Ausgabe 
11.10.1906 Erstes Blatt
 
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Ausland.

London, 10. Okt. Noch einer Meldung deS Dail. Telcgr. aus Saloniki ereignete sich indem mazedonischen Dorfe Zaza Marikavo in der Provinz Monazo eine entschliche Tragödie. Eine griechische Bande überfiel plötzlich das Dorf, um Rache wegen der Angriffe der bulgarischen Banden zu nehmen. Die Griechen richteten ein furchtbares Blut­bad an. Allen Männern wurde die Kehle durch­schnitten, im Ganzen etwa 200. Türkische Truppen, welche herbeigeholt wurden, leisteten keine Hilfe, sondern gingen da­ran, ein anderes Dorf in der Nähe zu zerstören. Hier wurden 10 Männer und drei Frauen von den türkischen Soldaten getötet.

Belgrad, 10. Okt. Für die am Sonntag zusammen­tretende Skupschtina werden skandalöse Enthüllungen über die Korruptions wirtschaft deS Minister- prasidenten Paschitsch vorbereitet.

A'Mches.

Arg verspätet glaubt die Times über ein Attentat be­richten zu sollen, das angeblich vor seiner Finnlandrcisc aus den Zaren unternommen worden sein soll. Danach soll der Zar eine Parade abgenornrnen haben, an die sich eine Gefechts­übung anschloß, wobei mehrere Kugeln in unmittelbarer Nähe des Zaren einschlugen.

In Pcterh-of macht die Polizei durch Anschlag bekannt, daß das Automobilfahren in derNähe des kaiserlichen Palastes auf das strengste verboten sei. Die Schildwache hat den strikten Befehl, ans Zuwiderhandelnde zu schießen.

Gerüchtweise verlautet, die russische Negierung suche vor dem Zusammentritt der neuen Duma eine ausländische An­leihe abzuschließen.

Der Kongreß der Kadettcnpartei in Helsingsors nahm mit 84 gegen 44 Stimmen die vom Zentralausschusse eingebrachte Resolution an, die den passiven Widerstand für un­möglich erklärt. Tie Resolution der Minderheit, die die Organisation des passiven Widerstandes empfiehlt, wurde mit 88 gegen 53 Stimmen verworfen.

Für st, Jason Pawlesnow wurde im Dorfe Gorkij in der Nähe 'von Tiflis ermordet. Er hatte sich^durch seine Strenge bei den Revolutionären verhaßt gemacht. Seine Leiche wurde lange auf der Straße liegen gelassen. Die Mörder ent­kamen.

In Riga ließen zwei junge Frauen in einem Straßenbahn­wagen ein Paket liegen, das sich bei näherer Untersuchung als eine mit Dynamit geladene Höllenmaschine erwies. Durch Anhalten des Wagens wurde die Explosion verhütet.

In Wilna verhaftete die Polizei das ganze Personal einer Vereinigung für revolutionäre Propaganda in der Armee. Unter den 23 Verhafteten befinden sich ein Offizier und 2 Soldaten.

In Lodz versammelten sich viele Tausende an dem Platz, wo sechs Terroristen hin gerichtet worden waren, bereit Namen die Behörden verheimlicht hatten. Die Leichen wurden aus denGräberngeholt und Geldsantmlungen veranstaltet, um die Erschossenen in Särgen beisetzen zu können. Kaum hatten die Sammlungen begonnen, als Kosaken herbei eilten, welche die Menge mit Säb e ln und Knuten hieben auseinander­trieb. Dabei wurden zwei Arbeiter schwer und viele leichter verletzt, 30 Personen wurden verhaftet. Solange das Feldgericht weiter tätig ist, soll der Generalstreik nnbav.cm.

Der Redakteur Gadomski in Warschau, der, als er seinen Schwiegervater gegen Banditen verteidigte, von diesen durch Revolverschüsse schwer verwundet wurde, ist gestorben.

