Ausgabe 
8.10.1906 Zweites Blatt
 
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Okt.

Amtliche Nachrichten über Viehseuchen.

Unter dem Schweinebestand des Landwirts I. Rösser zu Goßfelden (Kreis Marburg) ist die Rotlaufseuche aus- gebrochen. Es ist Gehöftspcrre angeordnet und der gemein­schaftliche Weidegang untersagt.

Nationalliverater Kartcttag- IL (Unberechtigter Nachdruck verboten.)

ICirdje rind Schule.

Graudenz, 7. Okt. Die außerordentlich zahlreich 'be­suchte 19. Generalversammlung des evangelischen Bundes wurde heute abend in der von Tausenden gefüllten Festhalle mit einer Begrüßung der städtischen, der staatlichen und der kirchlichen Behörden eröffnet. Rach einer Ansprache des Vorsitzenden, die in ein auf den Kaiser ansgcbrachtes brausendes Hoch ausklang, überbrachte Konsistorialpräsident Meyer die Grüße und Segenswünsche deS evangelischen Ober- kirchcnrats, sowie die des Provinzialkonsistoriums, indem er sich voll und rückhaltlos zu dem Programme des Bundes bekannte. Oberpräsident v. Jagow begrüßte die Versammlung im Rainen der staatlichen Behörden mit dem Ausdrucke des persönlichen Dankes dafür, daß der evangelische Bund die Ostmarken für seine Tagung auscrsehen habe. Den Gruß dec Stadt Graudenz richtete Oberbürgermeister Kühnast aus, indem er den auswärtigen Gästen ein besonderes Willkommen entbot und versicherte, daß in Graudenz die deutschen Katholiken und die Evangelischen noch Frieden halten, der uns durch die polnischen feindseligen Bestrebungen gefährdet werde. Im Namen der evangelischen Gemeinde dec Stadt und des Kirchenkreises Kulm hieß Superintendent Erdmann die Versammlung willkommen.

Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Hungen.

Die in meiner Bekanntmachung vom 1. August tf. Js. bezeichnete Frist für das Umpflügen der Grundstücke durch die alten Eigentümer, die wegen der trockenen Witterung nicht eingehalten werden konnte, wird auf Grund eines Be­schlusses der Vollzugskommisflon bis zum 15. Oktober l. I. erstreckt.

Die bis dahin nicht ordnungsgemäß gestürzten Grund­stücke werden auf Kosten der Säumigen umgepflügt werden.

Friedberg, den 5. Oktober 1906.

Der Großherzogl. Feldbercinigungskommissärr Spanier, Kreisamtmann.

und erachte auch die Meinungsverschiedenheiten zwischen Alt- unb Jungliberalen über diesen Punkt als ausgeglichen. Die Resolution fordert dann, daß unter Hochhaltung der nationalen und der liberalen Grundsätze in die Vorbereitungen für die nächsten Wahlen eingetreten werde.

Der Antrag wird einstimmig angenommen. Der An­trag Hübsch, auf dem Kasseler Parteitag 1907 eine Er­gänzung des Parteiprogramms vorzunehmen, trxirb ab­gelehnt. Die Resolution der rheinischen Delegierten wird in ihrem zweiten Teil angenommen.

Der Antrag N e u m e i e r wird gegen 20 jungliberale Stimmen angenommen. Der Antrag bezüglich des bal­digen Beginns der Wahlarbeit wird ebenfalls mit großer Majorität angenommen.

Hierauf sprach Neichstagsabg. P a tz ig über das Thema: Natiouallibcrale Partei und Mittelstandspolitik.

Er führt aus: Gegenüber dem reaktionären großen Befähig­ungsnachweis sind wir für den kleinen Befähigungsnachweis ein­getreten. Eine Enquete über die Lage des Kleinhandels muß erfolgen, dann mutz -atfer auch an die große Ausgabe heran­getreten werden, das stattliche Heer der Privatbeamten in die staatliche Versicherung einzugliedern. (Beifall.) Wir tun dem Staatsgedanken einen ungeheuren Dienst, wenn wir diesen 300 000 Staatsbürgern, die da sagen: Was Ihr den Arbeitern getan habt, das tut an uns doch auch! die Türen des Reiches öffnen. (Beifall.) Ain diese große Aufgabe wollen wir mit derselben Begeisterung herantreten, wie damals als wir im Jahre 1889 die Kaiserliche Botschaft empfingen. Wir wollen auf dem natio­nalen Boden für den Mittelstand eintreten. Das ist eine Auf­gabe, in der wir alle einig sind. (Beifall.)

