Ausgabe 
16.1.1906 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

im

Abg. Bebel (Soz.) f

der enl-

ÄNer höchster Stelle die Auffassimg besteht, bafe ein Duell unter ge­wissen Umständen unumgänglich ist und daß der Ehrenrat nicht die Ausgucke bat, Duelle unter allen Umständen zu verhindern, sondern in gewissen Fällen sogar begünstigen muß. Ich gebe $u, die Erklä­rung deZ KriegSministcrs ist offen, aber die moralische Wirkung bat er sich nicht überlegt. Der RcickiSkanzler spricht von einer Sckncht von Personen, für die das Duell nötig ist. Also, es ist heute kein Minister, nicht einmal ein Justrzminister, kein Mitglied des Bundesrats denkbar, der ein Duell ablehnt. Unsere hohen Be-

anrten gehören meist dem Kösener S. C. an, seine Mitglieder müssen ein Duell annehmen, sonst kommen sie in den Verschiß, wie es heißt. (Große Heiterkeit.) Das Statut des S. C. ist direkt ungesetzlich, wer ibm angehört, gehört einer geheimen Verbindung an, denn das Statut wird streng geheim gehalten. Offiziell ist es natürlich den Behörden nicht bekannt. Ein Staatsanwalt, der dem Kösener 5. T. angehört, verstößt dauernd gegen das Strafgesetz, er be­trachtet es als sein Privileg, ungesetzlich zu handeln. Beim S. E. spielt der Pistolenkasten ungefähr dieselbe Nolle, wie die Bundes» lade bei den alten Juden. (Große Heiterkeit.) Wie will man von den großen Volksmassen noch Respekt vor dem Gefch verlangen, wenn man sie/>t, daß die, die zur Hütung der Gesetze berufen sind, die Gesetze verletzen. (Sehr gut! bei den Lvz.) Das Duell wäre schon längst beseitigt, wenn es nicht fortgesetzt von oben gehalten würde. Das liebel kommt von oben, und so lange dies nicht be­seitigt wird, werden alle Reden nichts nützen. (Beifall bei den Soz.)

^s ist wohl noch in keinem Staate vorgekommen, daß höchste Beamte eine Erklärung abgibt, die eine Aufforderung .... 8ölt Recht und Gesetz mit Füßen zu treten. (Sehr richtig! links.)

rottung des Duells zu erleichtern, plaidiert sie auch für schärfere Strafen für Beleidigungen. Der Kriegsminister hat also eine ganz falsche Vorstellung von dieser Antiduellliga. Um die Antiduellliga hat sich schon eine ganze Reihe ehrenhafter Männer gesammelt. Warum hört der Minister nicht auf diese? Für den Reichskanzler wäre es besser, wenn er sich dieser Liga anschlösse. Für jedes ehrengerichtliche Urteil ist uns der Reichskanzler verantwortlich. Es ist seine Sache, wie er den Schaden wieder gut macht, den er durch 'Tr.t Beute verlesene Erklärung angerichtet hat. Er muß den Schaden wieder gut machen, wenn er noch auf den Namen eines christlichen Reichskanzlers Anspruch machen will. (Beifall Zentrum.)

Im Mqeordnetenhause sprach vor einigen Tagen der Iustizminrster der Majorität des Gesetzes. Bevor man noch g ob b e Sozialdemokraten überhaupt eme Demonitratlon beabnchtlgen, wird bereits die ganze irdische Dreieinigkeit, Infanterie, Kavallerie und Artillerie mobil gemacht. (Heiterkeit) Und hier im ^eldj§tngc wird offen die Ungesetzlickstert gepredigt! Auf den Reichskanzler fände der Paragraph des Strafgesetzbuchs betreffs Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze Anwendung. (Heltcrkelt.) Er­gibt also für die verschiedenen Klassen verschiedene Gcictze. E,n besseres Agitationsmittel, als uns der Reichskanzler heute gegeben hat, hätten wir uns für den 21. Januar gar nicht wünschen können. Der Minister meinte, ein jeder müsse sich mit seinem Gotte selbst aikseinandersctzen. Ja, dann müssen doch die §§ 166 und 167 aus dem Strafgesetzbuch entfernt werden. Eine moralische Begünsti­gung des Duells liegt auch in den regelmäßig stattfindenden Be­gnadigungen bei Duellstrafen. Wir haben heute erfahren, daß an

