Volkes sich zu eigen zu machen, und zwar um so schneller und leichter, als sie ja einem alten hessischen Fürstengeschlechte entstammt, einer Familie, die trotz ihres hohen Ranges sich zu allen Zeiten mit dem Volke eins gefühlt hat. Viele treue Hesienherzcn werden heute mit den besten Segenswünschen des hohen Geburtstagskindes gedenken, vor allein die zahlreichen Armen und Kranken, denen sie mit werktätiger Hilfe zur Seite stand. Möge das neue Lebensjahr unserer Großherzogin recht segensreich und glücklich sich gestalten. —Aus Anlaß des Geburtstagfestes haben die öffentlichen Gebäude Flaggenschmuck angelegt, die staatlichen Bureaus sind geschloffen und die Schulkinder haben einen freien Tag.
•* Kirchenrat Dr. Naumann, unser erster Stadtpfarrer, tritt am 1. November in den Ruhestand. S. K. H. der Großherzog hat seinem Gesuche um Pensionierung entsprochen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. Dieser Anerkennung wird sich die evangelische Bevölkerung Gießens wohl ausnahmslos anschließen, denn Kirchenrat Dr. Naumann hat in seiner langjährigen hiesigen Tätigkeit sein Seelsorqeramt mit Treue, Liebe und Gewiffcnhaftigkcit versehen. Hoffentlich ist es ihm vergönnt, noch recht lange Jahre in Frische und Gesundheit sich der wohlverdienten Ruhe erfreuen zu können.
*♦ Personalien. S. K. H'. der Großherzog haben dem Pfarrer Ernst Kehr zu Romrod die evang. Pfarrstelle zu Eich übertragen und den Oberförster der Oberförstcrei Schaafheim, Forstmeister Ludw. Block zu Babenhausen in gleicher Diensteigenschaft an die Oberförsterei Offenbach versetzt. Üebertragen wurden den Lehrern Hch. Sinn zu Hornbach und Friedr. Schmidt zu Nordheiin Lehrcrstellen an der Gemeindcschule zu Zwingenberg. Ernannt wurde der Vizefeldwebel und Hoboist im Infanterie-Regiment (Prinz Carl) Nr. 118 in Worms Wilh. Nebeck zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Herbstein und die Gefangenaufseherin am LandeSzuchthaus Maricnschloß Wilb. Zier le in, geb. Biebricher, zur Gefangenaufseherin am Provinzialarresthaus in Gießen.
* • Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des Großherzogs deni Mitglied der freiw. Feuerwehr zu Lich Karl Ludw. Schmidt III. und dem Mitglied der freiw. Feuerwehr zu Kostheim Kasp. Siegfried.
’* Besitzwechsel. Glasermcister Georg Schmitt erwarb das HauS Frankfurterstraße 41 für 28 500 Mk. Ec beabsichtigt dort eine Filiale seiner Geschäfte zu errichten.
• * Bieb ertalb ahn. Von jetzt ab verkehren die Züge ab Bieber 6.13 Uhr vormittags und ab Gießen 12.23 Uhr mittags 45 Minuten, die Züge ab Gießen 7.15 vormittags und ab Bieber 1.25 nachmittags 30 Minuten später.
* * Der Verband der hessischen Krankenkassen hielt am gestrigen Sonntag in D a r m st a d t seine erste Mitgliederversammlung ab, die von Delegierten aus dem ganzen Großherzogtum sehr stark besucht war. Harth-Darmstadt erstattete den Geschäftsbericht, aus dem hervorzuheben ist, daß gegenwärtig 74 Kassen mit 43 000 Mitgliedern dem Verbände angehören. Anschließend hieran referierte der gleiche Redner über die Neberleitung der Gemeindekraukenversicherunaen und kleineren Ortskrankenkassen in größere Verbände unter Beibehaltung örtlicher Verwaltungsstellen. Münch-Worms sprach über die Ber- ordnungsweise der Aerzte und Revision der Rezepte. Ein weiteres Referat erstattete Ostermaver -Worms über Einbeziehung der Rechner von Ortskrankenkassen, Gemeindekrankenversicherungen und örtlichen Jnvalidenvcrsichcrungsstellen in das in Aussicht stehende Beamtenfürsorgegesek. An alle Vorträge schlossen sich lebhafte Debatten. Rach Schluß der nichtöffentlichen Versammlung wurde das Tuberkulosemuseum besichtigt.