Von Delegierten aus Kassel, Duisburg und Essen liegt hierzu folgende Resolution vor:

Der Vertretertag der nationalliberalen Partei begrüßt mit Genugtuung die Ausführungen des Abg. Patzig über die Mittelstandspolitik und betont insbesondere die Notwendigkeit einer Revision des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes namentlich auch in Bezug auf das Ausverkaufs­wesen und er hofft, von der Mitarbeit seiner Vertreter im Reichstage einen wirksamen Schutz gegen die Handel, Industrie und Gewerbe schädigenden Auswüchse des Ausverkaufswesens. Er hält hier eine Kontrolle durch die Gewerbebebörden für geboten."

Auf Antrag des Abg. Patzig wird dieser Resolution noch fol­gender Zusatz gegeben:

Der Vertretertag erwartet ferner, daß der berechtigte Anspruch der Privatangestellten auf reichsgesetzliche obliga­torische Pensionsversicherung und Invalidenversicherung baldigst erfüllt werde."

Damit sind die Arbeiten des Parteitages er­ledigt. Oberbürgermeister Struckmann-Hildesheim gibt seiner Freude Ausdruck, daß eine Einigung doch noch erzielt sei, worauf Prof. Geiger-Erlangen mit einem Hock auf die Partei schloß.

Der nächste Parteitag soll im Frühjahr 1907 in Kassel stattfinden.

Hauptversammlung der hessischen Bauvereine.

(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.) <

A Gießen, 8. Okt.

Die Gemeinnützigen Bau vereine des Großher- zogtums Hessen hielten am Sonntag im Neuen Saalbau ihre Hauptversammlung ab. Der Besuch war leider nicht so stark, wie die Wichtigkeit der Sache und der Beratungen er­warten ließ. Der Vorsitzende, Landeswohnungsinspektov Gretzschel-Darmstadt hieß die Erschienenen willkommen und dankte besonders den Vertretern dec Behörden und der Stadt. Es waren erschienen Geh. Negierungsrat Dc. Dietz- Darmstadt, Kreisamtmann Spanier, Kreisarzt Medizinalrat Dr. Haberkorn, Oberbürgermeister Mecum, Beigeordneter Curschmanu und Stadtv. Dr. Ebel. Der Vorsitzende wies ferner auf die bedeutende soziale Mission hin, die die gemeinnützigen Bauvereine haben. Ihr Bestreben ist die Forderung des Wohnungswesens der minderbemittelten Volksklassen. Es finden sich hier zahlreiche, in vielen Beziehungen schädliche Mißstände, die zu beseitigen ernste Aufgabe der Bauvereine ist, und darum müsse jeden wahren Menschenfreund die Sache dieser Vereine interessieren. Direktor Doering überbrachte namens der Baugenossenschaft Gießen den Willkommengruß. Er gedachte der 13 jährigen Tätigkeit der hiesigen Genossen­schaft, dankte der städtischen Behörde für ihr Entgegenkommen und übermittelte die Grüße des verhinderten Vorsitzenden, Neichstagsabgeordn. Kommerzienrat Heyligenstädt. Kreis­amtmann Spanier spricht namens des verhinderten Pcovinzialdirektors Geheimrat Dr. Breidert, der großes Interesse für die wichtige Aufgabe der Bauvereine habe und der Tagung beiten Erfolg wünsche. Oberbürger­meister Mecum dankt für die' Erwählung Gießens zum Versammlungsort, bittet, die jetzt infolge dec Kanalisation in der Mauserung begriffene Stadl nicht nach ihrem derzeitigen

Ausstsches.

Ans Petersburg liegt heute folgende, vom 6. d. M. datierte Meldung vor:Die Heirat des Großfürsten Michael mit der Prinzessin Patricia von Conna ught, sowie die Heirat der Witwe des ermordeten Großfürsten Sergius, G r o ß- fürstin Elisab'eth, geb. Prinzessin v. Hessen, mit dem Groß­fürsten Nikolai-Nikolajewitsch stehen bevor." Die erstere Meldung wird beute bereits aus London dementiert, und das Dementi der zweiten Meldung wird wohl auch nicht lange auf sich warten lassen.

