Ausgabe 
16.2.1906 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen

die hessischen Truppen beseelte.

(Naebdrnck verboten.)

Redaktion, Expedition u. Druckerei; ©rfjufftr

Tel. Nr. 6L ieleot^SWx.. iln^cigei Sieges.

2. Kammer hat unternommen, um

Braun genehmigt.

* Der Finanzausschuß der heute einen Ausflug nach Kailbach i. O.

eurem neuen Angriffe auf die Foklvrei vor. ,Jn den Lagern der Rebellen herrscht regeS Leben, da El Roghi seinen An- hängern den Befehl (ttn'farn W, r-rfr um ^'da sammeln.

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sich über die Frage der Notwendigkeit der Errichtung von Gendarmenwohnungen durch Augenschein zu überzeugen. Wie linserem gestrigen Bericht ergänzend nachgetragen sei, hat der Ausschuß den angeforderten Betrag für den Erweiterungsbau des Amtsgerichtsgebäudes zu Nidda nur einst­weilen zurückgestellt, weil die Regierung sich noch erst über verschiedene Abänderungsvorschläge schlüssig machen will. Den Neubau eines Gebäudes für den Bezirkskassier zu Oppenheim hat der Ausschuß genehmigt, nachdem sich die Gemeinde bereit erklärt hat, für den Geländeerwerb einen Zuschuß von 2500 Mk. zu bewilligen.

** Diesteigende Tendenz der Schweinepreise veranlaßte die hiesige Metzgerinnung, sich um andere Bezugs­quellen umzutun. In einer am Mittwoch abgehaltenen Be- 'prechung wurde beschlossen, geschlachtete Schweine au8 Holland zu beziehen. Nach Erkundigungen sind die dortigen Schweine denen aus unserer Gegend an Qualität gleich, im Preis dagegen erheblich billiger. Die erste Sen­dung wird voraussichtlich Montag in 8 Tagen eintrcffen.

** Silberne Hochzeit feiern heute die Eheleute Jo­hanne? Magel hier.

Eine interessante Geländetaxation ist im Laufe des bereits längere Zeit anhängigen Verfahrens zur Enteignung des Terrains für die Klärbecken- anlage der Stadt Gießen erfolgt. Es handelt sich um Gelände, das in der Hauptsache bisher für landwirtschaftliche Zwecke benutzt wurde und seiner ganzen Lage nach außer der Möglichkeit einer Bebauung liegt. Die Stadt bot dafür, so­weit es sich um Acker- und Wiesenland dreht, pro Quadrat­meter 3050 Dfg., für gärtnerisch benutzte Flächen Mk. 1.50

Airche und Schule.

Ein Wort zum konfessionellen Frieden." Das Bedürfnis nach größerem kousesionellen Frieden hatte im Frühjahr 1905 eine Vereinigung von katholischen und evange­lischen Männern veranlaßt, einen Preis von 600 Mk. auszu- setzen für die beste wissenschaftliche Behandlung bezw. Wider­legung einer Reihe von Bedenken, die int Interesse des konfessio­nellen Friedens vielfach gerade von katholischer Seite gegen den Ultranrontanismus erhoben werden. Bearbeitungen des The­mas sind nicht eingegangen, so daß diese Verewigung von Friedensfreunden den Preis auf 1000 Mark erhöhte. Das Gute hat aber dieses Preisausschreiben schon gewirkt, daß über die in ihm enthaltenen Gedanken zur Förderung des konfessionellen Friedens in der Presse eine Anzahl beachtenswerter stimmen laut wurde. Diese -Stimmen hat nun der Bonner Universitäts­professor Dr. Leopold G o e k gesammelt. Er bietet sie mit jenem Preisausschreiben vereint nt einer Broschüre:Em Wort

Aus SiaOt uno Land.

Gießen, den 16. Februar.

"In Audienz empfangen wurden am Mittwoch von S. K. H. dem Groß Herzog u. a. Rechtsanwalt Stahl, Bürgermeister Dr. Kaiser und Dr. Hirsch von Bad-Nauheim und Direktor der Taubstummcn-Anstalt in Friedberg Wodaege.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog heben den Amtsrichter beim Amtsgericht Höchst Ernst Aug. Hirsch zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen und den Gerichtsassessor Adolf Meyer aus Bünde zum Amts­richter bei dem Amtsgericht Höchst ernannt. Dem Forst- wart der Kontmunalforstwartei Schadenbacher Wäldchen, Heinrich Kirch zu Schadenbach wurde auS Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand der Charakter alsFörster* verliehen.