** man bei schweren Beleidigungen, namentlich wenn sse charakte­risiert sind, sich sehr ungern entschließen werd vor ein Schöffen­gericht zu gehen, besonders bei der Ueberlastung der Schöffen- geriete, wo eine Sache erst nach Wochen oder Monaten zur Ver­handlung kommt. Wenn man sich die Tagevor.niingen der Schöffengerichte ansieht, dann kommen zuerst die Verhafteten, ine Landstreicher, die Bettler, die Dirnen, die Diebe, Körperverletzun­gen und wenn die Richter recht müde geworden sind und Ictn Interesse mehr haben, dann kommt eine Serie von Beleidigungen, die nach einer gewissen Schablone abgehandett werden, ohne Rück­sicht darauf, daß der Beleidigte m seinem tiersten Innern g.troften ist. Vielfach sind diese Strafsachen ganz stmgen Assessoren over jungen Amtsrichtern anvertraut, vielleicht auch Schöffen, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer ganz anderen Gesell,ckaftsllassc für Dinge, bei denen ein subtileres Ehrgefühl in Frage kommt, auch nicht die rechten Begriffe haben. Und rechnet man dazu, daß m vielen Fällen noch cm Rechtsanwalt austritt, der dem, Belegten bei dieser Gelegenheit noch einige Sachen versetzt, die vielleicht noch viel unangenehmer sind, weil sie vor der Oeffcntlichseit gc,ckehcn (sehr wahr!), dann wird man es verstehen, daß es melleimt Leute gibt, die von dieser Institution vrinziviell nichts wissen wollen, besonders wo es sich vielleicht um eine schwere Kränkung derFamilien- ehre handelt. (Sehr wahr!) Bei der Reichsjustizkommissson ist die Sache auch behandelt worden, und allerseits waren die Herren, die den verschiedensten Parteien angehörten, der Meinung, daß die Oeffentlichkest bei Beleidigungen nicht durchweg durchzuführen ist. Und was das Strafmaß anlangt, so findet geradezu eine Ueber- schätzung bei Eigentumsvergehen statt, die den heutiaen Zeit­anschauungen aar nicht mehr entspricht und eine Unterschätzung der Ehre des Menschen (sehr wahr!), infolge dessen solche Fälle nach der Schablone vielfach mir geringen Geldstrafen geahndet werden. Die Anti-Duell-Liga, der zweifellos Männer von großer Erfahrung und großer Kenntnis angehören, fordert neben einer schwereren Be strafung des Duells auch schwerere Strafen für Beleidigungen und vor allem die Einrichtung einer Instanz, wie sie beim Militär im Ehrenrat vorhanden ist. Wenn der Beleidiger es will, muß er in einem Standesgericht eine Instanz haben, wo er vor erfahrenen Männern feine Sache zum Austrag bringen kann uizd da? Gericht auf feinen Antrag die Öffentlichkeit bi? ziir Verkündigung de? Urteils ausschließcn kann, soweit daS Interesse des anderen Teiles nicht entgegensteht Ich begrüße also die Ankündigung, daß in dieser Richtung Abänderungen kommen sollen, obwohl ich der An­sicht bin, daß man die Reform deS Strafgesetzbuchs nicht abwarten, sondern, da die Dinge wirklich dringlich sind, versuchen sollte, sie im Wege des Spezialgesetzes zu ordnen. Denn ein Jahrzehnt und länger wird in die Welt geben, ehe wir zu einer Reform unseres Strafrechts kommen. Die öffentliche Meinung erträgt heute schon nicht mehr ein frivoles Duell, und wer im frivolen Di'ell den Gegner über den Haufen schießt, vernichtet sich damit bürgerlich selbst. Allerdings bin ich der Ansicht, daß Sie das Diiell durch rigorose Strafen nicht beseitigen werden, z. B. durch Behandlung des Duell? als Todschlag oser Mord. Ich verweise da auf den neulichen Vor­trag des Professors Binding in der Goethegesellschaft. Die Zwei- kämpfe werden sich immer weiter vermindern. Man wird die Heraus­forderung zum Zweikampfe und den Zweikampf strenger bestrafen können, wenn man Jnstitutitionen schafft, die in einem Ausgleichs­verfahren es den beteiligten Personen, ohne die Ccffentlicbfcit heran'uzieben, ermöglicht, die Sache aus der Welt zu Mwffen und damit in Deutschland einen besseren Schutz der persönlichen Ehre schaffen wird. (Lebhafter Beifall b. d. Natl.)

