Ausgabe 
17.9.1906 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

war nicht unter den

friedlichen.Bevölkerung

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ist jederzeit ohne

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Mit der russischen Revolution be>

aus und

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Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schoi UntversitätSdruckeret. R. Lang«, «Ließ«.

Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulst^«, Tel. Nr. 6L Telegr.»Adr.: Anzeiger Gieße«.

Zum Tode des Prinzen Albrecht.

Camcnz, 16. Sept. Heute fand zum Gedächtnis des Prinzen Albrecht in der Hofkirche Trauergottesdienst für die evangelische Gemeinde statt. Nach dem Chor:Selig sind die Toten", dem Gemeindegesang und der vom Vikar Beyer gehaltenen lithurgischen Andacht sprach Pfarrer von Tresckow über Matth. Kap. 10, Vers 32 (Wer rnich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater). Die Ueberführung dec Leiche in die Hofkirche fand heute abend statt.

Braunschweig, 15. Sept. Dec Negentschaftsrat für das Herzogtunl Braunschweig hat die braunschweigische Landes­versammlung auf den 21. September zu einer außerordent­lichen Tagung einberufen, in dec über die Thron folge- rage Beschluß gefaßt werden soll. Hiesigen Blättern zufolge hat Prinz Albrecht dreioiertel Millionen Mark für Legate unb wohltätige Stiftungen hinterlassen.

Darmstadt, 15. Sept. In Vertretung S. K. H. des Großherzogs wird sich, derDarmst. Ztg." zufolge, Oberhof- luarschall General Westerwelec zur Beisetzung des Prinzen Albrecht nach Camenz begeben.

Heer und Flotte.

Liegnitz, 17. Sept. Der beim Kaiser-Manöver auf Ver­anlassung des Majors Brose vom großen Generalstab von der Berliner politischen Polizei wegen Verdachts der Spionage verhaftete ehemalige ößrelchische Oberleutnant Part B a r l m a n n wurde im Fcbrauar 1897 vom Wiener Landesgericht wegen Spio­nage zu 5 Jahren schweren Kerker verurteilt. Gr sind damals in Diensten Rußtailds. Nach Verbüßung der Strafe richtete Bartmann einen Erpresserbrief an _ den Chef des öflreiastschcn Generalstabes, wofür er B1^ Jahre schweren Kerker erhielt. Vor kurzem erst war er aus der Haft entlassen worden.

Ausland.

Loudon, 15. Sept. DecDaily Telegraph" meldet Tokio, die Japaner beabsichtigten in Petersburg in Deutschland Handels museen einzurichten und

neuen Beweis der Freundschaft, der von Frankreich lebhaft empfunden werden wird."

Fallißrcs bemerkte ferner, daß auch der König von Italien und der König von Spanien Kriegsschiffe nach Marseille entsandt hätten.

Niailand, 15. Sept. Heute wurde hier der Inter­nationale Kongreß der FriedenSvereine eröffnet. Der amerikanische Vertreter verlas folgende Depesche des Präsidenten Roosevelt:

Als Dolmetscher der Bestrebllngen des amerikanischen Volkes, daß die Sache des Friedens unter den Nationen obliegen möge, und indem ich den Wunsch und die volle Zuversicht meiner Mil- biivgcv teile daß die Arbeiten der Koiüerenz für den Frieden einen neuen Schritt vorwärts zur Verwirklichung der Ziele der Amvälte des allgememen Friedens bebeiucn, beglückwünsche ich den Kongreß und sende ihm meine besten Wünsche.

Newyork, 16.Sept. Frau Longwood, die Tochter des Präsidenten Roosevelt, welche sich nach Colombo im Staate Ohio begeben hatte, um dort der Enthüllung eines Denkmals für Mac Kinley beizuivohnen, wurde von Weibern angegriffen, ivclche ihr die Kleider zerrissen und sie be­schimpften. Frau Longwood mußte in einen Laden flüchten, bls Polizei eintraf und sie aus ihrer mißlichen Lage befreite.