In einer Sitzung beim Premierminister Stolypin wurde ein Projekt durchberaten, das dem Ministerkonseil unterbreitet werden wird. Es betrifft die Aufhebung des Gemeindebesitzes. An die Bauernschaft soll vom 1. Januar 1907 Gemeinde­besitz zur Verteilung gelangen und zwar erhält jeder Bauer ein Stück Land als Eigentum oder dessen Wert, falls er­wünscht, in bar ausbezahlt. Das Land kann durch die Bauernbank hypothekarisch belieben werden.

Die Zahl der in der Bibliothek der Petersburger Hoch­schule der Wegebau-Ingenieure aufgefundenen Bom - ben-Mäntel beträgt 80. Auch die dazu gehörige Füllung wurde beschlagnahmt. Die saubere Ausführung der Stahlmäntel deuten auf ausländischen Ursprung. Weitere Haussuchungen haben zur Entdeckung einer wertvollen Korrespondenz der Revolutionäre geführt, ans der hervorgehen soll, daß nach dem letzten Wechsel im Amte des Palast-Kommandanten sofort mehrere im Auslande weilende hervorragende Mitglieder dcr revolutionären Partei nach Petersburg und Moskau abgereist sind, um angesichts der völli­gen Unfähigkeit des jetzigen Palast-Kommandanten einen entsetz­lichen Anschlag gegen das Staatsoberhaupt zu orga­nisieren. Durch die Beschlagnahme dieser Korrespondenz wurde der Anschlag ausgedeckt, jedoch ist der Leiter bisher noch nicht verhaftet.

In W a r s ch a u wurde ein Referent der Geheimpolizei namens Grün e r m ordet.

beitenden Klasse bienen. Das Krankenhaus besteht nur aus Parterre-Pavillons, deren Sicke und Zimmer direkt in einen Garten münden. Die Behandlung nimmt in aller­erster Linie auf geeignete Ernährung und den Gebrauch frischer Luft Rücksicht. Tie Besucher erkannten rückhaltlos die Zweckmäßigkeit dieser neuen Form an, und allgemein wurde der Wunsch ausgesprochen, daß recht viele derartige ländliche Krankenhäuser entweder von Privaten oder von den Kommunen ins Leben gerufen werden.

Eisenach, 6. Okt. Das von der Freisinnigen Volks- Partei entworfene Mindest Programm für den zu bildenden liberalen Block mürbe gestern in einer äußerst zahlreich besuchten Versammlung bekannt gegeben. Der liberale Block spricht sich bemnach für die Einführung des direkten Wahlrechtes aus, ferner für die Ein­führung der Verwaltungsgerichtsbarieit und Verbesserung des Gemeindewahlrechts in kleineren Bezirken.

politische Lagesscharr.

Die liberale Einigung.

