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9.7.1906 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Montag » Juli 1906

B

156. Jahrgang

Nr. 158

Erscheint tSgttch außer Sonntag-.

Dem GießenerAnzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Sietzener Zamilien. blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Untverf^Buch-u.Stein- druckerei. 9t Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei?

Schul st raße 7.

Redaktion 112

Verlag u.Exped.e^Wbl Adresse sür Depeschen:

Anzeiger Gießen.

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Sietzener Ameiger»

General-Anzeiger V

i K . den polit. und eiligem.

Amts- Md AnzetgMatt für den Kreis Gießen MW

zeigenteil: Hans Beck.

Are heutige Yummer umfaßt L0 Setten. politische Wochenschau.

Die Nachricht von der Geburt des ersten Prinzen in der k r o n p r i n z l i ch e n Familie wurde mit herzlicher Freude in allen patriotischen Kreisen der Bevölkerung aus­genommen. DieTimes" besprach das Ereignis in be­merkenswert liebenswürdiger Weise. Das Bt.sinden der deutschen Kronprinzessin und des kleinen Prinzen ist zufriedenstellend. Die amerikanische Kolonie beabsichtigt, dem längsten Hohenzollernprmzen ein Ge­sche n kzu machen, da sein Geburtstag auf den höchsten amerikanischen Feiertag, den Tag uct änÄ>hängigkei1serklar- ung, fällt. Das Geschenk soll in einem Becher, verziert mit der amerikanischen Flagge, bestehen und am Tauftage des Prinzen überreicht weroen. DieNat.-Ztg." bestätigt, daß demnächst eine allgemeine Amnestie erlassen werden wird, welche die Vollstreckung von solchen Strafen, bei denen nicht auch gleichzeitig auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt ist und bet welchen der Verurteilte der Gnade würdig erscheint, in weitestem Maße umfassen wird. Diese Amnestie war bereits sür oie Silberhochzeit des Kaiserpaares in Aussicht genommen, wurde jedoch in Rück­sicht aus das erwartete uno jetzt eingetretene frohe Ereignis bis dahin zurückgestellt und soll nunmehr Tatsache werden.

Die koloniale Untersuchung ist nun in Fluß gekommen. Eine ziemlich vollständige Neubesetzung der Kolonialabteitung mit Räten und sonstigen Beamten soll bevorstehen. Dem bisherigen Legationsrat Prof. Dr. H e l f f - rich, der, mie wir mitteilten, in derNat.-Zlg." eine längere Erklärung voller Scharfe gegen Erzberg^rS An­griffe auf die Beamten be^ Kolonialamtes veröffentlichte, erwiderte umgehend der Ä'bg. Erzberger in derGer­mania" folgendes:

1. Der Fall der U n t e r s ch l e i f e in Südwestafrika ist nicht »längst erledigt", weil gerade die Antworten der Regierungs- vertrerer nicht befriedigt haben. Ter Reichskanzler har zudem noch nach neuen Meldungen eure Untersuchung angeordnet. Ich selbst habe in der gejammten Angelegenheit mich stets auf das Einbringen von Anfragen beschränkt. 2. Die Behauptung des Professors Helfferich, daß ich mich der »Mitwirkung von Beamten bediene", die in der Kolouial-Abtetlung angeslelll sind und in »deren Mauern als Denunziant und Spitzel unter Verletzung ihres Diensteides ihr Wesen treiben", war entiveder eine b ö § w i l l i g e L e r l e u m d u n g oder eine leichtfertige Behauptung. Jedensalls kann Dr. Helfferich für diese Behauptung nicht die Spur eines Beweises erbringen. Im Gegenteil, wenn em früherer Beamter der Kolonial­abteilung eine solche Behauptung ohne jeden Beweis ausspricht, so zeigt er nur, daß ich im Rechte bin, wenn ich sein Ausscheiden riich: bedaiire.

