Ausgabe 
10.4.1906 Zweites Blatt
 
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Professor Mattcucci konnte nach dem Observatorium zurück- kehren und telegraphierte das; das Observatormm durch den Steinrcgcn beschädigt und btc Instrumente durch die Voden- ersckiütterung in Unordnung geraten sind. -ter Krater werfe jetzt s Sandmassen aus und hin und wieder Gestembtocken. .

Flüchtlinge bestätigen, da» in Ottaianv 18 Hauser, die Käse nc, das Gefängnis un d 5 Kirchen ein­st ür'ztcn, sowie das; eine Glashütte in Flammen aufging. Auch der Tom 2t. Michael brach unter dem Truck der Lavamassen zu­sammen Viele Kunstschätze. Fresken und Mosaiken gingen nnt ihm zu Grunde. In St. Giorgia del Greco dauert der Aschen- rcgcn, der auf vielen Dächern handhoch liegt, fort, sodaß auch dort die Einsturzgefahr iminer grüner wird. Unter derselben Plage haben Pergola, Pvllena, Tcrrocchia und Marino zu leiden. Es fehlt j cd c Nachricht über den Verbleib von 90 Kindern aus der Klosterschule von Ottasana, die zer­stört ist und aus der die Kinder auf die Felder flüchteten. Die Panik ist so groß, daß ein Zug von San Giovanni nach -tc= duccbio, in dem sich über hundert Flüchtlinge befanden, ans der Station v e r l a s s c n wurde, weil die M a s ch i n i st c n und Heizer, vor dem Aschenregen in Angst versetzt, flohen und die Weichensteller infolge der Finsternis nicht arbeiten konnten. Zn San Carlo a Mortelle fanden tumultuarische Ansammlungen statt von geängstigten Menschen, die die verschlossenen Kirchen mit Gewalt erbrachen. Die Finsternis ist so groß, daß nickt einmal elektrische Lampen auch mir auf wenige Schritte leuchten. Niemals hatte Neapel eine so schauerlickc Nacht. Biele Herren und Domen gingen auf der Straße nur mit Automobil-Kappen und Brillen. ' Um 7 Uhr brach in_Ncapel ein fürchterliches Un­wetter los, das die Straßen in Schlammbäcke verwandelte.

Uebcrraschend Eoinmt folgende Nachricht aus der Haupt­stadt von Montenegro:

E et in je, 9. April. Seit gestern nachmittag bis heute früh fiel hier ein gelblicher Staubregen. Sämtliche Straßen und Dächer in Cetinje sind mit einer gelben Staubmasse bedeckt. Aehnlicher gelblicker Staub ging auch in Tulsigne, Antivari, Riesa und anderen Orten nieder. Vermutlich "steht dieser Staub mit dem Besuvausbruch in Verbindung.

Me parlamentarische Studienreise nach Togo und Kamerun.

Gießen, 10. April.

In einer gut besuchten Versammlung des national» Iiberaten Vereins, die gestern abend im Saale des Großherzogs von Hessen" stattfand, erörterte Reichstagsabg. Landgerichtsrat Dr. Hage mann auS Erfurt die wirtschaft­liche Entwickelung unserer Kolonien und die parlamentarische Studienreise nach Togo und Kamerun, an welch letzterer der Redner mit Reichstagsabgeordneten aller Richtungen (aus­genommen die Sozialdemokraten) im vergangenen Jahre teil» genommen batte.

Zu Beginn der Versammlung begrüßte der Vereins­vorsitzende, Stadtv. Ktrch, die Anwesenden, insbes. die Ver­treter des freisinnigen Vereins, deren Erscheinen die Hoffnung berechtigt erscheinen lasse, daß beide Parteien wie seither auch in Zukunft bei Reichstags-, Landtags- und Kommunal­wahlen zusammen vorgehen werden; ferner die Vertreter der Handelskammer und der Gesellschaft für Erd- und Völker­kunde.