* * Der Verband der hessischen Verkebrsvev- eine hielt am Sonntag in Bad-Rau heim eine Versammlung ab. Sie war Zahlreich besucht. Den Vorsitz führte Schmabl- Mainz. Stahl-Nauheim begrüßte die Versammlung namens des Verkehrsvereins, Aug. Müller namens der Stadtverwaltung und Wagner namens des Verschonernngsvereins Nauheim. Falk-Mainz gab den Kassenbericht, der Kassenbestand beträgt 115 Mark. Der Vorsitzende berichtete dann über eine Eingabe an die Eisenbabndir-'ktion Mainz wegen des Anschlusses verschiedener Züge und der Fahrplanzusammenst'ellung, sowie über eine Eingabe an den Finanzminifter Gnauth bett. die Vertretung des Verkehrsvereinsverbands im Bezirks'eisenbahnrat. Neber Aufnahmen von Bildern aus Hessen im Kaiserpano- rama, das in 200 Städten gezeigt wird, referierte Mg. Mol- than-Mainz. 150 Bilder sollen ans 5 Jahre ausgenommen und die einzelnen Vereine über die Art ihrer Beteiligung an- hefragt werden. Der Vorsitzende macht Mitteilungen über das hessische Derkehrsbuch, das rund 5000 Mark kostet. Es wird nach bayrischem Muster cinaerichtct, Regierung und Stadtverwaltungen sollen um Zuschüsse angegangen werden. Eine Kommission: Stammer-Darmstadt. Schmahl und Will-Mainz, Trumpler-Worms und Wallmann-Naubeim wird mit den Vorarbeiten betraut. lieber die unentgeltliche 9lbaabe von Führern spricht AbglMolthan. Die Führer fremder Städte sollen 10 Pf. kosten, in Her Stadt selbst steht es den Vereinen frei, kostenlos die Führer abzugeben. Wie der Vorsibende mitteilt, sollen zur Abfassung von Reisebeschreibungcn in illustrierten Zeitungen geeignete Persönlichkeiten ausfindig gemacht werden. Wegen der Zuschläge in Schnellzügen wird eine Eingabe an die Mainzer Eisenbahndirektion gerichtet, daß nur in D-Züacn Zuschläge gerechtfertigt seien. Der Vorsitzende berichtete über die neue Eisenbahnverkehrsordnung, mit der man im allgemeinen zufrieden sei. Stahl beanstandet, daß man 5 Minuten vor Zugabgang kein Billet mehr erhält und abgezähltes Geld haben soll. Er verlangt bei Strecken über 100 Kilometer zweimalige Fahrnnterbrechung. Wegen der letzteren Angelegenheit wird eine Eingabe an die Direktion Mainz beschlossen. Stemmer berichtet über die Bildung einer Vereinigung der süddeutschen Verkehrsvereine.. In München haben dieserhalb schon Vorbesprechungen stattgefunden. Stemmer wird beauftragt, weiterhin daran teilzunehmen. Mg. Molthan llagt über die Benachteiligung von Mainz durch die Umleitung der Rheingauerzüge üfrer Wiesbaden. Die Versammlung sprach in einer Resolution ihr Bedauern darüber aus. Man wird den Beschluß der Hess. Regierung mit der Bitte nm. Abhülfe unterbreiten. Stemmer bittet, dem Verein größere finanzielle Unterstützungen zuzuwenden. Mit Dankes- worten des Vorsitzenden schloß die Versammlung, der ein gemeinsames Mahl im Kurhause folgte.
” Die Ruine Greifenstein, der malerische Schmuck des DilltaleS, ist seit einigen Tagen — mit Ausnahme der sehenswerten alten Schloßkirche mit ihren im Barockstil durchgeführten Stuckarbeiten des italienischen Künstlers Pacrini — für den Touristenverkehr gesperrt. Die Ruine, die bisher im Innern ein wüstes Durcheinander bot, scheint einer gründlichen Aufräumung unterzogen werden zu sollen. Bereits ist man unter Leitung des Fürstl. Blirgbaumeistcrs Seiler- BraunfelS damit beschäftigt, die Fundamente der ehemaligen, einen großen Umfang einnehmenden Bauten der Feste freizulegen, um dadurch einen vollständigen Lageplan der einst stärksten Burganlage in ganz Westdeutschland zu gewinnen. Bei diesen Arbeiten hat man nach Hinwegräumen gewaltiger
>Lrnmmcrmaffen Gewölve uno unrerrrvischc Gänge sreigelegt, die wohl erhalten sind und von deren Vorhandensein man bisher keine Ahnung hatte. Wie man weiter hört, beabsichtigt die Fürstlich Braunfelssche Bauverwaltung, im kommenden Jahre umfassende Arbeiten für die Erhaltung und Sicherung der noch vorhandenen interessanten Burgreste, welche baugeschichtlich von großem Wert sind, vornehmen zu lassen. Zu wünschen wäre, daß bei dieser Gelegenheit Vorsorge getroffen würde, daß man auch mit Damen ungefährdet in der Ruine sich bewegen könnte, wie dies dankenswerter Weise auf der Blirg Gleiberg geschehen ist.
