Ausgabe 
11.10.1906 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Domrersrag 11. Ottober 1906

Ire heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.

KsSiLische Lcrgessehan«

156. Jahrgang

Schulstrasse 7.

Redaktion 112

Verlag u.Exped.e-^51 Adresse für Depeschen:

Aürsten-Nriefwechsel zur Kraunschwergi/chen Irage.

Zwischen dem Kaiser, dem Herzog von Cumber-- kand, sowie zwischen letzterem nnd dem Reichskanzler fand wegen der Negierung in Braunschweig ein Briefwechsel statt, den die ,Nordd. Allg. Ztg."' zu veröffentlichen ermäch­tigt ist:

Schreiben des Herzogs an den Kaiser:

Durchlauchtigster, gretzwämtigster Kaiser und König, freund- lich lieber Vetter und Bruder! Tie Resolution, welck)e die Larrdesvcrsammlung des Herzogtums Braunschweig zur 9Zeuorb» nnng der Regicrungsverl-älttlisse des .Herzogtums am 25. Sep­tember angenommen und das Herzog!, ^taatsministerium mir zur Kenntnis gebracht hat, gibt mir Anlatz, an Eure kaiserl. und wnigl. Majestät mit einer freundlichen Bitte mich zu wenden. Es ist mein Wunsch, eine endgültige Ordnung der Regrerungsvcrhättnisse im Herzogtum Braunschweig aus dem Wege herbeigefiihrt zu sehen, datz ich u n d m c i n ä l t e st c r S o h n Prinz Georg Wilhelm unsere R e ch t e auf die Regierung im Herzogtum aus meinen jüngsten, nach braunschweigischem Dausgesetz volljährigen Sohn, Prinzen Ernst August übertragen, und datz dieser als Herzog die Regier­ung übernehme. Mir und meinem ölte st en Sohne, sowie dessen Deszendenz würde die Sukzession in Braun­schweig für den Fall Vorbehalten bleiben, datz die Linie meines jüngsten Sohnes erloschen sollte. Die Verzichtleistung auf den braunschweigischen Thron würden ich und mein ältester Sohn aussprcchcn, sobald die Gewissheit besteht, daß der Re- gierungsübcrnahmc meines jüngsten Sohnes keine Hindernisse entgegenstehen.

Diese meine Absicht und meinen Wunsch bitte ich dem aller­gnädigsten Wohlwollen Eurer kaiserl. und königl. Majestät em­pfehlen zu dürfen^ Mit der Versicherung der vollkommensten Hochachtung und Freundschaft verbleibe ich Eurer kaiserl. und königl. Majestät freundwilliger Vetter und Bruder gez. Ernst August. Gmunden 2. Okt.

Schreiben des Herzogs von Cumberland an den Reichskanzler:

Wr. 239

«rfftetnt täglich außer SonmagS.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck tu Ver­lag der Brüh l'kchen Univers.-Buch-u. Stein- drrickerei. R. Lange.

Gietzener Anzeiger

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Respektes vor fremder Ueberzeugung erfüllt, und sie wurden nicht von dem leisesten Mißton gc'tört. So darf man hoffen, dass diese Tage von Segen für unsere evangelische Kirche ge­wesen sind und datz sie vor allem die Ueberzeugung gestärkt haben, datz trotz aller Verschiedenheit der Auffassungen doch ein fester ^Boden der Gemeinschaft verstanden ist, und daß auch die Forschungen der modernen Theologie nicht auf Un-

DeuLsches Reich.

Berlin, 10. Okt. Der Kaiser traf heute abend im Automobil von Hubertusstock, die Kaiserin mit der Bahn ein. Um 8 Uhr abends fand im Konzertsaal des Schauspiel­hauses in Gegenwart der Majestäten eine Gedächtnis­feier für den Prinzen Louis Ferdinand statt. An der Feier nähme,: u. a. die Prinzen des kgl. Hauses, die Rektoren der Universität und der Technischen Hochschule, Vertreter des Kricgsministeriums uslv. teil. Die F-eier be-, gann mit dem Vortrage von Zelters seinerzeit zur Trauer-, feier des Prinzen Louis Ferdinand komponierten Motette Der Menschen Streit ein ewig Streben" durch den Opern- chor. Hierauf hielt Oberstleutnant Dickhuth eine Gedächtnis­rede. Darauf folgte der Vortrag eines Klavierquar- tetts vom Prinzen Louis Ferdinand. Den Schluß machte der Trauermarsch aus der Eroica-Symphvnie von Beethoven.