Der preußischeLandtug erledigte u. a. die Vorlage zur Festsetzung einer Bersch uldungs grenze für land- und forstwirtschaftlich genutzte Grund­stücke. Den Hauptgegenstand der Sommertagung bildete das V o l k s s ch u l u n t e r h a l t u n g sg c s e tz, dessen Durch­beratung im Herrenhause zu einer wesentlichen Umgestal­tung der vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Kompromiß- fassung führte. Das Herrenhaus nahm am Samstag das Schulunterhaltungsgesek unter Ablehnung aller Ab­änderungsanträge in der Fassung des Abgeordnetenhauses mit erdrückender Mehrheit an. Der Kultusminister sowie namentlich Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopsf wurden von den Vertretern der Regierung und dec politischen Mehrheit des Hauses beglückwünscht. Das Abgeordnetenhaus hielt dann noch eine kurze Sitzung ab, an die sich eine gemein­schaftliche Sitzung beider Häuser anschloß, in welcher die Landtagssesfion geschlossen wurde.

In der Sozialdemokratie beschäftigte man sich wieder einmal mit der politischen Massenstreikfrage. Bebel mag vonl Massenstreik nichts wissen. Er weiß warum und ist darin mit den Gewerkschaften einig. Aber öffentlich möchten er und der Parteivorstand den Nimbus des poli­tischen Werwolfs gern wahren, um durch das von Zeit zu Zeit herbeizitierte Gespenst eines allgemeinen Streiks, der natürlich nie verwirtlicht werden soll, manchem ängstlichen Bürger und vielleicht auch manchem nervösen Staatsmann ein gelindes Gruseln zu verursachen. Die lokalorganisierten Genossen" waren politisch naiv genug, die Schwäche der sozialdemokratischen Massenstreikposition der absolutesten Oeffentlichkeit zu unterbreiten, und so konnte man in bürger­lichen Kreisen das anmutige Gaudium erleben, zuzusehen, wie einem zahmen Grautier das imposante Löwenfell, in das es sich gekleidet hatte, vom Kopfe gezogen wurde. Natürlich erregte diese Entlarvung allenthalben uneinge­schränkte Heiterkeit. Wer den Schaden hat, braucht eben für den Spott nicht zu sorgen.

Auch eine anarchistische Affäre erlebte man, und zwar ergriff die Polizei in Altona einen von Amerika herübergekommenen Menschen Namens August Rosen­berg, gegen den jetzt Voruntersuchung wegen Vorbereitung eines Attentats gegen Kaiser Wilhelm eingeleitet worden ist. Rosenberg lebte 18 Jahre in Seattle im Staate Washington. Ein Bekannter von ihm teilte der amerik. Polizei die Attentatspläne Rosenbergs mit. Die Durchsuchung seines Kollers dort ergab das Vorhandensein von Sprengstoffen und chemischen Apparaten. In Altona hatte Rosenberg bereits mehrfache Vernehmungen zu bestehen, wobei er erklärte, daß die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen unwahr seien. Dagegen soll er sich über seine Zugehörigkeit zu den Anar­chisten und über die Propaganda der Tat ausgesprochen haben. Rosenberg ist amerikanischer Bürger. .Er hatte sich ein kleines Vermögen und etwas Grundbesitz erworben und beabsichtigte, nachdem er seinen Grundbesitz verkauft hatte, den Rest seines Lebens mit seiner aus Holstein stammenden Frau in Deutschland zu verbringen.

Am 1. Juli begann die neue st e ue r po l i t i s ch e Aer<L mit dem Inkrafttreten der zahlreichen ver­

kehrsfeindlichen Gesetze, zu denen der Reichstag un­begreiflicherweise seine Zustimmung gegeben hat. Auch die Erhöhung des OrtSportos trat in Kraft. Die neue Erbschaftssteuer stellt sich als ein steuerpolitisches Monstrum heraus. Es kann nicht ausbleiben, daß die Un­zufriedenheit über die finanzpolitischen Großtaten der Berliner Regierung und des Reichstags in diesem Früh­jahr bis weit in die Reihen der Rechten hinein ganz be­trächtlich werden wird.

In O e st e r r e i ch - U n g a r n hat sich Graf Goluchowski gegenüber allen Anfechtungen von ungarischer Seite be­hauptet. Mit Serbien i)t infolge der unbefriedigenden Antwort dieses Staates der Zollkrieg ausgebrochen. Am 7. Juli veröffentlichte das österr. Amtsblatt eine Mini- sterialverordnung, welche im Einvernehmen mit der un­garischen Regierung anordnet, daß bis auf weiteres Ein- tuhr-Artikel aus Serbien nach dem allgemeinen Zollsätze des geltenden Zolltarifes zu behandeln sind.