f Klein- Linden, 17. Sept. Zn einer überaus schönen und erhebenden Feier gestaltete sich, gestern die Einweihung der neuen K le i n k in d e r -B e wa hr - anstalt. Um 3 Uhr hatte die Einwohnerschaft vor dem bisherigen Schulgebäude des Herrn Germer Aufstellung genommen. Ter gemischte Kirchenchor sang zur Einleitung der Feier den Psalm „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln." In schönen sinnigen Berschen sagten die Kinder ihrem alten, lieb gewonnenen Schullmuse Ade. Ter Ortsgeistliche Pfarrer Schulte dielt die Mschiedsrede und erinnerte die Jugend an das Gute, das sie in dem Hause gelernt habe. Tie Kinder sprachen ein Gebet und der Posaunenchor spielte „Unfern Ausgang segne Gott". Ein Zug wurde nun ausgestellt, der sich nach dem neuen Schulhaus bewegte. Voraus ging der Posaunenchor, der durch Gießener und Lang-Gönser Bläser verstärkt war. Tann folgten die Ehrengäste. Orts?, Kirchen-, Schulvorstand, Pfarrer, Lehrer iinb Eltern. Hierauf kamen die Kinder in schönstem Festschmuck in Begleitung der Schwestern. Tie Mädchen trugen Blumenkränzchen auf dem Kopfe, die Knaben waren mit Sträußchen geschmückt. Vor dem Neubau übergab der Erbauer des Hauses, Baurat Di ehm. den Schlüssel und öffnete das Gebäude, das er in kurzer Ansprache mit den Kindern verglich, es sei wie diese klein, fröhlich und lieblich. Tie Kinder begaben sich mit den Schwestern und Ehrengästen in den Schulsaal, während die Gemeinde vordem Hause Aufstellung nahm. Die Kinder begrüßten ihr neues Heim durch Gebet und Gesana und die Gemeinde sang „O selig Haus, wo man dich ausgenommen". Die Festpredigt hielt Pfarrer H e p d i n g-Hausen, der als früherer Ortsgeistlicher die Kteinkinderschule gegründet und auch die Errichtung des Neubaues ins Leben gerufen hat. Er sprach über Psalm 121: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt." Ter Predigt sei entnommen, daß die Anstalt 1896 gegründet wurde mit Unterstützung des Missionsvereins und mehrerer hochherziger Gönner, die alljährlich namhafte Beträge stifteten. Auch, die Gemeinde nahm sich der Sache an. Bet der steten Zunahme des Torfes erwiesen sich die gemieteten Räume als zu klein, da sie nur für höchstens 70 Kinder Platz boten und außerdem in gesundheitlicher Beziehung auf die Tauer ungeeignet waren. Tas Bedürfnis für einen Neubau wurde immer reger, doch machte die Platzfrage einige Schwierigkeiten, bis sich Bürgermeister Schaum und der Gemeinderat der Sache annahmen und den Platz kostenlos zur Verfügung stellten. Im Sommer 1905 wurde mit dem Ban begonnen. Möge diese schöne Behausung für die Kinder eine Stätte der Freude und des Schutzes, für die Gemeinde eine Stätte des Segens werden. Pfarrer Hevding schloß mit den Worten: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein." Pfarrer Schulte sprach das Sckilußgebet, der gemischte Chor trug das Lied vor: „O, daß ich tausend Zungen hätte", und die Gemeinde sang: „Ich und mein Haus, wir sind bereit." Tann fand eine Besichtigung bc§' Gebäudes statt. ES repräsentiert sich in seinem Aeußeren recht vorteilhaft: es ist int modernen ländlichen Villenstil erbaut und enthält in seinem Innern außer dem hellen, geräumigen Schulzimmer eine Schwestern- wohnung und ein Zimmer für Gemeindezwecke. Tas Gebäude gefiel allgemein. Von dem oberen Stockwerk hat man eine schöne Aussicht ins Lah-ntal, von Norden grüßen Berge und Burgen und die Zinnen Gießens. Tas Gebäude kostet rund 12 000 Mk. Anläßlich der Einweihung hat ein hiesiger Freund' der Anstalt 100 Mk. gestiftet: eine am Schluß der Feier veranstaltete Tellersammlung ergab zirka 40 Mark. Tie Ehrengäste versammelten sich nach der Einweihung 51t einer Nachfeier im „Teutschen Hof". Pfarrer H e p d i n g gedachte des Geburtstages I. K. H. der Großherzogin und brachte ein Hoch auf sie aus. — So hat nun unsere Gemeinde eine neue schöne Stätte, ein Haus' der Pflege, des Schutzes und der Erziehung für die Kleinen. Und das War für ein Dorf mit fast nur Arbeiterbevölkerung schon längst ein Bedürfnis, zumal auch die Mütter großenteils in den Zigarrenfabriken beschäftigt sind.