Roosevelt empfing die deutschen Pacht- Sport s l e u t e und erklärte, die Wettfahrten hätten die freund- schaftlichen Bande zivischen Amerika und Deutsch­land fester geknüpft. Nach dem Lunch überreichte Herr Weizmann dem Präsidenten Roosevelt persönliche Schreiben Kaiser Wilhelms und des Prinzen Heinrich, worauf Roosevelt Herrn Weizmann in ähnlicher Weise beauftragte. In Oysterbay überreichte heute Roosevelt dem Besitzer der siegreichen PachtVim" den Roosevelt-Becher und erwähnte dabei, daß die Sporttätigkeit der Deutschen, die im Wettkampfe ehrenvoll unterlegen seien und die höchste Probe bestanden hätten, belohnt sei, indem eine deutsche Pacht ein Rennen gewann. Weit höher als das Rennen und der Gewinn des Bechers sei für Deutschland und Amerika zu be­werten, daß durch die Sporttätigkeit in zwei Ländern ein brüderliches Gefühl entwickelt werde, das für die Wohlfahrt beider höchst wünschenswert sei. Bei dem auf die Preisverteilung folgenden Frühstück brachte Prä­sident Roosevelt einen Trin kspruch auf Kais er Wil­helm, der deutsche Marineattache, Fregattenkapitän Hebbing­haus, einen Trinkspruch auf Roosevelt aus.

Sofia, 16. Sept. Die Meldungen von einem Ueber- fall und Massakre von Smilewo steigern die hier herrschende Aufregung gegen die Griechen. Dazu kommt noch die Nachricht, daß türkische Truppen da§ bulgarische Dorf Rodewo im Bezirk Moden geplündert und mehrere Einwohner getötet haben. Smilewo, ein Dorf von 400 Häusern, wurde während des mazedonischen Aufstandes bekannt, als es durch tückische Artillerie zerstört wurde. Kaum teilweise ivieder angesiedelt, wurde es neuerdings niedergebrannt. Offi­zielle Berichte sprechen von 40 ermordeten Frauen und Kindern. Dio griechische, mit Baschlbozuks vermischte Bande war 200 Köpfe stark.

Berlin, 16. Sept, faßte sich gestern abend liberalen Bereiins. nommen, in derd.ie

Are Lage in Außtand.

General Trepow ch.

Wir erhielten am Samstag in später Abendstunde fol­gendes Telegramm:

Petersburg, 15. Sept. General Tr e p o w ist heute nachmittag an einem Schlaganfall gestorben. Er war bereits langer ernstlich erkrankt.

Spätere Nachrichten lauteten:

Petersburg, 16. Sept. Ter Tod Trepoivs erfolgte gestern abend 6 Uhr. Es zirkuliert jetzt die Version, er habe einen B l u t« st uz erlitten, als er sich zur Tafel begeben wollte ; ferner zirkuliert ein Gerücht, wonach Trepow an Gift gestorben sei, welches ihm seine Dienerschaft beigebracht habe. Verhaftet seien em Koch und ein K a m m erd i.e n e r. Als mitlelbare Ursache des Todes wird amtlich angina pectoris angegeben, an der der General in letzter Zeit litt.

Angina pectoris nennt der Arzt Angstanfälle, die auf Krankheiten des Herzens oder seiner Nerven beruhen. Vor einiger Zeit kam die Meldung aus Petersburg, daß Trcpoiv nicht unbedenklich erkrankt sei und beabsichtige, ein deutsches Bad zu seiner Erholung aufzusuchen. Von einer Verschlmimerung seines Leidens war seitdem nichts in die Oeffentlichkcit ge­drungen, und so wirkt die Kunde von dem plötzlichen Tod des Mannes wie eine völlige Ueberraschung.

D. F. Trepow, ein Sohn des verstorbenen Petersburger Ober-Polizeimeisters General-Adjutanten Trcpoiv, war 1855 geboren. Nach Absolvierung des Pagenkorps trat er als Kornett in das Leib-Garde-Regiment zu Pferde, mit dem er 1877 am Türkenkriege beim Korps General Gurkos sowie am Kavalleriekampf bei Telisch teilnahm. Nach dem Fcldzuge setzte er seinen Dienst am Leib-Garde-Regunent zu Pferde fort. 1895 wurde ec Oberst, im folgenden Jahre stellver­tretender Moskauer Ober-Polizcirneister, 1900 General-Major; gleichzellig erfolgte auch seine Bestätigung im Amte eines Ober-Polizeimeisters. 1905 wurde der Posten eines Moskauer Ober-Polizeimeisters aufgehoben undTrepow Generalgouverneur von Petersburg. Von diesem Posten wurde er Anfang No- vember desselben Jahres enthoben und zum Palastkomman- danten in Peterhof ernannt.