In Gaidowka bei Sosnowice drangen Revolutionäre in die Wohnung des Haus- und 'Gutsbesitzers BieMi und forderten Geld. Da sie nur 300 Rubel erhielten, ermordeten sie Bielski und dessen Sohn durch Revolverschüsse.

Der Opernsänger Schaljapin in Petersburg wurde zu einer Strafe von 900 Rubel verurteilt, weil er sich weigerte, in der OperDas Leben für den Zaren" die Partie des Sussanin zu fingen.

Die Studenten der Moskauer Universität beschlossen, den Professor Sinizyn, Präsidenten der medizinischen Prüfungs­kommission, angeblich wegen seines schroffen Verhaltens gegen­über Studenten und Patienten zu b o y k o 11 i c r e n. In Wirk­lichkeit aber richtet sich der Haß der Studenten gegen ihn wegen seiner reaktionären Gesinnung.

Aus Sravl rrrro Catto*

Gießen, den 11. Oktober 1906.

* * Justizpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach, Amts- gerichtsrat Edmund Beyke, zum OberamtSrichter bei dem Amtsgericht Bensheim ernannt.

* Lehrerpersonalien. Ernannt wurde der provis. Lehrer an der Präparandenanstalt in Lich Gg. Kilian zum Lehrer an dieser Anstalt, unter Belastung in der Kategorie der Volksschullehrer. Uebertragen wurde dem Lehrer Äug. Bopp zu Dalheim eine Lchrerstelle an der Gemeindeschnlc zu Wallerstädten; dem Schulamtsaspiranten Jos. Harrer aus Hofen (Württemberg) eine Lehrerstclle an der Gemeinde­schule zu Hainhausen; dem Schulamtsaspiranten Gottfr. Weber aus Nierstein eine Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Gau--Algesheim. Bestätigt wurde der von dem Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Michelstadt präsentierte Schulamtsaspirant Adam Knecht aus Lampertheim; ferner der von dem Grafen zu Solms-Rödelheim in Assenheim auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Friedberg, Stadtteil Fauerbach, präsentierte Lehrer Karl Sang zu Bruchen­brücken.

* Der erste sozialdemokratische Beigeord­nete in Hessen. DieDarmst. Ztg." meldet:

S. K. H. der Grvßherzog haben Allergnädigst geruht, am 10. Oktober d. Js. die von der Stadtverordnetenversammlung zu Offenbach vollzogene Wahl des Stadtverordneten Leonhard Eißnert zum unbesoldeten Beigeordneten daselbst zu bestätigen.

Nachdem die Beigeordnetenwahlen van Mühlheim und Kelsterbach, die ebenfalls sozialdemokratisch ausgefallen waren, von den Kreisausschüssen zu Offenbach und Groß-Gerau, erstere auch vom Provinzialausschuß, nicht bestätigt worden waren, durfte man doppelt gespannt sein, wie die Negierung sich zu der Wahl eines notorischen Sozialdemokraten zum Beigeordneten in der drittgrößten Stadt des Landes verhalten werde, und weite Kreise wollten in dem Ausfall ihrer Ent­scheidung den Prüfstein dafür erblicken, ob die hessische Regierung wirklich liberal sei. Nach der jetzigen Entscheidung werden selbst die Sozialdemokraten hieran nicht mehr zweifeln können und ihrem agitatorisch vielfach ver­werteten Gerede, als ob die Sozialdemokraten Staatsbürger zweiter Klasse seien, ist mit der Bestätigung EißnertS der Boden entzogen worden. Unter diesen Umständen gewinnt die Offenbacher Bürgermeisterwahl, die wohl schon in den nächsten Wochen erfolgen wird (nach einer uns zuge­gangenen Mitteilung beschäftigt sich der für die Wahl ein­gesetzte nur aus Sozialdemokraten bestehende Souderauschuß heute mit der Sichtung der eingegangenen Bewerbungen),

erhöhte? Interesse, da bekanntlich in der Offenbacher Stadt- v er ordneten-Versammlung eine sozialdemokra­tische Zweidrittelmehrheit besteht.