Abg. Hagemann begann dann seine mehr als zwei­stündigen interessanten Ausführungen mit der Bemerkung, daß die Veranlassung zu seinem Bestreben, die auf der parla­mentarischen Studienfahrt gewonnenen Erfahrungen den weitesten Kreisen zugänglich zu machen, darin zu suchen sei, daß noch sehr viele schiefe Ansichten über den Wert unserer Kolonien im deutschen Volke verbreitet seien. Die Teil­nehmer an der Reise seien zum Telle als Kolonial­feinde hinausgegangen und es sei bezeichnend, daß gerade die beiden Abgeordneten, deren Parteien sich am meisten ablehnend gegen die deutschen Kolonien verhalten hätten, der freisinnige Volksvartciler Goller und der süddeutsche Demokrat Storz als begeisterte Freunde unserer Kolonial­politik heimgekehrt seien. Den Anlaß zu der Reise gab' eine Bemerkung in der Budgetkommission des Reichstages, daß es wünschenswert sei, daß bei Bewilligungen für unsere Kolonien aus eigener Erfahrung und Kenntnis heraus geur­teilt werden könne. Traufhin habe der Vorsitzende der deut­schen Kolonialgesellschaft, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, die Einladung zu der Fahrt ergehen lassen und so sei es daun gekommen, daß einige Zeit später eine Anzahl Volksvertreter sich an Bord des Hamburger DampfersEleonore Wörmann" eingeschifft hätten. Unter­wegs hatten die Reisenden Gelegenheit, im Kanal die große

Aesuv-Krinuerurrgen.

Von Paul Schweder.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

Vor vier Wochen fuhren wir, von einer Reise durck Aeghpteu und Palästina heimkehrend, in die Straße von Messina ein. Der alte Kasten, der uns beherbergte, hatte infolge eines furcht - baren Sturmes eine derartige Verspätung, daß wir statt bei nachtschlafender Zeit das entzückende Taormina und den Aetna in voller Morgensvnne genießen konnten. _ Und da zeigte sich uns das merkwürdige Naturschauspiel, daß der alte Herr da oben, dessen Krater zu den erloschenen gezählt wird, feine weiße Dämpfe in die Morgenluft entsandte. Mit uns sah der Kapitän erstaunt dem Treiben des Berges zu. Wohl wußte er, daß einzelne Spalten am Gipfel von Zeit zu Zeit schwache Wasserdämpfe herauslasfen; ebenso auch, daß sie infolge ihrer Unbedeutendheit nur bei einer Besteigung des Berges selbst kennt­lich werden. Wenige Stunden später machte unser Dampfer im Hasen von Messina fest und der erste, der sich den Weg zur ersten Kajüte bahnte, war ein Zeitungshändler, der die Extra-Ausgabe derGazetta di Messina" zum Verkauf brachte, die eine Hiobs­post über den Untergang einer ganzen Ortschaft in nächster Nähe Messinas enthielt. Ueber 2000 Häuser waren durch das plötzlich aufgewühlte und mit elementarer Wucht gegen das Ufer.geworfene Meer von einem furchtbaren Strudel mit einem Schlage ver­schlungen worden und eine öde Sand- und Trümmerstätte be­zeichnete den Platz, wo vor wenigen Augenblicken noch ein blühen­des Städtchen gestanden hatte.

Unterdessen hatte unser Dampfer mit der Anbordnahme zahl­loser Kisten voll Apfelsinen und Zstronen begonnen. Das Kreischen und Donnern der beiden Krahne trieb uns ans Land und ohne Meffina einen Blick zu schenken, lenkten wir unsere Schritte zu der Unglücksstätte, wo wir Militär und Kärabinieri mit den Auf­räumungsarbeiten beschäftigt, antrafen. Bor allem galt es, die gefährdete Bahnstrecke zu retten, die von dem Messina gegen­über liegenden Reggio nach ^Neapel führt und Hunderte fleißige Hände regten sich zu ihrem Schutze und zum Barackenbau für die Bewohner des in den Meeresfiillen verschwundenen Ortes. Ans eine Frage nach der Ursache des Unglücks zuckte unser Cicerone, ein Zollbeamter aus Meffina, mit den Achseln und sagte, nach den gegenüberliegenden, ebenfalls mit Schnee bedeckten kalabri- schen Bergen deutend:Tic Serge sind unser Unglück!" Und wir erinnerten uuS der entsetzlichen Schreckensnachrichten aus Calabrieu. Vermutlich hatte auch hier ein unterseeisches Erd­beben den Wohlstand eines ganzen Ortes vernichtet.