Die zurzeit mit Spanien schwebenden Handelst vertragsverHandlungen nehmen nach derPost"" einen so befriedigenden .Verlauf, daß die Reichs- regierung berechtigten Grund zu der Hoffnung zu haben glaubt, dem Reichstage noch in diesem Jahre den Entwurf eines zufriedenstellenden neuen Vertrags vor-, legen zu können.

Gegenüber einer Mitteilung derGermania"" er­klärt dieNordd. Allg. Ztg."", daß eine Verfügung auf Ueberweisung der Angelegenheit Wistuba an die Disziplinär- kammer noch nicht erfolgt, daher eine solche nicht rück­gängig gemacht werden konnte. Die Erklärung für die Verzögerung des Disziplinarverfahrens liegt darin, daß inzwischen ein Strafverfahren gegen Wistuba öffnet worden ist.

Leipzig, 10. Okt. Die Stadtverordneten nahmen ein­stimmig die Ratsvorlage an betreffend die Einver­leibung der Vororte Möckern, Stötteritz, Stünz, Probstheida, Dösen mrd Dötitz. Die Zustimmung der Rc-, gierung ist zweifellos. Die EinwoHnerzahl von: Leipzig wird dann 538 000 betrageu

Saatfeld, 10. Okt Ber herrlichstem Wetter fand heute nachmittag die 10 0jährige Gedenkfeier an das öefedjt bei Saatfeld auf dem Schlachtfelds bei Wöhlsdorf statt. Der Feier wohnten u a. bei: Die Füritts von Schwarzburg-Rudolstadt, als .Vertreter des Kaisers General der Infanterie v. Kessel, Prinz Ernst von Sachsens Meiningen, Staatsminister Frhr. v. d. Recke-Rudolstadt, eine Abordnung des , 27. In sau terie-Regiments Prinz, Louis Ferdinand und eine Abordnung des Husarenregiments von Schill. Nach dem Gottesdienst erfolgte die Kranznieder­legung am Denkmal, wobei General v. Kessel eine längere Rede hielt. Zum Schluß hielt Oberleutnant Franke einen Vortrag über das Gefecht be. Saatfeld im Jahre 1806.

Karlsruhe, 10. Okt. DieKatttsr. Ztg." veröffent­licht eine Reihe von Ordensauszeichnungen durch den Großherzog. Verliehen wurde u a dem spanischen Gesandten und Minister de Beruabö das Großkreuz des! Ordens vom Zähringer Löwen, das Ritterkreuz 2. Kl. mit Eichenlaub dem Che fredakteur Herzog in Karlsruhe.

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Hoffentlich zeigt sich die englische Negierung von der- glaube hinauslaufen, sondern im Dienste des Glaubens stehen lewen Ansicht durchdrungen gegenüber den beizpieNosen' und wirken.

Der Braunschweiger Briefwechsel und die Presse.

In der Besprechung des Briefwechsels zwischen dem Herzog von Cumberland mit dem Kaiser und dem Reichs- kan^er sind sich die meisten Blätter darin einig, daß durch das Anerbieten des Herzogs zugunsten seines jüngeren Sohnes auf den Thron von Braunschweig zu verzichten, eine neue Situation nicht geschaffen sei. Man kann die Ausführungen der Blätter dahin resümieren, daß der Herzog nicht geben, sondern nur nehmen wolle, denn er beharrt stillschweigend auf der Mchtanerkennung der Annek­tierung Hannovers, wünscht aber trotz dieser Auffassung, daß (em jüngerer Sohn den braunschweigischen Tbron ein-.

Ein Verleumdttngsarükel.