Neuer Bundesratsbevollmächtigter. Der seith. stellvertr. Bevollmächtigte zum Bundesrat Staatsminister Ewald wurde zum Bevollmächtigten zum Bundesrat er­nannt und die Erteilung des Kommissoriums als stellvertr. Bevollmächtigter zum Bundesrat an Ministerialpräsident

Vom österreichischen Heere.

W ien, 15. Febr. In der heutigen Sitzung de§ Abgeord­netenhauses wies der Landeövcrteidigungsrninister die An- grissc einiger Blätter gegen die Armee zurück, welche zu einen gefährlichen Schädigung der Monarchie führen könn­ten, nämlich zu dem Zweifel der Ebenbürtigkeit mit einem möglichen Gegner. Alle Staaten haben bereits! neue Geschütze. Wir haben eine bisher nicht liguid gewordene Eeldforderung. Wir haben auch keine Rekruten, selbst wenn wir Geschütze hätten. Die Marine befinde sich in der gleichen Lage, um un5 herum aber wird überall an den Flotten gearbeitet. Er wolle kein Beispiel anführen, setzte der Minister hinzu, sonst heiße es gleich, er rede für einen st'rieg, während er nur füp Kriegbereitschaft sprech«. Die Marine befände sich geradezu in vernachlässigtem Zustande, da der ansgezetch- ncte Flottenplan mangels der erforderlichen Mtttel nicht zur Ausführung gelangen könne. Ihm sei schon aus nicht militäri- schem Kreisen die Anregung zugegangen, die Küstenverteidigung Dalmatiens durch eine Kreuzerjlotte auS Handelsschiffen zu ver­stärken. Dos seien Zustände, die auf den Geist der Armee zurück^ wirken und den Offizieren die Sieges; u verficht ne h- men können. Deshalb halte er die Lösung der Artilleriefrage und der Marinefrage für eine der dringendsten.

Graf S t u e r g k h erklärte: Angesichts der bedauerlichen! Rückständigkeit des Heeres und der Ausrüstung scheine die öftere. Hälfte des Reiches um so dringender verpflichtet, für eine un­gestörte Ergänzung des Heeres Sorge zu tragen. Die Haltung des verfassungstreuen Großgrundbesitzes könne dadurch nicht be­einflußt werden, daß die Rekrutenvorlage von einer Negierung einaebracht worden sei, deren politische Richtung der Partei entschieden Mißtrauen erwecken müsse.

Das Haus nahm schließlich die RekrutenkontingentSvorlag« in allen Lesungen an.

ganger, 15. Febr. Wie mitgeteilt wird, hatte Ende Ja­nuar der F r a n z o s e S a y in Gemeinschaft mit mehreren Lands­leuten eine Unterredung mit dem Prätendenten. Say soll sich bereit erklärt haben, dem Prätenoenten eine Million Frames vorzu schießen und 70 000 Ge we hre nebst Munition zu liefern als Entgeld für eine Konzession, welche die g a it z e K ü st e z ld i s ch e n M e l i l l a und der a l g e r. Grenze^mit dem dazu gehörigen Hinterlande umfassen ivürde. Say befindet sich augenblicklich in Paris, wo er be­schäftigt ist, die nötigen Gelder zusammen zu bringen, während seine Freunde am Lager des Prätendenten verblieben sind. Sie 'lvirken auf den Prätendenten ein, damit dieser unverzüglich mach Empfang des Geldes und der Waffen gegen Fez vordringe.

London, 15. Febr. Der Berliner Korrespondent der Datly Mail behauptet sehr kühn, daß Deutschland die Ueber- Loachung desGebietes in derUntgebungvonEeuta verlangt. Der Zweck dieser deutschen Forderung fei, eine Art deutschen Gibraltar auf der afrikanischen (Seite der Meercsenge zu begründen und dadurch die strategische Bedeut- uurg des eigentlichen Gibraltar zu vermindern.

Melilla, 15. Febr. Der KreuzerEstremadura" und ,,Jnfanta Isabel" sind in den Gewässern von Mar Chico ein» getroffen, Der marokkanische DampferTurki" berettet sich zu

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Aas Algeciras.

