geschlossen, wahrend die Union mit Lern!Msb'au ihrer parisischen Bahnsysteme die Befiederung! westlicher Territorien einleitet. Weder in Großbritannien noch in Amerika kann es sich aber darum handeln, die Einwanderung! des Kapitals vor der der Arbeit Zu bevorzugen. Immerhin neigen die Bankers jetzt ebenfalls der Abkehr von dem alten, für ihre Entwickelung ersprießlichen Grundsätze zu, baß die Erde, wenigstens die amerikanische, für alle Raum habe. In merkwürdigem Gegensätze hierzu steht eine neuerliche Strömung in der Einwandcrungspolitik der en glisch en Ko lo- nien. Was England in Gesetzesform brachte, ist eigentlich nur eilt schwacher Widerhall der in 'Australien und Neuseeland praktizierten Einwanderungspolitik. „Australien für den australischen Arbeiter!" lautete dort bisher die Parole. Inzwischen haben aber die ungünstigen wirtschaftlichen Ver- hältuisse der letzten Jahre gerade in 'Australien eine andere Auffassung ausgebildet. Tie Arbeiterführer selbst sehen dort ein, daß in einem so jungfräulichen Kontinent die Einwanderung das Lebens- und Fortschrittselement ist, daß das Kapital der Einwanderung folgt, ivie der handel der Flagge. Noch deutlicher tritt diese Umkehr in Neuseeland in Erscheinung, wo der 'Arbeitsmarkt völlig unter der Kontrolle der Arbeiterregierung steht. In Can ad a hat die Wendung schon im vorigen Jahre eingesetzt. Für Rhodesien macht die Charteredgesellschaft gegenwärtig außerordentliche ''Anstrengungen, um fremde Siedler heranzuziehen.
Für uns Deutsche ist diese Erscheinung von Wichtigkeit. Wir sind im Gegensatz zu anderen Nationen als Einwanderer am beliebtesten, namentlich wo es sich um landwirtschaftliche Einwanderung handelt, in den englischen Kolonien sogar beliebter als die Briten. Es ist wahrscheinlich, daß tote in den nächsten Jähren einem Anwachsen der Eintvan- derungsbewegung entgegengehen. Diese Bewegung ist heure auf 'ganz andere Voraussetzungen gestellt, als in den achtziger Jahren. Sie wird von Bahnen, Siedlungsgesellschaften und Regierungen heute wesentlich systematischer, erfolgreicher und sachlicher in dte Hand genommen.
Was nun Deutschland betrifft, so ist seine Auswander- ungsziffer im Verhältnis sehr niedrig. Es steht hinter ihm unter den Großstaaten nur noch Frankreich zurück, dessen aerinqe Volks Vermehrung das zur Genüge erklärt. Rußland sieht jährlich etwa 200 000 Landeskinder in die Fremde ziehen, etwa siebenmal mehr als Deutschland, zumeist Juden. Eine noch höhere Auswanderungsziffer haben Oiroßbritan- nien und Oesterreich-Ungarn. Alle aber werden weit über flügelt durch Italien, das reichlich dreiviertel Millionen Arbeiter im Jahr an das Ausland abgibt, zum größeren Teil an 'Amerika. Es ist bemerkenswert, daß diese Italiener sich ihr Volkstum besser wahren, als es leider bei den Deutschen zu beobachten ist. Vielleicht sind sie auch deshalb als Einwanderer nicht so gern gesehen, wie die Deutschen. Oben drein ist es Gepflogenheit der Italiener, mit den im fremden Lande gemachten Ersparnissen nach der Heimat zurückzukehren. Sie stärken also den Nationalwohlstand des Vaterlandes auf Kosten des 'Auslandes, was es begreiflich macht, daß die italienische Negierung die 'Auswanderung nicht nur nicht erschwert, sondern sie im Gegenteil fördert durch Beihilfen an die transatlantischen Rhedereien, die infolgedessen die Passageprcise niedrig halten können.