W. Dutenhofen, 15. Sept. Lehrer Carl Eberhardt ist zum Hauptlehrer ernannt und als neue Kraft Lehrer CeliuS aus LaunSbach nach hierher berufen worden.
§ Sichenhausen, 15. September. Am 30. d. M. wird unser ncuerbnufc3 Schulhaus eingeweiht werden. Das Gebäude ist ein MusterschulhauS für eine Gebirgsgegend und wurde nach den Plänen des Baurates Die hm aus Gießen erbaut. Die Lehrerwohnung ist vom Cchulsaale vollständig getrennt, enthält fünf geräumige Zimmer und hat eigene Quellwasserleitung; das ganze Gebäude ist aus Basalt aufgeführt. Die Gemeinde erhielt zur Bausumme einen staatlichen Zuschuß von 8000 Mk.
X Laubach, 15. Sept. Beim Ausladen von gußeisernen Wasserleitungsröhren verunglückte gestern abend der Arbeiter Schorn aus Schlesien. Das eine Bein kam unter eine Walze, auf der das eiserne Rohr, 12 Zentner schwer, herabglitt. Der Fuß wurde gequetscht und der Unterschenkel gebrochen. Auf einer Tragbahre wurde der laut Jammernde in da? Johann-Friedrichstift gebracht.
R. B. Darmstadt, 16. Sept. Anläßlich der Schlußsitzung der im Haag abgehaltenen internationalen Tuberkulose-Konferenz wurde u. a. der Vorsitzende der Landes- versicherungSanstalt des Großh. Hessen, Geh. Regierungsrat Dr. Dietz, zum korrespondierenden Mitglied der internatio» len Vereinigung gegen die Tuberkulose ernannt. — In der Nacht zum Sonntag hat der 33 Jahre alte ledige Tagelöhner August Dietelrnann in seiner Schlaskammer in der Arheilgerstraße seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht.
d. Mainz, 17. Sept. Am Samstagabend war die Mittlere Bleiche 47 wohnhafte 34jährige Frau des Spenglers Wilhelm Schmidt damit beschäftigt, auf einen brennenden Spirituskocher Spiritus nachzugießen, als die Flamme in die Kanne schlug und der gesamte Spiritus in Brand geriet. Im Nu stand die Frau in lichterlohem Feuer. Ihr Mann sprang hinzu, warf sie auf den Boden und suchte die Flamme zu ersticken. Mit Hilfe der herbeigeeilten Hausbewohner gelang es Schmidt, seine Frau zu retten, doch hat sie so schwere Brandwunden davongetragen, daß sie schwerlich mit
deut Leben davon kommen dürfte. Auch der Mann hat sich an Händen und Füßen schrecklich verbrannt. Das Zimmer war gleichfalls in Brand geraten, die Feuerwehr und die Polizei löschten das Feuer. Die beiden schwerverletzten Eheleute kamen ins Rochus-Hospital. Ein Kind der Eheleute, das im Zimmer anwesend war, hat keine Verletzungen davongetragen.