Abg. Dr. Bachem (Zentr.):

ES ist nicht wahr, daß weite Kreise das Duell für eine Pflicht halten, das tun nur ganz bestimmte exklusive Kreise. Die Er­klärung des Reichskanzlers war daher ein Schlag in das Gesicht des demschen Volkes. Als der Kriegsminister die Worte verlas, daß kein Offizier in dem Offizierkorps geduldet werden könnte, der sich nicht duellierte, lief es mir eiskalt über den Rücken. Das war doch eine Aufforderung, die Gesetze zu übertreten. Gerade umgekehrt hätte die Erklärung des Reichskanzlers lauten sollen. Seine heu­tigen Worte standen im Widerspruch mit allen früheren Erklärun­gen der Regierung. Der heutige Tag, an dem so etwas gesagt werden konnte, war ein dies nefastus für einen christlichen Reichs­tag. Auf anderen Gebieten weiß der Reichskanzler die Majestät des Gesetzes besser zu wahren. Denken Sie an die Rede des Iustiz- minifterS Dr. Bebel im Abgeordnetenhause. (Stürmische Heiter­keit.) Ich meine Beseler. Das Gesetz steht über der Ehre. Darum darf man nicht sein vermeintliches Recht selbst wahrnehmen. Zum Duell gehört^physischer Mut, höher aber steht der moralische Mut, der dazu gehört, ein Duell unter Umständen abzulebnen. Die Anti­duellliga steht auf dem Standpunkt, immer und unter allen Um­standen muß ein Duell abgelehnt werden, und nur nm die Aus-

Abg. Traeger ffreif. Vp.):

Alle Interpellationen pflegen so auszugehen wie daS Horn­berger Schießen. Der heutige Tag hat jedoch große Ueberraschungen gebracht. So hat e8 mich gewundert, daß der Kriegsminister den Beleidiger in Schutz nahm. Noch eine größere Ueberraschung brachte aber die Erklärung des Reichskanzlers, er antwortete auf die Frage, welche Maßnahmen sollen ergriffen werden, um solche Vorgänge zu verhindern: Keine! Ja, er sagte sogar: Kein Offizier kann geduldet werden, der sich nicht duelliert. Der Reichskanzler hat sich heute geradezu als duellwürtiger Kavallerist gezeigt. (Heiter­keit.) Man sagt, es gehört Mut dazu, sich zu duellieren. Das ist nicht so. Das ist anerzogener Mut, Mut der Zwangslage, Mut des Vorurteils, aber kein wirklicher Mut.

Abg. von Tiedemann (Rp.):