Als unser Dampfer am Abend den Anker klar machte, er­schien an dem Fallreep ein Karabiniere in Begleitung einer etwa 25 jährigen schwarzhaarigen Italienerin. Ihre Züge mußten ein- jnal schön gewesen sein, aber jetzt war das Gefickt verzerrt und

englische Seemacht mit eigenen Augen zu sehen, und bei den vier englischen Geschwadern, die dort zusammengezogen waren, befanden sich gerade französische Kriegsschiffe zu Besuch. Nach einer guten Fahrt tourten die kanarischen Inseln und Monrovia besucht und dann der Kurs auf Togo genommen. Jedoch wurde der vorgeschriebene Kurs nicht ganz eingehalten, denn am 24. August wurde Abg. Fries von einem Schlagmrfall betroffen, an dessen Folgen er kurze Zeit danach starb. Um ihn, den Forstmann und Sohn des Thüringer Waldes, im afrikanischen Urwald betten zrr tonnen, wurde nur Axim angelaufen und dann direkt nach Lome gefahren. Während des dortigen Aufenthaltes fuhr der Postdampfer zurück, um seine Posthäfen aufzusuchen. Lome, die Hauptstadt vpn Togo, empfing die Mgcord- neten anstatt mit Freudenklängen in Trauerzeichen, denn die Nachricht von dem Tode eines ter Teilnehmer an ter Fahrt, war telegraphisch gemeldet worden. Im Zollgebäude fand eine Trauer feier statt und dann wurde die Leiche des Volksvertreters neben der des früheren Gouverneurs Köhler beigesetzt. Negerkinder sangen deutsche Choräle und Negersoldaten widmeten dem Mitkämpfer von 1870/71 die Ehrensalve. Dem Tode war sein Recht geworden und die Ueberlebenden gingen an die Arbeit. Am nächsten Tag wurde zunächst Lome besichtigt und zwar die Regierungs­gebäude, insbesondere das Gerichtsgebäude und das Ge­fängnis. Die Kettenstrafe, von der bei uns so viel Auf­hebens gemacht wird, ist nach der Ansicht des iBor trag en beit nicht so schlimm, als man glaubt, insbesondere ist sie nicht mit der früher in Deutschland üblichen zu vergleichen. Die besichtigten Schulen sind alle als sehr gut zu bezeichnen, während die Regierungsschule in wesentlichen prak­tische Arbeit leistet, unterrichten die evang. und die kath. Missionsschule die kleinen Neger int Lesen, Schreiben und Rechnen. Sodann wurden Faktoreien besichtigt, die einen steigenden Verkehr auftoetfen, sodaß bald an einen Hafen­bau gedacht werten muß, denn die jetzige Landungsbrücke wird trotz der beschlossenen Vergrößerung nur noch kurze Zeit genügen. Ein Besuch des Marktes gab Gelegenheit, die Eingeborenen zu beobachten. Die Togoneger sind ein schöner Menschenschlag. In ähnlicher Weise wie in Lome wurden sodann in Änecho, dem früheren Klein-Popo, Be­sichtigungen vorgenommen und auf der Togobahn eine Fahrt bis No öppe Unternommen. Die Bahn ist von höchster Bedeutung für die Entlvicklung der Kolonie, denn das Land, das etwa so groß wie Bayern und durchaus fruchtbar ist, bringt nur Stapelartikel hervor, die die jetzigen teuren Transportkosten (es muß alles von Stegern getragen werden) nicht vertragen können. Von ter Küste aus kommt zunächst eilte Kokosnußzoiie, dann eine Buschzone, in der mit gutem Erfolg Mais angebaut wird, und eine Oelpalmzone. Für Kakao- und Käutschnkgewinnung sind die günstigsten Vor­bedingungen vorhanden und die gelungenen Versuche mit Baumwollanpslanzuitgeit lassen die Hoffnung berechtigt er­scheinen, das amerikanische Baumtoollrnonopol dereinst durchbrechen zu können. Hieran hat namentlich auch die deutsche Arbeiterschaft das größte Interesse, und es ist un­begreiflich, daß gerate die Partei, die die Arbeiterinteressen zu vertreten vorgibt, so kolonialfeindlich ist. Von Bedeutung ist ferner das Vorkommen von Eisenerzen. 20 Millionen Tonnen können im Tagbau abgebant werten und das Erz hat 68,6 Proz. Eisengehalt, übertrifft also das beste europ. Eisen, das schwedische, noch um 1,8 Proz. Von Togo ging die Fahrt weiter nach Kamerun, das sich vom Busen von Guinea bis zum Tschadsee erstreckt. Tie vor kurzem bewilligte Kamerun-Jnlandbahn soll später bis zu diesem See durchgeführt werden und Anschluß an die französische Bahn von Algier erhalten, sodaß man in Zukunft von Berlin bis Kamerun (abgesehen von der kurzen Mittelmeer­strecke) mit der Bahn fahren kann. Der Hafen von Vietoria, der Haupthafen von Kamerun, wird vermöge seiner Lage und Beschaffenheit zum besten westafrikanischen Hasen werden und in späterer Zeit selbst Kapstadt überflügeln. Auch in Kamerun wurden Schulen, Plantagen usw. besichp- tigt und mit der Bahn und auf Dampfern Ausflüge ins Innere gemacht, so nach Buöa, Bibundi und Kribi. Ueberall gewannen die Reisenden den Eindruck, daß die Kolonien trotz aller vorgekommenen Mängel in schönstem Aufblühen begriffen sind. Auch dem Gouverneur Jesko v. Puttkamer habe man viel zu danken, wenn auch namentlich die sitt­lichen Verfehlungen nicht zu billigen seien. Er habe cmßer- oroentliches geleistet, und cs könnte nur bedauert werden, wenn er den Klagen der dkkwaleute geopfert werde. Der Redner gab ergötzliche Schilderungen von den Ein­