Ob Deutschland an dem zu erwartenden Anwachsen der Aüswanderungsziffer in den nächsten Jahren stärker beteiligt sein wird, bleibt abz,uwarten. Wünschenswert wäre, daß der so beliebte deutsche Einwanderer sich seine neue Heimat da sucht, wo er sein Volkstum kräftig zur Geltung bringen kann. J'n Nordamerika ist das nicht der Fall, trotz .'aller schönen Reden der Yankees über den kulturellen Mert des Deutschtums. 'Durch die schnöde Behandlung schon der deutschen Sprache, die man aus dem Unterrichtsplan der Volksschulen entfernte und an den Mittelschulen mvr als Wahlfach bestehen läßt, werden diese Lobreden 'entkräftet. Südamerika verdient als Auswanderungsziel "für Deutsche jedenfalls den Vorzug vor den Bereinigten Staaten.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 1. Sept. 1906.
• • Kaiser und Kreisrat. Man schreibt uns von geschätzter Seite: Der Artikel im gestrigen „Anzeiger", datiert Darmstadt, 30. Aug., betr. einen Vorfall bei der Anwesenheit Kaiser Wilhelms in Schlitz, bedarf sehr der Berichtigung. Der verstorbene Dr. Wolf ist dem Kaiser niemals vorgestellt worden, wenigstens nicht als Kreisrat von Lauterbach. Der Verfasser des fc. Artikels hat wohl vielleicht ihm' recht nahe Glocken läuten hören, weiß aber nicht sicher, wo ’fte hängen. Bei der Anwesenheit des Kaisers in Schlitz waren u. A. Oberpfarrer D. Dieffenbach zu Schlitz, Forstmeister Stockhausen daselbst, der Kreisrat des Kreises, der als ^Offizier im Dragoner-Regiment den Krieg 1870/71 mitgemacht und besonders in den Kämpfen an der Loire sich ausgezeichnet hatte, aber in jeder Beziehung eine ganz andere Persönlichkeit als Wolf, zum Mittagsmahle eingeladen. Vor dessen Beginn zog der Kaiser den KreiSrat in ein Gespräch, in welchem er, wohl in der Voraussetzung, daß ein hessischer KreiSrat sei wie ein preußischer Landrat, denselben fragte, ob er studiert habe. Der durch diese Frage etwas betroffen gewordene Herr antwortete: „Ei, natürlich." Der Artikelschreiber redet bei der von ihm korrigierten Antwort von einem „wenig salonfähigen Ton" und hat damit wohl dem verstorbenen Wolf noch einen Kranz a la Marquis Posa auf das Grab legen wollen. Graf Görtz und Kaiser Wilhelm haben den Antwortenden anders eingeschätzt, sonst hätte ihn wohl der Eine nicht zum Diner geladen, der Andere ihm nicht den Kronenorden verliehen.
* * Der Termin für die Wahlen zur Landwirtschaftskammer, der nach anderen Nachrichten angeblich auf Mitte September angesetzt sein sollte, ist, wie wir bestimmt vernehmen, noch nicht festgelegt, jedenfalls ist der angegebene Termin viel zu früh.
• * Unheimlicher Besuch. Eine alleinstehende Frau fand gestern abend, als sie zu Bett gehen wollte, unter ihreui Bett eine MannSperson versteckt vor, die auf ihr Aufschreien hin sofort stillschweigend verschwand. Die Person deS Mannes wurde festgestellt und Anzeige erhoben.
□ Leihgestern, 31. Aug. Die Notiz über die hiesige Kirche in Nr. 202 d. Bl. vom 29. August veranlaßt nuch zu einer kurzen Ergänzung. Nicht zwei gotische, sondern vier romanische Fenster wurden in der nördlichen Wand der Kirche aufgefunden, und zwar gleich nach dem Einsturz des Gewölbes und des Daches. Einen weiteren Anhaltspunkt für die Beurteilung des Altars der Kirche bietet eine Inschrift, welche Prof. Dr. Sauer-Gießen an der Turmwand hinter der Orgel nach Entfernung des Anstrichs bloßgelegt hat.