Unter den Fragen, die in der diplomatischen Welt eifrig diskutiert werden, steht im Vordergründe das abessinische Problem, über welches nun eine Einigung zwischen England, Frankreich und Italien am 6. d. M. erzielt worden sein soll. Die deutschen Interessen sollen dabei angeblich nicht gefährdet worden sein. Das Abkommen über Abessinien wird erst unterzeichnet, nachdem es dem Negus Menelik vorgelegt ist, der auch die Erlaubnis zur Veröffentlichung des Abkommens erteilen muß. Einem Pariser Blatte lvuroe aus London berichtet, die Konzession der abessinischen Bahn werde eine französische sein, sie werde aber umgestaltet werden, indem der gegenwärtigen Leitung ein italienischer und ein englischer Direktor zu­geteilt werden. Man sei der Ansicht, daß hierdurch die italienischen Interessen gewahrt werden.

Der Zulu-Aufstand in Natal lähmt einstweilen die englische Politik. DerStandard" erhielt aus Johannis­burg die Nachricht, daß die ganze weiße Bevölkerung der Stadt durch die Kassernaufpande auf das schwerste ge­fährdet sei. Kasfern sturmen aus der ganzen Umgebung nach der Stadt und ziehen raubend und plündernd durch die Straßen. Die Panik unter der weißen Bevölkerung ist im Wachsen begriffen. Manche verbarriradieren die Häuser und stapeln in den Kellern Vorräte an Nahrungsmitteln auf für den Fall, daß es zu einem regelrechten Bürger­kriege mit den Kaffe, rn kommen sollte. Ueberall werden Gewehre und Munition bereit gehalten. Obwohl von den Behörden täglich zahlreiche Kassern verhaftet werden, dauern die Räubereien und Tätlichkeiten fort.

Die internationale Politik Englands geht übrigens mit außerordentlicher Schlauheit dahin, in diesem Augen­blick alle Mächte durch ein Netz von freundschaftlichen und herzlichen Beziehungen sich geneigt zu machen. Nach amt­lichen Meldungen trifft das große englische Kanal-Ge­schwader am 23. August zu einemfreundschaftlichen" Besuche vor Lübeck ein. Das Geschwader umfaßt 97 Kriegs­schiffe. Ferner wird die russische Regierung zur freundlichen Hinneigung gegenüber England verpflichtet nach der eng­lischen Geldhilfe noch durch den diesem Lübecker Besuche folgenden Flottenbesuch in Kronstadt. So schafft sich Groß­britannien, das sein Verhältnis zu allen Großmächten immer enger gestaltet, offenbar Spielraum, um die Lösung einer Reihe von äußerst wichtigen schwebenden Fragen im nahen Orient und in Jnnerafrika in feinem Interesse herbeizuführen. Man wird der Zeuge eines langsamen Vor- schiebens zahlreicher Figuren auf dem politischen Schach,- brett und kann nicht umhin, diesen Vorgängen das ge­spannteste Interesse zu widmen, deren wahre Bedeutung eines Tages gewiß erhellen wird. Die Konversion der italienischen Rente wäre ohne Englands Freund­schaft den Italienern wohl auch nicht fo leicht möglich ge­worden. Italien hat offenbar in den englischen Kombi­nationen eine ganz bestimmte Rolle zu spielen, wie das bei der abessinischen Frage Frankreich gegenüber zum Ausdruck gebracht worden ist.