Der Zar ans der Jagd.

Das offiziöse schwedische Telegraphenbureau meldet üom 16., daß der Kaiser von Rußland nut Gefolge am 15. auf den Kalfholman zur Jagd an Land gegangen ist. Der Kaiser verteilte Geldgeschenke unter den Einwohnern von Kes- kisani. Der Kaiser und die Kaiserin sind noch nicht auf dem Fe st lau de gewesen. Der Gouverneur in Wiborg v. Rechenberg ist in Björkoe anwesend, wo der Besuch des Kaisers erwartet wird. Im Björkoesund lagen die russischen

eine Versammlung des sozial- Es wurde eine Resolution ange- , . versammelten Bürgerinnen und Bürger Berlins ihren Ab scheu vor den Untaten aus- drüaen, die in Rußland, einem Staate, der sich christlich und zivilisiert nennt, unter Duldung dec Regierung gegen Redliche Männer und Frauen und gegen Kinder verübt werden."

Roth in Giessen, ichtimgm

Wie's klingt am W' Mundartliche GM!r auS der hessischen M von Skard driegleb trete M1. üeinenb. M. 1.60 cMflätttjt e! Meran

Gedicht in Westerauer Mundmi von Friedrich von Traitz 1.1,- inMMand M.A mt.lM, geb. M.2.- strr Bimbachrr. icr Mundart , jedem Hessen bekannte IM ne drastischen Szenen un* ^Ausführung bestens empiohlen.

Sogelsberg!

t und allen Freunden und-er egeben.

Greueln.

In der Ortschaft Lepaticha sind große Bauern­unruhen ausgebrochen. Es kam zu einem blutigen Zu­sammenstoß zwischen Lauern und Militär, wobei 9 Per­sonen getötet und eine Anzahl verwundet wurden. Tie Ortschaft steht in Flammen. Auf dem Gute Arshanow haben Bauern gleichfalls schwere Ausschreitungen begangen. Sie verhandelten zunächst über die Landpacht und schlugen dabei einen Gutsbeamten. Tann eilten au ihr Signal etwa 700 Mann mit Gewehren und Bomben herbei und begannen das Gut zu zerstören. Weiber steckten Gebäude und Heuvorräte in Bra nd, und Männer plün­derten. Auf das Feuer der Gutswache antworteten die Bauern mit Bombenwürfen. Tie Bomben fielen jedoch, ohne zu explodieren, ins Wasser. Eine A n z a h l B a u e r n isist getötet oder verwundet worden. Truppen sind nach Arshanow abgegangen.

In Riga ist der Fabrikbesitzer Busch, ein deutscher Reichsangehöriger, in seiner Fabrik von Revo­lutionären beraubt und gerötet worden.

Ferner sind in Riga zwei Personen wegen Plünderns zum Tode durch den Strang verurteilt worden.

Am 14. wurden in M o s k a u z w e i P l ü n d e äse r ge­hängt, welche die Chefs der Organisation der revolutio­nären Sozialisten waren.

In Zarizyn ^Gouvernement Saratow) unternahm in der Nacht eine Bande lieber fälle auf die Reichs- bank, das Gesch/istslokal dec russischen Versicherungs'- gesellschaft, einen Juwelierladcn und die Wohnung eines reichen Viehhändlers. Tie Uebersälle wurden zurückge- jchlagen, wobei ein Schutzmann, ein Diachtwächter und ein Wächter des Viehhändlers getötet wurden.' Tie Bande entkam.

In Simferopol griffen 11 Revolutionäre einen Postwagen an, der 1 Million Rubel nach Pulta bringen sollte. Sie töteten die beiden begleitenden Postbeamten und den Kutscher, sanden aber nur 2000 Rubel, da die größere Summe noch nicht zum Versand gelangt war.

In Warschau entdeckte die Geheimpolizei einen Haupt­sitz des sozialistischen Komitees. Sie verhaftete 7 Mit- glicder und beschlagnahmte verdächtige Dokumente, sowie mehrere fertige Bomben. In der Zitadelle wurden zwei vom Kriegsgericht verurteilte polltische Verbrecher durch den Strang hingerichtet.