** Bürg errneisterpersonalien. Der neugewablte Bürgermeister Ur ich zu Hitzkircheu ist unter dem 8. Okt. verpflichtet und in seinen Dienst eingewiesen worden. Bürger­meister Wagner zu Rindcrbügen ist auf seinen Antrag von der Führung der Bürgermeistereigeschäfte entbunden und der Beigeordnete Heinrich Kaiser bis zur Neuwahl eines Bür­germeisters damit betraut worden.'In N e i be r t e n r o d wurde Herr Heinrich Schmidt II. zum Bürgermeister gewählt.

* Einrücken der Rekruten. Kaum sind die Manöver zu Ende und die alten Mannschaften zur Reserve entlassen, so heißt es für den nestausgehvbenen Rekruten einrücken zum Kommiß". Wie die Reservisten mit fröh­lichem Liedersang der Kaserne LebewoU sagten, so tut es der Rekrut zu Hause in seinem Freundeskreise. Doch während der stolze Reservist mit freudigem Gefühle sein Abschicdslied fang, so klingen die Scheidelieder der Re­kruten etwa§ Wehmütig:Heute scheid' ich, heute Waud'r ich, keine Seele weint um mich." Doch der junge Mann ist stolz, daß er nun des Kaisers Rock tragen soll, und stolz ist auch der Vater. So sprach zu dem Schreiber dieses einer dieser ehrwürdigen 70er:Ich hab' dem Kaiser ge­dient, und mei' Buwe solle aach Soldate Wer'n, doas is niet' Stolz." Mancherlei Bräuche herrschen heute noch auf dem Lande, um den Rekruten abschied zu feiern. Die Spinn ftubengenoffen und -gen off innen kommen abends zu- sammen, und fröhliche Soldatenlieder und wehmütige Scheidelieder erklingen.Morgen muß ich fort von hier" singt der eine, undTrautes Liebchen, ich muß scheiden" der andere. Mancher, der dieGefahren" des Soldaten­lebens und dieAnziehungskraft desZweierleiLuchs" noch nicht kennt, ist so unklug, feinem Liebchen schon heute feste Versprechungen zu machen und singt:Und ist die Dienstzeit dann vorbei, und du mein Liebchen bleibst mir treu, so führ ich dich, gewiß und wahr, als meine Brant zum Traualtar." Zieht dann am andern Morgen die fröh­liche Schar aus, so erschallt das alte Volkslied:Jetzt reisen wir zum Tor hinaus, mein Schatz der schaut zum Fenster hinaus, ade."

* * Aus dem Bureau des Stadttheatcrs. Da von vielen Seiten der Wunsch ausgesprochen wurde, die so wohlgelungene Aufführung vonBraut von Messi ua" auch an einem Nachmittage zu wiederholen, so hat die Di­rektion das Schillersche Trauerspiel für nächsten Samstag, 13. d. M., nachmittags */»4 Uhr, als Schüler Vorstellung zu ermäßigten Preisen angesetzt.

Gastspiel Ferdinand. Das im gestrigen Blatte angezeigte Gastspiel deL Dr. Ferdinand findet im neuen Saal­bau statt.

* * Diebstahl. Heute vormittag 9 Ubr entwendete ein Arbeiter aus Tiefenbach in einer hiesigen Wirtschaft ein Portemonnaie mit 70 Mark. Da der Diebstahl gleich entdeckt wurde, flüchtete der Dieb in ein HauS in der B a h n- hofstraße. Ein Gendarm und ein Schutzmann sandenden Täter im Abort deS 3. Stockwerks vor, er hatte sich von innen eingeschlossen. Da er nicht öffnete, wurde die Türe von außen gesprengt. Gleichzeitig fielen im Abort zwei Schüsse. Ob die Schüsse die Beamten abschrecken oder ihnen gelten sollten, bleibt dahingestellt, der Täter hatte aber die zwei Kugeln selbst im Kopf unb mußte vorerst in die Klinik ge­bracht werden. Die Verletzungen scheinen sehr leicht zu sein, denn er konnte noch auf der Polizei vernommen werden und in die Klinik gehen. Das Portemonnaie mit 30 Mark in Gold fand sich vor, das Silbergeld und den Revolver hat der Töter in den Abort geworfen.