Wenn gelegentlich davon gesprochen worden ist, es müsse deutscherseits die Empfindlichkeit fremder Na­tionen geschont.werden, sofern man die eigene berück­sichtigt zu sehen wünsche, danil wurde dieser Hinweis speziell an die Adresse der deutschen Witzblätter ge­richtet, denen man vorhielt, daß sie zuweilen in der Jroni- sierung fremdländischer Souveräne zu weit gingen. Auch Fürst Bülow hat einmal im Reichstag in diesem Sinne ^.adel und Mahnung ausgesprochen. Daß jenseits der deutschen Grenzen sich vielgelesene, obendrein ernst- gehaltene Zeitschriften finden, die spitzere Pfeile entsenden, als die deutschen satirischen Blätter, dafür liefert die Lo n d o n erNational Review^" ein mar- fante-g Beispiel in ihren mit Gift gegen Deutschland ge­tränkten Monatsübersichten. Der besondere Mitarbeiter der ^?^buzztg." für auswärtige Politik, der nicht selten im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt die Feder führt, macht auf den letzten Hetzartikel dieser Monatsschrift auf­merksam, in dem gegen die Person Kaiser Wilhelms gerichtete Unterstellungen beleidigendster und ver­logenster Art enthalten sind. Es wird dem Kaiser vorgeworfen erstens: drei Kriege herbeigeführt zu haben den spanisch-amerikanischen, den süd­afrikanisch en, den russisch-japanischen,- zwei­tens: die Krisen in Siam, Faschoda und Porr Arthur zugespitzt zu haben; drittens: im Oktober 1904 bemüht gewesen zu sein, eine Berständigurrgin der Doggerbankaffäre zu verhindern. Mit Recht fordert derKreuzztg."-Mitarbeiter auf, sich dieser bös- willigen Lügen zu erinnern, wenn wieder einmal sehr zahme Betrachtungen der deutschen Presse zu angeblichen Felndieligkeiten gegen die englische Nation ausgebauscht werden. Etwas Aehnliches wie diese Ungeheuerlichkeiten, me hier dem Beherrscher eines Staates vorgeworfen werden, mit dem England in politisch normalen Beziehungen lebt, und der zudem ein naher Blutsverwandter des britischen Königs ist, konnte allerdings noch nicht verzeichnet werden.

Wenn dieKreuzztg." ausdrücklich hervorhebt, daß die große Mehrzahl der englischen Preßorgane keineswegs in den Ton derNational Review"" einjtimmt, sondern in freundschaftlicher Weise über das Verhältnis des Jnselreichs zu Deutschland spricht, so muß dasWohlverhalten"" erst recht in Anspruch genommen werden für den weitaus überwiegenden Teil der deutschen Zeitungen und Zeit­schriften. Es bleibt abzuwarten, ob der englische Kabinetts­chef oder der Minister des Auswärtigen vor dem Parla­ment das in hohem Grade bedenkliche Verhalten dieser Zeitschrift als solches kennzeichnen wird.

Frn deutschen Reichstag hat es sich vor wenigen Jahren ereignet, daß der Reichskanzler den Schild über den eng­lischen Minister Chamberlaiu hielt, als letzterer von einem alldeutsch gerichteten Redner gelegentlich einer Besprech­ung -es Burenkrieges mit Worten derber Kritik bedacht wurde. Und doch konnte dieser Redner am nächsten Tage auf eine Anzahl telegraphischer Zustimmungskundgebungeu verweisen, die ihm aus den Kreisen des deutschen Volkes zugegangen waren. Der Reichskanzler behielt gleichwohl alle besonnenen Elemente aus seiner Seite, dem: die Auf­fassung behauptete sich, daß solche Vorstöße Zurückweisung verdienen im Interesse des internationalen Friedens.

Verdächtigungen seitens derNational Review"". Von einer Beschwerde des Londoner deutschen Botschafters, dem diese Monatsschrift doch wohl auch zu Gesicht kommt,' verlautet einstweilen nichts. Graf Wolff-Metternich bemüht sich aller- dings auch an seinem Teil um Besserung der deutsche- englischen Beziehungen, aber durch vornehme Ignorierung solcher böswilligen Artikel würde der Besserung wohl nicht so sehr gedient, als durch die entschlossene Fordere ung an die offiziellen Stellen, der Verbreitung oder Wiederholung öffentlicher Verleumdungen ent- g e g enz n t reten.

Eurer Durchlaucht beehre Ich mich die Abschrift bc5 Schreibens, welches ich an des Deutschen Kaisers und Mnigs von Preußen Majestät wegen Uebernahme der Regierung im Hcrzogtum Braun­schweig gerichtet habe, zur geneigten Kenntnis hierüber zu über­senden, und ersuche Eure Durchlaucht als Vorsitzenden des Bun­desrats, diesem Mitteilung machen zu wollen, sobald Durchlaucht dies für angezeigt halten. Indem ich freundlich die Bitte aus- spreche, datz Durchlaucht der Verwirklichung meines' in dem Hand­schreiben seiner Majestät unterbreiteten Vorschlages geneigte Un- terstutzung au gedeihen lassen wollen, verbleibe ich mit vollkommener Hochachtung Euerer Durchlaucht ergebenster (gez.) Ernst August, Gmunden, 2. Okt. 1906.