Im Anschluß an den Münchener Parteitag' der Dentschen Volksparter wird die Frage der liberalen Einigung sowohl von liberalen Blättern aller Nuancen als auch von den Gegnern des Liberalismus besprochen. Die Volkspartei will nicht auf Kosten der Nationallibc^- raten wachsen, sondern auch die Nationalliberalen in die Einigung ziehen. Diese Bereitwilligkeit zum Zusammen­gehen mit den Nationalliberalen hat in der national- liberalen Presse einen günstigen Eindruck ge­macht, dem besonders süddeutsche, aber auch mehrere nord­deutsche Blätter Ausdruck geben. Gutes' Wort findet guten Ort. Von Interesse ist, daß sogar b.ieRhe in.-W eftf. Ztg.", die sich bisher abwechselnd nationalliberal und frei­konservativ gerierte, lebhaft in jenes freundliche Urteil ein­stimmt. Von dem iin München genehmigten Kommunal- Programm sagt sie, daß es imstande sei,das freiheit­liche Bürgertum aufzuwecken gegen die rückschrittliche Städte- wirtschaft" im Süden, und von den liberalen Einigungs­bestrebungen, daß gerade von demokratischer Seite hier mancherlei anspruchsvolle Wünsche und Verlangen im Interesse des Gesamtlibe­ralismus zurück gestellt und aufgehoben worden sind.Das ZAvalisieren hat ausgehört, inan vertritt jetzt nach jahrzehntelangem Bruderkrieg die Meinung, der ge­meinsame Feind stehe rechts." Wir wollen hoffen, daß die hier kundgegebene Gesinnung vorhält. Wie gesagt, ist die Ausnahme der Münchener Beschlüsse übrigens auch des Mindestprogramms" auf nationalliberaler Seite er­freulicherweise vorherrschend sympathisch. Die Einigung tut eben not. Es braucht dabei von den Freisin­nigen und Demokraten nicht verlangt zu toer» den, daß sie sich mehr nach rechts wenden; und ebensowenig von den N a ti o n a lli b e r ale n, daß sie eine Schwenkung nach links machen. Es genügt, wenn beide sich von der Erkenntnis leiten lassen, daß die libe­ralen Anschauungen eine kräftige Vertretung erheischen und all eVlockparteien dieses Gemeinsame, Einigende über das Trennende stellen. Die Einigung braucht auch keine äußere Form, etwa eines! paraphierten Kartells zu haben. Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.

DeriLscher Reich.

Kabinen (Westpr.), 7. Okt. Das Kaiser paar ist gestern hier eingctrofßm.

Berlin, 7. Okt. Der Landwirtschaftsminister v. Pod- bielski hat wiederum Aufenthalt auf feinem Gute Dal- min genommen, In später Abendstunde wurde demB. B.-C." gestern gerüchtweise gemeldet, PodbielSli habe neuerdings feine Entlassun g eingereicht. Der Minister begründete dieses Gesuch mit der Hartnäckigkeit seines Gicht leidens, für das er während seines dies­jährigen Urlaubs vergeblich Heilung gesucht habe. Das Blatt fügt hinzu, daß es diese Meldung auf ihre Richtigkeit zu prüfen noch nicht i/n der Lage gewesen sei.

Von einer Reihe hervorragender Vertreter der Medizin wurde heute das sogenannte ländliche Kranken­haus im Nordend besichtigt, das ganz den neuen Kran­kenhaustypus darstellt. Das an der Peripherie Berlins liegende, aufs einfachste eingerichtete Krankenhaus soll^zur Behandlung Ironischer Kra.nkhe.iten der ar­

S. u. H. Gvslar, 7.

Heute am zweiten Verhandlungstage ist die Zahl der Teilnehmer am Parteitage noch erheblich gestiegen. Zu­nächst wurde in der Debatte über die Reichs­

finanzreform und über die politischen Verhältnisse fortgefahren. Hierzu war von rhe,irischen Delegierten noch folgende Resolution eingegangen:

Der Vcrtretertag der national/ibcralen Partei hält bei vollster Wahrung des bisherigen nationalen Standpunktes die nack)drücklichste Betonung der liberalen Forderungen in Ueber- einftimmung mit den Eisenacher Beschlusses, für dringend geboten. Er beauftragt dementsprechend den Zentralvorstand, auf dem Vertretertage eine Entschließung herbeizuführen, durch welche die Richtlinien der nationalliberalen Politik erneut festgestellt werden. Im übrigen spricht der Vectretertag die Erwartung aus, daß die Partei sich auch fernerhin int oinne positiver Mitarbeit an den politischen Ausgaben des Reiches und der Einzelstaaten beteiligen werde. Er fordert die Parteigenossen auf, einmütig und entschlossen den Kampf für die bewährten Grundsätze der Partei zu führen und betrachtet cs nach wie vor als die Aufgabe der Partei, den Sammelpunkt für alle liberalen Elemente un­seres Volkslebens zu bilden, in dem er von der Ueberzeugung ausgeht, daß Engherzigkeit und Uneinigkeit nur zur Zersplitterung und Schwächung rühren muß."

In der Resolution führt

Dr. Knocko-Osnabrück- aus: Eine Vogelstrauß­politik darf nicht getrieben toerben. Es muß anerkannt werben, baß eine große Mißstimmung entstanden ist. Das Heil unserer Partei hängt von dem Höhepunkt und von dem Niedergang des Reiches ab. Wir dürfen uns nicht nur auf die Landbevölkerung stützen. Ich danke dafür, toenzt die breiten Schichten der städtischen Bevölkerung von unserer Partei ausgeschlossen bleiben müssen. (Zustim- mung.)

