Ausnahmen erlangen gleichzeitig mit dem Orts­statut Gültigkeit. (Frkf. Ztg.)

fc. Hanau, 14. Febr. Der wegen Goldhehlerei zu 21/» Jahren Zuchthaus verurteilte Goldarbeiter Diehl hat sich im Gefängnis erhängt. Jin Landkrankenhause ist gestern morgen der 18jährige Arbeiter Brand aus Vternes, der bet der Explosion in der Diefenbachschen Fabrik in Fechen­heim Verletzungen davongetragen hatte, gestorben.

Marburg, 15. Febr. Das vor bret Jahren inS Leben gerufene Institut einer Volksküche hat sich hier nicht bewährt. Für eine Unterstützung aus städtischen Mitteln hatte man in der heutigen Stadtoerordnetensitzung auch nichts übrig, weil es eben zwecklos erscheint und deshalb wird die Volksküche demnächst wieder ein gehen.

"Kleine Zeitteilungen aus H e s je n und den Nachbarstaaten. In Vilbel beging der in weiten Kreisen bekannte KreiS-Pfandinelster Herget die Feier seines 25 jährigen Dienstiuoiläums. In Frankfurt a. M., wurde unter dem Verdient, den Tod seines9 Monatealten Kinde s^durch fortgesetzte Mißhandlungen verschuldet zu haben, der Schu^ maaier Berg verhaftet. Ein reicher Kindersegen ist einer Familie in Heusenstamm beschieden, der vor kurzem das 25. Kind geboren wurde. Es waren insgesamt 17 ftnuoen uns 8 Mädchen, die aber nicht mehr alle am ^Leben sind. In Frankfurt a. M. brach im Seiden- und Spitzeit^cscyäst von, Pöschel nach GescbäftMchll.ß ein großer Brand aus. Dev Schwöen beirägt 36 000 Mark.

Automobilomnibus.

Neulich war an dieser Stelle Oie Rede von der beab* sichtigten Errichtung einer elektrischen Straßen­bahn in Gießen. Ich bezweifle die Rentabilität einer solchen und empfehle dagegen die Einführung von Auto­mobilomnibussen.

Tie heutige Technik liefert gummibereifte Fahrzeuge von absoluter Betriebssicherheit, die 3040 Personen mit einer Geschwindigkeit von 2530 Kilometern per Stunde befördern können. Ein großer moderner AutoomnibuS kostet 2025 000 Mk. Und so laßt sich eine nicht ungünstige Betriebsberechnung für einen geregelten Automobilomnibus- Berkehr ausstellen. Tie Vollgummibereifung kostet etwaj 2000 Mk. und dauert 20000 Km. aus. Auf das gefahrene Kilometer ist also eine Gummiabnutzung von zirka 10 Pfg. zu rechnen. Der Benzinverbrauch wird für einen 25pserd. Motor pro Stunde mit 7,5 Kgr. angenommen. Ta das Kilo Benzin 40 Pfg. kostet, verbraucht eine Stunde mit 20 Km. Fahrweg für 3 Mk., das Kilometer also 15 Pfg. Verzinsung und Amortisation des Wagens wollen wir ganz ungünstig berechnen; er soll in vier Jahren amortisiert feilt. Bei einer Fahrleistung von jährlich 3000 Stunden ergibt die Zins- und Amortisationsberechnung pro Kilo­meter 10 Psg. Setzt man noch für Schmieröl, Reparaturen und Führer gestalt pro Kilometer 5 Psg. ein, so stellen sich die gesamten Betriebskosten für das Km. auf 40 Pfg. Für etwaige schlechte Zufälle möge der Betrag in Rechnung gesetzt werden, den nach vier Jahren der Verkauf des völlig amortisierten Wagens ergibt. Erwägt man nun, daß viele Personen den Wagen nur auf kurze Strecken benutzen, daß also auf sog. rentablen Linien ein reger Wechsel stattfindet, so wird sich für die 5 Km. lange Strecke der Zehnpfennig­tarif ermöglichen lassen.

Tas Aussehen eines großen Automostilomnibus ist nicht ungefällig. Er besteht aus zwei Teilen, dem Personen­wagen, der dem bekannten Straßenbahnwagen durchaus! ähnelt, und davor dem sargahnlichen Motorkasten, unter dessen Vorderspitze die Vorderräoer untergebracht sind. Teck­sitze können leicht eingebaut werden und sind durch eine Wendeltreppe vom Hinterperron bequem zu erreichen. Sie werden mit Vorteil verwendet werden, wenn sich der Ver­kehr zu bestimmten Tageszeiten unangenehm häuft. stck.

Vermischtes.

Untei den Vorfahren der Braut des Königs von Spanien, der Prinzessin Ena von Battenberg, befindet sich auch em Jude. In den Tiensten der Land- gräfin von Hessen war ein jüdischer Offizier Namens Haucke, der seine Fürstin nach Rußland an den Hof Katharinas II. begleitete. Er heiratete eine Zofe der Landgräfin, Namens Käthel der Familienname dieser Stammmutter der künftigen Königsbaurbonen ist leider nicht überliefert und trat auf Wunsch der Landgräfin zum Protestantismus über. Der Sohn aus dieser Ehe ist der hessische Staatsminister Haucke, der 1829 den polnischen Grasentitel erhielt. Er heiratete die Tochter deS Pfarrers Schweppenhäüfer aus Gr.-Rechtenbach bei Wetzlar und die aus dieser Ehe stammenden Kinder waren Gespielen der Fürstenkmder am Darmstädter Hof. Erne der Töchter wurde die Gemahlin des Prinzen Alexander von Hessen und Stammmutter der Batten- bcrgec.

* Die Hungersnot in Andalusien (Spanien) nimmt immer größere Ausdehnung an. In zahlreichen Ortschaften »urdpn Die Bewohner ausgeplün dert, die Farmen niibergebrannt. In anderen Orten konnten die Bäcker rein Brot backen, da ihnen alles geraubt wurde. Tie Polizei mußte die MarkÜhalten durch starke Aufgebote schützen. In Eciec bemächclgte sich eine Lande einer Herde Schafe, tötete und verzehrte sie. In einem anderen Ort verkaufte eine Mutter ihr Kind an Zigeuner, um sich Geld zu verschaffen zum Kauf von Nahrungsmitteln. Die Großmutter kaufte das Kind zurück.

* Kleine Tageschronik. In Schönwald bei Glei- witz wurde derGemeindedienerZap von feiner Frau im Streit mit einem Kärtosfelstampfer erschlagen; die F-rav