Frankfurt a. M., 15. Sept. Für die biologische Abteilung des Senckenbergischen pathologisch-anatomischen Instituts wurde von Frau Oberlandesgerichtsrat Schüller in Ahrweiler ein Stiftungs-Kapital von 25000 Mk. überwiesen. — Der verstorbene Privatier und frühere Kaufmann I. C. A. Cordier hat den ev ang.-lutherisch en Almosen kästen zum Universalerben seines über eine Million Mark betragenden Vermögens eingesetzt. — Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen hiesigen Arzt auf Grund von § 278 Str.-G.--B. erhoben. Es handelt sich um die Ausstellung eines unrichtigen Zeugnisses über den Gesundheitszustand einer Person. — Die Kriminalpolizei verhaftete den Trödler Hoffmann wegen Hehlerei. Bei einer Haussuckmng fand man bei diesem Leder waren im Werte von 3000 Mk., die dem Lager einer Offenbacher Firma entstammten. Der in dieser Fabrik beschäftigte Expedient, der die Sachen entwendet und an Hofmann verkauft hatte, ist gleichfalls verhaftet worden.
X. Hanau, 16. Sept. Eine gestern abend abgehaltene, von der Bierbopkottkommission einberufene Volksversammlung beschloß einstimmig die Aufhebung des Bierboykotts, nachdem die in den Kommissionsverhandlungen getroffenen Vereinbarungen die Zustimmung des BrauereiringS und des WirtevereinS erhalten haben. Die Wirte zahlen nunmehr an die Brauereien für das Hektoliter 60 Pfg. mehr und kehren zu den vor dem 1. August d. I. bestandenen AuSschank- preisen zurück, sodaß ein voller Sieg der Konsumenten zu verzeichnen ist. Der sechs Wochen andauernde Bierkrieg hat starke Schädigungen im Gefolge gehabt, in den Fabrikarbeitsstätten, an den Baustellen rc. war der Viergenuß vollständig eingestellt, auch in den vornehmlich von Arbeitern besuchten Wirtschaften ruhte der Bierausschank.
Kassel, 15.Sept. Die Sozialdemokratie beginnt im Wahlkreise Kassel-Melsungen bereits die Kampagne für 1908. So stellte sich gestern in einer öffentlichen Volksversammlung der Frankfurter Stadtverordnete Hütt- m ann als Reichsta g skand i d aten für Kassel-Melsungen vor. (Frkf. Ztg.)
Gestügelausstellung zu Lich.
(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)
)( Lich, 16. September.
Auf Jungs Terrw'se fand gestern und heute eine Geflügel- und Kaninchen-Aus ft ellnug statt unter dem Protektorat des Fürsten Karl von Solms-L'ch. Die Ausstellung war sehr gut arrangiert und aus allen Teilen Hessens und aus den angrenzenden Ländern reich beschickt. Sehr reichhaltig waren die Mteilungen für Wyandottes-Hühner, für Italiener, für Enten, Tauben, Brieftauben und Kaninchen. Vorzügliches Züchtmaterial itmr in allen Abteilungen vertreten. Die Verkaufsklasse umfaßte nahezu 100 Nummern. Die Ausstellung wurde vom Beigeordneten Jakob Heller eröffnet. Es standen zahlreiche Ehren- breife zur Verfügung, darunter zwei vom Fürsten Kcrrl, einer von der Stadt Lich. ferner von den Geflügelzuchtvereinen Gießen I und II, Lich, Friedberg. Laubach, Marburg, Lauterbach, Msfelb, Lollar und mehreren Privatversonen. Bei der Prämiierung, die durch Marten-Lehrte und Schlicht-Frankfurt vorgenommen wurde, erhielten folgende Züchter Preise: in Abteilung I. Hühner Ehrenpreise Berntheisel-Darmstadt, Dittert-Wetzlar, Pfeifer-Gla- denbach, Heß-Echzell, Voat-Lich, TheiA-Gladenbach, Iung-HaiN- ft'adt: für Großgeflügel: Römer-Kirchhain. Hanau-Gießen, K. Heller-Lich: für Tauben: Fischer - Klein - Krotzenburg, Kehrmann-Viebrich, Krämer-Wiesbaden, Frick-Biebrich, Feig-Beienbyim, Ulrich Wölfersheim: für