Wenn den Telegrammen ans der span. Hafenstadt zu tiauen ist, haben sich die Wogen wieder etwas geglättet. Schlagt doch selbst die französische Presse wieder einen etwas weniger kriegerischen Ton an. Es mag auf die Haltung Frank- reichs auch nicht ohne Einfluß geblieben sein, daß dieNordd. Allg. Ztg/, das anerkannte Organ deS Auswärtigen Amtes in Berlin, mit aller Entschiedenheit den deutschen Standpunkt wahrte, und von französ. .Bluffs sprach. Diele sehr deutliche Sprache hat in Paris einigermaßen verblüfft. Der offiziöse ^TempS* erklärt zwar trotzdem nochmals, Frankreich halte an seinem Standpunkte in der Polizeifrage fest. Tas Blatt sagt, wenn cS schon die courtoisievollen Ausführungen mehrerer deutscher Blätter nicht von seinen Ansichten abzu­bringen vermöchten, so könne die grobe Polemik derNordd. Allg. Ztg." nur dazu dienen, eS in diesen Ansichten zu be­stärken. Anderseits ist indes davon die Rede, daß die fran­zösische Regierung von ihrer Forderung bezüglich der Polizei einiges nachlassen will. Vielleicht ist eS dann nicht so unmöglich ins Reine zu kommen, wie daß in den letzten Tagen schien.

Der öfter offiziösenKöln. Ztg/ zufolge entwickelte der deutsche Botschafter v. Radowitz in seiner Unterredung mit dem französ. Delegierten Revoil tatsächlich die Ansichten der deutschen NeichSregzerung über die Gestaltung der Polizei­gewalt in Marokko und versetzte Revoil in die Lage, seine Regierung ganz genau über die Wünsche Deutsch­lands aufzuklären. Hierdurch werde die französische Beschuldigung, Deutschland bringe durch sein Hinzögern die Verhandlungen der Konferenz ins Stocken, zunichte gemacht.

Ter von Deutschland in der Polizeisrage gemachte Vor­schlag enthält nicht die distriktSweife Ordnung der Polizei­srage, sondern läuft auf eine andere Lösung hinaus, deren Einzelheiten, wie heute verkündet wird, noch nicht für die Veröffentlichung reif sind, weil die Unterhandlungen vorläufig vertraulich sind.

AuS Algeciras meldet heute derMatin*; DaS Gerücht, wonach der amerikanische Delegierte White die Ver­mittlerrolle zwischen Frankreich und Deutschland zwecks Herbeiführung einer Verständigung übernommen habe, wird von White selbst in Abrede gestellt.

Nicht uninteressant ist die Meldung, daß der Vertreter Frankreichs in Tanger, Taillandier, demnächst von s. innn Schauplatz abberufen werden soll. Taillandier soll mit dem Grafen Tattenbach eine Zusammenkunft ge­habt haben, ohne vorher in Paris sich entsprechende Weisun­gen geholt zu haben. Das klingt ja nun allerdings nicht gc-. de besonders deutschfreundlich, aber es ist merkwürdig, daß eine Konferenz stattgefunden haben soll, die doch von Bedeutung geroefey. wäre, ohne daß die findigen Preßver- tretcr in Algeciras davon Wind bekommen hätten. Tie Meldung ist ganz neu; von einer Zusammenkunft des Grafen Tattenbach mit Taillandier ist bisher nicht das mindeste bekannt gewesen und wir können auch nicht recht daran glauben. Wenn die" Abberufung des Gesandten erfolgt, so wird diese Slbbcrujung wahrscheinlich einen ganz anderen Grund haben, als den genannten. Und wie sie zu deuten ist, das muß abgewartet werden.