Auf den Fall selbst will ich nicht eingchcn, auch ich bedauere, daß das Ehrengericht ein solches Urteil gefällt hat. Der Abg. Roeren irrt sich aber, wenn er sagt, der ganze Reichstag hätte sich einmütig früher gegen das Dwell ausgesprochen. Aus der rechten Seite hat man stets gesagt, daß es Fälle geben könnte, in denen nichts anderes übrig bleibe als das Duell. Denken Sie nur einen Fall, in dem die Ehre einer Frau in niederträchtiger Weise besudelt wäre, würden Sie in einem solchen Falle vor das Schöffengericht gehen? In einem solchen Falle gibt es doch nur das Duell. Wer sich duelliert, verstößt gegen das Gesetz und wird be­straft. Straffreiheit für daS Duell wollen wir auch nicht. Aber wenn Sie die Strafe noch so hoch setzen, es gibt immer Fälle, wo man doch d'e Strafe auf sich nehme i muß. Denken Sie doch an die Zeit des Kulturkampfs, da war cS ein Mitglied des Zentrums, der Abg. Schröder-Lippstadt, der sag^e: Wir denken gar nicht daran, solche Gesetze zu befolgen. (Zuruf au? dem Zentrum: Weil Le un­gerecht sind!) Ja, es gibt Fälle, in denen auch die Gesetze gegen das Duell ungerecht erscheinen. Ich kann daher die Erklärung des Reichskanzlers nur mit Genugtuung begrüßen, das Offizierkorps kann das Duell nicht entbehren (Lärm bei den Soz.), tm Interesse der Armee, im Interesse der guten Sitten. (Beifall rechts.)

Abg. Stöcker (b. T. Fr.):

Die Sozialdemokraten werden die heutige Debatte artsnutzen, Bebel hat dies ja schon angekündigt und die Presse wird noch weit schärfer vorgehen. Man kann hier gar nicht grundsätzlich genug vorgehen. Das Duell verstößt gegen Gottes Gebot und muß daher beseitigt werden. Wenn die Staatshoheit das Duell stutzt, pro­klamiert sie die Gesetzlosigkeit. Ich gebe zu, daß Beleidigungen oft nicht scharf genug bestraft werden. Aber in diesem Falle hat das Gericht doch auf die allerhöchste Strafe erkannt. Genügte das nicht? Der Vorredttec sagte, es könnte Fälle geben z. B. bet Beleidigung von Frauen, wo man sich duellieren müßte. Aber solche Fälle sind ja passiert, und da hat der Ehebrecher den Mann niedergeknallt. Da kann doch von Moral und Gesetz und Sinn und Vernunft keine Rede feim Ein runbc5 Nein habe ich aus dem Munde des Ministers nicht gehört, im Gegenteil ich hörte heraus, daß man auch auf Seiten der Regierung bestrebt fft, das Duell nach Möglichkett zu verhindern, und darüber habe ich mich gefreut.

Kriegsminister von Einem:

In vielen Punlten kann ich dem Vorredner beistimmen. Er sagt, das Duell, verstößt gegen Gottes Gebot und muß beseitigt werden. Aber eine solche Sitte rotten Sie nicht aus durch ein plötz­liches Verbot und durch strenge Strafgesetze, denn diel- Sitte befteht

nicht nur im Offizierkorps, sondern in weiten Kreisen be8 Volkes. Das ist ganz zweifellos der Fall. Sehr viele Herren haben die Er­klärung des Reichskanzlers mit Verwunderung, ja mit Entrüstung aufgenommen. Es wäre mir ja ein Leichtes gewesen, in dieser Er­klärung zu sagen: Derartige Fälle, wie die vorliegenden, werden nicht mehr Vorkommen. Ich bin aber nicht-in der Lage, eine solche Erklärung abzugeben, denn ich wollte Ihnen Aufklärung geben über die Verhältnisse, wie sie liegen. Ich will mir lieber von Ihnen diese Vorwürfe machen lassen über die bestehenden Verhältnisse, die ich weder herbeigeführt, noch gefördert habe. Aber ich will mir nie­mals den Vorwurf machen lassen, eine Erklärung abgegeben zu haben, die ich nicht gehalten habe und die ich nicht halten konnte. Diese Erklärung de§ Reichskanzlers sagt übrigens in keiner Weise, daß nicht alles geschieht, um mit allen Mitteln gegen das Duell weiter zu arbeiten. Wir suchen das Duell nach Möglichkeit zu ver­hindern. Ich erinnere Sie daran, daß ich ausdrücklich betont habe, wäre dieser Fall zwischen zwei Reserveoffizieren ober zwischen zwei aktiven Offizieren borgefomnten, so wäre er zweifellos auf güt­lichem Wege beigelegt durch das Ehrengericht. Darüber besteht für mich gor kein Zweifel Nun war das aber nicht der Fall, denn es fehlte ein Organ, um Remedur zu schaffen, um den Goebel so zu kennzeichnen, wie er in diesem Fall gehandelt hat. Mit aller Ent­schiedenheit aber muß ich Verwahrung dagegen einlegen, daß diese Erklärung des Reichskanzlers Gesetz und Neckt .mit Füßen tritt. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Das ist nicht der Fall. (Sozialdemokratischer Zuruf: Dock! doch!) Der Reichskanzler bat sogar die Mittel angegeben, um das Duell im Volke auszurotten^ (Lebhafte Unterbrechungen seitens der Sozialdemokraten.)