Schwindel. Am 21. d. Ms. verbreitete eine Firma Verkelbach u. Co. zu Utrecht in den Zeitungen Prospekte, worin zur Beteiligung an einer Lotterie gesell schäft auf­gefordert wurde. Es ist nun daraufhin ermittelt worden, daß die betr. Firma gar nicht existiert, und lediglich an einem Hause in Utrecht ein Firmenschild mit ihrem Namen angebracht ist, aber keine Inhaber der Firma vorhanden sind. Die unter der Adresse einlaufenden Briefe und Geld­sendungen werden von den Gaunern auf der Post abgeholt und jeder ist betrogen, der auf den Leim geht und Geld einschickt.

* Betrüger. Gestern nachmittag erschien in einem hiesigen Schuhwarenges chäft ein junger Mann und über­gab einen verschlossenen Brief des Inhalts, man möge dem Ueberbringer zwei Paar Stiefel zur Auswahl mitgeben. Unterzeichnet war der Brief mit dem Namen eines hiesigen Professors. Der Geschäftsinhaber unterließ nicht, zunächst telephonisch anzufragen, ob die Sache ihre Nichtigkeit habe und erfuhr, daß es sich um einen Betrug handelte. Er er­stattete alsbald Anzeige und der Betrüger nebst seinem auf der Straße wartenden Komplizen wurden in der Stadt noch betroffen und verhaftet. Sie entpuppten sich als die stellen­losen Handlungsgehilfen Arthur Germann aus Magdeburg und Fritz Keßler aus Jena. In ihrem Besitz fand sich noch ein Brief, der an ein anderes Geschäft adressiert war und demselben Zweck dienen sollte, ebenso noch eine Anzahl Kuverts nebst Briefkärtchen.

Vom neuen Bahnhof. Der Umzug der Fahr- karteu-AuSgabe, der Gepäckabfertigung und der Aufbewahr- ungsstelle für Handgenöck erfolgte heute. Die alten dafür verwendeten Räume sind dementsprechend von heute ab ge­schlossen.

* * Als Termin für die Zusammenberufung und Konstituierung der Hessischen Lau d wirtschaft s- Cam in er ist bestem Vernehmen nach der 22., bezw. 23. Okto­ber d. I. in Aussicht genommen. Die neue Institution der hessischen Landwirtschaft wird zunächst im Citzungssaule der Zweiten Ständekammer zusammentreten und sich in der ersten Sitzung lediglich mit der Vornahme der Wahlen zum Vor­stand unb der ev. Ausschüsse beschäftigen.

Wie in Darmstädter Lehrerkreisen ver­lautet, hat die Regierung eine Gesetzesvorlage ausgearbeitet, wonach die Gehalte der hessischen Volksschullehrer mit Wirkung vom 1. April 1907 derart erhöht werden, daß der Grundgehalt 1200 Mark, der Höchstgehalt 3 0 00 Ma rk beträgt. Der derzeitige Grundgehalt beträgt 1100 Mark, der Höchstgehalt 2800 Mark.

* * Der entdeckte Tenor. Schon vor Jahren hat ein den allerhöchsten Kreisen angehörender Herr im Walde beiHarnbach gelegentlich eines Jagdausslugs einen Tenor entdeckt. Der Sänger ist ein junger Holzmacher, der im Walde draußen ein Volksliedchen sang und dabei eine sehr gute Stimme verriet. Er studiert nun seitdem auf Kosten des besagten Herrn in Darmstadt bei den tüch­tigsten Musik- und Gesanglehrern. Wie von glaubwürdiger

Seite mitgeteilt wird, ist sichere Hoffnung vorhanden, daß der junge Mann es zu einem geschätzten Tenoristen bringen wird.