Kaninchen: Biba- Bommersbeim, Vollmüller-Lauterbach. In Abteilung Hühner wurden ferner folgende Preise verteilt: Berg-Gießen 2, Berntheisel-Darmstadt 2 und 3, Oekononfferat Hofmann-Hof-Gill, F. Becker-Gießen, Engelmann-Themar, Lehrer Friest-Rockenberg, Pfeifer-Gladenbach, V'inlänann-Herford, Pabft-Nffd. K. Voat-Lich, Stövler-Lauterbach. Fürstliche Gntsverwaltung-Lich, TAiß-Gla- denbach, Radetzki-Lich, Krömmelbeiu-Lauterbach. Römer,Kirchham, Dittert-Wetzlar, Jak. Heller-Lich, Ott-Mombach, Juna-Hainftadt, Zimmer-Lich: Abteilung Großgeflügel: Römer-Drch- hain, L. Jochem-Gießen. Dittert-Wetzlar, Berntheisel-Darmstadt, Dietz-Wixhausen, Engel-Birklar. Oekonomierat Hofmann-Hof-Gill, Frank-Lollar, H. Heller-Lich, Pitz-Laubach, H. Zimmer-Lich, Peil- Heskem. Berntbeisel-Darmstadt, Weiß-Hof-Graß. Högy-Rittwerts- burg, Radetzki,Lich, Müller-Bettenhausen, Stotz-Arnsburg. Märle- Lich: Abteilung Tauben und Brieftauben: P. Dietz- Wixhausen, Fürftl. Gutsverwaltung-Lich. Müller-Neu-Isenburg, Iung-Ober-Mörlen, Engel-Birklar. Pitz--Laubach, Biba-Bommers- beim, H. Zimmer-Lich, Schneider-Lollar, Krämer-Wiesbaden, Berutheisel-Darmftadt, Kehrmann-Biebrich, Menqel-Marburg, Holler-Echzell, Frick-Biebrich, Sommer-Köln, Ostheim-Echzell, Fischer-Klein-Krokenburg, Fritzsches-Beienheim, Hartherz-Beienheim, Weisel-Muschenheim, Feig-Beienheim. Schäfer-Bettenhausen; Abteilung Kaninchen: Lehrer Hill-Lich, Engel-Birklar, Albach-Lich. Müller-Bettenhausen, Weber-Grünberg, Dietz-Grün- berg, H. Roth-Lich. Lobende Anerkennungen erhielten noch Frau Böhm-Laubach. Wick-Marburg, Peil-Heskem, Pletsch- Hungen, Gernel-Bad-Nauheim, Diettich-Hattenrod, Steul-Betten- hausen, F. Becker-Gießen. Müller-Bettenhäusen, G. Peil-Mar- bürg, Radetzki-Lich, Mbach-Lich, Gutsverwaltung Kolnhausen bei Lich, Enael-B''rklar, Holler-Ech^ll, Fürftl. Gutsverwaltung-Liw, Müller III.-Muschenh"im, H. Zimmer-Lich, Melchior-Arnsburg, Ulrich-Wölfersheim und Hartherz-Beienheim. Mit der Msstellung war auch eine Abteilung für Oieräte und Futterproben und eine Verkaufsklasse verbunden, die fast 100 Nummern zählte.
Kirche nird Schule.
X Nidda, im Sept. Unter dem Vorsitz des Lehrers St au* b ach-Hungen hat sich kürzlich eine hessische Vereinigung der „Vol ks er z i eher" gebildet, welche die Leser des flletap. uamigen Blattes lherausg. von Schwaner) zu praktischer Mrbett zusammenfassen möchte. In verschiedenen Sitzungen hat bte (zt> nächst in Oberhessen tätige) Vereinigung die Frage „Kirche und Schule" behandelt. Zu einem gewissen Mschluß I^nen diese Verhandlungen bei einer Zusammenkunft in Nidda. Auf Grund eines Referates von Dr. Strecker-Bad-Nauheim wurde der zur „Freien landeskirchlichen Vereinigung" beschlossen, rnnerMv deren man auf eine vorurteilslose Erörterung und pürderung der Schulftage rechnen zu können glaubt. Die reinliche Schewung der Tätigkeit der Kirchen- und Schulbeamten erschien als namnes wünschenswertes Ziel, dessen Erreichung eine Hauptwoungs- fläche dieser beiden Berufe zum Segen beider und rm Jnrerepe von Pädagogik und Wissenschaft aus der Welt schaffen wurde. Als Ort für die nächste Zusammenkunft am 6. Oktober oranksurt ins Auge gefaßt, um regere Verbindung mit den "Do^^whern in Rheinhessen und Starkenburg zu gewinnen. (Frkf. Ztgck
Klagenfurt, 16. Sept. Auf der Südbahn stteßen heute zwischen Poertschach und Krumpendorf z w c 1 3üg e zuf a mm en, wobei drei Personen getötet, sechs schwer verletzt und mehrere Wagen zertrümmert wurden.