Präsident Graf von Ballestrem:

ES hat dock keinen Zweck, den Redner zu unterbrechen. Wir verhandeln hier in Rede und Gegenrede.

KriegSminister von Einem:

Was nun die Antiduellliga angeht, so verkenne ich keineswegs, daß e? eine große Anzahl fehr ehrenwerter Männer sind, die daS Duell ausrotten wollen. Aber sie sagen selber: das gehe nicht, so­lange die Gesetze nicht anderweirigen Sckutz gegen Beleidigungen bieten. Wenn man aber von unserem Standpunkt aus die Herren von der Antiduellliga für ehrenwerte Manner halt, so muß man doch auch uns Gerechtigkeit widerfahren lassen. Wir müssen auch für. und in Anspruch nehmen, daß wir als ehrenwerte Männer ange­sehen werden, die die Ehre über alles stellen und alle Rücksichten bei Seite lassen werden, um die schwer verletzte Ehre zu reinigen. Ich hoffe, daß unser Bestreben in der Armee von weiterem Erfolge ge­leitet fein wird. Es ist nicht richttg, daß jedes Duell von dem obersten Kriegsherrn gebilligt wird. Das Duell wird im ®egcnte{I gemißbilligt und nach Möglichkeit unterdrückt, aber, tote die Sache liegt, ist eS unter den gegebenen Verhältnissen nicht immer möglich, es zu vermeiden.

Abg. Dr. Potthoff sfteis. Vgg.):

Vieles von hem, was der Abg. Bebel sagte, war nicht richttg. So möchte ich ihm doch raten, wenn er wieder etwas über den S. C. sagen will, sich vorher bei seinen Fraktionsgenossen, die Bescheid wissen, zu informieren. Ich gehöre nicht zu denen, die imter allen Umständen das Duell verwerfen, aber ich glaube nicht, daß es so unentbehrlich ist, wie der Kriegsminister es darstellt. Schon die Tatsache, daß im vergangenen Jahre nur ein Duell zwischen Offizieren stattfand, zeigt doch, daß die Herren auch mit Ehren­gerichten auskommen. Nach der Erklärung des Reichskanzlers werden allerdings viele Reserveoffiziere, die Gegner des Duell- sind, nicht länger Offiziere bleiben können.

Abg. von EzarNnSki (Pole)

spricht sich gleichfalls in duellgegnerisckem Sinne auS.

Abg. Roeren (Ztr.)

bleibt gegenüber dem Kriegsminister von Einem dabei, daß Feld- Haus wegen seiner grundsätzlichen Stellung zum Duell ausge­schlossen worden sei, waS im Widerspruch stehe zu dem klaren Wort­laut der KabinettSorder von 1897. Daß FelthauS korrekt gehandelt habe, Habe der Brigadekommandeur ihm ausdrücklich bestätigt. (Hört!) Bei dem Duellzwang handle eS sich nicht um einen Ge­wissenszwang, sondern in den meisten Fällen um eine Rücksicht auf gesellschaftlichen Stellung (Sehr wahr!), und vor so etwas könne er nicht Respett haben. Zum Schluß erklärt noch Redner: auch die Verhandlungen hier hätten ergeben, daß Herrn FeldhauS schweres Unrecht geschehen sei.