Während E h a m b e r l a i n, der am 7., d. M. seinen 70. Geburtstag feierlich begehen konnte, folgende Botschaft in die Kummer sandte:Behandelt die Ausländer, wie sie uns behandeln, behandelt Eure Landsleute b «j f e r a l s die Ausländer", ist nach dem Muster des in England bestehenden englisch-deutschen Freundschastskomitees, von dem u. a. die Einladung an die deutschen Redakteure aus­gegangen war, in Deutschland ein deutsch-englisches Verständigungs-Komitee in der Bildung begriffen, dessen Aufruf, wie diePost" mitteilte, von 800 Parlamen­tariern, Beamten, Gelehrten, Industriellen, Knufleuten und anderen angesehenen Persönlichkeiten unrerschrieben worden ist. Zu den Unterzeichnern gehören u. a.: Der Präsident des Herrenhauses Fürst Knyphausen, der Präsident des Abgeordnetenhauses v. Kröcher, Graf v. Rechberg, Fürst von Donnersmarck, Prinz v. Arenberg, Minister a. D. Dr. Frhr. Lucius von Ballhausen, Dr. Hamm, Oberlandesge­richtspräsident a. D., Dr. v. Hcydebrand, Freiherr Hehl zu Herrnsheim, Kirstein, Bischof von Mainz, Dr. Krause, zweiter Vizepräsident des preußischen Abgeordnetenhauses, Dr. v. Nasse, Oberpräsident a. D.

Von weiteren internationalen Geschehnissen verdient die Verhandlung des Dr ey f us-Pr oz es ses erwähnt zu werden. General M e r c i e r veröffentlichte ein an den Präsi­denten des KassationshofeS gerichtetes Schreiben, in welchem er sagt, er werde gegen die vom Generalproturator er­hobenen Beschuldigungen nur dann öffentlich tämpfen, wenn eine neue Verhandlung vor einem Kriegsgericht angeordnet werde.

Die Genfer Konvention wurde in Genfer Kon­ferenzen einer Revision unterzögen. Nach Meldungen aus Genf ui;i;eilen die deutschen Konferenzmitglieder, General Baron Manleusset u. Professor Zorn, ihre volle Befrie­

digung über die Ergebnisse der Konferenz. Deutschlands Antrag, die Konferenz möchte den Wunsch aussprechen (Ruß­land hatte eine schärfere Fassung verlangt), daß das Haager Tribunal als zuständiges Forum für jeden Bruch der Genfer. Konvention anzuertennen sei, wurde von den Vertretern Frankreichs, dem Berner Gesandten Revoil und dem Pro­fessor Renault, unterstützt. Diese beiden befürworteten noch mehrere andere von deutscher Seite gestellten Anträge, wäh­rend die Engländer und Japaner sich in einzelnen Fragen ablehnend verhielten. Immerhin, so versicherte Manteuffel, sei die ersreuliche Uebereinstimmung in allen Hauptfragen zu konstatieren. In Zukunft wird man über die Zahl der Verwundeten und Kranken in den Feld­lazaretten genügend unterrichtet sein. Der Schutz dieser Lazarette ist mit neuen Bürgschaften umgeben, sodaß den unglücklichen Zufällen ein geringer Spielraum bleibt. Hart­näckig wurde namentlich von italienijcher Seite der schließ­lich mit schwacher Mehrheit angenommene Antrag be­kämpft, daß das rote Kreuz künftighin nicht mehr zum Schutze industrieller Transporte verwendet loerden dürfe. Dagegen ist mit Befriedigung die Annahme des Roten Kreuzes als Abzeichen der Verwundetenpflege von feiten der Türkei und Persiens hervorzuheben.