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KriegsschiffeGeneraladmiral Finn",Ukräne",Vidni* und ,Asia". Heute Montag, fährt der Kaiser mit der kaiser­lichen Familie nach Peterhof ab. Rian erwartet aber eine haldige Rückkehr nach den finischen Schären.

In Peterhof wurden nachts Haussuchungen vorge- nommen und 14 Personen verhaftet, darunter der frühere Dumadeputierte des Kreises Peterhof Pawlow, sowie ein Student der Petersburger Universität und ein Hoflakai.

Llmtlich wird die Nachricht dementiert, daß der Zar sich unmittelbar nach der jetzigen Kreuzfahrt mit seiner Familie nach Darmstadt begeben werde. Diese Reise sei zwar beschlossen, werde aber wahrscheinlich erst Mitte oder Ende Oktober erfolgen.

Reaktionäre Maßnahmen.

TerPar tc i für Vo lks fr eihe i t" wurde die nach?- gesuchte Registrierung unter anderem aus folgenden Grün­den versagt: Tie Statuten der Partei enthalten nur allgemeine Hinweise auf die politischen Zwecke der Partei und in so unbestimmter Form, daß es unmöglich ist, den genauen Charakter der Tätigkeit der Partei feftzuftelken. Tie in den Statuten erwähnten demokratischen Grundlagen finden ebensogut auch Anwendung auf die vom Gesetz verbotene sozialdemokratische Partei. Andererseits ist aus den Statuten nicht ersichtlich, ob der Begriffkonstitutionelle Grundlagen" nach der Auffassung der Partei mit dem Gesetz über die Reichsduma und den Reichsrat übereinstimmt.

Ein kaiserlicher Befehl setzt für die hartnäckige Wei­gerung, der Wehrpflicht zu genügen, als Strafen den Verlust der persönlichen und Standesrechte bei Ein­stellung in die Kocrektions- und Arrestantenabteilungen auf 46 Jahre oder den Verlust der Standesrechte allem, ver­bunden mit 46jähriger Zwangsarbeit fest.

Tas Militärbezirksgericht zu Kiew verurteilte den Sekondeleutnant des 5. Sappeurbataillons, Shda - rowski, den Hauptschuldigen bei der Meuterei der Sap­peure in Kiew, zum Tode durch Erschießen.

Ter Vorsitzende des Kriegsgerichts zu Helsingfors, Ge­neralmajor Rirschert, ist abberufen worden, weil er an den Kommandeur des 22. Armeekorps ein Gesuch Um Begnadigung von 12 wegen der Meuterei in Swea- borg zum Tode verurteilten Soldaten eingereicht hat. Tie Verurteilten wurden dann auch begnadigt; das hat aber in Petersburg großes Mißfallen erregt.

Ministerpräsident Stolypin billigt, so behauptet wenigstens dec Korrespondent derVoss. Ztg.", das Vor- gchen des Militärs in Sicdlce. Man müsse nicht, so meint er, nur einzelnen Personen, sondern vor allen den großen Massen Furcht einflößen.Was soll man denn mit den Leuten tun, die sich gegen die Regierung auflehnen?" sagte Stolypin dieser Tage einem hervorragenden Politiker. Man kann sie doch nicht alle vor Gericht schleppen. Das beste ist, wenn man sie n i e d e r s ch i e ß t." Leute, die in letzter Zeit Stolypin gesprochen haben, bezeugen, daß er seine frühere ruhige Haltung eingebüßt hat und sich in einer Aufregung befindet, die an Psychose grenzt. Eine Regierungserklärung, welche zugibt, daß das angebliche Schienen dec Revolutionäre in Siedlce resultat- 'los verlaufen sei, erregt in politischen Kreisen höchste Aus- regung durch den Racysatz, der ausspricht, daß das Militär .die Beschießung hätte fortjetzen müssen, weil die Bevölkerung

die Revolutionäre nicht auslieferte. Damit ist ausgesprochen, daß die friedliche Bevölkerung auf das schwerste bedroht ist, wenn sie nicht ein solches unerfüllbares Verlangen befrie­digt. Nach Tepeschen aus den verschiedensten Teilen des Reiches ruft die Regierungserklärung z Revolutionären, wohl aber unter der sru Panik hervor.

gewerbliche Ausstellungen zu veranstalten.