^Münchholzhausen, 10. Okt. Neber die Bluttat, die sich hier zugetragen hat, sei noch folgendes berichtet: Der etwa 50 Jahre alte Maurer Mampertin kam an dem Abend ziemlich spät und zwar wie dies öfters geschah in angetrunkenem Zustand nach Hause und fing mit seiner Frau Streit an. Als bald darauf der ältere Sohn heim­kehrte wurde er nach kurzein Wortwechsel vom Vater tätlich augegriffen. 9(I§ dieser sogar die Holzaxt ergriff, flüchtete er, vom Later verfolgt, auf den Hof. In der Notwehr ergriff der Sohn eine Latte und versetzte dem Vater einen Schlag, der leider statt den Arm den Kopf an den Schläfen traf. Der Vater stürzte rücklings in den vor dem Hause vorbei­fließenden b ling§Häuser Bach. Als man ihn heraus­zog war er zum großen Schrecken der Angehörigen eine Leiche. Der so zum Mörder seines Vaters gewordene junge Mann wird allgemein bedauert. Er stellte sich selbst der Ortspolizei und wurde nach Wetzlar ins Gefängnis gebracht. Ob nun der Tob vom Schlag allein eintrat, oder ob er auch nur betäubt war und im Wasser vollends erstickt ist, wird die Untersuchung ergeben.

sd. Darmstadt, 10. Okt. Prinzessin Heinrich von Preußen hat heute mit ihrem Sohne Siegismund ihren kurzeiu-dlufenthalt bei dem Besuche ihrer Schwester Prinzessin Ludwig von Battenberg auf Schloß Heiligenberg beendet und ist wieder nach Kiel zurückgefahren. DerGroß- h erzog fuhr heute nachmittag zu Besuch der Herrschaften zur Tafel. S. K. H. begleitete dann die hohen Verwandten zur Bahn nach Bickenbach, wo der sonst nicht anhaltende Schnellzug die Prinzessin mit Gefolge nach Norden entführte. Nach den bisher getroffenen Dispositionen wird daS Groß- herzogliche Hof lager im Laufe der nächsten Woche von Jagdschloß Wolfs gart en nach Darmstadt verlegt werden. (Darmst. Ztg.)

h. Frankfurt a. M., 10. Okt. Zum Andenken ihrer Eltern haben die Kinder von Moritz und Johann Oppen­heimer 1 00 000 Mk. dem Kindergarten für Israeliten zugewendet. Der Porks hire - Chor richtet anläßlich der guten Aufnahme der Sänger an die hiesigen Zeitungen ein Dankschreiben, in welchem er die Hoffnung zum Ausdruck bringt, daß weitere derartige freundschaftliche Besuche dazu beitragen möchten, ein besseres Empfinden zwischen den beiden großen Ländern herbeizuführen und Freundschaft und Wohl­wollen zwischen ihnen zu befestigen.

** Kleine Mitteilungen au 3 Hessen und den Nachbarstaaten. Dem Vantechniker Albert Lang in Her­born, gebürtig von Großen-Lin den wurde auf Grund hervorragender Leistungen in seinem Fache und nach Msolvier- ung einer Prüfung in Elementarsächern nach § 89 Ziff. 6 der allgemeinen Wehrordnung, die Berechtigung zum Einj.-freiw. Mi­litärdienst zuerkannt. In Offenbach wurde ein zweijähriges Kind, welches auf der Straße spielte, von einem schweren Roll- fuhrwerl' überfahren und starb an den erhaltenen Verletzungen. In Groß-Gerau war ein junger Mann in einen fal­schen Eisen bahn zu g gestiegen, was bei der Kontrolle der Fahrkarten festgestellt wurde. Er wollte dann beim Eintreffen in der hiesigen Station aus dem Wagen springen, geriet aber unter die Räder und wurde vollständig zermalmt.