Sie lautet, so weit sie erhalten ift: „Templnm hoc arenatum et renovatum est anno 1602 die XX. Septembris sub acra ac piis precibus Georgii Henrici Heel Darm st. p. t. (fr) pastoris huius loci. Memento mei Dens meus in bonhm. Neh. XIII. V. 31.“ — Diese Inschrift befindet ich unterhalb einer gleichfalls bloßgelegten, aber nur mangelhaft erhaltenen gemalten Kreuzigungsgruppe, die wohl au5 nlheret Zelt stammt als die Inschrift. — Auch an den Chorwänden (Untergeschoß des Turmes) hat der genannte Herr nach Beseitigung des Anstrichs alte Malereien entdeckt. (Apostelbilder.) Eine Blatt-Verzierung, die dabei zum Vor- chein gekommen ist, stimmt mit einer solchen in der Kirche zu Großen-Lindcn überein. Strack, Dekan.
r. Alsfeld, 31. Aug. In seiner Sitzung vom 30. er. beschloß der hiesige Gemeinderat einstimmig den Neubau einer Stadtschule und einer Oberrealschule und bewilligte für diesen Zweck 250000 Mk. Das seitherige Stadt- chulgebäude entspricht den Verhältnissen auch keineswegs mehr, und einzelne Schulräume mußten bereits, da sie zu dunkel sind, außer Benutzung gesetzt werden. Alich in Bezug auf die Schülerzahl genügen die zur Verfügung stehenden Räume absolut nicht mehr. Mit Rücksicht auf die hier am Platz zur Verfügung stehenden 9(rbcit§fräftc wurde beschlossen, die beiden Gebäude nicht gleichzeitig in Angriff zu nehmen, und dem Neubau der Oberrealschule den Vorzug zu geben.
Offenbach, 31. Aug. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte den die Eingemeindung der Nachbar- gemeinde Bürgel betreffenden Vertrag, der Gemeinderat von Bürgel stimmte ihm ebenfalls zu. Ferner nahm die Stadtverordnetenversammlung die Vorlage über Erbauung und Betrieb einer elektrischen Straßenbahn nach Bürgel an.
AuS Rheinhessen, 31. Aug. Auf Anordnung der Kreisämter haben in den letzten Tagen mehrere Bürgermeistereien durch ortsübliche Bekanntmachung die Dorfbewohner auffordern lassen, den Zigeunern, die gegenwärtig die Landgemeinden schwer Heimsuchen, keine Almosen zu verabreichen und auch keine Waren zu verkaufen, besonders keinen Alkohol. (Fks. Ztg.)
Frankfurt a. M., 1. Sept. In 15 Volksversammlungen wurde gestern abend gegen bic ©timmen vieler Brauereiarbeiter, denen Aussperrung droht, der Boykott über alle Brauereien beschlossen.
h. Frankfurt a. M., 31. Aug. In der gestrigen Sitzung des Gewcrkschaftskartells teilte ein Redner mit, daß die Arbciterausschüsse der Brauereiarbeiter zu den Direktoren beschieden worden seien, und ihnen mitgeteilt wurde, daß sic in den am Freitag stattfindenden Versammlungen verhüten sollten, daß der Bierboykott verhängt ivürde. Täten sie das nicht, so würde Samstag den be st bezahlten organisierten Arbeitern gekündigt werden, und diese müßten bei späterer cuent. Wiedereinstellung mit dem niedrigsten Lohnsatz anfangen. — Mit dem 1. September tritt der erhöhte Milchpreis von 22 Pfg. für den Liter in Kraft. Es werden energische Versuche seitens der organisierten Arbeiterschaft gemacht, diesem Aufschlag zu begegnen, doch dürfte der Kampf ein recht schwerer werden, da für ausländische Milchversorgnng nur Dänemark in Betracht kommt und viele Schwierigkeiten für den Bezug der dortigen Milch zu überwinden sind. — Der Schauspieler Alexis Müller verabschiedete sich gestern abend nach 50jähriger Tätigkeit an der hiesigen Bühne vom Frankfurter Publikum, um ins Privatleben zu treten. Zahlreiche Ovationen und Blumenspenden legten von der Beliebtheit des trefflichen Künstlers Zeugnis ab.