Schreiben des Kaisers an den Herzog von Cumberland:

An Prinzen Gruft August von Großbritannien und Irland, Herzogs von Cumberland königl. Hoheit. Durchlauchtigster Fürst, freundlich lieber Vetter. Euer königl. Hoheit Schreiben vom 2. 10. habe ich zu erhalten die Ehre gehabt. Die Regierung von Braunschweig ist durch Vundesratsbeschluß vom 2- 7. 85 in der nach Lage der Verhältttisse durch die Interessen des Reiches gebotenen Weise geregelt. Als berufener Hüter dieser Interessen muss ich An st and nehmen zur Neuregel­ung die Hand zu bieten, solange die Sach- und Rechts­lage, die zum gedachten Bundesratsbeschluss geführt hat, unver- ändert sortbesteht. Der Inhalt von Eurer königlichen Hoheit Schreiben bietet aber keinen Grund, diese Lage als verändert an zu sehen. Ich sehe mich daher äusser Stande, der mir von Eurer königl. Hoheit ausgesprochenen Bitte näherzutreten. Eurer königl. Hoheit bitte ich, die Versicherung der ausgezeichnetsten Hochachtung entgegenzuneh­men, womit ich bin Eurer königl. Hoheit freundlicher, ergebener ^»etter^ gez. Wilhelm II. Romiuten, 6. Oktober.

Schreiben des Reichskanzlers an den Herzog von Cumberland:

Seiner tönigl. Hoheit dem Prinzen Ernst August von Gross- brltannren und Irland, Herzog Cumberland. Eure königl. Hoheit beehre ich mich mit untertänigstem Dank den Empfang des gnädigen Schreibens vom 2. dieses Monats zu bestätigen, mit welchem Euere königl. Hoheit mir die Abschrift des von Ihnen an S. Ar. den Kaiser und König wegen der Regierung im Herzog- tum Vraunichweig gerichteten Schreibens zur Kenntnis übersandt haben. Was Eurer königl. Hoheit Wunsch nach Mitteilung dieses Schreibens an den Bundesrat betrifft, so muss ich mir die Entschliessung darüber Vorbehalten. Dagegen sehe ich mich zu meinem, Bedauern aufrer Stande, die g e- to unf *te ttuterftüfcun g des von Eurer königl. Hoheit S.M. dem Kaiser unterbreiteten Vorschlages zuzusagen. Die Geftchtsrmnkte, nach welchen ich als Reichskanzler, wie als preu-1 ß'-schcr JJctnmer des Auswärtigen pflichtmätzig die braunschweigische r^rage zu behandeln habe, sind in zwei in dieser Eigenschaft von mir mtt Genehmigung S. M. des Kaisers an die herzogl. braunschweigische Regierung gerichteten, inzwischen der Oesfent- lichkeit übergebenen Schreiben dargelegt. Von dem in diesem Schreiben eingenommenen Standpunkte aus glaube ich in Eurer kömgl. Hohett Vorschlag eine für die Reichsinter- ef f e n anne hm bat e Lösung n icht erblicken zu können.

i dem Ausdrucke der ehrerbietigsten Gesinnungen verharre ich als Euerer korngl. Hoheit Untertänigster

Homburg v. d. Höhe, den 7. Oktober 1906

(gez.) Fürst v. Bülow, Reichskanzler.

nehme, mrd verlangt außerdem die Freihaltung der Re­gierung des Herzogtums für sich und seinen ältesten Sohn, falls die Linie des jüngsten erlöschen sollte. Angesichts dieser Haltung des Cumberlünders iverden die ablehnenden Antworten des Kaisers und Reichskanzlers als auf dem Boden des Rechts und der Verfassung befindlich uild' als korrekt bezeichnet.