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Vereds scht§s.

V oppard, 10. Okt. Eine furchtbare Pulver- explosion ist gestern nachmittag in dem Oertchen Schwall bei Halsenbach vorgekommen. Der Schachtmeister Flick in Schwall hatte in dem Hause eines Landwirts auf dessen Er­laubnis hin einen Sack Pulver, der etwa 4050 Pfund schwer war, untergebracht, damit er nicht jedesmal in das Pulvermagazin gehen müsse. Gestern nachmittag schickte er einen 16jährigen Arbeiter in daS Haus des Landwirts, um dort das Pulver zu holen. Die Tochter des Ackerers Wilh. Schmidt öffnete ihm die Kellertür. In dem Keller angelangt, zündete der junge Mann ein Streichholz an, um nach dem Sack zn suchen. Von dem Streichholz sprang nun ein glühendes Teilchen ab und unglücklicherweise gerade auf den Sack, wodurch dessen Inhalt sofort explodierte. Der junge Mann erlitt schwere Verletzungen. Das Fleisch hängt ihm vom Körper herunter. Auch das Mädchen, welches die Tür geöffnet hatte, trug erhebliche Verletzungen davon. Der Schachtmeister stellte sich sofort der Behörde. Er hat Frau und vier Kinder unb wurde deshalb wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Haus liegt vollständig in Trümmern. Da es isoliert stand, ist ein größeres Unheil verhütet worden. .

* Berlin, 10. Okt. Als heute mittag die 61jährige Witwe Kreszentia Sackmeister an dem 25jährigen Schlosser Kaufmann aus Nagy-Kasoly in Ungarn, der auf dem Hcrmaunsplatz in Nixdorf auf eine Straßenbahn wartete, vorübergiug, stieß ber Ungar fie mit einem Dolche nieder. Er traf die Witwe in die Brust, in das Gesicht, in den Leib, und als die entsetzt cmsschreicnde Frau die Hände zum Schutze vorstreckte, schnitt er ihr die rechte Pulsader durch. Die Witwe Sackmeister wurde in die Nixdorfer Krankenanstalt befördert, wo sie in einem hoffnungslosen Zustande anlangte. Als Motiv zu seiner Mordtat hat Kaufmann, der sofort verhaftet wurde, angegeben, daß die Witwe Sackmeister einen ,bösen Blick" gehabt habe. Er sei zu maßloser Wut gereizt worden, als die Frau ihn angesehen hätte, und habe sie deshalb töten müssen.

* Friedrichshafen, 10. Okt. Heute nachmittag unter­nahm Graf Zeppelin einen neuen Fahrversuch mit dem lenkbaren Luftschiff. Dieses flog zunächst landeinwärts, dann, durch Einsetzen der Motorkraft wieder im raschesten Tempo seewärts geführt, nahm cs seinen Weg über Meersburg und die Landenge nach Konstanz, am Schweizer Ufer über Romanshorn, Rorschach und den Ort Altenrhein hinweg und wandte sich dann, als es sich wieder nahe dem See befand, Langenargen und der Ballonhalle zu, in deren Nähe es nach 2 Stunden IG Minuten glatt landete. Gegen die ziemlich kräftige Secbrise gelang es dem Luftschiff, mit einer relativen Geschwindigkeit von reichlich 12 Metern anzufahren.

"Der neueste Eisenbahnunfall. Am 9. d. M. entgleisten in der Haltestelle Käfertal (Baden), wahrschein­lich infolge vorzeitiger Einstellung einer Weiche, drei am Schlüsse eines Zuges laufende Wagen. Ein 17jährige8 Mädchen erlitt eine Verletzung. Sonstige Verletzungen sind, obwohl der Zug voll besetzt war, nicht vorgekommen.

* Diord eines Schülers an einem Lehrer. In Meiderich schlug ein zwölfjähriger S ch ü l c r in der Schule