Auf ein auffälliges Moment ist bisher kaum hin- gewiesen worden: auf die reservierte Haltung der Türkei. Sie hätte, obschon in Algeciras nicht vertreten, alle Veranlassung, sich an die Seite Deutschlanos zu stellen, denn die Bemühungen Frankreichs und der ihm nahestehen­den Mächte, mit der Marokko frage Probleme der Mittel- meerpolitik in Verbindung zu bringen, richten sich ebenso gegen die Türkei wie gegen Deutschland. Die Staatsmänner am goldenen Horn können nicht mehr in Zweifel sein, daß die Konferenz in Algeciras eine über Marokko hinausgehende Bedeutung für Macht- und Hoheitsfragen an den Küsten des Mittelmeers hat. Gelangt das von Deutschland ver­tretene Prinzip in der Konferenz nicht zur vollen Geltung, dann rückt die Wahrscheinlichkeit derJtalisierung" von Tripolis für die Pforte in bedrohliche Nähe, trotz der einstweilen der Pforte von Rom aus erteilten Versicherungen. Denn den Rouvier in Algeciras erwiesenen Freundschafts­dienst Italiens würde die Republik alsbald erwidern durch Unterstützung der französischen Vorrechtsansprüche auf Tri­polis. Deshalb müßte die Türkei im eigensten Interesse Die deutschen Forderungen in der Marokkosrage auf diplo­matischem Wege unterstützen.

Interessant ist, daß die Jungtschechcu im österr. A bgeordnetenhause eine Interpellation ein­aebracht haben, in der eine authentische Interpretation des Artikels 2 des Bündnisvertrages zwischen Oesterreich- Ungarn und Deutschland mit Bezug auf eventuelle in der Marokkosrage sich ergebende Komplikationen verlangt und ferner gefragt wird, welche Instruktionen die österreichisch- ungarischen Delegierten für die Konferenz erhalten haben.

8um konfessionellen Frieden" (Bonn, Georgi 80 Pf.). An diese Publik lion knüpft Goetz die Bitte:daß die folgende Ver­öffentlichung in ihrer Bedeutung für die gute Sache des Friedens unter den Konfessionen Würdigung finden möge, daß ernste Männer aus allen Lagern erneut die da ausgesprochenen Ge­danken erwägen und in der Tagespreise wie in Zeitschriften, behandeln mögen." AIS Forscher, der sich möglichster Objektivität befleißigt, erklärt aber Goetz weiterhin, es sei klar,daß gegen­über den in den Preuß. Jahrbüchern von Protestanten und freier gesinnten Katholiken geäußerten Bedenken auf katholischer Seite ..umgekehrte Bedenken und Beschwerden" (..Köln. Bolksztg." 1905 Nr. 465, 6. Jnni) vorgebracht werden können, deren Be­seitigung im Interesse des F-ricdens liegt." Auch diese Bedenken will Goetz beh-ndclt wissen und sagt:Ich würde nun der Letzte fein, der nicht auch eine ruhige, streng sachliche Würdigung solcher ernster, in angemessener Form und im Interesse des Friedens vvrgebrachter Gegen bedenken wünschte und nach Möglich­keit förderte."Das schließt nicht aus, daß zunächst die bereit- in denPreuß. Jahrbüchern" vorgebrachten Bedenken in wissen­schaftlicher d. h. objektiver Weise untersucht und erledigt iverben."1 Wir können uns dem von Goetz vorgcbrachten Wunsch nur an­schließen und hoffen, wie Goetz in einem Nachworte nochmals betont,daß diese Veröffentlichung zu erneuter, nröglichst tief­gehender, ruhig sachlicher Erörterung der zur Behandlung stehen­den Fragen führen möge. Allseitiger ernster Erwägung ist der Gegenst-md wohl wert"

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Nr. 40 Zweites Blatt 156. Jahrgang Freitag 16. Februar 1906

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poliHfcbe Tagesschau.

Gründungen tu Italien.

In einem Mailänder Briefe der .Nationalztg.^ werden interessante Einzelheiten veröffentlicht über den Aufschwung der italienischen Industrie. ES ist auch ausländisches Kavital daran beteiligt, sogar englisches, daS bishor von Unternehmungen in Italien zurückgehalten wurde. Man fühlt sich um fo mehr versucht, das mit der Politik in Verbindung au bringen, als einer Beteiligung deutschen Kapitals an den wirtschaftlichen und kommerziellen Neugründungen nicht Erwähnung getan wird. Die wenig freundliche Haltung eine? großen Teiles der italienischen Presse gegenüber Deutschland macht das am Ende erklär­lich, aber die deutschen Gesellschaften werden sich zu trösten ivissen, denn es ist eine eigene Sache um kaufmännische Unter­nehmungen mit politischem Hintergrund. Vor vier Jahren entfesselte die neugebackene italienisch-französische Freundschaft ein ähnliches Gründungsfieber, aber die Geschichte endete mit einem großen Krach, bei dem viele Millionen verloren gingen. Sehr verlockend ist also an sich die Sache nicht.