U. Griesheim, 31. Aug. In der chemischen Fabrik von Marx L Müller sind heute zwei Arbeiter verunglückt, die mit Kesselreinigen beschäftigt waren. AlS man die beiden Verunglückten auffand, war einer bereits tot, während der andere noch Lebenszeichen üou sich gab. Ob giftige Gase die Todesursache waren, wird die Untersiichlmg ergeben.
Biedenkopf, 30. Aug. Der von der Metzer Staats- omvaltschaft steckbrieflich verfolgte kr oa t isch e Ra u brn ö rd e r Rogis, auf dessen Ergreifliug 300 Mark Belohnung ausgesetzt sind, soll bei Battenberg von Gendarmen ergriffen worden fein.
Arbeiterbewegung.
Grenoble, 31. Aug. Die aus ständigen Metallarbeiter, deren Zahl bereits 12 000 erreicht hat, veranstalten Straßenkundgebungen, um die Tuch- und Knopfarbeiter zum Anschlüsse an den Ausstand zu bewegen.
Madrid, 31. Aug. Die Bäcker von La Coruna beabsichtigen, einen Generalstreik ins Werk zu setzen.
Prag, 31. Aug. Der Ausstand int Brüxer Kohlenbezirk ist auf vier Schächte beschränkt geblieben. Die Einfahrt war gestern abend und heute früh gering. Die Ruhe ist nirgends gestört. Im Durer Revier hat sich der Ausstand weiter ausgedehnt. Die Belegschaft der vom Ausstand betroffenen Schächte fuhr vormittags in geringer Zahl an. Man erwartet die Antwort der Grubenbesitzer auf die Forderungen der Arbeiter für den 10. September.
Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.
Die Ernteergebnisse Deutschlands werden annähernd geschätzt: Für Weizen auf 40, Roggen 98, Gerste 39, und Hafer 81 Millionen Meterzentner, die Einfuhr unter Berücksichtigung des Konsums für Weizen auf 22, Roggen 3, Gerste 16, Hafer 4 und Mais 11 Millionen Meterzentner. Die Ernte Frankreichs beträgt: Weiten 94, Roggen 13, Gerste 9, Hafer 38 und Mais 5 Mill. M. Z. Die Einfuhr dürste betragen: Weizen 12, Roggen 1, Gerste 3, Hafer 5, Mais 5 Mill. Meterzentner. Tie einführenden Staaten weisen folgende Ernte auf: Weizen 261, Roggen 165, Gerste 105, Hafer 198 und Mais 55 Mill. M. Z., wogegen ihr Bedarf in Weizen 410, Roggen 184, Gerste 146, Hafer 226 und Mais 115 Mill. M. Z. beträgt.. Von den ausführenden Staaten führt der Bericht das Russische Reich mit einem Erträgnis an Weizen von 100, Gerste 70, Hgser 130, Mais 9 auf, wovon der Ausfuhrüberschuß an Weizen 27, Gerftc 18, Hafer 8, Mais 3 Mill. M. Z. beträgt. Dem Erträgnisse an Roggen mit 175 Mill, wird ein Bedarf von 182 Mill, entgegengestellt, wodurch Roggen ein Manko von 6 Mül. M. Z. aufweist. Das Erträgnis O st i n d i e n s wird geschätzt: an Weizen auf 86, Gerste 31, Mais 30 Mill. M. Z. Das Erträgnis der Vereinigten Staaten ist: Weizen 301, Hafer 137, und Mais 692 Mill. M. Z., wovon der Ausfuhrüberschuß an Wetzen 70, an Hafer 5, an Mais 30 Mill. M. Z. beträgt. Der Bericht hebt hervor, daß Rußland bisher schon 4 Mill. M. Z. Getreide für die Einfuhr gekauft habe, und daß noch weitere Einkäufe bevorstehen. , • v ~ "
Universitäts-Nachrichten.