Marseille, 16. Sept. Präsident Fallieres be­suchte gestern die hiesige Kolonial-Ausstellung. Bei dem Fest­mahle führte er in einer Ansprache an den britischen Kom­mandanten aus:

Ich bin sehr angenehm berührt von dem Gedanken Ihres Landesherr», seinen PanzerkreuzerCumberland" nach Marseille zu entsenden. Ich werde Ihnen sehr verbunden sein, wenn Sie Seiner Majestät die Gesühle des Tantes über­mitteln ivnvbeiL die die Remeruna der Republik erfüllen, für den

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Zweites Blatt

156. Jahrgang

_____ Montag 17. September 1806

Vrlchetnl »-N-mit Ausnahme des Sonntags.

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»Anzeiger viermal wöchentlich beigrlegt. Der BF B »LTL, Ej M jl Vf fei M VV A

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Die Eröffnung des Oberlandesgerichts zu Düsseldorf.

Düsseldorf, 16. Sept.

Heute mittag wurde das neu errichtete Oberlandes­gericht feierlich eröffnet. Bei dem Festmahl führte Justiz- Minister Tr. Beseler aus:

Wie das Recht in die feinsten Adern des öffentlichen und des privaten Lebens eines Volkes eindringt, überall regelnd, ordnend und, soweit möglich zwingend, so müssen auch die weit umfassenden, der Rechtspflege dienenden Einrichtungen den ganzen Bau des Staates durchdringen, damit jederzeit die Kraft und Macht des Rechtes zur Geltung kommen kann. Wie das Leben des Volkes sich immer neu gepaltet in den Beziehungen der Einzelnen zu einander, so mutz auch das Recht fort schreiten und so müssen auch seine Normen und die zu ferner 5)andhabung nötigen Einrichtungen fortentwickelt - werden. Dem Gedartken aber, daß veränderte Zustände auch eine neue Fassung der rechtlichen Vor­schriften fordern, verschließen sich fürivahr auch die Organe der Staatsverwaltung nicht, welche berufen sind, dafür zu sorgen, daß diese Vorschriften nicht verallen.

Ter Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser.

Tie Rede, welche Oberbürgermeister Marx hielt, bc-. ansprucht zum Teil auch allgemeines Interesse. Tas Wesent­lichste daraus sei mitgeteitt:

Dieses Land, wo rauloscs Streben alle Vorgänge des Lebens beschleunigt und uns die Zeit nach Sekunden zu rechnen gelehrt hat, erheischt dringend Sicherheit des Rechts und rasche Beseitigung ieden Zweifels, der den wirtschaft­lichen Fortgang hemmt. Auf einem Boden gefestigt, dem Zechen und Hütten entragen, inmitten all der Werte, welche der Bearbeitung und Veredelung der Bodenschätze dienen, umgeben von den Stätten ihrer kausmännischen Verwertung, begrüßt von den Masten rheinischer Schisse, wird das neue Gericht die mit Stecht geforderte Verbindung mit dem Leben finden und ben Geist der Rechtsvorgänge des wirtschaftlichen Lebens in reiner zAarheit erkennen. So I)offen wir, daß der Gerichtshof Sprüche von höchstem Ansehen fällen wird, welche die Wissenschaft beftuchtcn, so daß ein N r c d e r c h e in i s ch e r R e ch t s s p i e g e l erstrahlen wird, dessen Reinheit die Zahl der Rechtsstreite minderir möge. Wir erhoffen aber auch eine rasche Beseitigung juriftischer Zweifel. Das Lberlandesgericht Düsseldorf ist ein völlig neues und völlig modernes Gericlft, frei vom Staube vergrabener Akten, frei vom Ballast alter Traditionen, die ost lähmend auf die Ilcchtsyrechung wirken. Dieses Gericht, das wesentlich dem Bedürfnis nach beschleunigter Rechtsprechung feine Entstehung verdankt, möge hierin neue Wege weisen und, sowell Schäden der Prozcßgese^gebung Hierbei hindern,, diese ausdecken.

Tr. Marx erhielt den Kronenorden 2. Kl.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 16. Sept. 1906.

Ihre K. H. die .Großherzogin begeht heute, zum zweitenmale feit ihrer Vermählung, ihren Geburts> tag. Die hohe Frau, die an diesem Tage ihr 35. Lebens^ fahr vollendet, hat es verstanden, sich durch ihr schlicht sceund

liches, gervmnendeS Wesen die Herzen de-, gesamten Hejjen-

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