Rechtsanwalt Dr. M arwitz - Fried en au: Wir be­gegnen fast allgemein t i e s e m M i ß b e h a g e n. Das kommt von dem unglückseligen Pessimismus in unseren Reihen. Wir müssen wieder Vertrauen bekommen zu lm- feren Ideen. (Lebh. Beifall.) Ich vermisse die nötige Fühlung mifben Wähler kreis en. Der Heißhunger nach Liberalismus ist noch nicht gestillt worden. Ich bin heute noch hungrig. (Große Heiterkeit./

Redakteur Br u es-Krefeld: Der rote Einschlag in die blaue Farbe, wie wir ihn in Süddeutschland sehen, ist mir zu stark. (Beifall und Widerspruch.) Darum gründen Sie nationalliberale Jugendvereinc in Nord- deutschland als Gegengewicht.

Abg. Dr. Friedberg: Die rücksichtslose Opposition, wie sie von der nationalliberalen Jugend getrieben worden ist, geht weit über das Maß des Zulässigen hinaus. Der Mangel an Besonnenheit führt zur Diskreditierung der Partei. (Lebh. Sehr richtig!) Ich hoffe, daß wir trotz allem zu einer Verständigung kommen, und daß wir wieder eine große und mächtige Partei werden. (Lebh. Beifall.)

Hübsch-Nürnberg von den Jungliberalen: Jsch ver­wahre mich dagegen, daß Dr. Friedberg einen Gegensatz zwischen alt und jung konstruiert. (Beifall bei den Jung- liberalen?) Ein Teil unserer Partei verzweifelt an der Werbekraft des liberalen Gedankens und sucht Anschluß nach links. Wir gehören zu den Optimisten, wir meinen, daß der Liberalismus an seiner Werbekraft nichts verloren hat, wohl aber an seiner Stoßkraft. (Beifall.) Wir halten fest an den nationalen Grundsätzen, wollen aßjr die großen Probleme in freiheitlichem, fortschrittlichem und sozialem Geiste lösen. Damit bekämpfen wir die Sozialdemokratie am besten. Man nennt uns Optimisten, wenn sich aber unsere Gedanken durchringen, wird man uns Realpolitiker nennen. Diese unglückselige Bekämpfung Liberaler unter­einander muß natürlich dazu führen, daß der Liberalis­mus nach HntS abflaut. Wir brauchen eine programmatische Einigung. Wir wollen kein Vertrauens- ober Mißtrauens­votum erteilen, wenn wir unsere Ziele programmatisch fest­legen, werden Junge und Alte gemeinsam me,Verarbeiten an unseren großen Idealen. (Beifall.)

Prof. Geiger-Erlangen: Mau muß jetzt anerkennen, daß bas Zustandekommen der Neichsfinanzreform ein großes Werk war. Wir danken dafür der Reichstagsfraktion. In Bayern sind in der Partei zlvci Strömungen vorhanden; wir hoffen aber, daß Alt und Jung bald wieder zusammen wirken wirb.

Oberbürgermeister Struckmann-Hildesheim legt eine Re­solution vor, in welcher gefordert wird, daß unter vollster Wahr­ung der nationalen Interessen auch den liberalen Interessen mit Entschiedenheit zum Siege verhülfen wird.

Justizrat N e u m e i e r - Kaiserslautern bringt eine Resolution ein, wonach der Vertretertag erklärt, daß durch die aufklärende und erschöpfende Darlegung, welche von feiten der Reichstags- sraktion gegeben worden ist, er die Ueberzeugung gewonnen hat, daß die Reichstagsfraition sich bei der Neichsfinanzresorm in einer äußerst schwierigen Lage befand, daß sie aber bestrebt war, das Richtige zu sinden. Der Vertretertag erkenne dieses Streben an

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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

Montag 8. Oktober 1906

p. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« tir Universttätsdruckeret. R. Lange, Gtetzem.

QL, Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.tz,

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Nr. A3K Zweites Matt 186. Jahrgang

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