cntstcllt durch einen eigenartigen Blick.Wo sind meine Bam- | bine?" schrie sie und mackte Miene umzukehren. Allein mit sanfter Gewalt drängte der Karabiniere die nur in ein dünnes Umschlagetuck gehüllte Frau vorwärts in den zur zweiten Kajüte führenden Raum. Und nun begann ein verzweifelter Kampf, dem wir mit steigendem Entsetzen zusahen. Die Frau wollte mit aller Gewalt ans Land zurück und versuchte, als sie sah, daß die Brücke ausgenommen worden war und die Schraube die ersten Umdrehungen gemacht hatte, ins Wasser zu springen. Aber anstatt daß unser Karabiniere sie nun zu überwältigen suchte, hörten wir ihn so zart auf die Verzweifelte einrcdcn, daß es uns zum Bewußtsein kam, eine Tiefunglückliche und nickt eine Verbrecherin vor uns zu haben. Wischte sick doch sogar der Beamte einmal die Tränen aus den Augen, als er uns von dein Unglück seiner Begleiterin erzählte. Die Llermste ferm aus Monteleone in Cala- bricn, ivv bei dem letzten Erdbeben ihre vier .Kinder int Aller von 6 bis 10 Jahren vor ihren Augen von dem einstürzenden Wohnhause zermalmt worden waren. Tas hatte die Unglückliche um den Verstand gebracht. Und nun sollte sie nack Neapel ins Irrenhaus. .Vergebens hatte der Beamte sie glauben zu machen versucht, daß sie auf dem Schiffe ihre Lieblinge wieder finden würde, die man durch ein Wunder ins Leben zurück­gerufen habe. Vergebens bemühten auch 'wir uns um sie und suchten ihren verirrten Geist auf andere Dinge ab^ulcnken. Bis in die tiefe Nacht hinein hörten wir ihr herzzerreißendes? Klagen und Weinen. Mir hatte der Vorfall den Schlaf geraubt und so wandelte ich noch» um 2 Uhr morgens auf Deck umher, als plötzlich in einer Entfernung von nur wenigen Kilometern nordwestlich vom Schiff eine dunkclrvte Feuergarbe anscheinend mitten aus der spiegelglatten dunkeln See heraus ausstieg. Erst bei angestreng­tem scharfen Sehen erkannte ick den schwarzen, ca. 900 Meter aus dem Meere hervorsteigenden Kegel des Stromboli, der mir diese Ueberraschung bereitet hatte. Und wiederum mußte ich mich vom Kapitän beleben lassen, daß diese Ersck)einung ganz aus­nahmsweise sei und daß daher das ganze Land voller Unruhe über die letzten Ereignisse sei. Ich solle nur erst nach Neapel kommen, da gehe cs noch ganz anders her. Ick würde den Vesuv kaum wieder erkennen. Also schlug ick mir auch noch die andere Hälfte der Nackt um die Ohren und saß voll Neugier in der bitterkalten Nacht auf Deck, um den Vesuv, den wir wenige Stunden später erblicken mußten, möglichst nock vor Sonnen­aufgang zu Gesichte zu bekommen. . Hatte er dock bei meiner letzten Anwesenheit in Neapel vor zwei Jahren nur etwa alle zehn Minuten sich mit einem ganz schwachen Nauchwölkchen bemerk­bar gemacht, sodaß ich bei meiner Ankunft am Gipfel enttäuscht war, so wenig Bewegung in der tief unten im K'caterkefsel glühen­den Lava zu sehen.