KriegSminister v. Einem

betont nochmals, daß, wenn der Herr Feldhaus auf den ersten un­verschämten Brief des Herrn Goebel eingegangen wäre, die ganz, Geschichte vermieden worden wäre.

Abg. Roeren (Ztr.):

Tas gehört alles nicht zur Sache. Diese liegt so: Das Ehren­gericht hat zwei Fragen gestellt: 1. ob Herr Feldhaus schuldig sei, weil er den Herrn Goebel nicht gefordert hätte, 2. ob er schuldig sei wegen Begründung der Ntchtfarderung. Und eS hat die erste Frage verneint, die zweite bejaht! (Hört, hört!),

KriegSminister v. Einem:

DaS ist aus den Dtten nicht ersichtlich.

Damit schließt bte Besprechung der Interpel­lation.

Das Haus vertagt sich.

Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr. (Kleinere Vorlagen unb Nachttagsetats.) .

Schluß Ük Uhr.

Kretzener Theatervcr n.

Der Schwur der Treue.

Lustspiel in 3 Auszügen von Oskar Blumenthal. (Buchausgabe im Theuteroerlag Eduard Bloch in Berlin C.)

In einer seiner weniger bekannten kleinen Kvmödien sagt Moliere von einer untergeordneten Person ich glaube, es ist der Goldschmied Josse inLamour m6d6- cinc<, daß er sein Leben lang Prosa geredet habe, ohne es zu ahnen. Don Blumenthal, demDichter"' derFee Capriee", desToten Löwen" und nun auch desSchwurs der Treue", ist zu sagen, daß er zeitlebens Prosa' redet statt Poesie, obwohl er sehr wohl weiß, daß feinePoesie" Prosa ist. Oder Limetla-Poesie. Er macht Reime, graziöse und täppische, seriöse und läppische, aber niemals dichtet er. Oder doch/ Ein Exempel nur:

Und ist sie aucl) nicht keusch wie eine Lilie, Ich opfre mich dem Frieden der Familie."

Ist das gedichtet oder für einen Eotilwnscherz gereimt? Es ist ja ein ganz artiges Spiel für die Zuhörer, den tommenoen Reim zu erraten, den Bühnenfchaupiatz als Spielplatz zaungastmäßig zu betrachten und an einem Masken)eherne anderer sich zu belustigen. Aber ein Kunst- genuß ist das tvahrhaftig nicht. Ten bietet kein Blu­menthal. Ter ist ein Poet der Oberfläche, so ganz nach der Art unseres flüchtigen Zeitalters, dem man es schließ­lich nicht verdenken darf, wenn es den Verzicht auf Eeinüts- tiese den mißglückenden Versuchen, in die Tiefe zu steigen, -vorzieht. Blumenthals glattes, prickelndes, mit schimmern­den Leuchtkugeln bunt umspieltes Bersgekringel geht zu­meist angenehm zurii Ohr, umklingt etwas, was man üls freunolichen Sorgenbreck)er gelten lasfcn ^uin, ist aber nie imstande, einen Eindruck zu hinterlassen.

Eüie besondere Eigentümlichkeit, auf die er in den letzten Jahren verfallen ist, wenn ihm einmal für die kommende Theaterspielzeit zum neuen, nach feiner