Die Post schreibt: Da sich au dem prinzipiellen Stand­punkt des Herzogs von Cumberland nichts geändert hat und kaum semals etwas ändern loird und da man auf der andern Sette ebenso entschieden an der Wahrnehmung der Interessen des Reiches festhält, so liegt für das braunschweigische Land kein Grund mehr vor, jetzt noch länger mit der definiliven Regelung der ^.hronsrage zu warten.

Die D e u t s ch e D a g e s z t g. meint: Es widerspreche un­leugbar dem Reichsinteresse aus das entschiedenste, wenn in einem deutschen Bundesstaat ein Fürst regieren solle, dessen Vater und Bruder Ansprüche auf Gebietsteile eines anderen Bundes­staates aufrecht erhalten, zumal wenn diesen Fürsten die Thron­folge gegebenen Falles Vorbehalten bleiben soll.

Die Tägl. Rundschau meint: Es ist schwer zu glauben, dass der Herzog von Cumberland selbst einen Erfolg seiner Zu­mutung erwartet hat, vielmehr darf man annehmen, daß es in 1 einer Absicht gelegen hat, die Krone Preußens erneut ins Un­recht zu fetzen und damit neues Wasser aus die Mühle der welsi- schen Agitation zu leiten. Tas Welfenhaus muss nach dieseln schritt für das Reich und das Herzogtum Braunschweig als ein für allemal erledigt angesehen werden.

Die Rat.-Ztg. meint: Der halbe Verzicht auf Vraun- ichweig kann den Mangel eines völligen Verzichtes auf Han­nover nicht wett machen. Bei den Welfen wird der Herzog von Cumberland nun wieder gewonnenes Spiel haben, was viel­leicht der Hauptzweck des Schreibens war.

Die Voss. Ztg. führt aus: Der Herzog von Cumberland beharrt auf seinem früheren Standpunkt; demnach haben auch Kaiier und Kanzler keinen Anlass, einer Aenderung des bis­herigen Zuilandes näher zu treten. Ihre Haltung ist nach Lage der Sache vollkommen korrekt. Ter Herzog von Cumberland will den Frieden nicht.

Das Berl. Tagebl. schreibt endlich: Kaiser und Kanz­ler beiiiiden sich in ihrem ablehnenden Bescheid durchaus auf dem Boden des Rechtes und der Verfassung. Die Art, wie der Schritt des Herzogs von Cumberland ausgelegt ist, kaNn nicht anders bezeichnet werden, als ein Schachzug, von dem aber wohl der Urheber selbst kaum erwarten wird, dass man ihn ernst nimmt.

Vcz«gSpret-r monatlich 7bPs., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk.2.viettel- jährl. ausschl. Bestellg, Annahme von Anzetgea für die Tagesilummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ aufwärts 20 Psg.

Verantwortlich füe den polit. und allgern. Teil: P. Wittko; füt Stadt und Lank/ und .Gerichtssaal': Ernst Hess; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Airche unO Schule.

§ Marburg, 10. Okt. Heute um 1 Uhr wurde bet Theologische Ferienkurs für Hessen und Nassau beschlossen. Am Montag mit 150 Teilnehmern, darunter 21 aus dem Großherzogtum Hessen, eröffnet, hat er unter nicht ermüdender äußerer und stets wachsender und sich vertiefender innerer Anteilnahme einen gradezu glänzenden und erhebenden Verlauf genommen. Das ivar vor allem den trefflichen Vor­trägen der Dozenten, sämtlich Professoren der theologischen Fakultät zu Dlarburg, gu danken. Prof. v. Iülicher redete über ^Neuere Forschungen zur synoptischen Frage", Prof. D. Weiß über:Forschungen zu dem religionsgeschichtlichen Hintergrund des Neiien Testaments", Prof. D. Herrmann überdie gegenwärtige Ausgabe der Dogmatik"'. Vor allem diese letzteren Vorträge verdienten in weitesten Kreisen, auch der Gemeinde bekannt zu werden, damit sie sieht, von welch tiefem Gewissensernst und von welch weitherzigem Verständnis für die Bedürfnisse der Frömmigkeit in unseren Tagen die Theologen getragen sind. Für die Teilnehmer waren gerade diese Vorträge Stunden ber inneren Erbauung. Auf bet Höhe standen auch die Diskussionen, in denen es auch an scharfem Widerspruch der zahlreichen auf anderem theologischen Standpunkt Stehenden nicht fehlte. Aber auch sie waren von dem ernsten Bemühen gegenfeitigen Verständnisses und des