Die neuesten Verluste in Südweftafrika.

Ein Telegramm aus Windbnk meldet: Am 7. Februar sind im Patrouillengcfecht bei Eendeern gefallen: LeutnantErichBeuder, geb. 15. April 1877 zu Voerde, Gefreiter Walter von Tanten, Reiter Felix Feldmeier. Ver­wundet Reiter Karl Gerold. Ferner Gefreiter Andreas Pfeifer an der Ruhr gestorben.___________________________

Rußland.

Die Kvmmission, die unter Vorsitz deS Reichsrats Go­lubew zur Untersuchung der durch revolutionäre Bauern zerstörten Güter im Innern des Reiches eingesetzt ist, hat zahlreiches Material gesammelt. Der Schaden beträgt 34 Millionen Rubel. Die Kommission schlägt auf Antrag der Geschädigten um Schadenersatz vor, ihnen Darlehen gegen geringe Zinsen auf längere Zeit zu ge­währen, während einige Mitglieder der Kommission un­bedingt für volle Entschädigung in bar plädieren.

Graf Witte sieht die Einberufung der Reichsduma bis Mitte Mai mit Bestimmtheit voraus. Bis dahin werden von ihm keine weiteren Verwickelungen befürchtet, welche die Einberufung verhindern können. Im April soll der Reichsrat seine neue Gestalt als Oberhaus erhalten.

Die Klagen aus dem Innern Rußlands über die Hungersnot mehren sich täglich. Die ursprünglich an­gewiesenen Mittel zur Linderung des Elends der Land­bevölkerung baben sich längst als zu klein erwiesen. Infolge­dessen sind oer Verpflegungskommission unter Vorsitz des Gehilfen des Ministers des Innern Watatzi neue Geldmittel angewiesen worden.

In Riga versuchte ein Schüler des Alexanderaym- nasiums, mit einem Dolche denDirektor zu ermorden Ter Anschlag mißlang. Der Täter wurde verhaftet. Tie Polizei entdeckte in dem Keller eines 5?auses im Zenttum der Stadt 14 Bomben, von denen acht gefüllt und sechs leer waren.

Heer und Flotte.

Hessische Truppen haben im letzten Jahrhundert auf den verschiedensten Schlachtfeldern Europas im Kampfe gestanden. War ihnen das Schlachtenglück auch nicht immer hold, so haben sie doch fast durchweg ihre Fahnen und Feldzeichen zu retten gewußt. Und wo letzteres zur Un­möglichkeit wurde, hat man jene in ehrenvollster Weise ver­loren. So geriet bei der Einnahme von Aderklaa (Schlacht bei Wagram, 6. Juli 1809) die Fahne der 8. Kompagnie des 2. Bataillons des RegimentsLandgraf" (Stammtruppe deS jetzigen Jnfanterie-Leibregiments Großherzogin Nr. 117 nach heldenmütiger Verteidigung durch Major Scharnhorst und Fahnenträger Borfemann, welche beide dabei fielen, in Fei ndes band. Ueber daS weitere Schicksal der Fahne ist nichts näheres bekannt. Eine andere Fahne desselben Ba­taillons wurde bei Krasnoi am 17. November 1812 zer­schmettert, sie wurde jedoch gerettet und steht, durch einen silbernen Ring verbunden, jetzt in der Generaladjutantur zu Darmstadt. Zwei Fahnen des Musk.-Bataillons der Brigade Erbprinz" (jetzt Großh. Hessisches Jnfant.-Reg. Nr. 118) befinden sich im Fahnensaal zu Greenwich; sie gingen bei der Kapitulation von Badajoz (Spanien) am 6. April 1812 an die Engländer verloren. Die beiden Fahnen des 1. Ba­taillons des RegimentsLandgraf* wurden bei Leipzig von ihren Trägern bis auf die Spitze vernichtet, um sie nicht in die Hände der Verbündeten fallen zu lassen. Sonst haben die hessischen Regimenter niemals, auch nicht bei der entsetz­lichen Deroute derGroßen Armee" in Rußland 1812/13, den Verlust von Fahnen und Standarten zu beklagen ge­habt. Ein Beweis, wie sehr Mut, Ehrgefühl und Tapferkeit