Die Technische Hochschule zu Darmstadt hatte tm Studienjahr 1905 bis 1906 ein" Erweiterung zu verzeichnen durch Angliederung einer amtlichen. Papierprüfungsstelle, deren Leitung dem ordentlichen Professor des Maschinenbaues v. Roeßler übertragen wurde. Neu eingerichtet wurde ferner eine funkentelegraphische Anlage. Die mit der preußischen Regierung getroffene Vereinbarung wegen der gegenseitigen staatlichen Gleichstellung und Anerkennung der Staatsprüfungen im Hochbau-, Ingenieur-, Bau- und Maschinenbaus ch, wurde dahin abgeändert, daß die bei der Technischen Hochschule in Darmstadt erfolgte Ablegung der Diplomprüfung bei der späteren Zulassung in Preußen zur Baumeisterprüfung, sowie bei der Zulassung zum höheren preußischen Staatsdienst die gleiche Wirkung haben soll, als wenn die Prüfung bei einer der preußischen Technischen Hochschulen in Aachen, Berlin, Danzig und Hannover abgelegt worden wäre und umgekehrt. Die Angehörigen des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin oder der Reichslande Elsaß-Loth- ringen können sich in Schwerin oder in Straßburg als Staats- anwärter für den dortigen höheren Baudienst melden, wenn sie beim Technischen Prüfungsamte in Darmstadt, die Vorprüfung, und erste Hauptprüsung im Hochbaufache oder int Bauingenieur» äche bestanden, oder bei der Technischen Hochschule in Darmstadt die Diplomprüfung abgelegt haben. Hinsichtlich ber Vorbereitung zur pharmazeutischen Staatsprüfung steht die Hochschule der Universität gleich. Die Gesamtzahl der Besucher im Sommerhalbjahr 1906 betrug 1837, davon falten 661 auf die Maschinen- bauabteilung, 285 auf Architektur, 289 auf Jngenieurwesen, 322, auf Elektrotechnik. Chemiker, Elektrotechniker und Pharmazeuten waren 169 vorhanden, die übrigen Hörer verteilten sich auf Vorlesungen allgemeiner Art. Während früher die elektrotechnische Abteiluna die größte Besucherzisser aufwies, gilt dies jetzt vom Maschinenbau.
Vermischtes.
Berlin, 31. Aug. Wegen Verbrechens gegen keimendes Leben sind in das Charlottenburger Amtsgerichtsgefängnis eine Hebamme und die Tochter einer dortigen vornehmen Familie eingeliefert worden. Die Verhaftung erfolgte auf Grund einer anonymen Denunziation an die Staatsanwaltschaft. Eine Haftentlassung der Hebamme ist abgelehnt worden, dagegen soll derjenigen des jungen Mädchens gegen Stellung einer beträchtlichen Kaution, zu welcher sich der Vater bereit erklärt hat, entsprochen werden.
* Stockholm, 31. Aug. Nach einer Meldung der National-Tidende ist der Reise-Marschall der Königin Sophie von Schweden, der Kammerhcrr Graf Wr angel, nach Amerika geflüchtet, um einer verlangten Rechenschaft über ihm anvertraute Gelder auszuwcichen. Es heißt, der Kanunerherr habe im Winter, als das Königspaar auf Cap Martin weilte, tu Monte Carlo hohe Beträge, die er der Reisekasse deS Königspaares entnahm, verspielt, die zu ersetzen ihm nicht möglich ist.