und der meisten gefchästsjrohen deutschen Bühnen­leiter Meinmig unbcdmgt fälligen Stücke kein origineller, mühelos zu einem Handlungsreichen Schlager auszugestaltender Einfall kommt, tritt auch hier zutage. Er zitiert denGeist" (0. h. in diesem Sondersalle nur ein paar Geistes- und Kl.iderfetzen) eines großen Maimes, um sein Lustspiel" über den Standpilnkt seiner einstigen Mitwirker am Lüebstuhl des deutschen Sckstvankes, der Herren v. Schönthan, Kodelbnrg und Koppel-Eltseld, empor und nahe an die Höhe des Lustspiel- (nicht des Talisman-) Dichters Fulda zu heben. Allerdings ist er seit der derben Zurechtweisung, die ihm allenthalben Publikum und Kritik ob seiner Visnrarck-Trooestie einsti.nrnrig zuteil werden ließen, vorsichtiger geworden. Aus der neuen Zeit flüchtete er ins 17. Jahrhundert, wo er seltfamerweise weniger leicht auf Stilschwuppern vom Publikum glaubte ertappt werden zu können, und kandierte als schlauer Kunstgaukcer feine Neu- tjeit mit kunfttiebhaberischem Bttoungsaufguß. TerSchwur der Treue" tritt in einer Rembrandi-Verneidmlg auf. Wir lernen auf eine neue, bisher gänzlich unbekannte und überraschende, aber ebenso unglaubliche, ja unmögliche Weife Rembrandt als Erzieher kennen, als Erzieher zur Ehe. Mit munteren Witzwvrten behandelt Blumenthal das Thema, das oft genug dramatisch angepackt worden ist, vom Othello bis zu FuldasLjwillingsjchwester" und Auernheimers Großer Leidenschaft", das Problem von der ehelichen Treue. Bei Shakespeare finden wir das schöne Wort:Auch die stärksten Eide sind Stroh, der Glut des Blutes gegenüber." Herr BlumentM, der Klügere, unterstellt dagegen dem be­rühmten Tresvener Renibrmidtschen Gemälde, das uns Frau Saskia auf den Knien des Meisters zeigt, während er keck das Kelchglas schwingt, als Grundmotiv den Lehr­satz:Tie Treue sitzt im herzen, nicht im Mut".

An der treuschivurlosen, also streng genommen fielen Che Veit van Emdens, des (erdichteten) LiebttngsschülerS Rembrandt's, liefert er die Probe aufs Exempel. Sticht ein

toter Löwe", sondern ein recht lebendiger, Frauenhcrzer knickender junger Löwe des Salons war dieser Veit vor seiner Ehe. Wenn aber seine Sinne auch jetzt noch cinrnal eine Exkursion inS Unerlaubte machen wollen, verführt von dep laxen Sitten der Grast» Lux, von denen mit fatalem Kichern die Rede ist, der flatterhafte Veit kehrt schließlich doch zu seiner liebreizenden Ehcgesponsrn Klaudme zurück. Der Ex-Donjuan wird ihr fortan als gezähmtes Haustier angehören up ewig ungedeelt. Wie die Kirschen aus deS Stach- bars Garten eben nur so lange locken, als sie zu naschen uns verboten ist, so ist's auch, meint der alte Herr Blumen­tal, mit den kirschroten Lippen schöner Frauen. Alan kann, wird mancher Veit des 20. Jahrhunderts sagen, auch anderer Ansicht sein . . .

Rembrandt, der größte Menschenmaler aller Zeiten, als Patron Blunienthalscher Gliederpuppen! Ist ein venvegenerer Stoß gegen alles Stilgefühl denkbar? Es sind konventionell, frisch und flott und skrupellos gezeichnete Bühnenchpen, alS führten ein paar lustige Leutchen mit netter DurchschnittS- brldung eine muntere Maskerade in einer modernen Groß- stadtvilla auf! 9)lit größerem Rechte als in das 17. Jahr­hundert Antwerpens hätte Blumenthal diese niedlichen Püpp­chen nach Berlin W. ins 20. Jahrhundert versetzen können und besser Frl. Klaudine in die Gewänder einer ^onuuerzien- ratstochter, ihren fibclcn Ohm, der seine knappe moralische Barschaft am liebsten anderen zur Verfügung stellt, in den Reiferock des märlische» Junkers gesteckt. Denn nichts, aber auch gar nichts spüren wir hier von dem Reuibrandt- schen Zeitalter ober gar von bein Ncmbranbtschen Zeitgeiste.

Und ebenso wenig beulet, zumal in bem allzu üppig wuchernben episobischen Beiiverk, auf ein tieferes Erfassen bes vom Verfasser flüchtig aufgeworfenen und just für einen