In Rußland blieb das alle Bild der inneren Krisis. TieNowoje Wremja" veröffentlichte ein Interview mit dem Reichsratsmitglied Platonow über die Lage. Dieser sagte:Die Auslösung der Duma mit allen recht­zeitig getroffenen Vorsichtsmaßregeln wurde für Rußland beruhigend wirten, namentlich bei gleichzeiliger teilweiser Aenderung des Kabinettsbestandes. Dieses Mittel ist nach meiner Ansicht die einzige Maßnahme, um einen bei­spiellosen Skandal zu beseitigen, welchen man als Konflikt zwischen Duma und Regierung bezeichnet. Deut­licher zu werden verbietet mir meine dienstliche Stellung." Gegen den Dumadeputierten Alad.in, den Führer der Arbeiterpartei, hat die Petersburger Gouvernements-Gen­darmerie eine Untersuchung eingeleitet wegen Be­teiligung an der Agitation im 1. Bataillon des Preo- brasck)enski-Regimenls. Aufsehen erregte in der Duma eine vom Dumaprusidenten Muromzew erlassene Kundgebung, welche das Tragen von Waffen in der Duma verbietet. Aus Ribinsk wurde gemeldet, daß Revolutionäre den Ver­such machten, die auf dem Marien-Kanal in Petersburg] fahrenden Schiffe in Brand zu stecken oder zum Sinken zu bringen. In den letzten Tagen war im Os ko m er In­fanterieregiment eine so starte Gärung bemerkbar, daß allen Zivilisten nicht nur der Eintritt in die Kaserne, sondern auch das Vorübergehen an den Gebäuden ver­boten wurde. Die Offiziere deS Regiments wurden entlassen. Unter den Soldaten ist die Lektüre radikaler Blätter an der Tagesordnung, ebenso von aufrührerischen Proklama­tionen und Broschüren. Nach Meldungen aus Odessa zir­kulierte unter den Truppen der dortigen Garnison ein Aufruf, der von vier Regimentern der Küften-Brigade unter­zeichnet und in Tausenden von Exemplaren unterbreitet ist. Der Aufruf fordert die Hauptpersonen der Arbeiter­gruppen der Duma aus, das Volk und seine Vertreter in der Duma zu unterstützen und sich zum Kampfe gegen die Regierung vorzubereiten. Finnländische Revolutionäre haben ein Freischärlerkorps organisiert, das den Namen Die rote Garde" führt. Die Aufgabe dieser Freiwilligen besteht in der Inszenierung eines Aufstandes, der das ganze Land umfaßt und dieLosreißung Finnlands von Rußland bezweckt.

26. oLayntalsängerbundessest.

Gießen, 9. Juli.

Die Begrüßungsfeier am Samstag.

Das in wochenlanger eifriger Arbeit von den zahlreichen Ausschüssen in bester Weise vorbereitete diesjährige Bundes- fest des Lahntalsängerbundes wurde am Samstag Abend, nachdem ein von der Regimentskapelle ausgeführter Zapfen­streich vorangegangen war, durch eine Begrüßungsfeier äußerst verheißungsvoll eingeleitet. Die große, schmucke Fest­halle, deren Inneres durch Fahnen, Wappen und Guirlanden sehr schön dekoriert war, hatte kaum noch einen leeren Platz aufzuweisen, als die Kapelle unseres Infanterie-Regiments mit dem Fehrbelliner Reitermarsch die Feier eröffnete. Alle Klassen der Bevölkerung waren bei den Festteilnehmern ver­treten und auch die Vertreter der Behörden bewiesen durch ihr zahlreiches Erscheinen, welche Bedeutung sie der Feier und der Pflege des deutschen Männergesanges beilegen. U. a. waren S. Magn. der Rektor der Landesuniversität, Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel, Handelskainmerpräsident Kommerzienrat Koch und zahlreiche Mitglieder des Stadt­vorstandes anwesend. Sie alle und die zahlreichen sonstigen Festgäste begrüßte der 1. Festvorsitzende, Stadtv. Eichenauer, mit folgenden Worten:

Hochverehrte Festversanunlnng!

Zum 26. Feste des Lahnlal-SangerbnndeS, welches zum viertenmale in den Mauern Gießens, unter der Teilnahme der ganzen Bevölkerung festlich begangen wird, rufe ich Ihnen Allen namens der Festleilung ein herzliches Willkommen entgegen. Ich begrüße in deren Namen vor allem die Spitzen unserer hohen Behörden, welche auch bei diesem Anlässe wieder in bereitwilliger Weise mitgehalfen haben, unser Fest tatkräftig zu unterstützen. Wir fchnldeii diesen Dank allen hohen Staats- und Militärbehörden, vor­nehmlich aber der Stadtoertretung für die überaus große Bereitwilligkeil unser Fest mit allen Kräften zu fördern, und dieser Dank wird sicherlich in allen Herzen einen lebhaften Widerhall finden.

Meine zweite Begrüßung gilt dem Bundesvorstand des Lahntal« Sängerbundes, und allen heben Sängern, besonders unseren werten Gästen. Die früheren Feste, welche der Lahntal-Sängerbuiid in der alten Museustadt Gießen feiern konnte, standen bei der ganzen Einwohnerschaft in solch guter Erumerimg, daß wir auch diesesmal nut srohem Mute an die Ausgaben wiederum herantreten durften, ein solches Gesangs- und Bollssest zu übernehmen.