* 91 u§ den Alpen, 31. Aug. In den südlichen Tiroler Grenzgebieten, namentlich bei Pozzalchio im Brandtale unweit Rovereit und in den südlichen Tälern deS Monte Tessini erfolgte ein wellenförmiges Erdbeben. Es entstanden mehrfach Spalten im Boden. — Bei ©ulten in den Urner Alpen verunglückte der Bergführer Florian Gehrig. Er war auf einer Bergwiese mit Heuen beschäftigt, als die Nachricht kam, daß zwei führerlose Fremde in eine Gletscherspalte gestürzt seien. Bei dem Ncttungswerke stürzte Gehrig in die Spalte und konnte nur als Leiche geborgen werden, während die beiden Touristen nur leicht verletzt waren und gerettet wurden.
* Genf, 31. Aug. Ein Teilnehmer des Espanteristen- Kongresses, der 60 jährige Zolldirektor Richard John Lloyd auS Liverpool, ist auf einem Spaziergang am Rhoneufer unterhalb Genf auf unaufgeklärteWeiseverschwunden. Er befand sich in Begleitung seiner Tochter, die ihn an einer Stelle, wo der Weg sich hoch an einem waldigen Uferhang hinzieht, auS den 9(ugen verloren hat und annimmt, er sei infolge eines Fehltrittes in den Fluß gestürzt und ertrunken.
* Newyork, 31. 9(ug. In Greenwood (Carolina) haben große 9lusschreitungen von Weißen gegen die Negerbevölkerung ftattgefunben. Ein Neger hatte einen leichten Diebstahl begangen und war auf einige Tage eingesperrt worden. Der Pöbel stürmte nun daS Gefängnis und lynchte den Neger. Dann richteten die Weißen ein wahres Blutbad unter den Negern an. lieber hundert Schwarze wurden gemordet.
* Peter Rosegger als Waldschulmeister. Ein wundervolles, poesiereiches Den Im al für den Dichter! Peter Rosegger wird in diesem Herbst noch in Kapfenberg, am Eingang zum Murztal in Steiermark gesetzt werden. Der Denkstein, den man dem feinfühligen Poeten noch bet Lebzeiten weiht, wird die Gestalt eines Märchens b r u n n e n s haben und ist von seinem Schöpfer, dem Grazer Bildhauer Brandstetter, bereits im Modell vollendet worden. Es zeigt symbolisiert den Dichter Rosegger als Schilderen der Natur, des Waldes und feiner Bewohner. Mm Rande des Brunnens, der aus einem Felsspalt heraus sein Wasser erhalt, sitzt ein Jüngling, der die Züge des jugendlichen Rosegger von einst tragt — ein Waldschulmeister scheint er zu fein, der mit einem' jungen Reh, das sich ihm genähert hat, eine z-arte Zwiesprache hält, als wolle er das schlanke Tier plaudernd über die Schönheit seines heimischen WaldeS belehren, ganz so wie es Rosegger der Menschheit gegenüber tut. Das Denkmal ward- aus Spenden bestritten, die sowohl aus Deutschland wie aus Oesterreich zusammenkamen. Tie Gruppe wird jetzt in Bronze gegossen und nahezu drei Meter Höhe haben. Ter Brunnenaufbau ist aus rötlichem: schwedischen Granit.
'Der Mann mit dem längsten Nam en. Dst Kanaken, die Einwohner der SandwichSinseln, rühmen sich, die längsten Namen zu besitzen. Die amerikanische Verwaltung, die feit einigen Jahren ans den Inseln eingeführt ist, zeigt sich allerdings nicht sehr entzückt von diesen unaussprechlichen Bandwürmern. So war neulich in einer gegen die Regierung anhängig gemachten Klage ein Zeuge erschienen, der den niedlichen Namen „Kaikinakaoili likea Lenoilaina- kahikikiapuokalani* führte. Dieser Name dürste wohl den Rekord halten. Interessant wäre es nur, zu erfahren, mit welchem abgekürzten Kosenamen ihn feine liebende Gattin anredet.
* Moderne Kinder. Tante: „Mer Fritz, was ist denn dem Karl geschehen? Der ist ja kreidebleich!" — Der kleine Karl: „Wir haben wegen der Emma ein amerikanisches Duell gehabt! Ich hab die schwarze Kugel gezogen und eine Zigarre rauchen müssen!"