Gegen G Uhr früh, als noch nicht einmal Capri gesichtet morden mar, nahm ich am nördlichen Horizont einen roten Schein wahr, der von Minute zu Minute an Ausdehnung gewann und

drücken, die unsere schwarzen Landsleute, insbe­sondere auch dieKings", auf die Europäer machen. Auch umgekehrt wurden ergötzliche Proben geboten, so z. B. gaben Negerkinder ihr Urteil über unsere NeichStagS- abgeorbiieten in folgenden Worten ab:Massa, müssen die Herren zu Hause viel zu essen haben!" Zu beklagen ist der Gegensatz, in dem vielfach die Missionen zu der Verwaltung stehen, der Missionsstandpunkt, in den Negern lediglich unsere Brüder zu sehen, ist nicht richtig. Wenn man den Negern Kultur bringen will, geht es ohne Zwang nicht ab. Der Ge- samteindruck, den die Afrikafahrer nach Hause mitbrachten, ivar, daß ans unseren Kolonien etwas 511 machen ist, und sie auch noch finanziell ein günstiges Resultat für das Reich liefern werden. Mit der Aufforderung, sich die Freude au den Kolonien nicht verderben zu lassen, und seine Pflicht int Dienste des Vaterlandes zu tun, schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall aufgenonunenen Ausführungen. Zahlreiche interessante Lichtbilder unterstützten wesentlich das Verständnis des Vortrages. Herr Kirch sprach dem Redner im Namen des Vereins und der Anwesenden herzlichen Dank aus. Auf eine Frage des Landgerichtsrats Wiener erörterte der Redner noch die Möglichkeit, den Sandgürtel in Südwestafrika durch Eisenbahnen zu durchqueren. Tas fei nicht allein ganz gut ausführbar, sondern auch bereits mit Erfolg durchgeführt worden.

Mit Rücksicht auf die vorgerückte Zeit wurde das Referat des Reichstagsabgeordneten Heyligenstadt über die Reichssteuervorlagen auf eine spätere Versammlung ver- schoten.

Das .Unglück von ^ourriLres und die französischen Ausstände.

Lens, 9. April. Bergungsmannschaften waren heute nacht nicht tätig; da die Regierungsingenieure allein das Recht haben, sie zu requirieren, würde die Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit der Gruben in Frage gestellt sein können, denn der Brand breitet sich a us. Die Ingenieure der Gesellschaft und die Gendarmen sagen, daß die Aus ständi­gen die B er gungS Mannschaften an der Einfa hrt hinderten, andererseits erhielt Basley Erklärungen von Bergarbeitern, daß sie wohl bereit wären, sich an den Bergungsarbeiten zu beteiligen, daß aber die Ingenieure die Bergungsmannschaften zu Arbeiten für die Kohlenförderung anstatt zur Herausschaffung der Leichen benutzten.

3000 Ausständige hielten gestern Abend eine Versamm­lung ab. Abg. Basly machte Mitteilungen über die Lage und fragte die Ausständigen, ob sie den Vorschlag der Grubenbesitzer, betreffend 6,75 Francs Tage­lohn und Kontrolle an ne hm en oder nicht. Die Anwesen­den erklärten sich bereit, den Vorschlag an zu nehmen. Infolgedessen wird der Kongreß sich mit dieser Frage zu be­fassen haben. Man glaubt, daß eine Verständigung erzielt und der Ausstand bald beendet fein wird.

Aus Suud Land.

Gießen, 10. April 1906.

Verunglückt. Heute morgen wurde auf dem Bahndamm der Main-Weser-Bahn in der Nahe des Bahn­hofs die Leiche eines Mannes gefunden. Der Kopf lag vom Rumpfe vollständig getrennt zwischen den Schienen und der Körper rechtwinklig zu den Schienen außerhalb des Geleises. Bei der Leiche fand sich eine Monatsfahrkarte Limburg- Wiesbaden auf den Namen Josef Fiebig. Nach einer uns von der Bahnbehörde zugegangenen Mitteilung soll es sich bei dem Vorkommnis nicht um einen Selbstmord, sondern um einen Unglücksfall handeln. Man nimmt an, daß der Verunglückte au§ dem 5 Uhr-Schnellzug, als der Zug vom Einfahrtssignal ab langsamer fuhr, in der Schlaftrunken­heit aussieigen wollte und dabei überfahren wurde.

X Leihgestern, 9. April. Heute ist die Schürfung zu unserer Wasserleitung m Angriff genommen worden. Die Quelle ist so stark, daß wahrscheinlich noch Großen-Linden mit Wasser versorgt werden kann.

O Mainzlar, 10. April. Gestern wurde von dem Gemeinderat unser Schul haus neu bau mit einem

sich schließlich als ein langer feuriger Lavastrom erwies, der von der, von Capri gesehen, linken Seite des Vesuv hinablief bis zur Mitte des Berges, wo der Kegel absetzt und die erbeute Drahtseil­bahn nach dem Gipfel ihren Anfang nimmt. Zu dieser damals neuartigen Erscheinung kamen dann die üblichen Eruptionen des Vesuv selbst, die aber in keinem Vergleich zu der früher schon ge­sehenen Raucherscheinung standen. War es damals eine pimen- ähnliche Wolke, die bei Windstille ruhig über der Kuppe des Berges hing, so brachen heute aus dem Krater 50 und mehr Meter hohe dicke, tiefschwarze feurige Wolken in ganz kurzen Zeiträumen von etwa 10 bis 15 Sekunden tervvr. Und das Charakteristische war, daß diese glüheirden Wolken sich sofort senkten und zunächst! einen Hagel von Steinen, kochendem Schlamm und glühender Asche über den Gipfel hinstreuten, während die Rauchwolke langsam den Hang hftlabzog und mit ihrem giftigen Schwefelodem die Luft in den umliegerrden Vesuvdörfern, vor allem aber in dem jüngst vollständig vernichteten Bos'cotrecafc, verpesteten. Und gerade von hier and1 setzten sich die großen Touristenkarawanen in den letzten Jahren allnwrgendlick in Beivegung. Mit jeder neuen Eruption wurde auck eine mehrere Meter lange erst weiß, bann rot glühende Lavaschlange aus a.'in Krater herausgedrängt, die sich über die kurz vorher hcrauSgewvrfeue hinübcrwälzte und langsam die linke Seite des Berges hinunterfloß. So war es schon ca. 14 Tage lang. Am Tage bewunderten Hunderte von Fremden das wundervolle Phänomen und nachts leuchtete die rote Schlange, einem riesigen Raketenzug ähnlich, meilenweit in die Nacht hinaus. Und so ost ich nachts dieses Anblicks wegen den Pofilip hinaufwanderte, um das erhabene Schauspiel in Einsamkeit zu ge­nießen, konnte ich das Gefühl nicht los werden, daß da oben wieder einmal etwas int Werke sei. Die Vesuvleute freilich freuten sich, daß die vermehrte Tätigkeit des Berges gerade in die Saison fiele. Nur die Beamten der Bahn waren damals schon unruhig. Als der Lavaerguß gar nicht aushören wollte, ballten sie zum Schlitze der oberen Station eine Znklopenmauer, die nunmehr, kaum vollendet, ebenfalls mit der ganzen Bahn in wenigen Minuten vernichtet worden ist. Auch auf dem Vesuv-Observatorium herrschte der größte Opti­mismus und die neuesten Nachrichten haben gezeigt, daß ebenso wie im April 1872 der von einer unmittelbaren Gefahr nicht über­zeugte Direktor Palntieri trotz der btennenben Fensterkreuze int Observatorium ausharrlc, bis der etwa 7 Km. weit gelaufene Lavaskrom zum Stehen gekoinnlCll war, auch diesmal die Gelehrten dort oben auSzuharren versucht haben, bis schließlich die Zerstörung deS (Gebäudes ztir Flucht zwang. 1 , _

Nun ist alles dahin, das freundliche Boscotrecase, oomma nut» Ottajano, ja sogar Torre Annunziata mit seinem unvergleia-- 1 ich en Blick auf Castellamare erscheint bedroht, dieses Städtchen, das gleich Resina und Portici auf den Savainuffen über dein antiken Hercnlanum steht. Heute ist dort alles in Trauer und Schrecken und zu jener unglücklichen Mutter aus! Monteleone haben, sich zahllose untere gesellt.